Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1903)
- Issue
- 2 (9.1.1903)
- Date
- 1903-01-09
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2 Wien, Freitag Jüdische« Volfaabklt 9. Jänner 1903 Seite L Maße geleistet haben, daß er es als eine Zersplitterung der Kräfte betrachtet, toetttt wir zur Vereinigung aller jüdische:: Vereine unter einen Fa h n e Vergatterung blasen. Der Gemei'ndebund für Böhmen, sowie der allgemeine Oesterreichisch-Jsraelitische Bund genügen nach Ansicht dieses Vereines v o l l k o m m e n, weil es erprobte Jnstitutionclr sind und nur mehr von uns Kultusgemeinden am Lande unterstützt werden sollen. Irr. diesen: Sinne klingen die Ausführungen, die dieser Verein an die Mitglieder der israelitischen Kultusgemeinden von Böhmen in einem Zirkular richtet. Wir, die wir vor allein das Jndem tmn vom Lande ins Auge gefaßt und im Interesse desselben eine wirklich wahre Vertretung des Judentums ins Leben rufen wollten, wollen zu dieser Mitteilung keine neue Entgegn uirg stelleir. Das einzige, was wir bemerken müssen: Wir Kultusgelneindemitglicder an: Lande. wollen zu n e u e n Leistungen an die fünf Dutzend Vereine in Prag nicht beigezogen Werder: — nein — nein! — sondern wir wünschen, daß alle jüdischen Vereine in Prag sich zu einen: gaiizen verbiirden, und uns Kultusgemeinden am Lande :u:d das Judentum überhaupt unterstützen. Das ist der große Unterschied ztvischen unseren Wünschen und den Wünschen obiger Vereine. Wir wünschen zwar mehr, wie die anderen, wir verlangen positive Arbeit und von dort, wo es möglich ist, auch Geld; die Obenerwähnten verlange:: nur Geld. Jdnob. Bodenbach a. E. (Böhmen). Bei der am 4. Jänner 1903 vorgenommenen Konstituierung der Gemeindevertretung der israelitische» Kultusgemeinde in Bodenbach a. E. wurden folgende Herren gewählt: 1. In die Gemeindevertretung: Vorsteher: Herr Adolf Pächter, Bodenbach, Vorsteher-Stellvertreter: Herr Sigmund Brauner, Tetschen, Kassier: Herr Carl Heller, Tetschen, Synagogen- Vorsteher: Herr Gottfried Pick, Bodenbach, GemeindevertreEer: die Herren Moritz Frankl, Bodenbach, M. 1t. Dr. S. Hoffmann, Bodenbach, Sigm. Kantor, Bodenbach, Josef Neumann, Bodenbach, M- 11. De. I. Salus, Bensen, D. Taussig, Bodenbach, Alois Zirkl, Bodenbach. Als Ersatzmänner: die Herren Heinrich Konirsch, Tetschen, N. Löwv, Tetschen, S. Veit, Tetschen, M. Koralek, Bodenbach, S. Rind, Bodenbach. Zu Kassa-Nevisoren: die Herren S. Pollatschek, Tetscheu, Gustav Gumpl, Bodenbach. Als Vertreter der isr. Konfession im Ortsschulrat Tetschen und Ortsschulaufsehcr: Herr Sigmund Brauner, Tetschen. Czernowitzer Toynbee-Halle im Monat Dezember. Nach einer Ansprache des Präses des hiesigen Vereines „Zion", Dr. Ph. Meuczel, in der er auf die Wichtigkeit der Toynbee-Halle hinwies und nach dem vom Präses der jüdischen akademischen Verbindung „Zephirah", jur. Ab. Schärf, gegebnen Zusicherung, daß die „Zephirah" wie im Vorjahre, so auch! Heuer die Toynbee-Halle kräftigst unterstützen werde, wurde dieselbe in feierlicher Weife eröffnet. Den Reigen der Abende geöffnete, wie bereits erwähnt, Advokat Dr. Wachtel, der am 13. Dezember über die Gewerbeordnung sprach. Am Sonntag den 14. Dezember sprach das Mitglied der „Zephirah", stud. Phil. F. Brenner, über: „Pevez Smolensky. ’ Samstag den 20. Dezember leitete A. H. der „Zephirah" Dr. M. Diamant einen interessante:: Diskussionsabend über die Geschichte des „Zionismus" ein, während am 21. das Mitglied der „Zephirah", stud. jur. S. Schajowicz, über die Geschichte des Talmuds sprach. Der Talmud, jenes merkwürdige Moment menschlichen Geistes, teilte das Schicksal des jüdischen Volkes. Insbesondere in den trüben Zeiten des Mittelalters war es, wo bei; Talmud auf Denunziationen jüdischer: Apostaten hin in Frankreich und Spanien öffentlich verbrannt wurde. Nur in- Deutschland nahm sich ein berühmter Mann, Johann Neuchlin, der Juden :u:d ihres Talmud an und trat mit Erfolg gegen den Apostaten Pfefferkorn auf. Der Talmud hat das religiös-sittliche Leben der Juden erhalten und gefördert, er hat allen Zerstreuten als Fahne gedient und sie vor Zen spliiterung geschützt. —b.— Eröffnnngsfestabend der „Hasmonaea". Aus Czernowitz wird uns geschrieben: Sonntag deu 7. v. M. hatte die akad. Verbindung „Hnsnwuaea" deu Eröffnungsabend ihres 23. Semesters. Ist mau schon bei ihr an gelungene Veyaustaltungeu gewöhnt, so kann mit Recht auch dieser Abend zu solchen gezählt werden. Er brachte nur neuerdings deu BeiveiS, dag die Hasmouaer sich Freunde zu erwerben und zu erhalten verstehen. Denn auch diesmal waren alle ihre Freunde, die alten und jungen, all die, denen die Bestrebungen der „Hasmonaea" so sympathisch sind, erschiene::, um mit ihnen die verheißungsvolle Eröffnung ihres Winterseruesters zu feiern. Unter den zahlreich anwesenden Festgästen bemerkte man Se. Magnifizenz den Rektor der Universität Prof. Dr. Scharitzer, Ihre Spektabilitäten die Dekane Prof. Dr. Tarnawski und Prof. Dr. Adler, den Prodekan, Prof. Dr. Popowicz, ferner Vizebürgcrmeister Dr. Reih, Präsident der Advokatenkannner Dr. Kiesler, Universitätssekretär Dr. Norst u. v. a. Nach Absingnng deS „Gaudeamus" und Begrünung der Festgäste durch den dz. Präses eand. jur. Elias Stroh, erhielt der Drittchargierte der Verbindung, eand. jur. Kästner das Wort zur Festrede. Von Ada Negris Fatalita ausgehend, schilderte Redner soziales Elend in den düstersten Farben und kam hieraus an der Hand eines rührenden altjüdischen Märchens auf das langjährige Judenelend zu sprechen: „ ... es siel in jener Schreckensnacht, als der stolze Tempel in Trürmner sank, vom sinkenden Ten:pel in jedes Inden Seele ein klei,:er, schiverer Stein, der, jetzt noch jeden Juden drückend, einst zusammengetragen zum neuen Zionstempel sich zusaminenfügen lvird. Wird nicht dieser neue Teinpel, der Stein um Stein aus jedes Juden Seele zusammengetragen wird, jene ungeheure Kathedrale sein, die i:nstande sein lvird, alle Menschen zu umfassen und kein Judenelend, kein Elend überhaupt kennen lvird? Wann lvird dieser große Tag kommen?" Redner schilderte in seiner lveiteren Ausführung uister einer gelungenen Anspielung auf Ibsens dramatischen Epilog diesen heisterschuten Auferstehungstag, dein der Jude allezeit und erfolglos nachgestrebt. Herzls „Altneuland" streifend, kmn er auf die Zukunftsverheistungen des jüdischen Volkes und auf die vorausgchenden Gegenwartsaufgaben desselben zu sprechen und schloß seine überaus beifällig anfgenommene 9tcbc mit dem Wählspruch der Verbindung: „Für Volkes Ehr und WohlI" In schivungvoller Weise sprach stud. jur. Sturm auf die alina ruater, worauf Rektor Magnifikns Dr. Scharitzer erlviderte und von stürmischen Prositrufen begleitet, mit den Morten schloß: „Wenn Sie diesem Prinzipe in Ihre«: künftigen Leben treu bleiben, lveun Sie jederzeit Ihre Handlungen darnach richten, die Not des Menschengeschlechtes Zu mildern, so werden Sie auch jenem Prinzipe, das Sie sich gestellt, am ehesten nahekommen und Sie werden nicht nur der Menschheit, sondern auch Ihrem Volke nützen." Auch Dekan Prof. Dr. Adler toastierte auf die Hasmonaea. „Wenn ich," schloß Dr. Adler, „Ihre Bestrebungen recht verstehe, so gehen sie dahin, daß das Judentum rühmlich siegen oder rühmlich fallen möge; das ist aber auf keinen Fall ein unrühmliches Dasein! In diesem Sinne kann jeder Deutsche Ihre Bestrebungen begrüßen und in diesem Sinne tvidme auch ich Ihnen mein Glas." Im offiziellen Teile ergriff noch der A. H. der Verbindung Dr. Mayer-Ebner das Wärt und knüpfte an die Ausführungen des Festredners an, der die Jugend die Zukunft des jüdischen Volkes genannt hat. „Zwischen uns Juugjuden und den Altjuden —• führte Redner aus — besteht ein prinzipieller Gegensatz. Während der langen Jahrhunderte des mittelalterlichen itiÄ neuzeitlichen Exils war das Streben aller jüdischen Führer nur auf das Nächste gerichtet —■ den Schutz für das nackte Dasein. Sie erkauften sich bei Päpsten, Bischöfen, Kaisern und Städten um hohes Geld Licht und Luft — im Ghetto, aber niemals kam diesen Juden ein befreiender Gedanke, die Erlösung des ganzen Volkes zu versuchen. Die bürgerliche Befreiuung der Juden im 19. Jahrhundert hat in dieser Hinsicht keinen Mandel geschaffen. Man warb zwar nicht mehr bei Päpsten, Bischöfen, Kaisern und Städten um Schutz, sondern angesichts der geänderten Souveränetätsverhältnisse — bei den politischen Parteien. Immer derselbe armselige Gedanke des Schutzjudentnms, keine allgemeine erlösende Idee. Das ist das charakteristische Merk- :ual des Altjudentums. Erst den zionistisch-nationalen Jungjuden tvar es Vorbehalten, die weltumspannende Idee der nationalen Erlösung zu erfassen und zu verfechten. Früher die stete ängstliche Sorge u:n das nackte Dasein, heute die mannhafte Betätigung für das nationale Wohl. Das sei der Gegensatz zu Alt- und Jungjudentnm, welch letzteres sich vollständig freihält von jedem Chauvinismus. Der jüdischen Studentenschaft falle dieselbe Aufgabe zu, wie seinerzeit den deutschen Burschenschaften. Wie jene von den Schlachtfeldern der Freiheitskriege in die Hörsäle zurückgekehrt, 1817 den großen Bund auf der Wartburg schlossen, um der nationalen Einigung Deutschlands vorzubmien, so find es die jüdischen Studentenverbindungen, die zuerst den national-jüdischen Gedanken anfgcgriffeu und ihm Achtung und Geltung verschafft haben." Redner trank hierauf auf die Jungjuden, die studentische Jugend, der die Zukunft gehöre. Herr Dr. Heinrich Kiesler gab sodann unter lebhaftem Beifalle seiner Sympathie Ausdruck, die er stets der „Hasmouaea" entgegengcbracht und konstatierte mit Freuden, daß diese ihrer Devise: „Für Volkes Ehr und Wohl" stets gerecht werde. Nach Absingnng des Liedes „O alte Burschcnherrlichkcit" nahm der offizielle Teil sein Ende. Im nichtoffiziellen Teile, der von Herrn Apotheker Füllenbaum als Präsidium und den Herren Dr. Heinrich Kiesler und Dr. Leo Kiesler als Kontrarien geleitet wurde, saß man noch einige Stunden in fröhlicher Stimmung beisammen und trug zur selben zum nicht geringen Teile unser beliebter Herr Ilhrich bei. „Buk. Post." Anerkennung der jüdische:: Nationalität. Wegen Anerkennung den jüdischen Nationalität an de:: österreichische:: Umversitätten führen die jüdischen Studentenverbindungen jetzt eine gemeinsame Aktion durch. Dienstag sprach eine Deputation der jüdisch-nationalen akademischen Verbindung „Zephirah" in Czernowitz beim Rektor Dr. Scharitzer vor und bat um die Erlaubnis, in dieser Angelegenheit eine Studentenversammlung in der Universität abhalten zu dürfen. Die Deputation präzisierte ihre Fordern::ge:: dahin, daß von min an in allen Anitispapieren, insbesondere im Nationale und den statistischen Ausweisen die Nationalität der Hörer zum Ausdruck komme. Damit verband die Deputation die spezielle Forderung der Czernowitzer jüdischen Studentenschaft, daß an den jüdischen Feiertagen, keine Vorlesung abgehalten werde. Der Rektor anerkannte sofort die vollste Berechtigung dieser Forderungen, erklärte aber, daß er die gewünschten Verfügungen selbst zu treffen nicht berechtigt sei, ersuchte, daß die Angelegenheit in geeigneter Weise dem akademischen Senate unterbreitet werde und gab gleichzeitig zu bedenken, ob die Form des- Memorandums nicht hinreichend wäre. Gegen die Abhaltung einer bezüglichen Versammlung habe er natürlich nichts einzuwenden. Agram. (M a k k a b ä e r s e i e r.) Auf die Initiative ihres Protektors, des Herrn Religiousprosessors Dr. G. Schwarz, veranstalteten die „Literarm sastanc: izroelske omladme", Zagreb, Samstag den. 23. v. M. zu Ehren des ruhmreichen Andenkeus der Makkabäerkämpfe eine Unterhaltung. Diie Jugei:d und besonders der Ausschuß gab sich alle Mühe, damit das erhebende Fest recht schön ausfalle. Der Saal, den ihnen die jüdische Gemeinde zur Verfügung stellte, tvar vollgestopft. Der Protektor begrüßte die Gäste und hob die Arbeit! der jüdischen Jugend lobend hervor. Daraufhin hielt der Präsident, Maturaud Licht, eine Rede, worin er die Bedeutung des Festes für die reife Jugend hervorhob und dein Protektor, dem greisen Oberrabbiner Ehrivürden Dr. Jacobi, sowie der Jndenschaft Agrams für ihre moralische und materielle Unterstützung dankte. Hierauf sang der Sängerchor der Jugend unter Leitung des Herr:: Kgntors Wi e i:: t r a u b das „Moos zur jesch:wsi", worauf der Vize-Ptzäses des Vereines, Bogdan Deutsch, einen Vortrag über Moses Mendelssohns Wirken hielt, der einen überaus günstigen Erfolg erzielte. Hierauf kamen einige sehr gut vorgetragene musikalische Piecen, die von dm' Herre:: Vladko Spitzer und Robert D n t sch vorgetragen wurden. Mitglied H i n k o G o t t l i e b las seine Novelle „Hagar" vor, fit der er die Verhältnisse zur Zeit des Bar Kochba-Aufstandes schildert. Der Autor bewies schon öfters sei:: Evzählertalent, das zu große:: Hoffnungen Anlaß gibt. Dann trug der Tan:bnraschet:chor eine schöne kroatische'Piece vor, woraus der P-räses das Vereines, Alexander Licht, fein schwungvolles Gedicht: „Zu Channka" vortrug und einen enthnsiastischen Beifall erntete, ebenso wie :::it feiner Uebersetzung des Psalm 40. Der Sängerchor sang noch Sulzers Schlußlied und die Tainbonrascheu trugen ein Potpourri ans kroallschei: Liedern vor, zusanu::e::gestellt von: Mitgliede Bogdan Deutsch, lvoranf die schö:w Feier zu Eude lvar. Die Feiger nrachte eine:: überaus günstige:: Eindruck und zeigte, lvelche Begeisterung fiir alles, was jüdisch ist, der: jungen Gemütem inneliegt. Biökowitz. Anläßlich des Chanukafestes' wurden auch in diesem Jahre seitens des Boskowitzer jüdischen FraueuvereinS vieruudfechzit: arme jüdische Kinder mit Wiurerkleideru beschenkt und haben sich zu dieser erhebenden Feier mehrere Würdenträger eingefunden. AnsimiÄ. Die Nemesis. Bekanntlich kann in Rußland ein Judo kein Richteramt bekleiden; ebenso bekannt tst! es, daß dev Zar aller Reußen es ivar, dessen Initiative und cuergischem Eingreifen cs zu verdanken ist, daß das Haager Schiedsgerichjt zustande kan:. Nun entbehrt es sicherlich nicht einer gewissen Pikantere, daß der erste Fall, über den das Haager Schiedsgericht zu entscheiden hatte, ein Streitfall war, der sich ztvischen Rußland und deu Verciuigetn Staaten ergebe:: hatte. Das jüngst erlassene Urteil wurde von den: berühmten holländischen Juristen Dr. A s s e r gefällt und fiel zugunsten Amerikas aus. Rußland hat sich ohne Murren und auch ohne den leiseste:: Protest dom Uvtcile des jüdische:: Juristen gefügt. Czenstochau. Aus Czenstochau in Russisch-Polen meldet uns unser Korrespondent: Nach uwhßtägiger Verhandlung wegen der bekannten a:: t i s e::: i t i s ch e n Exzesse in Czenstochau, bet denen der Mob Häuser und Kaufläden der Jlwen plünderte und zerstörte, wurden von fünfundsiebztg Angeklagten sechs zu einjähriger S t r a f a n s i e d l u n g, dreiundzwanzig zu a ch t M o n a t e n xmb einer zu vierMo n a t e n Gefängnis vemrteilt und zugleich der bürg e r l ichen Rechte für v e r l u st i g e r k l ä r t. Ueüerdies wurden, ohne der Bürgerrechte verlustig zu werden, ein Angeklagter zu einem Jah re, zwei zu e inmon a Ll i ch e m, drei zu d r e i w ö ch e n t l i ch!e m und zwei zn siebentägigem Arrest verurteilt. Die übrigen Beschuldigten wurden freigesprochen. Den Beschädigten hat der Gerichtshof einen Schadei:ersatz im Betrage von 6700 Rubeln zuerkannt. Die Pariser Rothschilds in Rußland. Wie aus Petersburg gemeldet, wurde dem Pariser Hause der Rothschild-Familie die Erlaubnis erteilt, in Rußland zwei Bankhäuser zu eröffnen. Die zwei Bankhäuser, welche ihre Geschäftstätigkeit noch im La::fe dieses Monats beginnen sollen, werden in P e t e r s b u r g und Moskau errichtet. Paris. Herr Salomon R e i n a ch, Mitglied des „Instituts", wurde zum Kustos des Museums für uationale Altertümer ernannt. Herr Reinach war zufolge seiner zahlreichen berühnitea archäologischen Arbeiten schon längst für diesen Posten prädestiniert. Eine bekannte Melodie. Aus Berlin wird gemeldet: Die Festnummer des „Juristischen Literaturblattes" zum 26. deutschen Juristentag, der am 10. September hier zufammentrat, enthält u. a. einen Aufsatz „Der Berliner Anwalt" von Justizrat Dr. I. Strang, dem folgende Stellen entnommen seien: „Bekannt sind die fast unüberwindlichen Schwierigkeiten, die dem Eintritt jüdischer Assessoren in den Verwaltungsdienst und seit einigen Jahren auch in die richterliche Laufbahn entgegengestellt werden. Was bleibt nach jahrelangem Warten, nach unverdiemen Zurücksetzungen anderes übrig, als die Flucht in die Advokatur! Sre, welche eine Pflanzstätte der richterlichen Beamten sein müßte, wird umgekehrt künstlich zu einem Sammelbecken anderweitig zurückgestoßener Kräfte gemacht. Man beklagt die Ueberflntung der Großstädte, namentlich Berlins, mit jüdischen Anwälten und führt doch dresen Zustand selbst herbei. Auch die Art und Weise, in welcher das Notariat verliehen wird, ist geeignet, die Stellung der Anwaltschaft in der Reichshauptstadt zu gefährden. Geschieht doch Verleihung und Versagung für Berlin, wie auch für andere Großstädte, nach konfessionellen Gesichtspunkten. Die „Schlvarze Liste" ist eine Einrichtung geworden. Mit den Bedürfnissen der Bevölkerung, auf die man sie zu stützen suchte, ist sie nicht in Einklang zu bringen. Denn eine Statistik der Notare hat ergeben, daß die Berliner ihren Notar ohne Rücksicht auf dessen religiöses Bekenntnis wählen. Jedenfalls wird für Berlin eine Spezies Anwälte gezüchtet, die früher nicht existierte: der jüdische Justizrat, dem das Notariat fehlt. Das heißt also, ein zwanzigjähriger ehrenvoller Dienst als Anwalt, unerkannt durch die — wie betont werden mag, völlig unparteiische — Verleihung des Natstitels, genügt nicht für die Verleihung des Notariats." Berlin. Bei Cassierer, dem bekannten Kunstsalon Berlins, stellte Maler A. M. Reumann zirka 150 seiner Landschaften aus. Sein Name war bisher rrnbekannt. Bis zu seinem 19. Jahre dem Talmudstudium ergeben, fühlte er plötzlich in sich einen Drmig zur Kunst. Er bereifte aller Herren Länder nur die Kunststädte München, Paris anb London gaben ihm mannigfache Arnegung, ebenso wie der hohe Norden und die holländischen Maler. Es ist dies seine erste Ausstellung — und schon eine glückliche. Sämtliche Kunstkritiker der Berliner Presse sind einstimmig des Lobes voll über den jungen Maler. Ja, sogar Fritz Stahl, der bekannte Kritiker des „Berliner Tageblatt", widmet ihm Worte der höchsten Anerkennung. („93. T." 25. 12. 02.) Weshalb ich von ihm berichte? Die jüdische Kunstwelt ist wieder um ein Genie bereichert worden. In seine» Landschaften liegt etwas Schwärnrendcs, sehnsüchtig Verlangendes, etwas Visionäres und Ahnungsvolles zugleich. Neumann ist Zionist vom reinsten Wasser. Als ich ihn gelegentlich fragte, wie er sich zur jüdischen Kunst stelle, antwortete er in der ihm charakteristisckien bescheidenen Art: „Ich weiß nicht, wie weit meinen Landschaften jüdische Motive zugrunde liegen, aber auf dev Akademie zu Krakau pflegte Professor Stanislawski öfters zu sagen: „Der Neumann malt jüdisch." — Er wollte damit das Farbenprächtige und die ans Orientalische geinahnende Fülle andeuten. Seine Bilder sind meist Schneelandschaften, die an das Beste der Skandinavier in diesem Genre sich anreihen. Wie ein Meteor — wie der Kritiker der „National-Zeitung" sagt — ein homus novum erschien sein Name plötzlich. Herr Reumann zeigte mir seine noch nicht ausgestellten Landschaften im Atelier Struck. Es sind viele darunter von bezaubernder Schönheit, so der „Sturm auf dem Meere", ein Nachtbild, schtvarz in schivarz gemalt. Der .Kunstkritiker lvird sich nicht nur seinen Namen merken müssen, sondern auch den Entwicklungsgang des Künstlers veftolgcn. Berlin. Der seminaristische Verein „Dibbrnck Chawerim" vermistaltete am 24. Dezember sein 24. Stiftungsfest. Eröffnet wurde der Abend durch einen Festprolog, gesprochen von L. Nenhaus. In der hierauf folgenen Begrüßungsrede gelobte der Präses, ebenso wie die Makkabäer, treu und unentwegt fürs Judentum zn käinpfen. Es fprackjen im Romen des V. I. St. Herr stud. art. Emil Kohn und ein Vertreter der „Hasmonea", Ihr Korrespondent. Herr Professor Dr. H. Berliner knüpfte an die Rede des letzteren an und sprach seine Freude darüber aus, daß die akademische Jugend so einmütig für ihr V o l k kämpft. Dann trat die Fidelitas in ihre Rechte, deren ulkige Bierreden und Theateranfführnngen die Gäste noch lange beisainmenhielt. Frankfurt a. M. Die „Jüdisch-nationale Frairenvexennssllng" vereinigte am Samstag den 27. Dezember 1902 ihre Mitglieder -und Fremche in: Saale des „Kaiser- Hof" zu einer Makkabäerfeier. Die Festrede, ge-