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Jüdisches Volksblatt · 1902-11-14 · 46 (14.11.1902) · p. Seite 4

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
4 (1902)
Issue
46 (14.11.1902)
Date
1902-11-14
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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8eite 4 \V!!'!'. i I ' juriisches Volksblatt 14. November 1902 Nr. 46 Huilipc tH 1‘|C t Vl-tHUtptUUfl V l ,UIV Ult 11 Viu.m .. »I.v vvv»|. ^jc Terafim bezeichnen nach G. einen Uebergang vom?lhinnknlt zum JahwiSmus dadurch, das; die Ahnen zu -vs-w, den gesli.getteu Feuerboten Jahwe, werden. Seite v7. Efod ist nach Gr. immer ein OZetvand unb erscheillt so mrch in Mikas Privateigentum, S. 57. Las eigentliche Symbol des NationnlgvtteS ist in der Lade mit den Cheriibin zu suchen. S. 68. Denl Hebräer ist die gemeinsaine Mutier des wchnschengeschlechtes die Hauptsache, sei bekanntlich keilt liom. provr. S. 01. nr sei jedenfalls nicht semitischen Ursprungs inid nicht obne Grund mit dem egvptischen Set zusammengestellt. Bemerkenswert sei auch die Notiz, daß mit seinem Sohne die Jahweverehrung begonnen habe. Das späte sct sei möglicherlveise nicht als „der heilige Name", solidcrii als „der Hohe" zu deuten, S. 08. Der Name Nuben scheine znnäelstt ans die mesopotamische Herkunft des mit ihm sich bezeichnenden Stammes zu weisen. Seine Schreibung bei Jos^bus, beim Syrer und Araber lasse seine Identität mit ’rS'Nt vermuten und dies erinnere an den Regebelon im assyrischen Regeutennamen des Ptolemäns, tvelcher in bab.-assyrischer Schreibung als Ri'u-Bi'l erscheine, S. 07. Volt fremdcli Gottheiten können Val Mid Melek zum Teil gesucht werdcii in^----^^, 70. Doch sapieilti sat. Das Beigebrachte wird zum Belveise für das eben aiigedentete Ilrteil genügen: G r. v e r s ü g t b e i aller s ch c i n b a r e n Geleh rsantkeit — d a s B il ch strotzt von Z i t a t e n — weder ii b e r die Ke ii li t n i s s e, il o ch über die m e t h o d i s ch c Sicherheit, die f n r d e r a r t i g c r c l i g i o n s g e s ch i ch t- I i ch e Unter s u ch n n g e n n n e r l äßli eh s i n d. ll m d e s gesunden Fortschrittes der w i s s e n s ch a f t l i ch e li Arbeit willen m ii ß R e f. w ü ii s ch e n, daß A n f ä n - ger gerade auf diesem Gebiete mitVerösfeutl i ch u ii g e ii zurückhaltend s i n d. §7r aßbu r g i. E. W. N o!v a ck." Das ist das Urteil eines hervorragenden Fachgelehrten über ein Werk G r u n w a l d s, das in der Wochenschrift von Woche zu Woche angepriesen wird. Und nuii in eigciier Sache! Das „Jüdische Volksbtatt" hat eine Rezensioil über G r n n w a l d s jüngste Arbeit „Die Portugiesengräber" veröffentlicht. Die Rezension war wohlwollend gehalten, weil cs bekanntlich sehr wenig Gelehrte gibt, die sich mit der Zusammentragung der einzelnen Daten befassen können. Diese kleinen Arbeiten, wir möchten sie — beileibe nicht in verwerflichen Sinne — die „wissenschaftliche Handlangerarbeit" nennen, bleiben den Anfängern überlassen, die kritische Verwertung dieser Daten besorgen die Gelehrten. Wir hatten natürlich keinen Grund, dem jungen Manne diese — Sitzarbeit zu verekeln. Und wer den Schluß unserer Rezension 'nicht mit den Augen Blochs liest, wird in ihr wohl eine Aufmunterung, vielleicht gar ein wenig Ironie, aber nichts von einer Änerkennnng seiner Fähigkeiten als Kritiker oder Historiker finden. Jawohl! Was Grunwald bis jetzt geschrieben hat, sind kleine Bausteine, die er für den Bau eines monumentalen Werkes zusammengetragen hat (hervorragende Kritiker behaupten wohl, er hätte es besser sein lassen sollen), aber das monumentale Werk, zu dem wir ihn aufgemuntert haben, steht noch aus. Ferner müssen wir einfür allemal erklären: Wir sind kein Blatt, das Personenkultus oder faktiöse Opposition treibt; wir öffnen daher unsere Spalten auch gegenteiligen Meinungen, wenn sie von unabhängigen Personen herrühren und nicht unsere Prinzipien tangieren. Zum Schlüsse noch eines: Dr. Bloch kann einmal sein Märtyrerwesen nicht lassen, dieses Mittel hat ihn nie im Stich gelassen und so greift er auch jetzt dazu. Er ist wütend, daß wir ihn „Rabbi Bloch" nennen, wir ärgern uns nur, dast er diesen Titel trägt. Allerdings benützt er diese Gelegenheit wieder, um an seinen Rohling zu erinnern. Das hat immer gepackt. Wir nehmen es übrigens zur Kenntnis, daß Rabbi Bloch ein Schimpfwort ist, wir werden ihn in Zukunft nicht mehr so nennen. Seine Wutausbrüche gegen die jüdischnationalen Parteien freuen uns und ehren uns, aber, was sonst von den Aenßerrmgen dieses Gentleman nicht immer gesagt werden kann, wir begreifen sie auch, denn diese Bewegung hat zunächst seinem Märtyrerunwesen den Garaus gemacht- Wir erhalten folgende Berichtigung: Es ist unwahr, daß ich alle Vorsteher besucht habe, um meinem Schwiegersöhne die Rabbinerstelle zu Wern. Es ist unwahr, daß ich auch nur einen Teil der Vorstandsmitglieder zu diesem Behufe besucht habe. Es ist unwahr, daß mehrere Kuliusvorsteher in ihrer Angst mir Reverse gegeben haben, daß sie für Dr. Grunwald stimmen werden. Es ist unwahr, büß auch nur ein einziger Kultusvorsteher mir einen solchen Revers gegeben hat. Es ist unwahr, daß ich Herrn Vorsteher David Ritter v. Gutmann je besucht hätte, um ihn für meinen Schwiegersohn zu gewinnen. Es ist unwahr, daß Herr v. Gutmann mich „hinauskomplimentiert" hat. Es ist unwahr, daß er mir erklärt hat, er werde sich nie und nimmer zu einer solchen Komödie hergeben. Es ist unwahr, daß ich ein „Kulissenschieber" der Wiener Kultusgemeinde bin und daß die Gestaltung des jüdischen Gemeindelebens und aller seiner Institutionen von mir abhängt. Wahr ist vielmehr, daß ich Herrn Vorsteher David Ritter v. Gutmann seit länger als einem Jahre überhaupt nicht besucht habe. Wahr ist ferner, daß ich mit dem Vorsteher Herrn David Ritter v. Gutinann über die Rab- 'binerwahl und über meinen Schwiegersohn niemals auch nrir ein Wort gewechselt habe, daß er somit niemals Gelegenheit hatte, mich „hinauszrtkomplimentieren" und mir eine solche oder ähnliche Antwort zu erteilen, wie Sie in Ihrem Blatte gemeldet haben. Wahr ist, daß ich im Laufe dieses ganzen Jahres höchstens mit Vieren oder fünfen von den 80 Vorstandsmitgliedern persönlich zu sprechen überhaupt Gelegenheit hatte und das größtenteils über Angelegenheiten, welche mit der Rabbinertvahl nichts gemeinsam haben. Währ ist endlich, daß ich auf die Gestaltung des Gemcindelebens und der Gemeindeinstitutionen nicht den geringsten Einfluß nehme. Wahr ist. daß mir zu solcher Einflußnahme jede Gelegenheit fehlt und ich solche nie gesucht habe. Dr. Bloch. Tr. Josef Samuel Bloch hat es sich bequem gemacht, er hat einfach vor jeder Behauptung, die ihm aus begreiflichen Gründen unangenehm war, das Wörtchen „univahr" gesetzt. Wir überlassen es ruhig unseren Lesern, lveni sie mehr Glauben schenken sollen, dem Dr. Josef Samuel Bloch oder uns. Jedenfalls können!vir versichern, daß die Berichtigung des Dr. Joses Samuel Bloch in allen eingelveihten Kreisen ungeteilte Heiterkeit erweckt hat. Wir kämpfen weder um Lorbeerkcänze, noch wandeln wir unsere Verdienste um die jüdische Sache iri bare Verdienste um, wie ein anderer, der aus dem politischen Kampfe Kapital schlagt. Wir veriveisen auf unseren Prozeß mit dem „Deutschen Volksbl. , den wir für den u n ft 1 ü ck l a che n H n l s n e r führen, ohne den hundertsten Teil des Tnm-Tam zu ruachen, den Dokto r Bloch in seinen Prozessen macht. Kleingewerbe gegen die jüdische Knltnsgemeinde. Am 10. ds. hielt der „Verein zur Hebung der Gewerbe" in KhunerS Saallokalitäten eine Plenarversammlung ab, auf deren Tagesordnung die „Stellungnahme der jüdischen Gelverbetreibenden und Kaufleute zur Kultuslvahl voiu wirtschaftlichen Standpunkte und eventuelle.Interpellationen der Mitglieder an die Kandidaten" stand. Die Versammlung, welche von Wählern stark besucht tvar und zu der auch eine größere Anzahl von Kultusvorstehern erschien, bot den zahlreich erschienenen Vertretern der beiden silbisch-nationalen Parteien reichliche Gelegenheit, das System, das gegenwärtig in der Knltnsgemeinde und ihren Anstalten herrscht, einer scharfen Kritik zu unterziehen, und ivir müssen zu unserem Bedauern, jedoch mit gewisser Genugtuung konstatieren, daß die schweren Anklagen gegen die jetzige Leitung der Kultusgemeinde keine stichhältige Widerlegung fanden. Wenn es überhaupt noch eines Beweises bedarf, daß eine iveitere Herrschaft dieses, von uns bekämpften Systems den Ruin des Judentums nur beschleunigen müßte, so tvurde dieser Belveis in dieser Versammlung — durch einzelne Vorsteher, die aus der Schule plauderten, vollständig erbracht. Vcreinspräsident B r o d entwirft in seiner Eröffnungsrede tätsgefühl mit dem wirtschaftlich gedrückten jüdischen „kleine Mann", und zwar nicht nur aiu grünen Tisch, sondern auch z Er hebt ferner hervor, daß die größeren n im Offertwege vergeben, während 9}i’rti)rrHintn überlassen „kleinen Z" Hause, im Privatleben Arbeiten und Lieferungen die kleiiieren Arbeiten einer besonderen Verwaltung überlassen lverden. So biel ihm bekannt, vergibt die Knltnsgemeinde ihre eigenen Arbeiten nur an Juden, während ihre Subventionen an die jüdischen Anstalten an die Bedingung geknüpft seien, daß diese Institute ihre Arbeiten nur an Juden vergeben. (Im weiteren Verlaufe der Sitzung Ivnrde der Herr Vorsitzende durch verschieden^ Redner eines Besseren belehrt. Red.) Nach Bekanntgabe der Liste der Ausscheidenden und ausgetretenen Kultusvorsteher erhält Herr Architekt M. F l e i s ch e r als Kandidat das Wort. Redner betont, daß er seit 28 Jahren Mitglied des Killtusbocstandes ist. Der Kmlttisborstand berücksichtigt nach Tunlichkeit die jüdischen Arbeiter. „Was jedoch das Benehmen der Einzelnen in dieser Frage betrifft," schli ... war kam auf seinen Wunsch ein von ihm an den Vereinspräsidenten gerichtetes Schreiben zur Verlesung, in welchem'der Herr Kultusvorsteher sich entschuldigt, daß er beim Bau seiner ^Fabrik nicht jüdische Baumeister und Gewerbetreibende beschäftigt habe. In seiner Rede äußerte er sich über die jüdischen Gewerbetreibenden in abfälliger Weise, indem er behauptete, daß die jüdischen Gewerbetreibenden noch eine große Schule durchmachen müßten. Die Rede des Herrn T a u s s i g machte auf die Anwesenden einen geradezu niederschlagenden Eindruck, so daß die nächsten Redner sich zumeist mit der Affäre Taussig beschäftigten und man hatte den Eindruck, daß eine Volksversammlung über einen Angeklagten zu Gerichte sitze. So versetzte ihm gleich der nächste Redner, Baumeister Melcher, den ersten Hieb, indem er, die jüdischen Gewerbetreibenden in Schutz nehmend, sehr treffend bemerkte, Herr Taussig habe bezüglich der Verwendbarkeit jüdischer Gewerbetreibender überhaupt keine Erfahrung, da er gar keine oder nur sehr w e n i g Juden beschäftige. In derselben Angelegenheit spricht auch Architekt Oskar M a r ni o r e k, dessen Ausführungen in dem Satze gipfelten: „Nicht Ratschläge, sondern Arbeit braucht der jüdische „kleine Mann", denn nur durch Arbeit kann er gerettet werden." Herr Groß spricht über die jüdischen Arbeiter, die ohne Beschäftigung bleiben, und gezwungen sind, Ratenagenten zu werden, weil sie von Juden nicht verwendet werden. Dr. Markus Spitzer nimmt in einer längeren Rede den jetzigen Vorstand in Schutz. Die Leistungen des Vorstandes, welche Herr Dr- Spitzer hervorhebt, beziehen sich jedoch hauptsächlich auf humanitäre und religiöse Fragen und nicht auf gewerbliche und soziale. Kais. Rat P o l l a k nimmt zunächst Herrn Gottlieb Taussig in Schutz, entschuldigt sein Vorgehen mit Geschäftsrücksichten, ivelche er im Auge hatte. Redner selbst gehöre im Kultusvorstande zur Opposition. Er wünscht rascheres Tempo in der Verwaltung der Gemeinde und hierzu seien mir die jüngeren Elemente berufen, ivelche noch ein Interesse für die jüdischen Angelegenheiten bewahrt haben. Baurat S t i a ß n h sieht cs mit Freuden, daß man temperamentvoll Kritik übt. Seit 1600 Jahren kocht in uns das Blut und es ist lein Wunder, daß sich der Unmut Luft macht. Gegen Taussig gewendet betont Redner, daß die jüdischen Handwerker bereits die große Schule durchgemaeht haben, die Schule der Arbeit und des Leidens. Als Fachmann müsse er konstatieren, daß die jüdischen Handwerker zumindest auf einer Linie stehen mit den christlichen. Die jüdischen Architekten leiden aber ebenso!vie die jüdischen Arbeiter. Das Judentum beruht nicht auf einem Dutzend Millionäre, sondern auf der breiten Schichte des Volkes. Seine Forderungen an einen Kandidaten sind: Der .Kandidat sei 1. e i n g u t e r I u d e (Zwischenruf: Natürlich!). Jemand rief „natürlich", da fällt mir die bekannte Anekdote ein, in welcher ein cand. jnr. bei der Prüfung bezüglich eines Gesetzes gefragt wird, ob es im Bürgerl. Gesetzbuche vorhanden sei, der Kandidat antwortet: „Natürlich!", worauf der Professor erwidert: „Merken Sie sich's, Herr Kandidat, im Bürgerlichen Gesetzbuche ist nichts natürlich." Ein guter Jude sein, ist heute auch nicht so natürlich. Ferner müsse der Kandidat ein jüdisches Herz und drittens eine offene Hand besitzen. Der nächste Redner ist Herr B a um : Er wendet sich zunächst gegen das heutige System im Religionsunterricht. Die Rabbiner inspizieren nie den Religionsunterricht. Unter den Funktionären herrsche die verwerflichste Protektioiiswirtschaft. Bei der Cheivra- Kadiseha ist es nicht besser. Großen Effekt erzielte der folgende Redner, Herr Friedman n, Besitzer des „Cafe Augartenbrncke". Zur Charakteristik der heutigen Zustände in der Knltnsgemeinde erbrachte er unter Angabe von Namen und Daten den Belveis dafür,^ daß die von der Gemeinde subventionierten jüdischen Anstalten, sowie das der Kultusgemeinde gehörende Spital, ihre Bedürfnisse fast durchlvegs bei arischen .Kanflenten und Handwerkern decken. So liefert ein gewisser S ch a m b u r e k, der hervorragende christlich-soziale Agitator im 18. Bezirke, das Gebäck, die Lieferungen von Heizmaterial besorgt der antisemitische Vinzenz Wagner, während "der antisemitische Knffeelieferant Meinl den Kaffee für alle jüdischen Anstalten liefert. Seine Ausführungen niachten auf alle Anwesenden mächtigen Eindruck. Edler von Mises wünscht zu konstatieren, daß die Ausführungen Friedman ns sich nicht auf das Versorgungshnus beziehen. Herr Markus wünscht einen besseren Religionsunterricht. Dr. Paul W e i s e n g r ü n, mit großem Applaus begrüßt, setzt in einer von alle» Anwesenden mit großer Aufmerksamkeit angehörten Rede die Ziele der jüdisch-nationalen Parteien auseinander. „Wir wollen nicht stürzen, sondern aufbauen und wenn Sie es im KultnSvorstande ehrlich meinen mit dem Judentum, müssen Sie uns darin behilflich sein." Herr Löwenbein beschäftigte sich mit der Frage der Wahlordnung und den Wählerlisten. Und als er die so zahlreich Erschienenen aufs Wort frug, ob einer unter ihnen außer den Kultusvorstehern überhaupt eine Kenntnis davon gehabt habe, daß die Wählerlisten behufs Reklamationen anfliegen, konnte dies kein einziger behaupten. Dr. Leopold Kahn weist auf das Schuvrrertum unter den Funktionären der Kultusgemeinde hin, welches doch gewiß eine Korruption bedeute. Nachdem Herr Architekt M n r m o r e k nochmals zum Worte gelangend, es mit Entrüstung zurückwics, daß man eine ehrliche und offene Krtiik, die an Sachlichkeit nichts zu tvüuschen übrig läßt, einfach eine Skandalmacherci neune und weiters hervorhob, daß trotzdem eine große Anzahl der Wiener Banken von jüdischen Bauherren bestellt werden, nur ein Perzent dieser Bauten jüdischen Architekten anvertraut jvird, sprachen noch einzelne Redner, worauf die Sitzung geschlossen Ivnrde. Wir müssen an dieser Stelle dem Herrn Vereins- Präsidenten für seine energische und doch unparteiische Leitung der Sitzung unsere Anerkennung zollen. Eine offene Anfrage an Herrn Paul-Schiff. Herr Paul-Schiff soll au der Spitze des Zeulraltischeu Union" ist, iviederholt erklärt hat, das; die „Uniorsi sich nicht au den Wahlen in die Kultttsgemeinde beteiligen werde und sein Vorgehen, die Richtigkeit der Nachricht vorausgesetzt, den Vorwurf des Wortb r n ch e s verdienen tvurde. Indischer Volksverein für den XV ■. und XV3I. Bezirk. Am 20. d. M., 8 Uhr abends, findet in M n l l e r s Restaurant, XVI., Hubergasse 10, eine öffentliche, allgemein zugäitgliche Kultuswählev-Versammlnng statt. Am 13. ds. fand im Festsaale des „Jüdischen Volksvereines" eine aufterordentlich zahlreich besuchte Wählerversammlnng statt. Vorsitzender Richard R a p p a p o r t eröffnet die Sitzung und erteilt nach einem Hinweis auf die Wichtigkeit der Tagesordnung dem ersten Referenten, Herrn Gottlieb Hermann, das Wort. Redner weist darauf hin, daß die jetzigen Knltusvorsteher mit den jüdischen Gewerbetreibenden in gar keiner Fühlung stehen und es ist mittmter besser, wenn sie sich nicht um die Gewerbetreibenden kümmern, denn wenn sie es tun, ist es nur zum Schaden der letzteren. Redner beleuchtet die Regelung der Koscherfleischfrage und kommt auf die bekannte Studienreise einzelner Vorsteher nach Frankfurt, Mattersdorf, Berlin usw. zu sprechen und bespricht ausführlich die triste Lage der jüdischen Fleischhauer, welche durch die überflüssigen Maßregelungen seitens der Kültusgemeinde nur noch verschärft wird. So sind nicht nur Schächter durch diese Verfügungen brotlos geworden, sondern auch viele Fleischhauer wurden ruiniert. Bevor der nächste Redner, Herr Architekt M a r m o r e k, das Wort erhält, teilt der Vorsitzende ein eben eingelaufenes Entschuldigungsschreiben des Kultusvorstehors G e w i t s ch mit. Architekt M a r m o r e k knüpft an die eben abgelaufenen Landtagswahlen, welche wieder gezeigt haben, daß wir aus uns selbst angewiesen sind. Die Kultttsgemeinde darf nicht nur eine Knltusverwaltung sein. Die zionistischen und jüdisch-nationalen Parteien wollen die Sammlung der zersplitterten Juden, die gegenseitige Unterstützung, die nationale und soziale Hebung des Judenttims. Der Kultusvorstand hat in dieser Richtung nicht nur nichts getan, sondern eher geschadet. Redner wendet sich gegen das Vorgehen des Rabbinates, das mit größter Indolenz allen Fragen, insbesondere der Abfallsbewegung, gegenüber steht. Er fordert eine gründliche Reform des Wphltätigkeitswesens, wünscht Juden mit jüdischem Herzen in dev Vorstand. Der dritte Referent Dr. Jakob K o h n spricht im Anschlüsse an das Referat des Herrn H e r m a u n über die ttebergriffe des Rabbinates inbezug aus die Fleischhauer. Die Kultusgemeinde protegiert christliche, sogar antisemitische Gewerbetreibende und weist darauf hin, daß gerade diejenigen die Religion, den Ritus herborkehrcn, die selbst auf den Ritus nichts geben. Redner gibt dann das Programm der bereinigten jüdisch-nationalen Parteien bekmmt und fordert zum Schlüsse die Wähler auf, Zahlreich zur Urne zu gehen und für die Kandidaten der jungen, echten, wahren jüdischen Partei zu stimmen. In der sich hieran knüpfenden Diskussion entwirft Herr Stein e r ein Bild der heutigen Lage der Juden und betont, daß wir aus einer für uns sehr wichtigen Schule des Leidens hervorgegangen sind, aber wir müssen uns diese Lehren zunutze machen und dürfen nicht zugcben, daß das schleichende Gift, das uns eingeimpft wurde, fortwährend seine tötende Wirkung ausübe. Noch ist es Zeit! Wir müssen von unseren Gegnern lernen. Gewinnen wir in der Schule das Kind, überzeugen wir die Frau und wir bekommen den Mann. Hrlfsvr>rein für die notleidende jüdische Bevölkerung in Galizien. Donnerstag den 13. November 1002, 7 Uhr abends, findet in dem großen Saale des Hotel M. G u t h, II. Bezirk, Ecke Stefaniestraße und Kleine Sperlgasse (Eingang: Sperlgasse 2) eine gemeinsame Versammlung der Mitglieder der Ortsgruppen „Wien I" und „Wien II" des Hilfsvereines für die notleidende Bevölkerung in Galizien statt. Tagesordnung: 1. Bericht über die bisherige Bereinstätigkeit; 2. Wahl der Delegierten zur Generalversammlung dcs Hilfsvereines; 3. Eventuelle Anträge der Mitglieder. Gäste, sowohl Damen als Herren, sind willkommen. Lesennv Nedehalle jüdischer Hochschüler Wien. S a m st a g den 8. Jtovember, 8 Uhr abends las in der Lese- und Nedehalle jüdischer Hochschüler Schriftsteller Dr. Michael Feuerst ei n vor einem zahlreichen Auditorium seine bisher unveröffentlichte Novelle, die in dem demnächst erscheinenden „Jüdischen Almanach" (Indischer Verlag, Berlin) erscheinen wird. In dieser schildert der Verfasser die Seelenkämpfe eines vor der Taufe stehenden Juden und dessen überzeugte Rückkehr zum Judentum in überaus drastischer und von scharfer Beobachtungsgabe zeugender Weise. Auf besonderes Bitten gab der Vortragende noch zwei Kapitel aus seinem rühmlichst bekannten Buche „Jünglinge" zu, die ein starkes satirisches Talent bekunden. Reicher, anhaltender Beifall ward dem Autor zuteil. Wien. (Verein für jüdische Geschichte u n b Literatu r.) Am 0. November, 8 Uhr abends, fand die Eröfsttuug der Wintersaison statt. Ein zahlreiches distingiertes Publikum hatte sich im großen Saale des „Jüdischen Bolksverein" eingesunden. Herr P a p p e n h e i m begrüßte in Verhinderung des Obmannes Dr. Ferdinand N v s e n t h a l die Anwesenden und setzte in kernigen Worten die Zwecke und Ziele des Vereines auseinander. Herr A. A. F ü r st referierte in fesselnder, übersichtlicher Weise über divBewegung derSabbatianer von ihren ^Anfängen bis zu den letzten Ausläufern, den Frankisten. Reicher Beifall lohnte beide Redner. Wien. Am Mittwoch fand bei überaus zahlreicher Beteiligung der Verwandten und Bekannten die Beerdigung des kurze Zeit nach seiner Verlobung im Alter von erst 2'.) Jahren

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