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Jüdisches Volksblatt · 1902-12-12 · 50 (12.12.1902) · p. Seite 3

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
4 (1902)
Issue
50 (12.12.1902)
Date
1902-12-12
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 50 Wim, Freitag Jüdisches Volksblatt 12. Dezember 1902 Saite 3 Nr. 50 Mn Hör; am »trag „lieber H’rr Dr. Carl 5. Deze-urbei- 20. Iah rhu n i „Heber das »02 Herr Dr. Jänner Herr it"; am 22. tut 29. Jäm tratttm"; am he» Inden"; eine Jndenrß»h „lieber rr Jt»ge»»ienr Demonftra- NosenmannZ ite nicht inte m Sfiiilanbe. febett Juden, au eine Zut Inden ge- 'zahleit, sehr vollstäirdigett Ischutzburean seine wirtül»»ng unseriesten Heibischet» Eüti tausenden ) zur Mögverflossenen reau rund besorgt und ^wendig ge- »ngereichten rn Jnstan- Die Aufscechtsfrage mit großer »eit unsere Lrfolge be hek. er Zeit als lten Stamn. Leider eu unserer it und die l die Tat- Stammes-! mit ihrer ichkeit und erentismus tbgetvendet auf, hierieschäftigen ug auf die >, verteilen hebräisch, rumänisch, mrs alten Bibliothek lenommen. ^ohl allen sowie den Nlug oder )en Spen- P rechet». -s Rechts- ,'l Lifczis, l in Andaß die en. Der »en ver- Nationalllden ihn h keinen )iskussion anregen. schreiben künftigen irei. ritica dr teilungen zwischen , einiges oder gee Juden rige Be- Lebenö- London hältniffe löst für leben, cblichkeit lNlderem »en dernlich in »lichenen bis zum uSdauer sich zugering Amsterl bis 5;e»it bei fpruch nehmen, in selbstloser Weise mit Rat und Tat beisteht. Geehrte Generalversammlung! Groß ist die Arbeit, die wir zu vollführen haben und erhaben ist das Ziel, das tvir uns vorgesteckt, und nicht gering sind die Schwierigkeiten, die uns in unserer, dem Wohle des Judentums gewidmeten Arbeit bereitet werden. Aber wir bleiben unermüdlich in unserer Arbeit und es muß die Zeit kommen, wo unsere Stammesbrüder alle uns verstehen, sich an unsere Seite stellen und mit uns arbeiten werden für das gesamte Judcntmn. Politische Streiflichter. Die derzeitige parlamentarische Stille gleicht der Ruhe vor einem Gewittersturme. Schon die nächsten Wochen werden entscheiden über Sein oder Nichtsein des österreichischen Abgeordnetenhauses, sogar der ganzen Verfaffung. Kommt der deutsch-tschechische Ausgleich auch diesmal nicht zustande, wird die parlamentarische Erledigung der wichtigsten Vorlagen und besonders des österreichischungarischen „Ausgleiches" wie bisher durch die schleichende Obstruktion in den beiderseitigen „Bolks"vertretungen in Wien und Pest verhindert, dann — comoedia finita est. Dabei fällt sehr der Umstand ins Gewicht, daß die weitesten Kreise der österreichischen Bevölkerung — die Juden wahrhaft nicht in letzter Linie — mit einem tiefen Ekel auf das Treiben der parlamentarischen Kliquen und Koterien herabblicken, denen allmählich vollständig das Empfinden für ihre Pflichten lgegen Volk und Reich abhanden gekommen ist. Jede Sitzung des österreichischen Abgeordnetenhauses beweist es, die Parlamentsprotokolle zeigen es, daß die derzeitigen „Volksvertreter weder die Eignung noch den Willen besitzen, jene nationalen und wirtschaftlichen Probleme einer gedeihlichen Lösung zuzuführen, welche in beiden Reichshälften der Erledigung harren. Skandale nnd Krawalle wechseln mit sinn- oder zwecklosen „Dringlichkeits--Anträgen; die Herren Parlamentarier amüsieren sich dabei und wollen nicht sehen, daß der Parlamentarismus dieses Reiches täglich mehr im Sumpfe des aufgehäuften parlamentarischen Unflates erstickt. Was sollte denn die Bewohner Oesterreichs, was die österreichischen Juden für die heutige Verfassung und die jetzigen Parlamentarier erwärmen? Wo bleibt die vor allen Wahlen von sämtlichen parlamentarischen Parteien versprochene wirtschaftlicheWohlfahrtsgesetzgebung? Der Winter ist strenge, tausende sind arbeitslos, dem Hunger und der Kälte preisgegeben und „unsere" Volksvertreter gehen daran, um neuerlich tausende jüdische und andersnationale Hausierer das bereits vorhandene Heer der Arbeitslosen und Notleidenden vermehren zu lasten. Das nennt sich ch r i st l i ch e S o z i a l r e f o r m im österreichischen Abgeordnetenhause! Die südslavischen Abgeordneten Schusterschitz und B i a n k i n i haben diesen „christlichen Sozialismus" im Parlamente genügend — elektrisch beleuchtet! Und ebensowenig als auf wirtschaftlichem Gebiete ein sozialer Fortschritt zu konstatieren 'st, hört man Erfreuliches vom nationalen Kriegsschauplätze. den Inden; in Amsterdam 11V- Perzent der christlichen, 9 Perzent der jüdischen Kinder. Auf der anderen Seite aber ist die längere Lebensdauer der Juden eine Folge deö NmstandeS, daß sie den schweren Infektionskrankheiten, welche die Bevölkerung dezimieren, wenig unterworfen sind. Gerade für die gefährlichsten und verbreitetsten Infektionskrankheiten, wie Tuberkulose, Lungenentzündung, TyphuS, Wechselfieber usw. sind sie weniger empfänglich als die Christen. Diese Beobachtung wurde schon in früheren Zeiten gemacht. So wird bekanntlich berichtet, daß die Pest im Jahre 1346 die Juden nicht befiel; der Unterschied gegenüber der christlichen Bevölkerung war so auffällig, daß daraus die Anklage entsprang, die Juden verbreiteten im Aufträge des Teufels die Pest, eine Behauptung, infolge deren Hunderte und Tausende von Juden ihrer Habe beraubt und getötet wurden. Aus verschiedenen Typhus- und Ruhrepidemien wird berichtet, daß die Juden von der Krankheit verschont blieben. Bei den Cholera-Epidemien des 19. Jahrhunderts in Budapest, London, Algier «sw. war der Perzentsatz der erkrankten Juden erheblich geringer als der der Christen. Für die Tuberkulose liegen aus Nordamerika, aus Tunis usw. Angaben vor, wonach auch diese Krankheit unter den Juden viel weniger Opfer fordert, als unter der übrigen Bevölkerung. Auf Grund dieser auffälligen Widerstandsfähigkeit der Juden gegenüber schweren nnd tödlichen Erkrankungen führt Silvagni ihre Enthaltsamkeit gegenüber dem Alkohol und die geringere Verbreitung der Syphilis unter ihnen an. Die Mäßigkeit der Juden im Genusie geistiger Getränke ist bekannt. Silvagni gibt dafür genar«:re, zahlenmäßige Belege aus New-Aork, woselbst die Trunksucht unter den Juden bei weitem weniger Opfer fordert, als unter den Irländern, Deutschen u. a.; ein anderes Moment, das von Silvagni auffälligerweise nicht berührt wird» dürfte jedoch hierbei weit mehr in Frage kommen, nämlich die größere Sorgfalt der Juden in der Auswahl ihrer Lebensmittel. Die Speisegesetze, die gerade von den in den gedrücktesten Berhältniffe» lebenden Juden am genauesten befolgt werden, sind in Wahrheit eine Schutzwehr gerade gegenüber den zahlreichen von den BerdauungSorganen ausgehenden Infektionskrankheiten, wie TyphuS, Cholera, Ruhr. Auch der hygienische Wert einer strengen Jnnehaltnng der Ruhetage, dieser großen Wohltat, die das Judentum der Kulturmenschheit geliefert hat, dürfte hierbei eine Rolle spielen. Wenn Silvagni am Schlüße seines Arfikels ausführt, daß mit der zurrehmenden Assimilierung der Juden an die übrige Bevölkerung ihre ausfällige Immunität gegenüber den großen BolkSseuchen schwindet, so zeigt dies deutlich, worin der Schutz der jüdischen Bevölkerung besteht, Die Sprachenvorlagen der gemäßigtnationalen deutschbürgerlichen Politiker der „Linken" wären ja diskutabel und die Jungtschechen verhalten sich auch nicht nicht prinzipiell ablehnend, aber schon haben die deutsch-radikalen und tschechisch-radikalen Ultras Acht und Bann über alle nationalen Versöhnnngsbestrebungen und ihre Fürsprecher ausgesprochen, schon wühlen die Feudalen und Klerikalen wieder gegen den deutsch-tschechischen Ausgleich und schließlich und endlich sind nicht einmal die Deutschfreiheitlichen und Jungtschechen in der Tiefe ihres Herzens dem nationalen Frieden sehr geneigt. Solange die deutschbürgerlichen Fraktionen hofften, ganz Böhmen zu germanisieren, hielten sie an der Einheit des Landes fest und wollten von einer sprachlichen Teilung nichts wissen. Jetzt aber, wo sie in die Defensive gedrängt sind, wollen sie wenigstens das deutsche Gebiet retten. (Die Alldeutschen freilich wollen noch immer germanisieren!) Auch die tschechischen Abgeordneten verlangten die Dreiteilung — in ein tschechisches, deutsches und gemischtsprachiges Gebiet — solange sie sich zu — schwach fühlten. Jetzt verwerfen sie die Teilung, weil sie Böhmen samt Mähren tschechisieren wollen, und verlangen die tschechische Amtssprache für ganz Böhmen. Die tschechische Amtssprache im tschechischen Gebiete und die Erklärung Mährens zum gemischten Gebiete genügt den Jungtschechen und ihren tschechisch-radikalen Verbündeten nicht. Anderseits genügt es den Alldeutschen und übrigen Deutschnationalen nicht, daß den Deutschen das geschlossene Sprachgebiet in Böhmen zugestanden wird, die Regelung der Sprachenfrage nicht auf dem Verordnungswege, sondern durch die Gesetzgebung erfolgen soll und die deutsche Sprache auf gewissen staatlichen Gebieten zur tatsächlichen Geltung gelangt. Unter solchen Verhältnissen scheint das Schicksal des Parlamentes besiegelt und hätte Graf Richard Belcredi noch kurze Zeit unter den Lebenden geweilt, so hätte er vielleicht eine zweiteSistierungderVersassung erlebt. Doch Pardon, eine Sistierung (!) ist ja überflüssig. wir haben ja den § 14!! Die Hoffnung auf unsere magyarischen Reichsgenossen „als die Säulen des Konstitutionalismus und des Liberalismus" wäre mehr als töricht! Der ungarische Parlamentarismus kracht in allen Fugen, die „liberale" Regierungsmajorität ist im Innern zerklüftet und die Kossuthianer in ihrem maßlosen Chauvinismus gegen die Westhälfte der Monarchie und gegen die nichtmagyarische Bevölkerungsmehrheit jenseits der Leitha steigert nur die nationale Erbitterung in Kroatien, im Banat und Siebenbürgen gegen die Budapester Machthaber. Noch immer sieht aber die Mehrheit der ungarischen Juden nicht, daß mit der wachsenden deutschen, slavischen und rumänischen Nationalitätenbewegung auch der Antisemitismus wächst, die Abneigung gegen die Neomagyaren auch unter den Stockmagyaren steigt. In Transleithanien treten eben jetzt erst die Erscheinungen zutage, deren Zeugen wir in Zisleithanien seit zwei Jahrzehnten sind und dieselben Kämpfe, die wir diesseits der Leitha durchmachen mußten, stehen auch jenseits der Leitha bevor. Die verhüllte Obstruktion der Kossuthianer ist nur der Anfang. daß e8 sich dabei nicht sowohl um eine Rasieneigentümlichkeit, als um eine Eigentümlichkeit ihrer Lebensführung handelt. Die hygienischen Gesetze skrupulöser Reinlichkeit, die für die moderne europäische Bevölkerung erst in den letzten Jahrzehnten in Aufnahme gekommen sind, gelten bei de» Juden seit Jahrtausenden und enthalten in ihrem Kerne für jedermann sehr viel Wahres und Beachtenswertes. Es sei in dieser Hinsicht an daö Waschen der Hände vor der Alahlzeit erinnert. Einen Einfluß der Beschneidung auf die Empfänglichkeit für Krankheiten weist Silvagni mit Recht zurück. Der Immunität der Juden gegenüber den großen Volksseuchen steht gegenüber ihre größere Empfänglichkeit fiir andere Krankheiten. Bekannt ist ihre große Neigung zur Zuckerkrankheit, obwohl in den gewöhnlich hierüber gemachten Angaben viel UebertriebeneS enthalten ist. Die Juden sind aber auch verhältnismäßig empfänglich für Gicht, Gallen- und Nierensteine, Neuralgien, chronischen Rhenmatiömus. Silvagni meint, dies weise darauf hin, daß der Stoffwechsel sich bei den Juden etwas anders abspielt, als bei der nichtjüdischen Bevölkerung, eine Schlußfolgerung, die wohl noch sehr der eingehenden Prüfung bedarf. Die Nervosität, die bei den Inden leider aus geschichtlichen und sozialen Ursachen so stark vorhanden ist, dürfte hierfür viel maßgebender sein. Zweifellos ist die größere Neigung der Juden zu Krankheiten deö Gehirns und der Nerven. Schon in der Bibel werden zahlreiche Fälle von Hysterie, Sinnestäuschungen nnd Wahnsinn beschrieben. In der neueren Zeit wird allgemein berichtet, daß unter den Juden verhältnismäßig viel mehr Geisteskrankheiten als unter der nichtjüdischen Bevölkerung Vorkommen. Für das Deutsche Reich wird z. B. für 1871 angegeben, daß auf 10 000 Christen 8,6 Geisteskranke, auf 10 000 Juden 16,1 kommen. Dagegen befallen die TabeS und die progressive Paralyse die Juden verhältnismäßig wenig, was augenscheinlich mit der geringen Verbreitung der Syphilis unter ihnen zusammenhängt. Als Ursache der großen Neigung der Juden zu Geisteskrankheiten kommen zwei Umstände in Betracht: daß die Juden fast »amtlich in Städten wohnen und daß sie größtenteils Berufe auöüben, die eine angestrengte geistige Arbeit erfordern. Die interessanten Angaben Silvagnis zeigen deutlich, daß die Juden eine keineswegs entartete Rasse bilden, und daß daö Elend und die Verfolgungen, welche sie so viele Jahrhunderte hindurch erduldet haben, ihre Widerstandskraft eher erhöht als vermindert haben; leider spitzt sich diese auf kürzere Zeitverhältnisse zu. Die hygienische Hebung der Juden ist chic strenge Forderung der Gegenwart. Leider sind all die Lehren, welche die Staatslenker und Gesetzgeber der Habsburger-Monarchie aus der Entwicklung seit 1867 hätten ziehen können, an denselben ebenso spurlos vorübergegangen, wie an dem Gros der Juden des Donaureiches. Immer werden dieselben Fehler wiederholt, nur von anderen Personen und anderen Parteien. Im Wechsel und Wandel der Regierungen und Majoritäten bleibt leider immer die Einsichtslosigkeit in Oesterreich tonangebend, das Fortwursteln das Regierungssystem und Programm der Parteien. Wann wird man endlich in Oesterreich begreifen lernen, daß diesem Staate nur durch eine Radikalkur geholfen werden kann, daß der gordische Knoten durchhaul werden muß. Oesterreich, die Gesamtmonarchie, bedarf einer neuen national-autonomistischen Reichsverfassung. Der Verein plin „Januskopf". Wir haben uns anläßlich der letzten Landtagsu»»d Kultnsgemeindewahlen eingehend mit der Doppelrolle des obgenannten neckische,» Vcreittcs, in dem unsere Leser sofort die verehrliche „Oesterreichisch-Jsraelitische Union" erkannt haben werden, beschäftigt und dachten aufrichtig, daß es genug des grausamen Spieles sei. Aber der letzte Monatsbericht enthält so viele köstliche Bekenntnisse, daß wir sic nolens volens einer iveiteren Öffentlichkeit mitteilen müssen. Wir schrieben in der Nummer 42 des „Jüdischen Volksblatt": „Während die „Union" im Oktober 1901 schrieb: „Auf der deutschen Seite bekämpfen sich Fortschrittliche. Völkische und Volkliche mit einer wahrer» Berserkerwut, aber gemeinsam hauen sie alle auf die Inden los", sagt sie in ihrem letzten Waschzettel: „Insbesondere stchcit bei den Wiener Wahlen antisemitischen Kandidaten entschieden freisinnige Man »rer gegenüber, Ivelchc die kräftigste Unterstützung der jüdischen Wählerschaft verdienen (I), und cs ist daher notwendig, innerhalb der jüdischem Wählerschaft der vielfach auftretettden Wahlmüdigkei i,. sowie der von manchen Seiten ausgcgebenen Parole der Wahl-' enthaltung e n t g e g e n z u w i r k e n. (l)" Wir konstatierten also, daß die „Union" ihren eigenen Worte»» untreu geworden war. Dies hinderte aber nicht Herrn Dr. Zins, im Namen der „Union" zu erklären, däß sie unbesehen alle Kandidaten des fortschrittlichen Wahlkomitees akzeptiert. Doch jetzt: n a ch den Wahlen ist die „Union" neuerlich umgefallen. Sie bringt in dem letzten Monatsbericht einen Artikel, betitelt „Ein liberaler Landtagskandidat", indem sie auf die Kandidatur des Herrn C. I. Schweitzer, Fabriksdirektor der Firma Schoeller u. Comp., zurückkommt. Dieser Herr entpuppte sich bekanntlich aus Grund eines veröffentlichten faksimilierten Briefes als ein verkappter Christlich- Sozialer. Jener Zwischenfall begeistert die „Union" zu folgenden Ausführuitgen: „Mehr wie je wäre dieser leider nicht vereinzelte Fall ein weiterer Beleg für die Nichtigkeit, daß die jüdische Bevölkerung politisch nicht nur »»icht selbst hervortretcn soll, sondern bis auf weiteres strettge Wahlenthaltung bekunden und die christlich-liberale Bevölkerung — sofern,es noch eine solche gibt (!) — den Kampf gegen Antisemiten und Klerikale allein ausfechtcn lassen möge. Für die Kandidaten waren die Juden früher wenigstens vor den Wahlen «die geehrten Herren Wähler israelitischer Konfession". In letzter Zeit haben die Herren Kandidaten sich auch vor den Wahlen nicht mehr geniert, jüdische Wählerversammlungen unbesucht zu lassen, und haben es absichtlich vermieden, zur jüdischen Frage Stellung zu nehmen. Soviel Würde sollten wir doch ettdlich bekommet», daß wir tricht das Stiminvieh für gewisse Herren abgeben, für die es angeblich „ferne jüdische Frage" gibt, oder daß wir für Sozialdemokraten stnnmen, die das Jude»»tum für ihre Person abgeschüttelt Habens und offen erklären, daß sie nicht in jüdische Wählerversammlungen gehett köntten. Vom libcralet» Wahl-Komitee, besonders aber vom Präsidenten des Grctniurns der Wiener Kaufmannschaft'), der als Jude besonders unangenehm berührt sein muß, sofern die im „Deutschen Volksblatt" enthaltener» Mitteilungen über den v o n i h m empfohlenen Herrn Schweitzer auf Wahrheit beruhen, erwarten wir »»unmehr volle Aufklärung." Die verehrte „Union" wird also jetzt so gescheit, wie wir vor den Wahlen ivarcn. Wir würden uns nun nicht weiter darüber aufhalte»», daß dieselben Herren, die wegen u»»serer Kritik vor der Wähl Steine a»rf u»»s warfen, jetzt »»ach der Wahl sich zu den - selbe»» ketzerischen A»»schai»ungen bekehrt habe»», ja, wir würden diese Sin»»csänderu»»g sogar beifällig begrüßen u»»d das Beke»u»tnis zu einer tvahrhaften jüdischer» Politik, tvenn es auch etwas verspätet kommt, gerne akzeptiere»», wenn wir nicht leider der Meiimrrg sein müßte»», daß die ganze Politik der verehrlichen „Oe. J.-U." nicht e r nst zu n ehmen ist, denn wie wir eingangs aus den eigenen Mitteilu»»gen der „Union" »»achgewicsen haben, markierten die Herren schon im Oktober 1901 eine jüdische Jnteresseirpolitik. Mir nichts, dir nichts fielen sie anläßlich der letzten Landtagswahlcn wieder um, etablierten sich als die heißesten Wahlmacher der deutsch-freiheitlichen Karrdidaten, um jetzt wieder»!»» nrit eine»»» moralischen Katzenjammer cmfzutvachen, ihre deutsch-freiheitlichen Verirrungen zu bewcirrei» und sich als echte Juden zu geberdet». Aber tut nur »»icht so spröde, ihr edlen Herren; bei den »»ächsten Wahlei» werdet ihr euch wieder erweichen lassen u»»d in die liberale Laube gehen. Mit eurer Treppenweisheit fönnt ihr höchstens einiger» Schwachköpfen imponieren; bei konsequenten Politiken» macht ihr euch einfach unsterblich lächerlich. Die Herren haben also bewiesen, daß sie »»icht nur Prograrnlrre, sondern auch politische Leitsätze abschreiben fömiet», tvenn es ihnen in den Krmn paßt, und »»atürlich ohne jede Verbindlichkeit für die Zrtkunft; deirn sie scheinen zu glauben, dass Politik darin besteht, sein Wort nicht zu halten. Wir tverden uns noch das Vergnüget» rnachen, it» der nächste,» Nnnriner die Nolle näher zu be-

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