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Jüdisches Volksblatt · 1903-01-09 · 2 (9.1.1903) · p. Seite 3

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1903)
Issue
2 (9.1.1903)
Date
1903-01-09
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 2 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt Seite B in CsardaS, Paprika unb rot-weiß-grünem EnthllsiaKnms geleistet haben, zu erzählen, übersteigt die Kunst des Autors. Doch der KatzenjanmrEv stellt sich schon eilt. Das letzthin beschlossene Eillwailderungs- und Anstvandemngsgesetz richtet seine Spitze gang deutlich gegen die galizischen und rmnänischeu Inden, sie stellt zugleich die Spitze der Polizei tvillkür dar und rückt Ungarn in die erste Reihe der europäischen Polizei staateit. Wir hadert dieses Gesetz schon im August signalisiert, aber wir müssen gestehen, solche Brntalitäten erwarteten wir nicht, Uebrigens blüht dieser magyarische Polizeigeist auch ans anderen Gebieten. Ikeulich erlies; der Stadthanptmaiur von Bridapest einen llkas, irr dem er die Abhaltung von rein wissenschaftlichen Vorträgen eines Volksbildungsvereines untersagte; das lvar selbst einigen Regierrrngsblätterir zu starker To back. Wir müssen aber in diesem Falle die nngarische Regierrntg in Schutz nehmen; denn dein heutige ir in a g y a r i s ch e n Staate kann Bildmrg und Anfklärrmg ivirklich gefährlich lverden. Die Ernennung des Engenvoll Rakosy zlmr Mitglicde des Acagnatenhauses trotz oder vielmehr infolge „seiner agrarischen unb antis enri tisch ei iV ell e itätei r, seines vorgeschrittenstell ld. h. rückschrittlichsten) Ehanvinisnms" belvrist, lvie maßvoll in jeder Beziehung (nach der Meinung der „,N. F. Pr.") die Politik Szells ist, in dessen Dieirsten der Journalist Rakosy steht. Er sagt heraus, lvas der Meister weise verschweigt, und dafür beruft der Meister den Schüler iit das Magnatenhaus. Sapienti sas! Das EinlvaiMrnngsgesctz ist eilt neuer Beweis für unsere Behauptung, das; die jetzige uilgarische Regierung die Inden beit Nationalitätz'n direkt zum Fratze tzinlvirft (tu diesem Falle hauptsächlich den Rnthencn, Slovaken, Nunlänen und Sachsen), um durch kleine Jndenhetzen die Aufmcrksainkeit der Nationalitäten von der drohenden Magyarisierungsgefahr abznlenken. Wie lvir in der vorletzten Nummer berichteten, kam dieses Gesetz int Mnnkascer Konti tat bereits in Anwendung. Das Merkwürdige (aber für uns leicht Erklärliche) ist, das; die Wiener liberale Pr e s s e diesenr Gesetze, das die rumänische Fremdengesetzgebung alt drakonischer Strenge überi'rifst, Seine Besprechung ltzidmete; man darf sich doch wegen der paar polnischen Inden seilte Beziehungen mit dent Ministerium Szell nicht verderben .... Die Ekjcitbegcistetinllg bei unseren Stanultesgeltossen ging so lveit, das; sich in jüdischen FaniAien nicht selten das Bild darbot, das; Eltern und Kinder sich nicht verstanden. Die Elterrt verstanden nicht magyarisch, die Kinder aber wollten, oft mit Einwilligung der Eltern, lticht deutsch lernen; und demzufolge konnte man sich oft nur mit Hilfe der — Dienstboten verständigen. Diese Kinder wüchsen über heran, und sie fanben, das; Ungarn insoweit eli.ropäijch ist, das; es den Juden in der staatlichen Karriere allerlei Hindernisse in den Weg legt. Der magyarische Volksstamin hatte für die Magyaren mosaischer Konfession feinett Platz; sie mußten in die Fremde, mtb da sandelt sie die Richtigkeit des Satzes, den wir in Variation des magyarischen, Nationalspruches voll dent alleinseligiltachenden ungarischen Globus alt die Spitze dieses Briefes stelltett. Auch außerhalb Ungarns herrscht Leben, aber es sicht ganz anders ans als das „ungarische Leben". Sie mußten die Sporen und den Kalpak oblegen und — spat, aber doch — europäische Kultur in sich'aufnehmen. Die vierte Probepredigt. Es wird fortgercdet, wie wenn e§ wirklich auf den Erfolg einer Probepredigt ankäme. Die Kultusvorstehcr gehen verdrossen in den Tempel, es fängt an nachgerade langweilig zu werden. Wenn man hie und da neue Gesichter auf den „Reservierten" erblickt, so ist es sicherlich einer, der dem Probepredigcr gewissermaßen die letzte Ehre erlveist. Die Experten ergehen sich vor der Predigt in Mntmaßnngen, lvie der Kandidat sprechen lvird, und nach der Predigt in Mntmaßnngen, wie er gesprochen hat. Unterdeß steht der junge Kandidat ans seinem Ehrenplätze große Qualen des Fiebers aus, die sich, lvie bei dem jüngsten Probercdner Dr. Armand Kam in kn, zu einer Nervosität steigern kann, die ihn vergessen läßt, daß tausend Augen auf ihm haften, die eine solche Unruhe zu seineil Ungnnsten auslegen. Der Vorstand der „I s r a e l i t i s ch e n Allianz", deren Zweck es unter anderem ist, „Israeliten, wo sie ihres Glaubens lvegen zn leiben haben, eine wirksame Stütze zu bieten", eilt herbei, um seincnr Sekretär, Herrn Dr. K a m i n t a, der wegen seines Glaubens, daß er als Rabbiner arlkvinmcn werde, viel innere Qualen leidet, eine wirksame Stütze zu bieten. Ausgefallen ist mir nvch, daß die reservierten Bankrcihen durch einen eiserilen Kordon von dem Pnbliknnl, daS bloß beten kommt, abgesperrt lvnrde. Der Gott, der Eisen schuf, hat es sicherlich nicht zu diesem Zwecke geschaffen. •x Dr. Armand K a m i u f a ist wahrlich kein Dntzendme>lsch. Seilte Leistungen nitterkiegeil daher einer streilgercn Beurteilung, als diejenigen eines Durchschnittsmenschen. Dr. Kamiilka repräsentiert den Typus jener östlichen Inden, die, mit großent Wisscnsdnrste und starker Aufnahmsfähigkeit atlsgerüstet, eine überaus große Dosis Wissens in sich alifgenommen haben, ohne sich Zeit und Ruhe zu göiliteil, das Gelvoilneile zu ordlten lntd zu sichten, ihrem Denken und Handeln eilte sichere, gerade und unabloeichliche Richtung zu geben. Dr. Kaminka hat biel gelernt, lvar aber stets ein viel zu lturtihiger Geist, als daß er cs ztt einem, seinem Wissen ciltsprecheilden Namen hätte bringen können. Man sieht ihn nicht nur körperlich, svilderil auch wissenschaftlich und politisch, bald da, bald dort, sehr oft nicht ans seinem Platze. Sprnitghaft in seinen Belveglmgen, sprlliighnft, unstet und tiitsicher in feinen Ansichten. Dr. Kaminka braucht Ruhe, lvir möchten sie ihm im Interesse 9. Jänner 1903 der jüdischen Wifseilschaft auftlötigeil, um etwas Positives leisten zu könncil. Aber ist eilt ebetttuell untergeordttetcr Rabbinerposten wirklich jenes Eldorado, nach welchem sich jmtge Gelehrte sehnen müssen? Dr. Kaminka hat sich auch bei feinet* Prvbepredigt nicht verleugnet. Er bvt sehr viel, die Gedailkcn nrid Zitate atls Talnlnd unb Midrasch überstürzten sich mtd sv hat cs keilten, der ihtt fennt, verwundert, daß er bei seinem sprtlllghaftcit Whsen auch gestolpert ist und sich eine Sentenz geleistet hat, die ntir gerade von ihnl sehr bedcitklich erscheint. Er sagte ttämlich, bcittahe lvörtlich: In den großen Wcltzentrcn leben viele geistig und fiitanziell hochstehcilde Jndeit, lvelchc die Synagoge nicht besuchen, die Traditionen nicht haltcit, tutd die, lvettn sie auch tu die Syitagoge kämen, iticht in der Lage wären, ltach diesen Traditionen zu lebcit . . . . Diese Inden dürfcit aber tticht vergesscit, daß uns alle ein Baitd znsammcnhält: der Gotlesglanbc. Das lvar ein Sprllilg iils — üferlvse. Herr Ritter v. Gllttinallil hat zu dieser Seilteitz beifällig genickt und Dr. Markus Spitzer ließ den Kopf häitgcn ltnb verdeckte die Augen mit feinen Händen. Sind Sie, Herr Dr. Kaminka, beim wirklich auf das erste re angewiesen ltnb hatten Sie es llötig, das letztere zu verursachen? Weil» ja, bann geh' schlafen, jüdische Wissctlschast, detut du hast aufgchört, eilt Ideal zu seilt, oder geh' auf die Gasse, die dein Brot vcrdicitcil. Ich möchte iticht mißverstaildcil fein. Ich bin feilt Atheist und schätze in Dr. Kaminka ben Mann der jüdischen Wissenschaft, deren lvir sv lvcnig haben. Aber das Herz bricht mir, wenn Männer, die berufen lvärcn und das Zeug haben, wahre jüdische Wissenschaft zu lcyren, gezlvuttgen werden, auf die Kanzel herabzusteigen, um von dorr um die Gunst einflußreicher Männer zu bnhlctt wegen eines Rabbinerpostcns. Ich enthalte ntich der Bcsprechting des Vortrages selbst. Dr. Kaminka hat gelviß die Qualifikation eines modernen Rabbiners und falls ihn das Los trifft, lvird er auch seinen Platz entsprechend ausfüllen — wenn er cS lattge anshält. Chronik. Inland. Jüdischer Volksverein. Am 7. d. M. fanb im Festfaafe des Jüdischelt Volksvercincs eine Versammlung statt, itlt welcher „lieber das Hausiergesetz und die Zukunft der Hausierer" statt. Die von beit Herren Dr. Arnold % s ch e r und Hermann P l a s ch k e s erstatteten Referate wurderr vom zahlreich erschienen Publikum mit großem Beifall ausgenommen. lieber den Verlauf der Sitzung und die erstatteten Referate werden lvir in der nächsten Nummer) ausführlich berichten. Lcffcntlichc Plenarsitzung des Wiener Knltnsvorstandes. Tie erste Sitzung in diesem-Jahre. Tie ttcugewäyltctt Ktiltusvorstchcr erschienen zum erstenmale bei der Sitzung. Man hört.Jungfernreden, die zientlicb stark oppositionell gefärbt sind. Die öffentlichen Ktiltussitztingen, leider sind sic sehr spärlich, gestalten sich immer mehr zu Siegesktindgebtingen, die den von uns seit Jahr und Tag propagicrtetl Ideen und Anregungen dargcbracht wcrdett. Wenn unsere Gesinnungsgenossen diese Sitzungen besuchen würden, sie würden erstaunt fragen, weshalb die Osfiziellett cigeittlich so stark mit den ausgesuchtesten Mitteln gegen uns bei den Wahlen zu Kampfe zogen? Es werden ja da Ideen — allerdings noch schüchtern — laut, die lvir nur etwas kräftiger zum Ausdrücke brachten I llitfer Kampf für das „Recht der Bczirkskommissioitelt" hat endlich nach langcnt Ringen eilten lvenit auch noch bescheidenen Triumph gefeiert und wir konstatieren cs gerne, daß sich die ncugewähltcn Herrn Prof. Eh rin nun und Te lisch er in dieser Frage dem für die Aktivierung der Bezirkskommissiotten kämpfenden kais. Rat P o l l a k anschlvsscit. Nach Eröffitnng der Sitzung begrüßt Präsident kais. Rat K l i n g c r die nengewählten Kollegen und entwickelt dann das Arbcitsprogramm des Kultnsborstandcs. Zufolge der neuen Arbeitseinteilung werde die Bedeutung des Vertreterkolleginnts eine größere und dem Plenum bleibt mtr'die Erledigung der prinzipiellen Angclcgettheitctt. Der Vorsitzende streift daitn die tvichtigsten obscbtvebendcn KiilOisangelcgenheitcn. Prof. E h r m a n it dankt in seinem und im Namen seiner neugewählten Kollegen für die Begrüßung seitens des Präsidenten. Nach Verlesung des Einlanses lvird die Wahl der Vizepräsidenten, des Vertreterkolleginnts unb der Sektionen vorgenommen. Es bleibt alles beim alten. Das Referat über die I o s e s i n e v. K önigswartcr - s ch e K i n d c r s p i t a l s st i f t n n g wird zur Kenntnis genomtnen und beschlosseit, das vorhandene Kapital von Kronen 653 490 lveiler fruchtbringend liegen zu lassen. An das Referat des Dr. Gustav K o h tt über die Z n l a s s n n g v o n F rauen z u tu R e l i g i o it s nute r r i ch t in de tt Dt ädchenkla s s e n knüpft sich eine lebhafte Debatte, an welcher sich die Herren Dr. Alfred Ster n. Salo E o h n, Dr. S t e i n e r, Dr. DtaEns spitzer, Dr. Berger, Prof. E h r ttt a tt tt beteiligen. Zum Schlüsse wird der Refercntenantrag attgcnommcn, wonach in Zukunft Frauen als Religionslehrerinncn für die ersten drei Klassen der Volksschule zugelassen lverdcn. Bei der Rcligionslehrerinncn- Prüfnng lvird den Kandidatinnen die Kenntnis deS Pentateuchs in der Ursprache erlassen. Das nächste Referat galt den j n d i - fdt e ii v e r lass e tt e it K i n d e r n. Referent Dr. Maxim. Ste liier beantragt nach eingehender Würdignug der Verdienste, welche sich Herr Direktor M a n t n e r um die Bewachung dieser verlassenen Kinder erworben, und nachdem er konstatiert hat. daß derzeit 73 solcher armer Geschöpfe unter Aufsicht der Knltnsgcmcindc stehen, daß. neben Herrn Direktor Mautner noch drei Volksschnllehrer mit einer Iahresvergütnng von je 400 Kronen aufgenom- »teii lverdcn mögen. Kais. Rat Wilhelm Poll a k spricht sich gegen den Antrag des Vertreterkolleginnts ans. Nachdem Redner beim vorhergehenden Anträge für die Anstellung lveiblichcr Lehrkräfte beim Rcligionsnnterrichte, die er bei größeren Mädchen für sehr wichtig erachte, eingetretcn sei, halte er es für notlvendig, bei dieser Gelegenheit ansznsvrechen: Es liege keineslvegs in seinen Intentionen, dem langjährig verdienten Schuldirektor Mautner etwas von der geplanten Erhöhung der bisher bezogenen Remtmerativiten abzuzlvacken. ES sei auch nicht Lebrerfeindlichkeit, wenn er die Anstellnng dreier Lehrer znr'Beanfsichtignng der verlassenen Kinder, die vom Referenten beantragt lvnrde, nicht gntheiße. Er sei vielinehr der flnschannng, daß zur Qbsorge für die verlassenen Kinder die Mitglieder der Bezirkskommissionen herangezogen werden sollen, und Iiersprechc sich davon einen ansgczeickmctcn Erfolg. Wenn angesehene Männer des Bezirkes sich für die Pflege dieser Kinder interessieren, würden hierdurch, bei aller Ancrkenming der pädagogischen Fähigkeiten der Lehrer, viel bessere Effekte erzielt werdeir. Manche Vorteile, die den Pflegchcrrcn durch den Verkehr mit den Mitgliedern der Bczirkskommissionen, durch das' eventuell wachgernfenc persönliche und geschäftliche Interesse, zngelvendet würden, kämen auch dann ihren Pflegebesohlenen zugute. Und gewiß werden sich in den Bezirkskommissionen genügend Männer finden, die die Qbsorge für die verlassenen Kinder zu übernehmen bereit sind. Ans die Mitwirkung des Herrn Schuldirektors Mautner, der die DUtglieder der Bczirlskonnnissionen nach dieser Riclitnng gewiß aufs beste informieren und nnterstützen werde, solle dabei keineswegs verzichtet lverden. Aber endlich solle einmal mit der Herattztehnng der Bezirkskommissionen der Anfang gemacht werden, und da biete sich bei der Qbsorge für diese armen Kinder die erste Gelegenheit, ihnen ein reiches und ergiebiges Feld für gemeinnützige Betälignng zu eröffnen. Abgesehen davon, daß es durch Uebertragnng dieser Agenden an die Bezirkskommissionen ermöglicht wäre, nicht zwanzig und mehr Kinder, sondern nur zwei vis drei nnler die Aufsicht einer einzelnen Person zu stellen, lvürden sich die Mitglieder der Bezirkskommissionen nicht nur für das gegemvärtige Wphl der ihnen zur Ueberwachnng anvertrantcn Pfleglinge lebhaft interessieren, sondern ihnen auch in ihrem lveiteren Lebenslaufe, namentlich in der Wahl und Bcstimmnng geeigneter Lebensbcrnfe, ersprießliche Dienste leisten, die man von den Lehrern lvedcr erwarten, nvch verlangen könne. Ans diesen Olründcn müsse sich Redner gegen die Anstellnng der drei Lehrkräfte zur Qbsorge für die verlassenen Kinder anssvrccbcn und mit voller Ueverzengnng für die Hcranzichting der Bezirkskommissionen zu derartigen Aktionen cintrcten. «Beifall.) Die Herren K n f f n c r und Salo Cohn schließen sich beit Ausführungen des kais. Rates Pollak an. Dr. Berger weist darauf hin, daß auch die jüdischen Findlinge unter die Qbsorge der Olemcindc gestellt lverden müßten, ist auch dafür, daß die Bezirkskontmissivnen mit der Uebcrlvachnng betraut lverdcn, beantragt jcdvch die Znrücklveisnng der Angelegenheit an das Vertreterlolleginm. Qbcrfinanzrat Dr. Nappaport stimntt für den Antrag Dr. Berger. 9,ach einem Schlnßlvortc des Referenten erhält kais. Rat Wilhclnl Pollak das Wort zu einer tatsächlichen Berichtigung. Er reagiert zuerst in tatsächlicher Berichtigung auf die Behauptung des Referenten Tr. Steiner, daß er mit Schlagtvörtcrn arbeite und bemerkt, daß der Referent wohl insofernc recht habe, als die Bezirkskommissionen bisher ein Scblaglvvrt geblieben sind; ein Schlaglvort darum, lvcil mehr als zwei Jahre verflossen sind, in denen diesen 7Kommissivncn nicht einmal ein Hauch von Leben eingcflößt, geschlveige denn an die?lktivicrnng derselben geschritten lvorden sei. Gerade den jetzigen Anlaß lvollte Redner benützt lvinen, mn den Beweis zu erbringen, daß diese Koinmissioncn iticht nur zu Vcrlvaltnngs-, sondern entgegen der Ansicht des Referenten, ancb zti Wobltätigteitsagenden geeignet seien. Das Herz im Leibe müßte einem böhcr schlagen, wenn man, lvie Redner, Heuer Zeuge von Ehannkabescliernitgen lvar, bet denen sich Männer und Frauen, der zionistischen Partei angehörig oder dent Krtklnsvorstande nahestehend, mit gleichem Eifer und Erfolg bei der Bcklcidnng und Betcilnng armer Kinder betätigten. Darum müsse er an seiner Anschannng festhalten, daß auch zur Beansnchtignng der Pflege verlassener Kinder die Mitglieder der Bezirkskommissionen hcranznzichcit seien und ihre Pflicht in vollstem Maße erfüllen werden. Redner schließt sich dem Referenten nur deshalb an, weil dieser in so grellen Farben schildert, daß den Kindern bis zur Aktivierung der Bezirkskommissionen ein Schaden geschehen könnte, bittet aber, weitere drei Lehrer nur ans Widerruf mit der einstweiligen Ueberlvachung zu betrauen, lvelchc dann sofort voil den Kommissionen zu übernehmen sei. Schließlich konsormicrt sich Redner dem vom Präsidcntctt stilisierten Anträge, wonach innerhalb 6 Monaten, nicht erst die Berichterstattung, sondcrit schon die Ucbcrwcisung an die Bezirkskommissionen zu erfolgen habe. Dieser Antrag wird auch angenontmen. An Spenden sind eingelansen: Von Herrn Kultnsvorstehcr Herrn Salo Cohn, anläßlich eines Familienfestes, für nachstehende Vereine K. 12 000, und zwar für das allgemeine österreichisch-israelitische Taubstnminen-Jnstttnt K. 3000, für die Israelitische Armenanstalt K. 1000, für die Israelitische Allianz (für jüdische Auslvandcrer) K. 1000, für den Israelitischen Waisenverein K. 1000, für den Verein „Frauenhort" K. 1000, für den Verein zur Untcrstütznng armer kranker Israeliten K. 1000, für die Israelitische Volksküche 1000, für das Kaiserin Elisabeth-Lehrmädchcnhort K. 400, für den Verein „Ferienheim" K. 400, für den Vcrciit „Nächstenliebe" K. 400, für den Wohltätigkcitsvcrcin für Hausarmc K. 400, für die Vcrsorgungsanstalt zur Chanukafcier K. 400, für den 1. Brigittenauer Franen-Wohltätigkeitsvercin K. 200, für den Franen-Wohltätigkcitsvcrein im 8. Bez. K. 200, für den Fraueil-Wohltätigkeitsvercin im 16. und 17. Bez. K. 200, für den Israelitischen Hnmanitätsvcrcin für die westlichen Bezirke K. 200. für die Hilfsaktion für die armen Glaubensgenossen in Jerusalem K. 200-, von Herrn Salo Cohn für die Israelitische Armenanstalt zur Anschafsnng von Kohle und zur Verteilung in besonders berücksichtigenSwerten Fällen ein weiterer Betrag. von K. 1000; von Herrn Leopold Kann als Legat für das Israelitische Altersversorgnngsl.ans K. 4000; von Herrn Josef Broch anläßlich der Konfirmation eines Sohnes, für Arme K. 200; von Herrn Alois Hofmann zum Ankäufe von Heizmaterial für arme jüdische Familien K. 50; von der Firma Peter Boschan und Söhne anläßlich des Chanukasestes für die Israelitische Versorgungsanstalt 60 Liter Wein; von Herrn Hugo Wiintcr für die Israelitische Versorgnngsanstalt 6 Flaschen Heidelbccr-Wcin. Zur Beköstigung armer israelitischer Schulkinder in der Brigittenau wurden gespendet: Ergebnis einer von Herrn Dr. Alfred Berger veranstalteten Sammlung K. 205, Wilhelm Deutsch K. 30, Max Quittner K. 20, Philipp Goldmann K. 10, Heinrich Socholler K. 5, Sophie Propper K, 5, A. G. K. 5, P. H. K. 4. Den Spendern lvird der Dank votiert. Christliche Aerzte. Es ist erreicht; endlich ist einem dringenden Bedürfnisse ob ge Holsen worden durch die Griindung eines „Vereines der christlichen Aerzte", der unter der Leitung des bekannten -Klerikalen Dr. Kaspav Schwarz steht. Die „N. F. P." bringt diese Nachricht und vergißt ganz, Zll konstatieren, daß die Klerikalen dainit mw das Beispiel nachatzinell, das die dentschnational-antiseinitischen Aerzte durch die Gründung des „Aerztlichen Iteforrn- Vereines" gegeben haben. Die klerikalen Aerzte organisieren sich mit separatistischen Tendenzen, nachdem^ die dentsch-freiheitlichen angefangen haben. Der llnterschietz zwischen beiden Gruppen ist der, das; die Dolttschnationalen nur antisennitisch unb, und' ihre Organisation sich^auss ch l i e ß l i ch gegen die ji« di scheu Aerzte richtet, während die K l e r i k a l e n a u ch antiseniitisch sind, und ihre! Organisation sich gleichmäßig gegen die Nationalen und die Juden riMei, obgleich sie es für gilt finden, erstere svorderband zll leugnen. Dies zur Orientierung. Dieser antisemirische Gent wird selbstverständlich voll oben sorgfältig gehegt und gepflegt, und die letzte „Reforili" (nonien eft omen) des Otatlites der Hilfsärzte der Wiener Krankenanstalten ist mit vielen Tropfen mitiseniitischen Oetcs gesalbt. Natürlich hübsch vorsichtig lind lmaufsällig. Mau strebt vorläufig nur die Einführung des Nunuwus clausus

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