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Jüdisches Volksblatt · 1902-10-17 · 42 (17.10.1902) · p. Seite 3

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
4 (1902)
Issue
42 (17.10.1902)
Date
1902-10-17
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 42 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 17. Oklober NX>2 Seile A nahm. Aber wie alles, was die Kultnsgcmcinde unternimmt, so war auch diese Neuerung mir tendenziöse Holbarbcit. ES lvnrdcn mir die dem Vorstande genehmen Vereine berücksichtigt, während maii sich nationalen Vereinen gegenüber ans den Wortlaut des Statutes berief. Wir erwarte,: jedoch und fordern cs, das; der Vorstand dieses Versänmilis bei der kommenden Rabbinerwahl gut mache, uiid dies umsomehr, als die jüdischnationalen Parteien den größten Teil der Wiener Jndenschaft herzige Handivcrkcrschnlc geschlossen lverden? Das lvürde doch entschieden den Intentionen des Stifters nicht entshrccheii, da derselbe der Heranbildung Oon Handwerker!, eben dieselbe Sorgfalt wie dem allgemeinen Volksschnlunterrichte zngelvcndet lvisseii Ivollte. Es ist somit zu hoffen, das; das Kuratorium noch in letzter Stunde den gehegten Plaii der Schließung der Rzeszowcr Sehiile anfgebcn lvird, uiid Zweck dieser Zeilen ist auch nicht, eine Kritik an der gemeinnützigen Wirksamkeit des Kuratoriums zu üben, treten und cs nie zugeben werden, daß ihnen ein Rabbiner; sondern vetmchr einen warmen Appell au eben dieses Kuratorium a u f o k t r o h i c r t werde, der ihren Anforderungen nicht entspricht. Srief aus K;rs;ow. Tie Kultusgcmeinde Nzcszow und die jüdische Haudwerkerschule daselbst. Wiederholt wurden bereits in diesem Blatte die überaus traurigen Verhältnisse der RzcSzower jüdischen Kultusgemeinde, die durch die Mißwirtschaft einer volksfeindlichen Kligue verschuldet tvorden sind, geschildert. Zur Charakteristik der wirtschaftlichen zn bilden, es möge im Interesse des Stiftungszweckes und im Interesse des Judentuncs die Rzeszowcr Anstalt als eine seiner segensreichsten Schöpfungen erhalten und mit allen Kräften fördern! X. Zur Eröffnung des Rcichsratcs. An; 6. d. uilMM im Reichsrate eimuten, dürsten j unverzüglich die erforderlichen Schritte. zur Erlangung des Wiener Hcimatsrechtes zu unternehmen . und damit das Stimmrecht für den Wiener Gcmcinderat, den niederösterreichischen Landtag und den österreichischen ReichSra: zu erwerben. Angesichts der bevorstehende!: Wahlen in den niederösterreichischen Landtag und weiters in kurzer Z-cst darauf auch des Wiener GemcinderateS ivürden die jüdischen ^innmeir eii:cn ganz beträchtlichen Zwrachs erlangen. Hicrdurcb^ wäre auch erreicht, das; inan den nahezu ziveimalhunderttausend zählenden jiioischen Mitbürgern Wiens diejenige Stellung in der Gesellschaft und im ösfeittlichenLeben cinrämnen müsste, die ihnen vermöge ihrer. Steuertraft und ihrer Intelligenz znkoinint und gebürt. Der Gcmkindcrat und Magistrat Wiens dürften es dann nicht ivagcn, die Wieiicr Inden zn verhöhncii, zu bedrücken;nid sic ans ihren Nahrungsziveigcir zn verdrängen. Aber auch die laiidesfilrstlichen Behörden dürften dann Abstand nehmen, die antiseiiiitischen Tcndcnzen der Wiener Äcachthaber mit wohlwollender Toleranz zir begleiten. Der 1. Wiener Jüdische Turnverein, der mm, in das 4. Jahr seines arbeitennd segensreichen Bestandes tritt, hält Montag den. 20. BEÜober, halb 8 Uhr abends, im eigenen Turnsaale, I. Best., Mölkerbastei .7, seine diesjährige ( ordentliche. H a nptv c r s a m in l u u g ab. Die^Tagesj ordnung enthält außer den! Berichten der etnzelnoik Fimktionäre und den B'enwahlen '.uehnere wichtige ch'eserate. wie primitivsten Aiifvrderliiigcii ciitsprechendc Talmnd-Thora-Schule Vertreter auch m dieser Saison wieucir besitzt und das; sämtliche Geineindcbantcn, die Synagogen, das unsere Leser nicht schwer erraten: soviel rituelle Bad, daS jüdische Spital nnd die Friedhöfe in einem derriin Se ssion eil art vcrivahrlostcn sstlstandc sich befinden, das; den ineisten dieser ,, Anstalten die. behördliche Absperrung ivcgeir pölligcn Verfalles nnd ■. m gefahrdrohenden Zustandes täglich bevorstcht. l'ofscn ZN jener nattoiMl-a MMWlMsNscyLN ^ersaiwengsuff ES ist ein unstreitiges Verdienst des hiesigen jüdischen Volksrevisivn, oh ne Welche dav bftcneIchl)che Ka 1)01 rstlch sich Nicht Allerlei Defraudationcil (Jclliuck, Vcrgnni, P. Drozd). Vereines, das; er diese geradezu unglaublichen Nebel der Seffentf01XfotibiCVCll Mid ohne Welche auch der innere ^'riede Mtd Schwere Zeiten sind über das „Deutsche Volks den deutschen und tschechischen Parteiführern^ gehen. In t'wnaten Haltung dieser Blätter, zu einem deutschen Nationalhctdelr den gesetzgebenden Körpern wird natürlich wieder „natio- - gestempelt. Ganz,anders verhielt sich das „D. V."; mit unerbittnalcs" Stroh gedroschen nnd über die — I lt d e n geluher Strenge verfolgte es den Sünder, und'selbst c; ... t •. <~Arr(V z:ch es mcht. ltub iclbstverstandllch wurde cs als ein Privilegium s ch k m tz ft. ivürden. O'Nglt Wwd NN besten HllUc stm, jüdischeii Rasse hinge stellt, zn dafraudieren. Streng schied es daß alles beim Alten bl« — hochjteim einige neue ,,Djfcjr1CJl ojiitcii und Bösen, und die Leser des „D. 83." konnten datiou I c l l i n c k s, schwieg cs sich über die Verhandlungen betreffs der „Defraudationen Vergairis" ganz ans. erivccktc. Diesem Interesse ist es auch insbesondere zu verdaiiken, das; sich mit Rücksicht auf die im Knttnsvorstande der Gemeinde vorhcrrschciide Richtniig ein nnszechalb desselben stehendes Privat- Komitee gebildet hat, welches in anfopfernngsboller Weise die Rcstauriernng einer Synagoge in Angriff nahm. Kaum ist aber auf diese Art der Weg zur Besserung augebahiit lvordcii, und schon droht dieser hartgeprüsten Gemeinde ein naKlS" Stroh gedroschen lind Über die neuer schwerer Schicksalsschlag. Seit dem Jahre 1892 besteht nämlich in Rzeszow ein von der Baron Hirsch-Stiftnng gegründete Schlosscrwerkstätte, in welcher alljährlich mehrere mittellose Handwerkern herangcbildct iverden. scheu Elendes in Galizien kennt, wer Wohl feines Volkes hat, der vernmg dentnng einer solchen Anstalt zn vcrc Run ivendete sich das obcnerlvähnte an das Kuratorilim der Baron Hirsch-C ' Belvillignng der unentgeltlichen Anfertigung für »m in der Mm SchkMrwcrkstHttuns ' Alks dks fmm a6cr nicht um «imm SttDU erbielr hierauf zur Antwort, dan wegen bevorstehender 's i ^n , . c c Xr -r , . „ a.,. S d; lief; u n g d e r Anstalt der Bitte nicht willfahrt werden ordnetienhnu.se erwartet Werden, bcffcil 116eilbsegeiwC Mehl lüUnC ' tX/nTt/vSirM'li-w Wiitti« Sum ,71111 a (oZ.i’Wi'itv nrtr inv Diese Antwort hat nun, nachdem ihr Inhalt meinde bekannt ivnrde, allgemeine Betrübnis her Der Mangel eines gehörig geschulten und fachtüchtigen werkerfrandcs ist nämlich eines der grössten Nebel Judcnschafl. Diesem Nebel kann durch bloße Nnlerbringrmg jüdische Baroic Schloss erzieht Meistern erlangen, keineSlvegs geeignet ist, sie auf jenes Niveau zn stellen, welches sie befähigen lvürde, lvirklich Ersprießliches für sich und die Allgemeinheit zn leisten. Ganz anders verhält sich die Sache betreffs der Schlosserei in Rzeszoiv. Es ist dies keine Schlosserwerkstätte in strikten: Sinne des Wortes, sondern gleichzeitig auch eine Geivcrbeschiile, in ivelcher unter gediegener Leitung eines Lehrers, der eine technische Fach- .. . ,rr, r].,r a-r rr ro , ,o£ . r r - f schule in Wie» absolviert hat, mich allgemeiner Unterricht, dann dw jnngkfehe?.'!Za)en Blatter davfelbe aiv undlvtutatzel lMd o'ab^ilen anzulegen. Unterricht in, Zeichnen und auch eine gewisse, sachliche theoretische die deutschnatiolnlaleu als Nlchlt annehmbar betrachten, dann, Dv. H. B. Chajcs, der bekannte Bildung erteilt lvird. Alles das kann der Zögling, der bei einem Meister unter gebracht wird, nicht haben, nnd was vielleicht da den Mann ans däS jugendliche Gemüt ansübt. Allerdings wurde schon in diesem Berichte zmiächst hervorgehoben, daß die Genossenschaft der bereinigten Handwerker in Rzeszow, ungeachtet einer diesbezüglichen Entscheidung des Ver tschechischer Seite fanden. Gewsiß ist das qeplanie SpvaüBNiweisen, daß P. Drozd das gestohlene Geld mit Weibern ärgster qesetz nicht ohne ZlbänderiUMN! zn akzeptieren. Wenn aber Sorte verlrubert hat, während Jellinek so verderbt war, es in pvach.en-- limge -rte, ist dies ein neuerlicher Beweis, daß mit den bestehenden Par-: wurde an das Colleqchtz Rabbinico Jtaliano in Florenz, .acht wird, nicht haben, und wa, birllricht da« wichtiostr ist. jUm Ä. nicht Ordmnst wlldm fmm. j dieÄNÄM- HMch.,1«. nfö «« fiic fehlt ihm beim Meister der überaus wichtige erziehliche Enftnß, daher mit diefeln maraftrschen >LchelnparIamentaüv-. (Keschichte und biblifchie Ehestest! bei Ilsen. Dl. S h a p e x , ein intelligenter, in seinem Lebensivandcl überaus korrekter. IMls! j der feine Studien am äüiener Rabbinerß'.mlnar abfoldierte, Zur Erwerbung des Heimatsrechtes. Das neue Reichsgesetz' brachte schon' als jmrqor Kandidat ein bodentendes Wissen Wer die Regelung des Heimatsrechtes bestinnnt unter anderem,. [n M U;;swlt> mit. Sein Hauptfach ist orientalische Philo>- loqie nnd haben seine diesbezüglichen Arbeiten in den daß der zehnjährige freilvillige nnimtcrlnchchenc Aufenthalt in lvaltungsgcrichtshofes, Schwierigkeiten bei der Anfdingnng nnd rechtes verleihe. Das Gesetz macht hierbei keinen Unterschied ans Kreisen der iyachgeletzrten dw grüßte Anerkeunung gefimden dem Freispruche der Zöglinge bereitet; nunmehr sind aber dank die Rcichsangehörigkeit. Diesen Unterschied heranszufindcn und Demnächst erscheint Von. Dr. Chajes ein Kounnentar Zl r knnstlichcrlveise zil konstruieren, blieb dem Wiener Magistrate vordeu Psalmen, in hl.'bräi v behalten. Das Rtagistratspräsidinm deduzierte ans einer übrigens k. k. Bezirlshanpiinmncs alle diese Schlvierigkeltei: beseitigt, ^. . .^ _r ^. .u.. bni; hierin der Grund für die Sperrung der Werkstätlc nicht genur für die Wiener Magistratsräte nicht klaren Bestimmung dies Chajes er Sprache. Dr. Cchajes ist ein echter, gnii'gesiimter Nationaljude und' so ist es nur natür- Gesetzes, 'daß die nichtösterreichischen Staat tsbürger "betreff/ ^Er-; klch, daß die leiteuden Kreise der hiesigen Kult ns gemeinde, behandeln seien und! ohne Verständllis für die großen Kenntnisse und die natiofnnden lverde'n kann ... _ ... _ _^ ^Weiter heißt cs aber in dem erwähnten Berichte, daß das sitzung des Heimatsrcchtes differenzierend zn bchandein seici der^ ^trstrmg der. Rzeszower KnttnSgeineinde für die Rzeszolver zlvar in der Weise, daß für Niehtösterreicher die Ersitzungsfrisl Anstalt ZNr Verfügung gestellte Lokal nicht vollkommen dem Zwecke ~ ' . .. . entspricht, und daß es bei der gegenwärtigen Lage der Stiftung ausgeschlossen ist, eine Mietzinsperpslichtnng oder die Lasten eines Neubaues zu überirehmcn. . .. . . .... _ v ,,, __ .. Es ist . nun allerdings richtig, daß das für die Schlosser-üähezu"lO OUO" Steuerzahler ll^mariichcr^Ängchärkgk'e'it befinden,'! Kkückwünsche bmleiten unseren geschätzten Mitarbeiter auf werk, kalte zur Verfügung gestellte Gebäude ebenso wie die sonsti- ° . .. . . T ... T ' - - gen Geincindeballtcn mangels jeder Aufsicht und infolge jahre frist vom' inialm Gefühle d-ieses erst 26 Jahre alten Gelehlten, keinen ent unserem für die Schließung der Schrile abgeben. die gleichzeitig Inden sind, daher denselben die Möglichkeit zur Erlang»na dcS Wiener Heimatsrcchtes erschlvert werden müsse. .. natürlich, Stimmrecht in den antisemitischen Regime im Wiener Gemeinderate rmd im niederösterreichierwartcn, rmd wem: sich diese Verhältnisse bessern, lvird .tt(l ,lull(tullllll,v„ sicherlich ei» geeignetes Lokal der Baron .Hirsch-Stiftnng zur Ver-! differenzierende Behandl fugnng gestellt werde». Es handelt sich somit höchstens um eine | das Wiener Heimaisrecl ü,r-;e Uebergangszeit, für lvetche allerdings der Mietzins für ein Wiener Magistrat hat si setzeS, derart, daß die Statthatterei mrd das Minister auch Jinleru uotgedruugcu bemüßigt waren, dieselbe aufzuheben und die Behandlung der uichtösterreichischen Bewerber um Zrecht als contra legem zu bezeichnen. Der . f r. .. - -- Magistrat hat sich selbstverständlich beeilt, gegen die gleichgeeignetes Lvtat zu zahlen wäre. .. ’ Rücksicht auf die Rzcs Krone» betrage Hirsch-Stiftimg crtvähnt, höchstens während eines oder zlveier Jahre zn machen Ware. Es ist übrigens nicht zil zweifeln, daß trotz der tristen galizischen Erwerbsveltzättinsse sogar die Jndenschaft Rzeszolvs gegebi'nensalls bereit lväre, ans Privatsammlnngen den erlvähnten N iietzin s h e r beiz» s ch affen. Trotzdem erhält aber die Baron Hirsch-Stiftllng in Galizien mehr als 40 Volksschulen und eine einzige Haudwerkerschule, nämlich diejenige in RzeSzolv. Soll also nunmehr auch diese eiu- Wind bekonuueu zu haben, daß diese Entscheidung nicht im ,n:ü semitischen Sinne kanten lvird. Ist dem so, woran der Sachlage nach nicht zil zlveifeln ist lveit nicht angenommen werden kann, daß der höchste Gerichtshof in Verwattungssachel: die Hand dazu bieten lvird, eine offenbar gewalttätige Gesetzesauslegnng gutznhcißen, nnd lveit der Rekurs der Gemeinde an das Verwattui:gsaericht ans die bereits angesuchten Heimatsrechte keine ailfschiebende Wirkung hat, so ist es Pflicht nnd Schuldigkeit der ungarischen stenerzahlcnden Inden seiner neuen Laufbahn«. Zn den KnltuSßeuveiudciuahlen. Nach längerer, dmch die. Sommerferien gebotener. Panse, eröffnete der „Jüdische VolkSverein" seine Tätigkeit, in'dem er die M a n g a - r e t h e n e t B ü r g e r zn einer Wahlbesprechnng einlnd. Entsprechend dem Zwecke trug die Versammlung einen intimen Charakter. Dr. Jakob K-ohn eröffnete die Versa mmlunig, die in DiainandS Gasthaus, Bcargarethener- Platz 7, abgehalten wu-rde, indmi er darauf hinivies, daß noch immer weite jüdische Kreise eine große Indolenz an den Tag legen, dafür stets bereit sind, für Fremde die .Kaistanien ans Um Feuer zu holen. ES lväre oft> sehr praktisch, in den liberalen oder sozialdemokratischen Wähbeivversammllmgen jüdische Kliiltlisaligelegenhciieii zu erörtern. Hierarif erteilte er dein Iteserenten, Herrn H.P l a s ch k c s, das Wort. Derselbe lreist ins feiner Einleitung darauf hin, daß seit dein Winken der nationalen. Parteien sich, das Jirteresse der Wählerschaft für jüdische Angelegenheiten in überraschender Weise gesteigert habe. Während früher mühsam 600 Wähler zilsammengetrommelt wurden, beteiligten sich bei den letziien Wahlen über/ 6000 Wähler; das ist nur auf chuldigdas Erwachen des nationalen Gedankens zurückzuführcn. Wiens, Hierauf ging der Nedner das Neformprogramm, das bei

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