Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 4 (1902)
- Issue
- 38 (19.9.1902)
- Date
- 1902-09-19
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Jüdisches Volksblatt Wien, Freitag 19. September 1uO'-? Nr. 38 in (>; a 1 ii o n u u li 11 u si a r u iicli jk'inovn sie dt. dus; die Juden besondere, sinrt 'ib am'ii bns Fleijebereipeiverbe betreiben und zionr uiebr nur „loseber" verknusen, sondern aucli sür die übrige Bevölkerung liefern. Jueifdi ist nueli bier, dns; sie übereilt billiger liefern und einen ivirtschnfNidieu Standpuntt vertreten, der nicht in Palästina geivorben sein kann, sondern alles Ersabrungserbkeil uns großen voltreietie» Etädien der- Envliraltales, Egpvlens sein muß: nnnilieb dnrcb diese Billigkeit die ivirtschnfrliebe Leisningskraft der Käufer gn sebonen und inebr dnreb den Mnssennbsns) ans die Rechnung gn koininen. blnf den Hochgebirgen und Lavaplallen Palästinas konnten diese Wirlscliaslsgrinidsätze nicht erlvorben lverden, da gedieben Hirten, Weinbauern, Dichter; über in Ninive, über in Babvlou. in der gangen Grvßsladkwelk jener alten Kulturen, da mußte der „ende" in seinem spezifischen Sinne. entstehen mit seinen Fehlern, aber mich mit all seinen Vorzügen, tvelche er gerade da immer betvährt, tvo er an einer Groststadtknltnr tcilnchmcn kann. In Ungarn ist das jüdische Element keineswegs nur am Bankwesen beteiligt. In M i s eo l c z, einem Skapetplatzc des ungarischen Weinbaues, der sonst gang magvarisch ist, finden Ivir auf den Gassen doch fast allen Handel nicht nur in Händen von Inden mit deutschen Namen, sondern eine beträchtliche Anzahl sind auch Weinbauern und Weinprobn,zenten und in den großen Bergkellereien der Stadt tvird man auch in Weingärtchen und Höfen den Wein au der Duelle trinken, den einem jüdische Franenhändc kredenzen. Cfr haben wir in jüdischen Gastwirtschaften in Galizien und Ungarn übernaehret, in die uns anfangs inehr Stndicnztvcckc führten. Wir sind dort immer so sauber und aufmerksam bei mäßigen Preisen bedient worden, das; tvir sie prinzipiell dann auch weiter anfsuchten, um uns in unserer Phantasie mit Nachkommen assprißchcr Königinnen, babplonischer Astronomen und palästinensischer Dichter zu unterhalten. Das; auch sie in neuerer Zeit ihren Anteil an den Gütern dieser Erde tvieder erobert haben, kann uns nicht wundern, denn sie finb ein arbeitendes Volk so gut wie andere Völker, da die Ochsen nicht von selber nmsallen und sich in Stücke zerteilen und das Bedienen eines Gastes ebensogut Arbeit ist, wie das Melken der Kuh, das wir auch jüdische Frauen besorgen sahen. Wenn die hier vorgetragene, in östlichen Beobachtungen gereifte Ansicht über das währe ethnologische Wesen des Judentums einst wissenschaftliches Gemeingut sein tvird, dürfte die Welt diesen Nachkommen einer alten Knlturwelt, wenn sie sich auch ihrerseits völlig von religiösen Vorurteilen und palästinensischen Lieblingsvorstcllungen gereinigt haben, auch ohne Vorurteile eine verlorene Heimat im bürgerlichen Zusammenwirken ersetzen. Ein Volk, das das „auserwählte", sentimental von geheiligtein Boden durch böse Römer vertriebene sein Witt, tvird die fortschreitende Welt nicht verstehen können und wollen; eine große verwandte Völkerschaft aber, die durch die Katastrophen der Natur, die Abwirtschaftnng des Bodens durch eine uralte Kultur und daraus resulticrerrd'e politische Ereignisse zur allmählichen Absiedelung und Zwischensiedelung, zur allmählichen Teilnahme am Leben der Nationen gekommen ist,wnrd man in einem größeren Sinne auf diesem Erdball freundlich willkommen^ heißen, als ein Produkt großer Naturgesetze der Geschichte, denen einst auch andere Völker und Kulturen werden folgen müssen. Eine Menschheit dieser Art wird jeden, der da gearbeitet hat und dessen Vorfahren gearbeitet haben, gastlich tvillkommcn heißen am jeiveiligen Tische der Mcnschheitskultur." Ohne mit den Schlußsordcnmgen Kirchbachs einverstanden zu sein, stellen wir fest!, daß diese Ausführungen ein wertvolles Dokument dafür sind, was die Deutschen, den Juden, die unter den verschiedensten Völkern und den verschiedensten Himmelsstrichen die deutsche Kultur hochhielten, zu danken haben. Die österreichischen Deutschen, verderbt durchs allerlei Rassenmischungen, haben aber den Sinn für deutsche Treue verloren; ihr Dank besteht darin, daß sie überall, wohin sie kommen, den, Antisemitismus einführen. Die Ausführungen Kirchbachs sind auch eine ernste Mahnung an die Slaven. Sie ersehen daraus, daß die Vorliebe des Jriden für deutsches Wesen etwas historisch Gewordenes ist, bn* er nicht über Nacht abstreifen kann. Als die Juden vor ungefähr Zwei Jahrhunderten mit der prinzipiellen. Abweisung der westlichen Kultur, brachen, j fanden sie nur eine hachentwickelte deutsche .Kultur: vor. Nicht als ob die Juden die Slaven geringer geachtet oder gar bekämpft hätten, nicht infolge irgend einer Antipathie, sondern weil eben damals infolge ökonomischer und politischer Verhältnisse die Slaven kulturell tiefer standen, schlossen sich die Juden den Deutschen an. Diese Wahl verlvandtschaft erbte sich von Generation zu Generation und ging den Juden so ins Blut über, daß die späteren Enkel nicht nur die nichtdeutscheu: Völker, die inZlvischen einen imponierenden Aufstieg durchgemacht hatten, falsch einschätzten, sondern auch ihres — Judentum es vergaßen. Es ist seit jeher unser Bestreben gewesen, das Verhältnis der Juden zu den.' Slaven auf eine g e s ü n d e r e B a s i s Z u st e l l e n , auf die Basis der G l e i ch - iv e r t i g k e i t und der u a t i o n a l e n A u t o n o m i e. Damit uns dieses schwere Werk gelinge, verlangen ivir aber von. den slavischen Politikern eine konsequente, Zielbewusste Politik, die nicht iunner Zivisehen Juckerbrot und Peitsche, Krawallen und Liebesiverbungeir hin. und her! schwankt, was, nebenbei gesagt, ein Jehler ist, dem die staj vischeu Politiker überall verfallen. Exzesse a la Holleschau, Prag und Polna verbittern nur die Juden und treiben sie noch mehr den Deutschen in die Arme und Komplimente vor den Wahlen lassen sie kalt. Wir arbeiten, besonders in Mähren, schon lange an einer Annäherung der Juden und Tschechen; aber man. hielt uns z. B. in Mähr.- Ostrau das Schicksal der Kremsierer Juden entgegen. In .Kremsier sind die Tschechen mit Hilfe einiger Inden ans Ruder gekommen; einmal im Besitze der Herrschaft, ignorieren sie ihre Bundesgenossen vollkommen, ja, sie bedrängen sie auf wirtschaftlichem Gebiete. Dieses Schicksal fürchten die Osiraner Juden und deshalb stimmen sie noch mit den: Deutschen, nicht aus Haß gegen die Tschechen. Der tschechische Kandidat fiir den Olmützer Neichsratsbezirk verschmähte es, mit der Proßnitzev Jndenschaft von Macht ZU Macht ZU unterhandeln! und verließ sieh lieber auf gewisse Wahlkünste der Proßnitzer Gemeinde, die die Tschechen von den Deutschen gelernt haben. Das ist die Ursache der Unklarheit. Wir verlangen, von den Tschechen mit einem Worte fiir unsere Hilfe G a r a n t i e n in njationaler und wirtschaftlicher Beziehung: bevor wir diese von autoritativer Seite besitzen., wind sich die slaveufreundliche Politik, der wir immer das Wort reden, nicht durchsetzen können. j Zur Förderung der Handwerke unter den Juden.! Im Jahre 1859, in der Zeit der finstersten Reaktion, in welcher Oesterreich unter dem schweren Nebel eines absolutistischen Regimes seufzte, hat die damalige Regierung es für notwendig erachtet, das peraltetc Zunftwesen mit Stumpf und Stiel auszumerzen. Mstn war in Regicrungskreiscn darüber einig geworden, daß Oesterreich zumindest in wirtschaftlicher Beziehung einer Regeneration an Haupt und Gliedern bedürfe, um die Rückständigkeit in Handel und Gelverbc, in Industrie und Verkehr ivettznmachcn, in der eS gegenüber anderen Staaten sich befunden hatte, und daß man dem Staate durch Förderung und Hebung des wirtschaftliche» Verkehres! neue crgiebigeEiniialiineqnellen ersellließen müsse. Tatsächlich erfolgte ) unter der Gewerbefreiheit ein auch non den inkarnierlcslcn Optinristen kaum geahnter Aufschwung. Eine freie Bewegung auf allen Gebieten des Verkehrslebens kam znm Durchbruche. Oesterreich, das bislang ein verkümmerter Agrarstaat gewesen, erhob sich urplötzlich!vie ein Phönir ans der Asche zu einein Indnstriekande. Der Handel und Binnenverkehr gestaltete sich z» großer Lebhaftigkeit und Exporkverbindiingcn nach allen Richtungen des Weltteiles wurden angeknüpft und mit erstaunlichem Erfolge fortgesetzt. Es ist nur natürlich, das; die Inden an der anfwärtsstrcbendcn wirtschaftliehen Belvegmig regen Anteil genommen haben. Es kann sogar, ohne der Nebertreibnng geziehen zu lverdcn, behauptet iverden, daß den jüdischen Kanfkenten und Industriellen znm weitaus größten Teile die geschildertem Erfolge zu pcrdnnken sind, und das; sich dieselben das Verdienst znschreiben können, durch ihre Regsamkeik, rastloses Streben, Opferfähigkeit und Opfcrlvilligkeit am meisten dazu bcigetragen zu haben, die Umformung Österreichs von einem Agrarzu einem Indnstriestaate ohne ivescntkiehc Erschütterungen und Erschwernisse durehgeführt und den Staatseinnahmen höchst ergiebige Einnahmequellen erschlossen zu haben. Genau mit Beginn der antisemitischen Belvegmig erfolgte tvieder die wirtschaftliche. Reaktion. Die antisemitische Partei stellte mit Ungestüm die Forderung nach Aufhebung der Getvcrbcfrcihcit und Einführung des Zunftzwanges, und eine k o n st i t n t i o n e l l e Regierung tvieder tvar es, die den Rückschrittlern zu Willen gewesen, ein Opfer des Intellektes brachte und Oesterreich das drückende Joch atabistischcr Zünftelei tvieder anferlegte. Die Folgen hiervon konnten natürlich nicht ansbleiben. Während alle Nachbarstaaten einen tvirtschaftlichen Anfschtvnng anfziltveisen vermochten, geriet Oesterreich in eine bedenkliche Stagnation, deren Wirklingen ja an allen Ecken und Enden zu verspüren sind, derart, daß sich die Regierung trotz der antisemitischen Opposition bemüßigt gefunden hat, die brückenden Bestimmungen des das Zunftwesen ersetzenden Befähigungsnachweises in der Weise zu mildern, das; der Besuch einer größeren Anzahl faehgetverblicher Lehranstalten genügte, die in der Gewerbeordnung geforderte Beibringung des Befähigungsnachweises für die betreffenden Handtverke zu ersetzen. Die hiermit initiierte Reform ist tvohl keine gänzlich durchgreifende, allein sie ist grundsätzlich und die Negierung wird nicht umhin können, den betretenen Pfad weiter zu wandeln und die Ersetzung des Befähigungsnachweises auf den Bkesneh aller gewerblicher Fachlehranstalten miszudehücn. Die dem Handtverke sich widmenden Inden tverden dies dankbar ancrf'cuitcu ,indem sie vorziehen dürften, anstatt bei arischen Meistern vier bis fünf Fähre Lehrzeit 3» vergeuden, Fachschulen zu besuchen, in welchen es ihnen möglich ist, eine moderne Ausbildung der Handtverke sieb anzueignen, deren Absolvierung den Befähigungsnachweis verschafft. Nachstehend veröffentlichen wir die Namen jener Anstalten: Verordnung des Handclsministers im Einvernehmen mit dem Minister für Kultus und Unterricht vom 5. August 1903, betreffend die B e z e i ch n u it ft der gewerblichen Untelrri ch t s a n st a lt e n , deren Z eug n.i s s e zu m Antritte von h am d w e u k,s m ä ß i g e n Gewerjben berechtig e n. Ans Grund des 8 11 der Gewerbeordnung (Gesetz vom 15. März 1883, R. G. Bl. Nr. 39) wird verordnet wie folgt: 8 1. Beim Zutreffen, der sonstigen gesetzlichen Voraussetzungen berechtigen die Zeugnisse über die erfolgreiche Absolvierung nachbenannter getverblicher Uiiterrichtsanstalten zum Antritte folgender h a n d lv e r! k s m ä ß i g e r G e w e r b e: 1. Bürstenbinder. Die Abteilung für Bürstcnbinderei an der Anstalt zur Versorgung und Beschäftigung erwachsener Blinden in Böhmen mit dem Sitze in Prag. 2. Drechsler. Die Abteilung für Drechslerei an der Staatsgewerbeschnle in Salzburg — unter der Voraussetzung, daß die Absolventen dieser Abteilung vor ihrem Eintritte in "die Fachschule eine mindestens zjveijährige Verwendung im Drechslergewerbe mal itzvitk nach vielen verschlodenavtigen Bewegungen unter den Kräften ein dauerhaftes G l c i ch g c w i ch t ein,^ so daß die Mittelbewegu.ng in einer f e ft c n B a h n s i ch b e w e g t und keine Kraft kann sich ans den Grenzen reißen, in denen sie Zwangsweise eingeschlossen ist. Dann sehen wir» in der Seele dieses Menschen jene „moralische Harmonie", die uns durch, die äußere Schönheit iniponiert, zu Her die griechischen Gelehrten, die Schöpfer des Schönen, strebten und in der sie die höchste Stufe der meuschlichen Vervollkommmmg erblickten. Alles Zusammengeschte und Vielseitige, das wir in der Welt sehen und das mis gefällt, ist e i n E r g c b n i s d es^Z u sa m m en sto ß es von gewissen llrkräst. cu, obwohl diese letzteren allein wirkend gerade entgegengesetzt und absolut nur nach einer Seite gerichtet sind und nur dtirch das Streben eines jeden nach seiner besonderen Seite, die sie niemals erreicht! -.entsteht eo ipso die Jnsannnensetztmg aller in eine Miitelbewegnng oder in eine feste „Harmonie". ,Von die sein Grundsätze ist auch nicht das Leben der menschlichen Gesellschaft mit der großen Summe seiner „Seiten", sogar der erhabensten intellektuellen und moralischen, ansgesch losten. . Jede große Idee, die die Bedeutung einer tätigen Krafterreichte, hatte anfangs Menschen, die ihr ganz ergeben waren, nur ihr allein mit alten Kräften des Körpers und des Geistes. Solche Menschen schaneir ans die Welt nur vom Standpunkte ihrer Idee und nach ihr wollen sie „die Welt reformieren", ohne den anderen der Idee znlviderlanfenden Kräften Rannr zu lassen und sich um die Gesetze der stkatnr, die ein Hindernis sind, zu künnnern, vielmebr „soll das Recht den Berg dnrchlöchern". Wenn auch die anderen Kräfte und die Naturgesetze nicht, vor ibr weichen und der Berg nicht durchlöchert tvird, ist ihre Arbeit dennoch nicht umsonst: die neue Idee tvird durch sie eine Urkraft, die das Leben, in eine, besondere Richtung Zielst, gleich mideren. Kräften, die Harmonie, die dort im Leb«'" der Gesellschaft toaltet, um fic das Resultat alle r Kräfte, ist, muß sich mehr oder tveniger durch das Zukommen der neuen Kinft ändern. Ta eine Kraft! niemals einen gänzlichen, absoluten Sieg erreicht, könnte sich keine erbalten, tvenn sie nickst von Menschen, die ihr ganz ergeben sind, geschützt tväre. Wenn aber. was sich oft ereignet — nachdem die neue Idee einen gewissen Eindruck ans den Lauf des Lebens machte, ihre Träger selbst „großmütig" werden, indem sie einsehen, daß man nicht alles nach einer Seite neigen kann und zufrieden undfroh sind mit dem notwendigen „Ausgleiche", der. ans dem Zusammenstößen der Kräfte hervorging, dann finden sie mehr Gefallen in den Augen der Gesellschaft, jenes Trägers der allgeineinen Harmonie; aber zugleich hört auch dir Idee auf, eine Urkraft zu sein rmd der Eindruck, der früher durch sie gemacht wurde, ändert sich und wird immer kleiner durch die Tätigkeit anderer Kräfte, neuer und alter, diie in ihren! Verstecken lauern und sich durch den Ruin anderer bereichern möchten, während sie keinen besonderen Beschützer hat, der sie hüten und um ihre Berbreiiung auf Kösten anderer Sorge tragen wollte. Dieser Unterschied zwischen zwei Arten, von moralischer Arbeit für eine Idee ist es, der im Altertuine d i e Pr l est e r v o n d e n P r o p h e t e n unterschied. Der Prophet ist „leinseitig". Eine gewisse lnoraliftbe Idee erfüllt seine Seele und absorbiert im ganzen seine Geisteskräfte, so daß er keinen Augenblick von ihr die Gedanken abwenden: kann.; auf die Welt schaut er nur durch das Prisma seinen Idee und sein Wollen und Streben ist darails gerichtet, dieselbe gänzlich in allen Erscheiimngen des Lebens ztr verwirklichen. Jür dieses Ideal kämpft der Prophet sein ganzes Leben hindurch, zersplittert ^erbarmungslos und ohne Berechnung seine Kräfte, ohne sich um die Lebensbedingnugeu und das Bedürfnis einer allgemeinen Harmonie zil ki'iminern. Er berücksichtigt nur, was sein: s o l l gemäß seiner individllellen Ueberzengung, nicht was sein kann gemäß dem allgemeinen äußerlichen Stande der Dinge. — Der Prophet ist also eine ll r - k r a f t. Tm'ch stille Tätigkeit trübt er die allgemeine Harmonie, Iveil er selbst llicht nach Harmonie strebt, nur immer in den Banden seiner Individualität! bleibt, extrem und beschränkt ist, da er seineir einseitigen Standplnikt hütet und für etwas anderes kein Verständnis hat. Da er aber nieirials fein Ziel voll erreichen kann, darlnn ist er immer voll Gram und Kummer und bleibt sein ganzes Leben „im Streite und Kampfe mit der ganzen Welt". Ja, die Menge der Mitglieder der Gesellschaft, jene „vielseitigen" Mittelmenschen, die sich der allgemeiilen Harmonie erfreuen, llennen ihn: „einen dummen Propheten, tollen! Phantasten", iliid mit Verachtung und Spott schauen sie ans seine „Beschräilkiheit", seineil Ueberschwnng herab, ohire zudenken. daß ihr Leben mit allen feinen Seiten auf diese Weise entstand, indein es in sich das nusnahm, »ras aus dem Zusa mm eil stoßen der Tätigkeiteil solcher beschränkter Niesen hervorgegangeil ist. Anders ist der Priester. Er tritt erst dann auf die Weltbühne, nachdem es dem Priopheten schon gellmgen ist, seiner Idee den Weg zu bahnekl und in gelvissem Grade die „Mittelbewegling" auf seine Seite zll neigen, und auf diese Weise eine nette „allgemeine Harmonie" zwischeil. den tätigen K-rüften zll bilden. Hub obwohl auch der Priester dieser Idee huldigt und für sie eiistlritt, so gehört er llicht zu den Riesen lind hat auch nicht die nötige Kraft ztnn elvigeir Kampfe gegen die Notwendigkeit lind Wirklichkeit, iin Gegenteil, er ist eher geneigt, den Kops vor der Notwendigkeit ZU 'steigen lind Jriedei, mit der Wirklichkeit zn schließen. Er ist ilicht so e i u s e itig , wie der Prophet, mir vom Leben das zu verlang-eil, was es nicht geben kann, sondern, da sich sein Horizont erlveitert lind er auch das Verständnös für das Verhältnis zlvischeir denn Leben und der Idee hat, erstrebt er nicht das, „was fein sollte", nur das, „was sein. kann". Nicht die Idee als solche in ihrer eigentümlichen Ganizheit, nur jene znsamnlengesetzte „.Harmonie", die ans der Verelilignng der Idee mit anderen Kräften hervorgeht. — sie ist die Losling des Priesters. Sie hütet er lfub für sie kämpft er, aber schon nicht gegen die Wirklichkeit, nur eben, für die Wirklichkeit gegen alle, die ihr feiub^ lieh gegenüberstehen. Die Idee des Priesters ist also nicht mehr Alw Urkraft, nur eine zufällige Spnihese von verschiedenen Kräften, unter Ivelcheii kein, wirkliches Verhältnis existiert, mul daß sie sich zlifättig begegneten und im Lebenskanlpfe in einer gelvissen- Zeit allfeinander gestoßen sind, so daß sie genötigt Ivaren, sich in einer nliitleren Bewegungskrast zu vereiiren!. Die lebendige absolute Idee, die alles besiegen und beherrschen möchte, die die ä u f; e r e G e st alt des L e b e n s v e v it t ch t e tx u n d e r n e u e v n m ö ch t e , ohne sich s e l v st Z u ä n b c r n — diese Uridee ist mit ihrem Propheten veuschlvlinden lind es blieb von ihr nur d i e K r a st i h ve v % a i c n , der äußere Stempel, den sie der danlals herrschenden Lebensform ausgedrückt hat; für diese Jornt treten die Pricilter ein und hüten sie, da aus ihr der prophetische Steiilpel ist. (Schluß solqt.) i K,