Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1903)
- Issue
- 4 (23.1.1903)
- Date
- 1903-01-23
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 23. Jänner 1903 Nr. 4 Aus der Mitte des engereu Vorstandes wurden nachstehende Funktionäre geivädlt: Dr. Isidor D e st e r r e i ch e r , Vorsteher; Isidor GanZ, Stellvertreter; Jakob Wolf, Nechnungsfnhrer; Sieginund SkrnnSkN, kassier; Moses Gans und Moritz T a n s s i g , Tempelvorsteher. S'—rr. Marieul'nd. Bei der Konstituierung des Vorstandes der israel. Kulrnsgeineinde lvurden nahezu einstiuiuiig g e tv ä h l t : Als Vorsteher Emil Baruch, als dessen Stellvertreter Alois K o h it , .Kassier Adolf H ollnb, Nechnttugsführer Otto W o l f - »er, Teuipelvorsteher Bio ritz D u s eh e n e s , Schriftführer Adolf Steine r. In Vorstandsmitgliedern Siegfried F i s ch l, Josef K ä f k a. Als Ersatzmänner die Herren David G o l d m a n » , Hermann H o r o »> i tz , Ignatz E u g e l, Henri F e r h. In den verstärkten Vorstand die Herren David H o r o >v i tz, Friedrich B en i s ch, Moritz Al r a n s, Dr. Oskar Rosenberg, M. L ö lv h, Bernhard Heinrich, Rnd. L ö w n , Ignatz F a u t e s. In die tl-nlagetoinmissivn die Herren Max Al r ä m p l, Eduard Stern, Sigmund S ch n e i d e r , Samuel V eit, Ad. G u t!v i l l i g , Atarl Al o h n; als Alassa-Revisoren Heinrich Kohn, Blax L e i t u e r. S—rr. Teplitz. Dieser Tage wurde hier der hiesige Privatier Hrrr Karl Koh n zu Grabe getragen. Derselbe stammte aus einer der ältesten und vornehmsten jüdischen Familien in Teplitz. Der alte jüdische Friedhof weist noch wohlerhaltene, ans 200 Jahre alte Grabsteine zur Erinnerung ati Angehör ge dieser Familie auf. Der Urgroßvater des Verstorbenen, David Ko hn, wurde im Jahre 1762, im siebenjährigen Kriege, nach der Schlacht bei Freiburg, als Friedrich der Große seine Verwundeten zur Heilung nach Teplitz brachte, von demselben mit anderen Bürgern der Stadt als Geisel nach Sachsen geführt, um eine Bürgschaft für die Sicherheit der Soldaten zu erhalten. Ferner zahlte derselbe für die hiesige Judengemeinde die damals übliche Judensteuer zu dreiviertel Teilen. Auch stand derselbe beim damaligen Schutzherrn Fürsten Franz Wenzel v. Clary und Ald ringen in großem Ansehen; derselbe verkehrte mit ihm in freundschaftlichster Weise. Aus Anlaß freudiger Ereignisse im fürstlichen Hause wurden häufig bei dem Juden David Kohn Festmahlzeiten abgehalten, bei denen jedesmal sämtliche fürstlichen Beamten anwesend waren. Von seinem Sohne Joachim Kohn ist noch eine der größten Wohltätigkeitsstiftungen bei der hiesigen Kultusgemeinde vorhanden. Der verstorbene Karl Kohn war im Jahre 1860 Kultusvorsteher der israelitischen Gemeinde; unter seiner Wirksamkeit kam auch der Anschluß an die Stadtgemeinde Teplitz zustande. Ferner wurde auch unter seiner Amtstätigkeit der neue israelitische Friedhof angekauft. Der Verstorbene erreichte ein Alter von 84 Jahren. Aiomotau. Am 14. d. M. fand hier die Wahl des Aluttusaemeindevorsrandcs statt. Es wurden gewählr die Herren Bern. Bloch, Edmund Feldmann, Ignaz Al o n i r s eh , Leopold B ermann, Ernst Kohn, MUDr. Rudolf H offmann, Albert Ritter, Jakob H i r f ch , Gustav Epstein, Karl Gans, Ludwig Al o n i r s ch und Eduard Kohn in beix Vorstand, Josef Löwtz, Heinrich Samuel, Josef Wiener, Adolf Heller, Leopold S ch i l l e r, Hugo Heller, Max Heller, Adolf Ritter, Emil Bcitler, Jakob K o h n, Emanuel Al ö n i g und Daniel Al o h n in den verstärkten Vorstand, Alfred Rieß, IUDr. Maximilian Al r a u s und Julius M ä n d l zu Ersatzmännern, Ignaz G o l d m a n n, Josef Al o n i r s ch und Wilhelm Prag e r zu .Kassarevisoren und Siegfried Heller, Ignaz G o l d m a n n , Adolf Al o n i r s ch , Alark F ii rth , Tr. Maximilian Kraus und Adalbert N e u s ch u l zu Mitgliedern der Umlags-Kommission. S—rr. Klattau. Wir haben vor einigen Tagen das Haupt unserer Kultusgemcin,de, den hochverdienren Vorsteher Herrn Josef T r e i ch l i n g c r , ins kühle Grab gebettet. Unendlich groß ist unsere Trauer. War doch der Genannie ein Jude von cchteni Schrott und Korn, der an den Institutionen unserer erhabenen Religion mit allen Fasern seines Herzens hing! Ihm gebührt das Verdienst, die hiesige Gemeinde in richtige Bahnen gelenkt zu haben, er hat sic auf eine feste Basis gestellr. Seine unermüdliche Tätigkeit war auf die Hebung des Gottesdienstes, auf die Erhaltung und Ausgestaltung der hiesigen jüdischen Volksschule, die gegenwärtig zu den bcstbcsuchten Böhmens zählt, wie auf die Stabilisierung aller anderen Gemcindeinstitutionen gerichtet. Als korrespondierendes Mitglied des ZentralbereineS für jüdische Angelegenheiten in Prag, der israelitischen Freitisehvereine in Prag und Pilsen und anderer ähnlicher Alorporationen entwickelte der Verblichene eine rege Tätigkeit. Durch mehrere Jahre bekleidete er auch das Amt eines Obmannes der hiesigen „Ehetvra Aiadiseha". An seinem Leichenbegängnisse beteiligte sich sozusagen die gesamte Iudenschaft der Stadt und Umgebung. Ter Alultusvorstand mit dem Ehreuvorsteher Herrn I. Porges und dem Vizepräses Herrn I. U. Dr. I. Fleischer, der Vorstand der „Cheivra Aiadiseha", Herr I. S. AirauSkopf mit nahezu allen Mitgliedern des genannten Vereines, die Aiultusvorsreher aller Nachbargemeinden und einige Seelsorger derselben nahmen an dem traurigen Alondukte teil. Tie Funktionen versahen Herr Rabbiner Dr. M. L. Wolf und Herr Oberkantor Leo Al o r n i tz e r, während die Mitglieder des hießgen Chor- und Gesangvereines die Trauergesänge exakt vortrugen. Auf dem Friedhofe tvidmete der Prager Prediger Herr cand. phil. Otto Ai r a u s dem Verblichenen Worte treuen GedcnkenS; am offenen Grabe nahm von dem Verschiedenen Herr I. U. Dr. I. Fleischer in beredten und betvegten Worten namens der Alnltiisgemeinde Abschied. Tie Bezirkshauptinannschaft!var durch den Aloinmissär Herrn R e h a k und den Alvnzipisten Herrn Dr. von B i r k e n f e l s, die Stadtgemeinde durch den Bürgernieister Herrn Dr. M a s ch e k, seinen Stellvertreter Herrn Dr. H o st a S und mehreren Stadträten, das k. k. Real- und Obergyinnasiniu durch den Direktor Herrn Lorenz und mehrere Professoren, sämtliche Ortsvereine durch Deputationen vertreten. Der Familie des Entschlafenen sind über 500 schriftliche und telegraphische Aloudolenzen zngekommen. Möge ihm die Erde leicht sein! Tarnobrzeg Am 18. d. M. fand die erste Veriammlttng des „Jüdischen Lesevereines" in Tarnobrzeg statt. Die Eröffnungsrede hielt Rabbiner Sal. Ganz in hebräischer Sprache. Nach dieser, mit großem Beifall anfgenommenen Rede, in welche die große Wichtigkeit des Vereines hervorgehoben wurde, erfolgte die Wahl des Vereinsvorstandes, welcher folgende Resultate ergab: Präsident Herr Rüben N u ß b a u m, Vizepräsident Herr S. Kaiser, Ausschußmänner die Herren : Ch. A b r a h a m und Ch. I. B u r st i n, G. Elefant, H. L. Schlüssel und N. Kölbel. Nachdem der nengewählte Präsident noch den Dank des Ausschusses verdolmetschte, schloß die Sitzung. Neustndtl bei Haid. Bei der am 12. d. M. durchgeführten Alonstituiernng des nengetvählten Ausschusses der israel. Kukknsgemeinde lvurden gelvählt die Herren: Rudolf Ai lein zum Knltnsvorsteher, MUDr. Mar L i e b st e i n zum Stellvertreter, Siegmund L a n g zum Tempelvorsteher und Kassier, ferner die Herren Sigmund Fischer (Haid), Heinrich Gans (Nenstadtl) und Simon Weiß (Nenstadtl). In den verstärkten Ausschuß wurden gewählt die Herren Josef R a u s ch e r , S. N e u b a u e r und Adolf B r o n e k in Haid, Philipp Weil, Josef Lede r e r und Adolf Holzer in Nenstadtl, ferner als Kassarevisoren die Herren Josef R a u s ch e r und Adolf H o l z c r. In den Ortsschulrat als Mitglieder für Nenstadtl Herr MUDr. Mar L i e b st c i n , für Haid Herr Sigmund F i s ch e r. S—rr. Budapest. (Die A u s s ch r o t t n n g des Al o s ch e r - f l c i s ch cs i st ei n E i g e n t u m der Gemeinde n.) Es ist eine bekannte Tatsache, daß die Gemeinden ihre Einnahmen durch indirekte Steuern besser gesichert haben, als lvenn diese gezlvungen sind, eine direkte Steuer von den Gemeindemitgliedern einzukassieren. Ties veranlaßte die Ai'anzlci der traditionellen Juden, bei der hohen Regierung ihr Ansuchen zu unterbreiten, damit die Gemeinden ihr alt besessenes Recht wieder besitzen sollen, daß die LluSschrottung von Aloscherfleisch ihr Eigentum bildet, und damit hat die Kanzlei einen doppelten Zweck erreicht, den ersten lvie oben schon angegeben ist, und zweitens damit die rituelle Uebcrlvachung genau durchgesührt lverden soll. Der hohe Erlaß lautet: Die Verordnung, Zahl 48 151, vom 18. September 1888 spricht wohl aus, daß der Werkauf von Koscherfleisth das ausschließliche Recht der israelitischen Kultusgenieinde ist, ist aber derart abgefaßt, daß auf Grund derselben der Verkauf des Aioscherfleisehes ohne Lizenz nicht bestraft werden kann. 8 4 enthält nämlich keine selbständige Strafsanktion, sondern verweist nur auf § 58 und Punkt a) des 8 157 des Gcwcrbegcsetzes, auf Grund deren derjenige bestraft ivird, der ohne Gemeindclizenz sich einer Aufschrift oder Bezeichnung bedient, wonach er Aloscherfleisch verkaufe, auch in dem Falle, wenn er wirklich Aloscherfleisch verkauft, während §'5, der eine selbständige Strafsanktion enthält, nur das rituelle Schächten ohne Gemcindelizenz als strafbar bezeichnet. Der Handelsminister hat nun im Einvernehmen mir dem Minister des Innern und dem Kultusminister beschlossen, die §8 4 und 5 der zitierten Verordnung derart zu modifizieren, daß die angeführten Punkte des Gewerbegesetzes nur auf jene angewendct werden sollen, die den Aioschcrfleischverkauf signalisierende Aufschriften oder Abzeichen benützen, in Wirklichkeit aber nicht Aloscherfleisch, sondern anderes Fleisch verkaufen- Der Minister textiert das erste Alinea des 8 4 in folgender Weise: „Auf Grund des 8 58, respektive 8 157, Punkt d) des im Gesetzartikel 17 vom Jahre 1884 enthaltenen Geiverbegesetzes wird derjenige von den Gewerbebehörden mit einer Geldstrafe von 40 bis 400 Al. belegt, der auf seiner Firmatafel, Geschäftslokalität, seinen Drucksortcn oder Ankündigungen eine solche Bezeichnnng benützt, wonach er Aloscherfleisch verkauft, tatsächlich aber kein Koseherfleisch, sondern anderes Fleisch verkauft." Das zweite Alinea des 8 4 bleibt textlich unverändert. Den 8 5 findet der Minister insofern notwendig zu modifizieren, daß auch derjenige in die Strafsanktion einzubezichen ist, der Aloscherfleisch verknust, ohne daß er an dem Vcrkaufsorte (Gemeinde, Stadt nsw.) von der dort befindlichen israelitischen Gemeinde eine Beivilligung hierzu erlangt hätte. Den Text des ersten Alinea dieses Absatzes stellt der Minister folgendermaßen fest: „Eine Uebertretung l^'geht derjenige und ist von den Polizeibehörden mit einer Geldstrafe bis zn 100 Air., im Wiederholungsfälle, lvenn inzwischen zlvei Jahre noch nicht verstrichen sind, mit einer Geldstrafe bis zn 200 Air. zn belegen, der Aloscherfleisch verkauft, ohne von der am Verkaufsorte bestehenden israelitischen Gemeinde eine Belvilligung erhalten zu haben, ferner derjenige, der ohne die erwähnte Beivilligung ein Tier dem Rituale der israelitischen Religion entsprechend schlachtet oder schlachten läßt. Der Text des zlveiten Alinea des 8 5 bleibt unverändert. Ter Minister fordert zum Schlüsse die Munizipien auf, diese Verordnung sämtlichen Geiverbe- und Polizeibehörden erster Instanz mitzuteilen und auch im Aireise der Interessierlen bekannt zu machen. Budapest. (Das Ein wand ernngsgesetz.) Die Detail» debatte über die Gesetzvorlage über die Einwanderung, wurde im Reichstage am 12. d. M. beendet. Die §§ 1 bis 9 wurden unverändert angenommen. Nur bei dem § 10 stellte der Antisemit Franz B u z ü t h der Znsatzantrag, ..wonach das Einwandernngsgesetz unter Respektierung der erworbenen Rechte mit rückwirkender Kraft ausgestattet werde". V i s o n t a i beantragte, daß die Eingewanderten, wenn sie was immer für eine Beschäftigung Nachweisen, nicht zurückgewiesen werden sollen. Der Antisemit S i m o n y i S e m a d a m u'terstlltzte die Modifikation des Buzüth und auch der Ministerpräsident v. S z 6 l l machte sich die Modifikation Buzüth zu eigen, „wonach diejenigen Eingewanderten, gegen welche Bedenken vorliegen, des Landes verwiesen werden können". Mithin werden wir bald auch in Ungarn das abschreckende Beispiel der rumänischen Judenverfolgungen erleben, denn die Lokalbehörden werden stets einen Anhaltspunkt finden, um die eingewanderten ansässigen Juden, die hier eine« Familienstand gründeten und ungarische Mädchen heirateten, dennoch ans dem Laude ausznweisen. Und dennoch verkündet der Ministerpräsident stets mit Emphase, daß er ein Anhänger des Liberalismus ist und keine antisemitischen Allüren hat. Arrsland. Berlin. (Bibel und Babel.) Der Vortrag, den Professor Delitzsch hier vor kurzem hielt, hat neue Stürme der Entrüstung heraufbeschworen. Herr Prof. Dr. Hildesheimer vom Seminar protestierte in öffentlicher Versammlung gegen das „wissenschaftliche" Verfahren. Auf einem einzigen Steintäfelchen, dessen Schriftzüge verwischt findet sich der Name „Jahwe" und daraus konstruiert Prof. Delitzsch, daß die Babylonier vor den Juden den Monotheismus gehabt hätten. Auch die Darlegung bezüglich des Sabbats stimmt nicht. Be, den Babyloniern war zwar der 7. und der 14. Ab ein Ruhetagi ebenso aber auch der 19. und 23. Ab. Während bei den Juden der Sabbat ein Freudentag ist, war der Ruhetag bei den Babyloniern ein Tranertag. Dr. Hildesheimer meinte, die Gefahr — die Streichung der Bibel — nicht allzu sehr fürchten müssen. Als die Pyramiden und Grabdenkmäler Egyptens zu sprechen begannen, waren plötzlich die Egypter der Antike dieselben Tausendsassa. Die Weltgeschichte ist darüber hinweggegangen, das Judentum wird auch diesen Sturm siegreich abwehren. Berlin. Tie „Berliner zionistische Vereinigung" hielt am vorigen Dienstag eine Volksversammlung ab, in der der Wiener Architekt und A.-C.-Mitglied Oskar Marino reck vor einem 700köpfigen Publikum über „Jüdisches Volkstum" sprach. In der Debatte fand sich kein eigentlicher Gegner. Berlin. Die Erregung über die Ouerireibereien des TreschgrnfenPückler-Kl. Tschirne dauert fort. In Versammlungen und Leitartikeln der jüdischen Organe wird der Entrüstung lebhaften Ausdruck berliehen. M. N. Ter „Verein jüdischer Studenten" kann sich einer recht fruchtbaren Tätigkeit rühmen. Zahlreiche Veranstaltungen, besonders der bon unserein A. H. Dr. Th. Z l o e i st i geleitete Ge sch ich tskurs, geben den Vereinsbrüdern, deren AktivitaS jetzt über 40 beträgt, Gelegenheit, sich über alle modernen jüdischen Fragen zu orientieren. Allwöchentlich vereinigt ein Vortrag, an dem sich gewöhnlich eine recht lebhafte Diskussion mischlicßt, VercinSbrüder und Freunde unserer Idee. Es hielten in diesem Semester bisher Vorträge: Herr Dr. B i r n in : „Die Organisation der jüdischen Wissenschaft". Herr Dr. Heinrich Löwe: „Die Inden tind ihre Sprachen". Herr Dr. InlinS Moses: „Das Handwerk unter den Juden". Herr Dr. Max E s ch e l b a ch e r: „Tie rechtliche Stellung der Inden im Mittelalter". .Herr Davis Trietsch: „Die jüdische Einigrationsfrage". .Herr Maler R o s e n b a it tu: „Gibt eS eine jüdische Aiunst?" Herr Albert Al atz: „Lord Byron und seine hebräischen Melodien". Daß der Verein sich eines großen Ansehens bei der jüdischen Studentenschaft erfreut, beiviesen die Wahlen der akademischen Lesehalle, ivo wir zwei Mitglieder ins Direktorium entsenden konnten. Vom 18. bis 21. Dezember hielten die zum Bunde jüdischer Alorporationen (B. j. Atz.) bereinigten Vereine jüdischer Studenten ztt Berlin, Breslau, München, Charlottenburg ihren dritten Alartclltag in München ab. Im Februar feiert unser Verein sein diesjähriges Winterfest zusainmen mit dem Charlottenburger Kartellberein. Ehargicrre des Vereines sind: cand. jur. Ludwig Zucker, Präses; cand. phil. F. I a k o b s o h n, Vizepräses; cand. nied. dent. E. B a s ch w i tz, Schriftführer. Sämtliche Zuschriften sind zn richten an cand. jur. L. Z n ck e r, Präses, Berlin O., Blinnenskraße 0. —n. München. Der V. I. St. (Verein jüdischer Studenten im „B. I. C." cm ver Universität München) eröffnete das Wintersemester (das sechste seit seinein Bestehen) imter unter den günstigsten Auspizien. Die Chargenwahl ergab zunächst folgendes A'esnltat: Cand. jur. Paul Hertz X, Cand. med. Mar Sichel X X, Sind. chem. Walter Weigert X X X. Aus dev Vereinstätigkeit ist besonders di-e Neichhaltigkeit der allwöchentlich stattgehabten Vorträge, an die sich stets rin rege Diskussion anschloß, hevzilheben, ein, Beweis dafür, daß der Verein die wissenschaftliche Tendenz seines Programmes erfüllt, durch Verhreitung der Geschichte und Literatur des jüdischen Volkes auf seine Mitglieder im weitesten Sinne einzuNürken. Es sprachen: Bbr. Sind. chem. Weigert über „Die Inden in der deutschen KrinnnalstatWk", Herr Dr. phil. Theodor Lessing über „Spinozas Theorie dar Affekte", Bbr. Stud. med. dent. Gillis über „Die Juden in England", Bbr. Sind. jur. Jacobson über „Das jüdische Eherecht", Bbr. Cand. jur. Hertz über „Die jüdisch^deutsche Sprache", Bbr. Cand. med. Stahl über „Bar Kochbn und seine Zeit" und Bbr. Sind. med. dent. Block über „Das jüdische Weib". Im Laufe des Semesters werden noch mehrere Vorträge bon Herren aus der hiesigen Bürgerschaft gehalten werden, wie wir denn nicht unerwähnt lassen wollen, daß der Korporation, die dteses Semester auch gesellschaftlich sehr heivoriritt, von Seiten der Bürgerschaft Ivarme Sympathie enkgegengebracht wird. Die Aktibitas niuiint offiziell an den Veranstaltungen des „Vereins für jüdische Geschichte und Literatur" Teil und turnt offiziell m dem neu gegründeten Turnverein „Esra". — Dem Wintersemester des Vereines Ivird durch den vom 18. bis 21. d. M. hier tagenden Kartelltag des Bundes jüdischer Korporationen, zu dein die Vereine jüdischer Studenten zu Berlin, Breslau, Charlottenburg, München und Würzburg gebären, ein. besonderes Gepräge berliehen. lieber den Karielttog werden wir s. Z. berichten. So können wir denn der Korporation, der sich im Laufe des Semesters schon eine ganze Anzahl neuer Mitglieder ausgeschlossen hat, ein günstiges Prognostikon stellen. — In der am vergangenen Sonntag vovgenommenen Neuwahl fiiv den Berwaltnngsansschiiß lvurden folgende Herren gelvählt: M. Fenchltiviinger, Privatier, Sigmund Fränkel, Großhändler, Dr. Alfred Nenmayer, kgl. Landgerichtsrat, Sigmund Rast, Kaufmann, Albert Schnlinann, Bankier, und Eduard Silbermann, kgl. Staatsanwalt.