Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 4 (1902)
- Issue
- 46 (14.11.1902)
- Date
- 1902-11-14
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 14. November 1902 Nr. 46 Da- Maß ist voll! Die Wahlkampagne ist beendet und es ist an der Zeit, endlich einmal abzurechnen mit jenen, die auch diesmal die jüdische Wählerschaft irregeleitet — vor den Wahlen und die systematische Täuschung und Verdummung derselben auch n a ch den Wahlen fortsetzen. Mehr als ein halbes Jahr vor den Landtags wählen in Niederösterreich wurde die Beseitigung der herrschenden christlich-sozialen Majorität deS Landtages fast jeden Tag in den Organen der a n g e b l i ch „freiheitlichen" Koalition angeknndet oder mindestens ein ansehnlicher Verlust von Mandaten der herrschenden Partei in Gemeinde und Land prophezeit. Nun hat die Wählerschaft gesprochen und die —Koalition liegt zerschmettert zu Boden. Die Christlich-Sozialen besaßen im früheren Landtage 34 Mandate, derzeit verfügen sie über 46, haben also 11 Mandate gewonnen. Die Deutsche Volkspartei, diese Mischmasch-Partei von Chauvinisten, Schein liberalen und Antisemiten, hat nicht nur nichts gewonnen, sondern 3 Mandate verloren, so daß sie nur über 6 Abgeordnete im neugewählten niederösterreichischen Landtage verfügt. Die Alldeutschen verschwinden aus dem niederösterreichischen Landtage, nachdem ihre bisherigen 2 Vertreter durch gef allen sind. Dasselbe Los haben die Sozialpolitiker zu verzeichnen. Die Liberalen, die Fortschrittler werden im niederösterreichischen Landtage fast nur durch die privilegierten Kurien, die Handelskammern und den — verfassungstreuen Großgrun dbesitz vertreten sein. Die Sozialdemokraten endlich haben ein Mandat gewonnen und eines verloren. Das ist die Bilanz der „freiheitlichen" Liga! Wahrlich eine niederschmetternde Niederlage der K o a li t i o n, die von ihren Anhängern a u s s ch l i e ßlich auf gefälschte Listen und den christlich-sozialen Wahlrechtsschwindel zurückgeführt wurde! Die gefälschten Listen und den Wahlrechtsschwindel z u g e g eb e n, müssen nachfolgende Ziffern den haarsträubenden Unsinn und die Verlogenheit jener Behauptungen widerlegen, welche ausschließlich durch Wahlkorruption die totale Niederlage der „antiklerikalen" Koalition erklären wollen. In Wien haben sich 170.000 Wähler am Kampfe beteiligt. Von diesen haben 110.000 christlich-sozial gewählt, während 58.500 für Kandidaten der „Freiheitlichen" und Sozialdemokraten stimmten. Die Christlich-Sozialen haben also in Wien eine Mehrheit von 51.500 Sti m men erzielt, also nahezu Zweidrittel-Majorität! Und da hat man die Kühnheit, zu behaupten: Nur gefälschte Wahllisten haben die christlich-sozialen Siege herbeigeführt. In den L a n d g e m e i n d e n wurden ausnahmslos Christlich-Soziale gewählt! Alle 21 Kandidaten der christlich-sozialen Partei haben gesiegt mit 46.251 Stimmen gegen 14.888 deutschnationale und 2402 sozialdemokratische Stimmen! Ueber diese Tatsachen und über diese Ziffern kommt man nicht hinweg mit dem üblichen Ph r a se n gedresche, das man nach jeder Wahl in Oesterreich von den „frei- Die Eisenbahnkolyejsion im siebenten Himmel. Von N. Prnschansky. Deutsch von Julie Goldbaum. 1. Wer Jtzko Boruchowitsch und seine Gemahlin Chane-Pesche dem Anscheine nach und was sie in Wirklichkeit waren. Jtzko Boruchowitsch und seine Gemahlin Chane-Pesche waren dem Anscheine nach ganz, ganz unbedeutende Menschen. Jtzko Boruchowitsch lies den ganzen Tag auf dem Quai der Fontonka herum und patzte auf, ob nicht irgend ein armer Teufel seine alten Stiefel, Ueberzieher oder Rock und all dasjenige, wozu die Not zwingt, auf den Aleksondrow'schen Markt zum Verkaufe tragen würde. Chane- Pesche aber bot auf der ganzen, von Juden und Jüdinnen bevölkerten Aleksondrowh'chen Linie Kuchen, Semmeln, gekochte Erdäpfel feil, in der geheimen Hoffnung, daß irgend einer ihrer Glaubensgenossen und -Genossinnen davon kaufen würde. Das ganze aktive Kapital des Ehepaares betrug 12 Rubel, von welcher Summe Jtzko für sein Geschäft 10 Rubel 65 Kopeken genommen hatte, mit den übrigen 1 Rubel 85 Kopeken arbeitete Chane-Pesche. Sie waren, wie man sieht, ganz, ganz unscheinbare Menschen, und doch hatte es nur das Ansehen. Ihre Unscheinbarkeit war nur eine Irreführung. In der Tat ivar Jtzko Boruchowitsch eine wichtige, sehr wichtige Persönlichkeit. Er besaß auf dem Englischen Quai tzin herrliches Haus und in Peterhof oder in irgend einem anderen Orte eine elegante Villa mit einem schönen, schattigen Garten. In der Stadtwohnung und in der Villa gab es überall, von den Stiegen angefangen, Vergoldung, wirkliche, echte Vergoldung in Verbindung mit Sammet, Atlas und noch anderen teuren Dingen. Ueberall auf den Fußböden wertvolle Teppiche. Die Dienerschaft, vom Schweizer angefangen bis zur letzten Küchenmagd in prachtvolle Livreegewänder gekleidet. In den Wagenremisen prunkvolle Equipagen, in den Stallungen teure, feurige Vollblutpferde. Jtzko Boruchowitsch selbst sitzt in einem seidenen Schlafrocke und goldgestickten Hausschuhen, eine Havanna zwischen den Zähnen, in seinem Arbeitszimmer und liest den „Petjerburgskji Listok" (er kann schon russisch lesen). Da tritt ein Diener herein und meldet, ein General wäre gekommen und wünsche ihn (d. h. Jtzko Boruchowitsch) zu sprechet!. Jtzko Boruchotvitsch hat nichts dagegen» den General zu empfangen, er läßt ihn aber trotzdem warten, er mutz doch zeigen, was er ist. Ettoas später läßt er den General zu sich bitten. Der General —- es ist ein wirklicher, leibhaftiger General, mit schweren Goldepauletten und einer mit diversen Medaillen und Orden dicht behängten Brust — tritt ein. grüßt höflich und streckt Jtzko freundlich die Hand entgegen. heitlichen" Gegnern der Christlich-Sozialen hören und in deren Blättern lesen kann. Der Grund liegt viel tiefer! Allen „freiheitlichen" Gruppen fehlt eine einheitliche Organisation und Führung, sowie ein modernes österreichisches und soziales Programm, welches einen Kristallisations-Punkt bilden konnte für alle jene, welche Oesterreich wollen, aber auf der allein möglichen Grundlage der nationalen, konfessionellen und wirtschaftlichen Gleichberechtigung der Gesamtheit seiner Bürger. Diese „freiheitliche" Koalition krankt an der doppelten Lüge, daß sie nicht freiheitlich ist und daß eine Koalition so entgegengesetzter Gruppen, wie es die Altliberalen, Deutschen Volksparteiler, Alldeutschen und Sozialdemokraten sind — eine Farce bildet. In was besteht die „freiheitliche" Gesinnung und der Kitt dieser „antiklerikalen" Koalition? Im Kampfe gegen den Klerikalismus, schallt es aus dem pseudoliberalen Blätterwald entgegen. Ja, haben sich die „Liberalen" nicht in der Aera der Koalition mit den Klerikalen zum Sturze Taaffes vereinigt? Haben nicht die Deutschen Volksparteiler und ein großer Teil der Alldeutschen sehr lange Schulter an Schulter mit den Christlich-Sozialen als „antiliberale Liga" und „Vereinigte Christen" gekämpft und Dr. Lueger den Weg gebahnt? Ja, sind nicht noch vor sehr kurzer Zeit alle diese „freiheitlichen" Gruppen mit den Christlich-Sozialen in der famosen „Deutschen Gemeinbürgschaft" zusammengesessen? Und in was äußert sich die „freiheitliche", fortschrittliche Gesinnung dieser Herrschaft im Reichsrate in er st er Linie? Etwa im Kampfe gegen die „feudalklerikale Reaktion?" Weit gefehlt! Im Antisemitismus, im verschämten und un verschämtesten, und im borniertesten Chauvinismus gegen alle Slaven, sowie sämtliche nichtdeutsche Völkerschaften Gesamt-Oesterreichs? Hat es sich nicht wieder bei der Interpellation des Abgeordneten Breiter in Angelegenheit der rumänischen Juden gezeigt, daß von all diesen „freiheitlichen" Größen nicht ein einziger seine Unterschrift daruntersetzte. Die „fortschrittliche" Gesinnung zeigen die Herren auch in ihrer sozial-reaktionäre n Gesinnung, in ihrer rückständigen Wirtschaftspolitik, siehe §§ 59 und 60. t Ja, was bleibt also 'eigentlich übrig von der „freiheitlichen" und „fortschrittlichen" Politik dieser Koalition und was haben „Schwärzgelbe", „Kornblumenblaue" und — „Rote" gemeinsam? Ist es nicht geradezu unerhört, daß internationale Sozialdemokraten mit deutschen Chauvinisten, die Vertreter der klaffenbewußten Arbeiterschaft mtt den Säulen des Großkapitalismus und der Großfinanz zusammenmarschieren? Das alles ist nur in Oesterreich möglich, wo die Köpfe verwirrt, die Gei st er fan a t i siert, die Pressekorrupt, das gesamte Parteiwesen verfault und der Parlamentarismus, bis in das innerste Mark verderbt, nur eine Komödie ist. Daran sind die Juden schuld — heult die anti- 'emitische Presse; nur im Interesse der Juden Jtzko Boruchowitsch wcitz, was Benehmen heitzt; er drückt fest die Hand des Generals, lätzt ihn in einem vergoldeten Lehn- 'tuhle Platz nehmen, bietet ihm eine teure Zigarre und ein Glas sützen Tees an und sagt: „Welchem Umstande habe ich die Ehre Ihres Besuches, Exzellenz, zu verdanken?" — Der General raucht seine Zigarre an und antwortet beiläufig folgendes: „Hochverehrter Jtzko Boruchowitsch, der Ruhm deiner Taten und deiner Vollblutpferde reicht fast über den ganzen Erdboden. Ich aber, alter Mann, mutz mich schämen, dich bis jetzt nicht gekannt zu haben. So bin ich denn gekommen, um zu sehen, was für ein Mensch du bist. Jetzt, da ich dich gesehen, kann ich ruhig sterben!" Der Diener meldet einen zweiten, dritten, vierten . . . zehnten General, bis vierzig. Alle vierzig Generäle begrüßen Jtzko Boruchowitsch und drücken ihm die Hand und er lätzt alle vierzig in goldenen Fauteuils Platz nehmen und bietet ihnen vierzig Rubel- Zigarren, was 40 Rubel ausmacht, und vierzig Glas sützen Tees an. Doch für Jtzko Boruchowitsch ist das eine Kleinigkeit! Alle diese vierzig Generäle kommen geschäftlich zu ihm: der eine lädt ihn zu sich ein, der zweite bittet uur eine Anstellung (bei Jtzko dienen lauter Generäle), der dritte möchte sich — Geld ausleihen, ein vierter stellt Jtzko den Antrag, an einer von ihm kürzlich erhaltenen Eisenbahn-Konzession teilzunehmen, ein fünfter fragt ihn — ivelche Auszeichnung ihrn am liebsten iväre: eine Medaille, ein Kreuz, ein Adelsdiplom oder dergleichen. Und Jtzko spricht mit allen Generälen und alle sind von ihm entzückt- Nachdem die Generäle fort sind, kommen 25 Schriftsteller und bieten ihm an, ihn in der vaterländischen Literatur für 26 Rubel unsterblich zu machen und einer von ihnen ist um diesen Preis sogar bereit, ihm seinen Autorruhm zu überlassen und in seinem (Jtzkos) Namen einen Roman, ein Drama, Komödie oder eine wissenschaftliche Abhandlung nach Wunsch zu schreiben. Einem jeden Schriftsteller gibt Jtzko 25 Rubel und entläßt sie ihn Gnaden. Dann kommen zehn der berühmtesten Schönheiten der Welt und bitten Jtzko um Erlaubnis, sich in ihn verlieben zu dürfen. Jtzko schenkt ihnen Bonbons und erteilt ihnen die Erlaubnis, sich in ihn zu verlieben. Nach diesen Empfängen kleidet er sich an, laßt seine Pferde anspannen und besorgt seine Geschäfte. Seine Geschäfte sind verschiedenster Art: kommerzielle Angelegenheiten, Wohltätigkeitsangelegenheiten, ja sogar Staatsgeschäfte. Er ist Mitglied verschiedener Wohltätigkeits-, gelehrter, wissenschaftlicher und anderer Gesellschaften und Komitees. Menu er in Gesellschaft kommt, wird er mit der größten Ehrfurcht empfangen; er spricht und alle hören entzückt zu. Nach beendigten Geschäften fährt er nach Hause, um 31t speisen. Was gibt es da nicht bei Tische? Einfache und marmierte Fische, mit süßer und saurer Sauce, gebacken und gebraten, Hühner- und Nindssuppe, gekochtes und gebratenes Fleisch, eine ganze/gebratene Gans, alle möglichen Kompots. Essen kann er nach Herzenslust, an den morgigen Tag braucht er nicht zu denken. Abends fährt er ins Theater. Alle Damen, ist diese Koalition — schallt es aus dem christlich-sozialen Blätterwald entgegen. Wie oft haben wir es widerlegt, wie oft haben wir die K o a l i t i o n — als nicht im Interesse der Juden gelegen — bekämpft, wie oft haben wir die gesamtösterreichische Politik der a s s i m i l a t o r isch en Führer und ihre Presse kritisiert!? Aber die christlich-soziale Presse, die uns so gerne, wenn auch v e r st ü m m e l t, zitiert, warum zitiert sie zum Beispiel nicht, was wir über die Landtagswahlen sagten und noch immer sagen? Warum behauptet immer und immer wieder die christlich-soziale Presse, das jüdische Volk sei identisch mit der sogenannten „liberalen" Judenpresse und der von den assimilatorischen Führern vertretenen un jüdischen Nationalitäten- und Wirtschaftspolitik, trotzdem man im christlich-sozialen Lager sehr wohl weiß, daß wir Jnngjuden dieselbe aufs entschiedenste bekämpfen. Der Antisemitismus ist eben der Kitt für die heterogenen Elemente der christlichsozialen Partei, er ist ihr bestes Agitationsmittel, darum kehrt ihn diese immer mehrere Monate — vor den Wahlen mit besonderer Intensität hervor. Die Christlich-Sozialen leben eben vom Antisemitismus, wie ihre Gegner von ihrer Bekämpfung. Was täten aber die Herren hüben 'und drüben, wenn die Juden auf sich selb st sich zurückzögen und dannwedermit demAntisemitismus noch mit seiner Bekämpfung ein Geschäft zu machen wäre, man weder Stimmen noch Geld auf diese bequeme Weise erwerben könnte? Sehr bald würde das derzeitige Parteiwesen oder richtiger Parteiunwesen am Anfang vom Ende stehen. Allerdings muß die Judenschaft sich darüber klar werden, daß außer der klerikal-antisemitischen Färbung noch ein anderes Moment sehr viel zum Siege der Christlich- Sozialen beitrug, das österreichische Programm, sowie die Sehnsucht breiter Volksschichten nach positiver wirtschaftlicher Arbeit. Man täusche sich nicht, so lange in Oesterreich nicht eine neue sozial-österreichische Partei, eine Partei des Vö lker frieden sü'nd der Wirtschaftsreform, sich bilden wird, werden — die Christlich-Sozialen Oberwasser behalten. Die Bevölkerung hat satt den unfruchtbaren, nergelnden S ch e in lib er alis m us, sie wendet sich mit Entrüstung von den nationalen C h a u v i n i st e n ab, sie will nicht, daß Oesterreich zu einem preußischen Vasallenftaate herabsinke und da keine moderne wirtschaftliche österreichische PartK vorhanden ist, so wählt sie als Protest gegen die Politik der Scheinliberalen, deutschen Volksparteiler, Alldeutschen und Sozialdemokraten — christlich-sozial. Wenn heute der Reichsrat aufgelöst wird, da könnte man neuerliche Ueberraschungen erleben, ein Anwachsen der christlich - sozialen und klerikalen Stimmen auf deutscher, tschechischer und polnischerSeite. Nicht nur mit den „Deutsch-Fortschrittlichen", sondern auch mit den Jungtschechen geht es bergab. Dieb eiderseitige ch a uv ini st ischeN ati onalitäten Politik Fräuleins, Generäle und Kavaliere, Botschafter und Minister schauen durch ihre Operngläser auf ihn und sagen: „Jtzko Boruchowitsch ist gekommen..." Dieses ganze Wohlleben ivar aber nur der zehnte Teil jener Herrlichkeit, in welcher Jtzkv Boruchowitsch lebte. Eigentlich lebte Jtzko Boruchowitsch in einer kleinen schmutzigen Kammer, für welche er 5 Rubel monatlich zahlte. Doch Jtzko Boruchowitsch iocrr ein eigenartiger Mensch. Jtzko Boruchowitsch war, wenn man sich so ausdrücken kann, ein Doppelmensch; der eine, sichtbare, in einen schmutzigen Rock gekleidete Jtzko Boruchowitsch wohnte in einem engen Gätzchen, handelte mit alten Kleiden:, der zweite, unsichtbare, aber lebte in der eben beschriebenen Pracht auf dein Englischen Quai und beschäftigte sich mit dem Bau von Eisenbahnen. Jtzko Boruchowitsch, der Eisenbahn-Bauunternehmer, verhielt sich verächtlich zu Jtzko Boruchowitsch, dem Verkäufer alter Kleider. Er betrachtete ihn als seinen persönlichen Feind, der seinem Glücke hinderlich sei und welchen er mit der Zeit um jeden Preis so zu vernichten hoffte, daß bloß Jtzko der Eisenbahn-Bauunternehmer Zurückbleiben sollte. Ans -ivelche Weise er dieses beiverkstelligen würde, wußte er nicht, doch war er vollkommen überzeugt, datz es ihm früher oder später gelingen würde. Er kümmerte sich so ivenig um Jtzko, den Handelsjuden, datz er dessen Geschäfte sogar vernachlässigte. Allo seine Sorgen waren ans Jtzko, den Eisenbahn-Bauunternehmer, gerichtet. Für ihn verschaffte er schöne Frauen, prächtige Wagen und Pferde, baute für ihn Häuser und Villen, persorgte seinen Haushalt, lehrte ihn mit hohen Persönlichkeiten sprechen, mit einjem Worte: Jtzko Boruchowitsch, der Handelsjnde, war dertreueste Dtener von Jtzko Boruchowitsch, dem Eisenbahn-Bauunternehmer. Doch Jtzko, der Handelsjnde, mutzte essen, für seine Wohnung zahlen, und so ging er zur Fontonka, gegenüber dem Eiseilbahnministerium, stützte sich auf das eiserne Quaigeländer und verschlang mit brennenden Blicken alle ins Ministerium fahrenden'diversen bekannten Eisenbahnmatadoren mitsamt ihren Wagen und Pferden. Gleichzeitig entgingen Jtzko Boruchowitschs Blicken nicht die alten' Schuhe, Röcke und Hosen, welche Jtzkv, der Handelsjnde, für sein Geschäft benötigte. Nun iväre cs ivohl an der Zeit, einige 'Worte über Jtzkos Vergangenheit zu sagen. Vor drei Jahren war Jtzko B o ruchow i tsckp^echtniätziger Besitzer eines strohgedeckten Häuschens in einer kleinblt Stadt geivesen, hatte ein Gemüsegärtchen, eine Kuh, eine Ziege und beschäftigte sich mit dem Unterrichte jüdischer Kinder. Er lebte glücklich und war mit seinem Geschicke zufrieden. Da geschah ein Unglück. Nachts, als. alle Einwohner schliefen, brach eine Fenersbrnnst aus und vernichtete in einer halben Stunde den größten Teil des Städtchens, darunter auch Jtzkos Häuschen. Jtzko, seine Frau und seine beiden Kinder retteten mit Mühe das nackte Leben. Dank der Unterstützung der benachbarten Städte erhielt Jtzko neide Kleider Und die ersten drei Rubel, die er sich zusammengespart hatte, benützte er, um den Rat eines in der Nähe wohnenden Zadiks einzuholen.