Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1903)
- Issue
- 4 (23.1.1903)
- Date
- 1903-01-23
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 4 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 23. Jänner 1903 Gin verkanntes Proletariat. (Von Lehrer Juda Jckowicz Brau n, Radomysl bei Kiew.) Wenn wir von einem jüdischen Proletariat sprechen, so denken wir natürlich an die große Zahl in Rußland, Rumänien und Galizien und es hieße Eulen nach Athen tragen, wollte man den Nachweis führen, daß in diesen Ländern die größte Zahl der Juden wirklich dem Proletariat angehöre. Dagegen stimmen die Anschauungen über die Inden des Westens fast allgemein darin überein, daß die jüdische Gemeinschaft viele Reiche unter sich zählt, daß ihre große Masse zu dem wohlhabenden Mittelstände gehört und daß es nur wenig Arme unter ihnen gibt. Diese letzteren zumal sollen aber entweder berufsmäßige Schnorrer sein oder zu dem geistigen Proletariat gehören. Immer wieder stoßen wir auf die größten Jrrtümer, die über jüdische Verhältnisse verbreitet sind, und man wird immer mehr genötigt, eine Ansicht über jüdische Dinge zu bezweifeln, weil sie allgemein verbreitet ist, denn meistens erweisen sich gerade diese Anschauungen als grundfalsch. So geht es auch mit der Auffassung, daß die westeuropäischen Juden in ihrer Masse den wohlhabenden Ständen angehören; auch diese Idee ist vollständig irrig. Wohl ist es richtig, daß unter der jüdischen Gemeinschaft eine Anzahl sehr reicher Leute sich befinden, deren Niesenvermögen auffällig genug sind, um die Angen der blöden Menge zu blenden. Hier in meinem Wohnorte findet man eine Familie H o r u st e i n, die über viele Millionen verfügt, aber ihr steht eine Masse von sehr armen Leinen gegenüber, die durch ihrer Hände Arbeit mühsam als Handwerker, Taglöhner, Dienstboten ihr kärgliches Brot erwerben. Schreiber dieser Zeilen hat die Verhältnisse hier in Rußland seit zwölf Jahren kennen gelernt und ist immer zu sehr interessanten Resultaten gekommen. In den Städten Warschau, Lodz existiert in ihren Fabriken eine große Anzahl von Werkstätten, deren Inhaber Inden sind; aber nicht nur in diesen, sondern auch in allen anderen Werkstätten ist eine große Anzahl von jüdischen Arbeitern beschäftigt, und zwar sind es nicht nur Männer, sondern auch Frauen und besonders junge Mädchen, die die zwar nicht allzu schweren, aber große Aufmerksamkeit erfordernden Arbeiten verrichten und einen oft recht kärglichen Lohn dafür erhalten. Aehnlich wie in Warschau, Lodz liegen die Dinge im Kiewer Gouvernement, wo die Zahl der jüdischen Arbeiter recht bedeutend ist, die aber das knappe Brot mit triefendem (Wrob) Schweiß und in beständiger Furcht, ausgewiesen zu werden, verdienen. In Kiew -fand ich viele jüdische Arbeiter zusammcngedrängt, die unter dem Drucke des berichtigten „Schwitz"-systems kaum so viel verdienen könne», um zu leben und in sanitärer wie in jeder anderen Beziehung groß: Not leiden. Die armen, gedrückte» Arbeiter irr Rußland sind aber fleißige Menschen und die bekannte jüdische Genügsamkeit einerseits, ihre Geschicklichkeit andererseits hat die großen russischen Firmen in den Stand gesetzt, mehr als einen Artikel, den man früher aus dem Ausia.ifc): beziehen mußte, jetzt in Rußland selbst herzustellen. Das gilt in erster Linie von dem Samt, aber auch von der Tuchbrancbe wie in Sgersch, Bialystvk. Da findet man in allen Fabriken die jüdischen Arbeiter, deren große Geschicklichkeit, mit der größten Genügsamkeit verbunden, ermöglichte, diese Artikel im Julande zu erzeugen. Alle diese Massen leben in einem Elend, das dce schlimme Situation des beschäftigten christlichen Arbeiters weit übersteigt; dennoch zeigen diese Massen drei gute Eigenschaften, absoluten Gehorsam für die LaudeSgesetze, starken Familiensinn und Mildtätigkeit gegen ihre Genossen. Es zeigt wahrlich für die gute Art des jüdischen Arbeiters, daß derselbe durch seine Not nicht moralisch herabgedrückt werden kann, noch mehr aber für die sittliche Kraft der jüdischen Frau, daß trotz der ctcnbeu sozialen Verhältnisse die Prostitution fast unbekannt ist. Nach allen diesen Ausführungen wird man nicht zögern können, einzugestehen, daß es in Rußland ein großes jüdisches Proletariat gibt, das die Schicksale und Äeu Joeeugaug ltzdes anderen Proletariats teilt. Es ist ein Märchen, wir Juden feien ein Volk des Reichtums oder selbst nur des Wohlstandes, wir verschmähten die schwere Produktive Arbeit, und diese Märchen recht gründlich widerlegt zu haben, ist ein Erfolg, dessen ich mich rühmen kann. Petersburg. Die „Petersburgskija Wjedomosti", das Organ des Fürsten Uchtomskij, publiziert einen Artikel unter dem Titel „Die Sünden der Pädagogen", in welchem äußerst traurige Diilge über die Behandlung der Juden in den rnssischeil Schulen erzählt tvird. In dem Artikel heißt es unter anderem wörtlich: „Wjr wolleil von den Fällen ,lieht sprecheil, in welchen der jüdische Schüler anders behandelt tvird als jener ailderer Konfessionen. Solche Fälle bilden eine gewöhnliche Erscheinung in deil rnssischeil Schulen. Der jüdische Schüler tvird immer ungerecht behandelt. Aber das muß angenagelt werden, wenn Lehrer sich erlauben, jüdische Schüler in Gegenwart der ganzeil Klasse zu verhöhnen imb in rohester Wtzise zu entwürdigen. Die frecheil Schüler anderer Konfessionen dienen den Lehrern niemals zur Zielscheibe ihrer Sarkasmen; die rnhigen, stillen, niedergeschlagenen Inden aber werden immer als Opfer auserkoren. In einer Nealschule erlaufit sich der Lehrer der Mathematik die ordinärstell Ausfälle gegen die Juden angesichts der ganzen Klasse: „Du sollst lieber ein Handljnd werden! Du sollst faule Kirschen verkaufenI Jud!" — derlei Ausdrücke bekommen die jüdischen Zöglinge immer zu hören. Prinz Max von Sachsen über die Makkabäer. Die Makkabäerfeste sind allerorts vorüber. Angesichts dieses -Festes ist es opportun, au den VorAlag des Prinzen M a x von S a ch s e n zu erinnern, den derselbe in Stuttgart vor 2000 Personen anderthalb Stunden hielt: „Ueber die Geschichte der Makkabäer und die Kämpfe des Volkes Israel linier denselben." Er sagte unter anderem: „In diesem Kampfe können uns die Makkabäer ein Vorbild in der allgemeinen Begeisterung für die heilige Sache sein. Was reine, religiöse Begeisterung vermag, sehen wir an dem Matlkabäern:; Begeisterling und persönliche Ueberzengnng sind Waffen, denen gegenüber auch die gewaltigsten Anstürme erfolglos Mähen müssen. Die Makkabäer föninen uns auch vorbildlich sein in Beziehung auf ihren Mut; mit dem von iihnen bewiesenen Heldenmut sollen auch wir frei und offen, eintreten für unsere Sache und un nicht fürchten vor dem Spott imb Hohn der Welt. Auster dem Acut und der Begeisternng war es aber anch die Einheit und Einmütigkeit, welche den Makkabäern zum Siege vcrhalf, sowie die Zucht und Ordnung, welche die Grundpfeiler eines jeden guten Heeres bilden. So liegt auch in der Kirche das Unterpfand des Sieges im Gehorsam und iit der Unterordnung unter die kirchliche Autorität. Von dcrr Makkabäern sollen wir auch lernen das feste Gottvertraneu und die Gesetzestreue. Wie die Makkabäer, so sollen auch mit mit unbefleckten Waffen den Kamps führen, denn schlechte Waffen können auch einer guten Sache nur 511111 Schaden gereichen." Mar Nacher. Der Grand Mabbin von Paris M. D r e y f u s wurde auf Vorschlag des französischen Kultusministers zum Chevalier der Ehrenlegion ernannt. Diese Ernennung kam nicht überraschten. Man findet es in Frankreich ganz natürlich, daß der Grand Rabbin von Paris dieser Auszeichnung teilhaftig werde. Paris. Die uralte Straße „Ruc des Juifs" (Judenstraßc) nnlveit des Rathauses ist in „Rue Ferdinand Duval" nmgetanft werden. Der bisherige Name der Straße datiert noch von der ersten Niederlassung der Inden in Paris. Bekanntlich war cS schon im fünften Jahrhundert in Paris den Geistlichen verboten, bei Inden zu speisen, ein Beweis dafür, -daß in Paris zu dieser Zeit schon Juden seßhaft waren. Obgleich die Jciden mehrercmale ans den französischeic Provinzeic vertrieben wurden, hat cs in Paris doch immer Jndeic gegeben. Das Rue des Juifs.! London. Sir Samuel Montag», bekannt durch seine Be-! mühungen, die jüdischen Gewerbetreibenden Londons ans den dicht j bewohnten Bezirken in weniger bewohnte zn dislocicren, feierte am j lebten Sonntag seinen siebzigsten Geburtstag, aus welchem Anlasse! er Gegenstand herzlichster Ovationen war. Biele jüdische Gewerbej treibende, die dicht aneinander gedrängt, einander durch sinnlose ( Konkurrenz ruinierten, haben durch die umsichtige Arbeit der ■. Jewish Kongregational Union, deren Präsident Montag» ist, ein Feld für ihre freie gewerbliche Betätigung gefunden. „tyrannischen, barbarischen Willkür", mit welcher der Kommissär Williams die Eimvandernngsgesetze anslegt und durchführt, ein Ende geinacht ivird, doch ist kaum zu hoffen, daß iic absehbarer Zeit eine Acnderung eintritt. Jin Laufe der vorigen Woche erschienen in Lemberg und den umliegenden kleineren Städteic je ein Delegierter der „3ca" und IC-? „Hüssvereincs für Galizien", gelehrte und fromme Männer, wie sie rin jüdisch-philanthropisches Institut ivohl brauchen kann. Was mochten diese zwei Herren in deit Ivestgalizischen Städten suchen? Diese Frage beantwortet sieh von selbst. Sie kamen, tim die Lage ihrer galizisehen Brüder ans eigener Ansehatuing kennen zu lernen und ihren Auftraggebern über ihre Wahriiehmnngen zu berichten. Dies ist die eine Version. N'nn betreiben aber die Herren ihre Studien sehr geheiin. Der Vertreter der „Jca" reiste bald von Lemberg ab, während sein Kollege den Sabbat im Hanse des reichsten Mannes von Lemberg, Herrn Sanl 11! 0 k e a ch , verbrachte ivahrscheinlich um in diesem Hanse die Sabbatfeier der armen Inden zn studieren. Geheime Beratungen wurden abgchalten, die in ihrem inpslischett Tunket etwas schier BetlemmendeS in sich bergen. Die Geheimniskrämerei begann hier uni der Gründung der Loge „B'nei B'rith", ein Gegenstück zmn „Schomer Israel", der seit 137 Jahren für die größte Oeffcntlichkeit der Sitzungen plaidiert. Doch Ivill ich nicht weiter in diese Sache dringen, sondern mir über das berichten,!vas die Gasse Zentrum dieser Jtidcnaitsiedlung bildete die j sich erzählt. Der deutsch-jüdische Hilfsverein ivill gegen den fortfchreitendcit Pauperismus und gegen den Mädchenhandel Abhilfe suchen, Ob aber diese beiden edlen Vorsätze realisiert ivcrdeit können, ist eilte wohl noch lange offene Frage. Fassen wir die Frage der Hilfsaktion ins Auge, so schreckt nits die Vorgeschichte derselben, die Großtat des Baroic Hirsch, der so viel gewollt, doch leider so ivenig zn tun in der Lage war. Wie schwer tvnrde es diesem edelsten Menschenfreunde gemacht, seine der reinsten Menschenliebe entspringendeic Schöpsnngeit in Galizien dnrchznführen. Zunächst lvar eS der polnische Adel nebst allem, was an diesem hängt, der dent Plane entgegentrat, die zwölf Millioiccic des Baron Hirsch dem jüdischeic Handels- und Gewerbcstande znznführen. Es sollte dadurch d^e Hebung des Wohlstandes der galizischen Juden verhindert werdest, ohne zu bedenken, daß der Wohlstaitd eines Teiles der Bürger eines Landes auch dem änderet: Teile der Bürger desselben zugute kommt. Doch anch die jndenähnlichen Polen mosaischer Konfession stinunteri in den Chorus New-Z)ork. Ans dem Bericht des Gcneral-KommissarS für das Emigrationswesen ist zn ersehen, daß vom i. Juli 1901 bis 30. Juni 1902 nicht weniger als 048 743 Personen ut die Vereinigten Staaten voit Nordamerika eiicgeivandert sind, gegen 487 918 im gleichen Zeitraum des Vorjahres, 448 372 i. I. 1900 und 311 716 i. I. 1899. Ferner sind im Berichtsjahre noch 82 064 Personen als Kajüten-Passagiere hinübergekommen, insgesamt also nicht weniger wie 730 797 Personen. Die Zahl der Juden, welche ., . _ „ ... r . r - als Deckpassagiere resp. „eigentliche Emigranten" cintrafen, betrug der Schlachta mit ein. ^en Ratichlagen dieser herzlcqen, gehcrn- 57 088, davon 0680 ans Rumänien, 12 848 ans Oesterreich-Ungarn kranken Cligice folgte der große jüdische Wohltäter und — ward und 37 846 aus Rußland. Die erstercn bildeten 91,66 Perzent mißbraucht, hintergangen, ausgebeutetl Die zwölf Millionen des arte «Intpmmümc: a.,0 MM«, dirussische gaben 55,23 still-!, „cht bic hungrigen SBäflcn, bcu-idjen, und Be. Perzent ihrer Heunatgenopcn, wahrend die 12 848 osterreichlichen rr 6' ,1A 1 Qf , .J . r , ~ Glaubensgenossen nur 7,42 Perzent der aus den Ländern der Habsleben nicht die Arbccwenergce;o vieler tacyender -c.i.nder m Gabnrger Monarchie Gekommenen darstellen. Von der Gesamtzahl lizien, die man auf die Höhe würdigen menschlichen Erwerbes hätte der jüdischen Einwanderer waren 38 973 im arbeitsfähigen Alter bringen können! Der Vernichtnngswut der Großpolen, die sie »^4-16 aafara: 11 Mt terfcB« bmtoi weder Ich» mch h^werm. sch»Ä°s prcisg-q-b-n. trag-» di- Mische,, Handschreiben, d. h., da Kinder unter 14 Jahren dabei angcr Betracht M \ . t J G. L.. r J kamen, von 42 370 Einwanderern, welche auf ihre Bildung hin Werker Galiziens kein Bedeuten, die heimatlichen Erdlocher, die sie beivohicen, zu verlasseci, um überm Meer eine Erwerbsquelle um jeden Preis anfzilsnehen. Man wird ivohl eiicwciideii, daß das Geld des Baron Hirsch, chulcn verwendet, der Volksbildung zugute :n Fall verloren geht. Nim frage ich: Wie Philanthrop dazu, den Polen dicrch E r r i ch t u n g v o u Schul c n ans die Beine zn helfen, den Polen, die Sonne und Mond polonisieren möchten? Diese „große, edle" Nation möge doch selbst dafür Sorge tragen, daß die polonisierten Inden Schulunterricht genießen und von diesem Nutzen ziehen, nicht aber das Gegenteil: für die Verelendung der Massen sorgen. pro Kopf nur 8,26 Dollar besaßen, perfügten die Wir sollten ihnen Schulen bauen, ihnen — unseren Totcn- ^wten ,^'er 9,2a, die Italiener über 11,7, die Irländer über 17,8, gräbern, unseren Bedrängern und Zwingherren? die Skandinavier über 18 und die Deutschen gar über 27 Dollar pro Person. Dafür war aber das von den Inden gelieferte Menschenmaterial ungemein wertvoller, linier den 648 743 ein- Hauser wie die Han,er der schände füllen, wer examiniert wurden, haben sich 28,1 Perzent als „Analphabeten" erwiesen. Die ans'denselben Ländern wie die Juden eiwvandernden unter ähnlichen Verhältnissen, wie sie, lebenden Polen hatten 36,3 Perzent Analphabeten. Dabei wird der sogenannte Jargon und vermutlich selbst die hebräische Sprache von den Hafenbcamten nicht öur Anlegung von S als voll angesehen, so daß es schon oft vorgekommen sein mag, daß kommt, also uns keinei ein altjüdischer Rabbi, eine Leuchte des Judentums, dieweil er fnmm+ -in auormiHim wederHNlssisch noch polnisch konnte, zu den „Jlliteracy" gezählt worden ist. Neben ihrer Intelligenz und ihrer noch ungebrochenen Arbeitskraft haben die Inden ia ihre neue Heimat noch andere wertvolle Vorzüge mitgebracht. Das Bargeld im Betrage von 420 262 Dollar, welches die 67 088 Inden auslviesen, war allerdings im Verhältnis zn den von den anderen Eingcwanderer-Kategorien mitgebrachtcn Varvermögen sehr gering. Denn während unsere Glaubensgenossen pro Kopf nur 8,26 Dollar besaßen, gewanderten Personen waren im ganzen 79 768 Personen — 12,3 Perzent gelernte Arbeiter briken und Zu diesen für die Errichtung von Fa nur nebwibei vermerkte Tatsache, wenn man das Verhältnis der von den einzelnen Kategorien gestellten Arbeiter zn der Zahl ihrer Euugranten überhaupt be,rächtet: Es Ivaren unter den Polen 4.28, uim'r. den Irländern 7,70, unter den Skandinaviern 10, unter den Italienern 11,33, unter den Deutschen 18, unter den Inden aber 312 gelernte Arbeiter. Zum Schluß sei noch die vielerörterte Frage berührt, ob und inwiefern 8er Antisemitismus bei der Nichtznlassting der Inden zur Landung in die Vereinigten Staaten irgend eine Nolle spielr. Die Antwocu muß an der Hand des Berichtes durchaus verneinend kanten: Ztvar hat.der neue General-Kommissär strien Williams, der in diesem Jahre an die Stelle des langjährigen f.-iornde Inhabers dieses Amtes Powderly getreten ist, die Gcsetzesbestimmnngen sehr streng dnrchgesührt und nicht weniger wie 5439 irmc Enropainnde, d. h. 0.83 Perzent zurück- resp. innerhalb ztvölf b e d i e n u n g. Es gibt nämlich eine ganze Reihe bon Berufs- Monaten eines Jahres nach bereits erfolgter Landung wieder ansarten, denen selbst die ärnisten unserer Konnationalen scheu anS dem .L^.''''..^ben aber die Juden init 0^73 den Durchschnitt Wege gehen. Dieses Ausweichen fällt unter die Rubrik: Nichtvanen cie - cu st,cn nn ,/>> cen Dncchsthnitt «xvlicit. lind doch leben tausende von christlichen Familien pfer jener Polonisicrungswut, die die Jrrenist schuld daran, wenn nicht Esau, der seine Hand gegen das galizische Israel erhob? Wird das deutsche Hilfskomitee diesem täglich wachsenden Elende s Hilfskomitee heute leichbemittelten Juden sich in wo sie nicht nötig haben, init der „misera Plebs" der Armen beisammenzusitzen. Will man da helfend eingreifen, und zwar mit einiger Aussicht ans Erfolg, so müßte zunächst unser alter agrikultureller Plan aufgenomrnen werden, der Plan der Parzellierung der vielen großen Güter, der Plan der Umwandlung der tausende von Luft Menschen in E r d Menschen, in Ackerbauer. Diesem Plane parallel ginge die Schaffung von I n d n st r i e n im allgemeinen, von H a u s i n d nim besonderen, betrieben von I n den, von bisher feiernden j ü d i s ch e n Händen. Diesen beiden Aktionen müßte sich Aktion anschließen, die Anhaltung zur Selb st - nicht nicht erreicht, während die Deutschen ihn mit 0,84, die Italiener mit 1,33 Perzent sogar überschritten. Unter den 401 zurückgewievon diesen Bernsen unter ihren reichen jüdischen Mitbürgern. Ein Beispiel möge die? beleuchten. Im Lemberger jüdischen Armenamte besteht ein Register von 3500 Familien, die jahraus jahrein von der Gemeinde unterstützt Iverden, wobei es mehr als fraglich ist, ob ihnen die geivährte Unterstützung auch die Möglichkeit der Existenz gclvährt. In derselben Gemeinde besitzen etwa 4000 jüdische Familien Realitäten und gewähren je einem ch r i st - l i ch e n Arbeiter einen geringen Monatsgehalt und freie Wohnung im Hause. Weiter: Etwa 4000 jüdische Familien benötigen Dienstsind gezwungen, die demoralisiertesten, jndenchchstlichen Dienstboten anfznnehmcn, mit welchem gl leben oft eine große Gefahr bedeutet. Alle Landung versagt tvnrde, trotzdem seine seit mehreren Jahren hier die Zimmcrdiener, Lakaien, Köche, Köchinnen nslv., tvelche, oft von .■ - .. . “ '' •' * ' in Dienste diese Dienstlen Ecnähsenen Juden waren 228 Paupers und 107 mit gefährlichen Krankheiten behaftet. . Man ersieht daraus, daß unsere Glaubensgenossen einstweilen noch nicht zu befürchten brauchen, daß der Antisemitismus ihnen die fast einzige, noch offenstehende Zufluchtsstätte versperren könnte. — Hierzu bemerkt die „I. Pr.": Wenngleich Antisemitismus keine Rolle dabei spielt, werden unsere Glaubensgenossen von der verschärften Erschwerung der Einwanderung sehr empfindlich betroffen, wie dies die seit einiger Zeit sich steigernde Zahl der Unglücklichen offenbart, tvelche zur Landung nicht zngelassen wurden und nach Europa znrückkehren. New-?1orker Blätter ent-