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Jüdisches Volksblatt · 1902-12-26 · 52 (26.12.1902) · p. Seite 4

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
4 (1902)
Issue
52 (26.12.1902)
Date
1902-12-26
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 26. Dezember 1902 Nr. 52 •;i 1 S‘ v5'U'i r*.;'j* -:i •*; i j; Vj» m Rame» des Rabbiners Dr. Stern die rechte Hand dem Bunde i» Prag und will in einer verklausierten Form uns die Linke reichen. Wenn die Herren Rabbiner mit Rabbiner Dr. Stern auf diese Art eine „Schöpfu,: g" — das sind die Worte dieses Herrn — zusammenbringen können, wünschen wir ihnen hierzu Glück! Wir selbst Wollten vor allem die Kultusvorsteher zu einer Zusammenkunftbewegen — Rabbiner Dr. Stern hatte jedoch mit seiner Feder dieses verhindert. Wir werden somit warten, bis etwa Rabbiner Dr. Stern und Dr. Rosenbacher die zwei Drittel Nichtrabbiner und das eine Drittel Rabbiner zur positiven Arbeit zusammenbringt. Jdnob. Prag. (Jüdischer Gesang- und Musikverei n.) Heber die am 0. ds. stattgefundene 3. Gründungsfeier dieses Vereines schreibt der bekannte Komponist und Musikschriftstckler Rudolf Freiherr von Prochazka im „Prager Tagblatt" folgendes: Am selben Abend, da zum erstenmale die Zaubergeige Usahcs die Prager ins Rndolphinum lockte und Frl. Camilla Götzl vom Berliner Westendthcater, durch den Verein absolvierter Handelsakademiker zu Gast geladen, im Wintergarten die Prachttöne ihres Organes fröhlich schmettern lieg, konnte man im Koir^ertsaale des „Hotel Central" ein Oratorium hören, unseres Wissens am Platze noch niemals aufgcführt: Zion von Niels W. Gade für Chor, Baritonsolo und Orchester. Die anerkennenswert künstlerische Tat stellte der Leistungsfähigkeit des jung aufblühenden Vereines und seinem ersten Dirigenten Richard Taussig ein so ehrendes Zeugnis aus, daß wir von dieser Seite mit Recht eine willkommene Bereicherung unseres Konzertlcbens erwarten dürfen. Gades nicht allzu umfangreiche Kantate — eine epische Schilderung der „Wanderung aus Egypten", der „Gefangenschaft in Babylon" und der „Heimkehr Israels" — stellt an die Ausführenden größere Ansprüche als an den Hörer. Es ist ein namentlich im ersten Teil auch in instrumentaler Richtung interessantes Werk des Komponisten, der allerdings nicht ungestört mit seiner Muse bei der Arbeit war: Haendel klopft ihm oft leutselig auf die Schulter und Mendelssohn drückt ihm wiederholt verbindlich die Hand. Die Musikfreunde, die unter dem zahlreichen Publikum fehlten, hätten trotz der konkurrierenden Kunstgenüsse au anderen Orten, diese Aufführung nicht versäumen müssen — sie begann ziemlich spät und es schlug gerade Mitternacht, als man nach Schluß des Werkes dem Dirigenten Herrn Taussig mit lauten Ovationen, unter Tusch und Lorbeerkränzen für sein eifriges Bemühen dankte. Einen großen Teil des Beifalls durfte auch Herr Leo Mirsky für sich in Anspruch nehmen: das Baritonsolo fand in ihm einen ebenso stimmbegabten als geschmackvollen Interpreten. Die erste Abteilung des Konzertes, das als dritte Gründungsfeier des Vereines galt, brachte neben selbständigen Vorträgen der mitwirkenden Kapelle des Inf.-Reg. Nr. 88 Schutzmanns „Zigeunerleben" für gemischten, das Winterlied von Mayer-Olüerslcben für Damenchor mit Klavierbegleitung (Frl. Zdenka Adler), Hebräische Gesänge für Chor und Orchester. Der stattliche Chor entledigte sich hier unter Taussigs, dort unter des zweiten Dirigenten Franz Adlers frischer Leitung auch dieser Aufgaben in lobenswerter Weise. Solistisch traten Frl. Ada Hauer als Sängerin und Herr Franz Adler als Violinist auf. Erstcre fang mit ihrem kräftigen, bildr.ngSfähigen Altorgan und nun guren Intention-?:-! Rubinsteins Afra und die erst jüngst von Frau Boudemont-Redtwitz gehörte Arie der Dalila aus Saint-Saens Oper; der letztere führte sich mir Bachs Arie für Violine mit Klavier- und Streichquartett- Begleitung bis auf das hier nicht stilgcmäßc Vibrato vorteilhaft ein und brillierte noch mit einem „Perpetuum mobile" eigener Komposition. Beide Solisten erwärmten das Publikum zu großem Beifall, was nicht wenig besagen will bei der geradezu mörderischen Kälte und Zugluft, die den Aufenthalt im Saale, namentlich in den Logenräumcn, höchst ungemütlich machte; nicht nur das Klavier war darob verstimmt. Eine geregelte Temperatur ist die Hauptbedingung, wenn der schöne akustische Saal für unser Konzertlcben gewonnen bleiben soll. R. F. P. Der Verband der i s r n c l. Handwerker Böhmens ist eifrig bemüht, seine sich gestellten Aufgaben dnrchzuführen und kömmt allmählich die Einsicht zum Durchbruch, daß nur durch eine gute und zietbewnßte Organisation das Handwerk im Judentum gehoben und gekräftigt werden kann und sehen cs auch die jüdischen Handwerker und Mitglieder dieses Vereines ein, daß nur mit vereinten Kräften das Ziel erreicht werden kann. Es kommen täglich neue Anmeldungen vor, jedoch hält sich noch immer die große Zahl der jüdischen Handwerker ferne. Dieser Tage sind die Adreßlisten der dem Verbände angehörigen Mitglieder in Druck gegeben, um daun versendet zu werden, auch die Einlndunsen zum Beitritt find an die isracl. Kultusgemeindc abgegangen und hofft der Verband der jüdischen Handwerker, daß sich jede Gemeinde anschließen wird, um an diesem großen Werke mitzuarbeiten und daß alle Vorstände der betreffenden Gemeinde» den richtigen Begriff davon haben werden, wie eine derartige Körperschaft nutzbringend und belebend wirken kann und darum sollten alle unsere Glaubensgenossen sowie alle dazu bernfencn Organe dazu beitragen, daß die Bemühungen der jüdischen Handwerker Böhmens von Erfolg begleitet seien. Daß diese Bestrebungen auch von autoritativer Seite anerkannt wurden, zeigt, daß der Präses der Landeshauptstadt, Herr Dr. Rosenbacher das Gesuch an die Repräsentanz der Kultusgemeinde Prags um eine Subvention in wohlwollendster Weise befürkvortete und nicht nur die sofortige Auszahlung von 200 K. anordncte, sondern auch seine moralische Mithilfe in jeder Hinsicht versprach. Auch ein gründendes Mitglied ist dem Verbände mit dem Betrage von 50 K. beigetreten und so hofft der Verband, daß es ihm gelingen wird, den statutarisch bestimmten Verpflichtungen mit Hilfe aller Einsichtigen und der mit dem jüdischen Handwerke fühlenden Gönner nnchznkonnnen. Kolomea. Samstag den 0. d. M. spielte ein ruthemsches Theater im hiesigen Sparkasstn-Saale das Stück „Uriel Acosta" von Gutzkow, ins RiUheiiische übersetzt. Es hatte einen sehr zahlreichen Zuspruch seitens der jüdischen Bevölkerung. Da die Nuthenen sich zumeist ans Bauern rekrutieren und diese dem Theater kein Interesse entgegenbringen, Polen jedoch nicht in ein ruthenischeS Theater kommen, besonders wenn, wie jetzt, ein jüdische- Stück gespielt wird, bestand da- Publikum zumeist au- Juden. Aus diesem Falle ersieht man wieder da- Bestreben der ruthenischen Bevölkerung, die Juden an sich heranzuziehen, um gemeinsam gegen die Polen zu kämpfen. Aber die Juden Galiziensind noch weit davon entfernt, gegen die Polen aufzutreten, da sie glauben, diesen aufrüherer Zeit noch Dank schuldig zu sein. Ob die Ruthen«« gegen sie besser wären, wenn diese die herrschende Partei im Lande würden, wissen die galizischen Juden nicht, und so dürfte voraussichtlich auch in absehbarer Zeit eine Veränderung in dem Verhältnisse der Nationalitäten und Parteien kaum eintreten. — Infolge dieser Theater-Aufführung war auch an diese« Abende die Zahl der Besucher der Toynbee-Halle sehr gering, in welcher der Herr Präsident Dr. Salomon R o s e n h e ck seinen wöchentlichen Vortrag beendete. — Dienstag den 9. d. M. hielt im hiesigen Zion-Verein „Beth Israel" ein Jude au-Jerusalem, namens Abraham den Tumim, genannt Abraham H a ' I w r i, der auch am Toynbee- Abend gesprochen, einen Vortrag über da» Thema: „Zionismus und Judentum". Er ist, wie er selbst erzählte, ein gebürtiger russischer Jude und war früher in einer Stadt NnßlanoS Lehrer von Berns. Er war schon damals zionistisch gesinnt. Es existierten schon damals in einigen Städten, wie Charkow, Kiew u. s. w., zionistische Vereine, an denen er sich stark beteiligte und zu deren Entstehung und Bestand er viel beigetragen hat. Eines Tages — eS war dies in den Jahren 1881/82 — als die Judenverfolgungen plötzlich auSbrachen und viele der Verfolgten den Wanderstab ergreifen mußten, um nach entfernten Ländern jenseits des Ozeans auszuwandern, enstand unter den Auswanderern, wie allbekannt, die Bewegung, nach Palästina zu emigrieren, um dort sich dem Ackerbaue zu widmen und Kolonien zu begründen. Er schloß sich einer Gesellschaft von Gymnasiasten und Akademikern an, die nach unserem heiligen und lieben Baterlande ging. Als er nach Palästina kam, widmete er sich einige Jahre hindurch dem Ackerbaue. Als er aber infolge der Mißwirtschaft in den Kolonien und der Einstellung der Subventionen seitens des Baron Rothschild verarmte, ging er nach Jerusalem, wurde dort wieder Lehrer der hebräischen Sprache, redigierte zeitweise verschiedene Zeitungen, die er aber alle infolge Mangels an Geld und Abonnenten sistieren mußte. — Samstag den 13. d. M. veranstaltete der Verein „Beth Israel" wieder einen Toynbee- Abend, an welchem Advokaturskandidat Marek Lacheinen Bortrag über „Die Verfassung des österreichischen Parlamentes" hielt. Nach dem Tee, welchen der alte Wirt Herr Widder jeder Dame selbst reichte, hielt noch Akademiker Hörer einen kurzen Vortrag über „Die Kritik des Parlamentes", in dem er sozialistische Ideen entwickelte. Schließlich trug noch der Präsident Herr Dr. Rosenheck auf allgemeines Verlangen einige unterhaltende Anekdoten vor, mit denen auch dieser Abend schloß. ‘ ,• I. G. Kultus st euer und Taufe. Man schreibt uns aus Nokitzan: Weit mehr als durch den ärgsten Feind »st das Judentum gefährdet durch den inneren, an seinem Lebensmarke zehrenden — beit Jndiffercntismus, welcher cs verschuldet, daß gegenwärtig manche unserer Glaubensgenossen ihr Judentum einiger Kronen Kultussteuer wegen über Bord werfen. So hat unlängst Leopold S t e i n, Kaufmann in Mauth bei Nokitzan, infolge Differenzen mit der Kultnsgemeinde bezüglich der Kultnssteucr seinen Austritt aus der jüdischen Religionsgenossenschaft bei der Behörde angemeldct. Podwoloczyska. Die herrlichste Erscheinung des jüdischen Volkes ist das jüdische Weib; eine der zartesten Saiten im Herzen des Judentums ist der bewährte Wohltätigkeitssiim der jüdischen Frauen. Ter gibt und spendet, wo ex angerufen wird, er schützt und stützt, ohne viel zu fragen. Tie jüdische Frau ist vermöge der ihr von der Natur cingcgebcnen Begeisterung für alles Schöne und Erhabene stets der „Faktor" gewesen, der das Judentum im Hoffen bestärkt und zu eminentem Schaffen und Unternehmen angetneven. Mirjam schlug voller Begeisterung die Pauke, als Moses das Judentum begründete, und ihre Begeisterung begeisterte die Umgebung. Tcbornh sang voll Entzücken, als die jüdischen Männer im aufgeregten Kampfe gegen ihre Feinde schier verzagten, und ihr Lied ermutigte die jüdische,, Krieger, deren Kraft sich erneuerte, deren Geist den Sieg davontrug — so war es immer im Judentum, daß die jüdische Frau in ihrer Zartheit das Unternehmen des Mannes gestählt, ihn zur weiteren gemeinnützigen Tätigkeit animiert, 'seinen von den Tagesmühen erschlaffenden Geist erfrischt hat. Auch unsere Frauen lassen cs sich nicht nehmen, wo es gilt, unsere Leistungen durch ihr Mittun zu verschönern. So wurde in Zlvezow der jüdische Frauen- und Mädchcnvercin „Ohel Leah" ins Leben gerufen, über den das „I. V." vor etwa einem Monate berichtete. Ter Verein, der sich die Aufgabe gestellt hat, jüdische Literatur und Geschichte zu pflegen, hebräisch zu studieren und dabei materielle Unterstützung Inden zu gewähren, veranstaltet an diesem Ehaurrtäh eine Makkabäerfeier mit bestem Programm, wozu illustre Männer und Frauen ihre Beiträge versprachen. — Dem ebenso genialen als intclligentenFräulein Sarah Wnschitz, das notorisch ausgesprochen jüdisch-national ist und große Liebe für das jüdisch« Volk und die heilige Sprache besitzt, danken wir es, daß dieser Gedanke auch in Zloczow zur Geltung kam. Mit spezifisch jüdischweiblicher Zartheit verstand es diese echte Zionstochtcr, ein anfangs winziges Häuflein verständiger Frauen und Mädchen um sich zu sammeln, und so sicht sie sich jetzt an der Spitze einer Schar begeisterter Dan'.en, die mit Liebe und Ueberzeugnug zu unserer Sache halten. Die Mirjams schlagen wieder begeistert die Pauke, die Deborah« singen abermals Lieder voll Entzücken, die Judiths haben neuerdings den Holofernes „Assimilation" ltm einen Kopf kürzer gemacht. P. E z e r n o w i tz. Siegreicher, als er cHvariet, hat Dr. Straucher am 17. d. M. die Wahlschlacht im 3. Wahlkörper geschlagen. Er hat seinem Gegner, der freisinnige:: Vierpartei, hierbei großes Unrecht zngefügt: er hat ihn ganz überschätzt. Die Ziffern des Skrutinirnns belviesen eS klar und überzeugend, daß der „freisinnigen Bürgerpartei" nur drei Dinge fehlten, um, tvie die „Nachrichten" an: Wahltage meinten, einem „sicheren Siege" eNtgegenzugehen. Und diese drei fehlenden Dinge sind: 1. der Freisinn; 2. die Bürger, und 3. die Partei. Sonst nichts. — Die für vier Jahre am 17. Dezember gewählten Gemeinderäte sind nach der Stinunenaipiahl: 1. Dr. Benno Strancher 1026, 2. A. M. Brunstein 1000, 3. Edmund Leo 084, 4. Wilhelm Tittinger 064, 6. Markus Karnpelmachcr 931, 6. Anton Beck 908, 7. Gerschon Oehlgießer 819, 9. Siegfried Saltcr 784, 0. Hersch Trichter 700, 10. Adolf W'allstein 702, 11. Elias Wender 722, 12. Isak Stecher 682 Stimmen. Als neue Männer ziehen die Herren Elias Wender und Isak Stecher in den Gemcinderat ein. Ersterer als Kandidat der Kaufmannschaft, für den sich diese am Wahltage auch mit großem Eifer eingesetzt hat. Der 3. Wahlkörper weist eine Wähleranzahl von 1768 auf. Davon entfallen (loir nehmen der leichteren Uebersichthalber runde Ziffern) auf: Inden zirka 000, Deutsche 300, Polen 260, Nuthenen 160, Rumänen 100. Abgegeben wurden im Ganzen 1107 Stimmzettel, darunter nicht weniger als 060 von Juden. Es hatten demnach von den jüdischen Wählern zirka. 76 Prozent gestimmt. Zieht man von der Gesamtanzahl die jüdischen Wähler ab, so verbleiben 457 Wähler für die anderen Nationalitäten. Nun ist es erwiesen, daß von den Nuthenen gegen 76, von den Polen 200 gestimmt haben, so daß noch für Deutsche und Rumänen 182 übrig blieben. Da aber die Skedlpartei im Duvchschnitte bloß 260 Stimmen auflvies, von denen 200 auf Konto der Polen zu setzen sind und von den 60 wenigstens 30 der Inden, so erhellt daraus klar und deutlich, daß die christlichen Deutschen ihren Führer Skedl ganz im Stich gelassen, d. h. desavouiert hatten. Wie alljährlich, veranstaltet der Verein „Zion" auch in diesem Jahre Sonntag den 28. ds. eine Makkabäerfeier im großen MnsikvercinSsaalc. Die Bereinsleitung hat alle Vorbereitllngen getroffen, um dieses große, nationale Fest würdig zu begehen. Aus dem überaus reichhaltigen Programm, das wir demnächst veröffentlichen werden, heben wir hervor, daß Oberrabbiner Roscnfeld die Festrede und Herr Dr. I. W,. Marmorck die Tendenzrede halten werden. Gcsangsborträge haben bewährte Männer übernommen. Das Neinerträgnis fließt dem Ferienheim und der Toynbee-Halle zu und ist deshalb ein reger Besuch zu erwarten. Näheres bringen die Tagesplakate. C z e r n o w i tz e r T o h n b e e - H a l l e. Das Mitglied der jüd.-aknd. Verbindung „Zephirah" stud. Phil. Brenner hielt daselbst Sonntag den 14. ds. um 7 Uhr abends vor einem großen Publikum einen Vortrag über „Pcrez Smolenski". Redner entrollt in populärer Weise ein Lebensbild dieses hervorragenden Mannes, der erst nach seinem Tode die entsprechende Würdigung gefunden hat. Der Name Smolensky verkörpert eine unvergleichliche Totalsumme von Arbeitskraft und Energie. Redner schildert auch den gewaltigen Existenzkampf, den Smolensky zu bestehen hatte und wie er einzig und allein den Wissenschaften gelebt hatte. Zum Schlnffe weist er noch auf die bedeutenden Schriften hin, durch die sich SmolenSky ein bedenteudes Denkmal setzte. — Samstag den 13. ds. besprach Herr Dr. Wichtel vor einem zahlreich versammelten Publikum die Umstände, die die Schaffung unserer Gewerbeordnung veranlaßten. In populärer Art beleuchtete der Redner den historischen Hintergrund der Gewerbeordnungen, schilderte kurz die sozialen Strömungen vo,r den ältesten Zeiten bis ans unsere Tage und erklärte die hentige Aufgabe der Soziologie. Am Schluffe feines Vortrages wies Herr Dr. Wachtel auf die Fortschritte der Arbeiter in ihrer politischen Machtstellung und aus die Wohlfahrtscinrichtungen, die erst in neuester Zeit für dieselben geschaffen wurden, hin. Der Staat erkenne immer mehr seine eigentliche Pflicht gegenüber der Arbeiterklasse und hoffentlich werden nach Beseitigung i-.cv Wirren in unserem Parlamente alle jene Wohlfahrtseinrichtttngen ins Leben treten, die noch ihrer Erledigung harren. — Samstag den 20. ds. spricht Herr Dr. Wender über die Chemie im täglichen Leben nnd Sonntag den 21. ds. Herr sind. jur. Schajowicz über die Entstehung des Talmuds. Karten sind im Bercinslokalc erhältlich. Die jüdisch-nationale Bewegung in Ungarn. In Ungarn, dem Lande des intolerantesten Chauvinismus, konnte der jüdischnationale Gedanke sich nur insolange ruhig entwickeln, als man ihm von oben keine Bedeutung zuschricb und an seine agitatorische Kraft nicht glaubte. Kaum hatte jedoch derselbe unter einer großen Anzahl der Juden Ungarns Anklang gefunden, stellten sich schon die Assimilanten ein, um die Betvegung durch Verlenindnngen zu hintertreibcn. Das Organ der zionistischen Bewegung in Budapest, die „Ungar. Wochenschrift", hatte zunächst darunter zu leiden. So schreibt dieses Blatt in seiner jüngsten Nummer: „Einen harten Kampf, wie man sich ihn nur schwer Porstellen kann, hat die „Ungarische Wochenschrift" wegen ihrer begeisterten zionistischen Richtung gegen Gehässigkeit, schurkische Verleumdung nnd Anfeindung zu bestehen, wo man sich der schmutzigsten Waffen bedient. Diesen: Umstande ist es bekanntlich znznschreibcn, daß unser Redakteur, der hauptstädtische Kommunallehrcr Herr Julius Gabel die verantwortliche Redaktion zurücklegen nnd Herrn M,. Schweiß übertragen mußte. Es ist nun unseren Hassern gelungen, auch diesen braven Mann einznschüchtcrn, so daß die berantivortliche Redaktion der „Ungarischen Wochenschrift" demnächst wieder gewechselt werden dürfte." Das erste Opfer des Szell ' schen E inttonb er u n g s g e s e tz e S. Ans Munkacö wird geschrieben: Die mit Anti semitismus gepaarte Willkür der Mnntarser Hermandnd hat zur Rettung des von Juden überschwemmten Landes ein ehrliches Stück Arbeit vollbracht. Salomo:: Weisinunm, ein aus Galizien eingewanderter Jude ließ sich vor 10 Jahre,: in Mnnkacs nieder. Er wurde „Bchelfer" bei einem M.'lnmed (Talmud-Thora-Lehrer). Inzwischen heiratete der ehrliche Mann und eröffnete eben eine solche Schule auf eigene Regie. Nun fiel es dem löbl. Stadthauptmann dieses Ortes ein, „das von Juden auögcplünderte, nusgesaugte (?) Bcrcgcr Kvmitat" von einem dieser Quäler zu befreien. Er be schied den armen Lehrer zu sich und flugs war das Urteil gefällt: der arme Mann, ohne Rücksicht auf feine Frau und Familie wird in feine Heimat wie der letzte Verbrecher abgeschoben. Wir als Ungarn schämen unS einer solchen brutalen Tat. —k. A u s B u d a p e st scheibt uus unser Korrepoudent Rumänien gedenkt, die „Judenfrage", nach den aus Bukarest zu uns nach Budapest gelangten Blättern, durch die Taufe zu lösen. Die dortigen Blätter rerässentlichen die Datei: über die Auswanderung der Juden und berichten, daß seit Beginn der wirtschaftlichen Krisis 36.000 Juden ans Ruinänien auswanderten und

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