Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1903)
- Issue
- 3 (16.1.1903)
- Date
- 1903-01-16
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 Wien, Freitag Jüdisches Volksblat! 16. Jänner t9(K’> iSr. :> nie ganz erfüllen töimen, sondern durch ein viel ivirlsanieree- Mit tcl, nämlich dadurch schütze, dag cs Rumänien zur einüaltnng der bezüglicvcn Bcstinunnngen des Berliner VernagcZveran'mßi. Bnzatli selbst habe darauf bigcnücsen, das-, eine der Ilrsaeüen, ivegen welcher die Ansivandctimg der Hilden ans Jimnänien so grvs;e Diinensionen augenoinlnen hat, in der Schaffung zadlreielier indu strieller und lvirkschaftlicher Besetze Ütmiiäniens liege, dureli ivelche das rumänische Jndentnin aus einem großen kreise der gewerblichen Tätigkeit aiisgescblonen und infolge dessen zur Ansivandcrnng gezivnngen ivird. Wenn >vir nun setzen, das', dnräi die tzlegligiernng einzelner Bestimmungen des Berliner Vertrages Elenicme in unser Tand abgeslvßen iverden, ivelche soivolil für unser ivirtsetzafklicheS Letzen, iv i e a 1, eli f ü r u n s e r e off e u f ( i rli e 3 i cli e r heit schädlich sind, so müsse zngegetzen iverde», das; Nitgarn ein Recht besitze, Bcrivahrimg dagegen einznlegen und zu fordern, das; jene Bertragsbestiinniimgen erfüllt iverden- Redner verliest nun die bezüglichen Vertragsbestimmungen. ivelche die Gleichberechtigung der Konfessionen anssprecben und den Grundsatz feststellen, das; die Angehörigen sämtlicher Staaten, ohne Rüetsielit auf die Konfession, gleicher Behandlung in Rumänien teilhaftig iverden müssen. Redner schließt, indem er erklärt, die Borlage unter dem erivähmen Vorbehalt anznnchmen. (Lebhafter Beifall äußerst links.) Der geistige Inhalt ist nach der Form der Volispartci zu beuctcileit, denn diese klatschte zumeist den Redner ihren Beifall, dann folgte ein Redner der Kosinkh-Partei, Enterich k!r a h, der seine Rede damit begann, indem er die Behanptnng aufstellte, das; wir unS mir neuen Gesetzen immer verspäten. Denk Wucher wurde beispielsweise erst gesetzlich entgegengetreteu, nachdem das ganze Laitd die verheerendeit Wirkungen desselben zu verspüren bekomntett hakte. Ein anderer Uebelstaud sei, das; die Gesetze nicht durchgeführt iverden. Tie gegeittvärtige Vorlage soll z.B. vonBrganen durchgeführt werden, die absolut ungeeignet siitd. Redner fühlt sich völlig unbefangen dieser Frage gegenüber. Leider sei man dem Doktor gegenüber gleich mit dem Vorwürfe bei der Hand, daß er ein Antisemit sei. Redner habe den Ackerbainninister iviederholt ausmcrksam gemacht, das; die rtlkheitische Aktion keilten Erfolg haben werde. Das Wohlivollen des Miitisters in allen Ehren, aber das Volk lernt man tticht kennen, iveitn man es von Amtswegcii beordert: „Es lebe der Patt Minister'" zu schreien, (Heiterkeit.) In ^Transdanubien, ivo die Verhältnisse, Ivo sie in Nordungarn zu findeit sind, nie bestanden haben, brach doch der Antisemitismus aus. ES war sehr pfiffig von T i ß a, als er das Gleichgewicht im S t a a t s h a u S h a l t e in de r W eise h e r st e l l t c, datzerZuer st einige I u d e n in Z.-E g c rß e g t o t s ch l a g e n, dann sofort ans K o s; e g M tlitär aufmarschieren ließ, damit man sehe, das; er daS Vaterland gerettet hat. Sofort öffneten sich ihm sämtliche Brieftaschen Europas, denn Tißck hat doch die Inden gerettet. ,Heiterkeit links.) Es ist ein schwacher Trost, lvenn die Juden sagen, die Sozialisten werden zuerst sie, dann die „Herren" erschlagen. Weitn die Herren erschlagen werden, sind sie alle Schulden 'los. Die Juden müssen aber das Geld zurücklassen. iv a s s i e d e n H e r r e n a b g e n o m m e n haben. (Heiterkeit links.) Er nimmt die Vorlage an. Die „Volkspartei" war in ihrem Elemente, sie schickte ihre besten Schimpfredner ins Treffen, um ihr Mütchen an den verhaßten Juden zu kühlen. Der vierte Redner war Nikolaus Zboray. Dieser will durch statistische Daten erhärten, wie sehr die Einwanderung an Ausdehnung bereits zugenonunen habe. In einem Viertteile des Landes tvachsen die Grv.ndbesitzmtschaffungen der eingewanderten Juden in außerordentlich rascher Weise an. Es sei recht schade, daß das statistische Amt keine Daten über die Einwanderung veröffentlicht. Die Hühnerstatistik gehe von Hand zu Hand, doch von einer Statistik über die galizischen Inden sei nichts Zusehen. Der Direktor des landcs-statistischcn Amtes erhält nebst verschiedenen Nebencmolumenten an Gehalt und Wohnuugszulage 16 000 Kronen jährlich, ein Betrag, wofür derselbe schon etwas leisten könnte. Während die übrigen Konfessionen im letzten Dezennium sich bloß um 15 bis 20 Perzettt vermehrt haben, haben dte Juden um mehrmals 52 Perzent zugenommen. Dieser Zuwachs sei nicht bloß die Folge der großen Fruchtbarkeit, sondern auch be§ Umstandes, daß die Einwanderung große Dimensionen angenommen habe. Ewlius Rosenberg: Keine Idee; es werden mehr Juden geboren und es sterben wertiger. Das ist das Ganze. Nicvlaus Z b o r a h meint schließlich, die Zeit sei gekommen, UM den lntfjanfcfjcn 53oöcn Don bei: jübtjcöcn ^ubcifxon ZU befreien. Da kein Redner mehr vorgemcrkt ivar, wurde die Debatte geichlossen. .... Ministerpräsident S z e l l, der hierauf das Wort ergriff, führt zunächst aus, daß er bei der Einbringung der Vorlaae, die bezüglich ihrer wirksamen Durchführung entsprechende Garantien enthalte, wohl gefaßt gewesett sei, daratif, Attgriffen zu begegneit. zweifelhaft kennzeichnet, sie gerade vor einer Ueberschätznng der Geldes hätte behüten müssen; und wir finden in der Tat,'daß uu 1^. btä ganze Mittelalter hindurch das Studium unsere' heuigen Schriften und der Schriftkundigett viel höher geschätzt habet als den Reichtum und den Neichen. Da aber die lieben arischer Nachbarn ste mrt erserrrer Konsequenz jahrhundertelang auf Geld ge>chafte beichrankten, wie Sombart selbst nebenbei in der Klamme rlmeriri' l? mu1^c auf ')cm Wege der Anpassting innerhalb des iübi W.« »olfcg ein Geschlecht entstehen, dem das Geld alles ist Estnd dies „unsere Großen", die bei der ersten passenden Gelegeuhei dem Judentum Valet sagen; Marx tvird durch diese fast mit de' Regelmäßigkeit eines Gesetzes eintretettderi Taufen der reicheil Inder Lugen gestraft, wenn er findet, daß „in der Sucht nach Geld dm Bekenntnis zu dem der jüdischen Art adaeqnateu weltliche» Got äum prägnanten Ausdruck kommt". Denn diese Juden nach den Bilde Marx lagen stch voit jeder jüdischen Art los rnid suchen bei ihnen adaequatem Gott bei den — Christen. Es ist also eine rein. Phrafe, wenn sombart den kapitalistischen Zug bei den deutsche, .T7 ntemaitd leugnet —- auf „diese abstrakte Denkart ^6lelchbedeutetid rst mit Indifferenz gegenüber Qualitätswerten * -1-r r “ < ulluiiyyii 'prvstpors geartet, ,,e l,! Luftsthlop,, das bei dein leisesten Anhauch ztisammenbricht. Wohi erne solche willkürliche Phraseologie selbst eilten Manu ivie Sollt dart fuhrt, zeigt die Behauptung, daß wir die Juden am mei sten ui denstnigeu Sphären wirtschaftlicher Tätigkeit zu Hau! finden, tu denen das reine qualitätslose, abstrakte (I, (tzeldberhäll ms am aiis,chlteßl!chsteii herrscht; daS sind der Geld- und nach ih, der Warenhandel und tu diesem wiederum der Zwischen- oder dc Detailhandel, lvahreud in der P r o d u k t i o n s s p h a r e längst d Beteiligung der ^uden nicht im gleichen Maße stattsindet". Tom bart vergißt dabet erstens die Kleinigkeit, die er selbst, allerding nebenbei und zierlich tu Klammern gefaßt, ertvähut. „daß die In cn',! " b-Cr c /rt"a blinfj eigenartige soziale Verhältnis! (stcl) auf Geldge,chaste befchränkt waren". Was Jahrliimderte vet «rochen haben, das können Jahrzehnte nicht gut machen. Sonibai weiß aus der deutschen Wirtschaftsgeschichte, lvie viel Jahrhun dcrte Deutschland brauchte, um seine industrielle Rnckständigkei die der dreißigjährige Krieg verursachte, lvieder ive'itzl machen; vielleicht lvird ihn diese Erivägung etivas inilder gegen d Inden stimmen, denen die Wirksamkeit auf dem Gebiete der Prr üuktion nicht „seit m e h r e r e n Mcnschenalterit", sondern — uti diese Unklarheit überrascht uns bei einem deutschen Gelehrten - seit höchstens zwei Menschenattern eröffnet ist. :vc!ciic beßigen, das; die Regierung sieb eine übermäßige diskretionäre wewai! -.'infiziere und mit gewissen doktrinären liberalen Ge-- sicasannueu i-.t Widersl'rnch gerate. Er habe sich aber durch diese 'Bedenken niau abhailen lassen, denn er sei der Ansicht getvesen, dnß das eingeivllr.'.elte Nebel, ivovon die üiede ist, mit Zuckerlvasser -anv pnlnenade nietzt uniert Iverden tönne.!;',iisti»nnting rechts.) D a r a ü r s e i e r a l> e r n i el, t g e f a s; t g e iv e s e n, d a ß d i e 'B' o r l a g e «i e r a d e d i e V o > ts p artet, ln e l eh e d i e F o I g e n d e e E i n iv a »de r n n g st e t s a l l z n s eli iv .t r ,; Unter allen Umständen ist dies jedoch eine innere Angelegenheit Riiinäniens, in ivelche ich mich absolut nicht einmischen Ivilt (Beifall), da, ivie ich iveiß, iitumäiiieu sich den Bestilnmiingen des Berliner Berlrages nicht ividersetzt, sondern denselben angepaßt hat. Ütedner empfahl nach alledem die Vorlage zur Annahme. (Lebhafter Beifall und Eljenrnfe rechts und tut Zentrum.) Das Hans nahm hierauf die Vorlage im allgemeinen an und vertagte die Spezialdebatte aus Montag. U l v il r r l i l\ ju U ti t.' e :: u \\ si r , V »--- w v a ii f g e r r o g e n bat, n r Ol e g >> e r i n h a b e n iv e r d e. (,'hlslinlnmng rechts.) Itrau gcgcnüver vcmerlt Üiebner, daß es immerbin noch besser sei, spät als gar nicht dem Nebel entgegenzu - treten. In'i Interesse jener sozialvolitisclien und nationalen Ge sichtspnnkte, die Üiedner durch die Vorlage gelvahri wissen möchte, iväke es freilich besser gelvcsc». früher zu koinmen. Auch gelvisse gehässige Schlagworte hätten gewiß nicht so zngespitzt iverden können, ivenn die Vorlage früher unterbreitet worden wäre, denn es stellt gerade int Interesse des nngarischen Judentums, des ein so wertvolles Elenient unserer sozialen und ivirtschaftticlieu Gesellschaft bildenden chrliclten und pairiotisctzen Judentums, daß dem Einströineu der in üiede stebenden Elemente eilt Damm entgegengesetzt iverde. Es gibt in dies e in L a n d e iv v h l k a it tu e t n e n a n f g e k l ä r t e n N n g a r in v s a i s ch e » (tz l a n b e n s, d e r in i l d e n r e n d e n z e n di e s e r V o r l a g e n i ch t e > n - > verstanden iv ä r e. > Lebhafter Beifall rechts.! Eben darum' sei es auch scbadc, lgst-signsmuttte für die Annahme oder tzlb-h lebnung der Vorlage in die Debatte zu tragen, ivie solche seitens! Zboravs und Buzaths geschah, die. ivenu auch verhüllt, da sie sicli! beeilten, zu erklären, das; sie den ehrlichen Inden mögen, in ii.u-'rj Kritik dennoch konfessionelle, ja sogar direkt gehässig antisemitische l Töne anschlugen. Nieolaus Z, bora>>: Seien Sie hernhngt! Jcl> härte inuiij;ur offenen Erklärung den Muk gehabt! Min.iskervräsident S z e l l: Jcb glaube, daß die ivabre liberale! Aiifsassuiig - und icl> erachte meint Ausfassnug .tls eine solciie -! niemals sich darnnt zu kehren hak. ob sie hie und da gegen dokkri näre (tzesichksvnnkke verstoße. Ich gestehe, daß die Wirkung dieser Vorlage, der ich jeglichen ankiseinitischen Beigeschntack zu benehnten oerfnchte ■— ivas mir, ivie ich glaube, auch gesungen ist — daß der Effekt dieser Vorlage gegen das Hereiuskrömen gewisser galizischer und russischer, in den nordöstlichen Teilen Ungarns vagierender, noch immer als ausländisch und fremd erachteter Elemente (tzinfe bei der Volksparket: Juden! i gerichtet ist. Der Unterschied ist nur, daß diese Vorlage iveder den Prämissen noch den Konklusiv-> neu der Redner der Volkspartei entspricht und daß sie gegen die betreffenden Elemente gerichtet ist. nicht deshalb, weil sie Inden sind, sondern iveil sie nicht hierher gehören, sondern hu wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und nationalen Leben des Landes berdäch tige Elemente sind, die abgestoßen iverden müssen. (Stürniischer Beifall rechts. > Und darum genügt es nicht, zu sagen, ich mag bat ehrlichen Inden sehr ivohl, sondern man muß sich ans den Standnnnkt stellen: alle guten Patrioten und Ungarn sind unsere Mitbürger, mögen sie welchen Glaubens immer sein. (Stürmischer Beifall rechts.) Redner betont sodann, daß die Vorlage nicht den Ziveck haben kann, sämtlichen liehetftänbeu abznhelfen, auf ivelche Buzath Zum Teile mit Recht hiiigeiviesen hat. Daß Wucher und Betrug von Amtswcgen zu verfolgen feie», akzeptiere Redner, iStürmischer Beifall bei der Volkspartei.) Geza (tz a j a r i (zur Volkspartei gewendet): Das akzeptieren wir alle! (Zustimmung rechts.) Ministerpräsident Szell bemerkt Visvnlai gegenüber, der die Ansivaitderung der Inden ans Rumänien zur Sprache gebracht nnd gefragt hat, lvarnm Ungarn gegen das Vorgehen Rnmäniens nicht protestiert, das; er sich bereits miederholt darüber geäußert habe, ivie sehr er die großen Dimensionen beachte, in welchen in den letzten zivei drei Jahren die Inden Rumäniens ansivandern. Es wurden sehr detaillierte und wirksame Maßnahnten getroffen, damit nur jene über die Grenze zu uns herein gelangen können, die nachznweisen vermögen, daß sie nicht in Ungarn verbleiben, sondern westcrreisen ivollen, nnd die im Besitze von Fahrkarte und Reisewesen sind. Die ganze Truppe wurde von Orsova herivärtü unter stäudiger Kvntrole gehalten und sozusagen in geschlossenen Waggons iiber dic (tzren;e befördert. Was die Haliung Riiinäniens gegenüber dem Berliner Vertrage betrifft, so glaube ich nicht, d a ß R u - m ä u i e u in bi e s e m B e l a n g e e i n b e g r ü n d e t e r o r - iv u r f t r e f f e n f ö u n t e, d a e s s e i n e b e st a n d e n e n s e - g a l e n B e s ch t ü s s e d e in b e t r e f f e n d e » P u n k t c d e s B e r l i n e r L) e r t r a g e s e n i s p r e cb e n d u in g e st a l t e t h a r. Das; hernach vielleicht das eine oder andere geschehen ist, ivas die Massenausivauderung zur Folge haben tonnte, das ist eine Frage, in deren Erörterung kh nicht einzniceten ivünsche. IBeifall rechts.' stcli glaube übrigens, das; Rnmänien vieles davon, ivas liier als >l'esch>vcrdepmikt angtüübrt ivorden ist, saniert habe. tirv pctJSjrttftyawTy.-mn i w hat am (i. Jänner ivirllich getagt. Es ist von bcu Lettern dieses totgesagten Bundes eingestanden ivorden, daß es iu erster Linie unseres Berichterstatters, des K'nlttisvorstehers von Horoivitz, Verdienst ist, das; die Kstiltnsvorsteher von Böhmen sich in so großer Anzahl versanunelt haben. Was da alles beschlossen ivnrde, iverden ivir später besprechen, für heute ivollen wir nur kvnstatiercii, daß an 50 Kultusvorsteher versamiiielt ivaren, die den Ansfiihrnngeli der Refereutai sehr viel Anfmertsantkeit geschenkt haben. Die meisten, ans das Jndcnttim Bezug habenden Fragen, die unser „Jduob" seit langem anregt, sind hier von den Herren Berichterstattern in alisf'iihrlichster Weise in Anregung gebracht ivorden. lieber Antrag der Nichtmitglieder ivurde auch der Beschluß gefasst, binnen längstens Monaten eine neue Vcrsanunlnttg der K'nUnsvorsieber des Königreichs Böhmen einztibernfen und die anögcnrbciletcn Elaborate zur Beschlußfassung vorznlegen. Das Merkwürdige hierbei ivar, daß fast alle die Herren, nnd in erster Üieihc der tzkrsereni, Kultusvorsteher Dr. Schauzer aus Pilsen, im Referat über die Riäugel des Gesetzes vom 21. Rkärz 1 S!H) immer na eher daraus Hingelviesen haben, „daß es dieser Anträge von außen" damit meinte er nnseren Jdnob — (oder etiva die!0 Kcnllnsvorstehcr in Böhmen, die mit dem langen Schlaf deS Bundes nicht einverstandeir ivarench „nicht bedurft habe, indem er der Dr. Schauzer seit anderthalb Jahren das Elaborat iertig babe und nur darauf geivartct habe, um es vorznlegen." Wir ivollen ihm aufs Wort glauben. Seiil von H)iit „nach außen" und „nach iiiiieit" getragener siegesbeivusstcr Blick läßt ja keine» Zgveisek anfkonimen, ivir hätte» jedoch eine Frage, ob er etiva dieses Elaborat seit den anderthalb Jahren nicht in einem geheiincn Fach liegen gehabt hat nnd ob unser „Jdnob" nicht zufällig „von außen" ans seinen geheimen Knopf gedrückt, ivomit das Fach sich nnivillkürkich geöffnet hatteV Sei dem, lvie es wolle, eines hat Dr. Schauzer dennoch „von außen" erhalten: «daß durch die Einfl'.ißiiat.me des „Jdnob" ihm die Möglichkeit geboten ivnrde, sein ander!halb Jahre altes Referat vor Knttilsvorsteheru vorzutragen, um damit er seine eigenen Verdienste vor ivirklichen Kultusvorstehern bekannt geben kann. -- Bon anderer Seite geht uns nachfolgender Bericht zu: Der Weckruf, den Herr I. Bondh aus Horoivitz an die Gemeindevorsteher nnd den Geineindcbniid richtete, hat zeitlich schöne Früchte getragen. Die am 6. dö. in der Produktenbörse stattgeftlndene Versammlung der Kultusvorsteher von Böhinen ivar — nicht ivie die zu demselben Zivecke bereits im Juni v. I. einbcriifene — beschlußfähig und die lebhaften Debatten, a» ivelche» sich dic Mitglieder des Bundes ans den größeren nnd kleineren Gemeinden beteiligten, beivieseu die rege Anteilnahme aller Delegierten. Im ganzen waren außer einigen Gästen nacb der Präsenzliste 50 Gemeindeit dilrch ihren Vorsteher oder dessen Stellvertreter vertreten. Wir Ivollen hier des Blattschlnsseö halber den Anfang der Sitzung in der nächsten Nummer, jedoch auch die Referate und Veschließungen, bringen. Obmann Dr. Rosenbacher eröffnet um 10 Uhr vormittags die von zirka 60 Personen besuchte Versanunlung, begrüßt die Anwesenden und namentlich dic ans der Ferne Zugereisten. Nachdem auf seinen Vorschlag Herr Dr. Kohuer zum Schriftführer geivählt ivnrde, tvidmet er beu verstorbenen Mitgliedern des' Gemeindebtlndes, und zwar dem Kiiltnsvorsteher! von Teplitz, H'et/jt Oskar Willneir, dem ersten Geschäftsführer Herrn Dr. 'Friedrich Duschenes, dem Kassier Herrn Arnold Turuau, dem Kultusvorsteher von Reichenberg, Herrn Adolf Langsteiu einen tvarmen Nachruf und ersucht dic Versammlung, als Zeichen der Pietät sich von ihren Sitzen zu erheben. (Geschieht.) Herr Dr. Veudieuer beantragt eine Resolution gegen die in einer gestrigen Versaminliing vom katholischen Probst in Prag gemachte Aeußernng über die jüdische Mache der Landesbank gegenüber einem Anträge zur Sanierung der Sci. WenzelS- Vorschußkasse, zu fassen. (Wird ohne Debatte dem ^Schriftführer ziigewiesen-» Hieraus bespricht der Obmann die Tätigkeit des Bundes nnd verwahrt sich entschieden gegen die von Seiten einiger Mitglieder erhobenen Angriffe. Es wird sodann an jeden Teilnehmer ein Exemplar der jüngsten Nummer der „Mitteilniigen" des Landeslehrerbereins verteilt, in welchem das Referat des Magistratsrates, Dr. Ang. Stein über die Regelnng des Religionsunterrichtes ivvrtlich iviedergegeben ist, verteilt. Herr Stciuivald Und ist es überhaupt ivahr, daß die Inden in der Produktions-! sphäre auffaUenb wenig vertreten sind? Es ist doch natürlich, daß eine halbe Million Inden ab so tut wenig iu dem Jltdiistrielebeu! einer Nation von zirka 42 Millionen vertreten sein kann; aber rela-! tiv gestaltet sich das Verhältnis ganz anders. Sombart möge nur! nach Oesterreich blicken, ivo die Industrie großenteils | oder nach Ungarn, ivo sie fast ausschließlich von Inden! begründet und betrieben ivird; die dentschen Inden mit ihrer älteren Kultur stellen sicher ihr eutsprecheudes Kontiugeut, nur verschwinbet es natürlich iu dem Heere der Arier, lvobei mau noch die e^ten^ j sive Verbreitung der Industrie in Deutschland in Betracht ziehen' muß. Ueberdies verivischeu sich bei dem neiizeitlicheu Zuge Fabrikeniu Aktiengesellschaften umzuivaudelit, die scharfe» Grenzen zivischeu! dem „Geldhaudel" und der Industrie immer mehr. Das alles! hätte der Natioiialölouom Sombart iu Betracht ziehen müsseu, au-! statt die kühne Behauptung aiiszuftelleu, „die Judcu mieden die In-! dustrie und die Lcutdivirtschast, iveil dort, auch ivo sie kapitalistisch! organisiert sind, doch noch iu iveiterem Umfange eine Beziehung zu! den konkreten (tzüteru, die erzeugt iverden, soivie zu den lebeudigeu^ Menschen, die sie erzeugen, besteht". Es ist ferner nnivahr, daß der' Jude eine besondere N e i g » n g zum stivischennnd Detailhandel bat; denn es handelt sich hier n i ch t n m d i e T a t s a ch e, daß die, Inden — infolge der eigenartigen sozialen Verhältnisse besonders j zahlreich im Zivischeu- „nd Detailhandel bertreten sind, eine Tat-! fache, die niemand leiignet, sondern lim die Behallptniig, sie hätten' eine besondere Liebhaberei für diese Gebiete; die ivill Sombart ihnen impntieren. Wen» der Jude des Herrn Sombart die Wahl hätte zivischeu einer gntgeheuden Fabrik und einem Zwischenhandel mit seinen tausend Zivischenfällen, so griffe er ohne Besiniiiing »ach dein Zivischeiihandel; ja. Sombart glaiibl vielleicht auch au Jude», die ihre Geschäfte oder Fabriken im Stiche lassen, um! sich aus Leidenschaft einem fröhlichen Hausierhandel zu ividmen.! Man ivird zu solcher Anffassniig gedrängt, lvenn man lneiter, mit Statinen liest, daß „im Einfuhrhandel' abermals eine geringere Beleiligniig der Inden stattsindet, iveil im Einsuhrhaudel iviedermu! eine stärkere, konkrete Färbung der Beziehniigeil zu den eigenartigen ‘ Kulturen der Bezngsgebiete stattsindet". Ich ivill Herrn Sombart! einen viel stichhältigeren Grund verraten, lvarnm die Inden z. B. im Handel mit R n ß l a n d eine viel geringere Rolle spielen. ES bestehen für sie AuSnahinsnesetze und Pasiplnckereiett, die für ihre KDiikurrenten tvegfallenl! Begreifen Sie, Herr Professors Ihre Rnssenpsychotogie ist ivirllich erst in den Kinderschuhen; entgeht denn der Jude im Zivischeunnd im Detailhandel ivirklich der Bezichnng zu den konkreten Gütern, soivie zu den lebenden Menschen'^ Oder schent er nur die Beziehung zu den Menschen, die die Güter erzeugen, imd nicht die Beziehniig zu den Menschen, die die Güter laufend Ich ivill bei nächster Gelegenheit einen Kursus nehme», nin dieser angebliche», mystische.» Scheu der Inden ans den (tzrimd zu kommen; inzivischen begnüge ich mich mit der historischen Tatsache, daß die Juden vor den Kreuzzngen den litternatiouaken Handel beherrschten, daß sie in die verschiedensten. Länder mit den eigenartigsten Kulturen im Mittelalter direkt berufen wurden, z.'B. nach Deutschland, Polen, dem Balkan, lim den Handel überhaupt erst zu o r g a n i s i e r e n; ich begnüge uiich tnit der Tatsacbe, daß heute an der Spitze des Norddeutschen Lloyd ein Jude steht, der es.zuwege brachte, daß diese Schiffahrtsgesellschaft die englische» und französischen Konkurrenten überflügelte, obivohl sie in »nverhältnismäßig höherem (tzrade von den betreffenden Regiernngen sllbventioniert iverden. Der „Alltagüjnde" des Herrn Sombart ist, gerade heransgesagt, ein rücksichtsloser Profitjäger; altruistische Inden haben mir Seltenheitswert, es sind Ansnahmen von der Regel. Haben Ste sich, Herr Professor, aber nie die Frage gestellt, ob das Rtarthriiiin der deutsche» Inden im Mittelalter auch von skrupelloser Profitgier diktiert lvar'k tzkicyt einzelne heroische Jndibiduen, die natürlich nach ihrer Anfsassnng nur Reattionserscheimmgen gegen den übliche» Eigemmtz sind, opferten sichst nein,^ rin ganzes Volk erlitt einen grausamen Tod lvegen seiner Treue gegen Gott und und die (tz e s e tz e M o s i S. Wie stimmt daS mit Jhreer Theorie? Und heute droht den Inden zwar lein Scheiterhanfeu und kein tziad, aber es ist „eine bekannte Tatsache, daß der Jude heuüstbei uns noch iinmer ans Schranken bei der Wahl seines Berufes stößt; Armee und Verivaltnug sind ihm gänzlich verschlossen, der Lehrerstand, die Justiz und andere Bernfssphären (sie) noch keineslvegs völlig freigegebeii". ivie sie sich neckisch ansdrnckeii. Wenn mm der „Alltagsjiide" dieser skrupellose PlnSinacher ist, ivarnm bleibt er seinem' Volke treu? Drüben ivinken Orden, Titel nnd Aemter; nnd lockt ihn dies alles nicht, so sollte ihn die Neberzeugung in das bessere Jenseits hinüberziehen, das; er als Christ, natürlich imierhalb der gesetzlichen Schranken, viel mehr tmd viel leichter seine materiellen Wünsche befriedigen kaim.^ Herr Sombart ivird zugebeii, das; .Konzessionen, Submissionen, Vergebungen, Crstehnngen nnd Beivilligmigen aller Art bau Arier leichter erreichbar sind als dem Inden. Warum betritt also der „AlltagSjnde" nicht das alleinseligmachende Paradies, ivo er sich ganz nnd voll seiner Jagd nach dem Gelde hingeben kann, ohne ans Schritt und Tritt gehemmt nnd gestört zu werden? Es kostet ihm doch mir ein Wort! — Herr Professor, ivenn Ihre Zeichnung der Inden richtig ioäre, dann bestünden Sie heute nicht mehr und Ihre geistreiche Studie wäre migeschriebeu geblieben. Es muß doch in