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Jüdisches Volksblatt · 1903-01-09 · 2 (9.1.1903) · p. Seite 4

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1903)
Issue
2 (9.1.1903)
Date
1903-01-09
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 9. Jänner 1903 Nr. 2 für Die Aspiranten an. Jeder Eingeweihte weis;, Ivas das zn bedenken hat. Man schließt die jüdischen Acrzte nicht vom Allgemeinen Krankenhanse ans; man nimmt sie nur nicht auf; derselbe Effekt, ober ohne daß man es nötig hat, Farbe zu bekennen. Dieser Gedanke wurde von der edlen leutsch-r.'dckalln Studentenschaft mit cincmwabren Feuereifer aufgegriffen; auch hier gehen die Klerikalen nur mit'; die Agents Provokateur sind die Deutschfreiheitlichen. Die jüdischen Hilfsärzte haben aber den Ernst der Situation erkannt und es wird ihnen hoffentlich gelingen, beit Numerus clausus zu stürzen. Aber auch für die jüdischen praktischen Aerzte wird die Lage durch die arischen Aerztekliguen, die den Boykott der jüdischen Aerzte predigen, immer ernster. Sie können sich nur schwer selbst helfen, hier ist in erster Linie das jüdische P n b l i k u m berufen, helfend einzufpringen. Unsere G r o [; e n haben eine besondere Vorliebe für nichtjüdische Aerzte, und es ist höchste Zeit, daß sie diesen Sport aufgeben. Wir müssen uns endlich an den Gedanken eines geschlossenen jüdischen Wirtschaftskörpers gewöhnen. Wir find uns bewußt, mit diesen 'Schlagworten wieder viel Anfeindung, ^Mißverständnis und Unverständnis zu entfesseln. Eine solche wirtschaftliche Revolution kann nicht von heute auf morgen geschehen; aber wir müessn von unserer Warte aus verkünden, daß die soziale Entwicklung zu diesem Punkte hinsteuert. Wenn das jüdische Volk einmal seine Aerzte, Advokaten, Techniker und Arbeiter wird ernähren können (und das ist nicht unmöglich), dann wird die Lösung der Judenfrage einen Schrill weiter gemacht haben. Probepredigten. Herr Rabbiner Dr. M. Grnnwald aus Hamburg hält Freitag den 9. Januar d. I. bei dem Abendgottesdienste, der um 4 Uhr 30 Minuten beginnt, int Leopoldstädter Tempel, Tempelgasse, die Predigt, und am Samstag den 10. d. M. bei dem um 3 tlhr nachmittags stattfindenden Jugcndgottesdienstc im Stadttempel, Seitenstettengasse, die Exhorte vor den Mittelschülern. — Nächste Woche hält Herr Rabbiner Dr. D. Feuchtwang aus Nikolsburg im Lcopoldstädker Tempel mn Freitag den 16. Januar d. I. beim Abcndgottesdienste, der um 4 Uhr 46 Müniten beginnt, die Predigt und am Samstag den 17. Januar d. I. im Stadtrempel bei dem um 3 Uhr nachmittags stattfindenden Gottesdienste für Mittelschüler die Exhortc. Wien. (Die Einweihung eines n e u e n S e f c r- Thora im orthodoxen B e t h a u s e der Großen Schiff gas sei, die am 1. ds. srartgeslinden, versammeltc ein zahlreiches andächtiges Publikum. Der Bethausvorstand gestaltete die Feier dadurch zu einer würdige,: und erbaulichen, daß er sich der Mitwirkung des Kantors Don Fuchs und des Chorpersonales des Ottakringer Tempels versicherte, welche durch gediegenen Vortrag der rituellen Gesänge die Anwesenden in gehobene und weihevolle Srimmüng versetzten. Verein jüdischer jugendlicher Arbeiter, Wien. Sonntag den 1.1. Jänner d. I. findet! im Kongrcßburecm, 9. Bez., Türkenstraße 9, ein Vereinsabend statt. Vorlesung des Herrn Mar Eisler aus eigenen Dichtungen. Beginn präzise halb 6 Uhr abends. Gäste (auch Damen) herzlich willkommen. Im lit. Gcsclligkeitsvercin jüd. Mädchen „Moria" fanden Sonntag den 4. d. M., wie alljährlich, die Plenarversammlung und Neuwahlen stall. .Nachdem die abtretende Präsidentin Frl. Berta Herrmann den Rechenschaftsbericht, der allgemein befriedigende Erfolge des Vereines bewies, erstattet hat, wurde an die Neuwahl geschritten. In den Allsschuß wurden folgende Damen gewählt : Frl. Berta Herrmann, Präsidentin; Frl. Frieda W a g n e r, Vize-Präsidentin; Frl. Erna Ä l e r a n d e r, 1. Schriftführerin; Frl. Helene P a st crnak, 2. Schriftführerin; Frl. Regine Ka n n e r, Bibliothekarm; Frl. Elsa .St-a 13, Frl. Karoline K ä rpel, Frl. Lotte R a n d, Frl. Helene Schwein b u r g, Ersatzmitglieder. Vereinskorvespondenzen werden an die Adresse der Präsidentin, 8. Bez., Josesstädterstraße 9, erbeten. Eine „reiche" nrmc Frau. Am letzten Freitag des eben cibgclausenen Jahres starb im hiesigen Rothschild-Spirale eine arme Witwe, namens Helene Meirner, welche es verdient hat, daß man ihrer anerkennend gedenke. Sie war in vielen jüdischen Häusern vekannr als eine fleißige, unermüdlich bereitwillige T a m m - l e r i ii v v n Gabe u u n d G e l d s p e » d e n s ü r jene j ii d i - s ch cit Skranke n des Allgemeinen Krankenhauses, welche ans religiösem Oiefühle nur eine rituell znbereirete Kost nehmen wollten und lieber ans jede andere Nahrung verzichtet hatten. Sie war rS. welche seit 30 Jahren dafür eifrig sorgte, solchen .Kranken mir .Koscherkost bciznstehcn und hatte sich seinerzeit mit dem verstorbenen Vvrstandsmitglicde der orthodoxen Schissschulgcincinde Herrn I. L. Frcistadr, dem eigentlichen Begründer dieser Synagoge, ins Einvernehmen gesetzt, aus dessen Initiative ein noch heute bestehender „.Krankcnvcrein" für den Zweck ins Leben gerufen wurde, um die jüdischen .Kranken des Wiener Allgemeinen .Krankenhauses mir koscherer Nahrung zu versehen Die Professoren und Abteilungsvorstände des Krankenhauses kamen bereitwillig dieser schönen Sache entgegen und gestatteten es Vvn Fall zu Fall. Jeden Samstag brachte diese Frau Meitner Erfrischungen für die jüdischen Leidenden ins Krankenhaus und ganz besonders ist es ihr zu verdanken, es mir Intervention des genannten Herrn Freistadt durchgesetzt zu haben, daß die armen Verstorbenen, deren Leichname völlig nackt zur Abholung in den Holzsarg gelegt wurden, seither nicht so wietätlos behandelt wurden, sondern daß jede Leiche in geziemender Art mit Ueberlan bekleidet ans den Friedhof überführt werden mußte. Diese arme Witwe war also „reich" zu nennen an "Gainilnth Cheßed schel Emeth". Sie erreichte ein Alter von 74 Jahren und wurde, wie wir hören, ans Kosten der israelitischen Kultusgemeinde nach Holleschau, wo sie begraben zu sein lvünschte, überführt. Möge die Seele der frommen Frau in Frieden ruhen. —> Wien. Der Mädchen- und Franen-Nercin „Biknr Chanlim" ladet hiermit zu zahlreichem Besuche seines Samstag den 3. Jänner in Guths Restanrarioii. 2. Bez., Stephaiiicstraße, stattfindenden Vortragsabends höflichst ein. Literarische, musikalische und Gesangs- Vorträge anerkannter Kräfte versprechen einen recht animierten Verlaus. Regiebeitrag 30 Heller. Beginn präzise 8 Uhr. Die heurige große Makkabäer-Feier findet Donnerstag den 22. Jänner d. I. in den Sofiensäten statt. Um die Makkabäer- Feier zu einer imposanten .Kiindgebiing zu gestalten, hat sich ein großes Damenkomitee von zirka zweihundert Frauen und Mädchen gebildet, welches eine Propaganda im großen Stile entfalten will. Ans diesem Wege ergeht an alle jene Gesinnungsgenossen und -Genossinnen, welche bis nun ihren Beitritt zum Festkomitee noch nicht augeineldet haben und bereit sind, zum Gelingen der Makkabäer- Fcier bcizntragen, ihre Adressen umgehend dem Dr. Mnx B e r nh a r d t, 7. Bez., Neubaugasse 14, anzugeben. Karten zu 2 Kronen, Familienkartcn (vier Personen) zu 6 Kronen, Anweisungen auf Logen- und Parkettsitze zu 3 Kronen sind schon jetzt in der Admnnftration der „Welt", 9. Pcz., Türkenstraße 9, erhältlich. Das reichhaltige Programm, für welches .Künstler ersten Ranges gewonnen wurden,' wird demnächst veröffentlicht. Auskünfte erteilen gerne: jur. Josef Hatz, 3. Bez., Obere Viaductgaffe 10, jur. David Fuhrmann, 8, Bez., Schlösselgasse 13/18. Wien. Der .Kaiserin Elisabeth-Lchrmädchenhort in Men hielt am 28. d. M. im eigenen Vereinslokale eine bvn zahlreichen Vereinsmitglicdcrn und Freunden gut besuchte Channka- Feier ab. Zunächst exekutierte Ober-Kantor Bela Guttman die Scgenssprüche beim Zünden der Chanuka-Lichter, worauf die Hortzöglinge int Chorus das traditionelle Chanukalicd sangen. Hierauf hielt die Vereinspräsidentin eine längere, formvollendete Ansprache, in welcher sie den Gästen für ihr Erscheinen dankte, an das goldene jüdische Herz appellierte, die schönen Ziele des Hort tatkräftigst zu fördern 'und den Vorstandsmitgliedern und Vereinsfiinktionären für deren aufopferungsvolle hingebcnde Tätigkeit im Interesse des Hort verbindliche Worte widmete. Zmn Schluffe wurden die ausgestellten ZöglingSarbeitcn und die für letztere bestimmten Geschenke einer Besichtigung tinterzogen, womit die erhebende Feier ihren würdigen Abschluß fand. Wien. ( Wochenprogra in nt der „ I ü d i s ch e n T o h n b c e - H a l l e".) Sonntag den 11. Jänner: Prof. L. Kellner „Hamlet". 2. —■ Montag den 12. Jänner: Dr. Heinz Kohn „Geist des modernen Strafgesetzes". — Dienstag den 13. Jänner: Diskussion „Schule und Haus". — Mittwoch den 14. Jänner: Lcop. Seclenfried „Die Verfälschungen der Nahrungsmittel". — Donnerstag den 16. Jänner: Fr. Dr. Sidonie Kahn „K. E. Franzos". — Freitag den 16. Jänner: G. M. Mehrer Erklärung der Sidra. — Samstag den 17. Jänner: Konzert. — Anmeldungen zu Vorträgen beliebe man zu richten an Herrn Dr. Siegntund Werner, 4. Bez., Wiedener Hauptstraße 18. Berichtigung. Wir entnahmen: seinerzeit dem „Jeschrnn" die Nachsicht, daß Baron Rothschild, nachdem er der Poliklinik eine Million Kronen gespendet hat, dem Rothschild-Spital, das ein jährliches Defizit von 160 000 Kronen crasweist, zwei Millionen Kronen gewidmet hat. Wir nehmen keinen Anstand, diese Nachricht zll dementieren. Es ist nicht wahr, daß Baron Rothschild dem Rothschild-Spital (lucus a non lucendo) zwei Millionen Kronen gespendet hat, wahr ist vielmehr, daß er dem „Hilfsvcrein für Lungenkranke", in dessen Präsidium llnter anderen Dr. Lueger, Dv. Richard Weißkirchner, Leopold Steiner und — Girat Horner sitzen, 50 000 Kronen gespendet hat. Diesem Vereine wurden bisher von Juden, getauften lind noch nicht getauften cirka 72 000 Kronen gespendet, während die hoch- und -wohlgeborenen Arier, die an der Spitze Wehen — 23 000 Kronen widmeten. Dagegen besteht in Wien schon seit langem ein j ü d i s ch e r .Hilfsverein für Lungenkranke, der noch: immer nicht die lumpigen paar tausend .Kronen beisammen hat, mn ein eigenes Heim zu errichten. Ja, wenn er ein Heim für kranke Fidschi-Insulaner errichten wollte, dann kämen die Terramare-Eisler, die Rothschilds usw. und gäben Tausende her; für Inden genügt ein Jahresbeitrag von zehn Kronen. Pro Armeina. In allen Zeitungen machte ein Allsmf die Runde, in dem die in Oesterreich lebenden Armenier sich an die österreichische Regierung wandten mit der Bitte um Intervention bei der türkischen Negierung. Dieser Ausruf ist in mancher Hinsicht interessant. Das Schicksal der Armenier ist dein Schicksale des jüdischen Volkes sehr ähnlich. Unter unseren Augen vollzieht sich das Schauspiel der Auswanderung aus ihrer Heimat und ihre Zerstreuung über die ganze Erde. Auch darin ähneln sie den Juden, daß sie meistens ihre Nationalität ausgeben, sich in dieser Beziehung au die umgebenden Völker assimilieren, aber ihrer Religion, oder vielmehr ihrem Ritus, dem armenisch-katholischen, treu: bleiben. Aber die Aehnlichkeit geht nicht weiter. Die Stamm es gen offen in Armenien werden bedruckt und sofort erinnern sich die Armenier in aller Herren Ländern an ihre Pflicht, und gerade die Großen gehen mit gutem Beispiel voran. Ans dem österreichischen Ausrufe findet man Landesgerichtsräte, aktive nnd> in Pension, Beamte aller Branchen, Abgeordnete, Großgrundbesitzer usw. Man versiiche, eine Bitte ran Intervention in der rumänischen Judensrage unseren Großen und Beamten zu unterbreiten; der Auskultant wurde seinen Beamtencharakter und jeder Millionär gesellschaftliche Rücksichten Vorschüßen. Ein weiterer Unterschied besteht darin, daß die sogenannte Judenpresse mit größter Bereitwilligkeit Leitartikel und Ausrufe pro Armcinia veröffentlicht, der Kritik rumänischer Verhältnisse aber ängstlich auswcicht. Daher der Name Jndenpresse. Chauvinismus. Auch unter unseren Stammesgenossen tschechischer Zunge fehlt es nicht an Chauvinisten, allen voran natürlich der bekannte Dr. Lehars, der ans dem Landtage glücklich hinansbngsiert wurde, der noch immer den Gemeinderat der Stadt Prag per- -ziert. Es lag nun dem Gemeinderat rin Projekt vor, das eine reine Ausgeburt des Ehauvinismus war, nämlich die Errichtung eines tschechischen Repräsentationsgebändes. Das ging selbst dem nationalen Heißsporn Dr. Podlipny über die Hutschnur und er beantragte mit Rücksicht aus die wirtschaftliche Notlage die Ablehnung. Aber der Urtscheche und echte Sohn Libnssas, Dr. Schars, hielt eine glänzende Philippika für die Annahme des Projektes. Schließlich wurde die Erbauung beschlossen mit dem Znsatzantrage Bvzeznovskp, daß in dem Repräsentaillenhanse . kleine Läden errichtet werden, damit tschechisch - ch r i st l i ch e n Kanslenten Gelegenheit geboten werde, diese Läden mieten zu können. Was sagt nun Dr. Schars? Ein neuer Beweis, daß die Assimilanten überall die Totengräber des jüdischen Volkes sind. Verein jüdischer Handelsangestettter, Wien. Samstag den 10. Jänner 1903 findet im Kongreßbnreau, 9. Bez., Türkenstraße 9, ein Vortrag über „Unsere Stellung zur Sonntagsruhe" statt. Referent Gesinmmgsgcnosfe Nathan Groß. Gäste, wie auch Damen herzlich,st willkommen. Zuschriften in Vcreinsangelegenheiten und Beitrittserklärungen sind an den 1. Schriftführer des Vereins, Isidor Grobtuch, Wien, 2/3, Herminengasse 13, zu richten. Ein tschechischer Kalender über Rothschild. Der tschechische „politische Bartobec'schc Kalender" schreibt in der Rubrik: „Die größten Millionäre" über die Rothschilds wie folgt: „Von den amerikanischen Millionären muß man sagen, daß sie zu ihrem gewaltigen Reichtum durch eigene Kraft und größten Scharfsinn gelangten, ganz anders als die europäischen „Millionen-jErben", und daß sie ihr Vermögen zu wohltätigen und bildungsfördernden Werken im großen Stile verwenden. Jeden Augenblick lesen Ivir, daß ein amerikanischer Krösus mit einem Millionen-Dollars-AufttHnde diese Univeüsität, jene Fachschule, Volksbibliothck, Krankenanstalt nstv. begründet hat. Von Iden europäischen Ncichtnmshältern wissen wir bloß, daß sie Hunderttmisende in Karten, in Rennen usw. verspielen. Beim Worte Rothschild denkt der Mensch unwillkürlich an einen großen Schwamm, der alles einsangt, an einen Menschen, der aus der Arbeit nach Millionen zählender anderer Menschen Geld auf Geld häuft. Begründer dieses reichsten Geldhauses war der kleine Bankier Mayer A n s e l m R o t h s ch i l d in Frankfurt a. M., welchem der hessische Kurfürst seine ehrlich verdienten Millionen —> er hatte seine „Ilntertanen" als Kriegsmaterial für gutes Geld an England verkauft — als er 1806 vor den Franzosen wcglief, zur Aufbewahrung anvcrtraut. Mayer verstand cs in den damaligen bewegten Zeitkäufen, mit diesem Kapitale zu wirtschaften; er verschaffte den nach Geld lüsternen Regenten gegen gehörige Perzente Darlehen und bald erwarb er ein kolossales Vermögen, welches seine Söhne, nachdem sie sich in deil ersten europäischen Städten niedergelaffen hatten, durch gemeinsame Finanzoperationen und unter baldiger Beherrschung des ganzen europäischen Geldmarktes, in schwindelnde Milliardenhöhe hinaufbrachtcn. Die jetzige Dynastie Rot h s ch i l d zählt 20 männliche und 20 weibliche Glieder und teilt sich in 4 Zweige: den iener Zweig (Chef Baron Albert Salonion Rothschild), den Londoner, Frankfurter und Pariser. Diese kleine Zahl Menschen heiratet, bis auf kleine Ausnahmen, stets untereinander, daß der m ä n n l i ch e Rothschild, insbesondere wenn er Chef eines Zweiges ist, fast immer irgend eine Anverwandte als Gattin nimmt, damit das Familienvermögen nicht in andere Hände gelange. Daß irgend ein Rothschild, sagen ivir bloß eine Million für irgend ein (wirklich) gutes Werk gelvidmct hätte, oder daß er wenigstens — n a ch dem Beispiele des auch j ü d i s ch c n Baron H i r s ch — seinen armen Glaubensgenosse tt mit irgend einem Miillioiiengeschcnk beigcsprnngen, davon weiß die Welt nichts zu erzählen. (Das ist der Dank für die vielen Hunderttmisende, welche Rothschild für „interkonfessionelle" Zwecke, bei ivelchcr der Jude stets leer ausgeht, gestiftet hat.) Verein jüdischer H a n d e l s a n g e st e l l t e r i »r Prag. Das heurige jkränzchen findet am Samstag den 14. Febr. 1903 im großen Saale der Produktenbörse statt. Zu dieser vielversprechenden animierten Unterhaltung wird eine Militärkapelle die Musik besorgen. Reklamationen werden von den Herre^ Ernst Butter, Tempelgasse 3 und Julius Kohn, Fleischmarkt 22 entgegengenommen. Entree: Herren 1 Kr., Damen 2 Kr., Familienkarterr (3 Personen) 4 Kr. Makkabäcrfeicr des Jüdischen Volksvereincs in Prag. Ara 27. v. Al. fand in den Sälen der hiesigen Produki>enbörse die Dkakkabäcrseier iflatt, welche der Jüdische Volks- Verein für seine Fwlinde und Anhänger veranstaltete, mü> die sich auch zahlreich vinsanden. Das Festprogramm lvnrde mit einer Ouvertllve, gespielt von einer Rtilitärka.pelle, eingcleitet. Tann sprach Herr I. ll. C. Nt. Gaeh den Prolog tschechisch, wovanf die Menorah imrcT) Se. Ehrwürden Herrn Dr. Aladar Dentsch entzündet wurde. Das „Muss zlir JeschlWlsi" und andere hebräische Gesänge vom Jüdischen Musiklmd Gesang verein, dirigiert vom Chorineister Herrn Tallssig, lvirkungsvoll vorgetragen, ernteten reichen Beifall. Die Festrede hielt Herr Ph. Dr. Max Hoch alis Jllngbtmzlan. Dieselbe lvar auch der Rekord des Abends. 'Rabbiner Dr. Hoch sprach iu schllmugvollen, vom Herzen koimuenden und Zll Herzen dringenden Wow ten über die Bedeutung des Chaiulkasestes, forderte in begetsicrter Rede Zlmr Festhalten am Glauben, zur Rückkehr zu den alten, schönen Gebräuchen der Inden, wie das Anzi'radeir der Chanukalichter, aus, )vi>es ans die moralischen Schäden hiir, die die Assimila'tion gezeitigt, da dev Jllde sich seiner Abstammimg zu: schämen: ausing lmd das Fremde annahm und mitmachte. Erst die jüngsten Jahre imd iu Böhmen speziell die Dezcinbertage des Jahres 1897 rissen, die Inden ans ihrer Lethargie und führten sie der nelven Strömung der jüdischuatioimlen Begeisterung in die Arme. Das Selbstbewußt sein erwacht, der Jllde schließt sich an seine Brüder an und beklmdet laut ilud offen seine Zlisaramengehörigkeit mit seinem Volke. Die TauuenbällMchen mit! dein lmnten Lichtergeslnukel perschlv-inden wieder alltnählich ans den jüdischen Wohmmgen und machen dein schlichten Chanlikalichtieiu Platz, das zil erhalten, daß es nie perlösche, auch an den Frauen intb an der der Beivegllug mit Begelsterung solgeiiden Jugend gelegen ist. .Namentlich letztere sei die beste Gewähr, daß der ausgestreute Same cuich Früchte tragen )verde. —■ Brausender Beifall lohnte den Redner für dessen Aussührlmgeir. Eine Glanznummer des Programims wareuauch die Liedeworträge des Frl. Melanie Wrba, die dllrch die lleberreichuug pou Blumen und nlehrmaligem Hewarrms ausgezeichnet ivlirde. Den Abschluß des schönen Festes bildete ein Tanzkränzchen, das die jlmge Welt bis m die frühen Morgenstunden beisainmeuhielt. S. L. Positive Arbeit!vitt der Allsschuß des Zelltralvereknes zur Pflege jüdischer Angellegenheiten in P r a g schon seit 20 Jahren im Interesse des JndentlMls, und zloar iu dem.

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