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Jüdisches Volksblatt · 1902-09-19 · 38 (19.9.1902) · p. Seite 4

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
4 (1902)
Issue
38 (19.9.1902)
Date
1902-09-19
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 19. September 19( 2 Nr. uid.it nciteilidi mit •2cd|'onu'vu uuuöa'a- OSiite lioi;mu;cu, so mus; man diesen anrfi eine der Würde eines Priesters angemessene, ehrenvolle und materiell gesielierre Stellung einränmen. lieber die letztere sind jcdoeb die derzeit fungierenden Rabbiner Wiens zu vertilgen niebt in der Lage. nullt in der Lage. Nur in drei Bezirken Wiens befinden sieb von der Kiiltusgeineinde fix augesieltte Rabbiner, die übrigen Bezirke dagegen müssen sieb mit von den Tenipekvereinen angesteklten Seelsorgern begnügen. Sie materielle Stellung sämtlicher Wiener Rabbiner, der von der Killmsgemeiiide fir augeskellteu soivobl, als auch der von den Berliausvereineu kontraktlich engagierten, isk eine änderst prekäre. mit Ausimlnne des Lverrabbiners, der sieb als ein Pontifex maxiinns posiert und hierbei vom Lnltnsborstand kräftigst unter-- stützt lvird. Die (i-ebalte der Wiener ^abbiner sind kläglich und reichen lange nicht bin. einen bescbeidcF anständigen Hnnstznlt zu fübren. Die betreffenden Rabbiner haben sieb zweifelsohne nur deshalb mit ihrer unerquicklichen Situation befreundet, weil sie die?Ii»vartsebafr auf eine in absehbarer Zeit zu erfolgende fixe Anstellung in Rechnung gezogen haben und lveil sie die Einkünfte der Stola ins Kalkül brachten. Bisher isk es ihnen jedoch nicht gelungen, weder das eine noch daS andere zu erreichen. Eine fixe An- $• ftellung stelu in lveiter Ferne. Mau ivikl daS Kulkusbudgek nicht noch mehr belasten, denn unsere Kultusverwnlttiiig hak für alles IlnvcrlästlieheS. Zu den arrogierken Prärogativen des Wiener Oberrabbiners zälstr aueb der unerhörte und beistuelüose Abusus, dast derselbe seine Hnud naeb allen einträglichen Fuuttioueu ausstrecken ,uu^ tatsächlich >uit einer beschämenden, untvürdigen lluersäkk^ liebkeit aueb aussrreckr. gleichviel, ob hierdurch der arme Teufel vo> s ganz belanglos sind. Biele ärgern sieh .dann darüber, wenn wir : ihnen nicht zu Willen sind; uns kann doch nichts daran gelegen ' sein, wenn die Juden die Früchte ihrer Handlungsweise ernten. Wir sind ausgesprochene Gegner des Antisemitismus und bekämpfen ■ jede rassenuaiionale und Geburtsbeborzuguug aus dem Grunde, lveil ivir ein solelies Gebaren als gegen den Fortschritt und Kultur | gerichtet und gleirb naehteilig für alle betrachten. Damit isk abe* I nickst gesagt, das; wir in alle Streitigkeiten der jüdischen mit den i böhmisch antisemitischen bürgerlichen Parteien uns hineinzumischeu gezlvungeu wären, besonders bei uns in Prag, wo es so sehlver gej macht lvird, nicht Antisemit zu werden, lvenu man die Schreibiveise : der veiden deutschen Tagesblätter in Betracht zieht. Es dürfte j kaum gelingen, dem arbeitenden Menschen feindlichere Blätter zu ■ finden, welche mit einem gleichen ZhnismuS sich gegen die Bc-! skrebuugeu der arbeitenden Klasse wenden und alles bespötteln, lvas; nicht den Interessen und Vorteilen des rücksichtslosen Ausbeuter- * tu ms förderlich ist. In letzter Feit sind sie sogar Beschützer des Prager PolizeiregimeS gelvordeu. Das; sie die verschiedensten schmutzigen Affären unserer nationalen Gesellschaft Alt vertuschen bestrebt sind, ist bei ihnen selbstverständlich. W'as Wunder, wenn bei uns in letzter Feit die Früchte eines solchen Vorgehens immer deutlicher zutage treten. Wer den Antisemitismus bekämpfen will, der suche seine Ouelleu, die im „Prager Tagblatt"; und in der „Bohemia" entspringen, zu verstopfen. Dorthin mögen sich alle jene wenden, welche so schwer darunter zu leiden haben, das; blinder Hast und die Geringschätzung der Juden immer mehr um sich greisen, Zeiget, ihr Freunde des Fortschrittes, das; ihr wahrhaft freisinnig seid und unterstützet nicht mit eurer Unmännlichkeik den Antisemitismus, daun lverdeu gewis; seine rohen und barbarischen Auswüchse in der Oeffentliehkeit von selbst aufhöreu, Ivelche die Juden so sehr aufregen." Wir haben dieser Epistel nichts beizufügeu. Er will seinen Lohn haben! Der fattfam Man nie .Kronzeuge aus bem Hilsner-Prozesse P e s eh a k hat gegen die Gemeinde Bolna eitlen Prozeß auf Bezahlung von 200 Kronen angestrengt, die ihm angeblich für die Entdeckung des angeblichen Täters gebiihre.nl. Wir hoffen, dast er noch den rechten Lohn bekommen wird. Pvlonira. Aus Podivoloezyska wird gemeldet: Unsere hiesigen Polen mosaischer Konfession hatten — wie es scheint von polnischer Seite — vielleicht gar vom Herrn Statthalter selber — groste Anerkennung für ihre Begeisterung für die polnische Natioualsache durch die Veranstaltung der „Grunivaldfeier", von der zu berichten wir Gelegenheit hatten, geerntet. Denn sie beteiligten sich lebhaft henke bei einem von Polen katholischer Religion zugunsten des Rat'ioualfonds der Posener Bank veranstalteten „Kiermasz" (Soiree). Dieses Fest, ein Mittel zum Zweck, arrangiert von der in polnischer Aescbiclste zlvar noch nicht bekannten, aber in den Annalen der antisemitischen Bewegung wohlbekannten Frau Dr. S., war Kollege, dechauf diese Sporteln angewiesen ist. davon benachteiligt erscheint. Für den Wiener Obervavsk ist das ganze groste Wiener Gemeindegebiet in punkto der Stola die ausschliestliclie Domäne. Hierin soll endlich einmal Wandel geschaffen iverdeu. Das Kultusgemeindegebiet Wiens -must in Paroclüen eingekeilt werden, aus welchen die <2kolagebuhreu ausschliestlicb den betreffenden Seelsorgern ^zuzuflieueu hätten. Wer sich den Luxus gestatten will, einen Seelsorgeflutttiouär aus einem anderen Bezirke zu wählen, wüsste gehalten sein, in erster Linie dem zuständigen Rabbiner die Stolagcbübreu voll und ganz zu entrichten. Weiters müssten sämtliche Temvclvereins-Rabbiner Wiens von der Kultnsgerneinde in ein fixes Engagement übernommen und dicsermasteu aiis ihrer derzeitig unsicherenchiud unwürdigen Stellung befreit iverdeu. Es bedarf wohl keines Hinweises, das; ivir einen gleichen Vorgang auch für die Kantoren, die sich in ähnlicher -iätuatiou befinden, angewendet wünschen, denn auch diese empfinden schwer daS Fehlen einer Parochialerntcilung der Kultusgemeinde Wien. Wir behalten uns vor, aus diese hochwichtige Angelegenheit zu gelegener Feit uirückzutommen. Bvm Czernvwitzer KrrLtusrate. Ans Ezernowch wirb gemeloet: In der am 2. st. dlt. abc;cha(teueu ©tijuiu] des i!utciiiiicäu! Kullnsrotes imb nietu'eve wichtige Gegenttände, darunter mvncntlid) de streslaurterunct des der Wagner'schen Waisenstistung gehörigen „Holet Central", die Vergebung des Baues einer Geftügelschcichterei in der Grabengasse und einer Leichenhalle auf dem israelitischen Friedhose in Horeeza verhandelt wurde^^über ^Autra?^ U~V kattou zum Opfer gefallen sind. Im allgemeinen städtischen Spitale U*JCX 'bitiat; dev Bnlln-.'vorsle!)erv ietüjeim starben zwei Frauen, eine Jüdin und eine Christin. Die Ver- ^lltinger dein Vorsitzenden und gegennoärtig tvalkung des Spirales teilte der Kultusgemeinde den Tod der amtierenden Vizepräsidenten der israelitischen Kultus- Jüdin mit, ivorauf die Kultusgemeinde die „Chewra-Kadischa" gemeinde, Herrn Tr. r r a u ob e r, in Würdigung feiner verdienstvollen, geradezu attfreibenden Tätigkeit im Twnite der Kultnsgemeinde unter lebhaftem Beifalle und Händetlatichen der Knltusräte einstimmig Dank und Anerkennung votiert. Tr. S tr a u eh er dankte und versicherte, auch fernerhin unermüdlich die Jnteressen der Gemeinde und der Jndenschaft nach besten Kräften zu wahren und ,;tl fördern. Auch dem Mitglied' des Kultnsvorftandes Herrn H. Trichter wurde der Dank ausgesprochen. Wir erwarten von der bewährten Energie und Umsicht des Herrn Tr. Straucher auch die sehletlnigste Inangriffnahme und baldigste Ausführung der dringend notwendigen Bauobjekte. neu" Ramschware au, alles Mittel, zum heiligen Zwecke. Am meisten beteiligten sieh folgende Jüdinnen, bereu Vater als Wunderrabbi sich ausgibt. Die Frauen Süstermmm, Messing und die Fräuleins Rapvat, Rechne Löivy, Süstermann. Von derlästlicher Seite erfahren ivir, das; sich in Zloezow folgendes Kuriosum zugetragen hat, wodurch die dortige Kiilttisgemciude und iiamentz lick, die Zloczower Chewra-Kadischa einer grosten Mystifi: _ ^estkommers. Tie jüoifch-ualionate akadetttifche Ferialverbindting „Hebron i a" in Czernoivil; veranstalte^ am 20. d. M. im grosten Mnsikvereinssaale erneu I-estkommers mit einen; stets daransebliestenden Tanzkränzchen. Aus der» aittisemitischen Sumpfe. Florian A l b r e eh t, unseren Lesern durch ein naturgetreues Porträt wohlbekannt, macht wieder von sich reden. Nach seiner letzten Heldentat nach der Gefaugennahuie durch die Engländer, fühlt er rasch Kräfte zu neuen Taten. ch ö n e r e r, der Schlostherr, hat Millionen und eine Tochter. Das verachtet selbst ein selbstloser (?) Burenkämpfer nicht. Nasch entschlossen hielt er um ihre Hand an. Sie aber liebte bereits einen Oberlieutenant und gab ihm einen Korb. So leicht verzichtete aber Florian nicht auf die Million; in echt germanischer Aufdringlichkeit liest er nicht ab, bis ihn der Oberlieuteuaut forderte. Doch da kniff Fkorianchen mutig aus; wozu ist man Kuleurstudent geivesen, wenn man nicht einmal kommentmästig auskneifen kann. Fetzt war er satisfaktiousunfähig und wurde erst recht mutig. Drahtlich drohte er mit der Hundspeitsche jedem, der ihn nicht für einen Ehrenmann hält. Wir überlassen nun diesen traurigen Helden feinen lveitercu Heldentaten und gehen zic einem würdigen Gesiuiuingsgeiiosten desselben über, dem Herrn Anton S ch i rn a n a. Die „Ostd. Nuudschau" lässt sich aus Troppau über ihn folgendes schreiben: „Hier in Troppau sind zwei Ansichten über die Wahrheitsliebe des Herrn Schimana. Die eine geht dahin, Herr Schimana lügt konsequent und beivnsst; die andere ist milder und meint, er hat einen pshchischeu Defekt und lugt zivar immer, iveist es aber nicht . . . Wir Troppaner hatten Gelegenheit, Herrn?lnton (Schimana aus nächster Nähe keimen zu lernen und uns über seine Wahrheitsliebe ans Grund tatsächlicher Beobaclstuitgcu ein richtiges Bilds zu ucacheu, da ivir von ihm meist mm Unaufrichtigkeiten, Entstellungen und Verdrehimgeu mt hören und zu lesen bekamen. Wir glauben das genügt." Und dieser Mau» war der erste, der iu der Troppaner „Deutschen Wehr" die neue deutsche Hilfslehre den Schlesiern verkündete. Saubere Bagag' übereiuaud, tvie der Wiener sagt. „Pravo Lidir", daS sozialdemokratische Tagblatt, bringt eine für unsere Juden sehr belehrende 9totiz, die ioir in treuer llebersetzuug und ohne Kommentar, iueil sie keinen bedarf, hier iviedergebeit. Sie lautet: „Feder noch so geringfügige Hiuiveis auf das Judentum bildet für den Fude» eilte groste Beleidiguitg und ruft er sofort dieserhalb um Schutz; ioaS aber seine Blätter (damit sind offenbar die sogenannten Ftidenblätier gemeint.Anm. d. N.) in Atttiseuritismus leisten, das beleidigt ihn nicht. Fn letzter Zeit geschieht es sehr oft, das; sich eiuzelne Fuden an unser Blatt ivenoen, dainit es sich ihrer auuehme, selbst in Sachen, die mittinter entsaitdte, welche die Tote iu der israelitischen Toteukamnter unter brachte. Als man sie dort „Metaher" sein wollte, fand man am Halse ein Kreuz. Tie Chewra-Kadischa erkannte, das; man iho die christliche Leiche übergeben hatte. Die Cheivra überlieferte die Leiche der Spitalsverwaltung, ivorauf mau ihr die Verblichene, ivelche iu der christlichen Zeremoitienkleidtmg mit einem Kreuze Verse Heu, gekleidet war, ansfolgte. Die Tote trmrde sodaitn iu der . jüdischen Kleidung zur eivigeu Üiuhe gebracht, lim solche skandalöse ' Versköste zti vermeiden, ist es Pflicht und Schuldigkeit der dortigen 1 Kulttisgemeiude, die „Chewra-Kadischa" zu beatiftragen, bei solchen . Fällen sich genau tunztischaueu, tun ttickst eine gaitze Familie in i Verzweiflung zu bringen. ' Verband israelitischer Handwer.'kcr irr Böhmen. In der am Mirtivoeh den 0. d.M. stattqefnndett en 9t il Z s ch rt ßs i tz u n q wurde die Wahl der Funktionäre vorgenoimnen und ipurbe per Akklamation Herr Gdttard Tatthig als erster Dbmann wiedergeivählt, nettstewählt als pveiter Obmann Herr Karl Gnth, als Stellvertreter Friedr. S eh w a rals Schriftführer Gustav U t i tj und Swgfried Fant l, als Obmann der 9lrbeitsvernüttlune; Herr Sanuiet Schreiber. 9luf 9lntrag des Herrn Nedakteurs I. S te i,l ivttrde zur Tyeftftcltima, einer .öciusovbmtucj ein Kontitee, bestehend ans bem Antragsteller und Herrn N. B r a n d e i s, entsendet. Weiters wttrde ein von Herrn 9l n st e n b e r g verfaßter Jlppell an alle Glaubensgenossen vorgelesen, welcher im „Unabhängigem Journal"! gedruiekt ititb zur Verschickung gelangen wird. In diesem 9lppell stellt Herr Austen de rg auch an die Prediger ttnd Vabbiner die Bitte, sie mögen den Verband in jeder Weise utrterstühen unb statt des 9lttnosengebens lieber den 9lrbetter ltnterstühen, so lveil es nlögtich ist, ihn; aufhetfeil tl. s. lv. Cs verdient bei dieser Gelegenheit das Vorgehell der böhmischen Kuttllsgeineilldell itub speziell der Prager KtlittllSgemeillde den Bestreblnlgen der jüdischen Handwerker gegenüber angeilagelt zu iverdeu. Die Führer der jüdischen Handiverkerbeivegllng haben zu ihrer am 0. d. Ai. abgehalteuen Versammlung auch allster bem Prager Knltusvorstande noch attbere zwanzig der größtem KllltllSgenletndeil Böhmens eiligetadeu xmb keine einzige dieser Körperschaften hat es für die Ainhe lohnend gehalten, diesell jungen Borkäillpfern and) nur ein Wort der 9ttlslllNllterullg zukontmell ztl tasselt, geschweige-deltn einen Vertreter zu entsenden. 9iatürttch, es waren ja keine Kohlenbarone uub aubere Millionäre, die sie zu einem Bankett einlitbcu, es waren ja nur jüdische Handwerker, die in ihren; Bestreben, sich selbst zll helfeil, llilterstüstt iverdeu sollten, und dieseHerren scheinen dieSelbsthilse wörtlich zri nehmen, indem sie die jndiseheil Handwerker sieh selbst überlassen, /schnn Sehlltsse wolleil mir noch unteren vorwöchentlichen Bericht über die konstitilierende Versaiiiinlilng des Handiverkervorstaildes dahin richtig stellen, daß Herr Isidor chZa p pn er die auf ihl; entfallene Wahl rlieht anna()m, demzilfolge bem Borstaiide nicht angehört, dast ferner die Wahl der Herreil Tänzer lllld Weissel irrlnullieherweist"- meldet wilrde, ebenso wlirde irrtüttllicherlveise Hr Samuel Schrei! er als gelvählt gemeldet, währy der Gelvählte Schreiber heißt. 9lls gewählt erscheip and) Glnsfabrikant nnb Glafeuileister Beriihard F i s m a >l >r, der verailtworttiche Nedaktellr des „Uilabhällgig Jolirnat" Herr Josef (Stein uub der Kassier d Prager Borschllstkassa, Herr Emil Eisirer. Lemberg. (5t l e i n e Streiflichter auf groste jüdisches G t e n d.) Eine wahre Lermvut herrscht jetzt : jüdischen 5treisen. Unser Volk möchte alles verschlingen, was d, Schule ähnlich sieht. Unzählige Kinder werden in die Volksschule eingeschrieben. Unsere jüdischen Schulen allein mögen keine Schritt nach vorwärts machen, um den jüdischen 5'lindern eil jüdisches Lernhcim abzugeben, in dem sie auch vom Baume de Erkenntnis des Judentums geniesten könnten. Alle die tausend! von jüdischen Kindern, welche in der sogenannten nllgemeinen (christlichen) Schule sich zusammendrängen, iverdeu durch die wenigen Religionsstmiden — höchsteiis zwei per Woche - ganz vom Juden nun abgedrängt. Dieses ganze jüngste Geschlecht geht lius au der Verchristlichuug verloren, iverdeu die .Kiiider ja liiemals bestrahlt von der Sonne nnd dein Lichte der Thora. Trauriger steht es lioch mit den Lehramlskandidate» des Pohii'.i ir.oj/.ys/owt'iui wyznanin, Ivie Vas Assimilntioilsjndelilnm verblüint zil sprechen pflegt. Während die vom Lembcrger Magistrat errichteten Gelneindeschnlen alle sich anrneldenden jüdischen 5iünder ausnehmeil, geht es mit der Äliistellnng von jüdischen Lehrkräften sehr schief. Wir kennen nur eine Schule, ivv aiich jüdische Lehrkräfte ailfgeiioiniiien iverdeu, sonst haben jüdische Lehrer keinen Elniast. Es will uns scheinen, das; diese Präparandien irgend einer viiiillen Hand folgten, ivelche ihnen verschreibt, ketiien Inden aiifziniohme», il»d mufj dieser asciiiitischen Wegtreibjagd noch ein Grad von Ehrttchkenr Zllgesprochen iverdeu. Nentich kam eine Dcpntativii von jüdischen abitnrirten Lehrern nach Leinberg, um bei der t. f. Landesschulbehörüe vorzusprechen und sie um Ziliveisiuig voilLehrposten anzilgehen.Man hält eS für ininöglich,dast in einem Laude, ivo noch öooo Schullehrerposten vakant find uiid Uilch die ic. r;ula szlcoina — Krajowa keinen jüdifcheit .Kaiididalen aufnimriit, iveil ihm einige Ttropfen Wasser fehleil. Vlehnlich ergeht es in äi-ztlichen .Kreisern Ja, die österreichischen Staatsgesetze von I8t>7 scheinen ganz außer 5lrast getreten zu sein, dafür gelten andere aus gut altröimscher Zeit, in der die Inden mit Füsteistg.treten inid ans den Handel mtt alten Hadern verwiesen uutrDcm Volk Israel in Oesterreich! Die Assimilation hat Wtmder getan. Die Zeit der sozialen und politischen 5kainpfe mit die Menschennnc> Bürgerrechte ist bereits da — auf zur Arbeit! Bet der gestriuu 5inlluSgeliieindesltzilng ivurde von Herrrt Dr.R.Vierer die Schnlarztcsstelle wieder übernommen. Lcackuräglich erfahren nur, das; die Lehrarutskandidaten den Verein „Schomer Israel" um Rtttteilung seiner Aiificht ersuchtcil und voll diesem die Weisuilg erhielten, Audienz beirn Kltltnsminiiler zu nehinen unb bierbei den Beistand des „Jüdischell Volksvereines" in Wien anzurnfen. Ernste Zeiten erheischen ernstere Mittel zur Abwehr und ^zur Selbsterhaltung. Die ittthenische Nation rüstet sich, ihre Rechte j auf Ostgalizien zu reklamieren, die Inden Galiziens dürfen nicht i rnüstig zuschauen, wie sie in der schaiiilosksten Weise von der herrschenden Partei exploitert und zum ewigen Frohnen vw'- I urteilt iverdeti. Die koiivelilionelle Lüge der l^olaoy moj-.y.-i^owc^o | wyznanin must unbedingt einer 5i'orrektur unterzogen werden, l Wir waren nnd bleiben Juden in Galizien, als der dritte Bvlks-! ftninin dos Zuilglein an der Wage — treuer, bester Staatsbürger.! S a m u e l s o h il. j Klnttau. (L e i ch e n b e g ü tr g ii i s.) Eine der edelsten und (wohltätigsten isr. Frauen, die Kausmaniisgatlin Frau Julie i Pollak, geb. Steiner, die an ihrem 10. Hochzeitstage im jugendi lcchen illlter von US Jahren das Zeitliche gesegnet, wurde am i 14. d. M. unter zahlreicher Beteiligung von Tranergästett beerdigt. : Sauitliche Mitglieder der hiesigen Kultnsgemeinde und Ehewra- \ Kadi sch a, sowie des isr. Frauenvereines, und zahlreiche illnders-! gläubige gaben der Leiche das Geleite bis auf Den Friedhof, wo; Herrsttabbiner Dr Wolf inid Herr Oberkantor Leo 5k o r n i tz er i dte Fnuktionen m bekannt präziser Weise verrichteten.! Kostet. Am 7. ds. fand hier in den Saalokalitäten des; „Hotel Böhmer" zugunsten des hiesigett Fraueiwereiites ein von den jüdifcheit Studierenden veranstalteter Theaterabelld mit anschlietzelidem Tanzkräiizcheii statt. Die Aiifführnng des Stückes ging weit über das bei Dilettanteii übliche Itiveau nnd ernteten auch die Spielenden lebhaften Beifall. Die Lokalitäteit waren geradezu überfüllt, so das; ein gaiiz beträchtlicher Reinertrag erzielt wurde. Der Verlauf des Abends ivar ein äilsterst animierter. Um den Erfolg des Abeiids haben sich besonders die Herren Leo Redlich, Leo Neiimailn, Arthur/ Steiner lind Sigmund Keller verdient gemacht. Anlnsrtich des Todes des!Iial>bi Veiljnmin Szvld, gebürtig iu Nemes-5iert, .Komitat Neutra, gestorben als Prediger der Rodcf Schaloni-Gemeiiide in Philadelphia, veröffeiitlicht Prof. Sonuescheiu iu der „Deborah" folgende gefühlvolle und formpolleudete Verse: Ans lantein Markt, im falschen Rnhmgefühl, Da konntet ihr ihn ivahrlich niemals finden! Er strebte nicht nach euren fetten Pfründe», Er hatte ein diel höher, edler Ziel. — Das Kanzelphraseiittiiu das lies; ihn kühl, Er schöpfte Heil nur aus der Thora Gründen. Und euer Zettuiigsblätterkräuzeiviiiden War ihm ein kindisch eitet Puppenspiel. — Ein Herz tum Gold, ein Geist von Stahl, So stand er rein und gros; da in der Menge, Hoch über der Parteien Wahl und Quak! — Ihn triebeu Kämpfe niemals ins (tzedräuge. Fm letzten .Kampf noch fand er jenen Strahl, Der treu gen Himmel führt aus Todesenge! — Des Meines, Ja., Anglist 1002. S. H. S o n li e s ch e i n. Ausl»rud Vom Mirrsker Ziouisteu-Tag. (Or.-Tel.) Folgende zivei wiehlige Beschlüsse luurben gefaßt: I. Betreffs des 9l a t i o n a l - F o il d s wurde beschlossen, beim nächsten Zionisten-Kongrest folgende 9lendernng vorzuschlagen: I. Der National-FondS darf ausschliestlich für den Landkanf in Palästina verwendet werden. 2. Der Paragraph, der von der Höhe des 9iativnal-Fonds spricht, soll dahin abgeändert werden, dast in Fjiiknnfl kein unantastbares Grundkapital bestehen solle, sondern dast der jeweilig vorhandene Betrag nach Möglichkeit sofort zum Landkauf verivendet werde. In der Begründung machte IsraelBelkind aufmerksam, dastdie christlichen Nationen konsequent größere und kleinere Grundstücke in Palästina ankaufen, so dast nur der schlechteste und sumpsigste Boden für die Juden übrig bliebe, wenn man sieh nicht zu einem raschen Vorgehen entschlösse. Er warnt auch vor einem Landankaus im grosten, da dadurch die 9>odenpreise zu einer erorbitanten Höhe getrieben würden, il. ^Betreffs der K o l o n ia l b a n k wurde die Gründung von Share-Klubs beschlossen und ferner die Bankleitung anfgefordert, die monatliche Bilanz in alle n jüdischen

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