Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 4 (1902)
- Issue
- 51 (19.12.1902)
- Date
- 1902-12-19
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 19. Dezember 1992 Nr. 51 Die OJcncrnftierj’nmmluitfl des „Hilfsvercines für die notleidende jüdische Bevölkerung in Galizien" fand Sonntag den 8. Dezember unter dem Borsitze des Obmannes Herrn Maximilian tui, luc cmc ianc[c vscijunnifl cnjciiajr, rann itnj mir «angiain breiten, dl netz mit der Erzeugung von Kravaüen in Galizien ein Wiener ErvorthauS einen eurrvicklungssölügei: Anfang geht. Die Einführung einiger anderer Heimarbeiten, deren Erbe r g, Linz und Prag Maren Begrüßungsscl,reiben und Telegramme cingelanfen. Der Präsident des Perbandes der Israelitischen Humanitäts-Vereine „B'nei B'ritb" für Oesterreich, Herr Dr. Hammerschlag in Prag, sandte ein Begrüsznngstelegrannn und ein Schreiben, in rvelchem er mitteilte, das; der Perband beschlossen hat, dem Hilfsvereine als gründendes Mitglied mit dem Jahresbeiträge von ,SP. 1000 beizutreten. „In diesem Beschlüsse soll nicht nur ein Beweis der dantbaren Anerkennung der bisherigen Leistungen und Erfolge des Hilfsvereines erblickt lverden, sondern auch die Bereitwilligkeit, die vorn Hilfsvereine in so zielbewusster Weise eingeleitete Hilfsaktion jederzeit nach Kräften auch materiell zu fördern." Nachdem der Borfitzende die Versammlung, den Präsidenten der Israelitischen Kuünsgemeiude Wien, Herrn kais. Rat Heinrich Klinger, tind Herrn Overrabbiner Dr. Güdemam: begriiszt hatte, erstattete er einen ausfübrliebei: Bericht über die Hilfsaktion deS Veeines und den gegenlvärtigen Stand seiner Organisation. Wir entnehmen diesen: Berichte, smß in 70 Orten, die meist zu den ärmsten Galiziens gehören, Haarnetzlehrkurse veranstaltet und ca. 6000 Frauen und Mädchen in dieser Heimarbeit unterrichtet tvnrden. Der Arbeitslohn, dei: der erste Unternehmer in: Monate November dort auszahlte, betrug K. 16 024.60. Ungefähr das doppelte dieses Betrages dürften seine neun gros;en und zahlreichen kleiner: dortigen Kouturrentei: an Lohn in: Monat November ausgezahlt haben. Die ineisten Arbeiterinnen sind >:och Anfängerirnwn. Bei zunehmender Fertigkeit lvird auch der Lohn znnehmen. Mit der Erzeugung vor: Holz- und Spiellvaren für ein Wiener Exporthaus ist ein Anfang gemacht worden. Diese für Männer bestinrmte Arbeit, die eine lange Schulung erheischt, kam: sich nur laitgsam ausbreiten, hat macht. Zeugnisse ausschließlich für den Export benimmt sind, ist vorbereitet. Gegenwärtig zählt der Hilfsverein in 38 Ortsgruppen 3500 Mitglieder, die ca .K. 30 000 Jahresbeitrag leiste,:. An Spenden sind den: Vereine K. 51 000 zugekommen. Dieser Bericht wurde, ganz besonders wegen der große:: Erfolge der Hilfsaktion, mit allgemeiner Befriedigung zur Kenntnis genonunen und den: Vorstande der Dank der Versanunlnng votiert. Es wurde jedoch auch der Wunsch ausgesprochen, daß die Agitation zur Gelvinnung neuer Mitglieder und Organisierung neuer Ortsgruppen nuiunehr eifriger betrieben werde, damit der Verein die zur energischen Fortführung seiner Hilfsaktion nötigen Mittel gewinne. Dies dürfte jetzt nicht schwer sein, da der Verein durch die bedeutenden Erfolge, d:e er :n der kurzen Zeit seines Bestehens erzielte, sich das allgememe Vertrauen crwprben hat. Nachdeu: die Arbeitslvilligkeit und d:e Ausbildungsfähigkeit der jüdischen Bevölkerung in Galizien unzweifelhaft erwiesen wurde, mögen jüdische Industrielle und Exporteure steh der galizischen Arbeitskräfte zur Erzeugung ihrer Er- Portartikel bedienen. Mit den: Danke an alle, die den Verein besonder-? gefördert haben: das Kuratorium der Baron Hirsch-Stiftung, den „HUfsverein der deutschen Juden" in Berlin, das „Hilfskomitee für die notleidenden osteuropäischen Juden" in Frankfurt a M E.H-L'raelitisthen Humanitäts-Vereine „B'nei Brich" und' "die ludlschc Presse schloß der Vorsitzende die Versammlung. Die ausgelojten Mwglieder der Vercinsteitung wurden wieder gewählt Neu gewählt wurde Herr Salo Tedcsko-Wien- In den Anfsichtsrat wurden neu gewählt d:e Herren Julius Granichstädten-Wien und Ferdmand ^owh-Wien. In das Schiedsgericht wurde neu gewählt Herr rag. Rar Heinrich Klinger. Chanuka-Feier. Die geehrten Glaubensgenossen lverden zu dem am Donnerstag den 25. Dezember 1902, abends 0 IUt, in: Bethaus-Vereme „Mikdosch-Mead".,Wien, 2. Bez., Kl. Schiffgasse die Ware nicht übernehmen. Inzwischen tvar das Heu zum großen ist. Auf seinem Grabstein steht, das; er der Herausgeber des ersten reite verfault und die Wirte tvarei: glücklich, daß sich Juden fanden, hebräischen Pentateuchs in Hamburg gewesen sei. Die Einleitung rfault . .. . die ihnen dasselbe überhaupt abkaufen wollten, sie erlitten erneu Schaden von 60 000 Kremen und treten jetzt gegen die Gesellschaft klagbar auf. Theologischer Verein in Wien. Donuerskag den 25. Dezember findet iu Khuuers Restaurant die diesjährige Ehainit'a-Feier statt. Beginn mii 8 tlhr abends. Gäste willlvmmeu. Wien. (Toimbee-Halle.) Ein Elite-Auditorium hat sich Sourag eingefundeu, so daß biete keinen Einlaß finden^konnten um die geistvollen Ansführnngen des Herrn Rektors Dr. ^chivarz über die Frauen der Bibel zu hören. Der Vortragende teilte dieselben in drei Gruppen, und zlvar iu solche, die als Müller boir großen Söhnen oder großer Gatten oder in sich selbst bedeutend lvaren. Dann entioarf er in zündender Weise und in treffenden Skizzen ein kurzes Lebensbild von acht biblischen Franken, besonders die Stammütter als leuchtendes Vorbild den Tamei: hinstellend, würdig zu inöglichsler R'acbabnnmg in der Elegeinvart. Diese inleressante Galerie dürfte demnächst fortgesetzt lverden. Der Vorsitzende Herr Berliner dantre dem geehrten Reener für den so gediegenen Vortrag, und alle Amoesenden sliminten diesen: llrteile zu. Wien,. 7Kn literarisch-geselligen Biädchenverein „Hadassa" hielt am Sonntag Schriftsteller Mathias Ach er einen interessanten Vortrag über das Theraa: „Enthusiasums und Fauatisinus". Beide Begriffe lvnrden in klarer, leichlsaßlicher Weise als die begeisterte oder übermäßige Hingabe an ellvas Außerpersönliches definiert und bekämpfte Redner namentlich den religiösen und politischen Fanatismus. Auch die Beziehung dieser Idee zur Fraueufrage und zun: Judentun: lvurde eingehend erörtert und entspann sich nach dem Vortrage eine lebhafte Debatte, an der sich die Herren Hausmann, Altenberg, Dr. Weidengri'u: ustv. beteiligten. Der Referent erntete am Schlüsse reichen Beifall. Wochenprogramm der Jüdischen Toynbee-Hallc, 20. Bez., Karaiangasse 20. Sonntag den 21. Dezember: S. Wertheim: „Alt-Wiener Theater". Montag den 22. Dezember: Dr. Josef Jerusalem: „Oesterreichische Staatsverfassung" 1. Dienstag den 23. Dezember: Diskussion über „Schule und Haus". Mittwoch den 24. Dezember: Chauukah-Feier, Vortrag Dr. Leopold .Kahn, musikalischer Teil Oberkantor Don Fuchs. Donnerstag den 25. Dezember: Abend der „Moria". Freitag deich 26. Dezember: 64. M. Mehrer: Bibel, Erklärung der Sidra. Samstag den 27. Dczcn: ber: Konzert (Oberkantor Schleifer). — Anmeldungen zu Vor trägen beliebe man zu richten an Dr. I. Sadger, 9. Bez., Liechteusteiustraße 15 Chm:ukalicbt-B.:„tscben, höflichst "'eingeladen. "Eintrittskarten z!« Berlin- Sonntag den 14. Dezember, an: Geburtstage des Dichters Heinrich H eine, wurde an dem Hanse Tanbenstraße 32, in welchem bekanntlich der Dichter während seines Berliner Aufenthaltes als Student wohnte und wo die ersten Gedichte Heines entstanden, ein Bronzcrelref angebracht. Das Relief stellt den Dichter in sinnender, melancholischer Haltung dar, das Haupt auf den linken Arm gestützt. Der Stifter des Reliefs ist der begeisterte Heine-Verehrer Herr F. M nrnt s. Bildhauer Hugo B e r w a l d ans Schwerin hat sich seiner Aufgabe in durchaus künstlerischer Weise entledigt. Unterhalb des- Reliefs ist ein Zitat ans Heines „Nachtgcdankcn" angehracht: „Dentschland hat ewig Bestand, ES ist ein kerngesundes Land." Berlin. Bei den diese Woche stattgefundenen Wahlen ins Direktorium der akademischen Lesehalle gelang es — zun: erstenmale — zwei e n jüdisch-nationalen Kandidaten zum Siege zn verhelfen. Gewählt wurden das bisherige Mitglied cand. med. Erich R v s e n k ranz und cand. jnr. Engen H o l z. M a x N n ch e r New-Aork. 1 K. und 60 H. sind in der Bcthauskanzkei Wien o Kleine 2nnbe ber aBcIt ^'öglich scheint — die Organisierung eines jü Sch:ffgassc, beim Oberkantor Herr,: Einfeld -wischen'»"nnd V iifir i ^Astmeuts — dies soll nunmehr hier zur Tatsache werden Abends dortselbst zu haben. " ^1 den peinlichen Ausschreitungen, wie solche por kurzer Zeit gel Wien. r,„rr, , /Ve re:u iud : s ch e r Handclsaugestellter.) Mntwoch den 10. Dezember fand im großen Saal" ßrr 1arL . btc konstiruiercnde Gcnerawersammtung statt. Kollege Gustav Koyn, zürn Vorsitzenden gewählt, begrüßte die Rnwewnden, darunter die Vertreter des Landesm:d Distraktswmitees sow:e den Bundespräsidcuten Kollegen Mar Hickl mit einer kurzen An,prache, :n welcher er die Notwendigkeit zur Gründung dieses Veremes betonte. *• ■- - - - •’ 1 bou der t t niedcrösterreichischei: Stathalterei genehmigten Statuten vorgelewi: und ohne Debatte angenommen. Nach Antrag des Kollegen ^2. Straus wird die Wahl er: >>loc angenommen. Gewählt wurden me Kollegen: Gustav Kohn, Obmann; Felix Müller, OE Schätzer; als Kanarev:,oceu Jos. Löwh. Sigm. Neumann; ach Bchlwthetar Hugo Philipp. Nach erfolgter Wahl referierte Kollege A.. Grog .über das Vereinsvrogramm. Er verlangte hauvtsächlich, da;; d:e Ltellenverrmttlung ins Leben gerufen, foroi«* die Olrüudung öc§ Konditiousloscufonds verwirklicht iverde. In seinem Referate warnte er auch, daß, so lauge der Verein im Anfangsstadlum zur Erhaltung eines Privatlokales Geld verwend't werde. Diesem gegenüber vertrat Kollege Sigm. Neumnnn den Standpunkt, daß man ein Pripatlokal dringend benötige. An der Debatte beteiliaten sich die Kollegen Löivp und Philipp. 'Lebhaft begrrgzt, ergriff Kollege Hickl das Wort; er rorderte die Neugewähltei: auf, in derArbeit nie zu ermüden und versprach auch, daß derBcrein zu jeder Zeit auf seine tatkräftige Hilfe rechnen könne. Kclleae Grunhut widerlegte den Vorwurf, daß der „Verein jüdischer siigeudlicher Arbeiter" die Disziplin verletzen wollte; er bemerkte, daß er der erste war, der die Idee zur Elründung anregte und lvürdigte gleichzeitig die Verdienste des Kollegen Kohn um das Zustandekommen des Vereins. Kollege Egon Lederer führte aus, daß der Verein eine schwere Arbeit, vor sich habe, doch durch festes Zusa»,- menhalten zum Ziele gelangen lnird. An der Diskussion hoteiliabie Versannulnug. — Sonntag den 20. d. M. findet in, Saale'des Kongreß-Bureaus, k). Bez., Türkcustr. 9, uu: 8 Nhr abends ein Vortrag über Stellenveriuittlung und Organisatiou stakt. Jüdische Gäste herzlich willkommen. Der Segen des christlichen (Keldes. In Guta (Kam. Komarom) erschinen am 1. August Abgesandte der christlichen Genossenschaft „Hangva" mit Empfehlungsbriefen an den dortigen Pfarrer, der ihnen behilflich war, die Landlvirte zu bewegen, daß sie ihre Hen-Er»te der genannten Oleiwssenschaft und nicht de» Judo:: berkaufeu, da „auf christlichem Gelde mehr Segen" ruhe. Da aber inzwischen das Heu im Preise gesunken war, wollte die „Hangha" (Ein jüdisches Regiment.) Was in keinem rganisierung eines jüdischen Um gelegentlich der Beerdigung des New-Porker Oberrabbiners Joseph in dem hiesigen Ghetto sich ereigneten, porzubcngcn nnd bei ähnlichen Vorkommnissen der Polizei in der Aufrechterhaktuiig der Ordnung hilfreich zur Seite zu stehen, haben sich in den letzten Tagen 260 junge Männer jüdischen Glaubens unter dein Namen „Manhattan Rifles" als ein Regiment organisiert :»:d zu diesen: Zwecke die Jnkorporationspapiere von dem Richter Dickeh unterzeichnen lasten. Reiche Juden haben Gelvehre und andere nötige Waffen zur Verfügung gestellt und geschulte Soldaten die militärischen Exerzitien des jungen Regiments übernommen. Diese Organisation gedenkt auch Schritte zn tun, um in der Folge der Nationalgarde des Staates einvcrleibt zn werden. Dieser Ziveck dürfte jedoch unerreichbar sein, da Regimenter mit nationaler oder konfessioneller Färbung in: Staate nicht geduldet werden. Odessa. Der Gouverneur von Taurien hat allen ihn: nnterstchenden Behörden ans die wiederholten Entscheidungen des Senats, welche Juden ohne Ausnahme gestatteten, sich aus GesuudheitsrUcksichten oder zu Handelsziveckei: vorübergehend auf den: Platten Lande aufzuhalteu, eingeschürft und aus diesen: Grunde den Landgendarmei: verboten, Juden, die sie außerhalb der Städte und Flecke antreffeu, auf eigene Faust auszulveiseii. Letzteres dürfe nur vom Landrat des .Kweises verfügt lverden. Zugleich hat der Gouverueur angcordnet, daß unseren Glaubensgenossen der vorübergehende Aufenthalt in dei: Dörfern einfür allemal zu gestatten sei. Diese für die Juden der Halbinsel Krim so überaus günstige Wendung lvurde auf Dräugei: der Bauer,: und der die Juteresse>: der (Gutsbesitzer vertretenden Semstivos herbeigeführt, luelche schoi: seit Jahren die Behörden mit Bitten bestürmen, den Inden lveingsteus zur Zeit der Er>:te den freie,: Verkehr auf den: flachen Lande einzuränuien, da die Bauern infolge des Fehlens der jüdischen Eiickäufer gezwuugei: lvaren, ihre Produkte den christliche» Wucherern »m jeden Preis zu überlassen. Ans demselben Grunde sind auch zahlreiche Dorfgemeinden und größere Gutsbezirke um die Gewährung bou Stadtrechten bei der Regierung vorstellig geworden, uu: Inden ii: ihren Ortschaftei: ständig aufnehniei: zu können. Vom 13. i n t e r n a t i o n n l e n O r i e n t a l i st e n - K c n n r c st. Netzer den ersten Druck des hebräischen Pentateuchs M. (staster ans London der hebräischen Bibel gedruckt ist. Sie ist änsterst selten, denn allster inder Bibliothek zn Oxford hat Redner bis jetzt noch kein Exemplar entdeckt; auch Herr Senior Dr. Behr^ manu erwähnt in seiner Schrift „Hamburgs Orielltaliften" dieses Buches nicht, das die Hainburger Stadtbibliothek nicht besitzt, wie Redner sich selbst überzeugt hnt. Tie Ausgabe ist aber, nnch nbgesehen von ihrem bibliographischen Wert, von verschiedenen literarischen lstesichtspnirkten ans irlteressnnt. Als Herarrsgeber wird boit Wolfs in seiner „Bibliotheca hebraen" Tebele ben Benjamin aus Posen gkllnllnt, der hier 1709 gestorben und in Ottensen begraben zn dieser Ausgabe, die mit Tebele (David) unterzeichnet ist, erzählt, dast ein ungenannt bleibender Mttcen (steld zum Druck hergegeben habe (wahrscheinlich Texeira). Die Ausgabe lehnt sich nnzweifelhaft an die Bibclansgnbe von 1032 an, die Joseph ben Israel, Sohn (?) des berühmten Mannsse ben Israel in Amsterdam, herausgegeben hat. Die Buchstaben nnd das Format sind genau dieselben; nur stimmt die Seitenzahl ,licht genau überein. Tie Frage des Formats will isicdner nicht weiter erörtern, obgleich sic von nicht unwesentlicher Bedeutung ist, indem für Bibel und Liturgie von Spaniern und Portugiesen (Sephardim) meist kleine Formate gebraucht wurden, während Deutsche (Aschkennsim) gewöhnlich zn den grösttcn Formaten griffen. In der Einleitung befindet sich auch eine für die (stcschichtc des „Targnm" (aramäische Bibelübersetzung) wichtige Notiz. Der Herausgeber druckt nämlich das Targnm mit biblischen Akzentzeichen und es ist eine bisher von den Forschern auf dein (stebicte des Aramäischen übersehene Tatsache, dast von uralter Zeit her in den hebräischen Handschriften das Targnm mit solchen Akzenten versehen, die wohl dieselben wie der hebräische Text, aber »lichtsdcstowenigcr der zn akzentniercnden Silbe angesctzt sind. Die korrekte Aussprache des Aramäischen wird durch diese Akzente ebeilso gesichert, wie die des Hebräischen. Bisher haben die Gelehrten nur die wenigen aramäischen Kapitel der Bibel beilützt und darauf fnstcnd Schlüsse für die Aussprache des Aramäischen gezogen, während hier das Material vollständig vorliegt. Die ältesten hebräischen Dritckwerke hatten auch die Akzemte, ihre Verwendung unterblieb aber mit den: 17. Jahrhundert, infolge des Einflusses deS Ncn-EhasfidismnS von Luria und Vital. Dem Schlüsse seines Pentateuchs hnt der Verfasser ein mllemotechnisches Lied angcfügt, das aus den Namen des Perikope» besteht. Dieses Lied ist jedoch nicht das Werk des Verfassers, sondern gehört einer alten masoretischen Tradition an. Der Vortragende hnt in alten hebräischen Handschriften aus Aeme» und arideren Orten fast dieselben mncnrotechnislhen (stedichte gefunden, die sich auf das Targnm nnd die Hnftaroth erstrecken. — Am Schürst seines Vortrages teilte Herr Dr. (staster mit, dast er zur Erinnerung an den 13. internationalen Orientalisten-Kongrest das Exemplar des ersten in Hamburg gedruckten Pentateuchs der Hamburger Stadtbibliothek zum Geschenk gemacht habe. — In der 4. Sitzung der 8. Sektion, Wechselwirkungen zwischen Orient nnd Occident, sprach vor dicht besetztem Saale Herr Professor Dr. Adolf Deistmann-Heidclberg über die „Hlleilisicrung des semitischen Monotheismus". Die mit lebhafter Teilnahme anfgenommenen Ansführnngen waren ungefähr folgende: Alexander der Elroste hatte die Welt politisch umgestaltet; wichtiger noch ist die Entstehung einer griechischen Weltsprache, hervorgegangen aus einer Mischung der alten Mundarten für den lebendigen Weltverkehr. Die Welt hatte ans diese Sprache gewartet, denn sie wartete auf die Weltreligion, die ohne Weltsprache eine Unmöglichkeit gewesen wäre. Für die künftige Weltmisfion des Christentums ist die Hellenisierung des semitischen Monotheismus die Vorbedingung. Die Juden erscheinen in den letzten Jahrhunderten in der ganzen griechisch-römischen Welt zerstreut — über das Wie ist noch nichts Sicheres festznstellen. Dasselbe Schicksal, welches die politische Stellung der Juden vernichtete, bereitete ihnen religiöse Förderungen: die Ansgewiesencn sehen die Wunder der hellenischen Weit, den Vertriebenen folgen die Hnndeltreiberchen» Bekannter ist nnr die Diaspora in Eghplen, aber in den anderen wird cs ähnlich gewesen sein. Am meisten bedeutet hier die Septuaginta, die um 150 in Alexandria entstandene Uebersetznng des Alten Testaments mit den Apokryphen; sie lehrt uns ein Doppeltes, dast ihre Urheber nicht aufgehört hatten, Inden zn sein, aber schon inmitten der Hellenisierung standen. In die neue Welt hatten die Väter das alte heilige Buch mitgebracht, dieses Volk und seine Fragmente hat der Buchstabe gerettet, weil er der Träger des Logos war. Die Enkel verstanden nur noch das Wenigste: überall im täglichen Leben redeten sie die Sprache ihrer Umgebung. Sie sprachen jedenfalls kein Judengriechisch, das ein lange gehegtes Phantasiebild ist, den,: so etwas wie Judendentfch kann sich nnr in künstlicher Isolierung entwickeln. Der sprachwissenschaftliche Beweis für jnee Mischsprache ist iricht erbracht worden; natürlich werden die ersten älteren Leute oft geradebrecht haben, aber Denkmäler davon existieren nicht. Das Weltjndentum hat die junge Sprache der jungen hellenischen Welt gesprochen mit ihren Nmprägnngeil nnd ihren Nenprägungen, wofür wir neuerdings in den Ptolemäer-Papyri ein immer wachsendes Material besitzen. Auch neue Worte der Septuaginta sind immer darauf anzusehen, ob sie nicht bisher unbelegtes Volksgriechisch sind. Oft hat man auch mehr übertragen als übersetzt, die Wortbedeutung ist also nicht immer ans dem A. T. zn erschließen, sondern ans denr Volksgriechisch. Rasch hat sich die Septuaginta verbreitet, um 100 finden wir sie auch bei den Juden in Delos. Die Sepnagii^a konnte nun den Heiden die Kenntnis des semitischen Monotheismus vermitteln, während sie die Hellenisiernng der Inden erleichterte. Wellhausen und besonders Schürer habe« behauptet, die Suptnaginta wimmle so von Hebraismen» dast kein ltzrieche sie habe verstehen können. Ist dies wahr, so kann von einer vorchristlichen Hllenisiernng überhaupt nicht die Rede sein; andernfalls ist die Sepuaginta eine weltgeschichtliche Macht. Eine ganze Reihe von Erscheinungen sprechen gegen Schürer, n. a. dast die Septuaginta viele Jahrhunderte hindurch die Bibel der griechischen Christenheit gewesen ist. Der Irrtum liegt darin, dast man zn sehr generalisiert und nicht Blatt für Blatt vornimmt, mit es mit griechischen Augen zu lesen- Alles stimmt, besonders in den technischen Ausdrücken, mit der Sprache der damaligen Welt überein. Nur Syntax nnd Stil weichen ab, aber nur von der Schriftsprache, die gewöhnliche llmgangssprache, namentlich die der Geschichten, Fabeln nnd Sprichwörter bot viel Analoges, (tzerade ihre Eigenart machte die Septuaginta znm Buche der Kreise, in denen das Christentnin später den besten Boden fand. So ist die Septuaginta ein griechisches Buch, doch es blieb auch ein fremdes Buch; formale Anpassung an das Hellenische beseitigt das Orientalische nicht. Daö (Griechische ist oft ein papierenes, die Semitiömen sind «licht nsnell, sondern okkasionell. Fremdländisch muteten die zahllosen Namen an, aber doch nicht abstoßend; die überall geschätzte«« Zanberfornreln strotzten von nnverstäl«dliche«t