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Jüdisches Volksblatt · 1902-09-12 · 37 (12.9.1902) · p. Seite 3

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
4 (1902)
Issue
37 (12.9.1902)
Date
1902-09-12
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 37 Wien, Freitag ist und aufragte, ob der Artikel 05 des Handwerkergesetzes auf italienische Staatsangehörige zur Anwendung gelangen solle. Es verlautet, daß andere auswärtige Mächte in Bukarest einen gleichen Schritt zu tun gedenken." Dem „Bukarester Tagblatt" entnehmen wir folgende Mitteilung: „Eine aus sechs Gewerbetreibenden unter der Führung des Herrn Toma G e o r g e s c u, des Präsidenten der Gesellschaft der Handwerker, bestehende Delegation hat sich im Kriegs- Ministerium eingesunden, um beim Ministerpräsidenten Herrn S t u r d z a Aufklärungen bezüglich der Anwendung des Handwerkergesetzes einzuholen. Herr G e o r g e s e u bat den Ministerpräsidenten, den Handwerkern zu sagen, wann das Gesetz zur Anwendung gelangen werde, da man nach dem Austritte des Herrn M i s s i r aus dem Ministerium nichts Präzises mehr darüber wisse! Der Mirnsterpräsident hat nun, wie die „Cronica" meldet, daraufhin folgendes geantwortet: „Als Sie in die Kammer kamen, sagte ich Ihnen auf mein Wort als alter Mann, daß das Handwerkergesetz votiert werden würde, und so geschah es auch. Jetzt verspreche ich Ihnen abermals auf mein Wort als alter Mann, daß das Gesetz zur Anwendung kommen wird. Wir werden einen Ministerrat halten müssen, um einige Bestimmungen des Reglements zu diskutieren, welche so ausgearbeitet werden niüssen, daß sie das Ausland nicht verletzen. Teilen Sie den Handwerkern mit, daß sie ruhig sein und sich nicht von den Worten von Leuten beeinflussen lassen mögen, welche nicht in der Lage sind, von den Entschließungen der Negierung Kenntnis zu haben. Trachten Sie, durch Ihr Betragen in der Zukunft die in der Vergangenheit begangenen Fehler zu verbessern." Die^ Delegation dankte dem Ministerpräsidenten für die erhaltene Antwort und zog sich zurück." Offenbar versucht das rumänische Ministerium neuerdings das Ausland irrezuführen, indem an das reaktionäre juden- und fremdenfeindliche Handwerkergesetz einige freundliche Ausführungsbestimmungen angehängt werden. Die ministeriellen Ausführungsbestimmungen ermangeln aber jeder legalen Basis, sie sind von den Vertretnngskörpern nicht beraten und beschlossen worden und können den materiellen Inhalt des Gesetzes nicht aufheben. Die Handelskummern brauchen sich um diese Aussührungsbestimmungen nicht zu kümmern. Reichsdeutscher Kries. (Epilog zur Posener Rede.) E r hattH wieder seinen Wochen-Speech gehabten, denn ohne diese,: müßte die „W!oche" auch in etwas anderem als in Loyalität machen und gar der „S i mp l i c i s s imu s" wäre in arger Verlegenheit, wenn nicht „g e r e d e t" oder „g e d r a h te t" würde. Diesmal wurde eine sogenannte „große" vom Stapel gelassen, aus welche die Welt schon wochenlang vorher präpariert wurde. In der Metropole rheinischen Frohsinns weilte ich, als mir die Abend-Ausgabe der „K ö l n i s ch e n" vom 6. September zu Gesichte kam, in jvelcher drei Spalten über die Polenrede geleitartikelt wird. Der einigerrnaßen unterrichtete Zeitungsleser weiß, daß die „Kölnische Zeitung" Hauptvertreterin des lendenlahmen, verkappt autisernitischen Nationalliberalismus ist und wenn es nach dem Herzen ihrer Leiter ginge, tvürde sie auch der: dünnen Schleier, der ihren wirklichen Antisemitismus verhüllt, je eher, je lieber, entfernen. Aber auf die zahlreichen jüdischen Inserate, auf die Verlobungs-, Vermühlungs- und Todesanzeigen der Herren Juden kann man nicht gut verzichten und in verschiedenen Bankengruppen sind die Israeliten auch noch maßgebend. Der österreichische Plenerlveit nicht die Vorurteile der Nassen, unter die sie geraten sind, slavisch-polnischc Galizier, Slavcn, Mähren, Rumänen, Serben, sie behindert haben, sich zu entfalten. Und so mag gerade der Judensriedhof von Prag, der geivissermaßen die westlichste Vorburg dieser jüdischen Wanderkultur ist, als Ausgangspunkt unserer Betrachtung gelten. Er lehrt uns in der Tat in recht lebendiger Anschauung, daß die Lieblingsvorstellung vieler Juden, sie stellten einen uralten Adel dar, sicherlich richtig ist. Denn hier sehen ivir sogar ihre Wappen aus den alten hebräischen Grabsteinen; wir sehen, daß uralte Traditionen aus Makkabäerzeiten auch Namen eines Heldenadels sogar unter diesen Zwischensiedlcrn erhalten haben, die Zeitweilig freilich nur zum Handel zugelasseu waren. Wir erinnern uns an solchen Grabmäleru der Rabbiner unmittelbar, daß auch uralte Intelligenz östlicher Völkerschaften sozusagen ihr geistiges Hab itnb Gut, ihre Wissenschaft und Dichtung ans die Wanderung in jenen Zustand der Zwischensiedlerschaft mitnahm, von den: ivir noch mehr 31t sagen haben. Die Traube auf den Rabbinersteinen zeigt uns, daß alte biblische und im Talmud weitergeführtc Vorstellungen lebendig blieben, denn die alte Weisheit verglich sich selbst gern mit einem Weinstock und seinen Früchten, sogar der Rabbi von Nazareth nannte sich den „Weinstock" und seine Schüler die „Reben". So blieb auch die Rabbiner-Traube Symbol taliuudischer Weisheit. Die Wanderknltur brachte es ja auch mit sich, daß man hu Talmud sozusagen die Enzyklopädie aller Wissenschaften beisammen hatte, um sie nebst den heiligen Schriften geivissermaßen iinmer reisefertig bei sich zu führen. Und so führt uns auch die alte Synagoge von Prag anschaulich in den Zusammenhang dieses Lebens. Eine alte Sage ivill diese Alt-Nenschule, ivie der Synagogeudiener zu erzählen pflegt, von Flüchtigen aus dem eben erst zerstörten Jerusalem gegründet sein lassen; jedenfalls sehen ivir hier sehr alte Geräte aus den: ztvölften, ja noch früheren Jahrhunderten und können den Faden einer eigentümlichen Kiiltursprache zurückknüpfen bis zu altjerusalemischen und babylonischen Ausgrabungen. Die Fahne aber von 1648, ivelche den Prager Inden vom Kaiser Ferdinand dem Dritten für ihre Tapferkeit bei Belagerling der Stadt gestiftet ivard, muß man noch in der ölten Schule sehen, um manche »vestliche Vorurteile schon hier niederzulegen." Jüdisches Volksblatt Wurmbrandismus ist der unverfälschte Doppelgänger des deutschen Natiollallibcralisiilus, nur gibt es unter den deutschen Nationalliberalen noch eingesprengte, ivaschcchte Agrarier und, je nach der geographischen Lage, drapieren sich die Parteiorgane mit großkapitalistischem oder agrarischem Mäntelchen. Die „Kölnische" ist bekanntlich die klassische Vertreterirr der rheiirischen Großindustrie rnit etlvas agrarischem Arabesk. Wer mit beit Verhältnissen in Preußisch-Polen respektive der Provinz Posen vertraut ist, weiß, daß die Bevölkerung aus Polen, Inden und a u ch Deutschen, letztere zumeist Beamte und, seit einiger Zeit, zugezogencn Handlverkern besteht. Wie in allen gemischtsprachigen Ländern ist auch hier der Jude zwischen zwei Puffer eingeklemmt. Von der Bevölkerung, also hier der polnischen, lebt er, und nach „Oben" hin, wenn es sich um Wahlen handelt, soll er deutsch bis ins Mark sein. Folgende Sätze aus dem Schatze der „Kölnischen" sind für uns zu köstlich, als daß wir sie nicht als Ausgangspunkt unserer Besprechung benützen sollten. „Aber er läßt auch keinen Zweifel darüber, daß in Posen nur Raum ist für preußische Staatsbürger, seien sie nun deutscher oder polnischer Zunge, und daß cs eine Pflicht traditioneller Sclbstcrhaltung ist, dafür zu sorgen, daß diese Provinz gut preußisch und gut deutsch bleibe." Eine Provinz, die nie deutsch w a r, soll also gut d e u t s ch bleiben. Gegen das „gut preußisch" wäre ja nichts einzuwenden. Aber überall ist es die preußische Gewaltpolitik und sehen tvir uns aus der Landkarte an, was alles preußifizicrt wurde, so weiß jeder Gymnasiast, daß gerade die allcraktivsten Provinzen, also Hannover, Nassau mit Frankfurt, Westfalen, Kassel und die vielen mediatisierten Duodezstaaten, Schlesien, Posen und Schleswig-Holstein an die „märkische Streusandbüchse" „gepruht" ivurden. Oesterreich — tvie immer der „Gelämmerte" — holte 1864 die Kastanien aus dem Feuer, wurde vom guten „deutschen Bruder" stets übers Ohr gehauen und der nächste Handelsvertrag dürfte wieder Riemen aus unserem Fleische schneiden. Leider haben tvir deutsche, tschechische, polnische, aber keine ö st e r r c i ch i s ch e n Staatsmänner. Gerade jetzt könnte sich ein w i r k l i ch ö st e r r e i ch i s ch e r M in i st e r bei der ganzen Bevölkerung die größte Popularität verschaffen, verstünde er es, bei der Erneuerung der Handelsverträge, hinüber zu rufen: Die Wurzcrei hat einfür allemal ein Ende, denn Ihr habt uns tveit nötiger, als wir euch. Hundert Jahre sind ins Land gegangen und noch immer ist Posen nicht gut deutsch, denn wozu brauchte sich dann die „Kölnische" folgenden Satz zu leisten: „Der Appell des Kaisers an die Einigkeit aller Deutschen soll und darf nicht ungehört verhallen, denn hier ist in der Tat einer der Punkte, an denen mit aller Kraft eingesetzt werden muß. Unter denen, die sich in den Ostmarken als Deutsche fühlen, darf es keine. Unterschiede geben, weder politische noch religiöse. Das Hemd ist uns hier näher als der Rock und wenn wir uns der polnischen Umschlingung erwehren wollen, so müssen tvir uns vor allem bewußt sein, daß wir als Deutsche fühlen und handeln und alles Beiwerk beiseite lassen müssen." Ja, liebe „Kölnische", da haben wir dich erwischt, wie du, wie die Kätze um den Brei gehst. „Beiwerk", ein sehr schönes Wort. Was heißt dieser ganze Satz allgemeinverständlich übersetzt: In Posen darf es keinen Unterschied geben, dort dürfen, ja sollen, ja müssen sich gouverncmentaliter die Juden als „Deutsche" fühlen, „darf es keine Unterschiede geben, weder politische noch religiöse." O, du Schelm! Das glauben wir dir recht gerne, bist aber zu feige, um den Appell direkt an uns Juden zu richten. „Das Hemd ist uns hier näher als der Rock." Schau, schau! Und nun der Weisheit dritter Satz: „Wie f r a k t i o n s politische und „religiöse Verschiede n h ei t" die Deutschen nicht hindern dürfen, stets g e g e n die Polen zusammenzustehen, so darf sich auch der K a st e n g e i ft nicht trennend zwischen Volk und Beamte drängen, und wo ein chinesischer Zopf vorhanden ist, da muß er abgeschnitten iverdcn." Soll wohl heißen, daß die Herren Beamten in Posen, aber n n r in Posen, etwas volksfreundlicher sein mögen. Wer die Dünkelhaftigkeit der niedrigeren Beamtenkätegorien kennt, wem die Korporalisierung Preußens bekannt ist, wer nur jemals in Bayern, Württemberg war und den fabelhaft krassen Unterschied gesehen har — nnd es geht dort auch, im wirklichen deutschen Urlaub — der weiß, daß dieses Uebel deshalb nicht ausznrotten ist, weil es zum ganzen preußischen System gehört. Man kann, ohne dementiert zu werden, ruhig behaupten, daß es in den meisten Städten Posens, ohne Juden, fast keine Deutschen gäbe und tvelche Behandlung mußten und müssen sich die Juden gefallen lassen! Hat man vom Empfang des Rabbiners der jüdischen Kultusgemeinde gelesen? Hat irgend ein Repräsentant des Judentums einen Orden bekommen, ivo doch sonst an verschiedenen '„Adlern" nicht gespart ivird. Wurde eine Synagoge besucht, hat man auch unserem alten Judengotte die Ehre erlviesen, sich von seinem Priester „benschen" zu lassen? Stumm blieb der deutsche Bkätterivald. Ja, Kaiser Friedrich! Der ging noch in die Synagoge. Drum ihr Juden, ivo ihr auch seid, euer Los ist nirgends zu beneiden. Schon lesen wir, daß polnische Blätter gegen die — Juden nicht gegen die Deuts ch e u hetzen, denn das sind dort die Deutschen. Von der polnischen Bevölkerung sollen sie leben und von der Regierung werden sie zur Germanisierungspolitik angetrieben. Dafür streichelt man euch in der „Kölnischen", oder es kommt das unverschämte Dementi, daß ihr darunter gar nicht gemeint wäret. Daun desto besser. Es existiert ein Verein der jüdischen deutschen Staatsbürger, der den Kampf führt, daß man den Juden ihr deutsches Nationalgefühl glauben soll. In Posen glaubt mau zwar auch nicht daran, da man aber zu wenig Deutsche hat, hält man sich an die Inden. In gemischtsprachigen Ländern hat der Jude vollständig passiv zu bleiben, denn keine Nation erkennt ihn an, jede will ihn nur als Stimmvieh benützen. Die Liebeswerbungen bei den Juden, gehen stets zu deren Schaden aus. Jude! Deine Rechte stehen aus dem Papier, der tote Buchstabe lvird noch immer nicht lebendig i und du läßt dich noch immer verblenden. Tausende Juden kämpf- 12. September 1902 Seite 3 teu 1870. Der Generaloberst von Loe drückte ileulich in Bonn einem jüdischen Husaren-Veteranen, der sich das ciferne Kreuz gewiß tapfer erstritt, die Haild. Seine diesbezüglichen Worte gingen durch die ganze Welt. Für Deutschlands Ehre darfst dil kämpfen und bluten, das erlaubt dir Frau Germania, aber — Sekondlieutenant kannst du ilicht lverden, du bist ja nur ein —■ Jude< Dafür bist du in Posen höflichst eingeladen, aus voller deutscher Brust zu rufen: „Ich bin ein Preuße, kennt ihr meine Farben!" N a ch s ch r i f t : Gerade ivill ich den Artikel schließen, fällt mir noch die „.Kölnische" vom 0. ds. in die Hand. In einem Nachivvrt bespricht sie nochmals die Posener Tage uild ergeht sich folgendermaßen: „Das Bild, das die Stadt während der Kaisertage darbot, ivar die beste Bestätigung für ihren deutschen Charakter und eine Widerlegurlg der voll deutschfeiildlicher Seite aufgestellten Behauptung, daß Posen als polnische Stadt ailzuschen sei." Na also! Da haben ivirs. Wir wissen ja, wie man mit eillem leisen Wink die begeisterte Hurraystimmuug Hervorrufen kann und ausgestcckte Fahilen Posen sofort zur deutschen Stadt machen, nur hat die brave, protestantisch-jesuitische „Kölnische Zeitung" cs ruhig verschiviegen, wer, während dieser Festtage, der Stadt das äußere deutsche Gepräge aufgedrückt hat. Sehr eiilfach! Die Posener Juden, die alle ihre Geschäfte in den Hauptstraßen haben und sich recht ordentlich hcrausgeputzt haben. Also für vier Wochen sind die Posener Juden Deutsche von „Kölnischer" Giladc und dann sind sie, ivie sich die „Feinen" ausdrücken. bloß Jsraekiteil. H c i n r i ch I e m a n d. Wien. (Jüdischer Schulverein für den IX. Bezirk.) Am 2. September haben die Einschreibungen in der Schule dieses Vereines begonnen. Die vorjährige Tätigkeit dieses Vereines und seiner Schule bietet die Gewähr dafür, daß sie auch in diesem Jahre den Anforderungen der Eltern vollauf entsprechen werde. Bei der Schlußprüfung am Ende des vergangenen Schuljahres haben sowohl die Vertreter der Kultusgemeinde und anderer Korporationen, als auch die ( Eltern der Schulkinder ihr Lob über die Leistungen dieser Anstalt unumwunden ausgesprochen und dieselbe den jüdischen Eltern aufs wärmste empfohlen. Anmeldungen für den Beitritt in den Verein, sowie für die Aufnahme von Schülern werden im Schullokale, IX., Seegasse 7, entgegengenommen. Privatschule für Religionsunterricht des Vereines „Ädaß Jisroel" (Schiffschul). Das Schuljahr beginnt Mittwoch den 17. September. Einschreibung im Schullokale II., Kl. Pfarrgasfe 12: Freitag 12. September 10—12 Uhr vorm, und 2—4 Uhr nachm, und Sonntag 14. September 9—12 Uhr vorm. Ausgenommen werden Knaben und Mädchen von 7—14 Jahren. Der Vorstand. Vergnni als Sittenrichter — wer lacht da nicht? Vergant unternahm wieder einmal einen Sturm auf eine jüdische Bank, aber diesmal wurde er nicht nrit Pauschalien abgefertigt, wie es bei den auchjüdischcn gewöhnlich geschieht. Das „D. V." bringt nämlich in seiner Mittwoch-Nummer eine völlig verlogene Geschichte von Bauchjuden, die einen dicken Bauch und Goldketten a la Vergani haben. Dann kommt eine Kreditgeschichte vor, in der angeblich der „Jüdische Volksverein" eine Rolle spielt. Dies ist eine vollkommen aus der Luft gegriffene Lüge, der „Jüdische Volksverein" hat sich nie mit Darlehensgeschäften beschäftigt. Vielmehr hat der saubere Herr, der als Jude zum „D. V." lief, einen Kredit bei dem mit dem „Jüdischen Volksverein" in keinem direkten Zusammenhänge stehenden „Kreditinstitut für jüdische Gewerbetreibende und Beamte" angesucht. Dieses Gesuch machte seinen ordnungsmäßigen Weg durch und die Zensoren beschieden auf Grund der eingeholten Informationen das Gesuch abschlägig. Dies ist der ganze Sachverhalt. Es wundert uns allerdings nicht, daß das „D. V." sich darüber ärgert, daß die Leitung des Instituts gewissenhaft mit dem Genossenschaftsvermögen verfährt und es nicht nach dem leuchtenden Muster verschiedener Wiener christlichsozialer Genossenschaften einfach vergeudet; das „D. B." ärgert sich, daß das Kapital nicht einfach gestohlen wird, wie die Gemeindeobligationen in Mühldorf unter dem Bürgermeister Vergant. Man weis? ans dem Prozeße Wolf-Vergani, wie das geschah. Das Kreditinstitut wird aber sich weder durch Drohungen noch durch Erpressungen von dem durch das Statut und dem Gewissen vorgeschriebenen Wege, auf dem es schon vielen geholfen hat, abbringen lasse». Das „D. V." stellt sich, als ob es sich wundert, daß von jedem Kreditsucher eine Jnformationsgebühr verlangt wird, als ob das Gesetz dies nicht vorschriebe und als ob nicht deutsche, polnische und italienische, klerikale und liberale Genossenschaften diese Gebühr einheben würden, die b e k a n n t l i ch n i ch t z u - g u n ft en d e s K r e d i t i n st i t u t e s verfällt, son d e r n an die betreffenden I n f 0 r m a t i 0 n s b u r e cr u s ansbezahlt ivird; es ist daher begreiflich, daß diese Gebühren, die entsprechend gebucht werden müssen, nicht zurückerstattet werden können. Das weiß auch jeder Kaufmann und jede andere Pose ist einfach Heuchelei. Das lveiß auch das „D. V.", das von unterschiedlichen Banken und K r e d i it i p st i!t ut e iv P n u s ch a l i e n n i m m t, ohne sich jemals auch ganz leise darüber anfzuhalten. daß auch der Abgewiesene Jnformationsgebühren bei ihnen zahlen muß; wir sind auch überzeugt, daß, wenn das „Kreditinstitut für jüdische Geiverbetreibende" ihm eine Pauschale zahlte, es auch an ihm nichts auszusetzen fände. Das „D. B." rempelt bei dieser Gelegenheit auch das «I. V." an, das mit dem „Kreditinstitut ebenfalls in keinem Zusammenhänge steht, als ob das „D.V. " nicht dasselbe öfters wörtlich zitierte, allerdings,nicht ohne es manchmal zu fälschen oder einfach die Quelle zu verschweigen; ein Parasitismus, der ganz zu dem sonstigen geistigen Niveau des P a n s ch a l i e n b l a t t e s paßt.

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