Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 4 (1902)
- Issue
- 41 (10.10.1902)
- Date
- 1902-10-10
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 10. Oktober 1902 Seite 5 dir. 41 hier ausgeht, ist ihm freilich nur ein Mittel zu dem Zwecke, den er im Titel andeutct. Er will den Kampf für die Wahrheit schildern und verlegt ihn in die Welt der Volksschule, die von der Kirche angefeindet wird, sobald sie sich ihr nicht unbedingt unter-- ordnet, sondern sich als reine Trägerin der Wissenschaft betrachtet. Damit hat Zola nicht nur ein sehr aktuelles Thema aufgegriffen. eignisse Frankreichs in den letzten Jahren verfolgt hat, das; er zwei bekannte „Causcs celcbres" zusammeugelvoben, nämlich die Affaire des Bruders Flamidien in Lille und den Dreyfus-Prozeß. Das Verbrechen und die Umgebung des Schullebens lieferte ihm Lille, den vergiftenden Einfluh des Antisemitismus, der beit Verdacht auf falsche Fährte lenkt, die weltbekannte Dreyfus-Affaire, in der ja Zola eine sehr rühmliche Rolle gespielt hat. Der Urheber des Lustmordes an dem Schulknabcn von Lille, der in der Schule der Brüder selbst tot anfgefunden ivurde, ist unbekannt geblieben. Der Verdacht richtete sich sehr stark gegen einen der Lehrer, den Bruder Flamidien, so das; noch heute sehr schroffe Antiklerikale alle Lehrbrüder „des flamidiens" nennen und nicht ungern das Zeitlvort „flamidianiser" gebrauchen, aber tatsächlich mutzte nach längerer Untersuchungshaft das Verfahren gegen jenen Bruder aus Marlgel an genügendem Beweismaterial eingestellt werderr. Bei Zola fällt mm der Verdacht, einen Zögling der Lehrbrüder ermordet 31t haben, zuerst auf dessen Onkel, der nicht nur Volksschullehrer, sondern überdies Israelit ist, und so verbinden sich die trüben Erinnerungen des Drchfus-Prozesses mit dem Falle Flamidien. Man kann fast sagen, Zolas Lehrer Simon sei ein ins Schulfach übersetzter Hauptmann Drchsus. In dieser Bezic-! hung ist folgende Charakteristik Simons sehr bemcrkensivert, weil sie! den Fernerstehendeii darüber aufklären kann, warum nicht alle Ber- > leidiger der Unschuld von Dreyfus seiner Person ein ebenso großes j Interesse, wie seiner Sache, cntgegenbringen. Marc, der Bruder von Mathieu nnb Luc, den Helden von „Fecondite" itnb „Traj vail", der von Anfang an als Verteidiger Simons auftritt, dessen, Kollege er ist, findet immer einiges an seinem Charakter auszuj setzen, denn Zola schreibt: „Marc, der die Juden aus einer Art j angestammten Widerwillens und Misstrauens, dessen Gründe er! trotz seiner sehr liberalen Gesinnung nie zu untersuchen sich bemüht j hatte, nicht besonders liebte, bewahrte dennoch Simon, den er | duzte, ein freundliches Andenken vom Seminar her. Er pflegte' von ihm zu sagen, er sei sehr intelligent, ein sehr guter, von seiner t Pflicht durchdrungener Lehrer. Er fand ihn jedoch zu kleinlich, zu' fest am Buchstaben klebend, einen Sklaven des Reglements, sich. der engsten Disziplin fügend, immer von der Angst besessen, schlecht angeschricben zu iverden und seine Vorgesetzten nicht zu befriedij gen. Er konstatierte da bei ihm eine gewisse Furcht der Rasse, die: unter Verfolgung so vieler Jahrhunderte die beständige Angst vor! der Beschimpfung und vor dem Unrecht bewahrt hatte. Simon hatte übrigens gute Gründe, auf seiner Hut zu sein, denn seine Erneuullng in Maillebois, einer klerikalen Kleinstadt,!vo es eine Schule der Lehrbrüder und ein mächtiges Kapuzinerkloster gab, war beinahe ein Skandal gewesen. Seine Eigenschaft als Jude konnte er nur durch große Korrektheit und namentlich durch einen glühenden Patriotismus in Vergessenheit bringen, indem er selbst in der Schule Frankreichs Waffeuruhm erhob und es als zukünftige glorreiche Herrscherin der Welt hinstellte." — Man ersetze die Schule von Maillebois durch den Generalstab und den Namen Simon durch Dreyfus, so tvird man ein annäherndes Bild von der Stellung des unglücklichen Hauptmanns vor der Entdeckung des Esterhazy-Bordereans in den Bureaux der Rue Saint-Dominique erhalten! .r.7; Der Kongreß der „Cordra fratres“. (Orig.-Korr.) Der Kongreß bedeutet einen moralischen Sieg der jüdischen Sache und die zwei Delegierten Livrescu und Kaufs verdienen alle Anerkennung. Der Kongreß sollte ursprünglich eine Gelegenheit zur Verbrüderung der drei lateinischen Nationen, der Franzosen, Italiener und der Rumänen bieten; > besonders waren für die jüngste und kleinste Nation, für die Rumänen, große Ovationen geplant. In einer Stärke von 72 Manu kamen sie a--geruckt und machtcu Miene, die Huldigungen der Knltnrnatio'.'.eu gnädigst anznnehuieu. Doch das energische Eingreifen unserer Delegierten machte ihnen einen bösen Strich durch die Rechnung. Sie, die Ovationen eiuzuheimseu gedachten, waren schließlich der Gegenstand der Verachtung; und als unsere Delegierten auf offenem Markte erklärten, daß es heute eine Schande sei, die rnniänischelt Farben zu tragen, standen die Rumänen, tote begossene Pudel, ganz isoliert da. Die italienischen Zeitungen, die bis ans einen Artikel in der römischen „Tribnna" von den rumänischen Juden bisher keine Notiz genommen hatten, waren voll von Schilderungen über die „Roumanian Alroeilics“. Unsere Delef gierten ernteten für ihre mutige Haltung überall Sympathien. Die Bildung einer eigenen jüdischen Sektion konnte ans diesem Kongresse „och nicht durchgesctzt tucrbcir, es wurde vielmehr eine R, solntitm augenomnien, die eine Versöbunng zwischen Rumänen und Inden und Aufnahme der Juden in die rnmä-j Nische Sektion empfahl. Der nächste Kongreß, der entweder in! der Schweiz oder iu Monaco stattfinvet, wird Gelegenheit geben, 'o;e Jndensrage in breiter Weise zu erötttrri. j Die rmnättischeu Fremdengesetze. Aus Bukarest! wird geschrieben: In Bezug auf die Frage der rnmäni-1 jdjcu F r e in d e n g e s e tz g e b n u g scheilü sich in hiesigen! maßgebenden Krerjen ein U m j ch 10 u 11 g anzitbahnen, i Das Organ des Konservativen Take Jonescu, die! „Roummne", gesteht offen ein, daß die Verhältnisse,! wie sie gegenwärtig sind, n n halt b a r erscheinen.! Denselben Standpunkt nimmt auch eine der rnaßgebendsterr f Persöulichkeiien aer liberalen Partei ein. Man erörtert-' die Frage, ob nicht unter Initiative d es K ö uig s nild unter Zustimmung der liberalen als der konservativen Partei gesündere Zustände durch eine Neuordnung der, Gesetzgebung angebannl werden lönuen. Gleichnwhl darf! man allzu sa,igtcinische Hoffnung nicht hegen. Die Massel der ländlichem Bevölkerung befindet sich noch immer in! recht bedrängten ökonomischen Verhältnissen; die Hoffnung! ans mit' Besserung in diesem Jahre ist geschwunden, da! die Maiserule sehr schlechte Aussichten bietet. | Der Anfrnlir in Czenstochim. Wie bereits jüngst gemeldet ivurde, sind die Unruhen in Czenskochnn und Umgebung! noch lange nicht unterdrückt und die Verhaftungen dauern fori.< Eine große Anzahl der Ruhestörer befindet sich bereits in Haft und sieht der Aburteilung entgegen. Wir erhalten von einer in' Kattowitz lebenden Dame, welche vor einer Woche in Czeiistochan weilte und Zeugin haarsträubender Szenen war, einen Bericht, welcher die Vorfälle und ihre Ursachen ins richtige Lickst rückt. Es geht daraus hervor, daß, wie es schon so oft der Fall ■, irnr die «XubencMcffc nur zum Scheine aufgeführt wurden, die sonstigen mittelalterlichen Beschuldigungen der Juden", die nicht politischen Koup durch,n.' — ******* -n...- fetzen. Wsts sich in den letzten Tagen in Czenstochau zutrug — schreibt uns die mit den Verhältnissen in diesem hart an der preußischen Grenze liegenden Distrikte sehr gut vertraute Dame —- spielt sich seit langer Zeit in den umliegenden Dörfern ab und man sah, solange es nur den Anschein hatte, als drehe cs sich nur um die Juden, ruhig zu. Es zeigte sich jedoch, dast es sich hier tatsächlich um einen Ausstand der polnischen Bevölkerung gegen die russische Machtherrschaft handle, und um einen Deckmantel zu haben, ivurde, weil auch Gewinn dabei heraussteht, mit den Judenplündcrnngen begonnen. Der Brauereibesitzer Schweder in Petrikan, ein eifriger Verfechter der großpolnischen Idee, gilt als der Anstifter der Exzesse und seine Arbeiter haben die Krawalle begonnen. Um den Haß zu schüren, bediente man sich jener „Märtyrerin", welche bon den Juden angeblich halbtot geprügelt wurde, in Wirklichkeit jedoch nur eine leichte Verletzung am Arme erlitt. Die Behörde nahm die Frau in Haft, umsomehr, als sie eine notoristhe Verbrecherin ist, die bereis wegen Raubes und anderer schwerer Handlungen in Sibirien war. Der angerichtete Schaden ist sehr groß und der Gouverneur von Petrikau wird S ch w e d e r verhalten, diesen aus seinem Vermögen zu decken. Ueber die Schrcckenstage in Czenstochau schreibt uns die Dame folgendes: Die Stadt glich einige Tage einem Schlachtfelde. Obwohl die zum Schutze der Juden eingerückten Soldaten über Befehl zumeist in die Luft schossen, gab es doch zahlreiche Tote. . Noch jetzt liegen mehrere Aufständische, mit dem Tode ringend, im Spitate. Die borgekommenen Exzesse erreichten manchmal den höchsten Grad der Ent m e n s ch t h e i t und wenn auch die Soldaten das Bestreben zeigten, die aufgestachelte Menge zu schonen, waren sie doch manchmal gezwungen, rücksichtslos von der Waffe Gebrauch zu machen. Die junge Dame, der wir diese Schilderung verdanken, sah es mit an, wie ein Polizist einem Arbeiter mit einem einzigen Säbelhieb den rechten Arm abschlug. Eine junge Dame, die aus Preußen zu Besuch einer jüdischen Familie nach Czenstochau kam, ivurde an den Haaren erfaßt und eine Strecke durch den Kot geschleift. Man hätte die Bedauernswerte getötet, wenn die Soldaten nicht auf die Angreifer Feuer gegeben hätten. Nach Aussage der Aerzte dürfte sie, da sie eine schwere Gehirnerschütterung erlitt, geistesgestört bleiben. Es siiid ungefähr 80 Juden verwundet worden, ivelche sich in Privntpftege befiliden. Die ihrer Habe beraubten arrnen Leute iverden von wohlhabenden Juden und Christen unterstützt. Mit welchem Raffinement geplündert wurde, zeigt folgender Vorfall: Ein Geistlicher begegnete einem Leichenznge und als er sah, daß kein Priester dabei war, schöpfte er Verdacht. Er hielt die „Leichenträger" an und da zeigte es sich, daß sich in dem Sarge geraubtes Geld, Schmncksachen und goldene Geräte ans dem Tempel' befanden. Man wollte die Schätze vergraben, um sie nach Herstellung der Ruhe wieder unbemerkt zu holen. Die „Leichenträgcr" und „Leidtragenden" wurden verhaftet. Alle in Czeiistochan Verhafteten wurden nach Petrikau befördert, bon lvo sie den Marsch nach Sibirien nntrcten werden.^ Auch dem Brauereibcsitzcr Schweder, einem der größten Russen- und Judenfeinde, steht dieses Schicksal bevor. Das Zentraikowitee dev russischen Vereine zur Rnterftiitzurrg ackerbautreibender Juden iu Syrien und Palästina (Chowewe Zion) beabsichtigt, demnächst einen Bericht über seine Tätigkeit während der letzten drei Jahre zu veöffentlichen, aus welchem bereits jetzt nachstehende Einzelheiten bekannt werden: Die Einnahmen an Beiträgen und Spenden betrugen 116.545 Rubel, gegen 142.755 Rubel in den Jahren 1896—1898. Dieses Minus wurde aber durch die 59.18 5 Rubel betragenden Spezial- Leistungen für die arbeitslosen Taglöhner reichlich ausgewogen. Damit erreichen die regelmäßigen Einnahmen die ansehnliche Höhe von 175.680 Rubel. Dem Komite sind ferner zugegangen: für die Schule „Reih Sefer" in Jaffa 6439, für die Ethrogim- Plantagen „Gart SchYnuol" 6316, für die verschiedenen Spezialscmds 12.535, an Zinsen rc. 57.135, somit insgesamt 200.860 Rubel. Verausgabt wurden: für unmittelbare Unterstützung der Kolonien 307.053 Francs, für „Gan Sch’muel" 9632, für die Inspektionsreise der Herren A. Gutzberg und Agronom Snßmanrr 3241, für die Entsendung der Delegation nach Paris 2013. für Publikationen und sonstige Drucksachen 5189 Rubel, demnach insgesamt 307.065 Francs und 20.474 Rubel. Das Barvermögen des Komitee betrügt zur Zeit 20.474 Rubel. Das Komitee hat in 586 Orten Rußlands Vertretungen, welche zum Teil sehr erhebliche Beträge anfbringen, so Wilna 00.600, Odessa 11.574, Riga 8653 Rubel. — Die Auswanderung russischer Juden nach Südafrika beginnt in der letzten Zeit geradezu bedrohliche Dimensionen anzunehmen. Die ganze Bevölkerung einzelner Orte im Ansiedlnngsrayon setzt sich in Bewegung. Natürlich wissen die Unglücklichen, welche mit dem letzten Rest ihrer veräußerten Habe die Ueberfahrtskosten sich beschaffen, nicht, daß ihrer schwere Enttäuschungen warten, daß sie im günstigsten Falle bis nach London gelangen und dort erfahren, daß die Erlaubnis, in Südafrika zn landen, an Bedingungen geknüpft ist, welche nur die allerwenigsten von ihnen zn erfüllen vermögen. Unter diesen Umstünden kann vor der Auswanderung nach Südafrika nicht dringend genug gewarnt werden und die jüdische Journalistik, namentlich aber die Rabbiner und sonst hiezu Berufene in Rußland sollten nicht ermüden, diese Warnungen unausgesetzt zu erlassen. Die erste Dame, die das Jngenieurexamen auf der „Ecole des PontS et ChauffeeS" in Paris bestand, ist Fräulein R. O. Kanyewsty. Geboren in Zintoff (Goiiberneinent Poltawa), erhielt sie dort auch ihre elementare Ausbildung. Im Jahre 1897 kam sie nach Paris,!vo sie zuerst Mathematik — dann ans der Ingenieurschule studierte. Jetzt ist sie 26 Jahre alt und lvill nach Rußland znrückkeyren, um, nachdem sie dort noch ein Examen gemacht hat, an den russischen Eisenbahnen angestellt zu werden. Die polnische Presse ist über daS Anwachsen der zionistischen Bewegung unter den Inden in Rnssisch-Polen sehr bennrnhigt und insbesondere erscheint es ihr bedenklich, daß die russische Negierung die Aohattnng eines Zionistenkongresses gestattet hat. Das „Slowo Polstie" spricht den albernen Verdacht aus, daß die russische Regierung den Zionismus begünstigt, um die Inden in Rnssisch-Polen von den Polen abznziehen und aus ihnen allmählich ein den Polen feindseliges Element zn machen. Dies sei eine ernste Gefahr für die _ polnische Sache, da gerade Russisch-Polen der Hauptsitz der jüdischen Massen in Europa ist. — Im russischen Ministerium der VotlSanftlärinig finden binnen kurzem die Arbeiten einer Kommission ihren Abschluß, ivelche das Perzentverhältnis bestimmen soll, in welchem jüdische Studierende in den Hochschulen Aufnahme finden dürfen und die Frage zn entscheideli hat, ob es richtig wäre, die Studenten gebieteweise zum Besuch bestimmter Universitäten zn verpflichten. — Die „St. Petersburger Leitung" bringt eine Rezension der bekannten Schrift Dr. D. ChivolsonS: „Die Blntanklage und nur den großen wissenschaftlichcnWert diesesWerkes vollauf würdigt, sondern darüber hinausgehend ein hohes Maß von Unbefangenheit beweist. Es mag genügen, den Kernpunkt der Rezension in Betracht zu ziehen. Der Rezensent schreibt wörtlich: „Dem durchaus sachlich gehaltenen, auf einem breiten wissenschaftlichen Apparat gegründeten Buch des grundgelehrten, ehrwürdigen Greises kann nur aus ganzem Herzen die allergrößte Verbreitung gewünscht werden — im Namen oer Menschlichkeit, der geschichtlichen Wahrheit und Gerechtigkeit" .... „Wer' jetzt noch bei der verbrecherischen Blutanklage gegen das Jahrhunderte hindurch so schändlich mißhandelte Voll verharren möchte, dem dürfte es wahrlich sauer genug gemacht sein, seinen Gegenbeweis anzutretenl" Der Hauptmann Dr. Mentech Galimidi-Bey in Konstantinopel ist zum Brigade-General befördert worden, womit Titel und Rang eines Pascha verbunden ist. Vitalis Franco-Effendi wurde zum Legations-Sekretär bei der türkischen Gesandtschaft im Haag (Holland) ernannt. Dem offiziellen Berichte des amerikanischen Einwanderungs- Inspektors entnehmen wir die kennzeichnende Tatsache, daß unter allen in Nordamerika Einwandcrnden die Juden am wenigsten Geld mitbringen. Per Kopf wiesen auf: Die Engländer 32,64 Do.llars, die Deutschen 31,14, Franzosen 30,37, Spanier 30,23, Nord- Italiener 23,62, Süd-Italiener 8,67 und die Juden nur 6,88 Dollars. Das ist „jüdischer Reichtum"! Die Zahl der in Groß-New-Jork, welches Brooklyn cinschließt, lchenden Juden wird von der „Jewish World" auf rund 600 000 geschätzt. Das Blatt berechnet diese Zähl zunächst auf Grund der Sterbefälle, welche um die Mitte des vorigen Jahres 7997 betrugen, was der für Groß-New-Uort geltenden jüdischen Sterbeziffer zufolge eine Bevölkerung von 633 133 ergibt. Seitdem sind 39 225 Juden mehr in New-Dork eingewandert und der Ueberschuß der Geburten über die Sterbefälle läßt sich bis 1. August d. I. auf 21 400 schätzen, was zusammen eine Bevölkerung von 684 788 ausmachen würde. Die genannte jüdische Zeitschrift meint, daß sie damit die Zahl der Glaubensgenossen wahrscheinlich noch zu gering veranschlagt habe. In der alten Stadt New-Uork allein fanden im Jahre 1901 6062 jüdische Eheschließungen statt. Nimmt man eine Heiratsziffer bon 10 auf das Tausend au, was eine sehr hohe Ziffer ist, so würde das für 1901 für das alte New-Dork allein eine Vevölkerungszahl von 605 200 ergeben, wozu dann noch die 70 000 Juden in Brooklyn und, wie oben erwähnt, die spätere Einwanderung und der Ueberschuß an Geburten zu rechnen wären. Die hohe Heiratsziffer erklärt sich aus dem Umstande, daß der Prozentsatz der Erwachsenen unter den eingewanderten Juden ein sehr großer ist. Auf je drei Junggesellen kämen zwei Mädchen. Die rund 600 000 Juden in Groß-New-Dork bilden 16,6 v. H. der Gesamtbevölkerung der Stadt, während 600 000 allein in Alt-New-Uork wohnen, also 27 v. H. der Bevölkerung der eigentlichen Stadt New-Dork mrsmachen. ... Historische Dokumente. Kaim Poll ak, bekannt als einer Der ältesten Forscher in Judaieis, stellt uns eine Reihe historischer Dokumente zur Verfügung. Er schickt ihnen folgende Einleitung voraus: Als unser Lehrer Moses, der größte der Propheten, an den Allbarmherzigen die Bitte richtete, daß Er ihm einen Einblick in die Wallung der Vorsehung gewähre (II. B. M. 33, 13.), da belehrte ihn der Allbarmherzige: „Wer die Herrlichkeit des Ewigen in ihrem ganzen Zusammenhänge erfassen will, der muß vom innigsten religiösen Bewußtsein vollkommen durchdrungen sein und seine Ueberzeugung aus felsenfeste Gründe basieren, dann ist derselbe in der Lage, die Ereignisse der Vergangenheit, in denen Gottes Walten sich stets offenbare, richtigen beurteilen; jedoch die Zukunft vermag kein Sterblicher im vorhinein zu bestimmen." (ibick. 33, 21, 22, 23.) Diese göttliche Verheißung galt nicht nur dem Moses als Richtschnur, sondern sie blieb für alle Zeiten den Israeliten als Wegweiser, daß die Ereignisse der Gegenwart nur durch die genauen Kenntnisse der Vergangenheit, in welcher wir ans Schritt und Tritt das Walten der göttlichen Vorsehung eingreifend vorfinden, beurteilen können. Darum, weil Israel diese Lehre zn beherzigen verstand, ist es ein historisches Volk geblieben. Es ist fernerhin auch selbverständlich, daß zuweilen einzelne Personen und Familien in der Geschichte des Judentums eine hervorragende Rolle spielten. Auch diese kleinen Bausteine müssen in die Wallmauer der Vergangenheit eingesügt werden, damit ihre Nachkommen vom jüdischen Geiste beseelt bleiben sollen und ihre Zusammengehörigkeit mit dem Judentum stolz verkünden mögen. Dies vorausschickend, beginne ich meine Arbeiten mit diesen Aktenstücken, zumal da in Wien Nachkommen dieser Familien leben. (Ungar. Staatsarch. Iudaeor Taxae Toleranzia B. Fascic. 1. Nr. 6.) Toleranz E d i c t e der Familien: Veifch Hirschl, Jacob Natel und Wolf Pacherach. (Bacherach) Mitgetheilt, von Kaim Poüak, emerit. Communaliehrer. I. Privilegium vom Weyl. Sr. Kayserlichen Mayesiät Leopold! für die Juden: Veitli Hirschl und Jacob Natel ect. Wien, den 10. oxbris 1689 selbte zu Ofen tollerirt worden. Copia. Von der Römischen Kayserlichen auch zu Hungarn und Böheimb Königliche Majestät unseres Allergnädigsten Herren wegen derselben zu Ofen subsistirenclen Oameral Inspection, wie auch Bürger-Meister und Rath daffelbsten hiemit anzufügen, demnach selbige durch Gottes-Segen und Ihro Kayserlichen Majestät gerechten Waffen Eroberte Stadt Markht und Flekhen, (das ist eine Anspielung auf die Entsetzung Ofens, die im Jahre 1686 erfolgte) so dermahlen wegen der Kriegs-Troupen und Oontinuirlichen auf- und ab Marsch der Miliz zum THeill sehr abgeendet und rutinirler liegen, Hinwiderum über sich zu Bringen und populirt zu machen vor andern die Introducii'uug der wvhlfaihle und nnrestringirte freye Handlung, wodurch sowohl die Jnnländische als frembde herbey zu kohmen und sich uider zu lassen angenohmen werden, das mehrist beytragen will, und nur dem zu Behufs des Gemeineu-ivesens und Einführung der Höchst unzbacher wohlsailen, so wohl in Victualien als andere Sachen dem Veitli Hirschl und Jacob Natel Juden über die aus ihre eiugebrachte unterthänige Memoralien, behörig eingeschöpfte eingeflossene Berichte, auf sie zwey allein hiemit die Freyheit ertheilt werden, daß selbe zu Ofen iu der Wasserstatt ein offenes Gewölbe halten, ohne Jemands irren oder einreden in Ganzer- und nach der Ellen bis auf weitere Resolution bey dieser annoch schweren und schwebenden Kriegs-Zeiten srey und ohngehindert, doch gegen einen absetzen den Jährlich gewissen Schutz-Geld und dann ohne deren Entrichtung der Behörigen XXX.gst und Manth-Gebühren, wie auch andere Gewölbs-Anlagen Kaufen und Verkaufen tönen itud mögen; Ergehet solchemnach in Allerhöchst gedacht Ihrer Zkayserlicheir Majestät unseres Allergnädigsten Herren Ntahmens an die Aldort Lubsistirencto Gamonil Inspection, wie auch dem Bürger-Meister und Rath alda ztt Ofen der Ernstliche Befelch, Hiernit dasselbe gedachte zwey Juden in erwoehnter Wasserstatt nit allein ungehindert Handeln und wandeln Lassen, sondern auch auf erfahrender Fahl gegen jeder maniglichen schützen und schirmen solle, worinnen Jedwederer mehr allerhöchst gedacht Ihrer Maßest. Ernstlichen willen und Meinung gehorsamst zu vollziehen wissen wird. Sign. Wien unter deroselven hier vor gedrukhten Kayserl. Seeret-Insig). Jacob Andre Graff und Hx. von Brandts, Carl Gottlieb Hx. von Xüchsul, L. S., ber Imperator, Öen 10. Xbris Anno 1689. Johann Dämmen von Altendorf.