Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 4 (1902)
- Issue
- 44 (31.10.1902)
- Date
- 1902-10-31
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 44 Winn. Fr(4tat! Jüdisches Volksblatt Handel gcivorden. In den Vereinigten Staaten Nordameritas kursieren, »ach einer vom „New-Uorker Herald" letztens gelieferten Statistik nicht inehr und nicht weniger als 366 2!' t» Gcsthäftsreisende aller Branchen und wie ich ans dem Artikel, mit ivelchem dieses Weltorgan die früher bczeirhnete Statistik hegleitete, entnahm, erfreut sich der Stand der reisenden Kanflenle i>c Amerika fast eines größeren Ansehens als das Fabrikantcntnni und die seßhaften Geschäftsleute daselbst. Der Amerikaner blickt eben in jede Sache mit Realismus und setzt dem Verdienste ehrlich und ungeschmälert seine throne auf. Jeder Kapitalist ist lvohl in der Lage eine Fabrik zu bauen, diese mit Maschinen der neuesten Konstruktionen zu berschen, Arbeiter zu engagieren, Rohmaterialien zu beziehen und die Erzeugung vor sich gehen zu lassen. Und mm tritt dem Kapitalisten der Hauptfaktor, die notlvendige Grundlage für den Bestand und Fortbetrieb seines Ilntcrnehincns, daraus er in erster Linie Nutzen ziehen will und bei Ivelchem die Arbeiter, Beamten usiv. Beschäftigung und Verdienst haben, auf die Tagesordnung, d. i. die Ermöglichung eines gewinnbringenden Absatzes für die erzeugten Waren. Diese allerwichtigste Arbeit für das Fabriksunternehmen verrichtet eben der Geschäftsreisende und wenn dieser mit richtig blickendem Geschäftsgeiste, Energie und Tüchtigkeit einerseits ansgestattet ist und andererseits für sein Haus mit Hingebung und Aufopferung für die Erschwingung eines ausgiebigen Konsums arbeitet, ist er entschieden dasjenige maßgebende Faktotum, dem die Prosperierung des Industrieunternehmens zu verdanken ist. Ebenso wie die Fabriken in Hinsicht des Umsatzes zumeist von gewandten, tüchtigen, energischen und treuen Reisenden abhängen» so können auch Engrosgeschäfte nur im Maße der Leistungsfähigkeit ihrer Reisenden den Absatz erreichen und im Rahmen der Geschicklichkeit derselben den Uiufang ihrer Geschäftsbetriebe einrichten. Aber auch bcn so viel geschmähten Detäilreisenden dürfen so manche günstige volkswirtschaftliche und sogar kulturverbreitende Seiteil nicht abgcsprochcn werden. Tausende und abertauscllde Stück landwirtschaftlicher Maschinell aller Sorten und Größen sind hier iit Galizien durch ausschließlich jüdische Reisende llnter Großgrundbesitzern wie unter der Bauernschaft verbreitet worden, wodurch denselben Zeit und Mühe erspart wird, wodurch diese die agrikolen Arbeiten intensiver und erschöpfender verrichten können und dabei findet die Fabrikation landwirtschaftlicher Maschinen im Reiche ihre Förderung und Hebung. Enorme Mengen Bücher nild Zcitschriftcll kounnen durch jüdische Reisende uild Kolporteure in den entlegensten Städtchen und verschneitesten Dörfern in Umlauf. Ist das nicht eine unwillkürliche Kulturträgcrci, woraus die Bücherverlegcr, Drucker und Buchhändler ihren Nutzen ziehen? Da erfreut sich Niederösterreich einer schwungvollen Fabrikation von Silber- und Nensilbcrwaren und diese verdankt ihr Prosperieren znm Teile dem Detailreisen in ihren Artikeln: in den entlegensten Ortschaften Galiziens machen Silberwarcn-Detailrciscnde Station, wodurch bei der besitzenden Bevölkerung derselben durch Angebot die Kmislust entsteht, die Silberwaren kommen massenhaft in den Privatbcsitz, während der Barcrlös wieder unter der, Erzeugern und Arbeitern in Zirkulation gelangt. A,ls all dem Angeführten erhellt zur Deutlichkeit, daß der Stand der reisenden Kaufleute ein sehr maßgebender Faktor des Wirtschaftslebens der Gesellschaft ist und überdies könnte dieser Kategorie von Staatsbürgern am allerwenigsten der Vorwurf des Nichtstuns und der Leichtlebigkeit gemacht werden, denn keiner vom Handelsstande muß so viel physische und geistige Anstrengungen an den Tag legen, um seiner Aufgaben Herr zu werden,'wie eben der reisende Kaufmann, der hierbei noch längere Zeit im Jahre ein unstetes Wanderleben ,zn führen bemüssigt ist. Wie der Stand der Handlungsreisendcn in anderen Staaten und vorzüglich in Amerika, England und Deutschland die Würdigung und Anerkennung gemäß seiner wirklich allgemeinen Nützlichkeit findet, so wird bei uns in Oesterreich mit ihm wegen des puren Liebäugelns mit den Reaktionären förmlich Fangball gespielt. Nicht ohne'triftigen Grund hat die Publizierung der Durchführungsvorschrift zu dem Gesetze vom Februar 1602 wegen Regelung des Reifens in den' beteiligten Kckeiseu in Oesterreich und umsomehr in Galizien Bewegung und Angst hervorgerufcn. Fähige intelligente junge Leute ohne Mittel oder schiffbrüchige Kaufleute nehmen' hierzulande — seitdem das Reisen im Geschäftsleben unentbehrlich wurde — 3» demselben ihre Zuflucht und finden mit diesem ihr bescheidenes Auskommen. Gemäß der in Rede stehenden Durchführungsverordnnng hat der Reisende dem Gesuch' zur Erteilung einer Reise- Legitimation ein Leumundszeugnis, das die Unbescholtenheit, und ein Gesundheitszeugnis, das den vollkommenen Gesundheitszustand des Petenten Nachweisen soll, beizulegen. Eben diese zwei Dokumente sind die Ursache, ivelch bei vielen Geschäftsreisenden dazulande die Furcht vor dem Einbußen des Erwerbszlvciges hervorriefen. Die Reisenden in Galizien rekrutieren sich, wie'in anderen Ländern, ans unbescholtenen Männern, die von Jugend auf bei ihren Chefs tätig waren, von Praktikanten zu Reisenden avancierten; aus fällst gewordenen Kanflenten, die für verschuldete Krida oder sogenannte Wechselreiterei ihre Strafen im Kriminal verbüßten iind nachher frei wurden, widmeten sich dein Reisen; natürlich jeder in der Branche, in ivelcher er als selbständiger Kauf mann a,beitete, lind inin könnte akk den letzteren ihrer Beschostenheit wegen, keine Reise-Legitimation ansgefolgt werden. Es beflnden geh aber auch viele unter den gakizischeii Reisenden, die DiiuIjfli'lKMibtf vsi11>cu sind, bic firii nicht, einer vollkommenen Ge- Nrnohert erfreuen, brustrmb herzleidend sind usw. Auch biesen mußte nach den Vorschriften betreffender Verordnung die Ansfotgniig einer Reise-Legitimation verweigert werden. ..... ^höchst sich daher die berechtigte Frage ans, woher früher bezeichinsten bescholteneii und nicht gesunden Reisenden, ■ gegenwärtig ihrem Reisende,,-Berufe ganz redlich und ehrlich na mhen und teilweise i,u krankhaften Zustande reisen, sich rackern, , iah und Angehörige zu ernähren, nunmehr ihren LehenSnnterh ziehen wurden, wen» ihnen die Legitimationen nicht auSgehänd werden? Worden denn zu diesem Zwecke Gesetze geschaffen, d Bestraften, lvclche ordentliche Mcufchen geworden ' sind und j einen, Erwerbe redlich widme». ihre Existenz abgesehnikten wer wodurch ge iieuerdings in den Abgrund des Verbrechens gestof in iun^lonnteii.oder^ daß inan Menschen, die in krankhaftem Z stände durch Reisen sich ernähre», in» anderen nicht zur Las? sallcii,^ das Gebiet des Erwerbes abschneidet? Abgesehen davl da,; o,e,e Kategorien von Reisenden zur Förden»,g »„d .Heb» vielii /vabnks- und GcschaftSiinteriichnnmgen beitragen, haben schon al ein vom Standpunkte ihrer eigenen Eristeiizberechstgi, oa... Recht, gegen die stiiterbiiidinig und totale Vernichtung 'itn .'Widini S.'du'MdirahTDofh.nn iWfit ,i» rrl.ebcn. «re lü'irr b «.rtr j alte »liwlunft br-s Wi'Wiiifi.Sm'frnd l.icrjM ntfrflnrftu, das, '<r UiMift', die nch gebessert haben, ivieder Verbrecher werden. Kran die nch einem Eriverbe 'widmen können, durch Betteln der 0! sell,chafl^ z„r Last fallen oder am Ende sich dein Selbstinor verfallen sollen. Noch liegt es in der Machtbefugnis des Handelsministers, die Vorschrift zur Beibringling des LenmnudS- >vie des O-eslindheitszengnisses ans dem Bereiche seiner Verordining bezüglich des Gesetzes zur Regelniig des Geschäftsreisens z,l eliminieren >nid den betroffenen Teil der Geschäftsreisenden von der Angst des Verlnsies des ErwerbSzweiges im Interesse der Hmuauität >uie iin I nie resse der Industrie >md des Handels zu befreien. EillKmpromißderösttrrtiWenIjMisten mit der Mischen Uolkspartei. Die seit einiger Zeit zwischen dem österreichischen Landes-Komiteedes Verbandes „Zion" und dem Vorstande der „Jüdischen Volksparte? geführten Verhandlungen, betreffend eie Vereinbarung eines dauernden Kompromisses, haben nunmehr zu einem Abschlüsse geführt, dessen Grundsätze niedergelegt erscheinen in dem von beiden Parteivertretungen verlautbarten, nachstehend angeführten Protokoll. Die Vertreter der beiden gefertigten Parteien erklären einerseits, die von der Jüdischen Volkspartei besonders betonte und betätigte Gegenwartsarbeit, soweit sie die geistige, wirtschaftliche und körperliche Hebung des jüdischen Volkes in sich schließt, andererseits das vom Baseler Kongreß aufgestellte Programm: „Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heim stätte in Palästina für das jüdische Volk" als gemein same Punkte der beiderseitigen Programme anzuerkennen und nerpffichten sich, rücksichtlich dieser beiden Programm punkte im gegenseitigen Einverständnisse vorzugehen. Die Vertreter der zionistischen Partei Oesterreichs erklären insbesondere, auch in jener Punkten, welche programmatisch nicht gemeinsam sind, auf Anregung der Jüdischen Volkspartei oder aus eigener Initiative mit dieser ins Einvernehmen zu treten und deren Bestrebungen nach 'Tunlichkeit zu unterstützen. Die Vertreter der Jüdischen Volkspartei erklären ihrerseits das Baseler Programm im oberwähnten Wortlaute in ihr Programm von Jänner 1902 ausdrücklich aufzunehmen, ferner die Realisierung dieses ihres Programmpunktes durch alle geeigneten Mittel, insbesondere durch Förderung der vorbereitenden Schritte zur Erlangung der Negierungszustimmungen anzustreben, endlich ihren Parteigenossen die Zahlung des Schekels zu empfehlen. Auf diese Grundsätze haben sich die Vertreter der beiden gefertigten Parteien geeinigt und sind dieselben demnach als Grundlage der gemeinsamen Aktionen — selbstverständlich auch der bevorstehenden Wiener Kultusgemeinde-Wahlen — anzusehen. Hinsichtlich der Schekelzahlung erfolgte die Einigung vorläufig auf Basis der fakultativen Form, doch sind diesbezüglich die Verhandlungen noch nicht abgeschlossen und wird die endgiltige Formulierung einer desinitiven Beschlußfassung Vorbehalten. Gesehen, genehmigt und geschlossen: Wien, den 23. Oktober 1902. f-p.. cv..e.r. m 1. Das zionistische Landeskomitee Die Jüdische VolkSpart-,. 5 Oesterreichs. Folgen die Unterschriften. Wkihlerversammkuug. Nur 28. b. M. fand in S l a t k y s Restauration, Hi., Pragerstraße 12, eine Kultuswählerversammlung statt, zu welcher die Wähler des llk. unb XI. Bezirkes zahlreich erschienen waren. Nachdem Vizepräsident Hermann P l a s chkes die Sitzung eröffnet und die Erschienenen begrüßt hatte, hielt Herr Dr. Jakob K o h n unter großer Aufmerksamkeit der Anwesenden sein Referat zu den Kultuswahlen. Redner führte aus, daß unsere sogenannten Führer, nachdem sie in allen politischen Parteien abgewirtschaftet haben, doch endlich sich um die eigenen rein jüdischen Angelegenheiten kümmern sollten. Eingehend besprach er dann die Mängel der heutigen Wahlordnung, an Stelle deren die bezirksweise Wahl und die Durchführung der Agenden der Kultusgemeinde nach Bezirken in den Bezirken selbst zu setzen wären. Redner bekämpft die Kurie der Höchstbesteuertcn. An der Hand des Reformprogrammes der vereinigten jüdisch-nationalen Parteien tritt Redner für die Reform des Arbeitsnachweises ein. Die Gemeinde wird nur daun ihre Pflicht dem Judentum gegenüber erfüllen, wenn sie an Stelle der reinen Kultusangelegenheiten, für welche weder der größere Teil der Knltusvorstehcr, noch die Wähler ein besonderes Interesse an den Tag legen, die sozialen Forderungen mehr in den Vordergrund stellen und erfüllen wird. Das Referat wurde mit lebhaftein Beifalle ausgenommen. In der Diskussion spricht Herr Goller st epv er der Aktion der jüdisch-nationalen Parteien das vollste Vertrauen ans und sei jedes Kompromiß mit den Machthabern zu mißbilligen. Dr. Werner betont, daß der Kampf, den die verciniaten Parteiei', Bolksvartei und Zionisten führen wie das fleinetiira>n ansaearbeitete Programm beweise, ein Kamps aeg-m ein nujüdisches Snstem und nicht ein Kampf uin Mandate ist. Sachs schließt sich in den Hauptpunkten den Ausführungen des Referenten an, vertritt jedoch den sonderbaren Siandvlinkt. daß die Höchstbeste«erten ein Recht auf die 12 Mandate haben. Das Wahlrecht müffe wohl abgeändert werden, aber er finde es mit seiner deniokratischen Auffassung vereinbar, daß der Reiche mehr wähle, wenii er mehr zahlt. Die Auffaffuiig des Herrn Sachs über diese Frage kulminiert in dem Satze: ..Ein Reicher ist doch »lehr wert als hundert Ar,ne." Eigentlich findet er es unerhört, daß dem Präsident^,, Kling er *u seinem Geburtstage Adressen um die Gesammtkosten van 18.066 Kronen oewidmet wurden Es wäre löblicher aewesen, diese Summen humanitären Zwecken zuzufi'ihren. Nach einem Schlußworte des Referenten resümierte der Vorsitzende das Eraebnis der Diskussion und hob hauntfäckilich ine Notwendigkeit einer Reform des Armenwesens hervor. Nach Mitternacht wurde die Versammlung geschlossen. Interpellation der Abgeordneten Breiter, Dr. Stran ch'er und Genossen an Se. Exzellenz den Herni Ministerpräsidenten. Vor mehr als sechs Wochen sandte die Neqieruna der Bereinigten Staaten.Nordamenikas an die österreichische, fotuie an alle anderen Neqienmqen, welche den Berliner Bertraq Rumäniens unterzeichnet habon, eine Note, in welcher sie ersticht, die Mächte wollen zugunsten der ansgewieseneu rumänischen Inden inteiwenieren. 31. Oktober 1902 Seite A Bis heute ist eine Erledigung der Note nicht erfolgt, ivuigstens nicht bekamst. _ Die Unterzeichneten stellen daher an Sw. Erzellenz die Anfrage: , „Ist der Herr Ministerpräsident geneigt, Se. Exzellenz unseren Minister des Ausnckrtigen Amtes zu befragen, wann und in Ivelcher Weise die Erledigung er> folgen wird?" Klofac. Breiter. Basil Jalvorski. Dr. Straucher. Nikolaj Wassilko. August Sehnal. Ehoc. Rieger. Fresl. Cerny. Knbr. Romanczuk. Naiaj. Dr. Kos. Praset. Hybes. Zazvorka. Cingr. Dr. Lupu. Dr. Ofner. Die Haltlrmg des Abg. Brei t e r gegenülwr den Juden ist über jedes Lob erhaben; Mg. Dr. S t r a u ch e c beansprucht als Jude kein. Lob. Dagegen verdienen die Ruthenen, die Tschechischen .National-Sozialen, dir ^sozialdemokratischen Abgeordneten Nieger, Cingr und Hybesch und der Rumäne Dr. Lupu unsere Anoukemmng. Auf der Galerie des Parlamentes. Nuten thront der Grcrf Vetter von der Lilie; die Prcßlakaien dichteten ihm bald nach seiner Wahl eine Abstammung pon den Bourbonen an, die bekanntlich eine Lilie in, Wappen führen. Doch besteht seine ganze Verwandtschaft mit ihnen darin, daß auch „er nichts gelernt und nichts vergessen hat". Manchmal erhebt er sich hastig, murmelt etwas, Ions niemand versteht und sinkt dann Ivie eine geknickte Lilie in sein Fauteuil zurück. Der V i z e k a i s c r beobachtet gespannt jede Bewegung des Liticnvettcrs, damit er daun zu Hause seinen Bauern in Schlesien mit den „aristokräzischen" Manieren imponieren kann. S k e n e, der Oberste der gräflichen Leibwache, blickt ängstlich im Saale herum und ginißt nach allen Seiten. Rechts und links wird fleißig getratscht. Rechts: „Wissen Sie, warum der König von Serbien nicht nach Petersburg geht? Die .Königin ist doch einfach unmöglich. Mau setzte voraus, daß der König auch die Einladung in dem Sinne auffasseu werde, und die Königin unter einem schicklichen Vorwände zu Hanse lassen werde. Weit gefehlt. Der König, der in der Politik ebenso kurzsichtig ist, wie im Leben, Ivollte sic mitnehmen; nun hatte der russische Geschäftsträger die angenehme Aufgabe, den König schonend zu perständüzen, daß er nicht empfangen werde. Doch das ficht Alexander» nicht an; er amüsiert sich mit — der Schwester seiner Frau. Was? Ein rührender Familienzng. Ihren Bruder will er zu seinen, Sohn ernennen und — Serbien schweigt." — Links: „Nun, endlich sind die zwei, der Wolf und der Schalk doch znsammengekonunen; es sah beinahe aus, als ob sie Katze und Maus spielten. Wissen Sie aber, von wem Schalk sein Material hat gegen Wolf? Das ist ein dunkles Geheimnis. Auch soll Schalk viel Butter am Kopfe haben; die Verhandlung verspricht „5kaviar für Feinschmecker" zu werden." — „Na, was sagen Sie dazu, es hat sich herausgestellt, daß der verstorbene T e u b e r der Makler zwischen dem Erzherzog Franz Ferdinand und der klerikalen Partei war. Er soll ihn auch so gegen die Inden eingenommen haben, daß der Erzherzog erklärte, wenn er ans Ruder käme, müßten alle jüdischen Journalisten aus den Preß- und Korrcspondenzbureans hinaus. Ein feiner Kerl, dieser Tenber." — „Ein schlauer Herr, dieser Koe rb c r. Schauen Sie, wie er dortei, mit seiner Badeni-Maske steht und nach allen Seiten Händedrücke ansteilt. Was er sonst ansteilt, bekommt ein profanes Auge nicht zu sehen. Das Portefeuille der Justiz bietet er ans; ivelche Partei den höchsten Preis und die meisten Stimmen bietet, bckonunt es; die Jungtschechen liebäugeln stark damit und mehrere sind bereit, ihren Hussitenstolz so weit zn demütigen, daß sie sich zur Exzellenz erniedrigen. Ueberdies haben die Erfolge der'Klerikalen in Mähren ihnen viel von ihrem Mute abgckmist. Geschieht ihnen aber recht; sie ernten nur die Früchte ihrer Taten. Anläßlich der Poluaer Affäre haben ihre Organe, die „Narodui Lisch" voran, das Anfflackerir der Bigotterie und des tvüstcsten Aberglaubens so freudig begrüßt und gehegt, daß die Reaktionäre aller Schattierungen wieder neue Kraft schöpften. Die Jungtschcchen ähneln in ihrem Freisinn verflucht den Freisinnigen vom Schkagc der P len er und Nietzsche. Sie iverden auch das Schicksal der „Dentschfortschrittlichen" teilen und eS Ivird ihnen auch nichts nützen, wenn sich Stransky auf den „christliche»" Standpunkt stellt. Ein nettes Theater." So srmnnt es oben. Und unten spielen große Kinder niedliche Spiele. S. Wir werden mit Ausnahme folgender Zeilen ersucht : Bom zionistischen Aktions-Komitee. Die Jahreskonftrenz der zionistischen Leitung wurde Dienstag, den 28. Oktober mit einer Sitzung des großen A.-K. eröffnet. Bekanntlich trägt die Jahreskonferenz ganz den Charakter eines Arbeitskongresses, da sie jeder demonstrativen Zutat entbehrt und auch nur die Mitglieder des großen A.-K., die Bankleitung, die Aufsichtsräte der Jüdischen Kolonialbank und die Obmänner der ständigen Komwissioneu zur Beratung versammelt. In der Tat ist auch das Programm der Konferenz ein überaus großes. Zunächst wird der Bericht des Präsidenten des A.-K. über die politische Situation zu einer längeren Aussprache über die bisherige Taklik und die Eventualität neuer Schritte führen müssen. Hernach sollen die Arbeiten der Nationalfonds-Kommission, welche das Statut für den Nationalfonds gemäß den Kongreßbeschlüffen auszuarbeiten hat, abgeschlossen werden. Ferner wird ein ausführlicher Bericht des Direktoriums über den gegenwärtigen Stand der Jüdischen Kolonialbank erwartet und wird sich daran jedenfalls eine rege Debatte über die Erfahrungen auf diesem Gebiete knüpfen. Wie es beißt, soll auch über die Gründung einer neuen Gesellschaft ^Anglo Palest ine Company" Beschluß gefaßt werden. Weitere Punkte der Tagesordnung sind: Reorganisation der Kommissionen, der Generalbericht des A.-K. über den derzeitigen Stand der Bewegung, daran anschließend die Einzelreferate der Landsmannschaften, die Budgetierung und die Presse. Bisher sind die Vertrauensmänner der russischen, österreichischen, ungarischen, serbischen, bulgarischen. rumänischen, englischen und schweizerischen Lands-