Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 4 (1902)
- Issue
- 51 (19.12.1902)
- Date
- 1902-12-19
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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Mt 6 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 19. Dezember 1902 Nr. 51 Der Verein jum „Januskopf". II. Wir. die von der Jüdischen Volkspartei, sind bekanntlich sehr derbe und ungeberdigeGesellen. Wir verstehen das politischeFleurett- Stohen nicht, haben nicht die Kunst gekernt, die Finten zu schlagen. Wir können nur zustohen, dreinhauen. Diese Kampfesart ist uns eigen, ans akademischen Disput lassen wir uns nicht ein. In unsachlichen Ausführungen den Gegner empfindlich zu verhöhnen, das ist unsere Kunst. Wenn wir dann ob solch törichtem Radikalismus von der antisemitischen Presse gelobt werden, haben tvir unser Tagewerk vollbracht und sind froh und heiter. So spiegelt sich in manchem jüdischen Philisterkopf und in manchem Spießergemüte das Bild jenes unerbittlichen und strengen Kampfes, den die Jüdische Volkspartei seit langer Feit um die Verbreitung der jüdischen National-Jdee führt. Hub niemand hat zu der Entstehung dieser Anschauung mehr getan, niemand hat mit stets neuer Schlauheit und trotz neuer Variations-Fähigkeit diese Anschamlng zu verbreiten gesucht, als die Herren von der „Union", diese edlen Vertreter des jüdischen Volkes, diese Politiker vornehmer Art, die nur mit lauteren Mitteln gegen uns zu kämpfen immer bestrebt waren, die niemals gegen Rothschild und Taussig gesündigt, die niemals an die soziale Einsicht der Massen appellierten und die sich stets, wie es den guten Juden zukommt, als Israeliten gefühlt haben, und die bis jetzt immer die seltene Kunst verstanden, ihre Ansichten so klar und deutlich zu verkünden, daß die programmatische Treffsiciierhelt der „Union" in Wien sprichwörtlich geworden ist. Zitternd und bebend wagen wir armen Sünder uns demgemäß nur schüchtern all den letzten Monatsbericht der „Le. I. U." heran. Welche Klarheit, welche eiserne Konsegucuz, und darin dieser StillI Jeder Satz bringt für sich allein den Gegner um. Die verehrte „Union" wirft uns also vor, daß wir Unfrieden säen, die „Union" dagegen sei bereit, einigend und klärend zu wirken. Sehen wir doch einmal zu, ob diese kühncir Behauptungen der Wahrheit entsprechen. Anläßlich der letzten Kultuswahlen hatte die Jüdische Volkspartei kein anderes Verlangen gestellt, als daß ihr Kandidaten nach „dem Verhältnissse der oppositionellen Stimmen" konzediert werden. Im Vorstande selbst tvar man vielleicht nicht einmal prinzipiell abgeneigt, aber kaum tvar die Frage ins Rollen, sofort schob sich das berüchtigte „Vereinigte Wahlkomitee" zwischen Wähler und Vorstand und begann daran zu arbeiten, eine friedliche Verständigung unmöglich zu machen. Wie weit diese Herren in ihrem haßerfüllten Eifer gingen, beweist der Umstand, daß selbst Männer, die nicht unsere Gesinnungsgenossen sind, wie Dr. Fialla, wegen dieser faktiösen Haltung aus dem Komitee austraten. Das nächste Heldenstück war die Ausarbeitung eines Programms, dessen wichtigste Stellen aus dem oppositionellen Programme abgeschrieben waren. Wir erheben nun nicht die in unseren Augen nebensächliche Frage nach der Priorität, sondern wir fragen: „An wen wandten sich die Herren vom vereinigten Wahlkomitee mit diesem Programm?" An den Kultusvorstand, sollte man erwarten. Weit gefehlt; dort sitzen fast lauter Kandidaten, die dieses Mahlkomitee gemacht hat, die jeden Augenblick die Möglichkeit haben, das Programm auch wirklich durchzuführen. Die Möglichkeit wohl, aber nicht den Willen. Damit erweist sich die Aufstellung dieses Progrcnnmcs als eitel Humbug und Wählerfang; schon jetzt, kaum eine Woche nach der Aufstellung, sangen die Herren an, ihr eigenes Programm zu beraten. Der offizielle Moniteur erklärt, daß „das Programm des vereinigten Wahlkomitees der Wiener Kultusgemeinde einen größeren Wirkungskreis vorschreibt, als cs mit den Anschauungen des Präsidiums der „Union" derzeit vereinbar ist!" Ja, dieses Präsidium der „Union" hat „derzeit" eben andere Anschauungen als seinerzeit; es hat seinerzeit erklärt — dies stellen wir nochmals fest — daß die „Union" sich nicht an den Wahlen beteiligen werde. Derzeit aber, zur Zeit der Wahlen, war es wieder anderer Anschauungen; so schaukelte es lieblich von einer Meinung zur anderen. Und das nennt sich Politik der „Union". Wir sahen der „Union" bei diesen Jongleurkünsten ettvas zu scharf auf die Finger, sie rächt sich jetzt, indem sie die Zionisten gegen uns auszuspielen versucht. Diese Anbiederungen entspringen einfach taktischen Erwägungen; es gibt in der Provinz Anhänger der „Union", die bloß in Unkenntnis ihrer antinationalen Haltung ihr folgen. Um den Abfall dieser Elemente zu verhindern, liebäugelten die Männer mit den zwei schönen Seelen in jeder Brust ein wenig mit dem Zionismus. Wie tief ihre Sympathien für den Zionismus gehen, beweist der Umstand am besten, daß sie in demselben Alem, in dem sie sich den Zionisten anzubiedern sucht, die Alter: gegen die Jungen irt der zionistischen Partei mrfzuwiegeln und dem Konditionslosen- und Katastropherrfonds einen gelinden Fußtritt zu versetzen sucht. Mir begreifen ja schließlich, daß die Herren von der „Union", nachdem ihre Liebestverbungen andernorts kein Gehör fanderr, sich nach Bundesgenossen umsehen. Aber sie sollten doch dies nicht in so auffallend perfider Weise tun, denn man bemerkt sonst die Absicht und Ivird nicht verstimmt. Die Montsschrift führt die Niederlage auf die Koalition der Zionisten mit mrs zurück, die Ursache der Niederlage ist aber der grenzenlose Wahlschwindet, der von gegnerischer Seite betrieben wurde und den toir ohne Widerspruch konstatiert haben. Glaubt denn dieser Skribent, daß ganz Wien die Tatsache vergessen hat, daß den Sieg bei den vorletzten .Killtusgemeirrdctvahlen ebendieselbe Koalition errungen hat? Aber die Herren bleiben ihrem Metier treu; kein Frieden mit der Opposition, aber das oppositionelle Programm wird abgeschrieben; blinder Haß gegen die Jüdische Volkspartei, aber alle politischen Leitsätze, wie sie in dem Parteiorgane niedergelegt wurden, tverden abgeschriebcn. (Siehe nur aus dem letzten Monatsheft die Artikel: Austritte aus dem Judentum, Ein liberaler Landtagskandidat, Die Zuschriften aus Mitgliederkreisen.) Und da halten sich diese Herren auf, tvenn man ihnen eine perfide Kampfesweise vorwirst. Wir wissen wohl, daß diese Kampfesweise von der Mehrheit der Mitglieder der „Union" mißbilligt wird; wir sind überzeugt, daß diese Mehrheit Gelegenheit firrden wird, zwischen sich und jenen arrderen Herren reinen Tisch zu machen. Der gegenwärtige Stand der Kolonien. In dem letzten Jahre hat die Kolonisation eine Reihe von Fortschritten gemacht, die zwar nicht so sehr in die Oeffentlichkeit traten, aber darum nicht minder erheblich sind. In erster Linie ist der Erfolg des WcingeschäfteS zu nennen, der dem größten Teile der Kolonisten eine Sicherheit für die Zukunft gewährt. Die Tranbenpreife find in dein Haushalte der meisten Kolonisten, besonders von Judäa, der entscheidende Faktor und diese befinden sich endlich auf einer festen Basis, die so lange gefehlt hat. Die Verkäufe gestatten, au den Tranbenpreisen von 1000 für die geringeren Sorten festzuhaltcu, währerrd die besseren sich einen leichten Preisabschlag gefallen lassen müssen. Aber das Wertvolle ist in dieser Berechnung, daß sie das Ergebnis der wirklich erzielten Preise ist und die Kolonisten jetzt mir so viel erhalten, als sic in der Tat verdienen. Damit hat die verschleierte Subvention aufgehört, die bisher in Form von Tranbenprcisen gezahlt wurde, die den wahren Wert derselben überstiegen. Die Einnahmen der Kolouisteu sind jetzt hoch genug, um ihnen ein bescheidenes, aber sicheres Auskommen zu gestatten. Aber freilich kommen noch viele Klagen von Palästina, die indessen alle ihre Erledigung finden würden, wenn die Kolonisten ihren Haushalt etwas ökonomischer regeln Ivürdeu. Konsumvereine uslv. würden dabei Wunder tun. Die Aufgabe der nächsten Zeit Ivird es sein, die Kolonisten zu einer Führung ihres Haushaltes zu erziehen, bei der sie die Vorteile der genossenschaftlichen Einkäufe und Verkäufe ausgiebig ansnützen. Nach einer anderen Richtung brachte dies Jahr einen sehr wesentlichen Fortschritt. Die „Jewish Colonization Association" sah sich in der Lage, ihre Verwaltungen in den judäischen Kolonien außerordentlich einznschränken. In der Tat haben die Kolonien uli^ Jaffa seit dieser Reform volle Selbstvertvaltung. Ob diese Reform die hochgespannten Erwartungen erfüllen wird, die man besonders in Rußland bei den dortigen Freunden der Kolonisation daran knüpft bleibt zweifelhaft, lins will es scheinen, als sei der Uebergnng zur vollen Selbstverwaltung etwas zu rasch und als wären unsere Bauern schwerlich schon reif dazu. Tatsächlich bemühen sich auch die Kolonisten in Rischon le Zion schon wieder, die Selbstverwaltung ihrer Schulen loszuwerden, da sich bei derselben in kürzester Zeit arge Mißstände eingeschlichen haben, aber in diesem, wie in jedem Falle wird die Erfahrung das letzte Wort haben. Es wird sich ja zeigen, ob unsere Kolonisten imstande sind, sich zu organisieren und zu verwalten. Wenn wir nunmehr zri einer summarischen llcbersicht über die einzelnen Kolonien übergehen, so haben wir zunächst in der Gruppe von jüdischen Dörfern um Jaffa zu konstatieren, daß der Weinbau eine Mittclerutc zu verzeichnen hat. Es sind in diesem Distrikt zirka 37 000 Hektoliter geerntet worden. Da außerdem die Tranbenpreife auf der Stufe von 1900 verblieben sind, so dürfen die Kolonisten von Rischon le Zion. Rcchowoth und Katra, sowie der weinbauende Teil der Bewohner von Pcthach Tikwah und Waad cl Chanin zufrieden sein und sie sind es in ihrer Mehrzahl auch. Die Orangenpflanzungen in Pethach Tikwah schreiten normal vor und in zwei Jahren wird ein schöner Ertrag zu erwarten sein. Auch der Tabakbau und die Bienenzucht, die erheblich erweitert worden sind, sowie die Seideuzucht geben bereits einigen Ertrag rmd versprechen für die Zukunft wesentlich mehr! Unterhandlungen wegen des Zukaufs von Land schweben noch und erst wenn dieselben erfolgreich beendet sein werden, wird für alle jüdischen Bauern dieses Dorfes der Grund und Boden ansrcichen, um erfolgreichen Körucrbau zu betreiben. In der Nähe von Nischou le Zion ist seitens der „Jew'sh Eolonization Associotstn" ein Grundstücks erworben worden, um auch hier, wo bisher nur Weinbau herrschte, Getreidebau betreibe:: zu könucn. In der Kolonie Ekrou find bekanntlich große Oliven- und Fruchtbaumpflanzungen der „Jewish Col. Association" unter Aufsicht eines Gärtners. Es werden jedoch noch 4 bis 3 Jahre vergehen, ehe dieselben Ertrag bringen werden und, um die Bauern von Ekron vorher bereits selbständig zu machen, hat die genannte Gesellschaft zwei Terrains erworben, die zum Getreidebau unter diese Ansiedler verteilt werden sollen. In Wäad cl Chanin ist die große Bujare der „Jewish Eolonization Association" wenigstens zum Teil in die Periode der Ertragsfälligkeit gelangt und konnte die erste Orangenernte in dreiem Jahre für einen Preis von 6000 Francs verkauft werden. Kartineh ist nach wie vor ein Schmerzenskind der russischen Choveve Zion, die, nachdem 1803 die Administration aufgelöst wurde, immer wieder Zuschüsse leisten, ohne völlige Ordnung schaffen _ zu können. Obwohl hier vollkommene Selbstverwaltung herr,cht, sind die erzielten Resultate durchaus noch nicht befriedigci:d. Die Choveve Zion in Odessa werden zu prüfen haben, ob Ne.nicht durch Einsetzung eines energischen Administrators besser» Erfolge erzielen würden. Mikwch Israel, die Ackerbauschule der Alliance, bat eine namhafte Verminderung in seiner Schülcrzahl erfahren. An Stelle der 72 im Laufe des verflossenen Jahres ausgetretenen Schüler Und mir 18 neu eingctreten. So ist die Schülerzahl von 201 ans 147 znrückgegangcn. Der Betrieb iit insofern vergrößert worden, als die Viehzlicht etwas mehr berücksichtigt wird. Die kleine Kolonie Moza, die ja nur wenige Familien enthält. führt mit Hilfe kleiner Unterstützungen ihr Stillleben Iveiter. .In Artus sind die Besitzverhältnisse noch immer nicht geklärt, so daß die gedeihliche Entwicklung noch auf große Hindernisse stößt. Die galiläische Gruppe der jüdischen Kolonien ist in der Entwicklung im einzelnen noch nicht so weit vorgeschritten, wie die jüdäische Gruppe, sic kann daher auch noch eine zielbewußte. Administration nicht entbehren, aber dagegei: hat sie in der letzten Zeit sich bedeutend durch neue Landkäufe und Besiedelung schon früher erworbener Grundstücke ausgedehnt. In Chcdereh ist die Mehrzahl der Kolonisten wieder au der Arbeit, dein: es scheint die Kraft der Fieberepidemie, die in dieser Kolonie besonders heftig wütete, endlich gebrochen zu sein. Die Weinernte war in diesem Jahre gut. In Sichrvu Jaacob sind wesentliche Veränderungen dadurch eiugetreten, daß die Zahl der Kolouisteu durch Uebersiedelung eines Teiles nach Atlit, Tauturah und in die neuen Kolonien bei Liberias vermindert worden ist. Dje Weinernte war nur klein, da die alten Weinberge von der Phylloxera befallen, die neuen immunen Anlagen noch nicht ertragfähig sind. Der Keller, der übrigens schon seit 2 Jahren ohne Eismaschinen arbeitet, wird demnächst nach Tauturah, dem Hafen der Kolonie verlegt werden. In Sedjera ist abweichend von allen bisherigen Kolonien das Gutsprinzip eingeführt worden und zwar mit ausgezeichnetem Erfolge. Die finanziellen Resultate sind ganz außerordentlich gute. In Rosch Pinah ist der Tabakbau von einer steigenden Bedeutung, ebenso in Jessod Hamaaloh und Metuleh. Auch diese Kolonien sind durch Zukäufe von Land in letzter Zeit namhaft er- Iveitert worden. In Mischmar ha Jarden, das seit einigen Jahren selbständig ist, wünscht man ebenfalls dringend Vergrößerung, obwohl die Kolonisten mich jetzt schon bereits zur Existenz genug verdienen. In Maclmann ist leider die ganze Entwicklung ins Stocken gekommen, toeil die Kolonie Wruherern in die Hände gefallen ist. Din Prozeß, der zur Zeit schwebt, macht es den Vereinen unmöglich, Schritte zur Besserung der Lage von Machnaim zu tun. Mit Bnei Jehndah beschäftigt sich der Verein Esra zur Zeit, das heißt, er prüft die ihm vorgelegten Projekte zur Sanierung der Kolonie. . Wer unbefangen die erzielten Resultate der Kolonisation Palästinas prüft, der wird sich sagen müssen, daß trotz aller Fehler, bic in manchen Kolonien gemacht wurden, die Lage keine ungünstige ist. Voreiliger Pessimismus war eben genau so wenig gerechtfertigt als der voreilige Optimismus vor einigen .Jahren. Auch heute noch sind nicht alle Schwierigkeiten überwunden, denen diese großen Kolonisatioiisnnternehmnngen begegnen, wohl -her die meisten und nnt dem Rest wird man auch fertig werden. Eingesendel Uattonal-jüdische Schulen. Geehrter Herr Redakteur l Abermals lastet Ihre Hand schwer ans den Nacken rmserer jüdischen Feinde, der AssimilantenI Abermals rufen Sie in den Wald das Wort „Judenschulen" hinein, ohne zu bedenken, daß cs widerhallen könnte, sogar müßte. Schämen Sie sich denn nicht, heutzutage, in: Zeitalter der Verganov, Schneider, des Axtinann, Lueger und der jüdischen Schlcsingerei, in einem Zeitalter, in dem die Welt, die arische wie die jndcnnarrische, einmal Ruhe haben will, das Judentum sogar organisiere:: zu wollen; wissen Sie denn nicht, waS alles von jüdischer Seite darm:f verwendet wird, um endlich mit der Hetze der blutrünstigen Judengegen die wehrlosen arischen Schäfchen, welche geduldig die Hälschen ausstrecken, damit ein raffinierter lnngbärtiger Schächter ihnen das Blut abzapft, fertig zu werde::. Diese Geschichtchcn sollen endlich mit elektrischer Geschwindigkeit verstumme». Hier ein Mittel, das in der Gemeinde von Addern angewendet wurde. Ji: dieser hochintelligenten, hochansehnlichen Gemeinde erging au alle Matrikclführcc und Prediger ein strenger Ukas, alle jüdischen Namen, wie sie da sind: „Mosche, Naftali, Abrahmn", aber auch alle Frauenncimeii: „Sarah, Deborah, Rachel und Leah", in strengen Baun zu legen. Bei sonstiger Strafe der ewigen Verdammnis wurde ihnen aufgctragen, alle jüdischen Namen entweder zu beschneiden, oder gar in das Meer der Vergessenheit zu werfen. Diese Namengebnrtshelfcr haben also den strengen Auftrag,, daraus zu schauen, daß die.Assimilation gehegt und gepflegt werde und der avisierenden und irisierenden Sekte der Exjuden, tvelcha ihre Kinder taufen lassen, durch diesen Vorgang möglichst Vorschub zu leiste::. So wird in Abdera aus der arischen Rumpelkammer allerlei vergessenes lleberblcibsel hervorgeholt und deu Juden in spe beigelegt. Daher laufen in Abdera lauter Wladhslaw, Wrathslaw, Stefan, Iwan, Kasia, Katarzina, Marina herum. Die abramitischeu Brüder und Schwestern, dieses alte Buudcsvolk» Ivird dank derlei Mlaversatonen, dank deser Namensstrebcrei in einen Volksbrei umgewandelt, dem jeder historische Anschluß fehlt. Also wird mit jüdischem Geld und Geist eine alte Rasse mit aller Gewalt in eine Bastard-Sippe umgewandelt. Das bißchen Judentum, das diese Matrikclhenschrccken noch zurücklassen, wird dann in der interkonfessionellen Sclstile ausgemcrzt. Die neue Schule soll nach den Staatsgrnndgesetzen allen Religionei: gleichmäßig zugänglich sein. Aber diese Schule pflegt mir den christlichen Konfessionalismus und nimmt ans jüdische Feiertage, Sabbate gar keine oder nur schwache Rücksicht. Unser Judentum kommt dabei, wie iu der bekaunten Anekdote, zwische» zwei Stühle zu sitze:: und fällt daher auf den Boden. Ebenso verhält es sich nnt den jüdischen Lehrern. Mai: kann an den Fingern der einen Hand abzählen, wie viele der Staat oder dos Land erhält. Nimmt man noch hinzu, wie sticfmiitterrub die gmize große und erhobene Lehre des Fndeninms, seine nationale Sprache, seine Literatur behandelt wird, wie die Geschichte des jüdischen Volkes auf ein Minimum von Lehrst:mden angewiesen ist, so muß man ausrufeu: „Wie schrecklich ist dieser Ort, welcher wohl alles für das Christentum, manches vielleicht für das Polentnm oder Deutschtum, aber nichts für das J:ideutum irrt. Kann emnach diese «christlich-interkonfessionelle Schule" als eine Pflanzstätte für unser Volk gelten? Müssen nicht hierbei alle jüdischen Gefühle bcrstnmmen, ulke nationalen Eigentümlichkeiten sich abstreifen, während dem Fremdentnm Tür ' und Tor geöffnet ist. Das soll die Vorbereitung unserer Jugend scinl Aus solchr theoretischen Unterweisung entsteht eine Jugend, die ihrem Volke ganz entfremdet ist. Der zum Mnnne gereifte Jüngling lernt nur dann das Neue, das er noch nicht alles abgelegt hat, was ihn bou dem fremden Volke trennt; es bleibt ihn: noch der Uevertritt iu die allein selioiuacheude Kirche übrig. Dann ist die Kette geschlossen, dessen Anfanasglied die iiilerkonfcssiouelle Schule ist. Denn diese Schule ist für uns nur ein ewiges Memento, alles Nationale abzulegeu. Für diesen Verrat verspricht sie ihn: dann die bürgerlichen Rechte. In dieser gewaltigen Trios der iuuereu Zersetzung durch die eigene Assimilotiou, den: Zwonge der uiifehlboreu katholischen Schule und de»: Drucke eines Staates, der nichts anderes als der Diener der Kirche ist, ist das jüdische Volk eingepfercht. Die Gefahr der Austilguug unseres Volkes wächst bou Jahr zu Jahr und mit ihr die Sorge um unsere nationale Existenz. Dieser Gefahr entgegenzntrcten, muß das Werk des Restes der noch Selbstbewußten unseres Volkes sein. Das nationale Judentum kann nichts anderes anstreben, als ohne Rücksicht auf alle Nuancen das jüdische Volk zu organisieren. Das Fundament aber kann nur die eigene Schule sein. Schon in grauer Vorzeit war die beste Pflegestätte des jüdischen Geistes die Schule; es bleibt uns jetzt in moderner Zeit nichts cnrderes übrig,. als die Parole von der natioual-jüdischeu Schule anszugebcu. Sie Haber: schon iu einem programmatischen Artikel anseinandergesetzt, welchen Lehrplan dieseSchule eigentlich haben muß. Selbst derAriev kann unser Verlangen nicht unwürdig fiubcn. Wir verlangen nicht ein Iota mehr als alle mideren Nationalitäten. An dem Loge, ou dem jüdische Schulen entstehe:: werden, wird unser Volk neu zu leben beginnen. Nur auf diese Weise wird ein starkes jüdisckies Geschlecht erstehen, welches das Schwert seines Wissens in die Wagschale der Entscheidung im Kampfe ums Dasein wird werfen können. Die Erfolge einer solchen Erziehung tverden uns vle Angriffe der Antisemiten vergessen lassen. Und wie einst Bileam seinen Fluch im Hinblicke auf die Größe und Erhabenheit Israels in Segen umzusetzen gezwungen tvar, so wird die ErruiMnschaft der national-jüdischen neuen Schule den Fluch der Antisemiten in Segen nmivandeln :mb wir tverden diese Geißel als den Schuh-- apparat der Vorsehung würdigen rmd verehren lernen. Ihr alter Rubinstein.