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Jüdisches Volksblatt · 1902-10-10 · 41 (10.10.1902) · p. Seite 4

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
4 (1902)
Issue
41 (10.10.1902)
Date
1902-10-10
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 10. Oktober 1902 Nr. 41 Ein Aufsehen erregender Fall von Protektions-Wirtschaft ereignete sich jüngst im Allgemeinen Krankenhause. Nach dem Tode Kaposis war es in den Kreisen der antisemitischen ärztlichen Kliqne, die unter der Führung des Professor O r t n e r steht, eine ausgemachte Sache, daß die Vorherrschaft der Juden auf dem Gebiete der Hautkrankheiten gebrochen werden müsse. Nachdem diese Strömung jetzt die Oberhand hat, so setzt sie es auch durch, daß als Nachfolger Kaposis primo et unico loco Professor Riehl aus Leipzig, dessen einziges Verdienst auf dem Gebiete der Epidermiologie es ist, daß er ein Arier ist, berufen wurde. Natürlich beeilte sich Professor Riehl sofort diesen Intentionen gerecht zu werden. Er brachte sich sofort, einen Stab von unverfälschten Ariern aus dem Reiche mit, da er wahrscheinlich dem österreichischen Antisemitismus zu wenig Vertrauen schenkte. Als Assistent stellte er den Dr. Ritter v. Z umbusch an, obzwar derselbe nicht einmal Aspirant, sondern nur Hospitant au der Klinik war. Allerdings war er andererseits zweifach „erblich" belastet. Er ist einerseits der Sohn des Professor v. Z u m b u s ch und andererseits ein Neffe des Professor Kolisko. Jeder objektiv Denkende wird also sofort begreifen, dass die zwei jüdischen Sekundarärzte an der Klinik K a p o s i, die durch lange Jahre an der Klinik wirkten und Verschiedenes aus diesem Gebiete publiziert hatten, nämlich die Doktoren B. und P., die aber nicht diese erbliche Belastung aufwiesen, mit arischer Grazie einfach übergangen wurden. Aber damit ist dem Professor R iebl noch nicht gedient. Sein Bestreben geht darauf hin, überhaupt alle Oesterreicher von der Klinik zu verdrängen und die Klinik zu einer Pflanzstätte des sächsischen Antisemitismus zu machen. Wir bezweifeln auch nicht, daß es dem Professor R i e h l gelingen wird, die Erfolge, die ihm auf dem Gebiete seines Faches versagt blieben, auf dem Gebiete des Antisemitismus zu erringen. Oberstabsarzt Tr. Jakob Treulich. Am ersten Neujahrstage wurde der Oberstabsarzt i. P. Dr. Jakob Treulich vom Garnisonsspirale aus mit dem üblichen großen militärischen Pomp zu Grabe getragen. Unter den Anwesenden bemerkten wir den Stadtkommandanten FML. Ritter von Engel, Generalsuperintendent S e b e r i n y i, den Sekretär der Wiener Kultusgpmeinde, kais. Rat Liebe n, Präsidenten des Bethausbcreines sür den 9. Bezirk, Gottlicb B c t t e l h e i m usw. Einem vom Verstorbenen schon bei Lebzeiten geäußerten Wunsche entsprechend, hielt Oberrabbiner Dr. Gelbhaus in Form eines Gebetes einen sehr warm gehaltenen Nachruf, in welchem er die Verdienste des Verstorbenen um das Heer, die Wissenschaft und hauptsächlich um das Judentum erworben. Der Verblichene gehörte zu den Wenigen, die trotz ihrer hohen sozialen Stellung ihren Glauben und ihre Abstammung nicht verleugnen. Die Fahnenflucht schien ihm ebenso als Soldat wie auch als Jude verächtlich und verdammenswert. Die hohen Würdenträger, welche beim Leichenbegängnisse anwesend waren, üeglückivünschten Herrn Dr. G e l b h a u s zur trefflichen, Rede, sowie Herrn Oberkantor Kläger, der den kantoralen Teil besorgte, zu seinem schönen, würdigen Vortrage. Wien. Am zweiten Neujahrstage, Freitag den 3. d. M. starb hier nach längerem Krankenlager der als Hebräist in jüdischen Lehrerkreisen bestbekannt gewesene Neligionslehrer Herr Moritz Käs im Aiter von 77 Jahren. Käs war ein Mensch von ausgezeichnetem liebenswürdigen Charakter, der ein korrektes, schön stilisiertes Hebräisch schrieb und die heilige Schrift vollkommen beherrschte. Nicht wie ein zünftiger Religionslehrer, sondern wie ein wahrhaft begeisterter Dichter liebte rnd kultivierte er die hebräische Sprache. Er führte sich in der Literatur durch einen vor einigen Jahren unter dem Titel „T o r i m v e - ch a r u s i m", veröffentlichten Bande formvollendeter Gedichte ein, welche den Beifall der Kenner erlangten. Bei seinem am letzten Sonntag stattgehabten Begräbnisse, bei welchem außer den Leidtragenden viele Freunde und Verehrer des Mannes erschienen waren, sprach Ober-Rabbiner Dr. Güdemann Worte der Anerkennung und würdigte die Verdienste des Hingeschiedenen, worauf dann am offenen Grabe Herr Sprachlehrer I. Bernh. Straßer tiefbewegte Worte des Abschieds im eigenen und im Namen der zur Leichenfeier erschienenen Freunde dem Heimgegangenen nachsandte. Jüdische Kirchenmusik. In den Tagesblättern war neulich zu lesen, daß in der Angustinerkirche ein Oratorium von Roderich Baß zur ersten Aufführung gelangt. Es freut uns gewiß, wenn Herr Baß als Jude in die Formenlehre der Kirchenmusik soweit eingewecht ist und würden uns noch mehr freuen, wenn der Tonkünstler sein Kompositionstalent auch der Synagogenmusik zuwenden würde. Nur fürchten wir, daß der Künstler für eine Messe mehr Verständnis haben dürfte als für ein stimmungsvolles Mas kir-Lied, ein Kol ni d r e oder eine großangelegte K e d u s ch a h. Kollegentag der Mitglieder des Nabbinerverbandes in Böhmen. Am 3. September d. I. fand in Karlsbad im „Hotel Terminus" ein Kollegentag des Rabbinerverbandes unter dem Vorsitze des derzeitigen Präsidenten Dr. Kurrein-Teplitz statt. Anwesend waren 19 Mitglieder, und zwar die Herren: Dr. Biach- Brüx, Deutsch-Prag, Feuerstein-Falkenau, Galandauer-Soborten, Goldberger-Marienbad, Herzog - Prag - Smichow, Hirsch-Prag- Karolinenthal, Kisch-Prag, K'urrein-Teplitz, Neumark-Rakonitz, Posnansky-Pilsen.Reach-Raudnitz.Schornstein-Leitmeritz, Schwarz- Eger, Stern-Saaz, Thieberger-Komotau, Weimr - Kuttenplan, Wohl-Tachau, Ziegler-Karlsbad. Der Ehrenpräsident Herr Oberrabiner Dr. Ehrenfeld, sowie viele Mitglieder hatten ihr Fernbleiben entschuldigt. Es fanden zwei' Sitzungen am 3. imb 4. September stall, welche durch wichtige Mitteilungen des Präsidiums über die ersprießliche Thätigkeit des vvr kurzem neugewählten Vorstandes, sowie durch eine große Anzahl wichtiger Referate äußerst anregend verliefen. In dem Tätigkeitsberichte konnte der Präsident unter anderem mitteilen, daß die in der letzten Generalversammlung gewählte dreigliederige Deputation die von der Versammlung genehmigte Denkschrift über die Lage der israelitnchen Religionslehrer an Mittelschulen und die Wünsche derselben Sr. Exzellenz dein Herrn Kultusminister, sowie dem Herrn SektiouSches überreicht hat und nicht nur ans das freundlichste von beiden Herren empfangen ivurde, sondern auch bestimmte Zusagen erhielt, welche auf günstige Aendernngen mit Sicherheit rechnen lassen. Der Präsident teilt ferner mit, das; sich mehrere Gemeinden gelegentlich der Anstellung von Rabbinern oder anderen Fanliionäre um Rat und Mitwirkung an den Vorstand des Verbandes gewendet haben. Der Vorstand ist derartigen Wünschen immer mit größter Bereitwilligkeit entgegengekommen. Die Flugschrift „Die Getauften in der jüdischen Gesellschaft" wurde auf .Kosten des Verbandes in 10.000 Exemplaren gedruckt und an alle Kullusgemeiuoen Böhmens verschickt. Ans Wunsch wird dieselbe vom Präsidenten auch weiterhin gratis verschickt werden. Aus der großen Zahl der Verhnndlnngsgegenstände seien erwähnt: Ein anregendes Referat über „Ablösung der Emolumente", erstattet von Dr. Ziegler-Karlsbad; ferner über die Gründung einer Pensions- und Reliktenkassa von Dr. Neumark-Rakonitz; Dr. Posnansky-Pilsen entwickelt die Gesichtspunkte, nach welchen die Prüfungs-Kommission für Gemeindefnnktionäre ihre Aufgabe zu lösen gedenkt. Am zweiten Verhandlnngstage referierte Dr. Deutsch-Prag über die rituelle Beschneidung und deren Wichtigkeit für das religiöse Leben und den Fortbestand des Judentums. Es wird auf Antrag des Dr. Schornstein-Leitmeritz beschlossen, eine Broschüre über diesen Gegenstand zu verfassen und dieselbe unter Hinzufügung von Gutachten hervorragender medizinischer Autoritäten zu drucken und allgemein zu verbreiten. Endlich wurden auf Grund eines Referates des Dr. Ziegler-Karlsbad über den Mädchenhandel in Galizien wichtige Maßnahmen beschlossen, um den jüdischen Anteil an diesem schmählichen Treiben zu verringern oder ganz zu beseitigen. Zn den mährischen Landtagswahlen. (Original- Korrespondenz des „Jüdischen Äolksblatt".) Die Landtagswahlen stehen vor der Tür und in wenigen Tagen wird die Wählerschaft an der Wahlurne zu entscheiden haben, wer im zukünftigen Landtage Mährens Sitz und Stimme besitzen wird. Nicht nur Deutsche^und Tschechen werden sich gegenübcrstehen, sondern — soweit feilt Kompromiß zustande kam — werden sich in verschiedenen Bezirken deutsche Kandidaten und tschechische bekämpfen. Bekanntlich hängt in vielen Bezirken Mährens von den jüdischen Stimmen ab, wer siegt, und wäre in Mähren eine stramme jüdisch-nationale Organisation schon vorhanden, dann würde sich dieselbe bereits bei den jetzigen Wahlen fühlbar machen. Leider ist dies nicht der Fall und so werden wir das traurige Schauspiel erleben, daß auch bei den diesmaligen Wahlen ein Teil unserer Juden, die Assimilanten, im Schlepptau jener „Jnden"liberalen segeln werden, die mit den deutschvolklichen, oft- und alldeutschen Antisemiten vereint marschieren. Ein anderer Teil der Inden, die aber aus der Vergangenheit etwas gelernt haben, wird nur für solche Kandidaten stimme», die für die unbedingte nationale Gleichberechtigung der D e u t s ch e n, T s ch e ch e n u u d I u d e u ans Grundlage der n a t i o n a l e n, A u t o n o m i e eintreten. Es existiert freilich auch unter den Juden Mährens eine starke Strömung, die bei den derzeitigen Parteiverhältnissen entschlossen ist, in der Abstinenz zu verharren, weil sie nicht LusJ hat, als Konsequenz ihrer Abstimmung deutschen und — tschechischen Antisemitismus in gesteigerten! Maße zu ernten. Übrigens; ist auch in deutschen und tschechischen Wählerkreisen — wenn! man von den bekannten Machern in beiden Lagern absieht — j kein allzu großes Interesse für die bevorstehende Landtagswahl, zu bemerken. Die Alt-Liberalen haben auch hier abgewirtschaftet. Die deutsche Volkspartei, ein Ableger der ersteren, war hier nie in den breiten Volksschichten populär, trotzdem sie mit dem nationalen Chauvinismus und Antisemitismus der Alldeutschen zeitweise kokettierte. Diese aber haben infolge des Konfliktes Schönerer-Wolf sehr viel hierzulande an Sympathie verloren. Anderseits beginnt die tschechische Wählerschaft auch mit der Politik der Jungtschcchen unzufrieden zu werden und das Resultat ist einerseits das Anwachsen des Klerikalismus und anderseits die Gründung einer neuen tschechisch-fortschrittlichen Organisation in Prerau. Die Juden mögen aber endlich doch die Konsequenz ans diesen Verhältnissen ziehen und fick ans national-sozialer Basis organisieren. Dann sind sie in der Lage, schon bei den nächsten Wühlen auch ihre Interessen geltend zu machen. Maricnbad. (Eröffnung der neuen Bezirkshau p t m a n n s ch a f t.) In feierlicher Weise ivurde am t. d. M. die neugeschaffene politische Bezirrsbehörde aktiviert, welche bei der fortschreitenden Entwicklung unserer .Kurstadt bereits seit c20 Jahren ein Desiderium der Bevölkerung gebildet hat. Den Höhepunkt der Festlichkeiten bildete das Festmahl, welchem nebst den städtischen und staatlichen Funklionären als Vertreter der drei Konfessionen der Prälat von Tepl C. Helmer mit der katholischen Geistlichkeit, der evangel. Pfarrer Ferbas und Rabbiner Dr. Goldberger beiwohnten. Prälat Helmer toastierte auf das friedliche Einvernehmen zwischen Stadl und Slift Tepl und den Städten Marienbad und Königswart, hierauf feierte Pfarrer Ferbas auch den „neuen" Bezirkschef Pezellen, welcher als Bezirkshauptmann von Tepl, wohin Marienbad früher inkorporiert war, stets die Interessen der Kurstadt förderte. Den Reigen der Toaste schloß Rabbiner Dr. Goldberger, welcher als Vertreter der israelitischen Kultusgemeinde aus das bisherige friedliche Eiuveruehineu zwischen dieser und der Bezirksbehörde hinwies _ und der Hoffnung Ausdruck gab, das; auch in Zukunft das har- > monische Zusammenwirken fortbestehen werde, unter Hinweis aus die friedliche Vereinigung der verschiedenen Berufe, Körperschaften und Konfessionen bei diesem Festmahle, sowie auf die Aufrechterhaltung dieses schönen einträchtigen Verhältnisse in den; neugeschaffenen politischen Bezirke mib kräftige Förderung desselben durch die neue Behörde. Dr. Goldberger fand für seine glänzenden Ausführungen die lebhafteste Zustimmung aller ''Anwesenden, besonders des Prälaten von Tepl, P. Gilbert Helmer, und die dankbare Anerkennung seitens des Vertreters des'Statthalters, k. k. Statthaltereirath Rapprich unb des neuen Bezirkshauptmaunes Pezellen. Karlsbad. In der hier stattsindeiiden Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte hielt gestern Herr Dr. Breitenstein-Pcag einen hochinteressanten Vortrag über die „Zirknmzision als Schutzmittel gegen Lues", welcher ans Grund eingehender Studien zu dem Ergebnis gelangt, daß die Beschneidung ein sehr wnksames Präventiv gegen jene Seuche ist. Einweihung der neuen Synagoge. In imposant festlicher Weise ivurde vorgestern nachmittag der nach den Planen des OberingenieurS Herrn Parzik neuerbante Tempel der öslerreichischungarischen israelitischen Kultusgemeinde in Sarajewo eiugeweiht. Lange vor der für den Beginn der Festlichkeit festgesetzten Stunde hatte sich ei» zahlreiches Publikum aller Stände und Konfessionen > in der Terezhagnsse angesninmelt. Außer einer großen Zahl von Zivil- und Militär-Würdenträgern ivar ein reicher Flor von Damen in eleganten Toiletten erschienen. Die Gemeindemilglieder hatte» sich Vvr Beginn der eigentlichen Feier, der Tempelwelhe, in dem alten Bethanse vollzählig eingefnnde», Ivo Herr Kantor Singer zum tetztenmale seines Amtes waltete — den AbschiedSgvttesdiensI zelebrierte. Nachdem Herr Rabbiner Tr. Wessel an die ans dem alten Bethanse scheidende Gemeinde einige Worte richtete »nd einen kurze» Rückblick nnf die Zeit tvarf, lvährend ivelcher dieser bescheidene Raum eine ErbannngSstätte aller Mitglieder Ivar, wurden die Thorarollen der BnndeSlade entnommen und, mit stiller Wehmut angesichts der Trennung bon diesem alten, ulten Mitgliedern lieb gelvordenen Bethanse, begab sich die Gemeinde unter Vorantritt der Gcmeindcältcstcn mit den Thorarollen unter einem Baldachin im Festzuge in die neue Synagoge. Dieselbe war mit reichem Blumenschmuck geschmackvoll dekoriert und festlich beleuchtet. Der erste Eindruck, den das im Lichterglanze erstrahlende Gotteshaus übte, ivar ein ungemein günstiger. Es ist ein ausnehmend schön gedachtes und wohlgeluugeues Werk, denn der Jnneuraum wirkt durch die fein abgestimmte Farbenharmonie und die konsegnente Betonung des volkstümlichen, orientalischen Charakters angenehm überraschend. Nachdem die Thorarollen in die neue Bimdeslade eingestellt waren, eröffncte Herr Kantor Singer mit einem kurzen Gebet die Feierlichkeit. Sodann richtete der Präsident der Gemeinde. Herr Dr. Roth köpf, eine Begrüßungsansprache an die Festteilnehmer, denen er im Namen der Gemeinde den Dank für das zahlreiche Erscheinen anssprach; die Teilnahme so vieler und hoher Würdenträger spreche für die Wichtigkeit dieses Augenblickes und erfülle mit freudiger Genugtuung die Gemeinde, die min nach jahrzehntelangem emsigem Streben endlich ihr hohes stiel erreicht hat. Nur das Zusammenwirken und die Opferwilligkeit der Mitglieder ermöglichte cs, dieses großartige Werk zu vollenden, welches die Gemeinde mit Stolz erfüllt. Hierauf begann der zeremonielle Weiheakt. Herr Dr. W esse! zündete das Ewige Licht an, währenddessen der Kantor ein kurzes Gebet sprach. Nun folgte ein dreimaliger Umzug um den At-Memor mit den der BnndeSlade entnommenen Thorarollen; während dieses ganzen Aktes sang der Männerchor einige Psalmen. Nachdem die Thorarollen wieder in die BnndeSlade gestellt waren, betrat der Rabbiner Herr Dr. W e s s e l die Rednertribüne und hielt eine Festrede, wie man sie nicht oft zu hören bekommt. In geistvoller Weise betonte der Redner die Bedeutung des weihevollen Momentes. Mit tiefreligiösein Sinne und mit Worten innerlichster glaubensstarker lleberzeuguug wußte er das Wesen und den moralischen Halt des Judentums darzulegen, welches sich nur ans Grund der traditionellen Ueberliefernngen und in steter Pflege des Gemeinsinnes ans der niemals schwankenden Stufe treuer Gottergebenheit erhalten tonnte. Unten entsprechender Erläuterung nahm der Rabbiner die Weihe des Ewigen Lichtes, des heiligen Schreines und des Tempels vor, um dünn nochmals den Gefühlen des Dankes, der Verehrung und Ergebenheit Ausdruck zu geben, welche diese Gemeiiide für den allzeitigen Förderer und Beschützer der großen Jndengemeinde Oesterreich-Ungarns empfindet — für Se. Majestät unseren Kaiser und König! Vor der offenen Bundeslade sprach der Rabbiner ein inbrünstiges Gebet für den Monarchen und das Haus Habsbnrg. Von der Galerie ertönte die Volks- Hymne; die Stimmung im Bethanse Ivar eine freudig gehobene, weihevolle. Der Rabbiner übergab nun die neue geweihte Audncbtsstätte ihrer Bestimmung, ivomit die Feier ihren Abschluß fand. Befriedigt bon dem herrlichen Verlauf des Festes, verließ das Publikum den Tempel, während sich eine Anzahl Gemeindemitglieder um ihren Priester sammelte, um den ersten Mendgottcsdienst im neuen Heime zu verrichten. Von den Repräsentanten unseres öffentlichen Lebens waren zur Feier erschienen: Ihre Exzellenzen Zivil-Adkatus Freh. v. Kutschern, FML. Conte Corti alle Catene, die Scktiouschefs Baron Benko, Passini, Sonnleithner und Dr. p. Rajner, Generalmajor Schemna, die Hofräte Hörmann, TreScee und Ludwig, Kreisvorsteher Baron Mollinarh, Oberst von Gaal, Postnitd Telegraphendirektor Cimponeriu, Obergerichtspräsident Dr. Kengjelic, Kreisgerichtspräsident Niedzwlecki, Negiernngsrat Dr. Kobter, Direktor des LandesspitaleS Dr. Gluck, die Oberstleutnants Bußjägcr tind Kramarie, Senatspräsident Shek, Oberbanrat Keller, die Landesbankdirektoren Dr. Pokornh und Bcrkovic, Major b. Bcncevie, Berghanptmann Grimmer, Handclsdent der spaiiiolischen „Lyra" Josef Danon, ferner der Präsident >der „Benevolencia" Salvator: Salom, Vaniiuteriicchmer Jung- Ivirt u. b. a. — Für die rumänischen Juden. In einer der nächsten Sitzungen des am 0. Oktober zusammentretenden — ungarischen Abgeordnetenhauses werden die Abgeonieten Bisonlai Samu und Hock Jünos in Angelegenheit der rumänischen Inden interpellieren. Auch im österreichischen Abgeordnetenhause beabsichtigt Abgeordneter Breiter zu interpeltteren. Wie werden sich die Liberalen und Sozialdemokraten dazu verhalten? Ausland. * It. S. Auf der Jahres Ausstellung im Münchener Glaspalaft sind Werke folgender Künstler vertreten: Vachrach-Baree Emannel in München, Bern st e i n Anna in München, Vinenb o u in Lazar- Münchsn mit dem vielbewunderten Gemälde: ..Weltentrückt", darstellend: Beethoven, amKiaviere phantasierend. Blumenthal S., Berlin. F e l d m a n n Wilhelm, Berlin, Glücklich Simon, München, mit drei Bildern, welche Perlen der Ausstellung sind, H a r b urge r Edmund. München, Mitglied der Jury ans der Luitpold-Gruppe, vertreten mit drei Bildern, darunter ein Selbstbildnis. Heller Adolf, München, Kaufmann Adolf, Wien, Lieberm a n u Ernst, München, Loe tu e x\ ft e i n Aenuy, Berlin, M e y e r h e i m Paul, Berlin, M ü u z e r Adolf, Paris, der brillante „Jugend"-Zeichner, P e r lmutte r Jsak, Budapest, Schlesing e r Felix. München, Sega! Arthur, Dachau, Weiser Josef, München, Wolfs Betty. Berlin. Ferner in Abteilung ll. Aquarelle, Pastelle, und Zeichnungen: Gnmpertz Klara, Charlottenburg, Herjchel Otto. Wien (eigentlich aus Teplitz), mit einem Äquarell: ..Bei der Arbeit", H ey mann Aioritz, München, Jakob Julius, Berlin, Kühn David, Wien, Sludienköpfe, Mendel ) o h n Henriette, Berlin, S ch in u tz e r, Ferdinand, Wien. Ja Abteilung tll: Bildhauerei: Aron- ] o u Navum, Paris, Büste des Grasen Tolstoi. Storch Arthur, München. Abteilung I V: Graphik: H önig sm a n nBela,München,S a ch s Klura,München, S ch m utz e r Ferdinand, Wien, mit drei flotten Porträtradierungen, Spiegel Ferdinand, München, S t r u ck Hermann, Berlin. Einige (H ahn, B r a u u, M eye r, Engl) sind hier nicht ausgenommen, obzwar es auch unter diesen Juden geben dürfte. Die vorstehende Liste genügt jedoch als Dokument, daß die Juden ans künstlerischem Gebiete lange nicht in letzter Linie stehen. Zola und der Kumpf für die Wahrheit. Seit vierzehn Tagen verfolgt man mit Spnnnnng den neuen Roman Zolas „Berite" im Feuilleton der „A uro re". Mit Spaniunig, in der Tat, denn „Berite^ ist, wenigstens IvaS den Anfang betrifft, ein regelrechter Kriminalroman und unterscheidet sich dadurch Uou den beiden ersten Gliedern der Evangelien-Tetrnlogie, von „Feevndite" und von „Travnit", die ihren didaktischen Charakter vielleicht nicht genug verleugnet haben. Dns gerichtliche Drama, von dem Zola

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