Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1903-01-16 · 3 (16.1.1903) · p. Seite 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1903)
Issue
3 (16.1.1903)
Date
1903-01-16
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2432763-2432970-2432973--1793-2435588
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 3 Wien, Freitag Jüdisches Voiksblatt 16. Jänner 1903 Seite 5 treffende Vortrag: „Ein Wort über den Zionismus", an den sich eine sehr lebhafte Diskussion anschloß, gehalten. Samstag den 17. ds. wird Gg. Moriz Langer einen Vortrag über „Altneuland" mit Diskussion halten, welchem sich dann an jedem zweiten Samstage ein handelswissenschaftlicher Vortrag anreihen wird. —n. Das neue Kaiser Franz Joseph-Negierungs-Jubiläums- Kurhaus für arme Israeliten. Aus Karlsbad wird uns geschrieben: Einem seit Jahren bestehenden dringenden Bedürfnisse entsprechend, hat nuiimehr auch die israelitische Kultusgememde m Karlsbad sich zur Errichtung eines groben Kurhauses für arme Jsraelitcii veranlasst gesehen, welches soeben fertiggestellt wurde und am 1 Mai d. I. eröffnet werden soll. Die Errichtung des ersten Karlsbader Jsraelitenhospitals ging von Prag aus. Bereits rm Jahre 1843 schritteii mehrere Mitglieder der Prager K4lltnsgemernde mir Gründung eines Stiftungsfonds für ein Judenhospital m Karlsbad, welches sodann im Jahre 1847 eröffnet wurde Die von Jahr zu Jahr steigende Frequenz hatte zur Folge, daß tm Jahre 1885 mit dem Vau eines grossen zweistöckigen Kurhauses begonnen wurde. Gegenwärtig stehen in deniselbeii 31 Betten zur Verfügung, so das; ivährend der Kursaison 160—165 armen Juden, welche beim Direktorium in Prag darum ansuchen, vollständige Oratisvcrpflegung gewährt werden kann. Seit Jahren erweist sich zedoch o,e Vorsorge, welche für jüdische arme Kranke in Karlsbad getroffen ist, als iilizureichend. Es überschreitet nicht iiur alstährlrch die Zahl der bcrücksichtigungswerten Personen, welche um einen Kurplatz rm Karlsbader Jsraelitenhospital einkommen, bei weitem den geringe,i zur Verfügung stehenden Belegraiim, sondern an 500—600 arme, gänzlich mittellose und kranke Israeliten kommen alljährlich nach Karlsbad in der Hoffnung, diirch irgend einen btc ßhtc kostenlos durchmachen zu können; sie stiitzen sich auf die Mildtätigkeit der israelitischen Genieinde und auf die Wohltätigkeit jener besitzenden Glaubensgenossen, die in Karlsbad als Badegäste weilen. Die Zahl solcher unbemittelter fremdeii Israeliten wächst nunmehr von Jahr zu Jahr und veranlaßt«: schließlich den Herrn Rabbiner Dr H Ziegler zu einem denkwürdigen Entschlüsse. Er richtete an den zur Kiir in Karlsbad weilenden Baron Hirsch cm Memorandum, in welchem er die Verhältnisse schilderte und derselbe nahm den Vorschlag, sich mit einem größeren Betrage an die Spitze eines Gründungsfonds für die Errichtung eines, neuen israelitischen Kurgebäudes zil stellen, günstig auf. Leider fiel die gute Absicht durch den Tod des Baron Hirsch ins Wasser. Dr. Ziegler wandte sich nunmehr an die Frau Baronin Hirsch in derselben Angelegenheit und diese erklärte sich bereit, den Betrag von 80 000 Kronen zum Baue des israelitischen Kurhauses zur Verfügung zu stellen, wenn auch von österreichischer Seite mindestens derselbe Betrag gespendet würde. Die israelitische Killtusgemeinde zu Karlsbad faßte iiunmchr den Entschluß, ein den Verhältnissen entsprechendes Kiirhaus zu errichten, welches mit allerhöchster Bewilligung den Namen „Kaiser Franz Joseph-Regierungs-Jubiläums-Hospiz für arine Israeliten" führen und den Zweck verfolgen sollte, jedem wirklich Kranken die notwendige Verpflegung gratis zu gewähren, dagegen jede Geldunterstützung in Zukunft einzustellen. Nun handelte es sich um die Frage, wo jene 80 000 Krc/nllr in Oesterreich aufzutreiben seien, welche nach der Bedingung der Baromn Hirsch herbeigcschafst werden mußten. Diese Schwierigkeit fand jedoch dadurch ihre Erledigung, das; die Barone Rothschild ebenfalls 80 000 Kronen zur Verfügung stellten. Als Rabbiner Dr. Ziegler durch Berechnungen zil der Erkenntnis kam, das; die Beschaffinig der notwendigen Foiids besondere Maßregeln erfordere, begann er die wichtigsten Städte Europas zil dein Zwecke zu bereisen, um für das; israelitische Hospital in Karlsbad Vrovagmlda zil mache,l. Er bej suchte Paris, London, Frankfurt, Berlin iind andere „Orte, um bic; regelnlässigen wohlhabenden Besucher von Karlsbad für das Unter-! nehmen zu interessieren. Es gelailg ihiir, außer den bereits ge-i sammelten 80 000 Kronen von Frau Baronin Clara Hirsch iNld den 80 000 Kr. der Frhrn. Rath, n'nd Alb. v. Rothschild in Wien noch 40 000 .Kr. von Freiherrn Wilhelm und Freifrau von Rothschild in . Frankfurt zil erhalten; 20 000 Krone'., widmete Herr David Ritter! von Giittmann in Wien; 20 000 Kronen Freiherr Alep. Popper de Podhvagv in Wien; 20 000 Kronen Baron von Rosenthal in Amsterdam; 10 000 Kronen Herr Charles L. Hallgarten in Frankfurt; 10 000 Kronen Baron Gustav Springer, Wien; 10 000 Kronen Herr Hippolit Wawclbcrg, St. Petersburg; vom Mäison Rothschild, Paris, gingen 10 000 Francs ein, weitere größere Beträge von Baronin Adolphe de Rothschild, Paris, von Baronin de Rothschild, Paris iisw. In den letzteii Tagen hat die Familie des verstorbenen Bankiers Gottlieb Lederer in Karlsbad weitere 10 000 Kronen gespendet. Durch die Spenden wurde cs nun möglich, das; das Unternehmen in Angriff genommen werden konnte und der 'Vcgiilii des Hauses nicht weiter verzögert zu werden brauchte. DaS neue Kaiser Franz Josephs -Regierungsjubiläums-Hospiz für arme Israeliten ist nach den Plänen des k. k. Baurates Wilhelm Stiaßnv in Wien erbaut und kostet samt dazugehörigem Baugrunde 450 000 Kronen. Das Gebäude ist von einen, ziemlich ausgedehnten Gartenkompler umgeben ulld Ivird nach seiner vollständigen Ausgestaltung monatlich 150 annen Israeliten, die der Karlsbader Kur bedürftig find, vollständig freie Verpflegung gewähren. Das Gebäude ist drei Stock hoch und enthält außer dem Eiskeller Vorratskammern. Desinfektionsrämne, Waschküche auch eine eigene Bäckerei, um „die für die Passahtage vorgeschriebenen Gebäcke herzustellen. In, Tiefparterre befindet sich ein geräumiger Vetsaal, ein Sannnelbad und ein Speiscsaal für 300 bis 400 Personen. In, Hochparterre sind die Wohnungen des Verwalters. Hausbesorger?. Räumlichkeiten für den Primarius und Sekundärarzt, Badezimmer mit Gaswärmung, Konj ferenzzimmer und die Kanzlei. In, ersten, zweiten und dritten Stockwerk befinden sich die Krankenzinnner, und zwar besitzt jedes Stockwerk 18 Räume für Kranke und Badezinnncr, so daß in, ganzen 54 Räuinlichkeiten mit einem Fassungsraume für etwa 150 Personen vorhandei, sii,d. Die Erhaltung eines Bettes pro Saison stellt sich auf 400 Keinen. Am 1. Mai d. I. wird vorläufig der erste Stock mit 36 Perfol,en Belagrann, eröffnet werden. Durch die zu erfolgende Eröffnung dieses Kaiser Franz Joseph - Regiernngsjubilänms- Hospizes folgt die Israelitische Killtusgemeinde zu Karlsbad jenem edlen Vorbilde, tvelcheS ihr der Staat, die Gemeinde ,n,d andere Rekigionsgeliossenschaften und Völker durch Schaffung humanitärer Institutionell und Stiftungen gezeigt haben und die Israeliten in Karlsbad können mit Stolz auf die geschaffene Institution blicken. tvelcheS ein dauerndes Denkmal humanitärer jüdischer Gesinnung bildet. A r t h u r S ch o r r , Teplitz. Jubiläum im Dienste der Wohltätigkeit. Aus Aussig tvird uns gemeldet: Am 1. Jänner feierte Frau Anna Hamme rschlag ihr 25jähriges Jubiläum als Borsteheril, „des israelitischen Frauenvereins zu Aussig. Dieser Tag war für die Jubilarin ein besonders ehre»,der n>,d wurden derselben allseitig die beredtesten Kundgebungen von Sympathien dargebracht. Von Seite des israelitischen Frauenvereines erschien der Gesamtausschus; und nach einer herzlichen Ansprache der Vorsteherin-Stellvertreterin Frau Rabbiner Vas; tvnrden der Jubilarin ein herrlich ausgestattetes „ Diplom und ein pachtvolles Ehrengeschenk dargebracht. Die Repräsentanz der israelitischen Knltusgemeinde beglückwünschte schriftlich in überaus herzlicher ,»,d ehrender Weise ui,d der Gesamtansschus; des israelitischen Krankenpflegevereins überbrachte persöickich seine Gratulation. Auch von anderen Seiten wurde die Jubilarin sowohl Persönlich als auch schriftlich beglückwünscht. Am Abend, an dem -gleichzeitig die Generalversammlung des Vereines stattfand, war der Sitzungssaal in äußerst sinniger Weise dekoriert. Bein, Erscheinen der Jubilarin Ivnrde dieselbe auf das Herzlichste begrüßt und vom Vorstande mit einer herrlichen Vlumenspende bedacht. Frau Hainn,erschlag hielt sodann eine wohldurchdachte Ansprache, in der dieselbe einen Rückblick auf die Tätigkeit des Vereins von seinem Anfänge bis auf den heutigen! Tag entwarf. .Auch detti Herrn Lötvy Hammerschlag, der seit 25 Jahren ats Schnslsührer des Vereines fungiert, ivurde ein schönes Geschenk überreicht. Olmütz. „ Es gibt leider noch viele jüdische Aerzte, die es unter ihrer Würde halten, die Milah vorzunehmen. Die Folge davon ist, daß viele jüdische Eltern in ihrer übertriebenen Aengstlichkcit ihr „Kind einem „Laien" nicht auvertrauen wollen und die Milah überhaupt nicht mehr vornehmen lassen. — Umso erfreulicher ist es, ivein, ein tüchtiger, vielbeschäftigter Arzt, der zudem von religiösem Gemüte erfüllt, sich diesem heiligen Amte mit großem Geschick und Eifer loidmet, Ivie es Herr Dr. Gustav Sonnenschein hier tut. Vergangene Woche nahm der Herr Doktor bei seinem erstgeborenen Sohne die B'rith Milah selbst vor und es war eine Freude, anzusehen, mit welch schöner Andacht und Feierlichkeit die vorgeschriebenen Gebete verrichtet und der ganze heilige Akt vorgenommen ivurde. Es tväre nur aufrichtig zu wünschen, das; dieses schöne Beispiel recht viele Nachahmungen fände, wir hatten gewiß dann weniger Arelim als dies leider jetzt der Fall ist. 7D Sonnenschein ist ein Sohn des langjährigen verdienstvollen Tempclvorstandes der Troppauec Kultusgemcinde, Herrn Marcus Sonnenschein. . Lemberg. Wie wir erfahren, ist Herr Dr. Emil B y k dahm tätig, daß den gegenwärtig existierenden Hausierern ihr Recht bis ans Lebensende gewahrt bleibe, dagegen neue Hansierbewilligungen nicht mehr erteilt werden sollen. Diese Tat wird „Herrn Dr. Byk die Dankbarkeit vieler tausender Familien,„deren Existenz dadurch gerettet würde, eintragen. Möge dieses herrliche Stück Brot der Hausierer m Galizien von„ den „Asemiten in Beschlag gelegt werden, wir wollen dahin wirken., daß die Lage unserer Brüder durch Hebung ihrer Bildung und Erwerbsfähigkeit verbessert werde, um für sie ein höheres und gerechteres Maß von Staatsanstellungen in Anspruch nehmen zu können. Also Rollenwechsel tut dringend not. S a m u e l s o h n. . Lemberg. (A u s dem B e r i e n e „S ch o m e r ^.ißroel".) Die Vorträge im Vereine „Schomer ^lßroel haben begonnen und eröffnete der Präsident des Vereines den Reigen vor drei Wochen mit einem Zyklus von Vorträgen über die Reorganisation der jüdischen Erzieh ungs- und Wohltätigkeitsanstalten. Das Thema des ersten Vortrages lautete: „Die national-jüdische Erziehung und Schulung". Es gelang dem Redner, das Publikum für seine Ideen zu gewinnen und dies in folgender Resolution zum Ausdruck zu bringen: „Die Ver sammlung erkennt das gegenwärtige Erziehungsuni Schllllmgssystem, das unzählige Opfer erheischt und di Zukunft unseres Volkes untergräbt, als siir unser Vol verderblich und spricht sich für die vollständige Aenderum dieses Systems ans national-religiöser Basis aiis, verlang '^Haltung großer Volksversammlungen Lehnst T-isrustwn dieser hervorragend lebenswichtigeil Frage. Dil uacioiiab.religiöse Richtung der Schulung und Erziehum zieht sowohl den Unterricht der männlichen wie der Weib uchen.^>ugeud in ihr Bereich." — Am 3. Jänner wurd, r llBcr national-jüdische Erziehung fort gesetzt imb hielt Herr Jakob Salo Philip p das Refera über „Die Errichtung eines modernen: Cheders in Vor bnidmig mit einem auf profanen Unterricht". Unter der vielen Rednern, welche sich an der Diskussion beteiligten ragte besonders Frl. Spinne r, eine tüchtige Hebräistin hervor, die zwar „heftig „ gegen ein derartiges Jnstitm opponierte, aber eine völlige Umwandlung des gegenwärtigen Systenis in ein national-jüdisches Marin. best)rivoriete Tie „durch den Vorsitzenden Herrn Dr. Bier er sen ein geleitete Abstimnnmg ergab, daß die Versammlung siä gegen das gegenwärtige assimilatorische Schulsystem unk Mr die national-jüdische Schule und als ersten Schritt zu derselben für die Gründung des Cheders im Sinne de^ Referenten aussprach. — Die nächste Diskussion wirk sich mit der Reorganisation der beiden Lemberger jüdischer Schulen beschäftigen. — Wie verlautet, wird der Wienm Indische Volksverein seine Vertreter nach Lemberg entsenden, um: im Vereine mit dem „Schomer Jißroel" eine große öffeiitliche Versammlung abzuhalten. r. "Arnberg. l} n n u k au n d M a k k a b ä e r - F e i e r u.) hiege Strvh nach Goschen tragen, wollten wir mit diesen Zeile, erst anzeigen, daß unsere nvch nicht ganz in Assiinilation ansgegam qene Gemeinde die acht Chaimka-Tage zu zionistischen Kundgebungen am'genntzt hat. Aber auch die unter der Aeaide des hiesige, KnltnSvvrstandes stehenden Anstalten feierten mit. Unter anderer mich das neue Waisenhaus, dessen Zöglinge zur besonderen Zusnei.till)>.n bcy ctiiv fjctrtbcncu ÖKiftcu bcjicljcnbcn ^SublihunS tvtufi: Oknie vermißt hätten wir dagegen Vorträge ans andere, , .. ....v.. .. „ui feierliche, anskkangen, das tu den Kot gezerrte Judentum wieder auf znrichten und zu Ehren zu bringen. Die Festredner stellten dr cklademuer höherer Jahrgänge und Gekehrte. Den hebräische, ..eil brachte ein junges Mädchen, Frl. Spinner, zu Gehör, inden Uieine ^vortreffliche Rede im sephardischen Dialekt hielt. Gesa,,, und Deklamatwiien in hebräischer Sprache brachten die Zügling> der Schule „Chanoch lennar" zum Vortrage. Aber auch die traf ngen Mannerkehlen des nengegründeten zionistischen Gesangverein, „Kiner erfreuten uns. Die Obergymnasialjugenv, die Präparan den,„ d,e Handelsschüler, die kaufmännische Jugend — alle, all begeisterten sich an dem Verjüng,mgsqnell der unsterblichen Ver gangenheit, Mut, Ausdauer und Charakterfestigkeit für das golden Zeitalter des jüdischen Volke? in der Zukunft schöpfend. Uebe: meine und meiner Gesinnungsgenossen Anregungen gestatteten dü konservativen „Zionisten auch Damen den Zutritt in den Festsaal — 3um Schlüsse wollen wir noch erwähnen, das; der Verei, „Sihomer Israel" wie auch die Zionisten darangehen, die noch abseits stehenden Frauen für die jüdischnationale Idee zu gewinnen Am Donnerstag den 8. Jänner fand im Frauenverein „Ognisko' ein Diskussionsabend mit den, Thema „Die jüdische Nationalität' statt. — Glück auf! Wir tverden den Uebertritt der jüdische« Frauen Lembergs von dem ihnen so lieb getvordenen Christbäumel» zum Zionismus und dem nationalen Judentum als eine Seelenrettung, als den Wiedereintritt der halb und ganz Verlorenen m den Schoß Abrahams und in die glückbringenden Arme Judas erleben. Dazu ist es die höchste Zeit! Lemberg. Die akademischen „Polen mosaischer Konfession", die Talmudstürzer, raffen alle Mann zu ihrer Auferstehung zusammen und finden lebhafte Unterstützung bei ihren Gesinnungsgenossen im Kultusborstande. Oder gebietet es die neutrale Haltung des Vorstandes, auch dieser Richtung gegenüber generös zu sein, und nur wir kleinen Leute, die wir noch nicht auf dem kurullischen Stuhle gesessen haben, können es mit unserem schwachen Untertanenverstande nicht fassen? iWr wissen bloß, daß Herr Dr. Emil B y k von einem schwankenden jüdischen Schifflein mitten in brandender aufgeregter See sprach. Ist dem so, dann sollte doch der löbliche Vorstand cs als unzeitgemäß erachten, die Lage dieses Schiffleins durch den Bruderkrieg der Insassen noch gefährlicher zu gestalten. — Caveant consulesl Podwoloczyska. Im Saale der Freiwilligen Feuerwehr veranstalteten Dienstag den 6. Jänner die hiesigen nationaljüdischen Akademiker, unter Mitwirkung des bekannten Redners Herrn Dr. Adolf Stand, Herrn N. Schapira, Mitglied des Gesangvereines „Kinor" aus Lemberg und unter Mitwirkung der Fräuleins Lola K a tz n e r, Regine -L ö iv y und Klara Rathäuser, eine überaus gelungene Makkabäer-Feier. Der Saal war noch bor 8 Uhr abends bis aufs letzte Plätzchen besetzt. — In schwungvoller begeisterungsglühender Rede stellte der Festredner Herr Akademiker I. Frankel die Bedeutung des Lichtweihfestes dar. In anderthalbstüudiger Rede entwickelte dam, Herr Redakteur Dr. Adolf S t a u d aus Lemberg die Ziele und Zwecke des Zionismus. Den offiziellen Teil der Feier beschlossen musikalische und deklamatorische Vorträge, unter welchen besonders das von Dr. D. Malz, unter dem Titel „Dr. Mojzesz Blum" verfaßte Stück stürmischen Beifall erweckte. —• Die Feier hat im ganzen sowohl durch die Fülle und den köstlichen Gehalt des Gebotenen, als auch durch die lebhafte Beteiligung des Publikums, einen vortrefflichen Eindruck hinterlassen. T a r n o p o l. (Makkabäer-Abend.) Unter der Leitung des Akademischen Vereins „Bar-5iochva", inspiriert von dem nnennüdlich für das jüdisch-nationale Wohl der jüdischen Bevölkerung in Tarnopol und Umgebung tätigen Fräuleins Rosa Pomeranz, kamen schon diesen Winter einige schöne, echt jüdisch-volkliche Abende zustande, welche der Stadt Tarnopol nur Ehre machen können. Ganz gemütlich fühlte sich das jüdisch schlagende Herz Samstag abends im Lokale des Vereins „Jad Charuzim", wo der „Bar-Kochba" seine jüdischen Toynbee-Avende abhält. Sehr kräftig und herzhaft war die einleitende polnische Rede des Akademikers Herrn Nusrbaum; stilgerecht und kernig war der deutsche Vortrag des Herrn Korngrün stud. jur.r „Ucber die Bedeutung des Chanuka-Festes"; wundervoll und erhebend wirkte auf dieAnwesenden die künstlerisch-musikalischeLeistung des Frl. Rosa Pomeranz. Frl. Rosa Nuschrecher deklamierte das Gedicht „Der ewige Jude" von Heinrich Löwe voll Begeisterung und Anmut. Einen ganz besonderen Applaus rief die hebräische Deklamation des der hebräischen Sprache in Wort und Schrift mächtigen Fräuleins Olesker hervor und haben es bei dieser Gelegenheit sehr viele Damen bedauerst ihre Muttersprache nicht zu verstehen. Die Feierlichkeit schloß mit einem Gesang, von Herrn Sirkes ansgeführt, und mit voller Freude gingen wir nach Hanse, voll Vertrauen auf die jüdische Jugend, die für ihr Volk uneigennützig und opferwillig eintvitt, hoffend, noch eine Zeit zn erleben, wo man es nicht mehr nötig haben wird, die Juden zum Judentume zu bekehren und ihnen erst den Glaube,: einzuflösren, daß die Juden auch ein Volk sind. Zastawna. Am 28. v. M. veranstaltete der Verein „Schewas Zion" eine Makkabäer-Feier. Von nah und fern strömte man znsammen. Die hiesige jüdische Bürgerschaft und Intelligenz war vollständig vertreten. Aus Czernowitz kamen einige Mitglieder der „Hasmonaea". — Nach der Begrüßung des Präsidenten Herrn W e i ß g l a s ergriff Herr Sommer von der „Hasmonaea" das Wort zur Festrede. Hierauf sprach das Aiitglied der «Hasmonaea" Herr F i s ch b a ch. Er erinnerte an die Makkabäer, an ihren Mut, wie sie ihre besten Kräfte für das Wohl des Volkes einsctzten und ermahnte zur Einigkeit. In treffender Wjeise schilderte er das Judenelend, das nur durch kräftige Organisation, durch einmütiges Vorgehen gelindert werden könne. Durch lebhaften Beifall dankte man dem Redner für seinen schönen Vortrag. Es sprach fobanni dev Vizepräsident des Vereins, Herr Apotheker S ch l e ch t, an die Frauen. Er forderte sie auf, ihre Kinder im nationalen Sinne zn erziehen. Der reiche Beifall, den ihm die Apostrophierten spendeten, zeigte, daß sie cs sich zn Herzen nahmen. Darauf sprach Herr Silbermann im Jargon. In einfachen, kernigen Worten erklärte er den jüdischen Nationalismus und belvies durch treffende Beispiele, daß die jüdisch-nationale Idee siegen müsse. Er erwärmte das Publikum zu lebhaftem Applaus. Mit dem Absingen des Bnndesliedes durch die „Hasmonaea" war der offizielle Teil beendet. Eine Festkneipe wurde arrangiert. Unter dem strammen Präsidium des A. H. der „Hasmonaea", Apotheker S ch l e ch t, blieb man in fröhlicher Stimmung noch lange beiy> sammen. Pharmazeut G e r t l e r. Wiznitz. Vergangenen Samstag verstarb in Wiznitz Herr Rabbiner Arje Blum im Alter von 64 Jahren. Der Verstorbene, der ivährend einer langen Reihe von Jahren das Ehrenamt eines Dajans bekleidete, erfreute sich zufolge seiner großen Gelehrsamkeit, Frömmigkeit und seines hervorragenden Charakters der allgemeinen Achtung, die sich auch bei dem am Sonntag stcrttgefnndenen Leichenbegängnisse kundgab. Der Rabbiner ans Klith hielt eine ergreifende Trauerrede. Der Verstorbene hinterläßt drei Söhne, welche sich eines besonderen Rufes als Talmudgelehrte erfreuen. Die Knltusgemeinde ehrte das Andenken des Verblichenen, indem sie einen seiner Söhne zn seinem Nachfolger im Amte wählte. Achtet auf meine Worte und nicht auf meine Taten. Aus Hnlicz wird uns geschrieben: Bor einigen Monaten stand in jüdischen Zeitungen ein Bericht über den Empfang einer jüdischen Abordnung durch den griechisch-katholischen Metropoliten Grafen S z c z e p t y c k i in Lemberg. Als nämlich die Juden in Burszthn von dem bevorstehenden Eintreffen des Metropoliten erfuhren, beeilten sie sich, ihm ein Zeichen ihrer Ergebenheit zu liefern, und sandten dem Erzbischof eine Deputaüon ihrer angesehensten Olemcindemitglieder mit einer Thora entgegen. Seine Eminenz der Erzbischof hielt eine huldvolle hebräische Ansprache a« sie, worin er sie seines Wohlwollens und seiner Geneigtheit versicherte. Ein freudiges (tzeftthl beschlich jeden bei der Lektüre dieser Nachricht, wie heilsamer Balsam flössen die Worte Seiner Eminenz auf das wunde Herz jedes Inden. In einer Zeit, wo der Antisemitismus Trumpf ist, mußte es umso angenehmer beriihren, Worte christlicher Nächsten- und Menschenliebe aus so berufenem Munde

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.