Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 4 (1902)
- Issue
- 52 (26.12.1902)
- Date
- 1902-12-26
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 52 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 26. Dezember 1902 Sdte 3 meinde. ES ist ja auch ganz klar, daß man einen Rabbiner und seine Fähigkeiten, seinen Charakter viel besser und sicherer in der ihm gewohnten Umgebung, wir möchten sagen in seinen Alltagswerk, zu beurteilen vermag, als wenn man ihn in eine neue, ungewohnte Sphäre versetzt und ihn eine Vorstellung geben läßt. Aus zwei Predigten von einer Dauer von je 15 Minuten kann man keinen Rabbiner beurteilen. Schließlich macht ja eine gut aufgebaute, nach einer Schablone verfaßte und „schön vorgetragene" Predigt noch immer keinen guten, den Zeitanforderungen angemessenen und den Wünschen des jüdischen Volkes entsprechenden Rabbiner. Gewiß, die Kenntnis der Sach suchen, P h i l i p p s o h n'schen, Maybaumfchen Reden, die Gewandtheit in den Regeln der modernen Homiletik, ein wohlgepflegter Bart und eine stattliche Erscheinung, sowie ein hübsches, wohlklingendes Organ mit einer guten Lunge sind sicherlich auch nicht zu verachtende Eigenschaften, aber sie machen noch immer keinen guten Rabbiner und Volkslehrer aus. Der Rabbiner soll ja sozusagen auch ein gnt.'r Jude sein, soll all das, was das Judentum heute bew-'gt, nicht nur wissen, sondern auch mitfüblen können, die Absicht und Befähiguug haben, au der Entwicklung des Judentunls mitzuarbeiten und die wirkliche Führerschaft seiner Gemeinde zu übernehmen. Die tiefere Beurteilung aller dieser Fähigkeiten kann aber nur auf Grund längerer Beobachtung des Wirkens eines Rabbiners auf feinem jetzigen Tätigkeitsgebiete und nicht dadurch erfolgen, daß man ihn aufmarschieren und eine Probepredigt halten läßt. Ja, früher fuhr die Gemeinde zum Rabbiner, aber heute und speziell in der sogenannten konservativen Wiener Kultusgemeinde ist es anders. Die Wiener Kultusgemeindeläßt wohlStudienreisen machen,wenn es sich darum handelt, wie mau aus dem Koscherfleisch-Monopol einen größeren Ertrag herausschlagen kann; sie bezeigt den ausländischen Schlachthäusern und ihren Insassen die Ehre ihres Besuches, aber der Rabbiner — das ist etwas anderes. Wir können doch nicht glauben, daß sich im Vorstande Männer finden, auf derenzUrteil in der Kvscherfleischfrage man sich eher verlassen kann, als in der Beurteilung eines Rabbiners. * * * Das Arrangement der Probepredlgten machte eine Verstärkung der Anzahl der Tempelordner notwendig. Gleich der erste Tempelordner, der mir am letzten Freitag beim Eingänge in den Tempel entgegentrat, weckte in mir schmerzliche Gefühle, traurige Erinnerungen. Es war an einem Sommermorgen. Ein kalter Sprühregen ging hernieder. Die Totenstadt war noch stille. Das traurige Tagesgeschäft hatte da draußen noch nicht begonnen. An diesem Tage wurde mein einziges Kuäblein begraben. Am Grabe, in welchem schon andere drei Kinder ihres vierten Kameraden harrten, rezitierte ein Mann das „El mole rachamim". Leise hatte ich mitgebetet. Da gab es mir Plötzlich einen Stich ins Herz. Dieser Mann, der hier die Funktionen eines Rabbiners versah, er wußte nicht, was er sprach, er schien sich das Gebet nur nach einem Muster eingedrillt zu haben, denn an Stelle der männlichen Suffixe, gebrauchte er unerbittlich die weiblichen Endungen. Zu meinem Schmerze gesellte sich das Gefühl der Empörung und ich dankte im Stillen Gott, daß ich iu der Lage war, das Gebet selbst zu verrichten. Dieser Mann war der Tempelordner, der mich im Tempel in seiner Uniform des Totenbestatters empfing. Wenn er so die Bankreihen abging und mit schneidendem Blicke die Anwesenden musterte, da kam es mir vor, als wollte er sie ausmustern. Mein Sitznachbar, ein alter, gebrochener Herr, fragte mich zitternden Tones: „Was suchen die „Liberer" da, gibt es denn nicht genug Schamvßim?' * * * Nach Dr. Brande sprach Dr. Brody aus Nachod. Dr. Brody ist der „erste Schwiegersohn" auf dem Plane. Allerdings ein sogenannter fremder Schwiegersohn. Doktor Brody ist nämlich der Schwiegersohn des Herrn Oberrabbiner Dr. E h r e n f e l d in Prag. Wie uns aus Prag geschrieben wird, hat sich der Präsident der dortigen Knltusgemeinde für Dr. Brody bei der hiesigen Kultusgemeinde mit großem Applvmb eingesetzt. Seitdem die Prager Kultusgemeinde den Dr. K a m i u k a seinerzeit aus Prag weg und über Esseg nach Wien hiueingelobt hat, sind wir, offen gestanden, gegen Prager Empfehlungen etwas pessimistisch geworden. Es macht den Eindruck, als betrachte die Prager Gemeinde die Wiener Kultusgemeinde und hiesige jüdische Institutionen als eine gute Versicherungsgesellschaft gegen Unfälle, die ihnen durch das Nichtanbringen oder Nichtloswerden , der Rabbiner oder deren Schwiegersöhne erwachsen könnte. Man nlnß sich auch endlich einmal fragen, warum denn alle diese wanderlustigen Schwiegersöhne es auch nicht vermocht haben, anderswo unterzukommen? In Deutschland waren im Laufe der letzten zwei Jahre eine ganze Anzahl von Rabbinerposten mit kleinerem und größerem Wirkungskreise ausgeschrieben und unsere Kandidaten aus Deutschland konnten oder wollten (?) keine dieser Stellen erlangen. Die Brunner Kultusgemeinde sucht schon lange einen entsprechenden Rabbiner,,, ein großer Teil der Wiener Kauditaten hat sich in Brünn direkt oder indirekt durch Vorträge offeriert und Brünn —■ hat noch keinen entsprechenden Rabbiner gefunden. Die Predigt Dr. B r o d y s war eine regelrechte Tendenzrede und die Tendenz ist eine schöne, löbliche. „Was uns fehlt," sagte Dr. Brody sehr richtig,' „sind Männer, die nicht nur die Fähigkeit besitzen, als tüchtige Geschäftsleute irdische Güter zu sammeln und sich für allgemeine hohe Ideale zu erwärmen, sondern auch Zeit finden und den Willen haben, rein jüdischen Angelegenheiten ihre Kraft und ihr Vermögen zu widmen." Es ist nur schade, daß das Organ des Dr. Brody den großcn Raum des Tempels nicht fasieu konnte, wodurch der Effekt der sonst sehr beachtenswerten rednerischen Leistung eine nicht unbedeutende Einbuße erlitt. Die Probepredigteu dürften wenigstens den einen guten Erfolg habe», daß der Kultusvorstand hie und da Wahrheiten zu hören bekommen wird, an die er im Tempel der Seitenstettengasse bisher nicht gewohnt war. Die jüngste Probepredigt brachte übrigens eine löbliche Neuerung. Der Unfug, gleich nach der Predigt den armen Probekandidaten dem Heißhunger der „Experten" zu überliefern, wurde abgestellt. Es soll nunmehr über je fünf auf einmal abgeurteilt werden. Arme Rabbiner! Chronik. Inland. Danksagung. Anläßlich unserer goldenen Hochzeit sind uns von nah und fern so viele Glückwünsche zugekommen, daß eS uns nicht möglich ist, jedem extra zu danken, was wir hiermit auf diesem Wege tun. Außer den Verwandten und Bekannten danken wir insbesondere dem Herrn Oberrabbiner Dr. Adolf Schmidt, sowie dem hochlöblichen Jüdischen Volksverein im II. Bezirk und dem hochlöblichen Jüdischen Volksoerein im IX. Bezirk, dem Tempelvorstand am Volkert und dessen Rabbiner Herrn Dr. Daniel Fink. Hochachtungsvoll Israel u. Minna Plaschkes. Probepredigten. Herr Rabbiner Dr. Moriz Bauer aus Gaya hält Freitag den 26. Dezember d. I. bei dem Abendgottesdienste, der um 4 Uhr 15 Min. beginnt, im Leopoldstädter Tempel, Tcmpelgasse, die Predigt, und am Samstag den 27. d. Mbei dem um 3 Uhr nachmittags stattfindenden Jugendgottesdienste im Stadttempel, 1. Bez., Seitenstettengasse, die Exhorte vor den Mittelschülern. Nächste Woche hält Herr Rabbiner Dr. Armand Kaminka im Lsopoldstädter Tempel am Freitag, den 2. Januar 1903 becm Aberrdgottesdienste, der um 4 Uhr 30 Min. beginnt, die Predcgt, und Samstag den 3. Januar 1903 im Stadttempel bei dem um 3 Uhr nachmittags stattfindenden Gottesdienste für Mittelschüler die Exhorte. Der neue Kriegsminister. Freiherr von Krieghanuner hat als Kriegsminister seine Demission gegeben. Es wird allenthalben behauptet, er sei sogar gefallen. Die Vorgeschichte der Demission ist männiglich bekannt und wir können uns ersparen, auf dieselbe zurückzukommen. Man wird cs uns wohl verzeihen, wenn wir uns bei der Besprechung des Falles eine gewisse Reserve auserlegen, die wir einzuhalten uns umsomehr verpflichtet erachten, als wir in militärischen Fragen einige Zurückhaltung für geboten erachten. Wir Juden haben alle Ursache,, der militärischen Institution mit I einem gewissen Respekt zu begegnen. Wir verkennen nicht die hohen Aufgaben, welchen die Armee in Krieg und Fraieden obliegt. Namentlich um uns Juden stünde es schlecht, wenn der Mob in Bluse und Frack bei Exzessen und Ausschreitungen nicht sürchten müßte, von den Bajonetten niedergehalten zu werden. Der SturzKrieghammers als Rcichskriegsmiuister kam nicht unerwartet. Man war mit seinem Regime weder in militärischen noch in parlamentarischen Kreisen einvcritan'oen und batte nicht wenig Ursache zu allerhand Klagen u.w Beschwerden. Uns Juden widerstrebt es, auf den Gefallenen einen Stein zu werfen. Denn das lateinische Sprichwort „Tw mortuis nil nisi öcne" — man. soll Toten nichts Schlechtes nachsagen — bildet das jüdische Diktum. Wir wollen daher über das Regime Krieghammers den Schleier der Vergessenheit ziehen. Wir Inden sind es in letzter Linie, die der Ministerschaft Krieghammers eine Träne nachzuweinen Ursache haben. Wir hltbcn uns nicht damit zu beschäftigen, das; cs ihm an organisatorischem Talent mangelte. Allein wir hatten es tief zu beklagen, das; ihm eine universelle Bildung abging, daß er sich in seinem Amte von kleinlichen Anschauungen, leiten lies;, daß es ihm an großen Konzeptionen fehlte. Jnsbesenders hatten wir Juden darunter zu leiden, daß Baron Krieghanuner mit dem unausrottbaren atavistischen Erbübel aller Arier: Animosität gegen den jüdischen Volksstamm, behaftet gewesen ist und das; es ihm nicht gelingen konnte, sich von dem Vorurteile oer Erziehung zu befreien und er, der auf der Zinne der Macht gestanden, nicht die Objektivität besessen hatte, der momentanen antisemitischen ^tröinnng Widerstand zu leisten. Während der Ministerlausbahn Kriegbannners sind in der Armee bedenkliche Erscheinungen zutage getreten, die ihr Entstehen nur der Duldung durch die Kriegsverwaltung znznschreiben haben. Im Vormärz, zur Zeit der finstersten Reaktion, war der Antisemitismus in der österreichischen Armee verpönt. Die Verhöhnung und Verspottung eines jüdischen Soldaten wurde mit den strengsten Disziplinarstrafen geahndet. Während der letzten Jahre der Amtsperiode Krieghammers dagegen sind die Fälle der Verhöhnung und Verspottung jüdischer Soldaten wieder häufiger zum Vorschein gekommen. ES ist ein öffentliches Geheimnis, daß ein dem Kriegsministerinin Krieghammer zugeteilter Oberst in seiner Beförderung znm General deshalb präteriert ivurde, weil er Jude gewesen und sich weigerte, um den Preis der Generalscpanletten den Verrat an dem heiliget! Glauben seiner Väter zu vollziehen. Nicht minder bekannt ist cs, daß schon einige Jahre hindurch jüdischen Medizinern der Zutritt zur militärärztlichen Praxis verwehrt wird, angeblich deshalb, weil das militärarztliche Offizierskorps zu viel verjudet sei, weiters aber auch deshalb, weil ucait den Terrorismus der antisemitischen Kläffer fürchtet. ES soll sogar eilt. Numerus clausus für jüdische Militärärzte eingeführt worden sein und die Aufnahme jüdischer Aspiranten nur nach Maßgabe von freiwerdenden Stellen erfolgen, dürfen. Alle diese den Inden, feindseligen Akte sind unter der Ägide des Ministeriums Krtegyammer erfolgt und wir müssen ihn als Chef der KriegZverivaltnng direkt dafür verantwortlich machen. Nun ist Freiherr von Krieghammer still geworden. Le roi est morte, vive le roi. Ein Kriegsminister ist gegangen und ein anderer erscheint auf der Bildfläche. Wir haben' vielen Grund, den ueueruaimten Kriegsminister Ritter v. Pi Lire ich mir Freude zu begrüßen. Denn eS ivird demselben nachgerühmt, er besitze eine universelle Bildung, er sei ein guter Organisator, er besitze angenehme Umgangsformen und sei frei von jeder Voreingenommenheit lind jedem Vorurteil. Wir Inden haben uns unter dein tausendjährigen Drucke eine allzu große Bescheidenheit angeeignet, größer als uns dienlich erscheint. Wir verlangen von dem neuen Chef der Kriegsverivaltling nicht mehr, als daß er den jüdischen Soldaten ohne Unterschied der Charge und des Ranges gleich seinen arischen Kollegen behandle und das; er den jüdischen Soldaten gegenüber volles und gleiches Recht ivalten lasse, wie es Gesetz und Recht vorschreibe, wie es die Staatsgrundgesetze verbriefen, ans die er bei seinem Amtsantritte einen heiligen Eid geleistet. Die jüdischen Soldaten sind gleich ihren arischen .Kameraden mutig und tapfer, im Kriege und Frieden den letzteren gleichwextig und gleich verwendbar. Beweis dessen, daß die jüdischen Soldaten in unzähligen Fällen Vvn dem Allerhöchsten Kriegsherrn bei jedem passenden Anlasse belobt und ausgezeichnet wurden sind. Die Schlachtfelder, ans denen die österreichische Armee gekämpft, sind auch reichlich voin Blute jüdischer Soldaten getränkt. Wir geben daher der zuversichtlichen Erivartnug Ranni, das; der nenernannte Kriegsminister die in der österreichischen Armee im Entstehen begriffene antisemitische Strömung mit aller Macht unterdrücke und daß er den Inden als Soldaten nicht differenzierend behandln werde. Der theologische Verein der Hörer der isr. Lehranstalt in Wien veranstaltet am Sabbath-Chanukah den 37. Dezember l. I. im Bclh-Hamidrasch, 3. Bez„ Ternpelgafse 3, einen Festgottesdienst. Tie Festprcdigt hält cand. theol. M. G. M ehre r. Begin,r des Gottesdienstes präzise 3 Uhr früh. Gäste willkommen. W i e n. Der Verein zionistischer Frauen und Mädchen in Fünfhaus hat beschlossen, jeden Mittwoch von 3—6 Uhr nachmittags eine beträchtliche Anzahl nnbömittelter Kinder unter Aussicht eimger Damen in einem warmen, erleuchteten Raume ans ganz zwanglose Weise mit Spielen, Turnen, Vorlefen, Singen usiv. zu beschäftigen und ihnen eine Jause zu geben. Ter Verein verfolgt mit dieser Absicht den doppelten Zweck: in Anspruch genommene Eltern der Sorge um die Kinder für die freien Nachmittage zu entheben und letztere in angemessener, jüdischem Geiste entsprechender Weise zu beschäftigen. Wir bitten deshalb inständigst, uns in diesem Bestreben dadurch zu unterstützen, daß die geehrten Gesinnungsgenossen für jeden dieser Tage 10 Kreuzer, zusammen also für die noch in Betracht konnnendcn drei Wintermonatc fl. 1.20 beisteuern. Sollten die verehrten Gesinnungsgenossen unser Anliegen erfüllen, so senden sie, bitte, genannten Betrag vollständig oder nach Belieben in wöchentlichen und monatlichen Raten, in Briefmarken oder Geld an die unten angegebenen Adressen. Die erste Jause soll ausnahmsiveise am Sonntag den 28. Dezember stattfinden', da mit derselben eine Channkafeier verbunden werden wird. Den Kindern wird die Bedeutung des Festes durch die Erzählung der Makkabäergeschichte erklärt tverden, darnach sollen die Kleinen beim Scheine der Channkalichter das Channkalied singen, worauf eine festliche Bewirtung und Beschenknng derselben erfolgt. Sollten die verehrten Glaubensgenossen in irgend welcher Weise durch Spenden bon Geld, Gebäck, Spielsachen, gebrauchten oder neuen Kleidungsstücken zu der Verschönerung des Festes beitragen wollen, wozu sie sich gleichfalls der angegebenen Adressen bedienen mögen, so würden wir ihnen unendlich dankein Der Vorstand des Vereines zionistischer Frauen und Mädchen in Fünfhaus. Frau Pick, Mariahilscrstraße 140. Frau Kahane, Mariahilferstraße 133. Frau Baad, Neubaugürtel 20. Wien. (I ü d i s ch e r Verein jugendliche r A rbeiter Wiens.l Sonntag beit 28. Dezember 1902 findet im Saale des „Cafe Neptun", 20. Bez., Mathildenplatz Nr. 7, eine Makkabäer-Feier unter gefälliger Mitwirkung bc3 Herrn Richard Großmann, Mitglied des Jantschtheaters, Herrn Siegfried Grüner, Mitglied des Carlthcatcrs und anderer vorzüglicher Kunstkräfte statt. Festrede, gehalten von Herrn Dr. Max Bernhardt. Juxpost, Juxlotteric. Das Neinerträgnis fließt der zu gründenden Ortsgruppe „Brigittenau" zu. Beginn präzise halb acht Uhr abends. Garderobe frei. Ausführliche Programme an der Abendkasse. Eintrittskarten zu 40 Hellern (an der Kasse 50 Heller) sind zu haben: 1. Bez.: „Jüdischer Turnverein", Mölkerbastei 6; „Cafe zur Börse", Wipplingerstr. 35. 2. Bez.: Administration des „Jüdischen Volksblatt", Leopöldsgasse 49; Papierhandlung Böhm, Kleine Pfarrgasse 4; Tabaktrafik Taborstraße 3; Tabaktrafik Stefanicstraßc 13. 9. Bez.: Kongreßbureau, Türkenstraße 9. 20. Bez.: „Cafe Neptun", Mathildenplatz 7; Tabak-Trafik Mathilde nplatz 1; Frisiersalon Salartder, Klosterneuburgerstraße 2; Frisiersalon Jägerstraße 18, sowie bei allen Komitee- und Ausschuß-Mitgliedern. Chanuka-Feier der Talmud-Thora-Vereins-Volksschule, 2. Bez., Malzgasse 16. Sonntag den 28. Dezember, 4 Uhr nachmittags findet im Tempel der Talmud-Thora-Schule, ivie in den Vorjahren, eilte Channka-Feier statt. Die Mitglieder und Gönner des Vereins werden zur Teilnahme an derselben' hiermit höslichst eingeladen und fotmcit sich durch die Vorträge der Kinder voit den Leistungen der Schule überzeugen. Wochen-Programm der „Jüdischen Toynbee-Halle", 20. Bez., Karajaitgasse 20. Soitntag den 28. Dezeurber: Pros.: Dr. S. Ehrmann: „Grundzüge der Hautpflege". Montag den 29. Dezember: Samuel Meisels: „Der Friedensgedanke in jüdischer Beleuchtung". Dienstag dett 30. Dezember: Distttssioit über „Schule und Haus". Mittwoch den 31. Dezember: Konzert. Donnerstag den 1. Januar: Martin Buber: „Vorlesung aus dem jüdischen Almanach". Freitag beit 2. Januar: G. M. Mehrer: Bibel, Erklärung der Sidra. Samstag dett 3. Jantiar: Konzert. — Anmeldungen zu Vorträgen beliebe matt zu richten an Dr. I. Sadger, 9. Bez., Liechensteinstratze 16. Positive Arbeit. (Das A u s w c i s» n g s g e s e i?.)' tu Rumänien veranlaßt unsere österreichischen Inden, sich zu einer flemetttfimcit Aktion aller Glaubensgenossen zur Unterstützung der Glaubensgenossen in Numänietk zn verbinden. Die Answeisungsgesetze gegen die Juden in Oesterreich, die wir so oft besprochen, wirken merkwürdigerweise ans die Leiter unserer Glaubensgenossen, man möchte sagen, konkav. Dr. Rosenbacher in Prag als Präses des Bundes der Kultrrsgemeinden in Böhmen, oder Rabb.Dr.SimonStern aus Saaz, der Rabb. Auhew Emes, jeder für sich und alle zusammen, sehen nicht die tiefe Schlucht, die sich sukzessive zwischen den Inden und der anderen Bevölkerung in Oesterreich aufschließt, oder sie sehen dieselbe ungern und schließen die Angcn. Die österreichische Gesetzgchnttg, der Reichsrat und die Landtage sind voll Sorgen, wie sie aus dem Nichtstun hernuötommen; dabei werden jedoch alle Gesetze gegen Reisende, gegen Hausierer, gegen Getreidehändler, gegen Börsianer, kurz, alle solche Gesetze, wo zn hoffen ist, daß man znm grüßten Teile nur den Inden trifft — vom Reichsrat weiterberaten und bewilligt — selbstverständlich so bewilligt, damit entsprechend dem Wunsche der Abgeordneten diese Gesetze nur den treffen, für den solche gemacht wurden. Und die Inden? Die Herren Rabbiner würden nach Ansicht des Herrn Rabbiners Dr. Simon Stern gerne sehen, wenn sich die Inden einigen, aber unter einer Bedingung: wenn mindestens ein Drittel Rabbiner in der seinsollenden Bercinigug Sitz und Stimme haben. Der Bund der Kultusgemeinden von Böhmen braucht gar keine Bereinigung; dem können neue Gesetze nichts schaden, und mit den alten kommt derselbe »nt ans. Daß man den Juden z. B. in Böhmen eine Kullusvorsteherlandeökammer bewilligen könnte, darüber soll laut Zuschrift des Rabbiners Tr. Stern den Leitern des Bundes in Prag, so auch in Wien von den staatlichen Behörden die bestimmte Zusage gemacht worden sein, „daß diese Art Bereinigung nicht bewilligt werden wird". Wir erlauben uns, zu erwidern: Dr. Rosenbacher in Prag, der Bündler ohne Fehl und Tadel, hatte uttS klar und deutlich zn verstehen gegeben, daß er nicht wünscht, daß die 40 Kultusgemeinden am Lande in Böhmen an einem Tage in Prag mit den Bnndesmitgliedern Zusammenkommen, bis die seinsollende Generalversammlung des Bundes, die Dr. Rosenbacher zusammenblnsen läßt, ablnnft. Trotz alledem reicht der Rnbbinerverband im