Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 4 (1902)
- Issue
- 38 (19.9.1902)
- Date
- 1902-09-19
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Erscheist jeden Freitag &ntvt MiSvttrMrrrg der vom jLDrkchen WoMsvrrrLw «rwakMen PLSssromMifNon. Msirrnte übürncvmen die Firmen: I. Lanneberg, M. DnkeS, Haasm- Än>> L Lvglcr, lüudolf Mosle, 8. Oppelik, M. Pozloni)i, A. Schale! in Wien, ferner alle Knnoncen-Äxveditionen im AuSlande. ELKzeL-UrlMMev i« Wie» IS Heller. Lrdsrkton: II/3. Lropoldsgalle -19. Gdrech?tn«be«r An WvlSemaAkn von 3 vir 4 ttdr nachmittatiS. p«?ad».fs«: Züdtfqe« «SsUSblatt. Wie», II» VrlÄlNisrSsn wegen ^eripäteier otM e nut nichi «tfoint« yntUP.ur.fl erbiitrn totr uns dringmd. — Ma»«sertL>i« Werden nicht zmvSckaestellt. k?i>stlparc,iiien»«onlv a<lvo3? An tue 5K&cmt«urm kann man räglich eimrsren. ---4 «dÄnrrillralion: H/3. Lropoldsgahe 49. Telephon-Nr. 1478» AbonnemeutSpreiS: Telepho»-Nr. 1478» Für Wie« n. Oeftrrretch-Nngar« lammt Franeozuirellung. Ganzjährig Halbjährig vierteljährig Kr. 8.-- :£:= Für daS gelammte Ausland sammt Francozustellung. Aunzjiihrig Halbjährig Bi . Bierteljährig Kr. » - „ 4.50 : 8.85 . 38 - - i (1 **4/*M<hvn«VWM‘ Wien. 19. September- 1903 (17. Etat 5663). tobtpf&^yjiN&iiitcQiaüninwimNrimiiÜBsnaäiisnBimw'um^ IV. Jahrgang. Die deutsche Sprache. S. Diem Organ der SUIbleuitifdjien Mähcklns, dem „Deutschen Blatt", beliebt es tn dem Monate, wo das Heu und der Most den lieben Deutschen zu Klopfe steigt, uns anzurempeln, weil wir seinerzeit die Kühnheit hatten, festzustellen, daß die Juden durch den deutschnationalen Antisemitismus massenhaft! ms böhmische Lager getrieben werden. Das ist natürlich diesen Maulhelden!, die durch ihre verkehrte Politik den Deutschen mehr schaden — als den Juden, sehr unangenehm, und das „D. B." gibt ein Bekenntnis seiner eigenen schönen Seele, indem es den Juden zum Schlüsse zumutet: „Mit den Deutschen zu stimmen, ist dem Geschäfte abträglich!, darum, Juda aus, verrate das deutsche Volk! Das ist der Kern aller jüdischen Weisheit!" Diesem Gassenjungenruse wollen wir den Ausspruch eines Mannes entgegenhalten, der mehr deutsches Wissen und Deutschtum in dem kleinen Finger hat, als alle alldeutschen Macher des „D. B." zusammen. Es ist dies der bekannte Kulturhistoriker W o l f g a n g K i r ch b a ch. Derselbe schreibt in der Berliner „Nation": „Wenn man die Reste des Prager Ghettos durchschreitet, wird man unter denen, die hier in engen Winkekgassen neben dem Friedhof wohnen, an den hohen Mauern, zwar mich noch einige verarnrte Judenfamilien finden, vorwiegend sahen wir aber tschechische und deutsche arme Leute, tschechisierte Deutsche, blondhaarige Kinder mld arme Slawenlinder, die da Hansen, wo die Juden längst ausgezogen sind. Denn diese sitzen in Prag im guten Wohlstand und füllen abends das „Deutsche Theater", ja, sie gestehen demjenigen, der es zu erfahren wünscht, daß dieses Deutsche Theater in der großen Ts ch e ch en stadt, in der nur no ch der s e ch st e Teil der Bevölkerung deutsch i st, wohl s ch o n seit geraumer Zeit u i ch t mehr b e st ä n d e , wenn es n i ch t d u r ch die I u d e n s ch a f t der Stadt gehalten w ü r d e, die vorläufig noch an der deutschen Sprache hängt. In der Tat w ü r d e n die Deuts ch e n Prags, falls sie die Juden nicht a u ch f ü r d e u t s ch e Leute gelten ließen, aus eigener Kraft n i ch t mehr i msta n d c sein, ein deutsches Theater in Prag zu unterhalten. Und hier sind wir bei einem Punkte angelangt, der dem Knltnrsorscher, der auf Reisen geht, um sich mit eigenen Augen vom Zustande der Völker zu überzeugen, überaus merkwürdig und wichtig erscheint. Die Inden sind tatsächlich im ganzen Osten noch immer, neben den Deutschen, die Träger der deutschen Sprache, sie bleiben es selbst da. w o d e r Deutsche bereits s l a wisst e r t o d e r m atz p a r i siert oder aber durch Slowaken, Tschechen, Polen vom Boden verdrängt ist. Wenn der letzte „Germane" verschivnnden wäre, bliebe immer noch der Jude, der unter seinen Stammesgenossen dann jenes bekannte Judendeutsch, eine Mischung ans hebräischen und deutschen Worten, spricht, den zugereisten deutschen Mann aber in einem wohlgebildeten Hochdeutsch unterhält, ihin die Oertlichkeit erklärt, ihn über die Zustände unterrichtet und allenfalls auch sein Handelsgeschäft mit ihm macht. Von Achad-Hanm. Autorisierte Ueberfetznng von Moses Hmowitz (Sianislan). Die Mechauik lehrt, daß zwei Bewegnngskräfte, von denen eine z. B. nach Osten und die zweite nach Narben gerichtet ist, wenn sie einander begegnen, eine Mitielbewegnng erzengen. In der Zeit, als die Menschen jede Bewegung als Willensäußerung einles Körpers betrachteten, erklärten sie sich, jene Erscheinung aus die Weise, daß die beiden Grundkräfte (Seitenkräfte) sich miteinander verglichen nnd ans gutein Willen iibereinkainen, daß jede sich mit Wenigem begnügen soll, damit für beide Namn znr Ausübung ihrer Kräfte sei. Heute aber, da wir zwischen der freien und der mechanischen Bewegnnig unterscheiden, wissen mir, daß nicht ans gutem Willen! diese Grnndkräfte die Mittelkraft erzeugen, im Gegenteil, jede hat das Bestreben, in ihrer Nichtnng zu verharren, und ans diesein Grunde entsteht von selbst eine dritte, vermittelnde Bewegung, die keiner: Nichtnng der beiden Grnndkräfte folgt. Auch die Bewegungen der Himmelskörper sind bekanntlich begrenzt, nicht nur' durch das Verhältnis eines jeden zur Sonne, sondern auch durch die gegenseitige Einwirkung eines auf den andern, wodurch jeder von ihnen gezwungen ist, in gewissem Grade von seiner Bahn abznweichen, in> der er — Wenn ungehindert — sich bewegen würde. Wenn! will: gleich Sokrates der „himmlischen Harmonie" lauschen könnten, so im'irden wir einen ewigen Zank zwischen den „oberen Welten" hören, von denen jede mit allen ihren Kräften dafür eintritt, um sich einen seiner individuellen Neigung passenden Weg zn> bahnen! und nichts zugunsten anderer opfern will: aber da alle so t!nn, erreicht niemand von ihnen ganz sein Ziel und so entsteht von selbst die äußere (Harmonie, dank dein gemeinschaftlichen Einwirken aller und Dabei wird man beobachten, daß er sich, so lange es irgend möglich ist, auch als Deutscher fühlt und gewissermaßen politisch-national sich an diesen anschließt, obwohl er als religiöser Mann überzeugt ist, daß er dem „auserwählten Volke" angehört. So fanden wir es noch immer in Böhmen, so haben wir es unter den Slowaken, in Galizien und fast überall in Ungarn gefunden. In Ungarn, >vo man zur Zeit einen Zustand vorfindet, der durchaus als ein Zustand der Zwischensiedlerschaft der Völker zu bezeichnen ist, wie er zuzeiten der Völkerwanderung über dem größeren Teil von Europa und dem nördlichen Asien gewesen sein muß, lernt man denn auch die Stellung des Judentums in seiner geschilderten historischen Herkunft verstehen. In Südungarn kommt man in Gegenden, wo man aus einem deutschen Dorfe nach einer halben Stunde in ein serbisches gerät und das Land serbischen Bauern gehört. Anderweit ist das römisch-rumänische Volk im Besitze des Bodens, so daß es zum Teil parzelleMveise zwischen dem Boden des deutschen Bauern die Erde hat, wo es nicht im größeren Landbesitze ist. Wie am Böhmerwald und in anderen Gegenden der böhmischen Sprachgrenze Dörfer sind, wo das obere Dorf vom deutschen, das untere vom tschechischen Bauern bewohnt ist und der Boden dann auch parzellenweise unter den Nationalitäten verteilt ist, so siedelt der Deutsche im selben Doppeldorfe auch neben dem Rumänen. In Nordungarn sind dieselben Verhältnisse zwischen Slowaken und Deutschen. Und zwischen all dem liegt der L a t i f u n d i e n b e s i tz des magyarischen Magnaten als desjenigen E r o b erung s v o l k e s, das im letzten Stadium der Völkerwanderung in Massen ins Land kam und mit G e w a l t sich den Boden der T h e i ß l ä n d e r für seine ursprüngliche W e i jd e - k u l t u r s i ch e r t e. Hier sieht man nun aber auch den Jehovagläubigen Assyrer und Babylonier nicht nur als Handelsmann, sondern als Mitbewirtschafter des Bodens. Was man in Deutschland fast gar nicht sieht, ist in Galizien und Ungarn auf dem Lande die Regel, nämlich, daß der Jude vor allem Gastwirt, Oekonom ist. Und schon diese Tätigkeit als Gastwirt macht aus diesem Juden und seinen Frauen einen ganz anderen Menschenschlag, als die westeuropäischen Vorurteile vermuten lassen. In Krakau kommt man in jüdische Gasthöfe, ivo die jüdische Besitzerin mit einer gewissen dicken Majestät hinter ihrem Büffettische thront und wie die Scmiramis von Ninive ihren kleinen Staat überwacht. Jüdische, polnische, deutsche Kellner, Köchinnen und sonstige Bedientenschaft ist ihrem Winke untertänig; ihre Augen gehen bald rechts, bald links, geradeaus und hinten in die Küche; sie ist überall, auch wenn sie ihren Platz nicht verläßt und bemerkt jeden Gast. Man ist sehr bald von der stillen Wirksamkeit dieser Wirtin sehr angenehm berührt, denn sie hält darauf, daß man pünktlich bedient wird, sie beutet nicht aus, sondern sie hat den Ehrgeiz, das größte Kalbsschnitzel für den billigsten Preis dem Gaste auf den Tisch setzen zu lassen. (28 Kreuzerl) Sie empfindet darin noch patriarchalisch, läßt den Gast fragen, ob er zufrieden ivar und durch den Kellner ihn einladen, wenn es ihm gefallen habe, auch wieder zu kommen. Ihr Bier ist gut gepflegt, wer kommt da nicht wieder! Und während in anderen Restaurants der polnische Kellner mit Geringschätzung und aristokratischer Verachtung das hohe Trinkgeld ■— nimmt, ist man im Hause der jüdischen Wirtin auch für die kleinere Gabe mit derjenigen Höflichkeit dankbar, die denn auch vornehmer ist. Denn der Dankbare ist immer vornehmer, als der Undankbare. . Ein anderes BildI Im Lande der Slowaken kehrt man bei einem stündlichen jüdischen Gastwirte ein. Das Dorf hat über hundert Häuser, Deutsche wohnen in einem benachbarten Städtchen; ohne Zustumnen sogar .cinieS von ihnen. Wenn sie aber durch eia Wunder plötzlich gegenseitig „hochherzig" mi'n> den, so daß sie den engen- Kreis ihrer eigenen Wünsche verlassen, die Wi'tnsche anderer verstehen und sie befriedigen wollten, es würde in einem Augenblicke die Ordnung der Welt zerstört und sie wäre )bieder „tohu wabohu" (wüst nnd leer). Wenn Uiiv. imm das, was in der Tiefe des „Mikrokosmus", in der Seele des Menschen geschieht, mit dem Auge betrachten könnten, würden loir eine ähnliche Erscheinung erblicken. Die altertümlichen! Weisen Israels, die alles durch das Prisma den Ethik betrachteten', sahen iin Seelenleben nur zwei „Grundkräfte": den guten nnd den schlechten Trieb. Der Kampf zwischen diesen beiden entgegengesetzten Kräften dauert ohne Unterbrechen das ganze Leben des Menschen hindurch! und es ist keine Möglichkeit vorhanden, Frieden zwischen ihnen zu schließen, da jede ihr Ziel ganlz erreichen will bis znr letzten Konseanenz. Der schlechte Trieb ist absolut schlecht und es ist in ihm kein Fünkchen gut: bis ins Alter hinein lauert er auf den Menschen, bewegt ibn zu schlechten Taten und erweckt in ihm niedere Begierden und sein! nnbarmberziges Streben ilt es, ihn bis zur letzten Stufe des Schmutzes und der Sünde zu zerren. Dagegen ist der gute Trieb absolut aut. duldet nicht das Böse, in keiner Form, keiner Stufe und für kein einziges Ziel, verdammt alles andere — Irdische soaar, wenn es nötig ist und sein Bestreben ist, den Menschen immer mehr emvorznheben nnd ihn zu veraeistiaen. „Das Neckt soll den Berg durchlöchern" (Trakt. Sanhedrin OTi*) — dies ist der Grundsatz, an denn beide Triebe fellhalten, jeder auf seine Weise.?lber eben darum, weil beide daran *) Nehnlich im Lateinischen: Pint justitio, ppreat munihis. hier aber ist alles flowakisch. Von den hundert Häusern sind nur dreißig, loo die Männer im Dorfe geblieben sind, die anderen sind in Amerika, so daß meist nur die Frauen und Kinder beisammen hausen. Kommst du zum jüdischen Gastwirt herein, steht in der großen Vauernstzibe die slowakische Magd und buttert, denn der Herr verkauft nicht nur Wein und Schnaps an die Gäste, sondern hat auch Vieh und Land. Die jüdische Hausfrau ist in der Küche, auf dem Hofe und greift selbst ganz gehörig zu, sieht nach, wie die Magd beim Buttern verfährt, geht in den Stall, um nach dem Vieh gu sehen nnd ist mit ihren jüdischen Schwestern oder Nichten auch im Garten zu finden. t ,ri .. r. Der jüdische Wirt bittet dich ins Herrenstuble, das ist die alte jüdische Gaststube. Von der großen Bauernstube, wo abends die Slowaken sitzen, ist nämlich durch ein Latteiigitter, wie ein Hühnervcrschlag, ein Raum abgetrennt, wo ein Tisch, mit sauberer Decke daraus, ein Sofa und einige Stühle und im Hintergründe ein großmächtiges Gastbett steht. Hier ist auch das Schnapsbilffet und hier trinkt man seinen Wein, der der landesüblichen Qualität entspricht. Die Judenfrauen sind hier vielfach etwas scheu und zurückhaltend. Man sieht ihnen an, daß sie die Gojim mit unergründlichem Mißtrauen betrachten und sie tauen erst langsam auf. Aber man erlebt, daß der Wirt einem zum Abschied die Hand schüttelt wie ein alter Engläiider, ein Fall, dem man unter westeuropäischen Juden selten begegnen wird, wo in diesem Punkte eine gewisse Zurückhaltung herrscht, an der jüdisch-orthodoxe Vorurteile ebensoviel Schuld haben mögen wie die schlechte christlich-vorurteilsvolle Behandlimg, welche Juden noch vielfach erfahren. Daß man aber^in Ungarn mit so einem alten Chaldäer- und Babyloniersohne )ich ordentlich die Hand drücken kann wie unter Altgermanen, zeigt, daß auch hier das Patriarchalische im einfach menschlichen Sinne eine gute Stätte hat. In Arad gerieten wir einmal im Serbenviertel m eine jüdische Weinwirtschaft, wo wir einen sehr guten „Wein tranken. Hier wie unter Den Slowaken sprach man selbstverständlich nur gut deiltsch. In diesem Hofe kamen lauter jüdische Hausierer in ihren Kaftanen mit ihren Säcken zusammen, wie man sie auch in Galizien sicht. Bei der Unterhaltung mit diesen jüdischen Männern, die sonst nur Ihresgleichen hier sehen, fiel uns auf, daß manche ausgevrägt schwäbische Gesichter hatten, während die anderen doch die bekaniiten assyrischen und phönikischcn Physiognomien zeigten. Hier herrschte sogar noch die Erinnerung, daß solche Neujuden wußten, ihre Vorfahreii seien einst Christen gewesen. In Ungarn hat, in der schlimmsten Jesnitenzeit, in der Tat mancherlei Uebertritt von Protestanten, Schwaben zum Judentum stattgefunden, iind so sehen wir hier die iineressante Erscheiining, daß es bis in die neueste Zeit auch an Eiiisprengungen von arischen Elementen in die alte semitische Anszüglerivelt nicht gefehlt hat. Es mag aber schon in Alt-Babylon mtei) manches persische, also wiedennm arische Element in jenes ethnologisch verstandene Judentum gekommen sein, von dem wir hier reden und das mag als ein dauermder Prozeß in einer sehr llrngen Knlturpcriode jene interessanteii Menschentypen erklären, die wir unter der galizischen Judenschaft finden, wo Armenien nnd Assyrien in eineni geheimnisvolleii Bunde aiifzutreten scheinen. Auch unter jenen Arader Juden haben wir uns vortrefflich befnnden; ivir fanden, daß mancher von diesen Hausierern Welt ilnd Menschen nicht nur kannte, sondern sogar ein Stückchen Bildung nnd talmudischer Gclebrsamkeit ans der Synagoge mit sich führte. Von händlerischer Zudringlichkeit ist natürlich nicht die Rede, wenn man zusammen beim Wein sitzt; da unterhält man sich über den Wektlauf, wobei man von solchen armen Juden sehr viel lernen form.. Schon in B ö h m e n beginnt die Erscheinung, die man dann »r inii>T««»»»»nm, i» iniiiu i n i-nnrr rwi festtzcilten, durchlöchert keine den .Berg, sondern es entsteht von der gegenseitigen Tätigkeit eine „Mittelbelveglmg", die manchmal die Stufe der „bekannten Harmonie" erreicht, die keinem von beiden gestattet, die Welt durch einseitige absolute Tätigkeit zu Verlvüsten. Einmal ereignete es sich — erzählt eine schöne Hagadah — „daß die Frommen den schlechten Geilt (Trieb) ergriffen nnd gefangen nahmen, der gute Geist waltete allein durch drei Tage, aber es wurde ein junges Ei gesucht und nicht gefunden." Die modernsten europäischen Gelehrten, die die Seele von einem ganz anderen' Standpunkte betrachten, finden in ihr zwar viel mehr als zwei Kräfte, stellen uns aber die Tätigkeit derselben auf eine ähnliche Weise dar. Eiir französischer Gelehrter (Panchan) betrachtet die Seele des Menschen als eine große Gesellschaft mit einer unzähligen Menge von Mitgliedern: Eindrücke, Begriffe. Gefilllle, Neigungen nsw., von denen jedes ein besonderes Leben führt nnd nur allein nnd unbegrenzt regieren, sich mit passenden Elementen Vereinen und alles entfernen möchte, was ihm entgegenaefetzt ist, im allgemeinen — seinen Stempel dem ganzen Leben aufzndrücken, obne sich um andere zu kümmern, ihnen auch nicht ans einen Schritt oder kurze Zeit zu tveichen bestrebt ist: manchmal wird es von einem anderen Mitgliede, das ebenso voraehtz durch Geiralt verdrängt: aber auch da resianiert! es nicht nnd tvill nicht mit seinem Lose zufrieden' sei, ivariei gerüstet mit der ganzen Kraf nnd lauert auf den geeigneten Anaenblick. um den Kampf zu ernenem und alle zu besieaen. Diese Arbeit der aanzeni M-rnge vom enabewigen und knrzsichtiaen Mitaliedern der aeilligen Gesellschaft, von denen iedes sich bchiinbt. allein ans der Welt zn sein —- diese Arbeit in es. die im Menschen ein msammenaesetztes nnd nmsanareichi's. ..vi-ckseitiaes" nnd vers'tziedenartiges Leben bildet, an dem alle Kräfte teilnebmen, obtnobl keine soaar die Hälkte ihrer Wünsche erreicht. Manch-