Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 4 (1902)
- Issue
- 51 (19.12.1902)
- Date
- 1902-12-19
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 51 Wien, Freitag Jüdische« Volksblatt 19. Dezember 1902 Seite 7 Wien. 26. Oktober 1902. Löbliche Redaktion! Bekanntlich erheben die Assimilanten gegen die Betonung der Wischen Nationalität ltttb das Streben der Nationalen, die biblische Sprache als lebende Sprache auch nach Westen zu verpflanzen, den Eintvand. daß dies den Inden bei den Wirtsvölkern, namentlich aber bei deren Regierungen, schaden könnte, weil mau ihnen Anationalismus imb Vaterlandslosigkeit vorwerfen würde. Wiewohl den Juden, nach Analogie der Geschwollenen, gar nichts mehr schade,! könnte und man — wcnn's gerade beliebt — ans dem Nationalismus ihnen denselben Vorwurf machen würde, wie aus einem Anatio- 'nalismus, wie z. B. einige Zeitungen den Juden vorwerfen, sie hätten keinen nationalen Idealismus und fröhnen dem Spruche: „ubi bene, ibi patria", während andere den Juden die religiöse und nationale Sehnsucht nach Palästina als Vaterlaudsverrat ankreidcn wollten, so dürften die zitterigen Assimilanten unter den Inden folgende Nachricht der „New-Dorker Plattdeutschen Post" zum beruhigenden Muster dienen. Bekanntlich sind die D e u t s ch e n i n den Vereinigten Staaten eines der tüchtigsten und selbstbewußten Völker der Union, die auf ihr amerikanisches Vaterland stolz sind und ihre Liebe im spanisch-amerikanischen Kriege beiviesen haben, trotzdem pflegen sic eifersüchtig ihre deutsche Eigenart, Muttersprache und die Beziehung zu ihrer deutschen Heimat. So faßte kürzlich die in Evansville im Staate Indiana abgehaltene 47. Generalversammlung des d c n t s ch - r ö m i s ch - k a t h o l i s ch e n Zentralvcreins bezüglich der Pflege der Muttersprache folgenden Beschluß: „Während wir unseren deutschen Glaubcnsbrüdcrn dringend raten, daß sie in den Vereinigten Staaten ihren Kindern die weitgehendste Gelegenheit bieten, sich die Sprache des Landes cmzueignen, mahnen wir ernst und eindringlich, das hohe Gut der deutschen Sprache treu zu heben und cs zu vererbe n zu suchen auf Kinder und Kindeskinder, als ein wirksames Mittel zur Erhaltung unseres heiligen Glaubens und christlicher Sitte in der Famili c." Und trotzdem wagt niemand den katholischen Deutschen in der amerikanischen Union deshalb nahezntrctcn, tveil sie deutsches Heimatsgefühl, deutsche Sprache und römisch-katholische Familienfeste auf ihre' selbst schon in A m e r i k a geborenen Kinder und Kindeskinder vererbt tvissen tvollen. Man ehrt eben den national denkenden und treu handelnden Mann. Man vernichtet aber den Assimilanten und den Feigen! Mterkt cs Euch, Ihr Verheimlichcr des Judentums! Dr. Justus. Aufruf. An die Herren Knltusvorsteher von Böhmen. Als ich .Kultusborstehrr geworden und in die Verhältnisse der Kultusgcmeii'.deangelcgenheitcn am Lande Einsicht genommen hatte, war eS mir klar, daß in dem Räderwerke dieser unserer Autonomie cttvas nicht in Ordnung sei. Ich habe mir somit vorgenoml'ncn, mit Hilfe der anderen Herren Knlinsvoriteher diesem abzuhelfen. Daß uns. dabe, die großen Kultusgüniemden Nie Prag, 'Pilsen ustv. nicht behilflich sein Iverden, babe ich vermutet; ich habe jedoch auch der Vermutung Ausdruck gegeben, daß es in den großen Städten dennoch hervorragende Männer geben wird, die unsere Bemühungen nnterüützen werden, und wenn etwas Konkretes sich 'herausbilden sollte, sich an dre Spitze dessen stellen. Ich habe mich an den Herrn JUDr. Bcndiner in Prag gewendet, der jedoch wegen Ueberbürdung durch andere Aemter abgesagt hat. Herr Dr. Rosenbacber in.Prag hat von Anfang an gegen unsere Bemühungen eine feindschaftliche Stellung eingenommen. In der letzten Zeit fanden sich jedoch zwei Rabbiner, ivelchc uns in der uns gestellten Aufgabe — Glück wünschten, aber in einem Atem für das Nichtzustandekommen dieser Vereinigung plaidierteu. Ich bemerke hier zugleich, daß ich gar kein persönliches Interesse an dem Znstandekommmen einer Schntzvereinigung für die Glaubensgenossen in Böhmen habe, daß ich als Privatmann und als Fabrikant vollkommen unabhängig bin. Ich habe, das Amt eines Kultusvorstehers nur im Interesse der KnlniSgemcindcmitglieder angenommen und werde, wenn die von mir im Interesse der Glaubensgenossen eingeleirete Aktion von einigen jetzt Maßgebenden totgemacht wird, mit weniger Arbeit und mit mehr Muße schlafen gehen. Dieses zur Aufklärung der Sachlage. JnliuS Bondp, .Kultusvorsteher in Horowih. Mcher-Einlaus. „Lumen Jsraelita". Unter diesem Titel erscheint seit dem 1. Oktober in Bukarest eine jüdische Monatsschrift. Das uns vorliegende 1. Heft enthält außer verschiedenen sehr hübsch geschriebenen Ärtikeln in rumänischer Sprache auch einen in deutscher Sprache gehaltenen Aufsatz von Dr. I. Nienürower in Jassy: „Eine moderne Jabneh-Akademie". Mit viel Liebe für das Judentum tritt Dr. Niemirower in seinem Artikel für die Errichtung einer jüdischwissenschaftlichen Akademie in Jerusalem ein. Diese Akademie soll ein Zentrum für das ganze, heute leider so sehr zerklüftete Judentum iverden, so ivie einst die vom Rabbi Jochcman ben Sakkai nach der Zerstörung des Tempels gegründete Lehranstalt und Akademie zu Jabneh zum Zentrum des jüdischen Stammes erhoben wurde, Der Artikel, der an die zu gründende Akademie in Punkte zusammengefaßte, sehr beachtenswerte Forderungen stellt, ivird gewiß nicht verfehlen, eine ernste Diskussion über die Frage hervorzu- Moscs. Ein Lebens- und Zeitbild von M a x i ,n i l i a n Lang, Csarza (Nord-Ungarn). Im Selbstverläge des Verfassers. Nicht ohne Scheu — und meistens berechtigte — geht der Kritiker an die Würdigung eines Werkes, das im Selbstverläge erscheint. Doppelt erfreut ist er aber, wenn nach aufmerksamem Lesen der treffliche Inhalt ihn eines besseren belehrt. Letzteres trifft bei dem vorliegenden Büchlein in geradezu klassischer Weise zu. Ausgerüstet mit einem reichen biblischen Wissen und völlig vertraut mkt den modernen Ideen, hat der gereifte Verfasser sich der schwierigen Aufgabe unterzogen, dem Leser die Persönlichkeit Moses in ihrer überwältigenden Größe vor Augen zu führeir. „Gebietend Furcht, dann Liebe, bald auch jähen Schrecken, gleich jenen Rätselfphinxen, Pyrainiden deiner Heimat," wie Leo Sofer in seinem gleichnamigen Gedichte sagt. Bei aller Gelehrsamkeit und vollen Berücksichtigung des'Milieus ein durch und durch populäres Buch. Darin liegt der 1tz>auptwcrt. Die Aufzählung der Gebote, die sich gestreut in der Bibel vorfinden, fachkundig gesammelt und trefflich mit den Gesetzen unserer Zeit analogisiert, gibt dem Werke einen besonders übersichtlichen Charakter. Das Büchlein, Frau Rat Netti Vogel in Wien gewidmet, sollte in keinem jüdischen Hause fehlen! Max Nachsv. Mitteilungen des Vereines für unentgeltlich. Arbeitsnachweis. Der Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis, Wien, II., Taborstrasse 59 (Telephon Nr. 13.920) Vorgemerkt sind: I. Klasse: Manuelle Arbeiter. 5 Anstreicher, 13 Aufpapper, 8 Bäcker, 3 Buchbinder, 3 Bürstenbinder, 8 Drechsler, 2 Elektromonteure, 9 Fleischhauer, 2 Friseure, 3 Glaser, 10 Goldarbeitcr, 36 Hausknechte, Geschäfts- und Bureaudiener, 62 Hilfsarbeiter, 3 Hutmacher, 2 Kellermeister, 8 Kellner, 6 Kutscher, 4 Laufburschen, 8 Lehrlinge, 4 Metallarbeiter, 9 Monteure, 27 Schlosser, 21 Schneider, 10 Schuhmacher, 16 Spengler, 12 Tapezierer, 1 Taschner, 29 Tischler, 7 Uhrmacher, 4 Zeichner, 7 Zimmermaler, 3 Zuckerbäcker. II. Klasse: Kaulmännische Angestellte. 8 Branntweinverschleißer, 27 Buchhalter und Korrespondenten, 04 Kommis diverser Branchen, 62 Kontoristen und Strazzisten, 6 Inkassanten, 10 Kanzlisten und Schreiber, 13 Manipulanten und Expedienten, 10 Platz-Agenten und -Vertreter, 69 Praktikanten, 7 Reisende. Weibliche Abtheilung. 10 Bonnen und Kindergärtnerinnen, 78 Kontoristinnen und Kanzlistinnen, 12 Expedientinnen und Manipulantinnen- 6 Hilfsarbeiterinnen, 2 Modistinnen, 33 Näherinnen und Schneiderinnen, 22 Praktikantinnen, Sitzkassiererinnen, 76 Verkäuferinnen, 9 Verschleißerinnen, 12 Wirtschafterinnen und Stützen der Hausfrau. III. Klasse: Geistige Arbeit. 46 Hauslehrer und Hofmeister (meistens Hochschüler, welche Gymnasiasten und Realschüler unterrichten), 3 Lehrerinnen und Erzieherinnen. Offene Stellen. Von männlichem Personal: Mehrere Kommis (Manufaktur, Mode, Ausl.-Arrangeur), mehrere Kommis (Wäsche und Wirkwaren), mehrere Kommis (Spezerei), 1 Kontorist mit englischer und italienischer Korrespondenz, 1 Buchhalter mit böhmischer Korrespondenz, 1 Buchhalter mit englischer Korrespondenz, Kontor- und Lagerpraktikanten, mehrere Lehrlinge. bas &z&.m Credit - Institut für jüdische Gewerbetreibende und Beamte, r. G. m. b. H., Wien, II/3, Leopoldsgasse Nr. 49 Uebernimmt Spareinlagen zu 3ya Percent mit 14tägiger, zu 4 Percent mit monatlicher, zu 4!/2 Percent mit dreimonatlicher Kündigung. Gewährt seinen Mitgliedern Kredite zu oouläntesten Bedingungen. In Anbetracht des eminent wichtigen Zweckes, den unser Institut verfolgt, erlauben wir uns, jeden Glaubensgenossen zu ersuchen, dasselbe durch Beitritt zu unterstützen. Das Directorium. Bezüglich Rimessen-Escompte werden seinerzeit die näheren Bedingungen bekanntgegeben. ■ZÄÄKSsy. wl,-. riDsn Ti bw ben P. T. Hazzos - Bäckereien liefert alle Sorten sehr fester Emballagepapiere, in jedem zum Einpacken von Mazzos geeigneten Formate und in beliebiger Stärke zu billigsten Preisen die Roth-Recitzer Maschinen-Papier-Fabrik ISIDOR NETTL --„ HZ Roth-Besitz, Böhmen. - u Bemusterte äusserste Offerten werden auf Wunsch sofort zugesandt.— Fabrikation aller Sorten Papiersäcke mit und ohne Druck zu billigsten Preisen. In der von der hohen k. k. 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