Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 4 (1902)
- Issue
- 37 (12.9.1902)
- Date
- 1902-09-12
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 37 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 12. September 1902 Seite 5 statt ist in erster Linie jenes Wissensquantnnr, welches einem Schüler innerhalb einer gewissen Zeit beigebracht wird. Hierbei musz natürlich eine für das beireffende Wissensfach normale Geisteskapazität des Schülers in Betracht gezogen werden. Nach dieser Richtung hin scheint die „israelitisch"-theologische Hochschule sehr geringe Gefolge zu erzielen, denn der Herr Rektor schimpft seine Schüler ordentlich ans und wirft ihnen vor, das; es den „Universitätshöreru zu lange dauere, in der Vorbildungsschule zu [Hielt". Ein für uns viel wichtigerer Gesichtspunkt ist jedoch derjenige, vom welchem das Professoren«- kotlegium bei Verleihung des Rabbinevdiploms sich leiten lässt. So mnf; es mm einmal rückhaltlos ausgesprochen werden — tun mich einer Redewendung des Hemm Rektors zu bedienen — das; die Abga11gsprüfilngen mit jedem Jahre kläglicher ausfallen und das; die ohne jedwedes talmudische Wissen eintretenden Hörer mit einem Rabbinerdiplom in der Hand und mit sehr unbedeutendem jüdischem Wissen im Kopfe in die Gemeinden geschickt werden, um jüdische Lehre zu verkünden. Und es mus; bei dieser Ge^ legenheit eblenso «mckha'ltl'os ausgesprochen, werden, das; die Lehrer der Hochschule ihrer Aufgabe nicht gewachsen sind, das; ferner die aus Galizien und der Bukowina stainmenden Hörer mehr jüdisches Wissen mitbringen, als sie nach mebrjährigein „Studium" von hier mitnehmen, und das; die Leitung der Hochschule sich einer Pflichtversänmnis schuldig macht, indem sie nicht allen Einflns;, der ihr zugebote steht, dazu aufwendet, das; gerade dieses Element ans der guten alten Schule nicht in Dörfern vergraben, sondern in Städten untergebracht werde, wo es für die Verbreitung jüdischen Wissens vieles leisten könnte. Bei der Verleihung des Rabbinerdivloms und schon bei der Aufnahme in die Hochschule sollte nicht die Jrage maßgebend sein, ob es dem Herrn Hörer nicht zu lange dauern wird, in der Schule zu sitzen, sondern ob er kraft seines Wissens, seiner Ueberzengnng und seines Charakters wüvdig ist. eintt ein sdübrer in Israel nt sein. Wie sich die Inden eine wahren Eselskopf porstellen. Ganz im Gegensätze zu der bei den Antisemiten beliebten Anschauung, das; dies aus dem Munde des zum „Korkes" avancierten Schuldiencrs, der int Aufträge und im Namen des Knltusvorstehers, ktind und zu Ivissen gab,, das; auf Gottes und Bezirkshauptmanns Natschlns; N. N. zum Abgeordneten auserkoren wurde und den loyalen Staatsbürger zur llrne trieb. Zwar ist noch jetzt in der Wahlperiode der kaftanierte Kultnsvorstcher hoffähig, das heiszt, er darf zmn Herrn Bezirkshanptmann kommen, ohne das; dieser ihn zur Türe hinanswirft, wenn der Kandidat des Herrn Bezirkshauptmauues schlecht steht, Ivird der Kultnsvorstcher auch manchmal zum Sitzen kommandiert, es gibt sogar Leute, die behatlpten, sich daran erinnern ztl könneit, das; der Herr Bezirkshanptinann einmal dem Kultusvorstand eilte Z,igarre verehrte (diese Zigarre soll sich im Knsknsschatzamte als Reliquie vorfinden), aber int großen Ganzen sind die guten alteit Zeiten dahin und das Koittingeitt des Stimmviehes, über ivelches der Kultnsvorstcher stets verfügte ist arg zusammeiigeschmolzen. Dcnit auch beim Staatsbürger mosaischer Konfession ist der politisch-kritische Sinn erweckt, er sucht das Wesen der Wahl und das ztl Wählende geitau zu erfassen, läßt sich weder vom Kommando des Kultusvorstehers, noch von der stillen Drohung des Herrn Vezirkshanptmanites einschüchtern, selbst das schmeichlerische Werben ^s Kandidaten, für welchen er in der Wahlperiode — ein „Herr Israelit" und „Geehrter Herr Wähler" wurde, nimmt er skeptisch auf. Was hilft das aber, Ivcnn hier alle Kandidaten Antisemiten sind? Und tvenn man sich den kleineren heraussuchcn wpllte, Ivürdc das nicht geliitgcn, weil alle gleich groß sittd. Am 8. ds. fand eine Volksversaminluitg statt, auf welcher auch der tlieichSratsabgeordnete Daszyitski erschien, die Versantmlung zahlte zirka 3000 Personen — größtenteils Juden — und die Ausführungen der Rediter — besonders des Reichsratsabgeordneten Daszynski — fanden reichen Beifall. ' D. H. Sebastian Brunner redivivus. Itt der am 2. Septeinber stattgefnndencn Sitzmtg des Wiener Gemeiitdcrates hat Gcmeinderat Jerzabek den Antrag gestellt, es möge an dem Geburtshanse Sebastian Brunners eine Gedenktafel nachstebeitden Inhalts enthüllt werden: „In diesem Hause wurde am 10. Dezember 1814 der hochwürdige Prälat Dr. Sebastian Vruitner geboren. Dem unermüdlichen Verteidiger und Schützer arischen Volkstums gegen Korrumpierung und Niedcrtrctung (siel) durch fremde Elemente. Das dankbare Wieit." Die Christlich-Sozialen haben alle Ursache, sich ztl einer Ehrung Brunners aufzuraffen, wie sie durch den Gemcinderat Jerzabek aitgeregt ivird. Es erscheint von hohem Interesse für die Genesis und historische Entwicklung der derzeit so hohe- Sturzwelle^, treibenden antisemitischen Bewegtmg zu seitt, sich zu beseheit, wer dctttt eigeutlich dieser Sebastian Brunner getocsen. Sebastian Brunner, seines Zeichens Doktor der Theologie, Digititär der katholischeit Kirche, Herausgeber und Chefredakteur der seiuerzeitigen „.Kirchettzeituttg", des ttotoriman jede mögliche Stelle annchmen müsse, wenn man mich tticht die! scheu Organs der Wiener Erzdiözese im besonderen und des tatholigeriitgste Fähigetit dazu besitzt, lveint sie nur einträglich ist, huldigen ivir Juden bekainttlich der Anschauung» daß jedermaitn sich nur in solchen Berufen betätige, zu welchen er die Fähigkeit besitzt nttd so hat sich bei tnts das Volkssprichwort heransgebildet: „Viel Meloches, wenig Braches". Vielerlei Arbeitett, bringett feilten Segen; wer feilte Kräfte zersplittert, ivird auf keinem Gebiete Erfolg haben und wer seine Nase in Dinge steckt, die er nicht versteht, ist ein Dninmkopf, ein Esel. Aber nicht nur für einen Dummkvpf halten die Juden einen solchen, sondern auch für einen Lumpen, der der Welt Vormacht, daß er alle! diese Dinge, mit denen er sich befaßt, auch verstehe. Die Juden! halten ein solches .Individuum für einen solch gefährlichen /um-! peil, daß sie ihn sogar in ihren Dichtnngen als abschreckendes Bei-! spiel hinstellen. Ein solches Spottgedicht findet sich in den unedierten; Schriften eines jüdischen Anonymus des zwanzigsten Jahrhunderts,! cs lautet: „Wie der arische Erpichter Al Chaseri Chaber-Ganni. seine Leser um die Wahrheit prellte. Al Chaseri Chaber-Ganni! stolperte ins Wirtshaus ani, denn sein Sinnen und Erdichten ' ist Schnaps und Juden zu vernichten, trank ein Gläschen nach dem anderen, dattn fing er an zu wandern in andere Spelunken, bis er! ganz betruitken daran dachte, tute mans machte, zu vertreiben die Juden, doch nicht alle, weil itt letzterem Falle müßten auch die Rei- { che» gehen, dann ivürde Chaseri blank dastehen, denn von reichen; Juden lebt er und sein Geld erstrebt er. Als sein Kopf' mit „Geist" ganz voll war und er völlig judentoll war, taumelte i er zur Tür hinaus. Er denkt und geht jo grad er kann, da sieht er, wie ein Judeitmattn, die Straße taumelt geistigt war er so wie er. „Jude halt, ich meiner Ehre schwör i, wenn alle Juden werden jetzt aus meiner Not, dich alleitte rette ich, Chaber-Gaimi-Chaserich I Jud, du ivcißt, mein Kopf ist Schwer, und in Ruhestand ist er, weil die Ritualmordmär tticht will bei uns ziehen ntehr. Drum was Neues ich jetzt brauche, hol's heraus aus deinem Bauche, meine Leser glauben alles. Da ich rveiß, du hast deu Dalles, nimm dies Geld, ich denk beklomnten, der Jud hat's gegeben, der Jud hat's genommen. Jetzt sag mir schnell, du Judentropf, wie stellt ihr euch vor einen Eselskopf?" „So wahr ich bin ein guter Jud," jener drauf nun sagen tut: „Ich will dir gleich die Wahrheit sagen, diejenigen Eselsköpfe tragen, die sich lassen stets betören und auf allen llimim schtvüren, wenn's sich um die Juden dreht und in deinen Blättern steht Gros; Chaseri-Chaber-Gannil Drauf geschlvind, der Jud verschwindt. Am andern Morgen tut Chaseri versorgen seine Leut mit einem Jndenartikel, die armen Karnickel I Er erzählt ganz scheni,!vas „Cheber Ha Keni" des Nachts anstellte, indem er einen B a u e r n prellte. Der Schreiber Schlemihl, zeichnet Gamliel, das ivird von Gamal abgeleitet, iveil Gamal ein K a nt e e l bedeutet." Die Christlich-Sozialen in der Zwickmühle. Der Weizen der Christlich-Sozialen steht sonst sehr gut in Niederüsterreich, besonders in Wien, wo ihnen die sechs Mandate der inneren Stadt zufalleit dürften. Nur ein Ptntkt bereitet ihnen Schwierigkeiten. Unter dem Geschrei: „Nieder -mit dem Zwischenhandel" zogen die Antisemiten in den Wahlkampf und züchteten eine ganze Reihe von ländlichen Genossenschaften, die — selbst den Zwischenhandel von Mehl und Kolonialwaren betrieben. Darüber herrscht nun unter der Wählerschaft der niederösterreichischen Landstädte große Aufregung, beim ein bedeutender Bruchteil derselben sind — arische Zwischenhändler, Krämer, Psaidler und Gemischtwarenverschleißer, die durch das gesiititungsgettössische Vorgehen der landwirtschaftlichen Geitosseitschaften sehr empfindlich geschädigt lverden. Rasch fährt Dr. B. Gros; und L. Lifschütz imitben wiedergewählt; als Neugewählte kamen ans der Wahlurne Herr Dr. Rittel und Herr H. Feuerstein hervor. Demonstrations-Feste. Aus Mährisch-Ostran wird gemeldet: Am 8. und i). ds. veranstalteten die Sokolvcreine Mährens, Schlesiens, Niederösterreich, und Böhmens tmter Führung des Prager Ex-Bürgermeisters Ta-Pvdlipny einen Ausflug nach Mährisch- Ostrau. Kaum draitg die Kunde itt die Oesfetttlichkeit. so beschlossen die hiesigen deutschen Vereine eilte Gegendemonstration, ein Trutzfest. Da aber jedes Kind hierorts!veiß, Ivie es um die eigentlichen „Vollblntgermaiteu" bestellt ist, so tvaitdte sich der Obmann des „Deutschen Bolksvereiites" Dr. Kraus — cs klingt unglaublich, aber cs ist lvahr — an den hiesigen und Privozer jüdischen Turtwereitt itt eittem Schreiben um Teilnahme. Beide Versehen Glaubens der ganzen österreichischen Monarchie im allgc meinen,!var der Gründer und Schöpfer des gegeitlvärtig so trübe Schmutzivellett treibenden modernen Antisemitisnms. Judenhaß und Jtidetthctze hak es zu allen Zeiten gegeben. Beide sind atavistische Erbübel und krankhafte Erscheiitungen des arischen Volkes, das sich auch in der Zeit der raffiniertesten Zivilisation noch tticht so lveit cmporzuschwingen vermochte, sich von dem Schandflecke der gemeinen und rüdctt Judcnriccherei zu befreien und zu reinigen. Als Oesterreich sich noch in der finstersten Reaktion befand, war cs attfs strengste untersagt, gegen die Juden durch die Pttblizistik zu schüren und zu Hetzen. Brunner benützte mit katzenartiger Geschwindigkeit die Anfänge des österreichischen Konstitutionatismns dazu, um in seiner „Kirchenzeitung" eine systematische, von blutdürstigem Haß eingegebene Jttdenverfolgung zu inszenieren. Er begegnete bei diesem nichtswürdigen, schändlichen Treiben bei den weltlichen, noch mehr aber bei den kirchlichen Orqancit einer liebcvollctt, matt könttte Wohl sagen, sympathischen Toleranz. Alle Fraktionen, deren Schauplatz das vielgeprüfte Oesterreich derzeit in sozialer, nationaler und konfessioneller Richtnug ist, sie alle sind auf das Kerbholz der publizistischen Tätigkeit Sebastian Brunners zu schreiben. Diesem Heroen des Antisemitismus soll nun in Wien ein Denkmal gesetzt werden, der Schandfleck, mit dem er das einst so gemütliche, derzeit aber anwidernde Wien behaftete, soll verewigt feilt, und dies alles, weil Jerzabek den ingeniösen Gedanken bekam, sein hohles Nichts be- . . merkbar ztl machen. Die Tat Jcrzabeks kmtn tnts selbstverständlich eit kreuz und quer, bej nicht befremden, baaeqen muß es uns höchst verwuitdern, daß diecy bin Chaseri tmd bei. selbe a tempo tticht die gebührende Abfcrtiannq geerden tot, hilfst du mir Runden. __ Weder die freisinnigen' arischen noch die jüdischen Gem meittderäie habett cs der Mühe wert gefunden, den dttrch den Antrag Jcrzabeks den Juden versetzten Faustschlag, dctt ihnen zugefügten Affront zu bekämpfen, entgegettzutrcten und mit gleicher Münze zu quittieren. Das Verhalten der frcisimtigcn arischen und der jüdischett Gemeinderäte geqcitüber der Hcrausforderuna Jer-i^. , « . . , -, ....... . zabeks lverden wir uns wohlweislich in guter Erinnerung behalten bekannten^ deutsch-jüdisch eit Rutuen trugen. und auf deren von früherher ohnehin schon schwerbclastetem Konto ' ' L' ."" buchen nttd mit deitsclben Abrechnungen Pflegen, wenn sie die Kühnheit haben sollten, bei den bevorstehenden Wahlen neuerlich zu kandidicreu nttd sich um ein Mandat ztl bewerben. Vom zionistischen Aktivns-Kotnitce in Wien. Nach dem Beschluß deS vorjährigenBaselerKongresses soll in diesemJahre kein allgemeiner Zionistentongreß stattfinden. An seiner Stelle wird am 29. Oktober hier eilte Konferenz abgehalten werden, an der außer den Mitgliedern des Aktions-Komitees eine Anzahl gewählter Delegierter teilnehmen werden. Der für diese Konferenz gewählte Arbeitsplan enthält folgende Ptinkte: 1. Situationsbericht vom Vorsitzenden des Aktions-Komitees Dr. Hcrzl; 2. Allgemeiner Bericht über den Stand der Bewegung (Dr. Kahn); 3. Finanzbericht (Dr. Koke sch); 4. Bericht über deit Stand der Beivegung in dett verschiedenen Ländertt und Diskttssiott üebr die Punkte 1—3; 5. Bericht des ständigen Zwischenhandel":^ „Der den Zlvischeithaitdel itt Tttch, Spezerei tvaren und Kolonialwaren betreibt, ist kein Zivischenhändler, sondern nur der, der den Zlvischeithaitdel in Getreide, Wein „tind dergleichen" betreibt." Es ist tvirklich komisch anzusehen, ivie sich das „D. V.^" dreht und ivindet; ivozu diese llmschiveife? Es soll einfach erklären, der Christ, der Zivischenhandel betreibt, ist kein Zivischenhändler, sottdern nur der Jude. Matt sieht, es ist dafür gesorgt, daß die antisemitischen Bäume uicht in dett Himmel wachsen; die Arier bekommen jetzt am eigenen Leibe die Früchte ihrer Gesetzgebung ztl spüren. Landtngswahlcn. Atis Gorlice ivird gemeldet: Itt unserer Stadt herrscht sonst in punkto Politik eine idyllische Ruhe, diese Ruhe ivird nur vo>t Zeit ztl Zeit durch eintretendeS Wahlfieber unterbrochen. Int Laufe von zivei Jahren haben ivir jetzt schon zum drittenmale Laudtagsivnhlen tind kommen so atis dent Debattieren und Politisieren tticht heraus. Besottders sind die armen Juden übel daran; die gute alte Zeit ist vorüber, ivo der „Staatsbürger" mosaischer Konfession erst am Wahltage voit der Wahl erfuhr und Komitees; 6. Bericht über den Nationalfottds (Herr Kremenetzky); 7. Bericht über die Legalisierung des Nationalfonds (Dr. Farbstcin); 8. Bankberieltt: a) Berichterstattung für die Direktioit (Herr D. Wolffsohn), b) Berichterstattung für den Aufsichtsrat (Dr. Kokesch); 9. Die Presse (Herr OskarMarmorek); 10. Budget (Dr.Kokesch); 11. Reorganisierung der Kommissionen (Dr. Kokesch). Vermiihlung. Aus Ischl wird tnts geschrieben: Diese Woche hat hier in der Villa von DirSztay die Vermählung des Fräuleins Charlotte v. Dirsztay, Tochter des kaiserlich ottomanischen Generalkonsuls Herrn Ladislaus v. Dirsztay, mit Herrn Baron Henry de MeuaSce aus Alepandrien stattgefnndeu. Derselben wohnten bei die beiderseitigen Familieuangehörigeu, das Präsiditim der türkischen Gemeinde itt Wien, Herr Markus Russo tntd Herr Lico Adtltt, ferner der Präsident der Pcster Gemeinde Herr S. Kohner, ettdlich die Elite der hiesigen Kurgesellschaft, Vertreter der Gemeinde uitd Kurkommissiou von Ischl mit dem Bürgermeister Wiesinger. Den Traunitgsakt vollzog Rabbiner Friedmann atis Linz und der atis Wien rühtttlichst bekannte Oberkantor der türkischen Gemeinde Herr Jakob Bauer,'der über eilten herrlichen Tettor verfügt. Ihm stmtd ein rvohugeschultes Männerquartett mit ebenfalls prächtigen Stimmen tmter der tüchtigen Leittmg des Herrn I. Lötvit als Dirigettten zur Seite. Nikolsbnrg. Die hiesige Kultusvertretung faßte den einstimmigcu Beschluß, dem Rabbiner Dr. David Feuchtivang in Würdigung seiner Verdienste während seiner zehnjährigen Amtswirksamkeit in der Gemeinde ein Ehrengeschenk ztl überreichen und hat diesen Beschluß atlch bereits ausgeführt. Brody. Am 1. September faitd hier die Wahl der fünf Jnspektoren für die israel. Knabenmtd Mädchettschule statt. . Dieselben lverden auf sechs Jahre von dem Knltusrnte tmd dett jüdischen Mitgliedern des Geuteinderates gewählt. Die Herren L. Bloch, Organen „Deutsche Wehr" beschimpfen tmd sie dort mit Titeln beehrett, die der Naturgeschichte gelvisser Sätlgctiere entstammen. — Sowohl das hiesige sozialdemokratische Organ „Duch-CasnZ als mich der "Ostravshy Dennik" haben dieses Verhalten mit befriedigender Genugtumtg konstatiert. Das letztere Blatt schreibt: „Die Ostrauer Judeit haben den Dentschnationalen gezeigt, daß sie auch ohite die Deutschen national sein können. Sehr richtig! Allerdings mit Ausnahme gxlvisser KultuSgetneinderäte und Doktoren, solvie Ve^standsmitgliedern jüdischer Frauenvererite,, die euslhtisiastisch „Heil"-Ruse ausstießen und Kornblumett-Sträußchen unter die Teilitehtner des Festzttges warfen. Aber ein Trost ist uns geblieben: Diese Renegaten gehören der höchsten Jntelligettz an. Das sind faule Früchte. Der Mittelstand, die, eigeittliche jüdische Geschäftsivelt, blieb diesen Dummheiten fcrtte. Sie verhielt sich — wie zu erwarten tvar — neutral S. Ausland. Jüdische Volksversammlung in Johannisburg. (Orig.-Teleg.) In einer am 8. d. M. stattgefundenen Versammlung jüdischer Bürger in Transvaal wurde ein Brief des Gouveneurs Lord Miln er verlesen, in welchem er erklärt, daß er die vorzüglichen Eigenschaften der Juden als Kolonisten ausdrücklich anerkennt. Er sagt, daß die Bedingungen für die Naturalisation der Juden in den Gesetzen Transvaals niedergelegt sind und sich absolut von den Naturalisations-Bedingungen anderer Nationen nicht unterscheiden. Dies ist ein Lichtpunkt für die Emigrationsversuche der östlichen Juden. Die „Kölnische Zeitung" über amerikanischen Antisemitismus. In der gewohnt sauersüßen Weise, in der die „K. Z." auch sonst über den Antisemitismus schreibt, äußert sie sich, wie folgt, über den amerikanischen Antisemitismus. „Die amerikanischen Zeitungen rühmen oft, daß in ihrem Lande Judenverfolgungen unmöglich seien. Man braucht aber nicht lange in Amerika zu sein, um wahrzunehmen, daß die Juden hier ebenso Grund zur Klage wegen gesellschaftlicher und sozialer Ausschließung und auch wegen unfreundlicher Volksstimmung im allgemeinen haben wie irgendwo sonst. In New- Aork hat schon mehr als ein Gasthofbesitzer schwere Verluste erlitten, weil ihm jüdische Kundschaft die anderen Gäste vertrieb. Vor einigen Jahren schrieb Simon Wolf, selber ein begeisterter Jude, geboren in Hinzweiler, vor 20 Jahren Gesandter am ägyptischen Hofe, ein Leben des Commodore Urian P. Lev y, worin mit bewegten Worten die Gehässigkeiten geschildert wetden, die jener Flottenoffizier auf Schritt und Tritt erfuhr. Die Ausschreitungen, zu denen es kürzlich bei der Begräbnisfeier des Oberrabiners Joseph in New-^ork kam, haben daher niemand überrascht; auch aus Jersey City wird z. B. berichtet, daß sich die Brvölkerung, namentlich die Jugend, fortgesetzt an den Juden reibe. Wie in andern Ländern, haben in den Vereinigten Staaten die Juden in den letzten 20 Jahren das Kleider- und Modegeschäft völlig in ihre Hand bekommen; die großen Warenhäuser sind fast durchgehends in jüdischem Besitz. Das Witzblatt „Puck" brachte einmal ein New-Iorker Straßenbild, auf dem alle Ladenschilder bis auf einen einsamen, John Smith, der hoch oben vom 25. Stock eines Wolkenkratzers ein Schild aushängte, nach dem die Neugierigen mit Fernrohren blickten. Auch Rechtsanwälte und Aerzte beklagen sich häufig über das Eindringen der Juden in ihre Berufe. Wir müssen die geehrte ,Kölnische" darauf aufmerksam machen, daß die Juden das Kleider- und Modegeschäft überhaupt erst geschaffen haben. Von einem „in ihre Hände bekommen" kann also füglich nicht die Rede seitt. Ferner teilen wir der „K. Z." mit, daß Rechtsanwälte nnd Aerzte sich auch über das Eindringen von Deutschen in ihre Berufe beklagen. Ein finanzieller Ltreuzzng zur Inbesitznahme Palästinas. Ein Mr. A. S. Greene war dieesr Tage mit einem Projekt hervorgetreten, dessen Realisierung den Zionisten eine unliebsame Konkurrenz bereiten tvürde. Während diese Palästina für seine ursprünglichen Bewohner^ die Juden, zurückgewinnen und die, namentlich im europäischen Südosten unter den denkbar ungünstigsten Verhältnissen vielfach mehr vegetierenden als menschenwürdig lebenden Kinder Israels in das Land ihrer Väter zurückführen und dort zu tüchtigen Laudbauern erziehen wollen, fordert Mr. Greene das christliche Kapital zu einem die Inbesitznahme Palästinas für die gesamte Christenheit bezweckenden Krenzzug auf. _ Waffengewalt will Mr. Greene nicht in Anwendirng gebracht ivissen, denn er ist vollkommen überzeugt, daß der Sultan, sofern man ihm nur eine allerdings hoch zu bemessende Summe böte, in Anbetracht seines permanenten Geldbedürfnisses gern bereit sein würde, sich Palästina abkaufen zu lassen und zwar in der Form, daß demselben volle Autonomie unter christlicher Verwaltung znstünde. So absonderlich und phantastisch dieser Plan auch erscheint, so hat er in der englischen Presse doch einen lebhaften Meiiinngsaustansch hervorgerufen, bei dem allerdings —■ zum Lobe des britischen Common sense sei es hervorgehoben —vorwiegend die Skeptiker und die Spötter zmn Wort kommen. So bemerkt ein Korrespondent aus dem Carltvn-Klub: „Meiner Meinung nach kann das Ziel nicht zu unseren Lebzeiten erreicht lverden, iveim Sie (d. h. die betreffende Zeitung) nicht den Deutschen Kaiser dazu überreden können, sich an die Spitze der betreffenden Gesellschaft zu stellen. In diesem Falle würde ich mich auch an dem Unternehmen beteiligen." Noch weit pessimistischer sieht der bekannte Publizist und Vorkämpfer für die Abrüstmigsnnd Schiedsgerichts-Idee, Mr. W. T. Stead, die Sache an. „Ich glaube nicht," — schreibt er — „daß Mr. Greenes Plan auch nur den Vorzug der Originalität hat. Nor vielen Jahren kauften einmal einige Chieagoer Banspeknlanten Besitztitel auf das Land um den galiläischen See an, in der Vertrauens-