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Jüdisches Volksblatt · 1902-10-03 · 40 (3.10.1902) · p. Seite 2

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
4 (1902)
Issue
40 (3.10.1902)
Date
1902-10-03
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 3. Oktober 1902 Nr. 40 Sdn'iit ii’citcr, indem sie iwerbmivi daS N a j |* o u p v o 0 I c tu_ t n F r a a e si e i f r. Tic Nassen ebenso wie die naiionnlen Gegensätze sind für sie ledigliel' Erscheinungen, die aus dem Kampfe um die Futrerplätze resultieren. Mil der Lösung der Magenfrage. loenn dem Arbeiter der ihm durch den kapilalislischeit Unlernehmer entzogene .„Mclirwert" seiner Arbeit znflietzt, dürsten alle die Weltgeschichte leitenden „Jinoonderavilien", denen auch die Rasseninstiutte beizuzählen lväreu, sich als eitle Machinationen der herrschenden blasse Weint ich atich den Ausspruch Peruerstorfers, das; der Antisemitismus der Sozialismus der dtimmelr Kerle sei, nicht unterschreiben kann, so ist andererseits auch nicht zu verkennen, daß die nnti- | kapitalistischen oder sozialistischen Instinkte in der alttisemitischell Bewegung keine zu nitterschätzende Nolle spielen. Karl Marx, j der große^Theorctiker des moderiten Sozialismus, äußert sich inbezug a u f d i e I u d e n f r a g e, der er eine größere Bedeutung zuerkeiilit als seine Jünger, daß das Judentum ein historisches Produkt sei.! Es habe sich notwendig ans Grund der sozialeir Zustände in dieser ( Form entwickeln müssen. — — — — —- — —■ | „Nun wohl, die Eemanzipation voit Schacher uitd von Geld,; also vom praktisch realen Judentum wäre die Selbstemauzipatiou > unserer Zeit. Eine Organisation der Gesellschaft, tvelche die Voraussetzungen des Schachers aufhöbe, hat das Judentum unmöglich gemacht." Nach Marxens Auffassung ist daS Judentum ein autifozialistischcs Element, das wohl aus seiner geschichtlichen Entwicklung zu verstehen sei, aber keineswegs als ein nottvcndiges Glied der Gesellschaft anerkannt werden dürfe. Dadurch wird aber nichts an der Tatsache geändert, daß das Judentum in der kapitalistischeit Gesellschaft den Stand repräsentiert, in dessen Händen bas wirtschaftliche Getriebe ruht, nämlich den Handelsstand. — — — Marx konnte daher das Judentum mit vollem Recht als ein antisoziales Element bezeichnen, wobei die Frage, ob es durch die Verhältnisse so geworden ist oder von Anbeginn antisozial gedacht rmd empfunden hat, weniger in Betracht kommt. (I?) — — Trotz aller wirtschaftlichen Vorteile und der ihm durch die freie Konkurrenz gewährleisteten Ausbeutungsfrciheit der Arbeitsklasse fühlt sich das Judentum dennoch in seinen politischen Reclsten benachteiligt. Ju der jüdisch-nationalen Presse, toie in der „Israelitischen Wochenschrift" u. a. kann man oft bewegte Klagen über die 'Zurücksetzung des Judentums seitens der Staatsbehörden lesen. Freilich ist dem I u d e n d i e h ö h e r e m i l i t ä r i s ch e, diplomatische und B e a m t e u l a u f b a h n verschlossen, zwar nicht durch das Gesetz, so doch durch die Tradition. Werden aber in dieser Hinsicht nicht auch andere Stände als Staatsbürger zweiter Klasse behandelt I? Der Sohn des Arbeiters und Kleinbürgers wird ebensowenig zu jenen Karrieren zugelassen, mag er selbst die Fähigkeiten dazu besitzen. — — — — —■ Mir scheint, daß die sozialdemokratische Partei die Judenfrage in ihrer wirtschaftlichen wie völkerpsychologischen Bdeutrmg gänzlich verkennt; sie schließt gern die Augen, um den „h e im lichen Antisemitism us", der sich in ihren Kreisen st e t i g a u s b r e i t e t, nicht zu bemerken. Gerade der Mann aus dem Volke empfindet in seinem dunklen Drange nur zu gut die Gefahr, die mit dem Ueberwuchern des Judentums seiner Partei droht. Geht die Entwicklung der Partei in derselben Weise sich den vorigen als ein nicht zu unterschätzender Faktor hinzu. Mögen nun auch die ökonomischen Bedingungen, die zur Entlvickiung des Judentums nicht unwesentlich beigetragen haben, in Fortfall kommen, so bleiben die anderen Momente nichtsdestoiveniger bestehen, und das Judentum wird sich in seiner Eigenart, tvie heute als „Staat im Staate", so später nmtatis mutandis als „Gesellschaft in der Gesellschaft" erhalten. Gerade die letzte Enttvicklungsphase des Judentums lehrt uns, daß der Reformjnde kein e s >v e g s d i e N e i - g u n g zeigt, mit der Tradition und dem Kult seiner Väter zu brechen und sich mit der Haupwevölkernng seines Landes zu assimilieren. Zwar streift er einige patriarchalische Lebensgetvohnheiten, die ihm selbst lästig geworden sind, ab, im übrigen möchte er sich aber doch neben den Rechten der Staatsbürger auch noch gewisse Reservatrechte (?) sichern. Kurzum: in welcher Gestalt uns der Jude auch entgegentritt, unter dem Firnis des modernen Weltbürgers wahrt er sorgsam das Inkarnat seiner Rasse. Und es ist ans Grund seiner Naturanlage und seines Rasseninstinktes sein R e ch t, so zu handeln, tvie cs daS Recht der anderen ist, ihn in die Schranken zu weisen, sobald seine Eigenart ihnen lästig fällt und ihre nationale Existenz gefährdet. (I) Mail hat oft darauf hiugewiesen, daß seit der Verleihung des Bürgerrechtes an die Juden eine zu kurze Zeit verflossen sei, um Schlußfolgerungen auf die Entwicklung des JudentrrmS ziehen zu können. Jcb möchte dem entgegenhalten, daß, tvie vorher schon angedeutet, der Jude keine Neigung hat und auch n i ch thab e n k a n n, seine nationale Eigenart aufzngeben. Blut ist ein ganz besonderer Saft! Die Kultur hat nicht die Rasseuinstiakte unterdrückt, ja, ich möchte es dahingestellt sein lassen, ob sie sic nicht noch stärker entwickelt hat. Wie im Leben des einzelnen, so gibt cs auch im Völkerleben Antipathien und Shmpathien, über deren Wesensart tvir uns keine Rechenschaft geben können. Sie sind eben vorhanden und man muß sich mit ihnen abzufinden suchen. — — — Aehnliche Erscheinungen kann man in allen Ländern beobachten, tvo zivei in ihrem Gefühlsleben grundverschiedene Rassen nebeneinander leben. Die fortlvährenden Konflikte in allen Kolonialländern sind im wesentlichen auf den natürlichen Antagonismus Hufe Nassen zurückzuführen. In den Bereinigten Staaten Nordamerikas spielt die Neger- und Chinesenfrage eine ähnliche Nolle, wie bei uns die Judenfrage, ja, das Rassenproblem dürfte in nicht zu ferner Zukunft den Anglo-Amerikanern noch schwere innerliche Kämpfe bereiten. In dieser Hinsicht sind die Bestrebungen des Zionismus, mögen sie auch vielfach ein zionistisches Gepräge zeigen, nämlich dLm Judentum eine nationale Unabhängigkeit in irgend einer Forrn zu verschaffen, durchaus zu rechtfertigen. Ein friedliches Nebeneinmiderleben der Völker und Rassen und ein Austausch der geistigen und materiellen Güter ist mir denkbar auf der Basis der nationalen.Unabhängigkeit. Unter Berücksichtigung dieses Umstandes wird die Judcnsrage zu einem Problem, dessen Lösung noch großen Schwierigkeiten begegnen wird. Gegenüber diesen Ausführungen. Johannes G a u l - k e s, die nebst vielem Unrichtigen manches Richtige enthalten, müssen wir vor allem bemerken, daß tvir von unserem national-sozialen Standpunkte aus allezeit die weiter, dann ist der Arbeiter nicht mehr der eigentliche Träger der Judenfllage sowohl als Rassenproblern, tvie als Teil der - biefe sozialen Fwge betrachtet haben und unse Bezeichnung erfreut sich schon in einigen Kreisen der Sozialdemokratie einer großen Beliebtheit. Mit der steten Zunahme des jüdischen Elementes gewinnt die Partei immer mehr den Anstrich einer Judenschichtruppe und sie büßt damit auch den idealen Schwung ein, den ihr auch der entschiedene Gegner des Sozialismus zuerkennen muß. Denn nach Marxens klassischer Ausführung über das Judentum ist das Geld der einzige Gott Israels. Das Geld und der Gelderwerb absorbieren aber alle anderen Interessen. Im Judentum, so wie es historisch geworden ist, hat sich die Nationalität des Kaufmannes objektiviert. Darum muß sich gerade eine Partei, die den kapitalistischen Staat überwinden will, zunächst vom Judentum mit seiner kaufmännischen Moral emanzipieren. _ . Ich habe bis hierher die Judenfrage vorwiegend vom Wirt schaftlichen Standpunkte betrachtet, sie ist aber noch mehr als das, nämlich weiter^ auch ein Ra sse n Problem. Marx glaubt, daß ent unser Programm beiden Seilen der Judenfrage Rechnung iirägt. Auch die moderneren sozialistischen Kreise, besonders soweit sie sich von der marxistischen Orthodoxie emanzipiert haben, stehen keineswegs mehr auf dein einseitigen Standpunkte, „nur die wirtschaftlichen! Ursachen einer Erscheinung des „Kulturlebens" zu erforschen, sondern sie treten auch dem. Rassenproblem näher, Franz Oppenheimer, der Vorkämpfer des genossenschaftlichen, freiheitlichen Sozialismus, sagt im „Ernsten Wollen" diesbezüglich uniter anderem: „Ich habe nicht im mindesten etwas gegen eine wissenschaftliche Behandlung der Rassenfrage einzuwenden, im Gegenteil: ich lte sie für einen höchst notwendigen und un r(rr-ls „ .... ■ ,v ,. - - ----- ^..cbehrlichen Teil der sozial wissen schaftlichen kSKnrftlz rs1°U,i. tDe^e.. j5.1? Vorausietzungen des Forschu n g. Was dabei herauskommt, ist mir gleichgiltig und unmo8^ Er denkt, ime wenn sich wirklich ergeben sollte, daß die Juden einer anthropologisch Ä.- sL 11.5c i“?^ niederen Rasse angehören, so würde ich vor keiner praktischen Konsequenz zuru'ckschrecken, mochte sie mich und meine Kinder auch noch so hart treffen: So weit sind wir aber noch nicht und ich habe mich in meiner Anzeige des Chamberlain'schen pseudowissenschaftlichen Buches (in der „Frankfurter Zeitung") mit aller Kraft nur gegen seine unwissenschaftliche Behandlung des Problems gewehrt/" -k- Zede Erscheinung des Kulturlebens auf wirtschaftliche Ursachen zurück. Das Judentum ist nach ihm ans den wirtschaftlichen Verhältnissen hcrvorgewachsen, folglich muß es verschwinden, sobald neue Wirtschaftsfaktoren einsetzen. Die Folgerung ist indessen nicht ganz stichhältig. Marx verkennt ganz das völkerpsychologische Moment — die Naturanlage, die besonderen Neigungen, das Temperament, alles Umstände, die zusammen mit den Einflüssen des Milieus, zu denen ich auch die ökonomischen Bedingungen zähle, eine Erscheinung, wie in Eüw Aufrollung dev Rassenfrage, die auch nach der unserem Falle das Judentum, zeitigen. Auch die Tradition gesellt Auffassung des bekannten Forschers Heinrich D r i >6 stum des neunzehnten Jahrhunderts! Welcher Glanz und welches Fall, vielmehr hat man fest an den Worten der griechischen Prestige umgeben dasselbe und verleihen ihm ein sympathisches Philosophen gehalten und eine Koryphäe, wie es Maimonides war, Ansehen! Von der Geschichte können wir sagen, daß ihr in konnte Aristoteles für unfehlbar halten, ja für einen göttlichen dieser Zeitepoche eine außerordentliche Pflege zuteil wurde,! Mann, vor dem nichts verborgen war. Also wiederum ein Fort- Während man sich in früheren Jahrhunderten lediglich mit der | schritt in einer wichtigen Wissenschaft, die auf die Menschen oft Chronik zufriedengab, mit einer Geschichte, die bei weitem den einen bedeutenden Einfluß, ja sogar eine Art Suggestion aus- Menschen in seiner Stellung zu den Kulturströmungen, Einflüssen,! übt. Die Gedanken werden geklärt, es wird die alte Philoreligiösen und nationalen Bewegungen nicht charakterisierte,; sophie geseiht und nur weniges davon beibehalten. Der Geist ging dagegen die Geschichte des neunzehnten Jahrhunderts. Kants, Hegels und Schopenhauers durchströmt die Gemüter qus, um die merklichsten, ins Auge fallenden Mängel wegzu-' zu einer Zeit, in der diese aufgeregt sind und nicht einmal einen schaffen und ein neues, starkes, den Zeiten trotzendes Gebäude Schlüffe! zu dem Welträtsel besitzen. Die Archäologie wird von aufzuführen, ein Gebäude, das den außenstehenden Menschen j ihrem Moder gerettet, bekommt eine neue kerngesunde Farbe nicht immer mit Entzücken erfüllen, dem Eingeweihten aber sicher-' und trägt viel zur geistigen Entwicklung des jüdischen Volkes ljch nur Sympathie und Gewogenheit abzugewinnen vermag..bei. N:ue Wöge werden gefunden, neue Geleise werden betreten Das historische Studium hat leider aufgehört, bei den Juden'und die ganze Wissenschaft haucht Leben, Hoffnung und im Exil die Hauptrolle zu spielen, während es im Altertum > Wonne. Eine hohe Stufe der Entwicklung bekommt auch die sehr begehrt, geliebt und gepflegt wurde. In unserer Zeit ent-Lyrik, Belletristik, überhaupt die Dichtkunst, in der sich unter standen dagegen geistreiche Männer, die bald den Mangel, köstlichen Perlen der Lyrik hie und da schöne Poeme und in a n s „sich vorläufig überhaupt nicht w Essens ch a f tl i ch behandeln, lässt, rmd, vielleicht gar nie lassen Ivird", haben übrigens keineswegs die Inden, sondern eher - die Antisemiten zn schonen. Gegenüber den. sich stets widerholenden Behauptungen üben die „inferiore jüdische Rasse" ist es nicht nnin-teressant, >vas diesbezüglich I o h n B. H a y c r. a f t, Professor der Physiologie am Universily College in, Cardiff, in seinem Werke: „Natürliche Auslese und Nstissenverbessornng" schreibt: Noch deutlicher zeigt, das anthropologische Verhalten, dev 1 it d t s ch e it R affe, was ein Danertypns ist. Stets hochbegabt, erfuhr sie die Zertrüinmernng ihrer nationalen, Existenz durch einen Feind, dessen Entlvicklnng zn einer außerordentlich hohen DifferenZiernng ans militärischem Gebiete geführt! hatte. Aber diese Zerstörung der Nation bedeutet durchaus nicht die Abschlvächnng der Rasse; vielmehr läßt sich das Gegenteil deutlich nachlveifen; denn bis zum. heutigen! Tage sind die Juden mehr, als dem normalen: Durchschnitte entspricht, unter Künstlern, Musikern, Forschern und Großnnternehmenr vertreten." Die Antisemiten im allgemeinen nnd> auch der Verfasser des hier zitierten! Aufsatzes stellen die Inden als das kapitalistische Clement, „als den Stamm hin, in dessen Händen das wirtschaftlicheGetriebe ruht", lmd meineir, „daß es weniger in Betracht konnnt, ob es durch die Verhältnisse so geworden ist oder vorn Anbeginn antisozial gedacht und empfunden hat." Demgegenüber erklärt Benedikt F r iedl ä n d e r in seinem Buche: „Die vier Hanptrichtungen der modernen sozialen Belvegnng": „Daß die Inden, wo sie nicht kü.n!stlich nnd rmgerecht unterdrückt werden, fast überall einigermaßon zu den ökonomisch und auch geistig herrschenden Klassen gehören, spricht! mindestens e b e n. s o f ü r sie wie gegen sie. Ein Blick auf Amerika genügt ferner-, nur die verhällftismässtge Gleichgiltigkeit des Rafferrulnterschiedes zu, beweisen; denrr. unter den dorttgen Millionären und Milliardären befindeir sich, wemr überhaupt, so/ doch! nur wenige Juden ..." Daß aber —; ganz abgesehen davon, daß die Majorität der denkenden Juderr gegenwärtig sozial fühlt — das jüdische Volk vom 3ln.begimro n i ch t antisozial gedacht hat, zeigt A d o l f D a m a s ch k e in seinem Buche „Die Bodenreform" (Verlag von Joharmes Raeve-Berlin), besondersin dern Kapitel: „Die Bodenreform in Israel", sehr deutlich. Das Buch ist eine geschlickte Zusamrneinstellnrrg von Vorträgerr des unermüdlich agitatorisch wirkenden Vorsitzerrden der deutschen Bodenreforimer, Adolf D a - in a s ch k e. Dasselbe enthält einen nationalökonomischen und einen historischen Teit. Dev erftere beschäftigt sich Mit der Widerlegung des Mftnchestertnms und Nkarxismus (1. .Kapitel: „Weder Kapitalismus noch Konrnmnismus"). Im historischerr 2. Teil, im 4. Kapitel — beschäftigt er sich rnit der B o d e n v e f o r m in Israel, i m a l t e n G r i e ch e n l a n d n n d i!n> R o m. Auf Seite 102 schreibt Adolf Damaschke : In bestimmter nnd ergreifender Weise kam der Grundgedanke der mosaischen Gesetzgebung auch im Sabbatjahr zrcm Ausdruck. Dem höchsten Herrn des Bodens zu Ehren, in Gehorsam zu ihm, sollte in j e d e m s i e b t e n I a h r e auf Arbeit und Ernte im Acker, Weinberg und Oel,r.arten verzichtet werden nnd die Früchte, die doch nnd zwar bei morgenländischen Verhältnissen reichlich wuchsen, sollten allen, den formellen Besitzern und d e n A r m c n gleichmäßig zugute komme n. Noch bestimmter lauten die Vorschriften für bas fünfzigste Jahr, für das Hallnnd Jubeljahr, sogenannt nach dem hebräischen Worte jobel, d. h. Posaune; mit deren Klängen dieses Jahr eingeleitet Die wichtigste Bestimmung des Halljahres bezog sich auf die E i g e n t u rn s o r d n u n g. Mit dem Versöhnungstage beginnt dieses Jahr, mit der großen Entsündigung des Volkes, der Vorbedin- Dramen finden, die harmonisch znsammenklingen. In der Belletristik entwickelt sich ein Eharakterzug, der durch sein Gepräge allen auffallend ist. Die Personen werden allmälich, mehr pointiert, die Charaktere mit größerer Meisterschaft gezeichnet und die Hauptströmungen der anderen Literaturen haben hier ihren passenden Ort gefunden, wo sie ihr «insahen und ihn gutznmachen trachteten. Sie wußten ja, daß, wenn die Geschichte ihnen unbekannt bleibt auch andere Gebiete ihnen verschlossen bleiben und sie nicht imstande sein werden, andere Fächer, die mit der Geschichte eng verknüpft sind, auch nur teilweise zu verstehen. Die Kenntnis der Philosophie, Literatur und Kulturgeschichte muß daruuter leiden, wenn diesem Uebel nicht abgeholfen wird. Und andere Gebiete? Wie steht es mit den übrigen! Zelt aufschlagen können. Die Lyrik krystallifiert sich, nimmt Zweigen der Literatur? Auch hier gewahren wir einen unge-! wunderhübsche Gestalten an und außerdem ist ihr in den heuren Fortschritt, der sich überall am glänzendsten dokumentiert, letzten Jahren des Jahrhunderts eine solche Seelenstärke' und Die Philosophie, Publizistik, Soziologie und Journalistik werden! dynamische Kraft zuteil geworden, daß sie in kurzem Herrscherin fleißig und emsig getrieben, die alten Systeme werden geprüft, I wurde und alles unterjochte. Der Ton, die Stimmung, endlich gesichtet, studiert, teilweise kommen anch neue hinzu, die auf die Verse, die ihr eigen sind, haben sie zur Alleinherrscherin die menschliche Geschichte viel Einfluß haben. Die alten Systeme gemacht, so daß hie nnd da verschiedene Männer die uud Theoreme werden in die Rumpelkammer verwiesen, Plato Befürchtung auSsprachen, daß sie noch andere L teratur- und Aristoteles werden als historische Persönlichkeiten, die auf zweige und Strömungen gefährden könnte. Das kann das Leben nicht mehr den Einfluß, den sie früher geübt haben, wohl in anderen Literaturen die vollste Giltigkeit haben, beibehalten. Das war in den früheren Jahrhunderten nicht der sich jedoch hier nicht bewähren kann. Wir sehen auch jeden Tag wie die größten, scharfsinnigsten Genies sich befleißen, einen leichten Stil anzunehmen, einen Stil, der erquickend auf den Leser wirkt, der Büchern von anderen Epochen, eine langweilige Trockenheit vorwirft. Die brillanten Essays mancher modernen Schriftsteller entzücken bei ihrer Tiefe und Gediegenheit auch durch ihre feingeschliffenen, stilistischen Steinchen, die einen jeden durch ihre Zusammensetzung in Staunen versetzen. Der Stil gewinnt bei all seiner Modernität eine Schönheit, die nicht lediglich durch Zusammenkramen vereinzelter Ausdrücke der Bibel dieselbe nachahmt, um als prophetischer Stil betrachtet zu werden, vielmehr trachtet derselbe bei seiner funkelnagelneuen Gestalt, die lyrischen Klänge der biblischen Form so treu als möglich wiederzugeben. Das ist eben das Charakteristische der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts. Die Meinung, als ob strenge Wiffenschaft und Philosophie nur in einem selsenharten, spröden Stil wiedergegeben werden kann, die in Europa schon längst als absurd anerkannt wurde, falsch betrachtet^ — Die Journalistik neue Kräfte entfalten sich allmählich wirkt nicht durch ihre titanische geistige Motive, die sie verschönen und ihr Glanz verleihen. Auch andere Wissenschaften werden bebaut und gepflegt. Naturwissenschaften werden viel geachtet, auch über Mathematik, Physik und Astronomie wird ziemlich viel gesprochen. Die Massen bekommen neue Gedanken, neue Horizonte eröffnen sich diesen und an Stelle der Ignoranz, die manchmal künstlich durch die Kenntnis der alten Werke übertüncht und etwas weniger bemerkbar wurde, kommt ein klares Wissen, das sich mit seinen Strahlen über alle ergießt. Außerdem sind noch di: zahlreichen Urbersetzungen zu erwähnen, die auf das Volk und selbst auf die Schriftsteller einen großen Einfluß ausübteu. An ihnen (den Uebersetzungen) bildeten sich neue Kräfte heraus, die erst ihr eigenes „Ich" durch Aufnahme fremder Stoffe erkennen, bestärken und kräftigen. Es errn wird auch hier als wird emsig getrieben, und die jüdische Presse Macht, hat vielmehr

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