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Jüdisches Volksblatt · 1903-01-16 · 3 (16.1.1903) · p. Seite 4

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1903)
Issue
3 (16.1.1903)
Date
1903-01-16
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 vvien’ Fretta8 Rechts- und Hmnanitätsgefühl, die mir die höchste Achtung und Sympathie aller rechtlich Denkenden, insbesondere aber dre dankbare Verehrung meiner Stammesgenossen für alle Zeiten zurückführen." Diese Komplimente sollten Sie an meme christlichen Kollegen richten; ich empfand einfach als Jude Schmerz und Entrüstung über das Schicksal meines Volkes in Rumänien. Human i t ä t ü b t man gegen Fremde, g e g e n s e i n V o I k tut man seine selbstverständliche Pflicht. Verzeihen Sie, wenn ich Sic, vcrcbrter Herr Präsident, daran zu erinnern wage, das; cs um die Inden in Oesterreich vielleicht anders stünde, wenn Sie in einem kritischen Momente, anstatt einen deutschen Nationalhelden zu posieren, was Ihnen herzlich schlecht stehen soll, ihre Pflicht gegen Ihr Volk getan hätten. Ich meine Ihre Audienz beim Grafen Taaffe. Er war bereit, die Gleichberechtigung des jüdischen Volkes, die auf dem Papiere stand, in die Wirklichkeit umzusetzen, wenn Sie und Ihre Ilmgebuiig Ihren Einfluß aufbieten wollten, daß die Juden ihre dentschtümelnde Opposition aufgcben. Da riefen Sie pathetisch: „Exzellenz, ich bin ein Deutscher!" Nun, bei den Deutschen kräht mehr kein Hahn nach Ihnen, sie behelfen sich, wie es scheint, auch ohiie Sie; Ihre Bndgetartikel in der „N. Fr. Pr." sollen auch die christlich-soziale Partei noch immer nicht vernichtet haben. Dagegen sind die Juden so — nachsichtig, will ich sagen, und erhoben Sie zu dem Vizepräsidenten der gröszten jüdischen Gemeinde Oesterreichs und zum Präsidenten des Bundes jüdischer Gemeinden. Ist Ihnen noch nie der Gedanke gekommen, daß es Ihre Pflicht und Schuldigkeit war, dem Ministerpräsidenten zu sagen: „Exzellenz, ich bin ein Jude und w e r d e i itt Interesse des jüdisch e n Volkes I h r e n Rat befolgen!?" Die antisemitische Preise hätte Sie mit Schimpf und Spott beladen; aber das hätte Sie so wenig geki'unmert, wie cs mich gekümmert hat. Mir den: Ausdrucke meiner Hochachtung! M a r e u s S a m u e l." Im lit. Gcsclligkeitsverein jüdischer Mädchen „Moria" wird Sonntag den 18. d. M. Herr S. Fischer einen Vortrag über das Thema: „Haben Traume eine Bedeutung?" halten. Beginn präzise drei Uhr nachmittags im Religionssaale der Israelitischen Kultusgemeinde, 1. Bez., Seitenstettengasse 2, 2. Stock. Gäste herzlich willkommen. Verein für jüdische Geschichte und Literatur. Sonntag den 18. d. M. Vortrag des Herrn Hermann Berliner über „I u d a u n d S p a r t a" im Festsaale des Jüdischen Volksvereines, 2» Bez., Leopoldsgasse 49. Beginn um dreiviertel acht Uhr abends. Gäste willkommen. Wien. A l l g e m e m e i n e r jüdischer Arbeiterverein. Samstag den 17. Jänner 1903, 8 Uhr abends, findet im separierten Lokale des Cafce „Adria", 2. Bez., Schwarzingergasse 2, ein Vortrag über „Modernes Judentum" statt. Gäste h'erzlichst willkommen. Ter jüdischnationale Arbeiterverein in Wien feiert Samstag den 31. Jänner in Löbls Saal, 6. Bez., Schmalzhofgasse 10, sein zweites Gründungsfest, verbunden mit Festrede, Gesang, Musik, Juxbazar und Theater mit anschließendem Tanzkränzchcn. Zur Aufführung gelangt ein Lustspiel und verschiedene Ueberrafchungen werden dem Besucher den Abend zu einem schönen machen. Karten zu 60 Heller (ander Kasse 80 Heller) sind zu haben in der Redaktion der „Welt", Türkenstraße 9, in der Buchbinderei I. Hasterlik, 6. Bez., Windmühlgasse 39, und im Privatlokal beim Tanzuntcrricht jeden Sonntag nachmittags, 8. Bez., Kochgasse 16. Ter humanttäre Frauenverein „Krankenpflege" ln Wien, der unrcr dem trefflichen Präsidium der Frau Dr. Amalie B l e ch und unter der tätigen Mitwirkung der Vorstandsdamen Dr. L i f c z i s, S ch e ch r e r, L i e b l i n g, W a s s e r mann, R o s e n b e r g, Gefall, P a l l i k, W e i ß, Rose n st o ck und Berg n e r in wohltätigster Weise wirkt, veranstaltete am 3. Jänner d. I. im Prachtsaale des Hotel „Continental" eine Wohltätigkeitsakademie mit anschließendem Tanzkränzchcn, die einen durchaus gelungenen Verlauf nahm. Aus dem reichhaltig künstlerischen Programm erwähnen wir die mir außerordentlichem Beifall aufgenommeuen Gefangsvorrräge des Herrn M. Striks, der in Schuberts „Aufenhalr" und Webers „Freischütz"-Arie seine prachtvollen Stimmmittel zu voller Geltung brachte, ferner die reizenden Lieder des Herrn Eugen Lamberti, der zu seinen vielen Verehrern sich wieder neue gewann, die Cello-Vorträge des Herrn H o l d p e r g, den Dcklamationsvortrag der Fräuleins Else und Paula K a tz, die schönen Darbietungen des Violinvirtuosen Herrn Stierer, die alle verdiente Anerkennung fanden. Die Klavierbegleitung zu« sämtlichen Vorträgen, sowohl den gesanglichen, als auch denen des Violonisten und Cellisten hatte Frau Regine S ch >v a g c r in liebenswürdiger Weise übernommen und aktompagnierte in feinfühligster, technisch meisterhafter Weise Vortragende und Hörer gleichermaßen befriedigend. Das Tanzkränzchen vereinigte die zahlreichen Besucher bis in die frühen Morgenstunden. Die artistische Leitung lag in den bewährten Händen des Herrn M. C h e f e z. Zum jüngsten Pairschub. Mit gewohnter katzenartiger Geschwindigkeit nimmt das „Deutsche Volksblatt" Veranlassung, auf unseren den jüngsten Pairschub betreffenden Artikel zu reagieren. Das amisemitische Hctzorgan mokiert sich darüber, daß!uir die Forderung gestellt, es mögen bei den sogenannten Pairschiiüen auch Inden zur Ernennung vorgeschlagen Iverden. In einem Ansall von ironischem Großmut oder großmütiger Ironie versteigt sich daö „Ternsche Volksblatt" soweit, uns Juden eine pcrzentuale Vertretung im Herrenhause zu konzedieren, und gesteht zu, es sei dies eine Forderung, deren Billigkeit es nicht in Abrede stellen könne. Der anliscinitische Moniteur geht sogar noch weiter, indem er meint, er wäre iveit liberaler noch als die sogenannten fortschrittlichsten Judenliberalen, und verlangt, daß die Juden zu jenen BerufSklassen Zutritt haben, in denen bisher noch kein Jude Eingang gefunden, stellt hieran jedoch die Bedingung, daß von allen Kanalräumeru, Bergiverlsarbeitern, Dacharbeitern, Gerüstern, Rauchfangkehrern, Pulvertind Dynamitarbeitern usiv. ebenfalls, und zwar obligatorisch, fünf Perzent aller Arbeiter Juden sein müssen, selbstverständlich sollen Juden auch nicht mehr als fünf Perzent des gesamten Nationalvermögens besitzen dürfen (in Parenthese sei bemerkt, daß der von dem „D. V." den fortschrittlichen Parteien erteilte Hieb gerechtfertigt erscheint, tveil ja die sogenannten Jndenliberalen mir der Ausschließung der Jtiden ans allen öffentlichen Aemrern begoniten haben). Jüdisches Volksblatt DaS „D. V." will entweder absichtlich oder auS Ignoranz davon keine Kerrntnis nehmen, daß Inden in allen Handwerken, einschließlich der mit Lebensgefahr verbundenen, mMtreffen sind, natürlich nur dort, wo sie Beschäftigung finden. Dem Kanalränmer-Gewerbe können sich Inden nicht widmen, lveil sie in diesem Gewerbe kaum ihr Brot erwerbeit könnten. Tatsächlich sind in Wien alle Juden, welche sich zur Straßenreinigung, zum Schneeschaufeltt gemeldet, einfach nur desivegen, lveil man sie als Juden erkannte, zurückgcwiesen tvorden. Es ist noch nicht lange her, daß viele hunderte Juden, die jahrelang in den galizischen Naphthagrnben untertags nin den kärglichsten Taglohn gearbeitet, fortgejagt wurden, tveil sie den dem Suff ergebenen arischen Arbeitern wegen ihres Fleißes, ihrer Nüchternheit und Sparsamkeit ein Dorn im Auge gewesen sind. (Wieder sei in Parenthese bemerkt, daß die entlassenen jüdischen Naphthagrubenarbeiter sich seinerzeit bei den Kohlenbergwerke besitzenden reichen jüdischen Onkels vergeblich um Arbeit in den Kohlengruben betvarben.) Man wird es uns tvohl nicht verübeln, wenn wir es vermeiden, uns mit dem antisemitischen Hctzorgan in eine Polemik einzulassen, halten cs jedoch für geboten, auf das Märchen des großen jüdischen Nationalvermögens znrückznkoinmen. Sieht man von einigen wenigen reichen Juden ab, so muß leider konstatiert tverden, daß der Wohlstand unter den Inden infolge der antisemitischen Strömung und der damit verbundenen Tendenzgesetzgebnng stark zurückgegangen ist. In den Provinzen, insbcsonders in den Karparhenländern, sind 99 Perzent der Juden blutarm und nagen am Hnngertuche. In Wien selbst, mit seinen 200 000 Inden, herrscht bei nenn Zehntel derselben Elend und Not. Das sind bedauerlicherweise feststehende, dev Notorietät nicht entbehrende Tatsachen. Was tvill es da bedeuten, tvenn eine Handvoll Juden über große Rcickuümcr verfügt. Zieht man jedoch in Betracht, welch schwindelhaft großes Vermöge:: beim arischen Feudaladel bei der Klerisei, bei Klöstern und Stiften, nicht in rollendem Kapital, sondern in Jideikommißgütern und Latifundien zu finden sind, so würden wir Juden bei einer etwaiger: perzentnellen Aufteilung tvohl ein glänzendes Geschäft machen. Wir sind dem „D. V." wahrlich zn lebhaftem Danke verpflichtet, tvenn cs, ob ernst gemeint oder nicht, „das Thema der Zulassung der Jndei: zu jcnei: Berufsklassen, zu welchen sie bisher noch nicht Eingang gefunden" ins Rollen bringt. Das „D. V." hat ja Recht mit seiner Bemerkung, das; ii: der Advokatie, Aerzteschaft, Kaufmanns- und Gewcrbeftand Inden übcrwiegen, allein sie präponderiercn in diesen Berufen nur deshalb, weil ihnen andere Stellungen nicht zugänglich sind. Die Juden würden ja lieber die hohen Stufe:: in der Bcamtenhierarchie, im Militärwcsen, in Hof-, Kommunal- und Landesdienst, in der Diplomatie nftv. erklimmen, tvenn man ihnen den Weg hierzu nicht einfach versperren würde. Wir behalte:: :u:s vor, dieses Thema zn gelegener Zeit deS eingehenden zu behandeln und mit den: „D. V." in dieser Richtung Abrechnung zu pflegen. Wochenprogramm der Jüdischen Tohnl.ee-Hatte: Sonntag den 18.: Konzert. Montag den 19.: Dr. Jerusalem: „OesterrcichischeS Staatsrecht". Dienstag den 20.: Diskussion: „Schule und Haus". Mittwoch den 21.: Dr. I. Wt Fricscr: „Die Bekämpfung der Tuberkulose". Donnerstag den 22.: Doz. Dr. Potlak: „Hygiene des OhreS". Freitag den 23.: G. M. Mehrer: Erklärung der Sidra. Samstag den 24.: Konzert:md Rezitation. — Anmeldungei: zu Vorträgen beliebe n:an zn richten an Herrn Dr. Siegmund Werner, 4. Bez., Wiedener Hauptstraße Nr. 18. Verein jüdischer jugendlicher Arbeiter in Wien (Zahlstelle Otiakring-Hernals). Das vorbereitende Komitee zur Gründung dieses Ziveigvereins veranstaltete Sonntag den 11. ds. in Müllers Gasthaus, 16. Bez., Hnbergasse 10, eine Besprechung, zu der sich zirka 40 jugendliche Arbeiter eingcfunden hatten. Das Referat über die Lage der jugendlichen Arbeiter erstattete das Vereinsmitglied Samuel Strauß. Er betonte insbesondere die Nützlichkeit eines nationaljüdischei: Arbeitervereines, schilderte die Zustände, die bis vor kurzem im Judentum des Westens geherrscht hatten und gab auch ein Bild der anwachsenden Volksbewegung, der sich auch ein nicht unbedeutender Teil der jüdischen Arbeiterschaft anschließk. Dem ausgezeichneten Referate folge stürmischer Beifall. An der Diskussion beieiligten sich inehrere Kollegen der Zentrale sowie der Zahlstelle Ottakring. Unter anderem regte Kollege Menzer die | Gründung eines jüdischen Arbeiterbildungsvereines für den 16. und! 17. Bezirk an. Nach einen: kurzen Schlußworte des Herrn Straus; wurde einstimmig die Gründung der Ortsgruppe Ottakring-Hernals! auf Grund unseres Progrannnes beschlossen. Zlvanzig Nichtinitj glicder meldeten sofort ihren Beitritt au. Der günstige Verlauf! der Versammlung berechtigt zn den schönsten Hoffnungen. Zuschriften für die Zahlstelle sind bis zur .Konstituierung an Kollegen Ludwig Perlgrund, Hi. Bez., Weyprechlgasse 8, zu richten. I. N. Verein jüdischer jugendlicher Arbeiter in Wien. Sonntag den 18. ds. findet in: Saale des Kongreßbnreans, 9. Bez., Türkenstraße Nr. 9, präzise 6 Uhr nachmittags die vierte ordentliche Generalversammlung statt. Tagesordnung: 1. Berichte. 2. Wahlen. 3. Referat von: Kotl. Sarnuel Strauß über: „O r g a n i s a t i o n und Presse". 4. Eventuelles. Die Mitglieder lverden ersucht, vollzählig zu erscheinen. Die heurige große Makkabäer. Feier findet Donnerstag den 22. Januar d.' I. in den Sofien-Sälei: statt. Uin die Makkabäer- Feier zu einer imposanten Kundgebung zn gestatten, hak sich ein Damenkoinitee von zirka 200 Frauen und Müdchen gebildet, tvelches eine Propaganda im großen Stil entfaltet. Ihre freirndliche Mitwirkung haben unter anderen: zngesagt Frl. Camilla Theumann, der k. n. k. Hofschanspieler Konrad Lötve, Herr Professor Josef Sulzer, k. u. k. Hofmusiker ustv. Die Konzert- und Tanzmusik besorgt die Kapelle des k. n. k. Infanterie-Regimentes Nr. 6. Der akademische (R'sangverein, unter Leitung seines Dirigenten Herrn Lonbctzki, wird eine Glanznummer des Abends sein. Die Nachfrage nach Karten ist eine außerordentlich rege und verspricht einen mcrssen- 16. Jänner 1903 Nr. 3 haften Besuch. Einzelkarten zu 3 Kronen, Familienkarten an Öi Kronen, reservierte (numerierte) Sitze sind erhältlich: Im Bezirke: Cafe „Wr. Arkaden", Universitätsstr. 3; „Cafe de France", Schottenring 4; Cafe „zur Börse", Wipplingerstr. 46; Restaurant Khuner, Adlergasse. Im 2. Bezirke: Cafe „Orient", Praterstr. 60; „Cafe Herz", Untere Augartenstr. 6; „Cafe Augartenbrücke", Ob. Donaustr. 47; „Cafe Donau", Praterstr. 10; Restaurant Gnth, Stesaniestr.; Restaurant Fischer, Schissamtsgasse; k. k. Tabak-Trafik, Taborstr. 3. Im 3. Bezirke: „Cafe Storchheim", Löwengasse 37; Restaurant Slatky, Pragerstr. 12. Im 4. Bezirke: „Cafe Technik", Wiedener Hauptstr. 1. Im 6. Bezirke: „Terrassen-Cafe", Margarethenplatz 4; Restaurant Diamant, Margarcthenplatz 7. I m 6. n. 7. B e z i r k e : „Cafe Mariahilf", Mariahilferstr. 69a; „Cafe Westend", Mariahilferstr. 128; Restaurant Löbl, Schmalzhofgasse 10; Restaurant Neumann, Kollcrgerngasse. Im 8. u. 9. Bezirke: Administration der „Welt", 0. Bez., Tnrkenstr. 9; „Cafe City", 9. Bez., Porzellang. 1; „Cafe Jägerhof", 9. Bez., Porzellang. 21; Restaurant Wendlinger, 9. Bez., Secgasse 7. I m 10. B e z i r k e : Gasthaus Oczereth, Keplergasse 7. I m 12. b i s 16. B e z i r k e : „Cafe Rudolfsheim", 14. Bez., Mariahilferstr. 82; Restaurant Herlinger, 14. Be,;., Schlvendergasse. Im 16. b i s 19. Bezirke: Reskaurant Müller, 16. Bez., Hnberg. 10; Cafe Jungmann, 16. Bez., Ottakringerstr. 21. I m 20. B e z i r k e : „Cafe Neptun", Mathildenplatz 7. Tie Israel. KuttuSvorsteher-Landeskammer ii: Böhmen ist nicht zustande gekommen. Die Gründe lassen sich nicht genau festskellen, so viel ist jedoch gewiß, das; eine solche Verbindung der Kultnsvorskehcr in allen Ländern Oesterreichs schließlich eine jüdische Reichskannner zur Folge hätte, die für das Judentum segensreich wirken würde. Der Proponent, Herr Julius Bondy aus Horowitz, hat nach gepflogener Rücksprache mit dem Präsidenten der Landesjndenschaft in Böhmen, der zugleich Vizepräsident des Bundes der Kultusgemeinde:: von Böhmen ist, Herr JUDr. Mor. Lichtenstern, alle Knltnsvorskeher von Böhmen an dem Tage zur Beratung geladen, wo zugleich der Bund der israel. Knltusgemeinden von Bühnicn seine Generalversannnlung abgehalten hat. Es ist allgemein bekannt, daß der Bund respektive sein Präsident, Dr. Roscnbacher in Prag, seit dem Bestehen des Bundes nie. so viele Mitglieder versammeln konnte, um eine Sitzung abhalten zu können. Diesmal dürften an 70 Mitglieder im Saale der Produktenbörse gelvcsen sein. Diejenigen Knltnsvorstehcr, welche mit dem Proponenten das Nichtstun des Bundes bekämpften, haben im Hotel „Bristol" eine Vorberatung gepflogen und auf Grund der Einladung des Bundes, sich an dieser Sitzung beteiligt und auch dort ihre Beschwerden vorgebracht. Die Tagesfragen und die diesbezüglichen Anträge, die hier erledigt wurden, sind so ziemlich ähnlich allen Anträgen, die Jdnol seit Jahr und Tag empfiehlt. lieber Antrag einiger Freunde des Jdnol wurde vorher beschlossen, daß alle diese von der Leitung des Bundes gestellten Anträge binnen drei Monaten zur Erledigung gelangen. Wir wollen hoffeu, daß die Leitung des Bundes ans den drei Monaten keine drei Jahre inacht. Einen merkwürdigen Eiudrnck hatte diese jüdische Versammlung ans :ius gemacht, als der Präsident die böhmisch sprechenden Referenten entschuldigt hat, daß dieselben vorher Ihre Referate böhmisch und dann deutsch lesen. Es ist ja selbstverständlich, daß ein Stadtrat der Stadt Prag — und das ist der Herr JNDr. Stein — nicht anders, als das erste böhmisch liest, man sieht es ihm an, daß er ein Tscheche ist, ansonst könnte er nicht Stadtrat der königl. Hauptstadt von Böhmen sein. Das einzige, was ihn verrät, daß er auch Jude ist, ist seine gebogene Nase. Der Herr Dr. Roscnbacher, der Präsident dieser Judenversammlung, wollte dieses soivcit als möglich abschivächen und sagte, das; Deutsche nud Tschechen hier gleiche Rechte haben — dabei konnte er nicht unterlassen zu sagen, „i ch b i n e i n D e u t s ch e r„. Meine verehrten Herren! Ich bitte, saget ruhig, stolz und selbstbcivnßt: „Ich bin ein Jude!" und Ihr werdet sehen, wie uns unsere Mitbürger christlicher Konfession als solche achten werden. Mir wollen hier nur noch ans den: Arbeitsprogramme des Proponenten „Jdnob" einen kleinen Auszug bringen, um damit dieses in allen Länden: Oesterreichs beherzigt werde. In den betreffenden Anträgen müssen nachstehende Punkts insbesondere hervorgehoben Iverden: 1. Die Hebung des jüdischen Zusammengehörigkeitsgefühles und Selbstbewußtseil: unter dem jüdischen Volke in Böhmen. 2. Die Anregung und Ausführung aller Bestrebungen, welchs dazu dienen, die geistigen und rnatericllen Interessen des jüdische« Volkes in Böhmen zn stützen und zn fördern. 3. Im geeigneten Wege herbeiznfnhren trachten, das; im Verfahren vor den staatlichen Gerichten der angegriffenen israelitischen Religion stets wirksame und volle Sühne für die angetane Beleidigung und verbürgender Schutz gewährt werden. 4. Durch Wort und Schrift dahin zn wirten, daß die Gemeinsamkeit der Israeliten in Böhmen in allen Lebenslagen gepflegt werde. 6. Den Religionsunterricht in allen Knltnsgeineinden auf gleicher Grundlage zu regeln und darauf zu sehen» das; die diesbezüglichen gesetzlichen Vorschriften überall eingehalten werden. 6. Den Kultusgemcinde-Mitgliedern, die niwerschnldet durch den Antisemitiölnns leiden, mit Rat und Tat beizustehen. Verein jüdischer HandelSangestellter in Prag. Das Bovtragskomitee hat unter der Leitung seines Obmannes Gg. Ernst Butter seinen Vortragscercle wieder eröffnet und wurde am vorigen Samstag vom Gg. Rudolf Gütig bereits der erste sehv

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