Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 4 (1902)
- Issue
- 49 (5.12.1902)
- Date
- 1902-12-05
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Wien* Freitag Jüdisches Vollcsblatt 5. Dezember 1902 Nr. 49 Die Anerkennung der jüdischen Nationalität an den Hochschulen. Wie bei anderen Völkern, ist auch bei den Juden die akademische Jugend die Babnbrecherin neuer Ideen. Bekanntlich wurde der national-jüdische Gedanke von der jüdischen Studentenschaft zu einer Zeit propagiert, wo die übrigen Teile des jüdischen Volkes sich ablehnend' der Tatsache gegenüber verhielten, daß die Juden eine eigene nationale Individualität sind. Nachdem diese Erkenntnis zum Bewußtsein aller modernen Juden gelangt ist, nachdem der nationale Gedanke zum Gemeingut aller derer geworden ist, die ein lebendiges Judentum wollen, hat die akademische jüdisch-nationale Jugend die Initiative ju einer Aktion ergriffen, die darauf gerichtet ist, die Anerkennung der Juden als eigene Nationalität von den akademischen und in weiterer Linie von? den staatlichen Behörden zu erzielen. Unsere Jungmannschaft kann in allen diesbezüglichen Bestrebungen auf die tatkräftigste Unterstützung aller derer rechnen, die sich als treue Söhne ihres jüdischen Volkes betrachten, sie muß allerdings auch mit dem aktiven oder passiven Wiederstand aller jener Streife sich ab finden, welche in jeder Betätigung der volkstreuen Jungjuden nationalen „Chauvinismus" und „Reaktion" erblickenlund bekämpfen. Welche geistige Verheerung können mißverstandene und mißbrauchte, an unrichtiger Stelle angewendete Schlagwörter bewirken! Wenn Juden sich als das bekennen, was sie auf Grundlage ihrer tausendjährigen Geschichte sind und als was sie von ihre» erbitterten Feinden, aber auch von ihren ehrlichen und verständnisvollen Freunden betrachtet werden, als selbständiges jüdisches Volk, so wird das — als „jüdischer Antisemitismus" und Chauvinismus von assimilatorischer Seile hingestellt!!! Die „Jüdische Moderne" ist weit davon entfernt! Nicht in der Verunglimpfung anderer Volksstämme, in der schamlosen Hetze gegen Anderssprecheude, in der Aufrichtung unnatürlicher und unmöglicher Scheidewände zwischen sich und den übrigen Nationalitäten, gipfelt ihr Nationalgefühl und ihre nationale Betätigung. Kulturelle und soziale Arbeit für das eigene Volk! ist unsere Losung. Nur in diesem Sinne ist es möglich die Pflichten gegen seine Volksgenossen zu erfüllen und doch zugleich an jenen Problemen mitzuarbeiten, die allen Kulturvölkern gemeinsam sind, welche die nationalen Gegensätze allmählich mildern, den Chauvinismus überwinden und zu einer nationalen Verständigung führen können. Jedoch nur als Juden können wir uns mit Gleichgesinnten anderer Nationalitäten verständigen, nicht aber als „Deutsche, Tschechen, Polen, Italiener und Magyaren israelitischer Konfession" oder als anationale Weltbürger. Die Anerkennung der Juden als Nationalität, welche die jüdisch-nationalen Akademiker in zwei großen Studentenversammlungen in Wien, sowie in Lemberg und Krakau forderten, sind ein weiterer Schritt zu diesem Ziele. Am 27. November 1902 hat im „Hotel Central" eine Massenversammlung der jüdischen Studentenschaft stattgesunden, die von den Präsidien der akademischen Vereinigungen „Bar-Kochba", „Bar-Giora", „Erez Israel", „Leo Pinsker", „Vereinigung zionistischer Hochschüler" und „Theologia" einberusen wurde. Nachdem jur. Haas die Versammlung eröffnet hatte und jur. Rothblum zum Vorsitzenden gewählt wurde, referierte phil. Martin Buber über „Begriff und Wesen der Nationalität". Ueber das Thema: „Die jüdische Nationalität und ihre Anerkennung' referierte jur. Ephraim Waschitz. Durch Zitate aus alten Patenten und Hofdekreten bewies er, daß die jüdische Nationalität am Anfänge des XIX. Jahrhunderts unbestritten war. Ja, bis zum Jahre 1848 wurden die Juden als besonderer Volksstamm konskribiert. Die neueren Statistiker streiten darüber, ob das westliche Judentum zur jüdischen Nation zu zählen sei, vom östlichen gilt es als ausgemachte Tatsache. In Rußland hat die Regierung in den letzten Jahren im Verordnungswege für Schutz und Erhaltung der jüdischen Sprache und Schrift in Religions- und Kultusangelegenheiten und in diesbezüglichen Urkunden gesorgt. Referent erörtert dann, inwieferne Sprache und Schrift, Religion und Sitten, Geschichte und Gegenwart die Juden als Nation Zusammenhalten. Schließlich skizziert er die Geschichte des .Kampfes um Anerkennung der jüdischen Nationalität, die bisher in Wien und anderwärts gemachten Versuche. ..Unser heutiger Plebiszit soll die Einholung eines Fakultätsgutachtens beschließen über den Umstand, daß unser Volkstum lebt; geben wir uns der Hoffnung hin, daß dieses Gutachten zu unseren Gunsten ausfallen wird!" „Niemand komme uns mit dem Vorwurfe, daß wir einen engherzigen, nationalistischen Standpunkt einnehmen. Der Kosmopolitismus — sagt Bluntschli — der die nationale Tatlosigkeit entschuldigt und die nationale Energie entnervt, verdient nicht nur den strengsten Tadel, sondern wird sogar verächtlich." ES sprachen noch Dr. Kahn, Dr. Bernhardt, Dr. Weisen grün, worauf auf Vorschlag des jur. E. Waschitz die unten folgende Resolution unter stürmischem Beifall einstimmig zum Beschlüsse erhoben wurde. Nach Absingung des Liedes: „Aus, mein Volk!" schloß der Vorsitzende jur. R o t hb l u m die imposante, von mehr als 400 Studenten besuchte Versammlung. „Resolution, gefaßt von der Massenversammlung der jüdischen Studentenschaft am 27. November 1902. Von dem durch Artikel XlX des Staatsgrundgesetzes über die allgemeinen Rechte der Staatsbürger gewährleisteten und natürlichen Rechte jedes Volkes auf „Schutz und Pflege seiner Nationalität" ausgehend, wendet sich die jüdische Studentenschaft an den hohen akademischen Senat mit der ergebenen Bitte, der hohe Senat geruhe eine Verfügung in formeller Beziehung zu treffen, die es der jüdischen Studentenschaft ermöglichen würde, nebst der Umgangssprache auch ihre wahre Nationalität offen deklarieren zi? können, beziehungsweise dort, wo die Möglichkeit, die Nationalität zu bekennen, formell besteht, die mit „jüdisch" ausgrfüllte Rubrik als giltig auzuerkennen. Die Tatsache einer solchen Deklaration würde nicht nur der Wahrheit entsprechen, als deren Pflegestätts die ^Ima mater allen ihrerr Bürgern gilt, sondern muß auch auf die Charakterbildung der jüdisch-akademischen Jugend von günstigem Einflüsse sein, weil dadurch von ihr das Odium genommen wird, sich iremden Nationen aufzudrüngen. « Die wehrhaften Verbindungen hielten ihre diesbezügliche Versammlung Dienstag den 3. Dezember im „Hotel Continental" ab. Der Saal war vollständig gefüllt und bie Stimmung eine recht animierte. Der Vorsitzende Littmann begrüßte die Anwesenden, setzte den Zweck der Versammlung auseinander und erteilte dann dem Referenten Dr. Ehrlich das Wort, Derselbe führte nach einer Kritik des „Reformjudentums", (das die Todeserklärung des jüdischen Volkes bedeute) aus, es sei notwendig, die Anerkennung der jüdischen Nationalität von den akademischen Behörden zu erlangen. Der Rektor der Wiener Universität billigt wohl den Standpunkt der jüoisch-nationalen Studentenschaft und hält einen Kamps für überflüssig. Es ist eine prinzipielle Regelung nötig, eine Sicherung des Rechtes für alle Zeiten. Die Schwierigkeiten werden vorwiegend von den jüdischen Renegaten bereitet. Bei anderen Böllern ist die Studentenschaft die Elite ihrer Nationalität; leider kann man das nicht von der gesamten jüdischen Studentenschaft sagen. Es gibt sozialdemokratische und deursch-liberal-nationale Assimilanten. Die Stellung der Sozialdemokratie zur Judenfrage wird dadurch erkärkich, daß ihre Lösung vorwiegend in den Händen der Juden sich befindet. Die einzige sozialdemokratische Vereinigung der Wiener Universität, die „Freie Vereinigung", ist aufgelöst worden, ein Beweis wie wenig Boden die Sozialdemokratie hat. Mit derselben hatte die jüdisch-nationale Studentenschaft wenigstens das eine gemeinsam, das Los der Armen und Elenden zu verbessern. Mit jenen, deren Väter Tempeldiener, Schächter re. waren, die sich nun stramm deutsch-national geberden, die anläßlich der Badeni'schen Sprachenverordnungen mit Schönerer und Wolf sympathisierten und sie anhei . . . lten, soll keine Gemeinschaft bestehen. (Großer Beifall.) Der folgende Redner: sind. Jung m a n n begrüßtes mit Freude, daß das Gros der jüdischen Studenten mit den Bestrebungen des Referenten sympathisiert. Die jüdischnationale Bewegung ist keine Eintagsfliege. Es ist ihr Verdienst, daß die jüdischen Studenten in der Aula Achtung begegnen. Die akademische Jugend, die berufene Führerin des jüdischen Volkes, muß bestrebt sein das gesamte jüdische Volk aus der Lethargie aufznrütteln. Dann wird auch der Sieg nicht ausbleiben. (Lebhafter Beifall.) Der Obmann des zionistischen Distrikts-Komitees Doktor B e r n h a r d t verweist auf die Tatsache, daß derzeit bereits 1<J jüdisch-nationale Studentenvereine in Wien existieren. Ihrer Pflicht gernäß kämpfen sie für die Anerkennung der jüdischen Nationalität. Falls ihre Forderungen vom Rektorate abgewiesen werden sollten, empfiehlt sich ein Rekurs an das Reichsgericht. Gegenüber der jüngsten Rede des Rabbi Funk aus Preßburg fühlt sich der Redner veranlaßt, ausdrücklich zu betonen, daß jüdisch-national und religiös-zelotisch nicht identisch ist. Unsere Väter haben immer für Gewissensfreiheit gekämpft und auch wir, ihre Söhne, wollen unter jener Fahme kämpfen, auf der die Worte prangen: „Brot und Lieb e." (Großer Applaus.) Ltud. Haus m a n n hält einen Druck auf die akademischen Behörden für nötig und empfiehlt zu diesem eine Verständigung mit den galizischen jüdisch-nationalen Verbindungen. Ltud. jur. Körner erblickt in der Nichtanerkennung der jüdischen Nationalität eine Verletzung des Art. XlX, also einen Nechtsbruch. Nachdem noch die Herren R a u ch b e r g, Kahn und Dr. Fisch! gesprochen, wurde folgende Resolution einstimmig angenommen: * Aus Krakau wird diesbezüglich gemeldet: Es ist eiue ueue Auerkeuuuug der jüdischen Nation zur Kenntnis zu nehmen, nämlich seitens des hiesigen Universitätssenats, dem hoffentlich auch die Leinberger Universität folgen wird. Dem Beschlüsse des Bielitzer Zionistenkongresses gemäß, haben wir einleitende Schritte unternommen, um deni Senate der hiesigen Universität die öffentliche Anerkennung unserer Nationalität abzuriugen. Zn diesem Zwecke wollten wir an derselben einer: Studententag einberufen und reichten diesbezüglich um Erlaubnis zur Benützung eines Hörsaales ein. Darauf antwortete man uns, der Senat sehe eine Diskussion über diese Angelegenheit für zwecklos an, denn dieselbe rvurde schon durch Artikel XIX des Staatsgrnndgesetzes vom 21. Dezember 1867 geregelt und der derzeitige Rektor Dr. Gromnicki erläuterte rurs diese Antwort mit den Worten: „Er werde fortan in aller: Arutsangelegenheiten und Amtspapieren die jüdische Nationalität anerkennen und wundere sich sehr, daß dies bis jetzt nicht geschah, da doch niemand das Bestehen der jüdischer: Nation leugnen kau::." Auf diese Weise Haber: wir ur:s das, was wir ur:s zum Ziele vorsteckten, ohr:e Geschrei ur:d Gerede erhalten. Was so ein Sieg bedeutet, ist unnötig zu erklären. Es genügt, um die Bedeutung dieser Tatsache zu begreife::, wenn wir das bisherige Verfahren der Universitätsbehörden in Betracht zieherr, das nur. darauf hir:zielte, ur:s einer anderen Nation (in unserem Falle der polnischer:) eir:zuverleiber: und uns auf diese Weise mit Gewalt zu assin:iliereu. Aber unsere Individualität erlaubte uns nicht, dies ruhig zu ertrage:: ur:d wir mußten dageger: auftreten, und dies nicht nur wir Zionister: selbst, sondern ir: Uebereinstimmung mit der recht, daß die Schale, deren Inhalt genossen wurde, nicht mehr gebraucht wird. Das geschieht mit den profanen Werken, mit den heiligen aber verhält es sich anders. Da heiligt der Inhalt das Buch, so daß es wichtiger wird als der Inhalt. Das Buch existiert ewig und sein Inhalt ändert sich mit dem Leben und der Kultur. Was hat nicht die Menschheit in unseren heiligen Schriften seit der Zeit P h i l o s*) bis zum heutigen Tage gefunden? In Alexandrien fand man in ihnen des Platon, in Spanien des Aristoteles' Philosophie, die Kabbalisten entdeckten in ihnen ihre Ideen, die Bekenner verschiedener Religionen ihre Glaubens» sätze und manche gläubige Gelehrte fanden in ihnen sogar Kopernikus und Darwin! All diese Menschengeschlechter suchten in den heiligen Schriften nur die Wahrheit, jedes seine Wahrheit und alle fanden sie, was sie suchten — fanden, weil sie es wollten, denn würden sie es nicht gefunden haben, ihre Wahrheit wäre keine Wahrheit oder die heiligen Schriften wären nicht heilig. # Dennoch gibt es unter uns Reformer, die glauben, daß es möglich ist die Schale vom Glauben zu scheiden, die Zeremonien nämlich abzustreifen und nur ihren Inhalt zu bewahren, die abstrakten Ideen oder die Schale von den heiligen Schriften zu nehmen, d. h. ihre Sprache und den Inhalt in der Uebersetzung einer europäischen Sprache zu hüten. Diese wie jene denken nicht daran, daß das alte G e f ä ß i n s e i n e r a l t e n F o r m e s ist. das uns als heilig gilt, und alles was diese Form enthält, ist durch sie heilig, obwohl sie leer und von Zeit zu Zeit durch einen neuen Inhalt gefüllt werden muß. Wenn dagegen das Gefäß zerbrechen oder eine neue Form annehmen würde, dann würde der Wein verduften, wenn er auch sehr alt wäre. Die Reformer aber kümmern sich darum nicht, das *) Philo (Philon) Judäus — geb. 20 v. Chr., gest. gegen 54 n. Chr. — jüdisch-hellenischer Philosoph in Alexandrien, der in der Bibel durch allegorische Auslegungsweise die philosophischen Ideen Griechenlands, zumeist Platons, Nachweise» wollte. Volk dagegen hielt in seiner Allgemeinheit es immer so, als würde es dies instinktiv fühlen; es hat sich den Gelehrten nicht widersetzt, als sie das Gefäß mit neuem Weine von fremden Reben füllten, so z. B. dem Rabbi M a i m o n i d e s und seiuen Schülern, ja sie wurden sogar später geachtet und verehrt. Die Karaiten und dergleichen aber, die sich erfrechten, die Hand an das Gefäß zu legen und seine Form — wie es ihnen gut dünkte — zu ändern, diese hat das ° Volk mit aller Entschiedenheit und Energie weggestoßen, wenn diese auch vor ihm den Wein lobten, daß es der alte gehütete ist, von dem sie keinen Tropfen verschüttet hätten. Mögen die Spötter über das Hüten des Gefäßes nach Belieben spötteln — die Lehre, die wir vom Behüten des Weines gezogen, beweist das Gegenteil. Gin Zukunstsmärchen. (Wie es nicht ist und wie es sein sollte.) 1. (In der Gemeindekanzlei in der Seitenstettengasse.) Hans v. Leeew: Ich habe einen Todesfall anzumelden. Kanzlist: Bitte uni den Namen des Verstorbenen. H. v. L.: Jacques N. v. Leeew, mein Papa, Opernring 46. K.: Was tvünschen Sie wegen des Begräbnisses zu verfügen? H. b. L.: Allererste Klasse, Predigt und Oberkantor. K.: Es bliebe nun noch eine kleine Forrnalität zu erfüllen und bitte ich meine Frage keineswegs als Beleidigung aufzufassen. Wir haben wohl unsere Register, es ist mir jedoch zur Pflicht gemacht, zu fragen, ob der Verstorbene getaufte Kinder zurückläßt? H. v. L.: Hm — wir sind alle Katholiken. K.: Seit wann? H. v. L.: Seit unserer frühesten Jugend. K.: Dann ist es nnnröglich, Ihrem Wunsche zu entsprechen und können rrur ein Leichenbegärrgnis vierter Klasse gewähren. Die Gebete tverden von einem Bvrbeter gesprochen. H. v. L.: Das iväre nicht übel . . , Ich werde mich bei dem Präsidenten beschtveren. K. Wie Sie glauben. H. v. L. (ab, die Türe hinter sich zuschlagerü»). 2. (In der Präsidial-Kanzlei.) H. v. L.: Ich muff mich eben an Sie wenden, Herr Doktor, da Ihr Schreiber .... Dr. M.: Da kann auch ich nichts daran ändern . . . H. v. L.: Pardon, Herr Doktor! Ich kann mich genau erinnern, cs werden beiläufig 10 Jahre sein, da starb mein Onkel, der Herr von Kaaan und trotzdem sämtliche Kinder mit Wiffen und Eirrioilligung des Vaters getauft waren, auch awvesend tvaren, so tvurde denrwch der größte Pomp gestattet und zwei Oberrabbiner hielten Leichenreden . . . *) Dr. M.: Seitdem haben sich die Zeiten geändert und nicht nur, daß solche Ehren ausschließlich nur Männern erwiesen werden, die sich mn die jüdische Sache verdient gemacht haben, so muß der betreffende Rabbirrer vorerst eine Bewilligung einholen, ob er überhaupt eine Leichenrede halten darf, denn mn Ende ist doch dev Rabbiner ein Angestellter der Gemeinde und reichlich genug entlohnt, mn, wein: cs sein muh, auf sein Nebeneinkommen verzichten zu könrren. H. v. L.: Das mag wohl ganz richtig sein, aber was sollen die Leute von uns denken, wir haben ja Beziehungen, eS werden ja doch Hofräte, Professoren, Bmrkdirektoren anwesend sein und gar erst die Presse . . . .? Dr. M.: Unmöglich! H. b. L.: Sie sollten uirs gegenüber etwas Rücksicht walten lassen, der Großpapa war ja doch Kultusvorstand, da hängt sogar noch sein Bild .... Dr. M-: ES gibt wohl einen Ausweg l H. v. L.: Nun? Dr. M.: Sie hätten ganz einfach einen schriftlichen Revers aller Geschwister zu bringen, in welchem Sie unter Ehrentvort erklären, in den nächsten 14 Tagen Ihren Wiedereintritt in die 5tultusgemoinde nnzumelden. ferner hätten Sie 6000 Kronen als Kaution zu erlegen, die im Falle eines Wortbruches zugunsten *) A n m. d. Redaktion. Das ist leider kein Märchen. Bei»: Leicherrbegängnis des Herr,: Moritz F. Edler von F. spräche»: Dr. Güderuann und der Oberrabiner vor: Graz. Alle Kinder waren mit Wissen des Vaters getauft; die letzte Heirat fand in Anwesenheit des Vaters im Prälatensaale des Schotten-- stifteS statt.