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Jüdisches Volksblatt · 1903-01-02 · 1 (2.1.1903) · p. Seite 5

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1903)
Issue
1 (2.1.1903)
Date
1903-01-02
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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"wr-M,g wg-- Ufr -WL Nr. 1 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 2. Jänner 1903 Seiti- 5 schcn Carl Fcrdiumlds-Uuivcrsiiät int Alter von vierzig fahren plvtz- Iki) gestorben. Dr. Herrnheiser war auch seit dem Jahre 18!);; Redakteur der „Prager medizinischen Wochenschrift" und hm das Blatt von nnschcillbarcn Anfängen zu einer Fachzeitschrist gemacht. Seine jüdischen jüngeren Kollegen sandelt in ihm einen liebevollen Förderer. Scir der Errichtung der Aerztekannner gehörte er dem Borslande derselbeit an. Er war Vorstandsmilglied des Zentralvereins deutscher Aerzte, Eirunder und Borstandsmitglied des Klubs deutscher praktischer Aerzte in Prag. Tr. Herrnheiser war auch literarisch sehr tätig. Seine letzte Arbeit, die erst vor tvenigcn Tagen erschien, war eine Abhandlung „lieber die Einwirkung des dichtes auf die Augen". Seine sonstigen wertvollen Publikationen erschienen teils in der „Prager medizinischen Wochenschrift", teils in der „Zeitschrift für Heilkunde", im „Archiv für Neurologie und PsUchiatrie" und in Spczialzeitschriften für Augetthcilkundc. Tr. Herrnheiser, der ein guter Jude war, betätigte sich sehr eifrig im „Zentralverciu znr Pflege jüdischer Angelegenheiten in Prag", dessen Ansschuszmitglied er war. Das Leichenbegängnis fand am 28. v. M. unter außerordentlich großer Beteiligung aller Gesellschaftsklassen statt. I st der Bor st and einer Knllusgcmeinde eine Behörde? Mit dieser prinzipiellen Frage batte sich am 24. v. Al. das Prager k. k. Bezirksgericht in Prag-Weinberge als Strafgericht zu befasien. Ueber den interesianten Fall schreibt uns unser Prager Korrespondent folgendes: Ter Affektranzbeamte Herr Julius P. hat gegen eine Steueroorschreibung des Borstandcs der israelitischen Kultnsgemeinde in Weinberge einen Rekurs überreicht, in dessen Erledigung dem Rekurrenten bedeutet wurde, daß im Falle der Wiederholung der ungebührlichen Schreibweise die gesetzlichen Schritte eingelcitet werden müßten. Hierauf überreichte Herr P. am 14. November 1002 eine Eingabe, in welcher er erklärte, daß seine Tchreibiveise wohl eine ungebührliche gewesen sei, daß es ihm jedoch sein Bildungsgrad verbiete, dem Knltusvorstande gegenüber die „gebührliche" Schreibweise anzuwenden. Auf Eirund dieses Tatbestandes und im Hinblicke auf Paragraph 5 des Gesetzes vom 14. Mai 180!) RGBl. Nr. 02, in welchem die Borstände der israelitischen Kultusgemeinden als Behörden bezeichnet sind, erstattete der Borstand der irsaelitischen Kultusgrmeinde in Weinberge durch sein Vorstandsmitglied Herrn Tr. Morin Stein, Advokaten in Prag, die Strafanzeige, damit die k. k. Staatsanwaltschaft im Sinne des Art. 5 des Gesetzes vom 17. Dezember 1802 Nr. 8 RGBl, die öffentliche Anklage erhebe. Ueber diese öffentliche Anklage, welcher sich der Vorstand der israelitischen Knltusgemeinde in Weinberge durch seinen Vertreter anschloß, fand heute gegen Herrn Julius P., vertreten du?ch Herrn Dr. Meißner, Advokaten in Prag, die Hauptverhandlung beim k. k. Bezirksgericht in Weinberge statt. Ter Angeklagte wurde gemäß Paragraph 401 St.-Gesetz schuldig erkannt, zu einer Geldstrafe von 30 Kr. eventuell Arrest und zum Kostenersatze verurteilt. Bodenbach. Anläßlich des C h a n u k a f e st e s veranstaltete der israelitische Wohltätigkeits-Frauen-Verein ein .Kinderfest, welches am 25. v. M. abgehalten wurde. Ter Festakt wurde 1>urch ein Lied eingeleitet. Hierauf folgte die Ansprache des Rabbiners an die Jugend, in welcher dieselbe znr Glaubenstrcue, dem Beispiele unserer Väter folgend, anfgefordert wurden. Mit dem Entzünden derffhannkalichter undAbsingen desEhanukalicdes war der kurze, aber geinütserhebende offizielle Teil vorüber. Ein Wunder von Arbeit hat das Komitee, bestehend aus den Damen H o f - m a n n, Freund, Kantor, Kugel, Pächter und dem Herrn Rabbiner Freund, gelöst. Ein überreich beschicktes, geschmackvoll arrangiertes Buffet diente nicht bloß zum Bewirten der kleinen Gäste, sondern auch als Einnahmsqueüe für den Verein. Eine Tombola mit schönen Gewinsten brachte Erregung für die erwartungsvollen Kinderherzen, die, im Besitze ihrer Gewinste — denn jedes Kind gewann — zum grüßten Teil befriedigt waren. Ein Grammophon brachte lauter neue Piecen zu Gehör, eine Laterna rnagiea zauberte Märchen vor die Augen der .Kinder, eine Wnndercamera außerdem bekannte, berühmte und beliebte Persönlichkeiten nuf die Leinwand, die von der Jugend lebhaft akklamiert wurden. Tie Schuljugend blieb bis 7 Uhr abends; wie lange die Jeunesie dorce beim Tanze blieb, das weiß der Berichterstatter nicht, da er kein Tänzer ist. Das abgehalteue Fest hat seine,, großen mornlischeu Wert darin, daß unsere Jugend zum jüdischen Bewußtsein kommt und der Eindruck in der Jugend ein bleibettder ist. Tie „v e r s ch ä r f t e S o n n 1 a g s r u h e" in G a - lizicn. Ma„ schreibt uns aus Kolomea: Zufolge des im österreichischen Parlamente neulich aufgewuchten Projektes der Verschärfung der «onnlagsruhe, das eine ungeheure Entrüstung seitens der gesamten jüdischen Kaufmannschaft Galiziens und der Bukowina bervorrief, luden am 14. ds. die Oberhäupter des zionistischen Vereines „Beth-Israel", Herr Tr. Sal. Rösenbeck und Herr Löbl Taubes einen Teil der Kaufmannschaft Kolomeas im oberwäbnlen Vereine ein und erklärten ihnen die Folgen und den Ruin der bei der Ber wirklichung dieses Projektes entstehen könnte; besprachen auch zugleich die Mittel, die sie jetzt zu ergreifen hätten, wo dann ein unS 13 Mitgliedern mit Tr. Rosenheck an der Spitze, bestehendes Komitee gewühlt wurde, das auch sofort mit der Schaffung einer diesbezügl. Aktion tätig vorzugehen anfieng. Schon in derselben Woche versammelte stch das Komitee allabendlich im Zion-Bercine und hielt dortselbst feine Beratungen ab. Freitag den 10. ds. wurden an allen Städten Galiziens und der Bukowina vom hiesigen Komitee abgcfaßte Zirkuläre verschickt, die über den Zweck dieses Unternehmens Aufklärung gaben und um Anschluß der gesamten Kaufmannschaft der beiden Länder baten. Samstag am 20. ds. um halb t Uhr abends fand im Rathaussaale eine von diesem Komitee einberufene Volksversammlung mit der Tagesordnung: 1. Besprechung über die projektierte Verschärfung der Sonntagsruhe. 2. Errichtung eines kaufmännischen Gremiums, statt. Tie Versammlung war zahlreich besucht. Znm ersten Punkt der Tagesordnung hielt zuerst Herr Dr. Rosenheck einen Vortrag, in dem er kurz und bündig auf bie Bedeutung der verschärften Sonntagsruhe für die gesamte jüdische .tkaufmannschaft Galiziens und der Bukowina, die noch an dett traditionellen und religiösen Gesetzen treu hält und diesen gemäß auch den Sabbat durch Ruhe weihet, hinwics. Nachher ergänzte Herr Taubes die Ausführungen seines Vorredners, indem er mit klaren, dem ganzen Publikum verständlichen Worten den Ruin schilderte, den die Sonntagsruhe, die staatliche Spezialeinrichtung, für die jüdische Kaufmannschaft, die die Majorität des galizischen und des Butowinaer Kausmannsstandes bildet, aus obigem Grunde herbeiführen würde. Redner behauptete auch, daß die Regierung mit solche« Oiesetzen keine besonders schlechte Absicht hätte und wenn sich das eine oder das zweite endlich für «ns Inden ja als schlecht erweist, da trägt nicht die Regierung die Schuld daran, sondern wir selbst, indem wir widerstandslos Zusehen und niemals unsere Gegenstimme hören lasten. Wir müssen eben — sprach er betonend — der Regierung zeigen, daß wir galizischen und Bukowinaer Juden jetzt auf dieses Oiesetz der Sonntagsruhe, das für uns eine OOstün dige Ruhe in der Woche auSmacheu würde, nicht eingehen können und absolut nicht eingehen wollen. Herr Taubes schloß seinen begeisternden und inhaltsreichen, mit großem Beifall ausgenommenen Vortrag mit der Verlesung einer vom Komitee verfaßten Resolution, die gegen die geplante: Sonntagsruhe Klage erhebt und in der erklärt wird, daß sich auch dieJudenGaliziens und der Bukowina gerne einer 24respektive 30stündigen Ruhe anschlicßen würden, aber nur unter Berücksichtigung des von der gesamten Judenheit Oializiens und der Bukowina gefeierten und geweihten Sabbats. Tie Resolution fand Zustimmung seitens der ganzen Versammlung. Zum zweiten Punkt der Tagesordnung sprach zuerst Herr Isaak Weber, ebenfalls ein Mitglied dieses Komitees, hernach sprach Herr L. Lachs und dessen Sohn Advokaturskandidat Herr M. Lachs. Alle wiesen auf die Wichtigkeit und Notwendigkeit eines kaufmännischen Oireminms hin und erklärten zugleich, wie man durch ein solches allem Nebel abhelfen könnte. Tann wurde zu diesem Behufe ein ans 17 Männern bestehendes Komitee gewählt, das sich auch mit der Ausarbeitung der Statuten eines solchen Gremiums befasten wird. Tie Versammlung» die einen durchaus glänzenden Verlauf nahm, wurde hierauf seitens des Vorsitzenden Herrn Tr. Rosenheck geschlossen. Zur E z e r n o w i tz e r 0> e m e i n d c r a 1 s w a h l. Tie Landeshanptsiadt Ezeruowitz entsendet 50 Vertreter in den Gemeinderat, von denen 5 von den Vorstadtern und 45 in der inneren Stadt gewählt werden. Tie innere Stadt wählt nach demTreiklassen system. Im 1. und 2. Wahlkörper bilden die Juden eine erkleckliche Minorität, während sie im 3. Wahlkörper über die absolute Majorität verfüge«. Das lebhafteste Interesse konzentrierte sich in dieser Wahlsaison auf den 3. Wahlkörpcr. Bon den zu besetzenden 12 Mandaten standen 0 außer Diskussion, indem die Träger dieser Mandate von allen Parteien kandidiert wurde«, von der sog. offiziellen Partei unter Führung des Reichsratsabgeorbnetcn Dr. Benno Straucher und der sog. freisinnigen Bürgerparkei. Um die anderen 6 Mandate cnlbrannte ein lebhafter Kampf. Tiefe Wahlbewegung war vom jüdischen Standpunkte sehr interessant. Zum erstenmale versuchte es eine kleine Gruppe jüdischer Bürger gegen den Führer der hiesigen Judcttgetncinde, Abg. Tr. Straucher, Front zu machen und eine eigene Kandidatenliste aufzustellcn. Tie hiesigen christlichen Deutschen hatten ein lebhaftes Jnteresie, die bisher so imponierende starke Judenschaft der Landeshauptstadt Ezernowitz zu spalten, um die politische Macht des Tr. Straucher zu brechen. Diese Absicht war dadurch offenkundig, daß sich an die Spitze der sog. freisinnigen Vürgerpurtei der christlich-deutsche Reichsrats-Abgeordncte Universitätsprosessor Tr. Arthur Stedl gestellt hat. Das Kalkül der Christlichdeutsche« war einfach: T"s Mandat eines Reichsratsabgwrdnrten in den drei Städten Sereth, Suczawa, Radautz ist ihnen, dank der absoluten Oiewalt der Bezirkshauptleute über die Wähler, für unabsehbare Zeiten gesichert. Nun möchten sie auch das Mandat der Lnndcshatiptstadt Ezernowitz erobern. Wenn die Juden geeinigt und geschlossen dastehen, ist ihnen dies unmöglich. Oielingt es ihnen aber, einen Deutschen zum Judenfrennde Par excellenre zu stempeln »nd ihm einen Teil der jüdische Wähler gewogen zu machen, dann ist die jüdischeEinrgkeit zerstört und die Wahl eines christlichen Deutschen an Stelle der bisherigen jüdischen Abgeordneten gesichert. Dieses Kalkül war zu einfach und zu offenkundig, als daß nicht die politisch reife Judenheit in Ezernowitz die Absicht der Deutschen erkannt hätte. Am 17. v. M. fand die Wahl aus dem vielumstrittenen 3. Wahlkörper statt. Trotzdem sich die sog. Freisinnigen mit den hiesigen Polen verbanden, gelang cs ihnen dennoch nicht, es selbst zu einer ansehnlichen Minorität zn bringen. Sämtliche Kandidatett der offiziellen Partei wurden mit überwältigender Majorität gewählt. Von 1108 abgegebenen Stimmen erhielt Tr. Straucher 1026 Stimmen. Selbst der schwächste Kandidat der offiziellen Liste hatte 130 Stimmen mehr, als zur absolnten Majorität notwendig war. Eharakteristisch für die Geschlossenheit der jüdischen Wahlermaffen ist, daß von den 000 jüdischen Wählern des 3. Wahlkörpers mehr als 700 znr Wahl erschienen sind, von denen 500 die Zettel der offizielle,t Partei ohne jede Aendernng in die Urne geworfen haben. Tr. Straucher hat bei dieser Gelegenheit wieder einen glänzenden Wahlsieg erfochten und es wird allseits anerkannt, daß dieser Sieg in erster Linie seinem ganz bedeutenden organisatorischen und agitatorischen Talent zuzuschreiben ist. Tie gegnerische Partei hat nicht 20 gleichlautende Stimmzettel abgegeben, ein Beweis für die Zerfahrenheit und innere Schwäche der jungen Opposition. Die Leitung der Wahl im 3. Wahlkörper führte der Ausschuß des „Jüdischen Volksvcrciues" im Vereine mit dem von einer Wählerversammlung ausgestellten Wahlkomitee. Es wurden in einem Zeitraum von kaum 3 Monaten 30 größere und kleinere Versammlungen abgehalten. Von bejt 12 Okewählten sind 10 Juden, darunter allerdings auch Herr Adolf Wallstein, dessen Wahl von der gesamten lokalen Presie bekämpft wurde, weil er während seiner vieljährigen Laufbahn des öfteren Beweise seiner politischen Unverläßlichkeit gegeben hat. Er war einer der Mitbegründer des Deutsch-politischen Vereins, dessen wahrer Zweck, wie bekannt, auf die Spaltung der Judenheit gerichtet war. Herr Wallstein erkanfte sich und seine Wahl durch die feierliche Erklärung, daß er von nun ab seinen» Volke treu bleiben werde und daß er feine Zugehörigkeit zum Deutsch-politischen Verein aufgebe. Tatsächlich ist er aus dem Deutsch politischen Vereine ausgetreten und hat, wie der Erfolg bewies, tatsächlich den Lohn seines Abfalles ringeheimst: er wurde durch die offizielle Partei in den Gemeinderat für vier Jahre wiedergewählt. Wie es in den hiesigen Lokalblättern heißt, sucht er wieder Beziehungen zu den deutschen Freunde«. — Die Wahl in^den anderen zwei Wählerklassen ist für die Judenheit von geringem Jntereffe, da hier die jüdischen Kandidaten nur im Kompromißwege mit den andereit politischen Parteien gewählt werden können. Im 2. Wahlkörpcr ist die Wahl des Jüdisch-Deutschen Dr. Friedrich Billig stark in Frage gestellt, seine Wiederwahl jedoch nicht unwahrscheinlich, da es sich um die Erhaltung eines jüdische»» Mandates handelt, welches bei einer Bekämpfung dieses Kandidaten aller Wahrscheinlichkeit nach den Juden verloren gehen dürste. Saaz. Bei den am 20. v. M. vargeiwrnmcncn Neuwahlen iu die Vertretung der Knlmc-gemcindr wurden folgende Herren für die nächste dreijährige FnnkrionSperiode in den Gcmeindcausschust gctvählt: Tr. Adolf Anspach, T. Abclcs. SW. Abeles. Leopold Beckert. Gustav Brod, Adolf Epstein. I. Friedmmm. Tr. Eugen Grünfcld. Siegfried Glaser, Tr. L. Hcrfchtnann, Adolf Lang, Gustav Lieblich, Sigmund Lederer, Eduard Löwn, Tr. M. Löwh, Sigmund Löwy. Bernhard Lvwu, Ed. Löbl, Josef Meudl, Heinrich Melzer, Josef Nohcl, M. Rindskopf. Tr. B. Robitschek. C. Schlvagcr, Josef Singer, Julius Sommer, Ed. Stern, Alois Weil, Ad. Weiner, Sigmund Weiner, Adolf Weist topf. Ausland (nne Judcndcbattc in Rumänien. Im Senat nertiat ein Senator bei der Beratung des Ansuchens eines Juden mn Nationalisierung die Ansicht, die gesetzgebenden Körperschaften Rumäniens sollten angesichts der von den Juden im Anstande gegen i'h'nmänicn verbreiteten Verleumdungen eine gewisse Zeit! hindurch Juden das Oeimatseecht nicht verleiben. Senator W r a D i st e a lt n bekämpfte diesen Antrag. Unterrichtsminister Haret erklärte namens der Negierung, es gehe nicht an, einen Unterschied in der Behandlung der Ausländer zu machen. Man müsse die (besehe gegenüber jedermann mit (Gerechtigkeit und Gleichheit in Anwendung bringen. Was die gegen Rumänien in so reichem Maße verbreiteten Verleumdungen betrifft, so wolle sie der Minister nicht näher beleuchten. Tie Wahrheit werde cm den Tag kommen und man werde einräumen müssen, das; Rumänien tolerant und wohlwollend gegen jehennann, selbst gegen seine Feinde, sei; man dürfe aber den Verleumdern keinen Vorwand bieten, lLebhafter Beifall und Händeklatschens Das in Verhandlung stehende Ansuchen wurde bewilligt. Berlin. In« Verein jüdischer Studenten hielt Dienstag Maler Ro s e n b a u m einen überaus interessanten Vortrag über das Thema: „Gibt es eine jüdische Kunst?" Der Referent verneinte die Frage. An der sehr lebhaften Diskussion beteiligte» sich die Herren Eugen Mayer, Davis Trietsch und der ebenfalls anwesende jüdische Maler E. M. Lilien. Berlin. Der Verein russischer Studenten „K a d i m a h" veranstaltete Montag den 22. v. M. in den Fürstenberger Sälen eine Makkabäer-Feier, die einen großartigen Verlauf nahm. Eröffnet wurde der Abend durch einen sehr instruktiven, viel neues Material anführenden Vortrag des Herrn Tr. Zlocisti über „Moses Heß und die jüdisch-nationale Idee". Frl. Hermine Wolfs trug hieranf äußerst wirkungsvoll „Das große Wecken" von Israel Auerbach vor. ES folgten hierauf Oiesangsvorträge, sowie die Vorführung lebender Bilder. Große Heiterkeit rief die im Jargon vorgetragene Novelle „Ehanuka" von Scholem-Alechem hervor. Der Abend verlief sehr animiert und schloß mit einen» bis in die Morgenstunden dauernden Tanzkränzchen. Max Racher. Kiel. Das Kriegsgericht des ersten Geschwaders verhandelte gegen den Stcwardniaat Petzoldt vom Linienschiff „Kaiser Wilheim der Zweite" wegen Beleidigung des mosaischen Matrosen Max Hirsch, den er nach Antiscmitenart an Bord beschimpft und „Judcnjuuge" genannt hatte. Ter Bater des Hirsch reichte eine Klage beim Kommando des ersten Geschwaders ein und der Gerichts Herr erhob Anklage gegen den Petzoldt wegen Beleidigung. Da P. dem H. die Beschimpfung nicht direkt ins Gesicht gesagt, sondern anderen gegenüber gebraucht hatte, erkannte das Standgericht auf die Mindeststrafc. Der Verurteilte legte Berufung ein und beantragte seine Freisprechung mit der Begründung, daß er nicht die Absicht der Beleidigung des H. gehabt habe und betj Matrose an Bord allgemein „Jndenjunge" genannt werde. Die als Zeugen erschienenen Kameraden des H. bestritten entschiede», daß dieser an Bord »nit dem Schimpfnamen gerufen werde. Das Gericht verwarf die Berufung des Angeklagten als inrbegründet» da P. objektiv eine Beleidigung ausgesprochen habe. Es bedauerte gleichzeitig, das; es nicht in der Lage sei, die vom Standgerichte erkannte Strafe zu erhöhen, weil der Genchtsherr keine Berufung eingelegt habe; anderenfalles hätte cs die Strafe des P. erhöht, rufen. Hartnäckige Judentäuslinge. Kr. Tie Taufbewegnng unter den Juden, diese dem Sumpfboden der Assimilation entstammende Giftpflanze hat schon manche psychologisch interessante Blüte gezeitigt, und so wird man auch über die neueste Erscheinung auf diesen, Gebiete» den hartnäckigen» wir möchten beinahe sagen, gewaltsamen Täufling nicht mehr überrascht tun können. Drei „Taussälle" ereigneten sich in jüngster Zeit, welche obgleich der Schauplatz derselben räumlich sehr weit voneinander liegt, doch einen gewissen Zusammenhang haben. Ter Zusammenhang liegt in den Vorbedingungen für einen solchen Schritt, in der Tatsache, daß die Assirililationsbcstrchungcn der letzten fünfzig Jahrr das den geborenen Juden an das Judentum kettende Band immer mehr und mehr gelockert haben, bis es aufgehört hat, überhaupt eine Verbindung, ein Zusammenhängen des Juden mit dem Judentum zu bedeuten. Was Wunder, daß dann ein solchermaßen erzogener Jude auch die letzte äußere Spur, die sein Judentum verrät, aus der Welt zu schaffen sucht «nd offen bekennt, was schon längst der Fall war: d a ß e r k e i n I u d c i st! Tie drei Falle» welche uns die Anregung zu diesen Zeile» gaben, sind so charakteristisch, daß sie gewisiermaßen Schulbeispiele abgebei, für die sogenannten Beweggründe, von welchen unsere leichtfertigen Stammesgenossen bei ihrem „Konfessionswechsel" ge-

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