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Jüdisches Volksblatt · 1903-01-23 · 4 (23.1.1903) · p. Seite 6

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1903)
Issue
4 (23.1.1903)
Date
1903-01-23
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 23. Jänner 1903 Nr. 4 ruugZquellen tausender junger Kräfte, ja tausender ganzer Familien, die daun nicht nötig hätten, Wanderstab und Bettelsack zu ergreifen oder sich dein schändlichen Gewerbe der Prostitution in die Anne zu werfen. Obige, bei allen anderen Völkern so selbstverständliche Nährquelle ist den Juden im allgemeinen und in Galizien im besonderen fast unbekannt, oerschlossen und dies verursacht die peinlichsten Kalamitäten, die schmählichste Brotsucherei, den schimpflichsten Brotneid. Vergebens Iverden da die Rabbiner und Prediger zum Kampfe gegen den Mädchenhandel mobilisiert, vergebens Fangstationen errichtet gegen die veriverfliehsten Geschövfe, die Mädchen- Händler. Ich trage gar keine Bedenken, eS auszusprechen: ES sind, trenn nicht immer, so doch zumeist, die Gefallenen, die durch die Mädchenhändler exportiert tverden. lind zu deren Bekämpfung und Vernichtung eine Wache auS Rabbinern und Predigern, eine Nobelgarde von Damenkomitees auf,zügelten, scheint mir nicht das richtige Mittel zu sein. Möge cS mir daher gestattet sein, einige praktische Winke zu erteilen. 1. Tie organisierten Hilfskomitees mögen durch in ganz Galizien zu verbreitende Flugschriften in hebräischen Lettern die jüdische Bevölkerung zur Ausführung aller Verrichtungen vom Hausmeister bis zum Holzhacker auffordcru und die Rabbiner veranlassen, voit der Kanzel herab belehrend auf daS Publiktnu einzutvirken. ’ 2. Um die ärmere Mädchcnklassc von dem Getverbe der Schande abzuhalten, sollen Wirtschaftsschulen in Leinberg, Krakau, sowie in allen anderen größeren Städten Galiziens errichtet werden, in denen die aus der Volksschule entlassenen jüdischen Mädchen in allen häuslichen und wirtschaftlichen Verrichtungen zu unterweisen sind, die jüdische bürgerliche, sowie feinere Küche, das Backwesen usw. praktisch geübt wird. 3. Von eminenter Notwendigkeit erscheint die Errichtung von Mädchenheimen in den größeren Städten mit gesonderten Kursen für Gouvernanten, Bonnen und Kindergärtnerinnen. Ich habe wohl nicht nötig, auf die Wichtigkeit von an jedem Sabbat stattfindenden erbaulichen und unterhaltenden Zusammenkünften unter Teilnahme der Vorsteherinnen dieser Institute, soivie der Pflege des jüdisch-nationalen religiösen Gedankens in Wort, Schrift und Lied hinzulveisen. Der jüdischen Frauenwelt muß diesbezüglich eine führende Rolle eingeräumt werden. Die jüdischen Damen hätten als Vorsteherinnen und Pflegemütter die Zöglinge in ihren Schutz zu nehmen, ihre Ausbildung und ihre Moral zu überwachen, die Stellenvermittlung zu besorgen und die Leistungsfähigkeit der jeweiligen Schutzbefohlenen durch ihre Zeugnisse ficherzustelleu. Tie Freigebigkeit unseres Volkes, sowie der deutschen Hilfskomitees eventuell auch der „Ica" setzt die Komitees iu den Stand, die Mädchen durch Zuerkennung von Prämien zu regem Fleisze und moralischer Führung anzueifern. Die Löhne der Mädchen fließen in die Kasse der Verwaltung, wo sie, gesammelt und verzinst, den Mädchen ein Kapital sichern. Sache der Privatwohltätigkeit wird es fein, Heiratsausstattungs-Stiftungen zu kreieren, um die Mädchen nach zurückgegelegtem 2b. Lebensjahre mit einer Mitgift zu versehen. Wer übersieht die Zahl jüdischer Mädchen, die durch den Segen ehrlicher Arbeit vor Schande bewahrt, wer kann mitfühlen das stolze Bewußtsein jener Mädchen, die, auf einen ordentlichen Lebensweg geleitet, sich stolz als Jüdinnen ihr Lebenlang bekennen und niemals wanken und ihrem Glauben abtrünnig werden, sich niemals abwenden von ihrem Stamme und seiner Heilslehre. Nun der heikelste Punkt: Der Sklavinnenhandel. Auch dieses schmähliche Gewerbe kann — in anderer Form — zum Heile dienen. Wie der Arzt die giftigsten imb verderblichsten Stoffe in den Dienst der Wissenschaft stellt und dieser nutzbar macht, so können auch wir Aehnliches unternehmen; ja, wir können sogar eine Art Vorsehung auf Erden inaugurieren. Handelt es sich doch um das Los unserer Töchter, das lvohl an der Seite anständiger Männer am gesichertsten sein dürfte. Wie oft geschieht es, daß Ehen von einem Weltteile zum anderen geschlossen werden, und gerade unser Volk kann derartige Verbindungen besser als jedes andere vertragein Verfolgen wir nun diesen Gedanken tveiter, so wäre folgendes ein annehmbarer Vorschlag für die verschiedenen, gegen den Mädchenhandel organisierten Komitees: Tie Komitees nehmen Anträge von achtbaren Personen entgegen, die ein jüdisches Mädchen aus irgend einem Orte Galiziens oder Rußlands in Dienst nehmen, resp. heiraten wollen. Das betreffende Komitee würde segensreich wirken und sich den Dank vieler tausender ertverben. Wollt ihr, Brüder deutscher, englischer, französischer oder sonst ivelcher Zunge immer ihr seid, euren Brüdern unb Schwestern in Galizien helfen, so schaffet ihnen: mehr Geld, mehr Arbeit und — mehr Eheschließungen!! D r. Rüben Vierer. Die Probepredigt hält die jüdischen Gemüter in Aufregung. Wie kommt es? Vor Jahren war die Besetzung eines Prediger- Postens höchstens Gegenstand fader Witze; ernstes Gesprächsthema geschweige denn ernste Streitfrage konnte diese Frage nie werden. Mit den Worten: „Wir stehen im Zeichen der Probepredigt/' beginnt der Vizepräsident der Kultusgemeinde seine Antrittsrede. Wie kommt es? Woher dieses rege Interesse? Hat die Besetzung des Predigerpostens überhaupt eine Bedeutung? Und da lvird jeder, sogar der Uebeltvollende, dem Ausspruche nicht opponieren, tvenn ich mit allein Stolze eines bewußten Parteimannes sage: „Cs war unser Parteiorgan, das „Jüdische Volksblatt", welches diese Frage zur Tagesfrage, ja zum Kampfobjekte aller jüdisch Denkenden gemacht hat." So ww die 'jüdischnationalen Parteien und ihre Presse überhaupt den ^inn 'für jüdische Angelegenheiten in Wien geweckt, das Jüdische iu Wien zu einem neuen Leben gebracht, die Juden znm Iu^'i'tniu .»«rückgeführt hat, so haben >vir iu dieser für die Wiener Jüdisch Tunkenden bedeutsame Frage die geistige Führung uns augeeignet und die jüdische Bevölkerung ralliiert. Und wenn jenmiid den Ausinruch getan: „Wie es sich christelt, so jüdelt es sich", in dieser Frage weniastens können wir nach berühmtem Muster sagen: „W'i r ja ivir -- haben die Tempel gefüllt." Und nun sei es mir als Laien und als Juden gestattet. Ivclche Bedeutung für mich die Besetzung des Predigcrpostens hat. Fürivabrl Ick> habe in meinem Leben viele Predigten gehört und viele Predigten gelesen und die Erfahrung, die ich als Hörer und Leser gemacht habe, lehrt mich folgende, für den ersten Moment vielleicht triviale, vielleicht überflüssige Anforderung an die Predigt und an den Prediger stellen. „Die Predigt mutz vor allem „j ü d i s ch sein", der Prediger in der Gemeinde muß unbedingt unabhängig sein. DaS Predigen darf nie mrf Konrmando geschehen. Ich habe einen Prediger gehört, lvie ec von einer jüdischcit Kanzel die Schlacht bei Grunlvald, die polnischen Revolntionshelden, die Märtyrer des Jahres 1333 feierte und die polnische Nation mit ihrem Kasimir als mustergiltig pries. Gleichzeitig las ich die Predigt eines Rabbiners betreffend die ungarischen HonvedS, er pries die Ungarn als allen voran; von deutschen Predigern als Redner bei Sedanfesten schon gar nicht zu sprechen. Wir haben von einer einigen und einzigen jüdischen Lehre im Religiousuutcrrichte gehört und nun hören ivir jüdische Lehrer Verschiedenes verkünden. Derartige Prediger sind keine jüdischen, sie rütteln an den Grnndvesten unserer Lehre, unseres Volkstums. Die Kanzel im Tempel, diese einzige Stätte, Ivo reines und unverfälschtes Judentum zum Ausdrucke gelangen kann, kann nur zur Pflege jüdischer und nicht fremder Kultur herangezogen Iverden. Der Prediger muß unabhängig sein, er muß nicht, wenn schon leider die Kultusvorstehung so leidig ist, daß der Rabbiner Laien untersteht und seinen Gehalt vom Kultusvorstande bezieht, die Käuzel zu einer Stätte der Agitation für den jeweiligen Kultusvorstand und seinen Präsidenten machen: er muß nicht so singen — und das ist daS Wichtigste -- wie seine Geldgeber es wollen. Er darf nickst eine liberale Predigt halten, tvenn zufällig dem KultuSvorstande liberale Parteimänner angchörcn. Er .mriß den Allst haben, ivenn ein .Kind eines Kultusvorstandes sich tauft, in der KarlStirche heiratet und von feinem Vater, dem jüdischen KultuSvorstande, in die Kirche begleitet wird, muß er den Mut finden, von der Kanzel diesen Vorfall int flammenden Worten zu verdammen, den Mangel jüdischer Erziehung in dem Hause eines jüdischen KultuSvorstehcrS zu tadeln, geradeso, lvie er die Nackensteife findet, seinen Präsidenten am Eingänge des Sabbat zn loben. Im großen Svielerprozeß iu London erschien der jetzige König von England und damalige Prinz von Wales vor der Zeugenbarre des Londoner Richters. Dieser Richter fand und sprach in öffentlicher Gerichtsverhandlung vor englischen Bürgern den Gesckilvorenen, im Angesichte der gesamten europäischen Presse, Worte harten Tadels über den Ilmstand, daß sein Kronprinz in solcher Gesellschaft zu finden ist. Er sprach cs einem Manne ins Gesicht, vor dem sich alle Bürger eines Reiches beugten, in dem die Sonne nie nniergelst. Diese Unabhängigkeit muß der Prediger, der Urteiler üHt das jüdische sittliche Leben in der Gemeinde gegenüber seinem Vorstände finden. Und das kann ja nicht schwer sein. Wie sagte Dr. Marcel Hoffmann: Der Rabbiner ist in der Judengemeinde nach Gott der erste. Und so begrüße ich es, daß es gerade Dr. Grnntvald war, welcher in einem Momente, wo er am abhängigsten ist — handelt es sich doch um Dekretierung seiner Besetzung — in einer in Form, Inhalt und Sprache gediegenen und sehr geistreichen Rede Sätze gepredigt hat, die gerade meinem Empfinden am meisten entsprach. Die Bewegung des Jahres 1833, dieses Asyl der Assimilanteu, vor einem aus dentschgesinnten Männern — so z. B. hat Dr. Gustav Kohu soeben den Aufruf der deutschfreisinnigen Partei unterschrieben —, liberalen Männern bestehenden Kultusvorstande, eine schwimmende Insel zu nennen, auf die sich die das jüdische Schiff Verlassenden geflüchtet haben, zeugt von Mut, welcher ihm — ich will cs hoffen — nicht schaden lvird. Das Wort vom modernen Prediger ist nunmehr anläßlich der Prvbepredigten viel zitiert worden. Nur der „jüdische" Prediger ist der moderne Prediger. Jüdisch war die Predigt — dies hat ihm die Sympathien meiner Wenigkeit, eines Laien, erworben. Ich weiß, ich befinde mich in dieser Frage im krassen Gegensätze zn vielen meiner Parteigenossen. Allein die objektive Haltung meiner Partei und ihres Organes lvird am besten dadurch gekennzeichnet, daß sie mir gestattet, einen gegenteiligen Standpunkt in ihrem offiziellen Organe vor aller Oeffentlichkeit kundzugcben. Mein Urteil ist vor allem nicht in Uebercinstimmung mit dem Urteile unseres Fachmannes, das ist nur natürlich. Seit wann stimmt der Am hnurez mit dem Gelehrten überein. Das wird man mir, dem Am hnurez, gewiß verzeihen. Aber einen Laienstaudpnnkt Ivill ich in aller Hochachtung vor den Vertretern dedsetben lviderlegen. Eine Verwandschaft, vielmehr Schwägerschaft, mir einem Manne, der unseren Standpunkt lviederhott bekämpfte und gerade in der letzten Wahlkampagne einen sehr unheilvollen Einfluß übte, soll die Jnnchabnng des zur Besetzung gelangenden Postens durch Dr. Grunlvald für inkompatibel machen. Vertritt man den Staudpuukt, so muß nran konsequent bleiben und jede Rezension der Predigt unterlassen. Allein ich halte diesen Standpunkt für verfehlt. Abgesehen davon, daß die Oeffentlichkeit jede parteimäßige Verwaltung des Predigeramtes zu verhindern wissen wird, so widerspricht es gerade unserem demokratischen Standpunkte, jemandem die Karriere einfach wegen seiner Zugehörigkeit zu einer bestimmten Familie abzuschneiden. Zeigt denn nicht gerade die Zusammensetzung unserer Partei das gerade Gegenteil? Söhne und Brüder notorischer Assimilauten sind mit Körper und Seele leidenschaftliche Verfechter jüdisch-nationaler Ideen. Ja, Männer, die selbst als Assimilmiten im politischen Leben tätig waren, stehen im Vordergründe der Partei. — Wir würden uns dagegen verwahren, wenn die politischen Unterschiede in der Familie des Betreffenden znm Maßstabe für die Zuteilung der Funktionen annehmen müßte. Das politische Leben wirkt gerade im Belange der Gesinnung zersetzend. Familien teilen sich gleichfalls in volitische Lager. Znm Schlüsse noch eine Bemerkung an den hohen Kultus- Vorstand. Genug der Probepredigten. ES gereicht uns zur ganz besonderen Befriedigung, daß Herr S. Goldschmidt ans Proßnitz spricht. Eine ganze Reihe von Männern zn berufen, von denen man im vorhinein weiß, daß sie nicht ernst genommen würden, ist demütigend für den Probekandidateu, die ihn auhörcudeu Experten und die Oeffentlichkeit. Schließlich muß mau denn doch zum normalen Gottesdienste zurückkchreu. Einen Wiener Tempel zur Ausstellung aller möglichen Kandidaten aus allen Weltgegenden zu machen, geht nicht au. Gott gebe, daß wir den besten Prediger zum Wohle der Gemeinde und zum Wöhle deS Wiener Judentums erhalten. Das walte Gott! D r. C a r l L i f c z i s. Wien, den 20. Jänner 1903. Wieder haben wir einen jüdischen Demosthenes im Leopoldstädter Tempel gehört. Das Piiblilum war des Lobes voll über dessen Rede. D'«> auf Gasti'viel sich einfindenden Prediger haben es in Wien leichter Beifall, zu finden, wie in einer jüdischen Dorfgemeinde. Das Wiener Publikum ist seit 35 Jahren gewöhnt, die faden, geistlosen Reden oder das peinliche Gekrächze <$> ü b t m anns anzuhören. der weder Gedanken, noch Stimme besitzt. Was Wunder, wenn die Probeprediger, die halbweas über logische Gedanken und über ein halbwegs fyinvatbifches Organ verfügen, Beifall finden? Indessen sind die bisher gehaltenen Reden,mitAusnahme der Rede des Dr.Kaminka, der wirklich geistreich und logisch gesprochen, durchaus nicht für ein intelligentes Residenzpublikum befriedigend. All die Redner haben nach der alten Schablone gesprochen, eine bei den Haaren herbeigezerrte Exegese angewendet, sich als richtige Akrobaten der Exegese benommen und ihre Künste produziert, wie etwa ein obszöner galizischer Dorfchaßid. Der große Hamburger Spinoza-Philosoph hat es sogar für nötig gefunden, den talmudischen Münchhausen, den Rabba bar bar Chone ins Treffen zu führen. Aber wir sind gewiß, daß die Gewählten schon gesprochen haben. Die folgenden werden noch zur Vollendung der Komödie ihre Gastspiele absolvieren. Leopold Gansel. m Hochlöbliche Redaktion! Es wird Ihren Lesern nicht uninteressant sein, zu erfahren, wie kläglich die hiesige Kultusgemeinde mit ihren hohen Schächtergebühren geendet hat. Das Präsidium der hiesigen Kultusgemeinde hat beim hohen Kultusministerium persönlich vorgesprochen und die Versicherung mitgebracht, wenigstens verbreitet, daß die Kultusgemeinden autonom seien und, nachdem das Bedenken der hohen Statthalterei, welche durch eine solch hoch geplante Schächtergebühr den Rückgang des Fleischkonsunis befürchtete, sich nicht herausstellte, die 5 Kr.-Gebühr bewilligt werde, und wurde auch dieser fragliche Mehrertrag nicht ins Präliminare ausgenommen und der Quotient wieder auf 32 Kronen festgesetzt. Aber welche Enttäuschung nmßte das Kultuspräsidium erleben, als am 3. d. M. die Kultusgemende mit ihrem Rekurse, welcher dadurch um einen Tag zu spät bei der hohen Statthalterei anlangte, weil der Rekurs durch die hiesige löbliche k. k. Bezirkshauptmannschaft zur Weiterleitung an die Statthalterei eingereicht und abgewiesen wurde. In dem Bescheide wird der Kultusvorstand gleichzeitig aufgefordert, die mehr eingehobenen Beträge, bei Androhung der Anwendung der §§ 21 und 30 des Kultusgesetzes vom 21. März 1890, R.-G.-Bl. 57, rückzustellen, und wird man jetzt daran gehen niüssen, eine neue Taxe zu erfinden, um den Fleischern das durch große Konkurrenz, und sonstige Schwierigkeiten leidende Geschäft zu erschweren. Es ist kaum Aussicht vorhanden, daß dies friedlich geregelt wird, weil die Stimmung zu gereizt ist, und fühlen sich die Fleischer durch die hohe Ministerialverordnung genügend geschützt. Ueber den Verlauf werde weiter berichten. U n g.-B r o d, 5. Jänner 1903. Jakob Schon. * Verehrt. Redaktion des „Jüdischen Volksblatt" Wien. Die Zionisten resp. Jüdischnationalen haben schon so manches znr Ehre und zum Wohle deS Judentums beigetragen und glaube ich, daß sich dieselben noch besonders verdient machen würden, tvenn sie nachstehendes dnrchzusetzen trachten möchten, was sehr leicht zu erreichen sein dürftet Bekanntlich werden beim Militär den jüdischen Soldaten nur an den hohen Feiertagen freigegeben, während die christlichen Soldaten znm Besuche des allsonntäglichen Gottesdienstes direkt angehalten werden, also warum sollen da nicht die jüdischen Soldaten an allen Samstagen den Gottesdienst besuchen? In Wiien allein bei einer Garnison von beiläufig 10 000 Mann dürften wenigstens 6 Perzent Inden darunter sein, also 600 jüdische Soldaten; denen könnte man durch Ansuchen der jüdischen Behörden usw. ganz leicht erwirken, daß man ihnen alle Samstag den Besuch des Gottesdienstes ermögliche. Die Militärbehörden sehen es sogar sehr gerne, wenn der Soldat eine Religiosität hat und das Dienstrcglemcnt schreibt sogar direkt vor, jede religiöse Ueberzengnng zu achten. Wenn die Kilttiisgemcinde bei der Militärbehörde mir das Ansuchen stellen möchte, glaube ich, man würde dieses tunlichst berücksichtigen. Hochachtungsvoll „Ein jeder das seine." „Die Geisilerin". *) Besprochen von sind. phil. A. Halberthal. Die kritische Beurteilung gewinnt immer mehr den Charakter einer Wissenschaft. Sie war zuerst Mode geworden, hat sich dann einen Einfluß zn verschaffen gewußt, um dann gewissermaßen eine notwendige Stellung in der Literatur einznnehmen — kurz: man rechnet mit ihr — sie ist für die Ausnahme oder Ablehnung eines Werkes seitens des lesenden Publikums maßgebend. So mancher Dichter in den deutschen Landen beklagt sich bitter „über die Beschwerlichkeit seines Standes und Berufes, seufzt tief über manches oberflächliche, nicht selten willkürliche Walten der — Wissenschaft der Kritik". Noch mehr Schriftsteller jedoch seufzen und leiden unter dem Drucke der geringschätzigen Vernachlässigung des — kritiklosen Urteiles. Was wohl dem „Federführer" mehr Schmerzen bereiten mag: „Behördliche Zurückweisung" seitens der Rezensenten oder verachtungsvolles, kritikloses Schweigen derselben? . . . Sv formuliert etwa, tauchte die Frage in meinem Hirne aüf, als ich mit der Lektüre der „Geißlerin" zn Ende war. Josef Laufs scheint mir ein solch „totgeschwiegener Dickiter" zu sein. Ol Man kennt ihn zur Genüge - er wird oft genannt; lver hat noch nicht vom „anderen Hanptmaun" eine K'arikatur gesehen oder wenigstens einen faden Witz gelesen?! Dazu wird er nur allzu oft verwendet; aber einer kritischen Besprechung in der literarischen Welt wird er nur sehr selten gewürdigt. Hie und da findet man in den „kleinen Anzeigen" eine kurzgehaltene Notiz: „Josef Laufs wurde vom Kaiser mit der Verfertigung eines Festspieles betraut" oder: „Seine Majestät wohnte der ) Epos von Josef Laufs.

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