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Jüdisches Volksblatt · 1902-09-05 · 36 (5.9.1902) · p. Seite 5

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
4 (1902)
Issue
36 (5.9.1902)
Date
1902-09-05
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 36 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 5. September 1902;i f eleganten Schreibnecessaire. Reizende Mädchenblüten bildeten am Festplatze, rechts nnd litilg Dom Grundstein, eine nicht herrlicher zu findende lebende Guirlande. Kurz nach Dier Uhr nachmittags fanden sich am Festplatze ein: der Vorstand der Unterstädter israelitischen K'nltnsgeineinde mit seinem Vorsteher Herrn Aosef Kellner, das Komitee zur Förderung des Tcmpelbaucs mit semem Obmann Herrn Dr. Oskar Kohlbach, Baumeister W. C. Hofbauer, städtischer Ingenieur M. Kraust usw. Beim Eingänge zum Festplatz begrüßten die ankonnnenden Festgäste Vizeborsteher G.-R. Franz Kist und die Mitglieder des Fördernngskomitccs, die auch das Arrangement des Festes besorgten. Bald nach dreibiertel 6 Uhr nachmittags erschienen auch die ersten Festgäste, nachdem schon zuvor eine Abteilung der Unterstädter freiwilligen Feuerwehr und der kroatische Gesangs- Verein „Lipa" erschienen tvaren. Unter den Festgästen bemerkten wir: Se. Exzellenz Divisionär FML. Alfred Edlen v. Matt, den k. uug. Landwehr-Brigadier Oberst Felix Kcmenovic, Platzkommandanten Major v. Nun und mehrere Offiziere, Pastor Josef Pindvr, Präparandie-Direktor Felix Barnusie, Professor Wilhelm Rvschendorfer in Vertretung des Direktors des königl. Realgymnasiums, den städt. Sekretär Stjepan Vallo, die Gemeindcräte Altgayer, Grau, Grcger, Heim, Mestarovic, Milosevic, den Sekretär der slavonischen Lnndivirtschaftsgesellschaft v. Jli, eine größere Abordnung der Oberstädter israelit. Kultusgemeinde unter Führung Dr. Mosin Kleins, der Knltnsgemeinde Darda unter Führung Samuel Nikolsburgers, des Ober- und Unterstädter israelitischen Frauenvereins unter Führung der Damen Friedericke Bauer und Therese Obcrsohn, des katholischen und serbischen Frauenvercins, die Vertreter der Oberstädter und Unterstädtcr „Hrv. gradj. eitaonica", soivie der Unterstädter Suppenanstalt, die Herren Spigclski, Hestern und Stanetty, ferner den Oberkommandanten und Kommandanten des Unterstädter freiwilligen Fenerwehrbereines Josef Kaltuecker und Ed. Koller. Kurz vor 6 Uhr fuhren vor dem Festplatze königl. Rat Bürgermeister Grass mit dein Stadthauptmann Eugen Gayer und bald darauf Obergespan Levin v. Chavrak mit dem Komitatsseköetär Zvonimir Zepic vor. Stürmische Zivio-sttufe durchbrausten bei deren Ankunft den Festplatz. Nachdem die Dignitäre ihre Platze eingenommen, begann sofort die Zeremonie mit dem Vortrage des Psalmes „Adonaj adonenu, moadir schimcho" durch Oberkantor Marcus Friedrach, mit Harmoninumbegleitung. Anslaud. ihre Tätigkeitsberichte eingesandt haben, so wird sich in nächster Zeit schon ein ziemlich klares Bild von der Lage des Zionismus in Rustland geben lassen. Minsk!var deshalb zum Ort des Kongresses gewählt worden, weil die Stadt im Zentrum derjenigen Ortschaften liegt, in denen der Zionismus die gröstte Verbreitung gefunden hat; außerdem gehört der Zionistenkreis in Minsk zu den wohlhabendsten. Der Kongreß hatte sich mit folgenden sieben Fragen zu beschäftigen: 1. Organisation des Zionismus in Rußland: Berichte der Bczirksbcvollmächtigtcn und ihrer Gehilfen; Rcchenschaftsablegung der zionistischen Gemeinschaften; Protokolle des Zentralkomitees, Bildung eines aLndeskomitees und eines Bureaus, durch dessen Vermittlung die Gemeinschaften siel^ über ihre gegenseitige Tätigkeit unterrichten können und Organisation von Bezirkskongressen. 2. Bildung eines nationalen Fonds: Ausarbeitung eines Modus für die Sammlung freiwilliger Spenden. 3. Die Jüdische Nationalbank: Verbreitung der Aktien derselben. 4. Kultur: die kulturelle Tätigkeit der Zionisten, Hebung des intellektuellen Niveaus der Juden, populäre Vorlesungen, Bibliotheken und Lesehallen, Verbreitung von Büchern in hebräischer Sprache über die Geschichte der Juden, Referate der Vertreter der, Gemeinschaften, über deren Tätigkeit auf diesen Gebieten. 6. Die wirtschaftliche Lage der Zionisten: Verwendung der Geldmittel, Landkauf in Palästina und Unterstützung der Komitees. 6. Kolonisation Palästinas: Erörterung der Frage hinsichtlich best Verhaltens der Zionisten zu dem m Odessa bestehenden Unterstützungsverein für jüdische Handlverker und für die Landwirte in Syrien und Palästina. 7. Agitation: Methoden der Verbreitung der zionistischen Ace; Maßnahmen zum Kampf gegen den Fanatismus und die Gegner der Bewegung. — Zum Kongreß tvaren etwa 400 Teilnehmer erschienen. Für den internationalen Orientalisten Koni greß, der vom 4. bis 10. September d. I. in Hamburg versammelt sein wird, ist die Teilnahme einer großen Anzahl namhafter Gelehrter ans den verschiedensten Ländern an-( z gekündigt, auch werden sich die Regierungen Oesterreich-Ungarns, j des Deutschen Reiches, Rußlands, Frankreichs und anderer, Staaten auf dem Kongresse offiziell vertreten lassen. Das Pro- , gramm des Kongresses ist das folgende: 4. September abends: Begrüßung; 5. September, Vormittags: Eröffnungssitzung, j nachmittags: Sektionssitzungen abends: Festlicher Empfang durch den Senat; 6. September vormittags und nachmittags: Sektionssitzungen; Festoper im Hamburger Stadttheater; 7. September: Vergnügungsfahrt durch den Hamburger Hafen, auf der Elbe und eventuell auf der Nordsee; 8. September den meisten Kolonien sei der Gesundheitszustand durchaus befriedigend. Für die russischen Juden. Der Untorrichtsmimstcu hat die im vorigen Jahre erlassenen Bestimmungen über die Aufnahme von Inden an deir Universitäteir Warschau und Odessa, soivie am Rigaer Polytechnikum a n f g e - Hobe n. Für diese Hochschulen gelten jetzt wieder dieselben Bestimmungen wie für die übrigen Hochschulen, während die 1901 für die genannten Anstalten erlassenen Bestimmungen die Zahl der Inden herabsetzten. Aus aller Welt. Wie mtigcteilt wird, weilt Drcvfus mit seiucr Familie jetzt in Nicmport-Bains, einem , schönen Villenort bei Ostende. Drcyfus hat mit Vorliebe dieses stille Seebad aufgesucht, denn es ist begreiflich, daß er nicht gern dem großen Publikum als Kuriosum dienen will, trotzdem ihm in Belgien alle sympathisch sind. Herr Hadamard, sein Schwager, weilt in Ostende und besucht täglich den unglücklichen Hauptmann mit dessen Familie. Drcyfus hat sehr gealtert. Ein Diamantenhäudler aus Antwerpen hatte Gelegenheit, mit der Familie Dreyfns in Niemport, zusammenzutrcffen. Er behauptet, er hätte in keiner Familie ein derartig rührendes Zusammenleben getroffen. Ein großer Kummer ist für Drcyfus seine Rehabilition, die er bis heute nicht erlangen konnte. Er liest die hauptsächlichsten Artikel, die über seine Affäre geschrieben wurden. Dabei hat er ausgerechnet, daß er 107 Jahre lesen müßte, um von allem, was über die Affäre geschrieben wurde, Kenntnis zu nehmen. — Das erstemal nach dem berühmten Friedenskongreß tagte wieder eine Versammlung im Haag, um über einen Streitfall zwischen den Vereinigten Staaten und Rußlands betreffs der Fischercirechtc im Behringmeer zu entscheiden. Der Schiedsrichter!var der holländische Staatsrat Tobias M. C. Assar, welcher auch als Delegierter für Holland am Friedenskongreß teilnahm. — Herr Josef Spitzer, der bekannte jüdische Schriftsteller in Budapest, gab ein Werk unter dem Titel „Das Leben des größten ungarischen Staatsmannes Kossuth Lajos" heraus. — Zolas neuestes Werk „Verite" (Wahrheit) wird im Herbst in Paris erscheinen. Die „Westminster Gazette" schreibt, daß Zola in dem Buche den erzieherischen Einfluß der Kirche in Frankreich behandelt. Das Werk wird auch eine Verteidigungsschrift der französischen Juden sein. Trotzdem Namen nicht genannt werden, spielt die Dreyfus-Affäre darin eine große Nolle. Einer der Charaktere, unzweifelhaft ist Kapitän Drcyfus' Bruder Mattsten gemeint — in Zolas Werk der Bruder eines jüdischen Lehrers —> spielt die Rolle eines Monsieur Lccocq oder Sherlock Holmes. — Baron Alfred von Rothschild in London hielt letzte Woche Lord Roberts zu Ehren ein großes Fest ab. Unter den Anwesenden Reichsdeutsche Antisemiten. Neuerdings hört man wieder ab und zu etwas von der antisemitischen Partei oder richtiger den antisemitischen Parteien. Auch der berühmte Ahlwardt ist wieder aus der Versenkung emporgetaucht und hat sich in Ponunern gezeigt. Es scheint, daß sein alter Wahlkreis von ihm nichts mehr wissen will und daß er sich azormittaas: Plenarsitzung, nachmittags: Sektionssitzungen,! waren General Lukas Meyer, Prinzessin Plcß, der Maharaja von nach einigem Hm- und Herzerreu zu einem Verzicht ans "lie. ^cmgslose Zusammenkunft im Restaurant Alsterlust, e°ocr} 93e^ar' P^nz Franz von Teck und sonstige hohe Würdenweitere Reichstagskandidatnr in ihm hat bewegen lassen. Als frs' °f91 * TT L jrrSJi träger. - Signor Lazzaro Sacerdote in Rom wurde aus Anlaß Eutschädiannn soll iw» die Kandidatur im Kreise Reu-Ktettin > verbunden mrt eurem Korso auf der Alster, 10 September! s^ncs Rücktrittes aus dem Ministerium mit dem Orden des St. i J t s , , oj r .! vormittags: Plenarsitzung nachmittags: Abschledsbankett.; Moriz und St. Lazarus ausgezeichnet. — Die Herren Feinberg, augeboten worden se-n, und zwar von der sogenannten Zieformj . che ' um Wohnungsvermittlungen sind an Herrn Dr. H.! Warschawsky und Bak, Vertreter der Gesellschaft zur Errichtung partes dlvon dein Drcigesür» A h l n> a r dt, Graf P u cf l-r> Hamburg '7, zu richten. Anmeldungen von Bor-! bon sanitär-» Wchimug-u kamen in Bobruisk mit 100 000 Rubeln und Brüh n beherrscht wrrd. Bruhu rst der Herausgeber , .. .. , v ,r 7.^.. iS i o u 1 I- C. A. an. Acht große Stemhauser sollen von dem Gelde der antisemitischen Staatsbüraerreituna" der rnr Zeit den-ragen sind an den Generalsekretär Herrn Dr. F. Sre vegebaut werden, die Wohnungen und Läden enthalten und zum drr ttiit'semiulcheil „tz-taaisvurgerzettung der zur ZM De,ifi Hamburg, Börse,lbrücke 2, zu richten. Selbst beziebbar sein fasten. — .Herr Albert Salab-ehtschik, der Ruhm des Dreschgrase» Puckler g-schuftüch m,s,chl°chtet, J a. i '’ ' „„itutA.*, Gründer und Direktor der Sibirischen Bank in St. Petersburg, l Septemver D I. sinoer ern iurrsltscyer der jüdischen Gemeinde zu Krementschug, wo er mehrere Jahre Kongreß in Petersburg statt. Der bekannte Rechts-. lang wohnte, 40 000 Rubel vermacht. Die Gemeinde beabsichtigt, lehrer Franz v. Liszt, der an der Spitze steht, wandte sich! die Summe zum'Bau eines Arbeits- und Schlafhauses für arme rechtzeitig an das Petersburger Lokal-Komitee, in dem sehr! einflußreiche russische Staatsmänner sitzen, bezüglich der Pässe für die jüdischen Juristen, die aus Deutschland zu dem Kongreß kommen wollten. Nach längerer Zeit erhielt er die Mitteilung, daß es gelungen sei, die Reiseerlaubnis für die jüdischen Mitglieder des Kongresses zu erwirken, aber nur für und sich auch zu Roß an den Kavalkaden beteiligt, die der Dreschgraf in der „Grafschaft Klein-Tschirne" veranstaltet. Dort wird bekanntlich jetzt für den Antisemitismus dadurch Propaganda gemacht, daß der Dreschgraf ulit seinen berittenen Gutsknechten in der Gegend hernmzieht ni d auf kleinen Stationen durchfahrende Eisenbahnzüge mit mnsiku'iischen Ständcben beehrt. Der andern antisemitischen Gruppe, den Herren F ö r st e r, Böckel und Mosch, scheint diese 51omvdie doch etwas zu viel zu werden und sie urteilen in ihrem Organ, der „Sachsenschau Konsistornlms der Judeu in der Türkei, wurde vom Suktcm mit dem großen Orden des Osmauie ausgezeichnet, einem der höchsten Orden des Reiches. — Am 26. Juni hielt der britische Konsul Amalek in Jaffa ein Fest zur Feier der englischen Königskrönung ab. Unter den Gästen waren die Schüler der Alliance Jsraelite- Schule nnd auch eine Anzahl armer Judeu. — Mr. Samuel Edward Shrimski, einer der ersten Kolonisten Neu-Seelauds, starb in folgender Weise über die neuen Staatsretter: „Die neue! Petersburg nnd Moskau und nur für sie selbst, nicht für ihre, am 25. Juni in Aucklmid. Mr. Shrimski, welcher seit vierzig politische Konstellation hat nach allem, was vorbergeaauaeu ist,! Frauen. Man hat sich deutscherseits mit dieser gütigen Er-! 'Jahren in Neu-Seeland lebt, wurde im Jahre 1828 in Posen geauch andere Leute überrascht. Aber das ist des Landes Brauch. laubnis nicht begnügt und in der That schließlich für alle borerc. Er war Mitglied des gesetzgebenden Rates in Neu-Seeland. Pack schlägt sicb. Pack verträgt sich. Da verloren." Die Herren müssen ja wissen, seitig eittznschätzen haben. Das hindert die heute so semdlichen Brüder bei der wieder zusammenstehen werden. Jüdische Sozialpolitik. Die Firma Gebrüder Brasch in Breslau hat in der Nähe von Warmbrunn im Rieseiigebirge für ihre Angestellten ein Erholungsheim aufgebaut, dessen feierliche Einweihung am letzten Sonntag stattfand. Man kann nur wünschen, daß gleiche oder ähnllche Fürsorge für die Angestellten auch seitens anderer jüdischer Unternehmer betätigt würden, damit sich noch deutlicher zeige, daß auch im sozialeik Empsinden gerade der jüdische Kanfmanusstand anderen vorangeht. Bernard Laznre, der kühne Streiter und Verteidiger der Freiheit und des Rechtes, bereitet euieu Korigreß für die rumänischen Jude» vor. Die edlen Männer, die sich so erfolgreich für die Unschuld Dreyfns' einsetzten, lvie Trarienx, Pressense, Janres, Zola nslv. haben bereits ihre Teilnahme zugesagt. Nachdem auch die Teilnehmer a>n „Kongreß für Arrnenien" erklärt haben, das; sie gerne Protest erheben gegen die rumänische Barbarei, dürfte ein zllmindest moralischer Erfolg des Kongresses nicht ausbleiben. In der rumänischen Armee, lvelche im ganzen 65 000 Mann zählt, dienen 2030 Inden, gleich biereinhalb Perzent. Es ist dies das richtige Verhältnis zur Gesanltbevölkerung. Es dienen im 1. Arrneekorps 77, im 2. 608, im 3. 651, im 4. 1614, ferner in der Dobruschner Kriegssektion 112, bei der Bllkarester Festmigsartillerie 4 und bei der Kriegsmaririe 10 Israeliten. i Die „Karlsruher Zeitung" vom 24. Augrlst b. I. bringt unter Verleihungen folgende MitteiUmg: Dem Mitgliede der Freitv.illigen Fenerivehr in Siiisheiin, Handelsmann Wolf Schere r, ivnrde das Ehrenzeichen für vierzigjährige treue Dienste bei der Freitvilligen Feuerlvehr verliehen. Dresden. Nach den Veröffentlichtlngen des statistischen Buremis sind bei der letzten Volkszählung in Dresden 3059, in Leipzig 6314, in Chenmitz 1107, in Plauen 208, in Annaberg 110 und in Zittau 114 Juden festgestellt lvorden. Während bei der ist Hopfen und Malz Theilnehmer des Kongresses, auch für die jüdischen, die Zu^ wie sie sich gegen-! sicherung der Reiseerlaubnis für das ganze russische Reich ernatürlich nicht, daß; wirkt. Man sieht also, wo ein Wille ist, ist auch ein Weg — nächsten Gelegenheit' selbst in Rußland! So schreibt das „Beliner Tageblatt". Nur A'inen Staat läßt diese Erlaubnis kalt, das ist Rumänien; denn hier dürfen die Juden keinen akademischen Beruf, also auch nicht die Advokatie ausüben. Wenn aber das „Berliner Tageblatt" meint, wo ein Wille ist, dort ist auch ein Weg, so scheint bei der Wiener liberalen Tagespresse kein Wille zu sein, für jüdische Rechte einzutreten, denn sie finden nie den Weg. Die Lage der palüstineusischen Kolonien. Das Odessacr Komitee der „Choiveive Zion" entsandte den Herrn Jakob Ettinger nach Palästina, um über die Lage der Kolonien gu berichten. S. Hillels berichtet im „Hameliz" über eine Unterredung mit Ettinger folgendermaßen: Ettinger teilt nicht den Pessimismus, der jetzt in Bezug auf die Zrikurrft der palästineusischen Kolonien rlnter den meisten Zionsfreundeir herrscht. Wohl seien folgenschivere Fehler gemacht worden und das Kolonisationswerk zum Teile auf morschen Gnmdlagen aufgebaut worden, allein dies berechtigte keineswegs zu der jetzt so beliebten Schwarzseherei und Resignation. Man inüsse bedenken, daß kaum zwanzig Jahre in der Geschichte einer derart großen nationalen und historischen Schöpfung gar nichts bedeuten und zu übertriebenen Prätensioneu kein Recht geben. Die Jnbestitiouen, die die verschiedenen Zionsfreunde in Zur wirtschaftlichen Lage der Juden in Galijien. (Eine Dupkik.) Herr Neichenberg aus Krakm: hat auf meine Entgegnung eine Entgegmlng geschrieben. Das „I. V.", welches allezeit für jüdische Angelegenheiten seine Spalten offen hält, wird gestatten, daß ich noch diesmal darauf repliziere. Herr Reichenberg setzte voraus, daß ineinc Intention ehrlich!var, daß ich in guter Absicht handelte; er hat sich darin nicht getauscht, riud ich bin ihn: für diese loyale Anerkennung Dank schuldig, lind noch eins will ich voransschicken. Herr Reichenberg möge diese Zeilen nicht als Fehdehandschuh auseheu, nicht um eine Pole m i k handelt es sich mir, vielmehr will ich ihn als Gesiunungsgenvsscu betrachten, tvir verfolgen dasselbe Ziel, ivenu auch unsere Wege — ivie es scheint — verschieden sind. Ob meine Ansichten Jrrtümer enthalten, daran erlaube ich mir, unbescheidenerweise, zu zweifeln. Ich glaube den Juden und dem Judeickum kein Unrecht zci tun, iveun ich ihnen ihre Fehler Vorhalte, denn ich bin der Ansicht, daß gerade der gute Jude, dem das Wohl und Wehe seines Volkes am Herzen liegt, die Pflicht hat, alle Fehler aufzudecken, sie nachdrücklichst vorznhalten. und auf > den Kolonien gemacht haben, seien kein verlorenes Gut und rediese Weise eine Besserung herbeizuführeu. Ich bin der Ansicht, l präsentieren einen mindestens ebenso hohen Wert als das Geld,; daß eine Bemäntelung, ja nur eine Nachsicht sehr schädlich ist, da > das darauf verwandt tvurde, so daß absolut nichts verloren ist. ‘ dies eine Besserung für lauge Zeit ausschließt und unmöglich I Die Reformen, die Herr Ettinger in der Geueralversammlruig der macht. j Odessacr „Cholvelve Zion" vorschlagerl will, sind: Die Einführung i Dieses Leitmotiv hatte ich vor Augen, als ich uiich entschloß, einer guten Organisation zur wirtschaftlichen Selbsthilfe unter den > auf den Artikel des Herrn N. zu entgegnen-; ich tat dies ans! Kolonisten, die Begründung einer Kreditbank, die den Kolonisten 31t | innerstem Drange, und nach bestem Wissen rmd Gewissen. Das günstigen Bedingungen Darlehen gewähren soll, die Anleitung der Lebeic der. galizischen Jildeu, ihre Entwicklung (in negativem Volkszählung i. I. 1805 in Dresden die Zahl der Jriden sich gegen Kolonisten zu selbständigen Bemühungen zmn Ztvecke der Mie die Bolkszählcing von 1890 um 09 verringert hatte, tveist die letzte Zählung eine Znnahine von 512 mff. Diese Zunahrne des letzten Jahrzehnts steht aber noch bei jveitem nicht im Verhälticis zu dem Anivachsen der Gesamtbebölkerung, das inr Jahre 1890 0,96 Perzent betrug, im Jahre 1895 auf 0,76 Perzent zurückging und im Jahre 1900 sich nur auf 0,77 Perzent erhöht hat. Zionistentag in Minsk. Zum ersten allrussischen Zionistenkongreß, der vom. 22. bis zm>r 26. Arlgust in Minsk tagte, tvaren ans allen Gegenden des Reiches Vertreter des Zionismus erschienen. Selbstverständlich tvaren auch die verschiedenen zionistischen Gemeinschaften auf dem Kongreß vertreten, uird zwar die Geineittschaften in Kiew durch Dr. Maudelstamm, in Charkotv — ditrch Dr. Schljapvtschnikvtv. imb in Odessa — durch Dr. Awinotvizki. Da die Gemeinschaften dem Organisatiouskomitee bereits liorisativn ihres Boderis und der Vergrößerurlg ihrer Einnahmsquellen usw. Herr Ettinger ist entschieden gegen die Gründung neuer Kolonien unter den gegenwärtigen Uufftänden, hingegen sollte der Flächenramn der besteyerideu Kolonien durch Ankauf benachbarter Grundstücke vergrößert werden. Ueber den Stand des Schul- und Erziehuligswesens in den Kolonien äußert sich Herr Ettinger sehr befriedigt. Nahezu in jeder Kolonie sei Vorsorge getroffen, daß die herantvachseude Genemtiorc zu praktischen Landwirten herangebildet werde. Die Kenntnis der hebräischen Sprache verbreite sich voll Tag zu Tag. Die Nachrichten über die in einzelnetl Kolonien herrscherrden Krankheiten seien stark übertrieben. In Sinne) ist ein Gegenstand meines langjährigen Studiums; ich hatte Gelegenheit genug, mir dieses Leben und Treiben in allen Teilen des Landes, in den größere::, kleinen und kleinsten Probinzstädten aus der Nähe anzusehen und als ich meine Wahrnehmungen in der gedachten Entgegnung niderschrieb, lag mir jede Uebertreibung, jede Insinuation vollkommen fern. Herr R. bestreitet, daß der galizische Jude kulturell' rückständig sei, daß er kulturfeindlich ist, und führt zur Widerlegung an, daß jeder Jude hebräisch lesen urw Jargon schreiben kann. Ob dieser Unfftand :neine Behauptung zu widerlegen imstande ist, überlasse ich den: Urteile aller-Einsichtsvollen. Will aber Herr R. auch behaupten, daß jeder Jude in Galizien polnisch lesen und schrei-

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