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Jüdisches Volksblatt · 1902-10-10 · 41 (10.10.1902) · p. Seite 3

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
4 (1902)
Issue
41 (10.10.1902)
Date
1902-10-10
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr, 41 W'iy-n, fM'oitay ainckcnnty rotckvciß (die polnischen Notioncilsnrben) schimmernden^ Bemntctttlims. Die Großindustriellen sind meist Mitglieder der Aristokratie, oder nielmehr einzelne dieser Aristokraten sind Besitzer großindnsiriellec Uiiternelpnnngen. Bei diesen bleibt also natürlich ansschlagget'end brt-o politische st nieresse ihrer blasse. Darüber erzählt inan sich manch hübsches Stückchen. (sinn Beispiel: Graf Andreas Potoeki, der jetzige Statthalter, ist Besitzer Non Kohlengruben in Wcstgalizicn; obgleich alle Bedingungen für die A»Sdehnnng dieser Werke pepeben sind, Ivird damit znrückpehalten; als der Graf nimmt darüber bcfrapt wurde, erklärte er: „steh tvill kein Proletariat in Galizien anfzichen." Si non e Nero, e ben tronato! Stein Proletariat protzziehen, Ivo die prötzeren Städte Non Lumpen- Proletariern tvimmeln und das Landvolk schlimmer, weit schlimmer daran ist, als der am schlechtesten bezahlte Industriearbeiter, Ivo Tausende von proletarischen Bauern und verelendeten Parzellenbesitzern anSivandern. als Lohndrücker in aller Herren Länder anftreten, in Amerika beinahe mit dem chinesischen .Stitli konkurrieren! Den Herrn Grafen, von dem man sich erzählt, datz er einipc Millionen Gulden in der enplischen Bank liepen hat, dessen Latifnndsen in Galizien und in der Ukraine nahezu eine Million Gulden jährlich einbrinpen, locken die paar tausend Gnlde» llnternehmerprofit nicht. Dagegen ertvirbt man sich durch so ein schönes Wort von der Verwerflichkeit des Proletariats die Sympathie des Landjnnkertnms und diese führt zum Statthaltersessel. Die übrigen Großindustriellen. die nicht direkt der herrschende» Adelsklione anaehören, sind doch mit ihr liiert und können auf keinen stall ihre Klasseninteressen vertreten, weil sie an Zahl zu perinp sind. Bleibt also das Vürpertnm der Ivenipen prötzeren Städte und die sogenannte „Intelligenz", die Vertreter der freien Berufe, die sich einbilden, außerhalb der Klassen zu stehen, und hier wie in jedem rückständigen Lande scheinbar eine protze Nolle spielen. Dieses Bürgertum ist nun allerdinps seinem Interesse nach auf dem Stampf pepen die herrschende Klasse des Adels anpewiesen, aber die panze pcschickstliche Entwicklung hat dazu geführt, die Kraft dieser Elemente lahmznlepen, sie verharren bisher in politischer Letharpie und können sich zu keiner Aktion anfraffen. Den besten Beweis dafür liefern die letzten Wahlen zum Landtap, bei denen trotz fieberhafter Agitation einiger einsichtsvoller Führer die Masse des Bürgertums für die Kandidaten der herrschenden Partei stimmte, sich den Terrorismus der Wahkmacher pesallen lietz. Das ivürde anders werden, wenn Galizien das allgemeine Wählrecht erhielte. In diesem stalle würde es ivoyl gelingen, in den Städten die Macht der Adeksvar'tei zu stürzen. über die bisherige Tätigkeit des „Hilfsvereirres für die notleidende indische Bevölkerung in Galizien", Wien, l.. Tuchlarrberr 17. Vor einem Jahre bat der Verein seine Tätigkeit mit der Einführung einer Heimarbeit, der Erzeugung von Haarnetzen, begonnen, die bis dahin in Galizien ganz unbekannt war und von der überhaupt nur wenige wußten, daß sie einen ziemlich bedeuieadeu Exportartikel bildet, der von Oesterreich ans nach allen Erdteilen versendet,-wird und für den zirka st Millionen Kronen nach Oesterreich hereinkommen. Fünf Millionen. von denen zirka 80"ft, als Arbeitslohn zur Auszahlung gelangen. Der Hilfsverein verschaffte sich zunächst die Gewißheit, daß noch sehr zahlreiche Arbeitskräfte bei dieser Industrie für absehbare Zeit Verwendung finden können. Einer der bedeutendsten Exporteure dieses Artikels erklärte sich bereit, für feinen Exportbedars Haarnetze in Galizien erzeugen Zn lassen und gab die Bersicheruna, daß er noch tausende von Arbeitskräften zu beschäftigen in der Lage ist und dabei einen höheren Lohn zu zahlen, als sonst für irgend eine Heimarbeit gezahlt zu werden pflegt. Eine ständige Arbeiterin wird nach erlangter Feitigkeit, wozu enterst- bis ('.monatliche Uebung gehört, st bis 10 Kronen wöchentlich verdienen können. Der Artikel bot auch den großen Vorteil, daß bei ihm Fracht und Zoll für das Rohmaterial wie für das fertige Produkt kaum ins Gewicht fallen. Rasch entschlossen, sandte der Hilssverein im Vorfahre eine Anzahl von Fachlehrerinnen, eröfsnete in 14 Orten, teils in Ost-, teils in Westgalizien unentgeltliche im Mnnsterrcm: uahetegte, sich doch jetzt taufen zu lassen, antwortete er mit dem stolzen, geflügelten Worte: „Wenn ich schon e l u m a l den Glaub e u ändern .sollt e, dann werde ich — Jude!" Der Stolz Hollands, nicht der Inden allein ist, I. Israels, Hollands größter Maler der Gegenwart, dem wir Inden zu umso größerem Danke verpfl chtet sind, als ec viele seiner Sujets aus dem jüdischen Klenüeben geholt hat. Eia Roich-hu-schonv verlebte ich in Rotterdam, wo man mich, als Fremdling in der Hanptsynagoge, vom TempeLvvrsteher za einem bevorzugten Sitze einladen ließ und der Jom Kipur sah mich in dem modernen Prachtbau des Brüsseler Tempels. Obzwar die off zielte Verkehrssprache französisch ist und auch die Predigt in diesem Idiom gehalten wird, sind doch die meisten Juden in Brüssel deutscher Herkunft. Die Gemeinde dürfte au 10.000 Seelen stark sein. Fern von der Heimat und den Seinen diesen heiligen Tag in der Fremde zuzubringen, da greift's einem ordentlich ans Herz. Mit einig n Freunden war ich beim Gottesdienste, der in unserer rituellen Einteilung nbgehalteu wird. An eine Säule gelehnt, dachte ich an die schöne Zot der Jagend, Bilder der Heimat zogen an mir, wie eine Fata Morgana vorüber, da erklang die Orgel zum „E i u t) e b e n", „Hallelujah" sangen die schönen Stininien. dann wurde es stille— „Maskn" begann. Ein wundervolles Lied mit frailzösischem Text, eine Kompositivn Franz A b t s, sang der Chor und ergreifend war das silmu ungSovlle Sopran-Solo, das mir noch heute uachklingl. Da stilles Hindrüten, dort lautes Schluchzen, hier leises Stöhnen. Wer bliebe kalt in dieser unseleu teuren Toten geweihten Stunde. Da packte es auch mich und heiße Perlen raunen über die Wangen, dir, teure Mutter, klaglose, neiduud feindlose Frau, galten die Tränen des Sohnes. Ifidisches Volksblatt Lehrkurse und gab den zahlreich herbeiströmenden Lernenden unentgeltlich Werkzeuge, sowie das zum Lernen nötige Arbeitsmateriale. Das Knratorinm der Baron Hirsch-Stiftungs- Schnlen unierstützte den Hilfsverein in sehr wirksamer Weise, iubcm es ihm in den Orten, wo sich seine Schulen befinden, die zum Unterrichte notwendigen Lokalitäten bereitwilligst zur Verfügung stellte. Dadurch wurden die Leiter dieser Schulen in ebenso erwünschter als natürlicher Weise die Uebermacher der vom Hilfsvereine veranstalteten Lehrkurse. Einige von ihnen wurden sehr verdienstvolle Förderer der Bestrebungen des Vereines. Mehr als 2000 Mädchen und Frauen hatten im Vorjahre das Haarnetzen erlernt. Rur verhältnismäßig wenige sind bei dieser Arbeit geblieben, weil sie, in Ermangelung der noch fehlenden Fertigkeit, nicht sofort den erhofften Atbeitslohn verdienen konnten. Da jedoch fast überall eine, wenn auch geringe Anzahl bei der Arbeit geblieben, verdienten diese bald immer mehr und die anderen schlossen sich ihnen nach und nach an. In Kossow zum Beispiel blieben von allen, die das Haarnetzen erlernt halten, nur 10 als ständige Arbeiterinnen. Jetzt ist deren Zahl auf 200 angewachsen und nimmt noch immer zu. Im Monate August d. I., dent letzten, über den ein Ausweis vorliegt, sind von dem Vertreter des Unternehmers in Kossow Kronen 3028.12 an Arbeitslohn ausgezahlt worden, in Jagielnica Kronen 2080.2st, in Zablotom .Kronen 1784.1 l, in Gwozdzice Kronen 878.—. In Ist Orten, von denen 7 vor kurzem neu hiuzugekommen sind, wo somit noch wenig verdient werden kann, sind im Monate August Kronen 10.300.50 als Arbeitslohn von dem ersten Unternehmer allein ausgezahlt worden. Seine Lohnzahlung steigt von Monat zu Monat um mehr als Kronen 2000.—. Rach bem wachsenden Erfolge der Haarnetzindustrie J in Galizien wendeten sich einige Exporteure dieses Artikels , ans Böhmen und Deutschland dahin, um daselbst Haarnetze erzeugen zu lassen. Zn diesen gesellte sich bald eine ziemliche Anzahl galizischer Kattsleute in der Hoffnung, aus der von ihnen bis vor kurzem noch nicht gekannten Industrie möglichst großen Nutzen zu ziehen. Wie viel alle diese neuen Unternehmer an Arbeitslohn zahlen, darüber liegen keine zuverlässigen Jnfor-! mationen vor. Was jedoch nur die 10.000 Kronen, die an Arbeitslohn in den so furchtbar verelendeten Orten von dem ersten Unternehmer ausgezahlt werden, für Wirkung ausüben, davon kann man im Westen Oesterreichs sich kaum eine Vorstellung machen. Zahlreiche Dankschreiben und Berichte, die von kompetenter Seite an den Hilfsverein gelangten, geben ein beredtes Zeugnis dafür. Aus zwei, in den letzten Tagen eingelaufenen wollen wir nachstehende, sehr charakteristische Auszüge mitteilen. Eine Zuschrift ans Gwozdzice, den 27. September d. I. berichtet: „Die Haarnetzindustrie übt hier einen großen Einfluß aus die wirtschaftlichen Verhältnisse der armen jüdischen Bevölkerung aus. Viele Familien finden dadurch ganz oder teilweise ihr Auskommen. Von den Straßen sind die vielen müßiggehenden Mädchen verschwunden, ja ich möchte behaupten, daß manche Stadtteile ein verändertes Aussehen bekommen haben. Wo früher schmutzige Mädchen in zerlumpten Kleidern Gänse hüteten, sitzen jetzt nett "gekleidete Mädchen, die fleißig arbeiten. Viele Mädchen verlassen schon bei Morgengrauen das enge Elternhaus, um in einer geräumigen Stube gemeinsam und ungestört zu arbeiten. Hier wird das Haarnetzen eigentlich erst seit ö Monaten betrieben und schon sind viele Familien in der angenehmen Lage, im Besitze einer Kuh oder eines Pferdes zu sein, was schon „Wohlstand" für diese»Famien bedeutet. Aber nicht nur die Aeriusten der Armen empfinden die Wohltat der hier eingeführten Industrie, auch die Geschäftsleute äußern sich sehr dankbar. Alle verstehen die Wohltat zu schätzen, daß nun wöchentlich über 300 Kronen mehr ins Städtchen hereinkommeu. Mädchen, die dem Laster ergeben waren, sind nun fleißige, anständige Arbeiterinnen." Aus U s z c i e z k o, einem keinen Orte, wo noch nicht lange gearbeitet wird, lautet ein Bericht ddo. 22. September d. I.: „Die Wirkung der eingeführten Arbeiten ist trotz der noch kleinen Verdienste doch schon eine beträchtliche. Mädchen, welche früher in den Straßen herumlagerten, pflegen mm vom frühen Morgen bis zum späten Abend der Arbeit. Die ersten Löhne wurden fast von allen Mädchen zur Anschaffung von besseren Kleid rn verwendel. Ein schönerem Kleid verlangt auch einen reinen Kipper. — Die Mädchen, ivelche früher meist schmutzig herumliefeu, pflegen nun auch besser die Reinlichkeit des Körpers, was aus die Hebung des Gesundheitszustandes großen Einfluß hat. Auch die Moral, welche bei den früher müßigen Mädchen manches zu wünschen übrig ließ, wurde durch die fleißige Arbeit bedeutend gehoben. In vielen Fällen (bei den Aermsten) unterstützt die arbeitende Tochter die arnten mit dem Elend kämpfenden Eltern. In anderen wieder, etwas vermögenderen, wird der Lohn als Ersparnis in die Postsparkasse gelegt oder als Prämie für eine Assekuranz gezahlt. Diese Ersparnisse sollen dann den Heranwachsenden Arbeiterinnen als Mitgift dienen, um eine bessere und anständigere Heiratspartie erlangen zu können. Auf diese Weise wird den armen Mädchen auch eine bessere Zukunft bereitet." Aehulich lauten andere zahlreiche Berichte. Alle heben hervor, daß durch die Arbeit sowohl wie durch den Verdienst die Sittlichkeit und die Widerstandsfähigkeit gegen mannigfache Verführungen wesentlich zugenommen hat. Der Ruf dieser Heimarbeit verbreitete sich bald über ganz Galizien und oer Hilfsverein wurde besonders in den letzten Monaten geradezu gedrängt, in 65 neuen Orten Lehrkurse zu eröffnen. Er tat dies in steter Ueberemstimmung mit dem Unternehmer, der die Gewähr bot, daß er alle erzeugten Waren abttehmen und den großen Zuwachs an Arbeitskräften nicht zu einer Reduzierung der Löhne benützen wird. In wenigen Monaten wird die 10. Oktober 1902 Leite 3 Saat, die der Hilfsverein in allen diesen Orten ausgestreut, der Bevölkerung reichen Ertrag bringen. Auch Mädchen christlicher Konfession, katholische und evangelische, die um die Erlaubnis zur Teilnahme an den Lehrknrsen baten, wurde diese Erlaubnis erteilt. (Bei dem kolossalen Elende, das unter den galizischen Juden herrscht, sehen wir das Rationelle dieser Maßregel nicht ein. Red.) Anknüpfend an eine vortreffliche Einrichtung in den Baron Hirsch-Stiftungs-Schulen, an den Haudfertigkeits- oder Slöjd-Unterricht, der in vielen derselben erteilt wird, hat der Hilfsverein in sehr glücklicher Weise mit der Erzeugung von Drechsler- und Spielwaren, sowie anderer Gebrauchsartikel aus Holz, in Stanislau begonnen. Diese neue Industrie ist bestimmt, vorwiegend der erwerbsbedürftigen männlichen Bevölkerung guten und dauernden Erwerb zu schaffen. Unter Leitung eines tüchtigen, mit modernen Arbeitsmethoden mohloertrauten Fachmannes werden von einer allmählich wachsenden Anzahl jüngerer und älterer Arbeiter Schachfiguren, Domino und Damsteine, sowie Puppenmöbel rc. für den Export erzeugt. Wenn die Arbeiter in einem Orte genügend geschult sind und die Arbeit in befriedigender Weise organisiert ist, wird die Einführung dieser Industrie in einem hierfür geeigneten neuen Orte unternommen und so allmählich über viele Orte verbreitet werden. Die ersten Erzeugnisse sind schon an die Stelle gelangt, die für deren ständigen lukrativen Absatz sorgt. Mit der Zeit dürfte sich diese Industrie zu einer sehr bedeutenden in dem holzreichen Galizien entwickeln. Einige andere Industrien, darunter eine, die teils Fabriks-, teils Heimarbeit erfordert, sind zur Einführung in Galizien vorbereilet. Die begonnenen, wie die vorbereiteten Industrien bilden nur die ersten Anfänge zur Ausführung eines größer angelegten Planes. In der Absicht des Hilssvereines liegt es, geeignete Industrien über das ganze Land zu verbreiten und vorwiegend solche zu wählen, die für den Export arbeiten und der gegenwärtigen Landeserzeugung keinen Eintrag tun. Es dürfte jedoch nicht angezeigt sein, sich schon jetzt näher darüber zu äußern. Denn besonders von noch nicht ausgeführten industriellen Plänen gilt, entgegen dem jüdischen Sprichwort, das alte Wort: „Das Geheimnis ist die Bürgschaft des Erfolges." Die Arbeit, die der Hilfsverein übernommen hat, gleicht der Aufforstung eines durch rücksichtslose Abholzung verwüsteten Waldes. Durch Jahrzehnte fortgesetzter konsequenter Arbeit wird es bedürfen, um hier ansehnliche, dauernde Resultate zu erreichen. Immerhin hat der Verein schon jetzt den unwiderleglichen Beweis erbracht, daß es in Galizie.lt eine zahlreiche arbeitswillige und sehr bildungsfähigeBevölkerung gibt, die rlur auf die gebotene Gelegenheit wartet, um sich b e st e n s zu betätigen. Man darf nunmehr wohl erwarten, daß die verständigen jüdischen Industriellen und Exporteure in ihrem eigenen, wie im Interesse jener Notleidenden und Aibeitswilligen, die richtige Lehre daraus ziehen; sie werden auf den galizischen Arbeitsmcnkc reflektieren und sich gerne des Hilfsvereines bedienen, dantit er ihnen denselben leichter zugänglich mache. Chronik. IrUarrd. Außerstande, jedem Einzelnen für die uns zugekommenen Neujahrs-Wünsche zu danken, stattet auf diesem Wege seinen Dank ab, mit dem Wunsche roiD nt^rn Der „Jüdische Volksoerein": Für den Vorstand : Hermann Plaschkes. Oberrabbiner Dr. Gelbhaus für die rumänischen Juden. Am ersten Neujahrslage hielt Herr Dr. Gelb haus im Tempel in der Mülluergaffe eine Fcstpcedigt, welche sowohl in ihrem Aufbaue als auch wegen ihrer Tendenz sehr beachtenswert war. Der gelehrte Oberrabbiner vom neunten Bezirke wies im Rahmen einer sehr sinnigen Erklärung des Schofars darauf hin, daß das Judentum durch das neuerwachte Nationalgefühl zusammengehalten werde und nur wenn dieses nationale Selbstbewußtsein gestärkt und gefördert werde, sei die Zukunft des Judentums gesichert. An dieses Nationalgefühl appellieren mtsere so arg bedrängten rumänischen Stammesbrüder. Am Schluffe der mit großer Spannung angehörten Predigt forderte Herr Dr. Gelbhaus die Versammelten auf, die „Alliance Israelite“ in Wien, welche sich mit der systematischen Linderung des Elends der rumänischen Juden befaßt, in diesem löblichen Bestreben kräftigst zu unterstützen. Die Festpredigt hat auf die den Tempel bis zum letzten Plätzchen füllenden Zuhörer einen mächtigen Eindruck gemacht. Israelitische Laudeskammer. Zu den vierundzwanzig Kultusgemeinden in Böhmen, welche die Vereinigung der Kultusgemeinden zu einer israelitischen Landeskammer aktiv unterstützen wollen, hatte sich auch die Kultusgemeinde Chotebor, (KultusvorsteherM. Mo rave c) angeschloffen weiters auch die Kultusgemeinde Schlau (Kultusvorsteher A. L ö w n e r), die Kultusgemeinde Ouval (Kultusvorsteher E. 5k o Sera k) und die Kultusgemeinde Jistebnitz.

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