Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 4 (1902)
- Issue
- 46 (14.11.1902)
- Date
- 1902-11-14
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2432763-2432917-2432963--1709-2435496- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 46 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 14. November 1902 Seite 3 und ihre wirtschaftliche Unfruchtbarkeit bildet den Deckel zu ihrem Scktge und zu dem des gesamten gegenwär ti gen Parlament aris mu s. Was hat der Neichsrat in der gegenwärtigen Saison bisher geleistet, was auch nur im entferntesten zu dem im Verhältnisse stehen würde, was diese Institution kostet, und nun ist wieder eine Obstruktion in Sicht. — Wie lange noch?DasMaß istvoll! Die Völker Oesterreichs und ganz besonders die Juden sind genug lange von den parlamentarischen Komödianten aller Fraktionen am Narrenseile herumgeführt worden. Es kann jetzt nur eine Parole geben: Los von allen bestehenden parlamentarischen Parteien!! Juden Oesterreichs, seid gewarnt, Euch weiter von denselben in nationaler und sozialer Richtung mißbrauchen zu lassen. Wohin die assimilatorische Politik führt, zeigt euch der A u s f a l l der L a n d t a g s w a h l e n, die „Tätigkeit" eurer Vertreter im R e i ch s r a t e! Juden G e s a m t - O e st e r r e i ch s, organisiert euch im Zeichen der „Jüdischen Moderne", unter der national-sozialen Fahne! Renegaten. Die Wiener „Zeit" bringt voll sittlicher Entrüstung am 3. d. M. einen Leitartikel, betitelt: „Eine politische Taufe". Wir lassen ihn wörtlich folgen: „Wie eine mittelalterliche Hexenbeschwörung nahm sich die gestern vollzogene Taufe des „antisemitischen Juden" Gaston Pollonais ans. Herr Pollonnais, ursprünglich Josef Pottack geheißen, der Sohn irgend eines dunklen Schnorrers, der beizeiten nach Paris gekommen war, um hier sein Glück zu machen, war früher Chefredakteur des „Soir", so lange dieses Blatt nationalistisch und generalstäblich war. Als darin vor ein paar Jahren ein Wpchsel eintrat, plankte Pollonnais zum „Ganlois" über, dem bekannten Leibblatte der Orleans, dessen gesamter Redaktionsstab aus Juden besteht. Während der Dreyfns-Zeit rechnete einmal die „Aurore" oder die „Pe'tite Republique" aus, das; der „Ganlois" nicht weniger als 18 (achtzehn), „antisemitische Juden" in seiner Redaktion zähle und einen Sport daraus mache, Exemplare dieser eigentümlichen Menschenrasse zu sammeln. Herr Pollonnais brachte die Kollektion also auf neunzehn. Sein antisemitisches Jndentum ist ihm aber — in letzter Zeitz, wie erinnerlich, sogar durch General Andre — so oft vorgeworfsn worden, daß er beschloß, diesem Zwitterzustande ein Ende zu bereiten. Da er sich aber außerstande sah, seinen Antisemitismus, dür sozusagen sein journalistisches Handwerkszeug ist, über Bord zu-werfen, so trennte er sich lieber von dem Glauben seiner Väter. Nun ist er guter katholischer Christ und kann die Juden sonder'Scheu und Bangen angrcife.n. und beschimpfen, ohne als Verräter gebrändmarkt zu werden! Etwa hundert Großwürdenträger des Nationalismus und Antisemitismus' hatten sich jüngst zu der hehren Feier in der fashionablen Kirche von Saint-Thomas d'Aquin eingefunden; der ganze alte Gedigfttab, den wir aus dem Dreyfushandel kennen, warzugegenx.die'(Generale de Boisdeffre und Gonse, der Senator- Le Provost Ätöäunay, der Chefredakteur des „Petit Journal" Judet, der Direktor des „Ganlois" Arthur Meyer, Francois Coppee, Jules Lemaitre und schließlich, um auch die heitere Note nicht fehlen zu lassen, der „Automobilgraf" de Dion. Als Priester, der die ' Taufe des Convetztiten vollzog, fungierte der Pater Domenech, als Paten der General Recamier und die Gräfin von Bearu. Wie . man sieht, ist Herr Pollonnais, alias Pollack, in der vornehmen Gesellschaft des aristokratischen Faubourg vollständig zu Hause. „Gaston Josef," fragte der Priester, „ivas verlangst du von der Kirche Gottes?" — „Die Taufe," antwortete Herr Pollonnais, worauf ihm der Geistliche ein paar Salzkörncr auf die Zunge streute, Herr Pollonnais macht nun das Zeichen des Kreuzes. „Ich beschwöre dich, abscheulicher Geist" — womit natürlich der jüdische Geist, gemeint ist — fuhr der Priester fort. Herr Pollonnais ergreift nun die geweihte Kerze und der Priester schlägt ein Kreuz über jedem Ohr und Auge des religiösen Ueberläufers, um sie „für die Wahrheit zu öffnen"; dann sagt er: „Gaston Josef, verzichtest du auf Satan?" — „Ich verzichte!" antwortet Pollon- Der Zadik, welcher in tiefe Grübeleien versunken, gebeugten Hauptes über seinen Büchern saß, hob den Kopf langsam in die Höhe, öffnete die Augen, streckte den Arm in der Richtung „ach Norden und sprach laut und deutlich: „Deine Rettung kommt vom Norden." . Bei diesen Worten wurde Jtzko alles klar, er legte die drei Rubel auf den Tisch, ließ sich vom Zadik segnen und ging nach Hause. Er verkaufte deu Platz, auf welchem sein Häuschen gestanden hatte, um 52 Rubel, nahm Frau und Kinder und zog nach .Petersburg, in der sicheren Hoffnung, daß die Worte des Zadiks in Erfüllung gehen würden. Als er in Petersburg anlangte, betrug sein ganzes Kapital 22 Rubel. Nachdem er fünf Rubel für das R e ch t, u n r e ch t m ästig in Petersburg wohnen zu dürfen, bezahlt hatte, fünf Rubel für Wohnungsmiete und vier Rubel für Einrichtung ausgegeben hatte, blieben acht Rubel für Geschäftsführung zurück. Sechs Rubel nahnr er sich und begab sich dcrmit auf den Tandelmarkt und zwei Rubel gab er seiner Frau, ivelche auf den Aleksondrow'schen Markt wanderte. Seit der Zeit waren drei Jahre vergangen. Wäre Jtzko bloß ein Handelsjude gewesen, dann hätte sich sein Kapital gewiß verzehnfacht, denn der Handel mit alten Kleidern ist sehr einträglich, doch Jtzko Boruchowitsch war, wie deni Leser wohlbekannt ist, der Diener eines zweiten Jtzko, auf den er sein ganzes Denken richtete und er vergaß unterdessen ganz, an sich selbst zu denken. Da-man aber,, wie längst erwiesen ist, zwei Herren zugleich nicht . dienen kann, so. hatte sich das Kapital von Jtzko Boruchowitsch in diesen drei Jahren bloß um vier Rubel vergrößert. ■ Zur Zeit, da unsere Erzähl,mg beginnt, stand Jtzko am Augigeländer gelehnt und empfing bei sich (bei Jtzko dem Eisenbahn-Bauunternehmer) irgend eine hohe Persönlichkeit, so etwas wie einen ausländischen Minister. Die Audienz der hohen Persönlichkeit Ivar zu Ende, Jtzko, der Handclsjude, klopfte an. Jtzko, der Elsenbahn-iBammternehmer, machte eine Grimasse und fragte nach seinem.Bagehr. „Schewuoth steht vor der Türe," sagte verwirrt Jtzko, der Haiidelsjude. „Ich brauche Geld in Menge und das Geschäft geht so schlecht, seit ztpei Tagen habe ich leiste Kopeke verdient, was soll ich.anfangen? Am heiligen Schewuoth darf man ohne Fische, Fleisch undein. Schnäpschen nicht sein und ich habe keine Kopeke darauf verdient." „Was du anfangeu sollst?" sprach Jtzko, der Eisenbahn-Bauunternehmer, „vertraue auf Gott. Er kennt deine Not und wird dir helfen, er wird, dir Fische, Fleisch und ein Schnäpschen geben." Jylyr der Handelsjude, seufzte tief auf und begann mit Gottvertrauen auf Rettung zu tvarten. Diese ka,n ihm aus der Richtung nais mit leiser Stiinme. „Schivörst du ab die jüdische Treulosigkeit und den hebräischen Aberglauben?" — „Ich schwöre sie abI" lind so ging die erbauliche Zlviesprache noch eine ganze Weile tveiter worauf die Kehle des Konvertiten mit Oel gesalbt wurde. Nach Schluß der Prozedur — Vergebung! der Zeremonie wollte ich sagen — hielt Pater Domenech die bereits telegraphisch crlvähnte. giftige Rede, in der er von, Dreyfnsfalle sprach und den, Konvertiten zuricf: „Sie kennen das geheime Räderwerk und das Geheimnis des Räderwerks (nämlich das „jüdische Rädertverk" im Dreyfnsfalle). Sie sahen Ihr Vaterland (!) in gehässiger Mise ansgebeutet und seine Interessen denen einer Kaste und einer Rasse geopfert; Ihre Seele empfand einen unendlichen, aber furchtbaren Schmerz und dieser Schmerz führte Sie zu Gott!" Dann sprach der Pater noch ettvas von den „traurigen Wichten", die „unser armes Land" ruinieren, tvorunter man natürlich Ivieder die „jüdischen Wichte" zu verstehen hat. Herr Pollonnais möge den Mut finden, das Kreuz zu tragen, das ihn in zukünftigen Kärnpfen crtvarte. Zun, Schlüsse deklamierte der Konvertit das Kredo. Die Gassenjungen aber, die draußen vor der Kirche warteten, tvarcn sehr enttäuscht, als man ihnen keine Bonbons zuwarf, wie es ein alter Brauch bei Taufen verlangt. Bei „jüdischen Taufen", die einen bitteren Beigeschinack haben, scheint dieser süße Brauch keine Giltigkeit zu haben!" In derselben Tonart bewegten sich auch die übrigen freiheitlichen Zeitungen; mit allem sittlichen Pathos wiesen sie auf diesen Auswürfling hin. Unwillkürlich mußten aber dabei jedem, dessen Gehirn noch nicht von dieser Verdrehungskunst infiziert ist, die Worte einfallen: Wozu in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah'. Wenn diese moralische Attitüde keine Posse und keine Heuchelei ist, so brauchen unsere lieben delphischen Orakel wirklich nicht nach Paris zu schauen, in Wien laufen eine schwere Menge Renegaten auf der Straße herum. Aber geradeso wie unsere liberale Presse für das allgemeine Wahlrecht in Belgien, gegen die Ausnahmsgesetze in Rumänien schreibt, aber das Wahlunrecht in Oesterreich und die Ausnahmsgesetze in Ungarn, die sich in logischer Folge, nachdem die Deutschen, Rumänen und Slovaken an der Reihe waren, heute gegen die Juden richten (nach dem Grundsätze: Reden ist Silber, Schweigen ist Gold), mit Stillschweigen übergeht, geradeso verurteilt sie die „religiösen Ueberläufer" in Paris und schweifwedelt vor den „religiösen Ueberläufern" in Wien; sietadelt die Pollack-Pollonnais und streut Weihrauch vor dem Pollak-Zamarsky. Es ist beinahe eine Regel, daß alle Persönlichkeiten, die an der Spitze des assimilatorischen Talmi-Judentums den Krieg gegen die Christlich-Sozialen und Klerikalen führen, entweder selbst getauft sind oder ihre Kinder taufen ließen; sie füllen sich ihre Taschen aus dem Kampf gegen d en Klerikal ismus und gehen . e n t, w e d e r: .s. e. l b ft- - i n. d i e Laube oder führen ihre KinderMMrem angeblichen Feinde zu. Wir wollen einige Exempel anführen. Dies ist notwendig, weil seitens der berufenen Führer des Judentums bisher absichtlich unterlassen wurde, die Austritte öffentlich kundzugeben, und die Helden selbst sich schämen, Tatsachen einzugestehen, die ihrem öffentlichen Wirken ins Gesicht schlagen. Fangen wir im Anschlüße an den Fall Pollack-Pollonnais mit der Gilde der Journalisten an. Gleich derPräsident der „Concordia", Edgar von Spie gl Edler vonThurnsee ist getauft; offen gestanden, grämen wir uns über diesen Austritt nicht. Der große Wilhelm Singer, Chefredakteur des „Neuen Wiener Tagblatt", ist aus der jüdischen Gemeinde ausgetreten. Den großen Neubau für ihre Zeitungsplantagen läßt die „Steyrermühl" von den bekannten christlich-sozialen Architekten Mayreder aufführen, ein Beweis, wie ernst die Herren ihre Ueberzeugung nehmen. Dann kommen in bunter Reihe: Konried („N. Wr. T."), Schütz, („N. Fr. Pr."), Ring (Chefredakteur der „Oesterr. VolkszeitungJ, Königstein und Trebitfch („Jll. gegen tue Obuchow'sche Brücke. Ans dieser Brücke zeigte sich ein junger Mann, welcher sich in der Richtung zum Aleksondrow'schen Markte bewegte und auf dem Arme einen prachtvollen Winterrock mit Biberkragen trug. Jtzko rannte ihm entgegen. 2. Die Geschichte eines Winterrockcs mit Biberkragen. Im Sjemienow'schen Stadtviertel lebten zwei Gymnasialkollegen und Freunde, Pjettia und Sascha. Sie waren beide zusammen nach Petersburg gekommen, wohnten beide in einem Zimmer, besuchten zusammen das Technologische Institut, die Studentenkneipen, studierten und bummelten zusammen. Bald befanden sie sich nach Studentenart m arger Geldverelgenheit und konnten nicht eimnal die Zimmermiete bezahlen. Da die Zimmerfrau drängte, beschlossen sie, ohne viel zu überlegen, Saschas feinen Winterrock mit Biberkragen zu verkaufen. Pjetia nahm den Winterrock und ging zum Aleksondrow'schen Markte. Jtzo Boruchowitsch bemerkte Pjetia von weitem, er ging ihm entgegen, griff, als er neben ihm stand, nach dem Winterrocke, betrachtete und betastete ihn von allen Seiten und fragte nach dem Preise. Pjetia verlangte 20 Rubel. Darauf begann Jtzko Boruchowitsch, den Winterrock nochmals zu betrachten und zu betasten und machte dabei verschiedene Bemerkungen, aus denen Pjetia sich bald überzeugen konnte, daß er und sein Freund bis jetzt sich inbezug auf den Winterrock sehr getäuscht hatten. Sie waren der M.inung gewesen, daß der Winterrock, obwohl nicht mehr neu, dennnoch sehr gut sei, in der Tat aber war er nichts Werl. Das Tuch war abgeschabt und voll kleiner Löcher, die Pjetia aber nicht sehen konnte. Was das Atlasfutter anbelangt, so Ivar es ein ganz wertloser Baumwollstoff und der Biberkragen war so schlecht, daß er gar nichts mehr Ivert ivar. Mit einer« Worte, Jtzko Boruchowitsch war bereit, Pjetia sofort um zwanzig Rubel ein Dutzend solcher Winterröcke herbeizuschaffen. Als guter, die Studenten liebeirder Mensch, wolle er, Jtzko, aber — er habe selbst vier Brüder Studeirten — um Pjetia eine Gefälligkeit zu erweisen, fürrf Rubel für den Wirrterrock riskieren. Nach langem Handeln, Beteuern rmd Schwören erstand Jtzko Boruchowitsch deu Winterrock unr 9 Rubel und verkaufte ihn mrf der Stelle unr das Doppelte. «Groß ist der Gott Israels/" sagte Jtzko Boruchowitsch, als er achtzehn Rubel in der Hand hielt. „Jetzt lverden wir zum heiligen Schewuoth-Feste Fische, Fleisch, ein Schnäpschen und alles, alles haben ..." (Schluß folgt.)' Wr. Extrablatt"). Man sieht aus dieser kleinen Probe die keinen Anspruch auf Vollständigkeit macht und die kleinen Redaktionsläufel, die in dieselbe Kategorie gehören, absichtlich nicht nennt, wie wahr und aufrichtig auch in diesem Falle unsere „freiheitliche" Presse war; hinzufügen müssen wir aber doch, daß beide Töchter des edlen Alexander Scharf getauft sind und auch der große Vernichter des Dr. L u e g e r, Dr. Otto F r i s ch a u e r, ist — Christ. Aber auch die übrigen prägnanten Figuren des öffentlichen Lebens gehören in diese Bildergalerie, ein Dr. Wolf-Eppinger, Dr. Christian (!) M orge nstern, Dr. Max Neuda sind getauft, die Kinder des Dr. Viktor Rosen f el d sind getauft umd ebenso die Enkel des gewaltigen — Donat Zifferer. Die Fiihrer der Juden liberale ngauben anihre eigenen Worte nicht und trotzdem läuft ihnennochheutedieMehrzahlunter unseren Stammesgenossen nach. Nichts ist lehrreicher als ein Gespräch, das wir einmal mit einem Dozenten der Wiener Universität halten. Er sagte mir ganz offen: „Ich bin ein Freimaurer, mein Bruder ist ein Affiliierter der Jesuiten. Als mein Sohn dreizehn Jahre alt wurde, (ließ ich ihn Bar-Mizwah werden, glaubt der naive Leser. O! nein.) stellte ich es ihm frei, ob er sich nicht taufen lassen wolle, denn ich habe es selbst empfunden, wie häßlich es ist, wenn man sich unmittelbar vor einer Habilitierung taufen läßt, das muß früher besorgt werden; das ist eben die Aufgabe fürsorglicher Eltern." Und dabei leuchtet sein Gesicht, ob seiner Klugheit . . . Die Unabhängigkeit der Kultusvorsteher. Wer Dr. Josef Samuel B l o ch genau keimt, konnte gleich nach der Lektüre unseres in Nr. 31 ds. Js. unter obigem Titel erschienenen Artikels genau wissen, wie die Antwort auf unsere rein prinzipiellen Ausführungen ausfallen werde: jesuitisch, weinerlich, märtyrerhaft, mit einem Worte: b l o ch i s ch. Wir wußten es ganz -genau, daß Dr. Bloch diese Gelegenheit mit allen Vieren ergreifen und in ausgiebiger Weise ausnützen wird, um auf der einen Seite nach oben einen Kratzfuß zu machen, auf der anderen Seite mit großem Dam-Tam für Dr. G ru n w a l d die Reklametrommel in Bewegung zu setzen. Daß er bett seit einiger Zeit zurückgehaltenen Geiser bei dieser Gelegenheit auch gegen alles, was jüdischnational ist, ansspie, ist bei B l o ch nichts als natürlicher Drang. Dr. Bloch ist nun mit seiner „Arbeit" vollkommen zufrieden, er brüstet sich allerorten, daß er „Pätsch ausgeteilt habe". Wie stimmen mit ihm hierin vollkommen überein, doch erging es ihm, -.wie Hunden, die, wenn sie wütend werden, in toller Wut gerade denjenigen verletzen, der sich auf ihren Schutz verlassen hat. Die wuchtigsten „Pätsch" hat Dr. Bloch gerade dem Dr. Grunwald „ausgeteilt", denn er zwingt uns, was wir bis jetzt unterlassen haben, uns auch mit den Fähigkeiten Grunwalds eingehenderzu befassen. Wir haben in unserem Artikel gegen die Person Grunwalds nichts Abfälliges vorgebracht. Wir wiederholen jedoch nochmals: Wenn Dr. G runwald wirklich alle die Vorzüge besäße, die ihm Dr. Bloch nachrühmt, wenn er wirklich der große Gelehrte wäre, den Dr. Bloch in ihm erkannt hat, so würden wir mit allem uns zu Gebote stehenden Einflüsse dahin wirken, daß er Chiefs Rabbi of England werde, aber wir würden ihn trotz aller dieser Voraussetzungen für den Wiener Rabbincrposten für un> geeignet halten, weil Dr. Bloch nicht ruhen kann, bis er seinen, nach unseren Anschauungen verderblichen Einfluß überall, dort geltend macht, wo ihm hierzu Gelegenheit geboten ist. Dr. Bloch hat mit seinem jüngsten Artikel seinem Schwiegersohn den schlechtesten Dienst erwiesen. Man merkte auch im Kultusvorstandc die Absicht und war verstimmt. „Denn es bandelt sich bei der Bestellung eines Wiener Rabbiners nicht darum, in einer schweren Zeit, wie die heutige, einen geistigen Führer zu wählen und dafür den tüchtigsten und begabtesten auszusuchen, sondern ein Landeskind zu versorgen". In dieser ironischen Aeußerung kulminiert der ganze Wutartikcl Blochs: das ist der — Pferdefuß der ganzen Geschichte. Nun, da uns die Debatte über die Leistungen Grunwalds durch Dr. Bloch selbst aufgedrungen wurde, lassen wir hier ein von berufenster Seite über „Die Eigennamen des alten Testamentes", ein von Bloch am meisten gepriesenes Werk Grunwalds, abgegebenes Urteil folgen. Prof. Dr. Wilhelm N o w a ck ist Professor der Theologie an der Straßburger Universität, der größte Semitist, den wir heute besitzen, dessen Urteil in Gelehrtenkreisen unanfechtbar ist. Prof. N o w a ck schreibt in der „Deutschen Literaturzeitung" (17. Jahrgang, Nr. 44, S. 1) folgendermaßen: „Da die literarischen Quellen über die älteste Zeit des Jahwismus, die uns zur Verfügung stehen, sehr dürftig sind, solche aber über die vorjahwistische Zeit völlig fehlen, so liegt es nahe, die uns überkommenen Namen daraufhin zu untersuchen, welchen Aufschluß sie uns über diese älteste Periode religionsgeschichtlicher Entwicklung geben. M. Grunwald hat sich dieser Aufgabe unterzogen und zu den hebräischen Namen mit Recht die verwandten bei anderen semitischen Völkern herangezogen, so daß in seiner Monographie sehr reichliches Material vorliegt. Leider ist seineArbeit von sehr geringen: W e r t, weil er weder das Sichere vom Unsicheren zu scheiden v e r st e h t, noch ü b e r h a u p t eine A h n u n g v o n dem sehr s ch l ü p f r i g e n Bode n hat, auf dem er st e h t. Nachdem er sich über die Behandlung und Verwertung der hebräischen Eigennamen geäußert und einige allgemeine religionsgeschichtliche Bemerkungen gemacht, durch die wir darüber belehrt werden, daß „die ungestümen Triebe der eigenen Seele, das Erwachen der Leidenschaft, die Furcht vor dem Tode ..." die Motive der Religion sind, folgen einige dürftige Sätze über die Anfänge der semitischen Gottesdienste, an die sich Darlegungen über den Dämonismus der Hebräer, den Naturkult, den Fetischismus, den Ahnenkult rmd dcrr Totemismris anschlietzen, welch letzterem gegenüber Gr. sich ziemlich ablehnend verhält. Er untersricht sodann die Namen inbezug auf die Frage, was sich aus ihnen für die Darstellung der Gottheit und für die Einrichtmrgen und Bräuche des Kultus ergibt, um endlich von den Urvätern und den Gottesdiensten der einzelrren Stämme zu handeln. Den Beschluß bilderr zwei Tafeln, welche den religiösen Zusammenhang der hebräischen Stämme untereinander rmd das genealogische Verhältnis der beiden Stämme und Familien zueinander darstellen sollerr. Zur K e n n z e i ch n u n g des w i s s e n s ch a f t l i ch e n W e r t e s u n d d e r m e t h o d i s ch e n S i ch e r h e i t d e s V erfass ers führe ich einige seiner Bemerkungen an: Seite 62: Ein Name, welcher auf die Trarunvision, als Boten der Gottheit, hinweift, kann Dt?n sein. Offenbar denkt G. an das Zach. 6 14 sich findende e ■n n > das aber sicher Textfehler für ■> n ist.