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Jüdisches Volksblatt · 1902-09-19 · 38 (19.9.1902) · p. Seite 3

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
4 (1902)
Issue
38 (19.9.1902)
Date
1902-09-19
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 38 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 19. September 1902 Seite 3 chwcisen können; die Abteilung fiir Drechslerei an der Staatswcrbeschule in Graz; die Abteilung für Drechslerei an der taatsgewcrbcschnle in Triest; die Abteilung für Drechslerei an -r Staatsgewerbeschnle in Innsbruck; die Abeilung für Drechs- rci an der Staatsgeinerb eschule in Lemberg; die Abteilung für Drechslerei an der Fachschule für Holzbearbeitung in Vergreichentein; die Abteilung für Drechslerei an der kunstgelverblichen Fachchnle in Bozen; die Abteilung für Drechslerei an der Fachschule für Holz- und Eisenbearbcitung in Druck an der Mur; die Abteilung für Drechslerei an der Fachschule für Holzbearbeitung in Chrudim; sur die Abteilung Holzbearbeitung für Drechslerei Dechslcrei an der Cortina d'Arnpezzo; der Fachschule für Fachschule für die Abteilung Holzbearbeitung an der Fachschule für Holz und Steinbearbeitung in Hallein; die Abteilung für Drechslerei an der Fachschule für Holzbearbeitung in Hallstatt; die Abteilung für Drechslerei an der Fachschule für Holzbearbeitung in Kolomea; die Abteilung für Drechslerei an der kunstgewerblichen Fachschule in Laibach; die Abteilung für Drechslerei an der Fachschi'/le für Holzbearbeitung in Tachau,; die Abteilung für Drechslerei an der Fachschule für Holzbearbeitung in Villach; die Abteilung für Drechslerei an der Fachschule für Holzbearbeitung in Wallachisch-Meseritsch; die Abteilung für Drechslerei an der Fachschule für Holzbearbeitung in Wallern; die Abteilung für Drechslerei an der Fachschule für Holzbearbeitung in Zakopane; die Abteilung für Drechslerei an der Landesfachschnlc für Tischlerei in Stanislau; die Privatfachschule für Drechslerei in Malborghet. 3. Faßbinder. Die Abteilung für Faßbinderei an der Fachschule für Holzbearbeitung iit Bergrcicheustcin. 4n. Feinzengschmiedc. Die Werkmeisterschulen für mechanisch-technische Gelverbe an dev Staatsgewerbeschnle in Prag, air der deutschen Staatsgewerbeschnle in Pilsen, an der böhmischen Staatsgewerbeschlile in Pilsen, an der deutschen ^Stantsgewcrbeschule in Brünn, an der böhmischen Staatsgeiverbeschule in Brünn, unter der Voraussetzung, das; die praktische Betätigung der Absolventen dieser Schulen, welche gemäß 8 25 der Vorschrift für die Schülcraufuahme in die Werkmeisterschulen (Verordnung des Ministeriums für Kultus und Unterricht vom 28. Mai 1001, Z. 13 384) behufs Aufnahme in diese Schulen nachzutveisen war, im Feinzeugschmiede- oder Schlossergewerbe erfolgte. Ferner die Abteilung für Messerschmiede, für Zengschmiede und für Maschinennnd Wrkzengschlosser an der Fachschule für Eisen- und Stahlbearbcitung in Fulpmes; die maschinengewerbliche Fachschule in Klagenfurt; die Fachschule für Kunstschlosser|t tu/ Käuiggrätz; die Abteilung für Werkzeugschlosser rmd für Messerschmiede an der Fachschule rmd Versuchsanstalt für Eiserr- und Stahlindustrie irr Steyr. 4b. Meffcrschmiede. Die Werknreisterschrilen für mechanisch-technische Gewerbe an der deritscheir Staatsgewerbeschule in Brünn und an der böhmischen Staatsgeiverbeschule in Brünn unter der Voraussetzung, daß die praktische Betätigung der Absolventen dieser Schuten, welche gemäs; 8 23 der Vorschrift für die Schülercrufnahme in die Werkmeisterschulen (Verordnung des Miinisterirnns für Kultus und Unterricht vom 28. Mai 1901, Z. 13 384) behnfs Aufnahme in diese Schulen naehzuweisen war, im Messcrschmü'dgelverbe erfolgte. Ferner die Abteilung für Ndesserschmiede an der Fachschule für Eisen- und Stahlbearbeitung in Fulpmes; die maschinengeiverbUchc Fachschule in Klagenfurt; die Fachschule für Kunstschlosserei in Königgrätz; die Abteilung für Messerschmiede an der FachschTile Tind Versuchsanstalt für Eisen- Tind Stahlindustrie in Steyr. 5. Glaser. Die Fachschule für Glasindustrie in Haida; die Fachschule für Glasindustrie in Steinschönau. 3. Gold-, Silber- und Juwelenarbeiter. Das Spezialatelicr für Ziselierkunst und verwandte Fächer an der Kunstgewerbeschule des Oesterreichifchcn Museums für Kunst imb Industrie in Wien; die Fach- und Spezialschule für kunstgelverbliche Bearbeitung der Metalle an der KuiTstgelvcrbeschule in Prag; die Fachschule für Metallarbeiter an der Staatsgewerbeschule in Jimsbruck; die Abteilung für Bijouterie an der kunstgewerblichen Fachschule für Gürtler, Grabenre und Broilzeivarenerzeuger in GabloiTz; die Abteilung für Goldarbeitcr an der Fachschule für Edelsteinfassung und -Bearbeitung in Turnau. 7. Gürtler und Bronzewarenerzengcr. Das Spezialatelier für Ziselierkunst Tind verlvandte Fäche an der Kunstgewerbeschule des Oesterreichischen Museums für Kämst rmd Industrie in Wien; die Fach- und Spezialsclnile für kunstgewerbliche Bearbeitung der und Unterricht vom 28. Mai 1901, Z. 13 384) behufs Aufnahme in diese Schule nachzuweisen war, im Kupferschmiedgewerbe erfolgte. 1 t. Mechaniker. Die niedere und die höhere Fachschule für Elektrotechnik am TcchnologischeTT Gelverbewuseum in Wien — bei der letztgenannten Fachschule unter der Voraussetzung, das; die Absolventen vor ihrein Eintritte in diese höhere Fachschule eine mindestens zlveijährige Verivendung im Mechaniker- oder einem verwandten Gewerbe/ Nachweisen? können; die Werkmeisterschule für inechanisch-technische Gewerbe nixb die Werkmcisterschnle für Elektrotechnik an der Staatsgewerbeschule im 10. Wieiter Gemeindebezirke; ferner die Werkmeisterschulen für mechanisch-technische Gelverbe an der bcntfcljen Staatsgeiverbeschule in BrüiTn, au der böhmischen Staatsgelvcrbeschule in Brünn und an der Staatsgewerbeschule in Bielitz, unter der Voraussetzung, das; die praktische Verivendung der Absolventen, welche nach 8 23 der Vorschrift für die Schillerausnahme in die Werkmeisterschulen (Verordnung des MinisteriTims für Kultus nnb Unterricht vorn 28. Mni 1901, Z. 13 384) behufs Aufnahme in diese Schulen nachzulveisen tvar, im Mechaniker- oder einem verivandten Gelverbe erfolgte. 13. Gold-, Silber- und Perlcnsticker. Die Spezialschule für Kunststickerei an der Kunstgewcrbeschule in Prag; die Kunststickereischule in Wien; die Fachschule für Kunststickerei an der Staatsgeiverbeschule in Graz; die Fachschule für Kunststickerei an der Staatsgeiverbeschule in Triest; die Fachschule für Kunststickerei an der Staatsgewerbeschlile in Lemberg; die Abteilung für weibliche Handarbeiten an der Staatsgewerbeschule in Salzburg; die Abteilung für Kunststickerei an der Kunsigetverblichcn Fachschule in Laibach. (Schluß folgt.) Prager Keilebrief. Meiilen letzteil Allfenthalt in Prag nahm ich zuin Anlas;, die alte Judenstadt und ihre ehrtvürdigc'.i Denknläler zu besichtigeil. Am Samstag vorinittags begleitete mich einer rneiiler Freunde in den großen Tempel, ein altes Gebäude, das aber im Innern garlz neue Einrichtungell zeigt. Ein Kantor, der einst sehr gilt gesungen zu haben scheint, versieht mit einem stinnnbcgabten Chor unter OrgelbegkeitlUlg den Gottesdienst, cs hat jedoch ben Anschein, daß der Herr Chorleiter voll der Existenz der großen Reformen Sulzers und Goldsteius auf kantoralein Gebiete feine Ahnung hat; denn die Gesänge, die beim Gottesdieilste ertönen, sind entweder eigene Kompositionen oder denl Chorgesange einer katholischen Prozession entnommeli. Zu bemerkcll wäre noch, das; alle Besucher ohne Gebetmantel (Tallis) die Andacht verrichten und nnr demjeiligen, welcher zur Thora gerufen wird, vom Tempeldiener ein solcher gereicht wird. Von den Vorstehern war kein einziger zu sehen, rrnd alle Angelegenheiten iuerben ausschließlich von Angestellten besorgt. De,, Nachmittag wollte ich dazu beilützen, dem Schir beizuwohnen, konnte aber meinell Vorsatz liicht misführen, da sich in dieser Stadt mit über 20 000 jüdischen Einwohnern llicht 10 Leute findeil, die sich dem Genüsse der Erklärung unserer Bibel oder des Perek hingeben. Sonntag vormittags besuchte ich einen Parteigenossen in der Nähe Prags und als ich von deinsclbeil zurückgekehrt!var, stellten sich mir einige Freunde, darunter das Allssehußmitglied des „Jüdischen Nolksvercins" in Prag, Herr Karpeles, als Führer freundlichst zllr Verfügung. Mein erster Besuch galt denl alten Ghetto. Ach, welche Gedankeil durchwirbelten da mein Gehirn! Nicht vielleicht, das; ich ivünschte, meine Volksgenossen wieder in diesen engen, winkeligen und ungesunden Wohiunlgen beisammeil zu sehen, sondern ich versetzte nlich im Geiste in jene Zeit zurück, da unsere Vorfahren dort zusammen wohnten und den Gedanken der Freundschaft und Brüderlichkeit iil fo hohem Maße bctätigtell. Dieses Verhältilis der damaligen Jitden uutereinallder war es, das vor meineln geistigen Auge auflebte und gerade jetzt in der für unser Volk so schwierigen Zeit von jedem, der es mit dem Wohle seiner bedrückten Stamvlesgeilossen ehrlich meint, herbeigesehnt werden nniß. Von dem Orte meiner stillen Betrachtungen begab ich mich an eineil lioch stilleren Ort, den Jlidenfriedhof in Prag, ben ich nach Lösung einer Eintrittskarte in Begleitung des GemeindedieilerS betrat. Der Friedhof, der schon über 1300 Jahre besteht, birgt in seiner Erde manch großen und nnitigen Mann unserer Vergangenheit, darunter den tapferen Verteidiger Prags gegen die Schweden. Insbesondere interessierte ich mich fi'u^bic Grabstelle des berühmten, voil Nikolsburg nach Prag berufenen Talmudisten und Kabbalisteil, des hohen Rabbi Löw. Ein großer, schlichter Leichenstcin, der ebenso wie die Grabsteine aller übrigen Rabbiner mit einer Rebe geziert ist, zeigt uns den Ort, wo er, vereint mit seiner Gattin lind umringt voil 32 seiner Schüler, die es sich zlir Ehre anrechneten, ronzewarcnerzeuger in Gablonz; teilling für Goldarbeitcr an der Fachschule für Edelsteinfassung llild -Bearbeitullg in Tunau. 8. Hafner (Töpfer). Die Fachschule für Modellieren nnb Bossieren vorwiegend ornamentaler Richtung an der Klmstgewerbefrhule in Prag — unter der Voraussetzung, das; die Absolventeil vor ihrem Eintritte in diese Fachschllle eine nlindeftens zlveijährige Verwenduilg im Hafnergeiverbe ilachlveiseil können; die Abteilungen für Oefnerei lind für Töpferei an der Fachschule für Toniildllstrie in Bcchin; die Abteiluilg für keramisches Modelliereil ail der Fachschule für Tonlndnstrie und Verlvandte Gewerbe in Teplitz und die Abteilung für technische Chemie (speziell für Keramik) an derselben Anstalt ■— unter der Voraussetzung, das; die Absolventen auch ail dein Unterrichte im Tondrehen und Modellieren mit Erfolg teilgenommen haben oder daß dieselben vor ihrem Eintritte in die letztgenannte Abteilling der Schule miudestens zlveijährige Verwendung in der Hafnerei oder in eineiil anberen keramischen eines jüdischen Adeligen, des früheren Pächters des Münzwesens in Böhmen, auf dem das Wappen desselben — zwei Löwen und in der Mitte derselben drei Sterile — ausgehauen ist. Bei dieser Gelegenheit kann ich ilicht umhin, ineine V-erlvuilderung darüber allszllsprecheil, daß die Gemeinde Prag sich auf den Standpunkt stellt, die ilicht mu° für uns Juden, so jiern sogar für jeden ilicytjüdischen Forscher so hervorragende historische Sehenswürdigkeit, auf die jede andere Stadt stolz lväre nnb für der ui Erhaltung sie zu allen Geldopfern bereit lväre, zu Sanic> "ugszivecken teillveise abzlltrageil. Gleichzeitig inlis; anerkannt werden, das; die Kultusvorsteher, trotzdein sie fast durchwegs Assi- Illilanteil sind, in dieser Angelegenheit ihre Pflicht tateil. Ihre Beulühungeli waren jedoch ohne Erfolg. Nachdem ich dem Diener der Chewra Kadischa, der sich mir als Erklärer wrfügung stellte, meinen Dallk abgestattet hatte, begab ich mich in die Akt-Neuschnle, in der eben der Abend-Gottes dlenst abgelialten lmirde. Um m das eigelltliche Bethaus SlIIN i iln Toildreheil und Miodellieren mit Erfolg teilgeiiommen haben oder daß dieselben vor ihrem Eintritte in die letztgenannte Abteillnig der Schule eine mindestens zlveijährige Verwendung in der Häfnerei oder in einem ailderen keramischen Gelverbe Nachweisen Tonnen; die Landesfachschille für Toniildllstrie in Kolomea. 9. Korbflechter. Die Mllsterlverkstätte für Korbflechterei nnb Weidenknltur in Mieit — unter der Vormlssetzung, das; die Absolventen vor ihrem Eintritte in die Musterlverkstätte eine mindestens zlveijährige Verivendung in der Korbflechterei Nachweisen können llnd das; sie ben Unterricht an der Musterlverkstätte durch mindestens zlvei Jahre mit Erfolg besucht haben; die Abteilung Meli ulst dü Ist die Fachschule für Korbflechterei in Zaga; die Lehrwerkstätte für Korbflechterei in Senftenberg; die Abteilling für Korbflechterei an der Anstalt zur Versorgung nnb Beschäftigung erwachsener Blinden iil Böhmen mit dem Sitze in Prag. 10. Kupferschmiede. Die Werklileisterschule für ulechanischtechliische Gelverbe au der Staatsgelverbeschuke iil Prag — unter der Voraussetzung, daß die praktische Betätigung der Absolventen, ivelche imch 8 23 der Vorschrift für die <Sdjiiferanfnafjme in die Werkmeisterschulen (Ve^ordinlng des Miilisteriliins für Kultiis an heil Wänden ft ab Väiike allgebracht, vor denen Iahrhliildert^ alte! Stäilder (Gebetpulte) steheii. Beim Allerheiligsteu befindet >id!! der Oilied, in der Mitte der Al-Memor, der llilter einem ans vier \ Sb'insäulen ruhenden Baldacbin steht.?ln der Seite des Bat-! dachills, dem Eiilgailge gegenüber, ist daS Banner, das ben Juden 1 von Kaiser Ferdinand dem Dritten als Anerkenuurlg ihrer vorhin schoil erlvähnteii inlitigen Verteidignilg Prags gegen die Schweden gespeildet lrmrde, zur bleibenden Eriiiiierung angebracht. Das Bainler ist alis schlverer roter Seide verfertigt, die an der Seite! ein ans Gold gesticktes Mögen Dolvid lind in der Mitte, ebenfalls aus Gold gestickt, die Jahreszahl der Verleihulig in jüdischell Settern , aufweist. Wie lange das Gebäude besteht, läßt sich nicht mit Ge- I nauigkeit feststellen. Unmittelbar viS-a-viö der Alt-Neuschnle erhebt! sich das Rathnlis der ehenlaligeil Indenstadt, das zlvei merkwürdige Turmuhren besitzt, die eine von ihnen hat nämlich ein Zifferblatt l mit arabischeil Ziffern, die aildere jedoch mit jüdischeil Lettern, so das; sich die Zeiger dieser Uhr ilach links drehen. Dies sind die! hauptsächlichsteil alt-jüdischeil Prager Sehenslvürdigkeiten — Zell-! gen der höchsteil Bedrängilis llild des Rlihmes der Juden. Die sonstigen Eindrücke, die ich in Prag getvounen, sind blei- ' bende; ich hoffe, bald lvieder Gelegeiiheit zli haben, mit nnfereu Frellnden dort zusaniuienziikommeu. P l a s ch k e s. Chronik. Anland. Historisches. S c p t e m b e r. 3. 1833 Georg Depping, jüdischer Historiker (Christ), Paris gest. 7. 1077 Franz Haselbauer, Jesuit, Jndenmissiollär llild Zellsor, Frauenberg, geb. 9. 1861 Sannlel Romallill, Historiker, Venedig, gest. 10. 1800 Salomoil I. Solomoil, Maler, Lotldon, geb. 17. 1832 Karl Störk, Professor, Mediziiler, Ofeil, geb. 19. 1820 Bezalel Rallschburg, geilanilt Dailiel Noseiibanm, talmndischer Autor, Prag, gest. —• 1800 Jehuda Scherschelvsky, Lehrer an der Rabbillerschllke in Wilna, Kolvno, gest. 21. 1771 Jos. Sam. Frey, getaufter Judeilmissionär, Maynstockheim, geb. 22. 1807 Gottlieb Schmelkes, Arzt lind Schriftsteller, Prag, geb. 23. 1730 Franz Hasclbalier, Prag, gest. (Siehe 7. Sep.) 23. 1812 Karl Biedermailll, Förderer der Jlldenelnanzipation (Christ), Leipzig, geb. — 1823 Eduard Horn (Ignaz Eiilhorn), ungarischer Staatsmailil, Waag-Neustadtl, geb. — 1900 Lollis Natisbonne, Schriftsteller, Paris, gest. 30. 1873 Benjamin H. Allerbach, Rabbiiler uild Antor, Halberstadt, gest. Die Israelitische Knltnsgemeinde Wiener- Neustadt zeigt die feierliche Eimveihung ihres Gotteshauses am Dounerstag den 18. September a. c, 3 Uhr nachmittags an. Jüdischer Singverein. Eine alte Idee des „Jüdischen Volksvereines" soll nun in Erfüllung gehen. Ein Verein jüdischer Sänger und Sängerinnen wird demnächst gegründet werden. Die Statuten wurden bereits der Statthalterei überreicht. Anmeldungen von Mitgliedern werden während der Amtsstunden in der Administration des „Jüdischen Volksblatt", H-, Leopoldsgasse 49, eutgegengenommen. Im „Verein jüdischer jugendlicher Arbeiter" fand am letzten Sonntag ein Fest statt, bei welchem u. a. auch Herr Oberkantor I. Oesterreicher einen Gesangsvortrag hielt. Herr Oefterreicher erntete mit seinen kunstvollen Vorträgen großen Beifall und zollte man nicht nur seiner hellen, einschmeichelnden Stimme, welche, seit man ihn zum letztenmale hörte, an Höhe und Sympathie gewonnen, volle Bewunderung, sondern auch der Ausdauer, mit welcher er, unaufhörlich akklamiert, acht Lieder verschiedensten Genres zum Vortrage brachte. Für den Brigittenauer Tempel wurde Herr A. Edelmann aus Ottakring nach einem mit Beifall aufgenommenen Probevortrage bis auf weiteres zum Kantor gewählt. Herr Edelmann ist im Besitze eines schönen, kräftigen Bariton und vereinigt in sich die guten Eigenschaften eines modernen Sängers mit denen des Chasan. Unsere Großen. 9Jidjvere jüdische Blätter berichteten, oasz der langjährige Vizepräsident! des Tricster Stadtrates, Herr M o s e s Ä u zatto, anläßlich seines Scheidens ans diesem Ehrenamto zmn Ehrenbürger der Stadt Triest ernannit wurde. Der Triester „Coririere Jsraelitieo" berichtet mm in seiner Nummer vom 31. Juli, der genannte Herr sei nicht Jude, da er, und zwar der erste in Triest, sich konsrssionslos erklärt ha be, um die. Kn Aussteuer nicht zahlen zu müssen. Die Ausstellung der Hernalser Gewerbetreibenden des Vereines „Christliche Familie" wurde diese Woche unter dem Protektorate des schönen Alois, des schönen Karl und des schönen Julius eröffnet. Extra-Julius rief gerührt aus:„Die antisemitischen Hernalser sind was und können was!" Da siel ihm der schöne Karl in die Arme und beide weinten vor Schmerz und vor Freude. Unser Spezialreporter für Viehzucht, Antisemitismus und verwandte Unternehmungen durfte natürlich nicht fehlen und wir wollen ihm das Wort lassen: „Sehr geschätzter Herr Chefredakteur! Es ist eigentlich überflüssig. Sie zu versichern, daß ich Sie sehr hoch schätze; dagegen schätzen Sie mich sehr gering ein. Sie haben meine letzte Honorarforderung sehr beschnitten, was bei mir wirklich überflüssig ist. Doch ich sehe schon im Geiste, wie Sie über meine überflüssigen Bemerkungen die Stirne runzeln, ich schließe daher diesen Teil des Berichtes, bitte aber, diese Zeilen mitzuzählen bei der Bemeffung des Honorars. Also: Ich fuhr, getreu meinem Aufträge, mit einem elektrischen Automobil zum Gschwandner (20 h) und wurde von weißgekleideten Jungfrauen honoris causa sehr warm empfangen. Ich deckte nämlich ans meiner Reporterkarte das „Jüdische" zu, die Hernalserinnen dachten, ich käme vom „Deutschen Volksblatt" und bereiteten mir einen sehr warmen Empfang (30" Celsius). Ich hielt mich aber nicht weiter bei den Jungfrauen auf, sondern ging an die Besichtigung. Ich will nur die bemerkenswertesten Objekte aus dem reichen Inhalte hervorheben. Nr.5. Ein Stiefel, aus den Reden Dr. Neumayers verfertigt. Nr. 7. Ein Stuhl, auf dem der Vizefettfleck Platz hat. Nr. 13. Der Stein, aus dem Lueger ausgehauen werden sollte. Nr. 17. Ein Flick werk, darstellend das neue Gewerbegesetz.'Nr. 19. Ge meindeoblig ati o n e n, ausgestellt von V e r g a n i. Nr. 21. S o d a w a s s e r, Marke Wimberger, von Gregorig. Nr. 22. EineFib el aus der Bibliothek des Bielohlawek. isir. 24. Ein „Büchel" von P u r s ch t. Nr. 25. Falsche Stampiglien von Ernst Schneider. Nr 30. W a n d g e m ä l d e von Landesausschuß Steiner. Nr. 31. Ein Mantel, der sich nach dem Winde drebt, von Dr. K l o tz b e r g. Nr. 32. Ein Blatt Papier mit einem Stich ins Gelbliche von A x m a n n. Nr. 33. Ein S ch ä ch t m e s s e r von Gemeinderat Schwer. Das sind die Perlen der Ausstellung, jedoch nicht mehr zu haben; sie sind alle für das neue städtische Museum erworben. Nun folgte der schwerere Teil meiner Atrfgabe, nämlich die Besichtigung ausgestellter uugetaufter ^'2 Weine. Diese Untersuchung nahm mich so her, daß ich mit schwerem Kopfe die Ausstellung verließ. Ich glaube fast, ich babeeinenAffengehabt,ohuedenHerrn Ausstellervon Nr. 22 damit beleidigen zu wollen. Den nächsten Tag war's mir ganz dumm im Kopf, was Sie bei Bemessung des Honorars berückück>tiaei' wolle!' Ihr * * *" Ein Statut fiir die Wiener Rabbiner. Der Ktlltnsvorstaitd der Wiener israelitischen Gemeinde scheint bettn doch betreffs der Aklivieriing von Seelsorgern Ernst machen zn wollen. Hatte mair früher die 2lbsicht, nnr e i n e n Rabbiner non anzustellen, so geht man, wie verlautet, derzeit mit dem Plane um, deren gleich drei zu bestellen. Wohl tvill man das letzte Wprt in der Sache deut gegen Jahresschluß neu zu ivählenden K'nltnsvorstande überlassen, man gedenkt jedoch, die Probekandidaten schon im Herbste zur Abhallung der Prvbepredi'gten einznladeii. lieber die unbedingte Notwendigkeit der Aktivierung herrscht kein Zweifel, die Zahl ist jedoch noch kontrovers. Unserer Ansicht »ach bedarf das Wiener Rabbiiiaskollegimn eines tüchtigen Einschlages, und je mehr Sterne am piabbinatshimmel scheinen werden, die eine intellektuelle Bereicherung der israelilischen Seelsorgerschaft zu ergeben vermöchten, desto besser. Die Motive ins Treffen zu führen, welche uns leiten, für eine ausgiebige geistige Verniehrnng der Wliener Rabbiner einzutreten, vermeiden >vir neuerlich atlseinaitderztlsttzen, denn sie sind zur Genüge bekannt und an dieser Stelle des öfteren erörtert worden. Dagegen erachteit mir es für notwendig, die Akzeptiernng neuer Priester bon der Lösung einer Vorfrage abhängig zu machen. Unseres Erachtens nach besitzt die Qualität der Rabbiner für jede Gemeinde eine vitale Bedetititng, eine Lebensfrage. Will man aber eine erste Kapazität erwerben» wie eS sich für die größte Jndeitgeuteinde deS Reiches ziemt nitd sich

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