Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 4 (1902)
- Issue
- 37 (12.9.1902)
- Date
- 1902-09-12
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 4 Wien, Freitag Jüdisches Voiksblatt 12. September 19 *2 Nr. 37 Taufe eines „Israeliten". DaS „Vaterland" sckireibk: Gestern abends 7 Uyr fand in.der Beicht- und Sakramenkskapelle der stiesii;ett F-canziskanerkirckie eine erhebende Feier statt, nämlich die Taufe des Israeliten ,'Pevrn Dskar Perl, Bankbeamter in Wien. Derselbe ist lallt Gebnrtszcmtiiis nein Bezirksrabbinat in Mähriscb-Weißkirchen und Wallachisty-Meseritsch geboren zu Aentitscbein am 1, Anchist Dein Vater, Dr. Smnnel Perl, ist Arzt und besitzt den Titel eiiles kaiserlichen Rates. <2 c i n alte st e r B rüde r, ebenfalls Doktor der M e d i z i >l, empfing scholl b 0 r sieben I a h r e n das heilige Sakrament der Taufe. Die Elteril des Neoplmten Iohailii Maria Lskar Perl gehören iloch der mosaischen Religion all. Den gründlichen Unterricht in der katholisch eil Religion erteilte dem Tälifliilg der hoehlvürdige P. Bernardin Ibald, O. Fr. Rein., Vizekomiuissär des Heiligen Landes und emeritierter apostolischer Missionär in England; derselbe vollzog alich durch Delegation von Seite des fürsterzbischöflichen Ordinariates die heilige Taufhandlung ivelche eine halbe Stllnde lvährte l»ld hielt nachher eine kurze, aber kräftige Ansprache, ivelche auch vom versainmelten Volke iliebt ohne Wirkung angehört worden ist. Als Pate fungierte Herr kaiserlicher Rat Dr. Haus Maria Truxa. Von den?lntvesendeu sei besonders hervorgchoben der Bruder des Tausbaten, Herr Hofrat .Start Maria Tnira, der auch baldigst die Zusage milchte, die Stelle eiiles Finupaten zu übernehmeu, falls dies Sakrament denl Firnlliug in Wici: erteilt tvürde. Heute, Sonnabelld, empfing der Aeoplchte aus der Hand des obeil bezcichilcten Täufers während der halb S Uhr-Rkesse ebenfalls in der hiesigen Franziskanerkirche die erste heilige Kommunion, womit die ergreifende Feier einen Ivürdigen Abschlusz fand. Abends begibt sich Herr Johann M. Oskar Perl in seine Heimat Neutitsehein, woselbst er sich im .Streife seiner Angehörigen einige Feit aufhalten wird." —■ Wir geben nur der jüngsten Errungenschaft der katholischen Kirche deil wohlmeinenden Rar, das; I 0 h a n n M a r i a O s k a r nichts nützt, wenn man — Perl heisst. Vielleicht stellt Herr Johann Maria Oskar auch das ab; dann steht seiner Carricre nichts mehr im Wege. Zur Wirtschaft iu der Wiener Kultusgemeinde. Wir haben schon wiederholt darauf hingewiesen, daß der jetzige Vor. stand der Wiener Kultusgemeinde nicht nur unfähig ist, die Interessen der Wiener Juden nach außen zu wahren, sondern auch der Unordnung in der eigenen Wirtschaft machtlos gegenübersteht. Diese Kopflosigkeit des Vorstandes wird neuerdings durch folgenden Vorfall illustriert. Im Ottakringer Tempel war im Monate August ein Festgottesdienst angekündigt. Am bestimmten Tage fand sich eine andächtige Menge in den heiligen Hallen ein, um dem Festgottesdienst anzuwohnen. Der Tempel war dicht gefüllt. Vorsteher R 0 s n e r hatte Festgewand angelegt, alle standen auf ihren Posten, nur die Betstühle des Herrn Rabbiners, Oberkantors, Vizekantors u. s. w. blieben leer. Die Verlegenheit wuchs von Minute zu Minute: wer soll die kirchliche Funktion versehen? Die Zeit verstrich und der Rabbiner kam nicht, um zu sagen, die Kantoren nicht, um zu singen, nur Vorsteher R 0 s n e r brummte einige unfreundliche Worte über seine Untergebenen in den Bart und die Brust des Tempeldieners schwoll in der Erkenntnis, daß nun auch seine Zeit gekommen. Er wurde auch tatsächlich zur Funktion herangezogen. Die Zache hatte aber auch ein Nachspiel. Vorsteher Rosner konnte die Blamage nicht verwinden, die Angelegenheit kam vor ein Vorsteherkollegium, die Herren Funktionäre wurden vergangene Woche all auclienäum in die Seitenstettengasse zitiert. Und wieder waren alle Vorgeladenen erschienen, es gab ein unerquickliches Kreuzverhör, welches ergab, daß Oberkantor Fuchs die Funktion nicht ausüben konnte, weil er diese Funktion auch in früheren Jahren nicht hatte und diesmal keine Aufforderung hiezu erhielt, der zweite Kantor war auch auf Urlaub und konnte sich auch entschuldigen und auch Rabbiner Dr. Bach hätte sich vielleicht rechtfertigen können, wenn er der Vorladung Folge geleistet hätte. Das Fazit dieser leidigen Affaire ist also: Der Kultusvorstand vergaß für die Versetzung einer wichtigen Funktion Sorge zu tragen, suchte dafür einen Sündenbock unter den Angestellten, fand ihn, bemerkte, ihn jedoch nicht in eigener Mitte. Und der mitschuldige Rabbiner folgt dem Beispiele des Wiener Oberhirten und pfeift sich ein Liedchen auf die Vorladung." Unsere Großen. Zu der Notiz unter diesem Schlagworte in Nr. 34 verlohnt es sich, folgendes anzuschließen: Die Gemeinde Unter-Gänserndorf hatte eine Zeitlang ein Bethaus in einer gemieteten Wohnung. Diese wurde von dem christlichen Hausherrn nur deshalb gekündigt, weil eine Nachbarin, eine" ausgesprochene Antisemitin, die Frau eines Nordbahnbeamten, die Furcht aussprach, ihr Trommelfell würde durch das durchdringende Geräusch, das die Juden, kaum 20 an der Zahl, jeden Samstag durch das Mussafgebet verursachten, Schaden leiden. So wurde die kleine Gemeiude durch die Kündigung zum Maitermin in große Verlegenheit gebracht, denn sie hatten weder das nötige Geld noch den Platz zu einem Bethause, was umso dringender erschien, da sie voraussahen, sie bekämen im ganzen Orte keine Wohnung zu diesem Zwecke. Es war in der Blütezeit des Antisemitismus, in der zweiten Hälfte der Achtzigerjahre des vorigen Jahrhunderts. Einer ähnlichen Episode, wie im ersten Buche Moses und der gütigen Verwendung des seinerzeitigen ehrlichen und wahren Seelsorgers, des damaligen Pfarrers, ist es zu danken, daß sie bald einen Platz und noch dazu preiswürdig bekamen. Um nun das nötige Geld zusammenzubringen, versandten sie einen Sammelbogen an alle Freunde und Gönner und so kamen sie auch zum R. v. Gutmann. Der erklärte sich bereit, der Gemeinde 200 fl., sage und schreibe zweihundert Gulden in Abrechnung zu bringen, wenn sie bei ihm das nötige Quantum Ziegel kaufen werde. Ohne irgendwelche Bedenken versprachen ihm die zwei Gemeindemitglieder, auf diese Bedingung einzugehen und fuhren tags darauf nach Angern, die Ziegeln auszusuchen. Sie fanden wohl mehrere Tausende als Ueverbleibsel der vorjährigen Bauperiode, überzeugten sich aber, daß sie von all dem Vorrat kaum eintausend brauchbare Ziegeln bekommen und nachdem sie sich an Ort und Stelle überzeugt hatten, die Ziegelei werde vor zwei Monaten kaum in Tätigkeit gesetzt, fuhren sie wieder nach Wien um Herrn v. Gutmann (welcher von den zwei Brüdern es war, weiß ich heute nicht) von dem Geschehenen und Gehörten Mitteilung zu machen und ihn um die Unterstützung zu bitten. So geschah es, daß diese Herren teils zu zwei, teils einzeln mindestens zehnmal hin- und herfuhren, bis sie kaum nach vielem Sin- und Herbetteln ganze 100, sage und schreibe hundert ulden, erhielten, während knapp vor diesem Vorfall der Herr v. Gutmann einer christlichen Nachbar-Gemeinde ohne irgend welche Bedingung 500, sage und schreibe fünfhundert Gulden zum Bau einer Kirche geschenkt hat. Die Moral dieser Geschichte bilde sich jeder nach seiner Art. Gründung des „Indischen Handwcrkcrverbandes für Böhmens mit dem Sitze in Prag. Am 0. b. M. um 8 Uhr abends fand in Prag am Altstädterring im Restaurant „Zum Prinzen" die konstituierende Versammlung des israelitischen Handwerkerverbanbes für Böhmen statt. Bei derselben warenvurcbTelegierte ans den verschiedenen indischen Vereinen vertreten: „Indischer Volksverein" in Wien durch seinen Vize-Präsidenten Herrn Plaschkes, „Jüdischer Volksverein" in Prag durch seinen Präsidenten Doktor Kahn und mehrere Ausschnßmitglieder, Herr Professor Wertheimer vom „Zentral-Verein" in Prag imb Fr. Robitschek, Präsidentin des zionistischen Fra ne,!-Verein es in 'Prag. Rach Eröffnung und offizieller Begrüßung der Gäste dlirch Herrn Eduard Taussig teilte derselbe als Referent für die Begründung dieser Organisation das Programm des Handlverkverbandes mit. Hierauf folgten die Wahlen, bereit Ergebnis wir anschließend mitteilen : Zum letzten Punkte der Tagesordnung hat sich unser Delegierter das Wort erbeten, iu welchem er namens des „Jüdischen Nolksvereines" in Wien die Herren zur Gründling dieser Organisation beglückwünschte und seiner Freude darüber Alls druck gab, daß P r a g es ist, lvelches die erste dieser Organisationen begründete. Er gab weiters seiner Freude darüber Ausdruck, daß dem „Jüdischen Volksverein" die Gelegenheit geboten lvnrde, in dieser Versammlung zu erscheinen und sprach weiters über die Ziele und den Nutzen der jüdischeir Organisation. Seine Aussührnngen, die oft von minutenlangem Beifall unterbrochen wurden, wurden am Schlllsse derselben mit nicht endenwollendcn „Vyborne"- und Bravorufen anfgenoininenz er war seitens aller Anwesenden Gegenstand von Shlnpathiekmtdgebungen wtd wurde allseits beglückwünscht. Harr Dr. Hohn vom „Jüdischen Volksverein Zion" in Prag, der die Herren ebenfalls der Unterstützung seines Vereines versicherte, lvnrde lebhaft akklamiert. Herr Lebenhart fatit in Form eines Antrages ans die Ausführung des Wiener Delegierten zurück und betonte, daß er denselben wobl schon dem Namen nach lange kannte und erst hellte das Vergnügen hatte, die persönliche Bekanntschaft gemacht 51t haben. ' Er stellte den Antrag, der Verein möge sich ein Vereins-Journal, lvelches die Interessen des Verbandes zu propagieren hätte, gründen und gibt gleich bekannt, daß das in Prag erscheinende „Unabhängige Journal" sehr gerne die Berichte vom Handwerkerverbaiide entgeaennehmen mtd die Interessen dieses Verbandes fördern helfen werde. Damit war der offizielle Teil dieser Festversammlung geschlossen. Die Teilnehmer blieben in dem Lokale weiter, um mm in, ungezwungener Weise die Besprechung über das weitere Vorgehen fortzusühreu. Bei dieser Gelegenheit war cs wiedermn^der Wiener Delegierte, welcher den Herren mit mancher Idee zur Seite stand mtd mit Rücksicht aus eine einzelne Person der Versammlung, lvclche Opposition machte, zn bitten, die Herren mögen das Beispiel des heutigen Wochenabschnittes (Tie Richter) beherzigen, lvelcher sagt: „Falls ihr gezwungen lverdet, in den Kampf zu ziehen, sollen alle Männer sich anschliießen, falls sich aber Ziveifler unter ihnen finden sollten, die mochten ganz zu Hanse bleiben, weil sie sonst den Mut mtd die Tätigkeit der in den Kampf Flehenden hindern." Am Schlüsse erhob er für di cp Einigkeit sein Wort ntit dem Sprichwort: Einigkeit wacht stark. Gleichzeitig ans die Ansfülmmg des Herrn Lebenbart zmückkommend, erklärte derselbe, daß auch das „Jüdische Volksblatt" in Wien sehr gerne Berichte aufnebmen werde, um rür die Propaganda ihrer Angelegenheiten zu soraen. Ancb dieser Antrag lvnrde mit Dank und Beifall akzeptiert. Wir loünschen nun, nachdem dieses Werk geschaffen ist, daß es blühe und gedeihe zum Wahle feiner Mita lieber und zum Ansporn sämtlicher jüdischer GelverbetreiLender in unserem Vaterlande. Der Vorstand besteht aus folgenden Herren: Karl Guth, Herrenschneider; Jakob Pollak, Kartonagenerzeuger; Samuel Schreiler, Tapezierer; Eduard Taussig. Vergolder; Gustav Utitz, Handschuherzeuger; Josef Schulz, Schlosser; Ludwig Fischt, Hutmacher; Jakob Fischer, Herrenschneider; Richard Brandeis, Buchdrucker; Adolf Aussenberg. Juwelier; Friedrich Steidler, Goldarbeiter; Richard Lederer, Herrenschneider; Friedrich Schwarz, Tapezierer; Adolf Friem. Lackierer; Emanuel Porges, Friseur; Siegfried Fantl, Kartonagenerzeuger; Ludwig Schwarz, Schlosser; Isidor Zappner, Spengler; Robitschek, Schuhmacher; Ferd. Langendorf, Schneider; F. Wachtel; F. Tänzer, Schneider; Josef Stein, Schneider; Moriz Eisner; Rudolf Weissel; Emil Eisner, Bankbeamter Heinr. Tischmann. Der Geburtstag des Schah. (Kein Märchen.) Und Scheherezade beugte sich zu dem Sultan nieder und begann: „In Niv nahte sich die Zeit, da der allverehrte Schah seinen Geburtstag feierte. Alle Völker seines Reiches wetteiferten in Zeichen der Liebe und Achtung; denn er war wirklich der mächtigste Kitt des vielsprachigen Reiches. Und die Aeltesten der Gemeinde traten zusammen und berieten, wie Heuer das Fest in der Moschee zu feiern sei. Der Obermufti Nam-e-Güd war aber fern tu seiner Villa im kühlen Nedab. Da entsandten die Aeltesten einen Eilboten zum Obermufti; der Obermusti besaß den großen Orden des Schah; er belustigte sich bei Spiel und Tanz und verfärbte sich, als der Eilbote hineinstürzte. „Sind die Kurse gefallen?" „Nein, Leuchte des Glaubens," antwortete der Eilbote, „dieses Schreiben senden dir die Aeltesten der Gemeinde." Er erbrach — das Schreiben, setzte sich in den Eilwagen und fuhr in die Hauptstadt zur Moschee, dort herrschte er den Obersten der Schreiber R e l d a an: „Wie kann man es wagen, mit solchen Dummheiten meine Ruhe zu stören?" Der Oberste der Schreiber erwiderte: „Lang lebe die Leuchte des Glaubens., Aber ich vollführte nur den Befehl der Aeltesten." Da schrie der Obermufti: „Sage den Aeltesten, sie sollen mich schuhm eiern!" Verdutzt sah der Oberste der Schreiber auf die Erde; aber die Leuchte des Glaubens rief erzürnt: „Nichte es nur den Aeltesten aus." Die Aeltesten der Gemeinde aber waren in Verlegenheit, wer erstens den Obermufti — schuhmeiern solle und zweitens, wer in der Moschee für den Schah beten solle. Endlich bestimmten sie einen Greis, der auch sonst den Obermufti bei Trauungen und Leichenbegängnissen vertritt, bei denen keine Sporteln abfallen." Da sagte der Sultan gedankenvoll: „Ich verstehe dich, Scheherezade, du willst mir sagen, daß nicht die meine wahren Freunde sind, die meinen Namen stets im Munde führen und mit meinem Bilde aus der Brust protzen. Die wahre Liebe wohnt bei der großen Menge die ich gar nicht sehe; und die auch die stolzen Priester gar nicht kennen, die die Menschen nur nach den Sporteln und Geschenken beurteilen. Jüdischer Gemeiudeverband in Böhmen. Aus Prag tvird uns geschrieben: Wir haben seinerzeit bei der Kritik des „Oesterr. israek. Gemeiildebundes" erwähnt, das; tit Böhmen eifrige Vorarbeiten gepflogen werden, mit die Idee auf neuer Grundlage speziell in Böhmen zn verwirklichen. Der Proponent ist Hauptmaun Julius Bandy, Kultiisborstchcr in Horzowitz. Es hat diesbezüglich im Hotel Bristol in Prag eine vorläufige Beratung stattgefunden, bei der eine allgemeine Einmütigkeit konstatiert lvnrde. Der „Zentralberein" hat lveder das Recht noch die Qualifikation, eine Landesorganisation mit ihren großen Aufgaben zn leiten. Es erübrigt nur die Landesjndenschaft; diese Korporation hat es versucht, ihre Agenda zn erlveitern und hat zn diesen: Zwecke die Statuten geändert, sie wurden aber nicht belvilligt. Es bleibt daher nichts anderes übrig, als eine neue und große Organisation zn schaffen, die alle anderen überflüssig inacht. Diese Organisation hätte den Zlvcck, periodisch Kongresse abzuhalten, ans denen die Frage der Reform des Statutes der Funktionäre, des Arinenivesens, des Kultus und der Handhaben desselben, zur Erörterung kommen sollen. Knltnsgelneinden Böhmens, die diesen: Plane nähertreten ivollen, werden ersucht, sich mit Herrn Julius Bondy in Horzoivitz iu Verbindung zu setzen. Jsrnclitischer Landeslehrerverein. Aus Prag lvird gemeldet: Der israelitische Laudeslehrervereiu in Böhmen hielt jüngst seine ordentliche Generalversammlung ab. Zu Beginn der Generalbersaininlnng gedachte der Vorsitzende, Obmann Neligionslehrer Springer, der im Jahre verstorbene!: Mitglieder Bernhard Weis; und Samuel Mauti:er. Der von: Schriftführer Rabbiner Freund- Bodenbach erstattete Rechenschaftsbericht lvnrde einstimmig augenoinmen. Demselben ist zu entnehn:ei:, das; der Ausschuß des Vereins jederzeit für die Interessen der israelitischen Lehrerschaft eingetreten ist, das; er immer bestrebt war, die soziale und materielle Stellung derselben zn heben. Die Herrei: S. Springer und M. Freuild lvurden ihres unermüdliche!: Wirkens halber von der Geueralversammlnng zn Ehrenmitgliedern ernannt. Hierauf hielt der Schriftführer Rabbiner Fre:n:d einen Vortrag über das Thema: „Wie kann der Religionsunterricht daS Interesse fürs Judentum weckeil?" Mit den hellsten Farben malte der Vortragende die ideale Gestalt eines Religionslehrers und beleuchtete voi: vier Gesichtspunkten: Lehrperson, Lehrstoff, Einfluß auf das Elternhaus, Wirten in der Geineillde, dessen scgenbriugende Wirksamkeit, uachdem er anfangs daS hohe Ziel ausgestellt hat, den: jeder Religionsnnterrieht znstrebei: muß und das auch ein Lehrer, der in diesen Beziehungei: vollkommen entspricht, erreichen wird. ES lvnrde beschlossen, den Vortrag, der bei: gerechten Beifall aller gefunden hat, lvörtlich in Druck zn bringen und dei: einzelnen Kultusgemen:- den kostenlos znz»sendcn. Während der Wechselrede, die der Vortrag hervorgernfen, erschien daS neuernanntc Mitglied des Landesschulrates Dr. Ludwig Beudiener. Er dankte für die Glückwünsche, die ihm der Ausschuß in: Nainei: der Lehrerschaft übermittelte, versicherte die Lehrer seiner vollsten' Teilnahme :n:d sagte seiucMithilfe zu zur Abschaffung der ungünstigen Verhältnisse, unter denen die israelitischen Lehrer Böhmens ihr Amt misführei: müssen. Die Herren Rabbiner S. Abeles-Knttenberg itnb A. Stein-Radnitz, erstatten hierauf das Referat über die vom Vereine ausgegebenen Fragebogen. Diese liefern das statistische Material über die mißlichen, unhaltbaren Zustände vieler ÄAlltusgemeindcn, das dei: Behörden vorgelegt werden wird. Der Bericht des Kassiers, Neligionslehrer Lölvy, sowie der des Rabbiners Freund als Redakteur des Vereinsorganes „Mitteilungen des israelitischen Landes- Lehrervereines" lvnrde genehmigt. Der bisherige Ausschuß lvnrde iviedergewählt. Die Generalversammlung beschloß ferner, eine Hnldignngsdepesche an die Allerhöchste Kabinetsknuztei abzusenden. Hieraus schloß der Vorsitzende mit einen: dreimaligen Hoch ans den Kaiser die Sitzung. Achtzigste):- Geburtstag. Ans Sarajewo wird uns vom 8. ds. Mts. geschrieben: An: 1. ds. beging ein hochachtbares Mitglied unserer Gemeinde, Herr Samuel Birnbaum die seltene und erhebende Feier seines achtzigste,: Geburtstages in: Kreise seiner Fainilie und intimsten Freunde. Der achtzigjährige Greis Ist sowohl Physisch als auch geistig vollkommen rüstig. Täglich sieht man den biederen, religiöse,: nnb frommen Greis das Gotteshaus anfsnchen, alllvo er seine inbrünstigen Gebete an feinen Gott verrichte:. Während des Tages sieht man den rüstige,: Greis seine Spaziergänge mache,:, auch befaßt sich derselbe mit Studien der heiligen' Schrift.- Was seine geistige Befähigung betrifft, legen einige eigenhändig geschriebene und von: Greise selbst gedichtete Zeilen zur Feier seines achtzigjährigen Geburtstages Zeugnis ab. Mit dem Wunsche, der Allgütige möge diesen Wackeren noch lange, ja sehr lange Jahre iu: Kreise feiner tugendhaften Familie erhalten, schließe ich diese Zeilen. B. B. Bou der Wiener israelitisch-theologischen Hochschule. Die letzten Jahre brachten von verschiedenen Seiten die immer lauter nnb eindringlicher werdenden Klagen, daß die jüdische Wissenschaft in Oesterreich int Niedergange begriffen sei mtd daß man, wenn das so weltergehe, an einem jüdisch-lvissenschaftlich toten Punkte anlangen müsse. Dieses niederschlageilde Urteil erhielt erst vor ungefähr Jahresfrist die traurige Bestätigling seitens eines hervorragenden. Fachgelehrten.' (M. Friedländer: Der Antichrist. Güttingen, Vaud eich oek und Ruprecht 1901. Vorwort S.. 17.) Diese Klage richtet sich dann direkt gegen die Winter ji'Mschiheologische Anstalt, von lvelcher behauptet wird, daß sic die Hoffnmtgelt auf eilte Nenbeleblnvg der jüdischen Wissenschaft, ivelche zur Zeit ihrer Gründnug alt sie geknüpft lvurden, arg getäuscht habe. Das sind fürlvahr niederschntetternde Änklagett! Die Leitlmg der Wiener jüdischen Hochschule hat auf diese Vorivürfe nichts erwidert', es war auch ch ganz in Ordinmg, denn solche Anktageit köniten nicht dlirch langatmige Artikel aus der Welt geschafft werden. Schreien hilft nichts, Tatsachen! belveisen! Und nun, nach Jahresfrist rückt der Herr Rektor jvirklich heraus und zwar mit Tatsachen,^ die beweisen, daß die Klagen berechtigt sind, daß die jüdische Wissenschaft t in Oesterreich im Sterben lieat und daß das Doktorkolleginnt in der Fachschule dein Ilebel ohntnächtig gegenübehst'eht. Int R:cktoratsberichte für das verflossene Schuljahr 1901/1902 Pariert der Rektor der Anstalt den gegen ihn aerührtelt Hieb, indein er ans das — Schülermaterial losschläat. Also nicht die Sctmle. die Lehrer sind schuld an den, Mißerfolge der Anstalt, sondent die Schüler. Mait muß vürklich aestebeu, diese RcMsertiaung klingt sehr — schülerhaft. Der Maßstab für die Lehrerfolge einer An-