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Jüdisches Volksblatt · 1902-12-19 · 51 (19.12.1902) · p. Seite 5

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
4 (1902)
Issue
51 (19.12.1902)
Date
1902-12-19
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 51 Wien. Freitag Jüdisches Volksbia > i 19. Dezember 1902 Seite 5 Wörtern, aber imponierten gerade dadnrch. Ga»«z unverständliche Stellen wurden einfach «rnterschlnqcn. Das Buch ist also formal nicht ungeeignet, als Brücke vom Osten zum Westen zu dienen, es ist die Anpassung der heilige,« Urkunden des semitischen Monotheismus an die Bedürfnisse der westlichen Welt. Kriegsartikel in Theorie mrd Praxis. An Stelle der im Jahre 1872 für das deutsche Herr eingeführten Kriegsartikel hat Kaiser Wilhelm neue Kriegsartikel erlassen, die bei jeder Kompanie, Eskadron und Batterie sogleich nach ihrer Bekanntmachung und alljährlich mehrmals, sowie auch einein jeden nen eintretenden Soldaten vor Ableistung des Fahneneides verlesen werden.Darunter lautetArt.4:„Dem Soldaten stehtnach seinen Fähigkeiten und Kenntnissen der Weg selbst zu den h ö ch st e n St ell en im Heere offen". Was muß sich derjenige, der einem jüdischen Soldaten die Kriegsartikel vorzulesen haben wird, von der „deutschen" Lauterkeit der Kriegsartikel denken, da er weiß, daß, wenn der jüdische Soldat der fähigste und tüchtigste Mann wäre, er es nicht zur untersten Stufe des Ofsiizierskorps bringen kann, geschweige denn zu den „höchsten" Stellen? Der Artikel 15 lautet wiederum: „Der ehrenvolle Beruf des Soldaten darf durch ehrenwidrige Behandlung nicht herabgewürdigt werden." Wir sind neugierig, ob die deutschen Unteroffiziere rc. von nun an auch dein jüdischen Soldaten gegenüber die ehrenwidrige Behandlung einstellen werden? Doch wir fürchten, für den „Juden" bleiben die neuen Artikel Theorie — und die alte Praxis wird bleiben. Dr. I u st u s. Berlin. Ein Memoirenwerk voll besonderem Interesse wird binnen kurzem erscheinen. Wie der „Nat.-Ztg." aus Meran-Untermais geschrieben wird, hat Geh. Neg.-Nat Prof. Dr. Moritz Lazarus, der bekannte philosophische Schriftsteller, _ der seit längerer Zeit in dem stillen Tiroler Kurort lebt, die Niederschrift seiner inhaltceichen und interessanten Lebenserinnerungen nahezu vollendet. Der jetzt 78jährige hat als Professor in Bern (1860), als Lehrer der Philosophie an der Berliner Kriegsakademie und seit 1873 als Professor an der Berliner Universität Gelegenheit gehabt, mit einer langen Reihe bekannter und interessanter Persönlichkeiten in nahe Berührung zu kommen. Ende der Sechziger- und Anfang der Siebzigerjahre war das schöne Heim von Prof. Lazarus an dem damals noch recht stillen Königsplatz der Sammelplatz hochstehender Persönlichkeiten, Schriftsteller, erster Gelehrten und Künstler. Berthold Auerbach und Ludwig Bamberger, .Karl Frenzel und Otto Roquette, Ernst Curtius und der Philosoph Zeller, hohe Offiziere und Diplomaten waren dort zu Gaste, und Prof. Lazarus mit seiner verstorbenen ersten Gattin —; zum zweitenmale ist derselbe bekanntlich mit der als verständnisvolle Verteidigerin des Judentums berühmt gewordenen und zum Judentum übergetretenen Nahida Ruth L., geb. Nemy, verheiratet — bildeten den anregenden Mittelpunkt dieser erlesenen Gesellschaft, in der auch die schönen Künste vertreten waren. Der berühmte italinische Schauspieler Salvini hat dort in diesem Salon mn Königs- Platz, noch ehe er öffentlich in Berlin anftrat, Rezitationen veranstaltet und ebenso fanden auch die „Meininger" dort gastliche Aufnahme, da die verstorbene Gattin des Prof. Lazarus mit dem Meininger Intendanten Ludwig Chroneak in verwandtschaftlichen Beziehungen stand. Mit Männern der Wissenschaft und der Politik, mit Dichtern, Philosophen und hohen Beamten pflegte Prof. Lazarus edle Geselligkeit und vielfach anregenden Briefwechsel. So darf man wohl annehmen, daß diese Lebenserinnerungen des greisen Philosophen auch einen wertvollen Beitrag zur Kenntnis der Berliner Gesellschaft enthalten werden. Die Juden in S m y r n a. Ein vortrefflicher Kenner orientalischer Geschichte und Kultur, der geheime Hofrat Professor Heinrich Gelzer in Jena, schreibt in seinem kürzlich erschienenen Buche über seine Reiseerlebnisse im Orient folgendes über die spanischen Juden in Smyrna: „Mit vielen Typen der ethnographichen Musterkarte, weiche der Padischah mit eiserner Nute weidet, bin ich in keine oder, wie z. B. mit Bulgaren, Arnauten, Persern, Tsiganen u. s. f., nur in so oberflächliche Berührung gekommen, daß ich mich eines persönlichen Urteils über die Nationalitäten durchaus enthalten muß. Einigermaßen lernte ich dagegen in Snlyrna die Spaniolen kennen. Die spanischen Juden sind bekanntlich durch die Frömmigkeit der katholischen Majestäten und durch den Tatendrang der heiligen Inquisition ihrem iberischen Heimatlande, das sie seit der Westgoten- und Araberzeit in dichten Scharen besiedelt hatten, entfremdet worden. Die Unglücklichen wanderten nach den afrikanischen Raubstaaten nnd nach dem Reiche des Großtürken aus, wo sie in Sryyrna, Aidin nnd zahlreichen anderen Städten einen erheblichen Bruchteil der Bevölkerung, in Saloniki sogar die gute Hälfte (75 000 von 150 000 Einwohnern) bilden. Diese spanischen Juden, die sogenannten Sephardim, unterscheiden sich von den Aschkeiiasim, den deutschen und polnischen Inder«, als eine besondere Rasse. Sie behaupten — natürlich eine ganz unbegründete Tradition — von den Judacern nbznstammen, während die deutschen Juden die Nachkommen deö geringwertigen galiläischen Mischvolkes sein sollen. Jedenfalls sind aber die spanischen Inden eine kräftige und ungewöhnlich schöne Menschenrasse. Die Männer sind meist gut gewachsene schlanke Gestalten mit einem sehr sympathischen Gesichtsausdrnck. Wenn man am Sabbat durch Balat, das dem Phanar benachbarte Judeuquartier Staurbuls, flaniert, freut uran sich des Anblicks der feiertäglich gekleideten Bevölkerung. Unter den Greisen sieht man wahre Prachtgestalten mit kühngeschnittencm Profil, in langem, milchweißem Barte, der ans den gelbseideuen, durch einen roten Gürtel zufnmmengehaltcnen Kaftan hinnbfließt, eigentliche Patriarchentypen. Er ist ein außerordentlich betriebsamer und fleißiger Stamm; die meisten leben trotzdem in sehr dürftigen Verhältnissen, ein schlagender Beweis für die große Ehrlichkeit, für die sie auch berühmt sind. Der verstorbene Hnmann erzählte mir, daß er sein Geld bei einem spanischen Geldwechsler zu deponieren Pflegte, weil diese Leute die zuverlässigsten seien. Wie aÜe Völkerschaften, besitzen auch die Juden in Smyrna ihr Sonderqnartier, das sich eben nicht durch große Reinlichkeit nuszeichilet. Ansteckende Krankheiten in der Stadt sollen, wie mir von amtlicher Seite versichert wurde, allemal ihren Ursprnngsherd im Judenviertel habe». Aber liebenswürdige Menscher» bleiben sie trotzdem. Ein köstliches Exemplar dieser Rasse lernte ich in meinem Lustrndschi (Stiefelputzer) Joshua Uarhi kennen, einem hochbegabten Burschen, der geläufig sechs Sprachen redete und um den es jammerschade war, daß die bittere Arnrut seiner Familie ihm keine bessere Erziehung ermöglichte. Durch seinen munteren Witz nahm er mich sehr für sich ein, und durch die unwiderstehlich komische Art, mit der er seine Knuden schmeichelte: „.Monsieur est si bon; tont lo monde l'aiine!" „Mais Josue, vous mcntez effrontemcnt; personnc ne me eonnait!“ „Parole d'lionneur! inert jo ne parle que la pure verite! moi qui connais tonte la ville, je sais ee qu’on pense de vous." Er besaß in hohem Maße das, was die Franzosen „drolerie" nennen; dabei erwies er sich als ein vorzüglicher Führer bei meinen Geschäftsgängen, der auch mit kleinem Lohn stets zufrieden war. In einem Falle zeigte er die Mäßigkeit seiner Rasse. Als ich ihm einmal ein Glas Limonade nnbot, von der ich annnhm, daß sie koscher sei, dankte er, trotzdem es sehr heiß war: „üela n’est rion pour nous; c’est pour les gens riclies; nous sommcs contents, si nous avons a mangcr." Ein schöner Zug ist nnch die strenge Religiösität dieser Inden. Während sonst der Kai und die Frankenstraße von ihnen wimmeln, sind sie an« Sonnabend wie durch einen Zanberschlag alle verschwunden; dieser Tag gehört bei Alt und Jung nur dem Gottesdienste. Diese Religiosität ist bei den Inden wie bei den Türke» entschieden eiice der Wurzeln ihrer Kraft." N e w - N o r k. Es ist ein Irrtum, den Protest Sekretär Hahs gegen die Ausweisung der unglücklichen Juden aus Rnmänien als eine Abweichung der traditionellen Politik Amerikas oder gar als Schaffung eines Präzedenzfalles seines divlomntischcic Verkehrs nnzusehen. Wir haben, eriunert die „New-Aorker Times", wiederholt unsere Gesandte» beauftragt, beim Auswärtigen Amt befreundeter Mächte, bei denen sie akkreditiert waren, Vorstellungen zu machen, und zwar hauptsächlich, um unser Bedauern über ähnliche Versolgnilgsaktc nnd unsere Hoffnung auf mehr Menschlichkeit in der Politik nnSzndrücken. Im Jahre 1870 schrieb Sekretär Fisch an unseren Petersbnger Gesandten: Er sott dort die Sympnthien Amerikas für die unglücklichen, verfolgten Inden in der Wallachai und Moldau aussprechen nnd die Regierung veranlassen, energische Schritte gegen die Verfolgung zu tun, wie es ihr als Schutzmacht dieser europäischen Staaten zustehe. Sekretär Evarts schrieb im Jahre 1870 an unseren Wiener Gesandten: „Trotzdem die Verfolgung der Juden in Rumänien nicht als conditio sine qua non für alle offiziellen Beziehungen mit Amerika zu betrachten ist, so soll doch diesen Beziehungen die Versicherung einer freundlicheren Betzandlnng der Inden vorausgehen. Viele iin selben Tenor gehaltene Beweisstücke aus unserer diplomatischen Korrespondenz ließen sich noch erbringen. Ihre gemeinsame Tendenz dürfte wohl am deutlichsten in den von Sekretär FreilingShhfen 1882 an unsere St. Petersburger Vertretung gesandten Instruktionen ausgesprochen sein. In den letzten Tagen gab das Rassen- und Glauöensvornrteil und seine Folgen zu allgemeinem Mitleid Anlaß. Das amerikanische Volk hörte mit großen: Bedauern von den Leiden der Juden in Rußland. Es mag ja sein, daß die Zeitungsberichte übertrieben, und auch die Privatmitteilungen nicht ganz der Wirklichkeit entsprechend sind. Man kann zwar ein gut Stück auf das Konto einer falschen Darstellung schieben, es steht aber fest, daß Dinge geschehen sind, die jeder human denkende und gerechte Mensch nur verdammen kann . . . Suchen Sic energisch die Wiederholung dieses Unrechts zu verhindern und betonen Sie, daß die freundschaftlichen Beziehungen, welche zwischen Rußland nnd den Vereinigten Staaten herrschen, uns hoffen lassen, daß die Regierung unbedingt dafür sorgen wird, daß die Verfolgung unserer unglücklichen Mitbrüder aufhören wird. Im Jahre 1801 gab Sekretär Alaine unserem russischen Bevollmächtigten Charles Emory Smith folgende Instruktion: „Es ist ein ausgesprochenes Gesetz, daß die Völker bei ihren Handlungen auf die Nationen Rücksichten nehmen, die durch diese Handlungen indirekt berührt werden. Wir sagen das mit Bezug auf den Umstand, daß der Landungsküste der Vereinigten Staaten täglich das Elend und die Hilflosigkeit der russischen Juden vor Augen geführt wird, welche ans dieses unglückliche Volk durch harte Gesetze heraufbcschworen werden." So handelt ein humanes Volk. Humanität «var seit jeher eine der Triebfedercc seiner Politik. Als zivilisierter Stank suchte Amerika in Wort und Tat, soweit es ihm möglich war, immer menschliches Elend zn mildern. Aber dieses Eintreten für die Humanität war es nicht allein, was Sekretär Hay zn feinem Proteste bestimmte. Unser, der Vereinigten Staaten, eigenes Interesse war ein zweiter, wichtiger Grund. Auch dieser Punkt ist ein historischer. So sandte im Jahre 1801 Präsident Hnrrison durch den Gesandten Blaine folgenden Protest nach Petersburg: „Wenn auch in aller Güte, doch nicht minder ernst weisen die Vereinigten State» die Regierung des Zarenreiches ans die Folgen der harten Maßregeln gegen die Inden hin. Durch antisemitische Hetzereien und durch unerträgliche Gesetze ist den Israeliten ihre Erhaltung nnd somit ihr Aufenthalt in Rußland unmöglich. Sie wenden sich mut — der Zutritt zn vielen anderen europäischen Staaten ist ihnen auch verschlossen — in so riesiger Anzahl den Vereinigten Staaten zn, daß es ihnen dort an Arbeit nnd Subsistenzmitteln fehlt. Man schätzt die Zahl der in den letzten fünf Jahren eingewnnderten Juden aus eine Million. Der Süden ist ganz überschwemmt von einer Riesenmenge, der alle Lebensbedingungen fehlen, so daß ihre Energie und Arbeitskraft gelähmt wird; eine Tatsache, die weder für sie noch für nns gut ist. Eine Arlsweisttn» einer solch großen Anzahl Mäner und Frauen ist keine lokale Frage. Es liegt in der Natnr der Sache, daß die Ausweisung aus einem Lande de» Hinweis auf ein anderes bedeutet. Dieses nnd die Forderung der Menschlichkeit erklären unsere Nemonstrntiott bei der russischen Regierung." Der Berliner Vertrag am 13. Juli 1878 zwischen England, Frankreich, Deutschland, Rußland und der Türkei erklärt Rumänien für unabhängig, nnd in dem 44. Artikel dieses Vertrages wurde bestimmt, daß Religionsverschivdenheit keinerlei Grund znm Ausschluß oder znr Unfähigkeit für bürgerliche nnd politische Rechte oder zum Betriebe eines Handwerks oder einer Industrie sein sollte. Diese Bestimmnng wurde ausdrücklich znm Schutze für die Inden ausgenommen und dann noch znm Schutze aller Nichtbekenner der orthodoxen griechischen Kirche erweitert. Die Gesetze, die nun Rumänien gegen die Inden erlaßt» verletzen den Vertrag, den: Rnmänien seine politische Existenz verdankt. Nach Prüfung des vorangegangenen wird man finden, daß «licht nur Präsident Roosevelt den Präsidenten Grant „«cd Hnrryson folgte, sondern noch mit größerer« Rechte protestierte. Jrn Jahre 1872 nämlich, als Präsident Grant Mr. Fisch zn Reinonstrationcn anffordertc, »var noch kein Vertrag vorhanden, der Rumänien zur Duldung fremder Nassen verpflichtete, «vie dies jetzt bei dem Berliner Vertrage der Fall ist. Außer den Nernonstrationen bei den Ruinäncn selbst hat unsere Regierung auch die anderen europäischen Großstnate,« ersucht, das Aufhören der Verfolgungen zu bervirken. Wer trotz alledem Sekretär Hays Protest kritisiert, der «veiß entrvcder von den« vorstehenden ««ichts oder hat cs vergessen, daß, abgesehen von allen sonstigen Errvägungen, die Bereinigten Staaten nie, selbst wenn es zn ihren« eigenen Nachteil «var, Bedenken trugen, Unterdrückte, >vo irnnrer sie auch sein ««lögen, zu unterstützen. London. In Erlvidcrnng eines Toastes ans die jüdische (Geistlichkeit feierte Ehics-Rabbi Dr. Adle r den „innnnlinften und würdigen Protest des neuen Magistrats-Oberhauptes gegen die granfalne Verfolgung der rnlnänischen Juden". Diese«- Protest ve- »veifc, daß die Zeit vorüber ist, «vo die Inden nngstvollcn Herzcirs und mit leiser Stirnrne ihre Peiniger ««««« Schonung anflehen mußten. Jl« seiner Rede an« Schlüsse des Diners führte Sir Marcus Samuel aus: „Ich denke, daß kein Jude, der es in diesem Lairde zu einer hohen Würde gebracht hat, etlvas tun könnte, «vas England zu schädigen verrnöchte oder «vorüber ein Anhänger des Jndeiltums erröten «niißte. Was meine Freunde und Kollegen, die Sheriffs, geineiusnin mit mir gebilligt haben, ist von dem gesarnten Magistrat gebilligt und gefördert «vorden. Wir «vollen dadurch den Vertragsbruch brandmarken, «uelcher so viel Not nird Jarnmer nicht nn über Tausende unserer jüdischen Brüder, «velche der schrecklichen Verfolgung nusgesctzt sind, sondern auch über zahlreiche Arrne in London selbst gebracht hat, «velche unter der Konkurrenz derjenigen leiden rnüssen, die nicht durch persönliches Verschulden, fonbc'nt durch die eigene elerrde Regierung in die Fremde getrieben «verde««. Wem« diese Regierung durch nirsere Aktion nur einigermaßen znrn Bewußtsein ihrer Pflicht gebracht «verden sollte, so werden sich alle überzeugen, daß «vir richtig nnd gnt gehandelt haben." Die Ausschließung des rninänischcn Gesandten von den« Guildhall-Baukett ist also kein Akt selbstherrlichen Arntsmißbrauchs des Lord-Mayors, sondern ist mit Einwilligung der beiden Sheriffs, der Christen Sir &. Watt-Trnscott und Sir T. Brocke-Hitching, erfolgt. Hierdurch erhält diese in Wahrheit mannhafte Tat erhöhte Bedeutung. — Vorigen Mittwoch hat Major Evans Gordon im Unterhause seine Anfrage wiederholt, ob der Unterstaatssekretär des Aeußcrn den Zeitpunkt bestinllnen könne, wann die Korrespondenz über die Behandlung der Inden in Rumänien zur Veröffentlichung gelangen wird. Viscount Cranborne erwiderte: „Ich hoffe, daß «nein verehrter Freund meine Antwort nicht als answeicherrd bezeichnen «vird; allein ich kann nur auf die arn 20. Oktober von mir erteilte Antwort verweisen, daß es bei den« gegentvärtiger« Stande der Angelegenheit keine,« Zrveck habe«« «vürde, die Korrespondenz zn veröffentlichen." London. Das auch von uns schon «nehrfach crwäh««te, in Londor« periodisch erscheine««de „Rumänische Bnlletin" bringt in seiner neuesten Nurnrncr vor» 5. d. M. «vieder einige interessa««te Aeußerurrgen bekannter englischer Staalsrnänner über die Verfolgung der Juden ««« Rumänien. So schreibt der offizielle Führer der liberalen Parte«, Sir Henry Campbell-Bannerinann: „Ich erfahre «irit Freuden, daß Sie vernüht si««d, die Frage der rumänische»« Juden bei der«« Publiknin «vachzucrhalten. Die Behandlung dieser Leute ist so hart, ja grausarn gervesen, daß alle Freunde der Freiheit und Hu«nar«ität sie verirrteilen rnüssen. Unsere Hoffnung muß die bleiben, daß die allgerneine errropäische Meinung die rumänische Regierung veranlassen «vird, ihre jetzige Politik auszugeben." Sir Williain Harconrt sagt: „Ich habe mit großen« Bedauern nrrd «nit Mißbilligung über die Behandlung der Inden in Rumänien gelesen, und ich bin überzeugt, daß der Unwillen, den diese Behandlung bei Leuten jedes Glaubens und jeder Richtung hervorruft, dazu dienen wird, dieser Verfolgung ein Errde zu rnachen." Ein Schreiben des Herrn Asquith, des früheren Miitisters des Innern, hat folgenden Wortlaut: „Ich stirnmo von Herzen in den Protest eirr, der fast in jeder«« Teile der Welt gegen die Vehairdlung der Jrrden in Rrunänien erhoben «vird. Die Regierung Rrrinäniens hat sich durch ihr Verhalten gegen ihre jüdischen Untertanen die Shrnpathie n««d die Achtung aller derer verscherzt, denen Freiheit n««d Gerechtigkeit teuer sind." Aehnlich «vie Sir H. Campbell-Bairnerma«« hat sich bekanntlich auch der arnerikanische Botschafter in Berlin, Andrew D. White, in den« vor« uns kürzlich veröffentlichten Briefe ausgesprocher«. München. In« Jahre 1680, aus Anlaß des Abschlusses des westfälischen Friedens, ließ der Rat der Stadt Nürnberg durch eine Reihe von darnaligen Künstlern, die zehn Jahre daran arbeiteten» einen kunstvolle«« Neptunbrunnen Herstellen, der m der Mitte des Marktplatzes ausgestellt werden sollte; wahrscheinlich ans Mangel an Wasser n««d an Geld ist cs jedoch nie zur Aufstellung des großartige«« Kunstwerkes gekormner«, weshalb der Brunnen in der Pennt, dem darnaligen Bauaint, in einem hölzerne«« Harise, aufbewahrt wrirdc. 1798 verkaufte der Rat der Stadt Nürnberg, als die Stadt verarmt u««d durch die Kriegsverlilste ii« schlvere Schulde«« geraten war, für 66 000 Gulden den Vrnnnei« a>« den Kaiser Pa««l von Rußland und heute noch bildet der Brniliie«« eine Zierde des Schloßgartens in« Peterhof/ Der Wnirsch der Nürnberger, ihren Brrrimen wieder zu habe««, ist selbstverständlich nicht erfüllbar gewesen. Der Kaiser vo«« Rußland hat aber ans diplomatisches Ersuche«« die Erlaubnis zur Herstellung eines Gipsabgusses zum Zwecke der Nachbikduirg für Nürnberg gegeben, «nid r«ul«inehr «vird eine Nachbildung des Vrn>i««e>is auf der«« Markt zu Nürnberg a««fgestellt lverdei«; dein Wassermangel ist jetzt abgeholfen «n«d den« Geldmangel dadurch, daß ein Nürnberger Bürger die Kosten der Nachbildung und Aufstellmig mit 80 000 Mark yergab, auch. Der Bürger heißt Ludwig Gerngroß, war oder ist ei«« Hopfenhändler und Konngerzienrat, israelitischer Religion und wohnt in Nür««berg, lvo von 1100 Vis 1818, also auch zur Zeit der Herstellung des Brunuenoriginals, kein J««de wohne«« durfte. Die „Münchener Neuesten Nachrichten", lvelche seine«« Name«« liennen, aber nicht im Gerüche übertriebener Jndeiifreniidlichkeit stehen, berichten den Sachberhält n««d sage««: „Die hochherzige Spende ist ei««e nationale Tat, die irn ganzen Baterlaiide als solche gewürdigt zu lverdei« verdient." Ludwig Ger««groß, der schon «na««che andere hochherzige Spe««de seiner heutigen Vaterstadt zuwendete, ist zinn Ehrenbürger der Stadt Nürnberg vo längerer Zeit schon vor« den gemeilidlichen Kollegien ei««stimmig ernannt worden.

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