Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1903)
- Issue
- 4 (23.1.1903)
- Date
- 1903-01-23
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 4 Wien, Freitag Jidieehee Volfcsfektt 23. Jänner 1903 Seite 7 Vorstellung von Josef Lauffs X. . . . bei" und damit ist des Guten genug geschehen. ., Diese Tatsache lenkte meine Aufmerksamkett diesem „ausgeftoßenen Dichterlinge" zu unb ich kann sagen, daß ich durch die Lektüre seines Buches angenehm enttäuscht wurde. Die Worte dieses „Kaiser-Dichters" — wie ihn manche boshaft nennen — haben nur herzlichen Genus; bereitet und feine humane Gesinnung, sein löblicher Eifer gegen Vorurteil und sinnlosen Haß habeii mir die vollste Bewunderung abgerungen. Der inhaltsvolle Gcdankensinn, die gerechte Entrüstung und das ebenso gerechte» riüchternc Urteil und nicht zuletzt die wunderschöne poetische Ausführung verdieiieii ehrliche Würdigung in allen gutdenkendcn Kreisen. Ich will es versuchen, den kernigen Inhalt ans der poetisch-epischen Umhüllung herausznschälen und so der allgemeinen Würdigung überlassen. Auch kleine Stichproben, einige packende Schilderungerl urrd besoirders interessante Stellen sollen mit seinen eigenen Worten wiedergegeberr werden, um den geehrten Lesern die Art, wie dieser Charaktermalcr dichtet, erkennen zu lassen. Es ist eitic schreckliche, grauenvolle Zeit, in die uns seine Dichtung zurückversetzt. Ein entsetzliches Stück Kulturleben wird uns ins Gedächtnis zrirückgerrrfen und wahrlich, der Dichter hat cs verstanden, diese blutgetränkte Epoche, diese furchtbare Menschentragödie, mit ebensoviel Wiahrhcitstreue wie schauderhafter Entsctztheit zu malen. „ . Das ist das Ewig-tragische, das uns in demselben Matze interessiert wie entsetzt, ebenso spannt und reizt wie abstötzt .... Ein k. preußischer Major führt uns in das Judenghetto von Worms . . . Unter seiner Leitrrng lernen lvir die damaligen Zustände, den Volksgcist und die Volksentartung kennen. Eines der schönsten Kapitel in diesem Buche ist wohl: „Beim Rabbi". Diese zaubervolle Poesie, diese heimliche Ruhe, diese gottergebene Zuversicht, diese verkörperte Treue, dieser vollbewutzte Pflichteifer — das ganze friedatmende Bild, es gehört zu den besten dieser Art, die uns von dichterischer Kraft beschert worden sind. Wie er vom erhabenen Rabbi spricht: „Und Ivas das Menschenherz hicnieden Bis in das Innerste bewegt:. Ein großer, wahrer Gottesfriedcn Ist über sein Gesicht gelegt . . . Hier treibt der Glaube seine Blüte Urrd hier auf lichtdurchsonnter Bahrr Sind Allbarmherzigkeit rmd Güte Irr zarten Kelchen aufgetan ..." Und in tvahrhaften Worten urrd mit treuer Ueberzeuguug brandmarkt er die scheußlichen Hetzer, die „falschen" Befreier des Ehristentrlms: „Urrd marrch ein Christenmensch auf Erden, Der für die Judenhetze riet, Mag irrnerlich erläutert tvcrdeir, Wenn er den Nabbiposten sieht ..." Mit trericir, echt menschlichen Wlorten fordert der fromme Rabbi seine Glaubensgenossen auf, Gottes Gesetze zu halten, ihn zu ehren durch Treue rrnd Redlichkeit, seinen Namen zu heiligen durch wahrhaften Handel urrd makelloser: Wandel — seine Erhabenheit zu verkünden durch Recht und Ehrlichkeit, Tugend urrd Sitte . . . Bewußt, nüchtern und vorurreilsfrci hat er mich für die Mjängcl urrd Fehler feiner eigenen Nation tiefgründendes Verständnis. Das Individuum einzig und allein nach seinem Inhalte von Sitte und Recht erfährt eine nüchterne Beurteilung, eine gerechte Schätzung. Er hat auch Sinn und Augen für die Vorzüge des jüdischer: Volkes. Er erhebt ihr religiöses Gefühl und schätzt ihre Tradition. Wir sind alle Menschen — Individuen mit Tugenden und Lastern, mit Vorzügen und Fehlern. Wir müssen gemeinsam den Kampf aufnehmen und fortführen mit Schlechter: und Bösen, Arrswürfen und Verderbter: — ohne Ausnahme, ohne Abstand —■ ohne Unterschied. Er läßt den Rabbi seiner: erbaulicher: Vortrag mit den Wörter: schließen: Seid lauter wie die Sabbatkerzen Und milde lvie ihr sanfter Schein, Darrn wird auch stets in eurem Herzen Der echte, wahre Sabbat seir: . . .! In dieser friedlichen Stille, in dieser erhabenen Zufriedenheit schlägt nachher das Gewitter des Wahnwitzes des betörten Volkswahrres ein. Znnü näherer: Verständnis den übrigen Inhalt in äußerster.Kürze: Deborah, des Rabbi Tochter, Hai den Glauben ihrer Eltern abgeschworen, ist zur Kirche übergetretcn. Nicht aus Ueberzeuguug, aus verständiger Einsicht, sondern aus unbegrllndlicher Liebe zum Wormser Arzte, „als Meister Godesried allgemein bekannt". Sie verehrt irr ihm ihre Welt, ihren Glarrben —■ ihr alles. In einem Worte äußert sich ihr Seelenzustand, indem sie, in vollster Verzweiflung, in der Meinung, ihr Gott ist der lockenden Versuchung unterlegerr, ausruft: „Das also ist deirr reines Lieben, Um desserrtwillen ich dich pries ... I Und mir ist gar nichts mehr geblieben, Um das ich meinen Glaube:: lies." Dock) diesmal hat sie sich geirrt — Vergehens geängstigt. Wohl trat die böse Versuchung ir: der Person des verführerischen Weibes Plektrude an ihn heran, wohl wendete sie alle verführerischen Reize, alle sinnlicher: Lockungerr an, um seine Standhaftigkeit zu Falle zu bringen — doch er widerstand . . . Der Frau reiner, edler Geist, ihre treue, aufopferungsvolle Liebe hat ihn aus den: Garn der Bösen herausgewunden. Doch der Unhold gibt sich nicht so leicht zufriedei:. Weigerung steigert die Sinnlichkeit . . . Plektrude vernimmt das verteufelte Vorhaben der Geihler — sie faßt rasch den unglückseligen Entschluß.; Die schmeichelnde .Kunst der Buhlerir: tvird mit der Geißel vertauscht . . . Ir: Worms herrscht die Pest und der Tod wütet ungeheuer. Aller Handel liegt brach darnieder, aller Lebensmut, alle Lebenskraft :st gebrochen. Alles rast, alles zittert und bebt — jeder zittert für sein eigenes Ich . . . „Der Werker hat sein Tun vergessen, Kein Puls mehr in der Arbeit kreist Und in den sonst belebter: Esten Sind Schlot nnd Blasebalg verwaist." In diesen verödeten Straßen schreitet Meister Godefried mit dem schrecklichen Ringen im Herzen. Er kämpft mit sich selbst, er fürchtet ... Die Reircheit seirres eigenen Weibes, sie vermochte ihn einmal aus den Krallen der sündigen Begierde zu erretten; tvird sie cs auch arrfs weitere vermögen? . . . Diese nagenden Zweifel bohren in seine,n inneren Gewissen . . . Nur eine Rettung, ein Auslveg winkt ihm zu — er betritt ihn mit raschem Entschluß: treueste Pflichterfüllung.' Die düstere Zeit der Pest gibt ihm volle Gelegenheit zur sofortigen Ausübung seirres Vorhabens. Nun zeigt uns der Dichter mit charakteristischer Konsequenz, wie: „Mt seinem dienerrdei: Gesinde Dringt er des Leidens Pfad entlang; Er macht in Mund- und Nasenbinde Von Haus zu Haus den schweren Gang. Durch Kampf zum Sieg! — er nützt die Stunde, Er folgt der Pest auf Schritt und Spur, Und träufelt auf die geschlagenen Wunden Die große Heilkraft der Natur ..." Er waltete seines Amtes mit Aufopferung, mit aller ihm zu, Gebote stehenden Kraft. Er sieht, im Bewußtsein der Pflichterfüllung, von seinem sittlichen Leiden der Genesung entgegen, da —■ — so rasch wie schrecklich stürzt alles zusammen. Inmitten seiner Pflichterfüllung, inmitten feiner Vorsätze unterliegt er der Gewalt des dämonischen Weibes; nicht ohne logische Folgerung wird uns dieser Zusammerrbruch des Ideals, diese Schwachheit des menschlichen Vermögerrs, der sittlicher: Kraft dargcstellt. Plektrude hat das Schrecklichste gewagt urrd den Sieg errungen. In ihrer vollen, verführerischen Ueppigkeit hat sie sich der Reihe der Flagellanten vorgestellt. Der Medikus sieht sie geißelnd vor sich . . seirre Sirrrre verwirren sich . . . das Tierische in ihm — die Begierde erwacht . . . stark, unzähmbar, sein Verlangen nach den vollen Formen dieses Weibes loht irr tausendfacher Stärke auf- und alle Vorsätze sirrd vergessen, alle Vornahmen geschwunden . . - Deborah, seine Frau, erfährt die Selbstvergessenheit ihres Gatten und vom Quälgeist Eifersucht gepeitscht, überrascht sie die beiden bei ihrem Heraustreten aus der „Teufelin Hause". Mit kräftiger: Wörter: gekränkter und verratener Liebe wirft sic ihrem Manne seirre Tat vor und mit Kraftarrsdrücken betrogener Weiblichkeit beschimpft sie die Baccharrtirr. Gebeugten Gemütes verläßt sie mit ihrer: zwei Kindern ihres Gatten liebgewordenes Haus, un: sich ihrer früherer: Heimat zuzulverrden. Nur beim Rabbi erwartet sie Trost für ihr gebrochenes Herz ... Plektrude snrnt auf Rache. Sie meirrt die Verzweiflung ihres Geliebten durch eine Kraftwendung zu lösen. Auch die Beschimpfung und Demütigung, die sie von der Jüdin erfahren, stachelt sie zur Tat auf. „Rache!" ist ihre Devise — ihr ganzes Trachten urrd Sinnen. Nichts ist ihr zu stark, keine Maßregel zu teuflisch. Sie kann die Jüdin allein nicht erreichen urrd schreckt nicht davor zurück, ihr ganzes Volk ihrer Nachsucht — dein Verderben preiszugeben. Nur zu schrrell verwirklicht sic ihr Vorhaben. Ein verruchtes Vorhaben — doch es gclirrgt. Sie rrützt den Farratisrnris der Geihler zu ihren Zwecken aus. „Sie, die mit Wucher und Schacher Sich wie die Egel vollgepreßt Und die Beförderer der Pest:; Die Juden sind's! —" So läßt sie ihren Ruf in der Mitte der betörten Fanatiker erschallen und er findet in der erregter: Menge Widerhall: „Urrd Tod den Juden drrrch Feuer, Strang Marterten . . . I " „So stimmt der Wahnsinn seine Leier, So bricht der Frevelmut sich Bahn, Und so zur Hexensabbatfeier Die Dummheit siegt! Kein Widerstreben — Die Menschheit haftet am Trug!" — Urrd wie gut und grür:dlich ist dieser Trug vor Anger: geführt — wie gründlich und voll verachtender Ueberzeuguug dargcstellt... Hat nicht der D:chter an der: Ritualmord des 20. Jahrhunderts gedacht? . . . Wfthrlich, ja! Auch hier wie dort, auch heute wie damals hat verleumderische Bosheit, der rachelüstige Dämon, die verfluchte Hand irn Spiele. Sie, die Hostien durchstocher:. Den Leib des Herrn vermaledeiten, l Die frech das Tabernakel bracher: Und die Mysterien entweihten .; 4 Wahrlich, die Schmach von damals hat auch der fortschreitenden Jetztzeit, der pulsierenden Gegenwart, das entehrende Zeichen ^aufgedrückt . . . Doch zurück zum eigentlichen Thema. „Feuer, Strang, Marter, Tod und Verderben, Schändung und Vernichtung wütet in der Judengasse: „Das Unheil brüllt: Mit Kir:d und Kegel Die Inder: flammt aus Hof und Haus, Und stülpt auf die verfluchten Egel Das Salzfaß der Erkenntnis aus. '! Das Salz den lästerlichen Hunden! — ' Die Juden würzt in ihren: Nest, Denn durch ihr Sterben ist gesunder: Der Würgeengel für die Pest!" Da gibt's kein Anhalten. Wie Ivilde Bestien geberder: sich die Menscher:, wem: sie den Anhalt au die Moral, den Halt an der Menschlichkeit einbüßen ... Sie büßen darrn alles Individualistischmoralische, alles Merrschlich-erhebende, alles Geistig-erhabene eirr, und nur das Tierische in ihnen setzt seine zersetzende Tätigkeit fort. „Sie rücken an — die Lüfte zittern, Die Erde dröhnt ir: ihrem Schoß, Ur:d wie die Hagel in Gewittern, Sie stürmen mrf den Tempel los." Erbarmen, die allerheiligste Pflicht des Merrschentums. wird hier unberücksichtigt gelassen. Unschuld macht bei den Tyrannen keine Ausnahme. „Da blitzt das Beil ... die armen Kleinen, Wie er das blm:ke Dirrg gezückt, Sie haben sich mit lauten: Weinen Dicht an den stillen Mann gedrückt. Hilf, Vater, hilf .... I" Heldenmütig kämpft Godefried, der Arzt, gegen die tolle Menge. Er fühlt es als seine heiligste Pflicht, sein Weib und seine Kinder zu schützen. Er will mit seinem aufopferden Blute das Verschulden gegen seir: e,:gelreines Weib büßen. Hier ist es ein kluger Zug vom Dichter, das Toben der fanatischen Menge gegen Leute ihres Bekerurtnisses zu markieren, sobald sie es wagen, der^Wahrheit die Ehre zu geben — die Unschuld zu schützen. „Judenknechte" — „Judemrrietliirge" —. „Erwürgt den stolzen Makkabäer, Der sonst ein Christ bei Christen war," So tobt der einäugige Schäfer Und facht die Wut der wilden Schar. Sein Widerstand bricht. Er fällt getroffen zu Bode,:. Das Hohrigelächter der Hölle begleitet seinen Fall. Plektrude kreischt vor freudigem Erstzücken; sie n:eint, er sei tot. Die Grausamkeit läßt sie noch eine letzte Niedertracht begehen — auch an dem vermeintlichen Toten: sie sticht ihm die Augen aus . . . „Der Tempel brennt!" — so geht das Nasen, „Hilf Gott! — Die Synagoge brennt! — " . . . Geheimnisvolles Schweigen. Am Himmelszelt die lieben Sterne geher: Und heiter schließt sich Reigen dort an Reigen, Als wäre hier auf Erder: nichts geschehen. Ich möchte zum Schlüsse noch bemerken, daß der letzte Gesang nicht die Höhe der übrigen erreicht hat. Zwar steht er ihnen, was Dielstnng ur:d Stimmung airbelangt, um nichts nach, doch mutet er etwas urrwahrscheinlich, mythisch an. Daß Meister Medico mit seiner Deborah in ehelichem Verhältnisse noch toeiter lebt, ja daß sie nach dieser schrecklichen Niedermetzelung überhaupt noch leben, leuchtet nicht reckst ein. Jedoch, wie gesagt, die friedliche Stimmung, das angenehme Herbsttvetter, die Scelenstimmung der beiden erfahrungsreichen Gemüter täuscht über vieles hinweg oder, bester, gewinnt unser reges Interesse und Mitgefühl trotz aller Unwahrscheinlichkett ... i Wir sirü) dem Dichter dankbar — herzlich dankbar für Ö<*8 Gebotene; und hat auch die traurige Tragödie noch nickst ausgespielt, rettet uns das humane Fühlen „Einzelner" nicht vom bösen, verderbenbringenden Hasse, so wollen wir uns stets de? Dichters Wort» vor Augen halten: „Es wächst die Kraft mit den Gewalten. Die feindlich ihr cntgegenstehen,! Gleich wie die Wipfel sich entfalten, Wenn über sic die Stürme gehen." Voll und ganz, warm und herzlich, schließen wir uns seinem Gebete an; wir flehen inbrünstig zum Allerhöchsten: „Erleuchte die, die sich hicnieden Verhärtet zeigten, taub und blind, Nnd spende aller, Heil und Frieden, Die eines guten Willens sind." ■* -- Von der „Renen Zeit" (Stuttgart, Dietz' Verlag) ist soeben das 16. Heft des 21. Jahrganges erschienen. Ans dem Inhalte des Hestes heben wir hervor: Konzessionsschnl^es. — Sombarts „histoeiselie Soziastheorie". Von Max Adler.. 1. — Jndnstricwncher. Von Gustav Hoch, Hanau. 1. — ReichSs'na-.zen urrd -Fiiranzrcform. Von Albert Südekum. — Jan res und die französische Kirchenpolitik. Von K. Kautsky. — Notizen: Die Krisis im Barrgelverbe. Die Zunahme der Frauen- und Kinderarbeit in Frankreich. Literarische Rundschau: Mitteilungen der Deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten. Die „Neue Zeit" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buchhandlungen, Postanstaltcrr urrd Kolporteure zum Preise von Mk. 3.26 pro Quartal zu beziehen. In der Zcitungspreisliste der Postanstalten ist die „Nene Zeit" rruter Nr. 6576 eingetragen, jedoch kann dieselbe bei der Post pro Quartal abonniert werden. Das einzelne Heft kostet 26 Pfennige. Probenummern stehen , jederzeit zur Verfügung. ' , „Ernstes Wollen" Nr. 80. — Der Herausgeber behandelt in dieser Nummer unter den: Titel „Das Schicksal der WIettiner" den Fall der Kronprinzessin vor: Sachserr, indem er unter Bezugnahme auf die Verabschiedung M. vor: Egidys im Jahre 1890 zeigt, wie das Wettiner Hans aller: rcfonnatorischen Bestrebungen gegenüber sich ablehner:d verhalte, von der: Tagen der Reformation bis heute und dadurch sein Schicksal besiegelt habe. —• Wilhelm Burghard behandelt „Die Weitcrbildurrg der Religion" in einem längeren, ansprechenden Aufsatz, der als Gedenkrede auf Egidys Todestag, 29. Dezember 1902, gedruckt war. Der Egoismus als Grundlage der „Moral" dient Willy Werner zu einem tiefdurchdachter: und in poetischer Sprache gehaltenen Essay. Major Wpiße beharrdelt die Bibel vom Standpunkt der Sittlichkeitsfrage. Ein Brief Tolstoys über Kindererziehung, kurze Betrachtungen über Irrenärzte oder Hofbüttel, die Religio,: der „Lebensfreude" u. a. bilden den Schluß dieser besonders irchaltsreichen und fesselnden Nummer. Verlag Gose u. Tctzlaff Berlin W. 36, Karlsbad £5.^ (Meyers Großes Konversations-Lexikon.) Ein Nachschlagewerk des allgemeiirer: Wissens. Sechste, gänzlich neubearbeitete und vermehrte Auflage. Mehr als 148 000 Artikel auf 18 240 Seiten Text mit zirka 11 000 Abbildungen, .Karten und Plänen im Text und auf 1400 Jllustrattonstafeln, sowie 130 Textbeilagen. 20 Bände in Hälbledcr gebunden zu je 10 Mark, Leipzig 1902. Verlag des Bibliographischen Instituts in Leipzig urrd Wien. Das Erscheinen der neuer: Auflage vor: Meyers Konversationslexitör: muß in doppelter Beziehung Bewunderung erregen, indem darin der hohe Stand der Lexikographie nnd die Aufnahmsfähigkeit des deutscher: Volkes in gleicher Meise zum Ausdruck kommt. Schor: an der: im Titel angegebener: Zahlen läßt sich die Bedeutung dieses Unternehmer:? ermessen, lvelches das gesamte Wissen unserer Zeit in mehr als 148 000 Artikeln urrd Verwciftmgen zusammenfaßt. Klar, sachlich und unparteilich, aber doch astrege Nd und mit sorgfältigen Literaturnachweisen, sind die einzelnen Artikel abgefaßt. In der Regel wird man sich Mit den Aus-, fünften des Lexikons selbst begnügen könnerr, die um so belehrender urrd eingehender sind, ärs ein musterhafter Jllrrstrationsapparat die zrrm Verständnis Nvtwtudige. Anschaulichkeit vermittelt, Der soeben erschierrene erste Äätrd zeigt an seinem Teil bereits alle hier erwähnten Vorzüge. Einer Empfehlung bedarf Wohl dieses Werk nicht mehr. Es sei nrir besonders aufmerksam gemacht, daß jene, die das Lexikon noch nicht besitzen und in der Lage sind, es sich anzuschaffen, die günstige Zeit des bNüdweisen Erscheinens zum Antärif bcrrützerr mögen. Aitlsiiunggn lies Vereines für unentgeltlich. Arbeitsnachweis. Oer Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis, Wien, II., Taborstrasse 59 (Telephon Nr. 13.920) Vorgemerkt sind: I. Klasse: Manuelle Arbeiter. 5 Anstreicher, 10 Aufpapp er, 6 Bäcker, 6 Buchbinder, 1 Kartonnagearbciter, 4 Drechsler, 6 Elektromonteure, 6 Fleischhauer, 2 Friseure, 3 Glaser, 8 Goldarbeiter, 36 Hausknechte, Geschäfts- und Bnreaudiener, 40 Hilfsarbeiter, 1 Hutmacher, 2 Kellermeister, 5 Kellner, 1 Kürschner, 3 Kutscher, 6 Laufburschen, 3 Magazineure, IMaschinist urrd Heizer, 3 Metallarbeiter, 8 Monteure, 33 Schlosser, 31 Schneider, 10 Schuhmacher, 16 Spengler, 1 Steinmetz, 16 Tapezierer, 2 Taschner, 16 Tischler, 8 Uhrmacher, 3 Zeichner, 2 Zimmermaler, 17 Zuckerbäcker, tüchtige und verläßliche Hausbesorger. I!. Klasse : Kaufmännische Angestellte 4 Brantlveinberschleißer, 22 Buchhalter und Korrespondenten, 91 Kommis diverser Branchen, 46 Kontoristen und Strazzisten, 3 Inkassanten, 12 Kanzlisten und Schreiber, 7 Manipulanten:n:d Expedierrterr, 11 Platz-Agenterr und -Vertreter, 41 Praktikanten, 10 Reisende. Weibliohe Abtheilung. 6 Bonnen und Kindergärtnerinnen, 81 Kontoristinnen und Kanzlistinnerr, 2 Krapatterrzuschneiderinnen, 14 Expedientirmen und Manipulantinnnen, 3 Hilfsarbeiterinnen, 1 Kassafräulein, 2 M>odistiiriicir, 1 Näherin, 12 Praktikantinnen, 6 Schneiderinnen, 62 Verkäuferinnen, 3 Verschleiherinnen, 12 Wirtschafterinnen und Stützen der HcuBfran. III. Klasse: Geistige Arbeit. 47 Hauslehrer und Hofmeister (meistens Hochschüler, welche Gymnasiasten und Realschüler unterrichten), 3 Lehrerinnen und Erzieherinnen. Offene Stellen. Von männlichem Personal: Mehrere Mahagonitischler, Galantericdrechsler, Stanzerrgraveure. Kommis (Mannfaktrir, Mode und Schneidcrzugehör-Branche mit böhmisch für die Provinz), Lagerimb Kontorpraktikanten. Von weiblichem Personal: Mehrere Bonnen rrnd Kindergärtnerinnen.