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Jüdisches Volksblatt · 1902-09-05 · 36 (5.9.1902) · p. Seite 4

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
4 (1902)
Issue
36 (5.9.1902)
Date
1902-09-05
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 5. September 1902 Nr. 36 nicht in Dem Dimie und Geiste des Gesetzes, sollde.ru nach ihrem eigenen Willen einzurichlen. Die Umstülpung der genannten Paragraphen ist bekanntlich ein langgehegter Herzen.Swm.ssch Der antsisemiti sehen Parder gewesen', die, damit erzweckt batte, die gewerbliche Bewegungsfreiheit, die ja ohnehin seit der Aushebung der Gewerbefreiheit wesentlich eingeschränkt war, noch weit tief einschneidender einzuschränken. Wie alle seit der Aera des Antisemitisrnus erfolgten Gesetze, so ist auch die jüngste Gewerbegesetznovelle ein Tendenzgesetz in optima forma und darauf berechnet, Die Allerärmsten der Armen, die jüdischen Hausierer und Handeltreibenden, ans ihrem.Nahrungszweige zu verdrängen, sie dem Hunger und Elend preiszugeben rmd sie der Unterstützung der öffentlichen Mildtätigkeit aufzubürden. Tie österreichische Gesetzgebungsmaschine, ohne jedes eigene Selbstbewußtsein, blindlings folgend den Forderungen der antisemitischen Maffia, hat nicht die Kraft und den Mut besessen, irgendwelchen Widerstand zn leisten, und ist, dem von antisemitischer Seite ausgehenden Terrorismus nachgebend nnd sich beugend, noch weiter gegangen, als der Negierungsentwnrf gewollt hat. Das Gesetz wird daher mit seiner ganzen Wucht und Schwere die betroffenen jüdischen Geschäftsleute bedrücken und beschweren. Den antisemitischen Nadaubrüdern scheint jedoch an dem nicht genug. Säe verlangen vom Handelsminister, daß er die ohnehin bedrückende Tendenz des Gesetzes noch durch die Ausführungsbestimmungen verschärfe. Es ist ja bekannt, daß das beste Gesetz durch die Art und Weise der Handhabung zn einem unheilvollen verunstaltet werden kann, ebenso, daß das schlechteste Gesetz durch eine den^ Verhältnissen entsprechende Ausführung von den mchr'Frm,Kg begrüßen,' wenn den Wiener arischen Schuhmachern größten Schärfen entkleidet ZU werden vermag. Man ««s nw,7,7iw,7 m,k der» Sande .Silke aebracht wird. Der Sachdarf nun gespannt darauf sein, wie sich der Handels- ’ der jüdischen Verbindungen zum Durchbruche gelangen. Und ihre Tätigkeit in der Bukowina war bisher imb wird hoffentlich auch künftig von Erfolg fein. Zwar geht die Arbeit langsam vor such, aber sie schreitet fort. Bis die „Alten" sich ermannen werden, nntgltnn, wird bereits ein gutes Stück Arbeit geleistet sein. Die von der „Zephirah" in Czernowitz ins Leben gerufenen Arbeiterkursc erregten viel Aufsehen. Sie haben aber die Tätigkeit der wackeren jungen Leute durch schöne Erfolge belohnt. Die k. k. Landesregierung bat auch ihrerseits seinerzeit der „Zephirah für diese Tätigkeit in deii Kursen ihre Ancrkeniruug ausgesprochen. Und dag die jüdisch-nationalen Studenten ihr Studium nicht vernachlaistgen, darüber köiiiien ivohl die „dentschliatioiialen" Universitätsprofeßoren von Czernowitz die beste Auskunft geben. S. im August 1902. Schober. - Arische Schuster und jüdische Lederhiiudlcr. Der nieder-österreichische Landtag hat in seiner lebten Session die Einleitung einer großen Aktion zur Verbesserung der Lage des SchuhniachergelverbeS beschlossen und zu diesem Zwecke einen Betrag von 200 000 .Eronen unter der Bediugiiiig bewilligt, daß seitens der Negierung eine aleich hohe Sinnme iind seitens der Handelsiiiid Getverbekammcr ein weiterer Betrag voii 100 000 .Kronen für die einznleitendc Aktion bcigestenert werde. ES ist nämlich die Gründung einer genossenschaftlichen Nohstoffhalle geplant, an der sich alle in Niederösterreich ansässigen Schuhmacher zu beteiligen haben wurden. Bei einer vorige Woche stattgesundenen Versammlung der inederosterreichischen' Schuhmachervereinigungen im Rittersaale des niederöjterreichischen Landharises iviirde darüber beraten, ob der genossenschaftliche Einkauf des Rohmaterials durch eine zu errichtende Nohftoffhalle in Wien für ganz Niederösterreich zn bemerkstclligen iet oder ob es zweckdienlich erscheine, den Einkauf des Nohmaterials zu dezentralisieren. Wie nicht anders zu erwarten gewesen, wurde mit überwiegender Mehrheit beschlossen, in Wien eine Rohstoff- Halle zu gründen und Filialen in ganz Niederöstcrreich zu errichten. Die vom niedcrösterreichiscbeu Landtag für die Schuhmacher emgelertete Hilfsaktion ist als nichts anderes als eine Captatio benevolentra vor den bevorstehenden Landtagswählen aufznfassen. Bon unserem tandpunktc mis habeii ivir liichts dagegen, ivir werden es viel und ihren Genossen auf dem Lande Hilfe gebracht läge nach aber muß bezweifelt werden, daß es zu der geplanten minister creneni'tBer ben a nt i fern i t! sckie n Tvoirhenliiaen her-! Aktion überhaupt kommeil wird, denn sie ist derart eingeleitet» c aß mcnnrer Fegcnnoe^ oen ampennufwen ,H0>toeinngen ven Wahlfängerei allzu durch,ichtig zutage tritt, halten wird. Hoffentlich wird er )o viel Eharakterstarke | lcormtf mcm c§ ja überhaupt angelegt hat. Es muß weiters bebesitzen, diesen Forderungen Widerstand entgegenzuLringen. i zweifelt werden, ob die in Aussicht genommenen Rohstoffhallen zu Es ist durch dio b§rfalir'iina orbärtet herb alle ninschräalan--! iraendivelchem Erfolg führen werden, deiili derartige geschäftliche den wenn _ .. waren, noch immer dazu geführt haben, nicht nur die In- - ihren Zweck ivohl erreicht habender dahingcht, die Stimmen, den allein zu schädigen, sondern Handel und Verkehr im allgemeinen in ihrer Bewegungsfreiheit einzuschränken, derart, daß sich Oesterreich gegenüber allen anderen Staaten in einer kaum glaublichen wirtschaftlichen Nückständig- - empfindliche Konkurrenz erleiden müßten, das; sie , gezwungen keit befindet. Tendenzgesetze finjb immer zweiischneidig i wären, das Feld ihrer Tätigkeit zu raumen und' sich einen ane er LN und verletzen Freund und Feind. Schon die nächste Zeit i J^7Vi\b\fSmu° 2cbcrbanffer in Wim und in Niedcrösterreich rechtwird zeigen, wie sich der österreichische HandelsminWer in I zeitig vertraut machen. Druck erzeugt Gegendruck. Es würde sich hclfciid i NichtiNig fördernd kommen.! FH,' Tat 'zur Seite zu' stehen. Es Mils; vermieden werden, daß Bei der Wiener Polizei soll, wie die ,,Frkf. Ztg." schreibt, vom! wieder viele hundert jüdische Familien an den Bettelstab kommen französischen Ministerium das Ersuchen eingetroffen sein, den Auf-! und das; das ohnehin bei unseren Glaubensgenosten grasfrerenoe enthaltsort des „M e n e T e k e l U p h a r s i n" auszuforschen und j Elend noch weiter vermehrt wird. den Mann wegen gefährlicher Drohung zur Rechenschaft zu ziehen.! 0 ß w , fl „ _ f„ lr ,.. QrmiwmiSiYrim’ Steiner An die Adresse des Ministerpräsidenten Combes ist nämlich ein aus Komthurtreu z t. Landhaus,chirtz Stemer “■ - - ' ' ' •- Komthur des Franz Jo,cf - Ordens geworden. Wir Een vom 7. August datiertes anonymes Schreiben angelangt, in welchem ihm aus Anlaß der Schließung der Kongregationsschulen in Frankreich die freie Wähl zwischen einigen Todesarten, die ihm bereitet werden sollen, anheimgestellt und der Fluch des Himmels in sichere Aussicht gestellt wird. Ter Drohbrief schloß mit den bekannten Worten: „Mene Tekel Upharsin". Dieses „Individuum" soll nun von der Wiener Polizei ermittelt und verhaftet werden. Gedanken nach einer Tisch-beaw-Feier. Sollen jüdisch-natio ist haben nicht ohne Absicht diese Satzform gewählt, denn mnn könnte tatsächlich nicht behaupten, Steiner sei ansgezeichnet worden, weil man in Verlegenheit geraten würde, die Verdienste namhaft zu machen, die demselben eine so hohe Auszeichnung würdig erachten. Die Verleihung von Orden und Auszeich- . , uungen ist ein Recht der Krone. Wir Juden besitzen nicht nale Verbindungen ihren Wirkungskreis-auf andere ausdchnen oder ' st der'Satzungen des mosaischen Glaubens, sondern aup ihre Mitglieder beichranken t „lteoer Einladung des Vereiiies r - ' wird ein Mitglied der jüdisch-akademischen Verbindung „Zephirah einen Vortrag über Tifcha-beab halten." So war's angekündigt. Und das Angekündigte geschah. Nationales Interesse, Neugier, Spottlust usw. hatte die Gesellschaft der Zuhörer in die Synagoge zusammengerrifen. Jeder machte sich seine eigenen Vorstellungen von dem Vortrage, der endlich begann. Der Vortragende!veis; feine Sache gut zu machen und die Anwesenden hören ihm aufmerksam zu. Endlich ist er fertig. Man beglückwünscht ihn und drückt ihm die Hand. Man bewundert seine Gabe, die Geschichte so fesselnd darzustellen. Die große Mehrzahl der Zuhörer ist entzückt. Ein altes Mütterchen in der Weiberschule bittet die am Gitter stehenden Damen, ihr den Platz für einige Momente abzutreten, damit sie den jungen Mann, der so herrlich gesprochen hat, einmal wenigstens auch sehen könne. Aber cs gibt auch Leute, die niemand ringeschoren lassen. Man hört da allerlei „Aber". Der eine meint: „Er hat aber das meiste dem Grätz eirtirommen." Sein Nebenmann, der diese Bemerkung nicht hörte, sagt: „Aber der junge Mann Grund dieses Programmes auch gewählt worden. Jir Betreff der scheint ja den Grätz gar nicht gelesen zri haben, sonst würde sein Ji,dcnhetze rmd Judenfeindlichkeit steht er den Schneider, Gre- Vortrag anders ausge,allen ,ein.,. Und ,o fort. Ern „Aber" ist mrr , . . f . ... e.. jedoch aufgefallen nnd wunderte es mich anfangs, daß man auch ein ^trobach m uuhw nach, wenn cn ev auch für solches ins Feld führt. Dies ist aber ernsterer Natnr nnd wurde! klug befunden hat, sich in der Form der Betätigung seines gerade von Leuten^ vorgebracht, über deren Meinungen man nicht, antisemitischen Glanbensbekenntnisses einigeMäßigung aufzuerlegen, immer sich hinwegsetzen kann. Man ließ und läßt nämlich wie-j Hi,,bä^ darauf, das; sich die. dem Steiner gewährte Auszeichnung als ein Akt derPolitikderRegierung erlveist, erachten!vir cms für berechtigt, uns mit derselben zu beschäftigen, Wir besitzen die Freimütigkeit, die neueste Tat des Ministeriums Koerüer mit aller Entschiedenheit zu mißbilligen und dieselbe, aU einen gegen die Inden gerichteten Affront anfs schärfste z»i verurteilen. Noch ist es nicht bekannt/ auf welche Motive hin sich Ministerpräsident von Koerber veranlaßt gesehen hat, der antisemitischen Nadaupartei in der Person Steiners ein Schönheitspflästerchen zri applizieren. Man geht tvohl nicht fehl, diesen neuesten Liebesdienst darauf zurückzuführen, daß die Regierung sich mit der Absicht trägt, das in bedenkliches Wanken geratene antisemitische Regime zu pölzen, die unaufhörlich frondierenden antiseinitisehen Radaubrüder Zli kaptivieren und vor den bevorstehenden Landtagsivahleii für das antisemitische Gesindel Stimmung 31t machen. Gegen einen solchen Vorgang müssen ivir jedoch mit allen iins zugebote stehenden Mitteln feierlichst Protest einlegen. Wir betrachten — und gewiß mit Recht — die in der Dekoration Steiners zciin Aitsdrucke gelangte Glorifizierung der Jlldenhetze als einen gegen die Juden gerichteten Failstschlag, den 31t parieren ivir gewillt sind. Man auch aus angeborener und anerzogcner Liebe die größte Ehrfurcht, die tiefste Verehrung und die unwandelbarste Treue und Hingebung für das jeweilige Staatsobcrhacipt, respektive die Dynastie. In konstitutionellen Staaten erfolgen bekanntlich Verleihungen von Orden n u r über V 0 r schlag der R e g i e r u n g, aus politischen Rücksichten und ein derartiger Fäll liegt bei der Verleihung einer hohen Ordensauszeichnung an den Landesansschuß Steiner vor. Man müßte wahrlich nachgrübeln, herauszufinden, welche größeren Verdienste Steiner zur Seite stehen, als die, welche sich jeder seiner Parteigenossen ertvorben. Steiner ist von den antisemitischen Sturztvellen auf ein hohes Piedcstal emporgeschnellt ivorden, er hat auf Grumd eines antisemi- „ rr Hier,™ Pr^mmfeine m^cs.cM und ist auf SZ" Z'vi^L LKK Baden iS, unseligen Angedenkens, verfallen und sich ein Beispiel nehmen, daß das Paktieren mit dem judcnhetzerischen Gesindel sich als nutz- und zivecklos erweist. Die Erfahrung hat vielmehr zur Genüge dargetan, das; es im Interesse der ruhigen Enttvicklung des Staatswesens gelegen ist, dem antisemitischen Gesindel drakonisch entgcgenzntreten. Wir bekennen freimütig, daß uils Koerber als oberster Chef der Regierung noch am meisten Sympathien abzugelvinnen vermag, daß ivir ihn noch lange an der Herrschaft zn sehen ivünschen, daher Ivir ihm den aufrichtigen Rat erteilen, mit der bisherigen Taktik des KokettierenS mit der Zentrifugen staatsvernichtenden Partei einfür allemal endgiltig zu brechen. Ein ztveiter Affront, der den Inden angetan ivurde, ist die Dekorierung des ehemaligen KultnSvorstandes Leopold Pollak. Herr Leopold Pollak, in Firma Hermann Pollaks Sohne, ist noch als Held der Greminalbaugeschichte in frischer Erinnerung unserer Leser. Er tvar Vorsitzeicder der Vankommission. Zuerst ivurde zmn Architekten der Schiviegersohn des Gemeindcratcs, Donat Zifferer bestimmt. Er ist Jude, dieser Ilebelstand ivurde aber durch seine Eigenschaft als Schwiegersohn neutralisiert. Dann schritt man zur Wahl des Baumeisters. Der billigste Offerent ivar der Baumeister M. Der Mann ivar auch Jude, aber — nicht Schiviegersohn des Herrn Donat Zifferer, Gemeinderates von Wien und Meister vom Stuhl, und auch sonst nicht vervcttert mit einem Herrn der „Gesellschaft zur gegenseitigen Versicherung auf Orden, Titel, Einfluß und Vermögen". Daher konnte Herr Leopold Pollak, damaliges Mitglied der Wiener jüdischen Knltusgemeinde, seine edlen Gefühle nicht mehr bemcistern, und er verstieg sich als Nochjude zu dem klassischem Ausspruch: Bei den Henri g e n Zeiten darf man den Bau keinem — Juden ii bertrage n. Sapienti satis. Bon den sonstigen Verdiensten dieses Herrn wäre nur noch zu erwähnen, daß sein Sohn vor kurzem in den Schoß der allein scligmachenden Kirche eintrat. Man sieht also, das; er als würdiger Genosse des Antisemiten Steiner dekoriert ivurde. Lemberg. (A s s i m i l a t i 0 n s b l ü t e n.) Das; unsere Gemeinderepräsentanz für die jüdisch-nationale Sache nichts macht, ist ja sattsam bekannt. Man kann es derselben auch nicht verargen, zumal da ihr Arbeitsprogramm nur rein religiöse Angelegenheiten umfaßt, eine jüdische Realpolitik besteht für sie überhanpt nicht. Zu ihren Tochteranstalten gehört das jüdische Spital, soinit untersteht dasselbe in Kültusfragen der Muttergemeinde, die die Kontrolle darüber ausübt. Mittlertveile geschieht das Gegenteil. Dn dem dem Spitale gehörigen und von demselben administrierten Bade mit ritueller Miktva (Fleischhackergasse 6) werden an Samstagen und Feiertagen alle möglichen Arbeiten verrichtet. So ward tvährend des Pessachfestes der neue Dampfkessel eingemauert, Oefen frisch gesetzt, Blumen gepflanzt, Kohlen in Wagenladungen abgeladen und eingekellert usw. us!v. lind zur bitteren Ironie des Schicksals tvählen die Herren immer tvieder den Samstag und gelangen 'dadurch mit dem bösen Judentälender sorjwährend in peinliche Kollision! Charakteristisch und gelungen funen jedoch die allerneuesten Errungenschaften aus dem Gebiete der Ignorierung und Nichtbeachtung alles Jüdischen jüngstens aus: Die Woche über arbeiteten geschäftig Maurer und Handlanger ans dem Gerüste an der Verbesserung der äußeren Frontfassade desselben Badeetablissements. Plötzlich herrschte eines Freitags morgens Ruhe und Friedhofsstille; weder Meister noch Gesellen tvaren zu sehen. Unten in der Gasse glaubten die Naiven und Einfältigen: Gewiß durften die Herren in ihrer frommen Hast den Freitag mit dem Samstag vertauscht haben. — Erst am nächsten Sabbatmorgen, als sie wieder geschäftige Gesellen am Gerüste erblickten, wurden sie gewahr, daß da keine Verrechnung platzgriff, sondern daß de facto der gestrige Frage, der 18. August, auf einen ch r i st l i ch e n Feiertag fiel! Abgesehen nun von der rein religiösen Seite angesichts eines eminent jüdischen Institutes, die in Betracht zu ziehen ist, .vermissen auch wir den Anstand gegenüber einer jüdischen Bevölkerung, die in Scharen im Sabbatgeivande vorbeizieht und sich tief verletzt fühlen nmß. Pbg. Der ungarische israelitische LandcsfondS eröffnet eine Konkurrenz auf vier Reisestipendien im Betrage von je 1000 Kronen, welche an einen Doktor philosophiae, respektive an einen Professnrskandidaten, der seine Grundprüfungen bestanden, an einen Arzt, einen Maler und einen Bildhauer israelitischer Konfession vergeben tverde. Die Bewerber, ivelche ihre ungarische Staatsbürgerschaft nachzuiveisen haben, sind Verhalten, ein Jahr im Auslände zn verbringen und ihrer iveiteren dlusbildung obzuliegen, respektive Spezialstudien zu betreiben. Die gehörig instruierten Gesuche sind an das Präsidium der Kommission des Ungar.-isr. Landesfonds, Budapest (Landongnsse :>) zu richten. Dr. Mor. Szilasfi, unser Glaubensgenosse, ivurde zum ordentlichen Professor an der Klausenburger Nniversität ernannt. Das Budapester Hilfskomitee für die rumänischen Juden, ivclchem der Großindustrielle Alexander v. Hatvany-Deutsch, Rabbiderholt vernehmen: „Wie kommt denn überhaupt eine akademische Verbindung dazu, in einer anderen, als der Universitätsstadt durch ihre Mitglieder Vorträge halten zn lassen. Eine jüdisch-akademische Verbindung soll sich lediglich darauf beschränken, Mitglieder aufzunehmen und sie jüdisch gesinnt zu machen, nicht aber ihre Tätigkeit auch auf das Volk auszndehnen." Hierzu muß ich folgendes bemerken: Es mag wohl richtig sein, daß es Sache einer im ersten Entwicklungsstadium sich befindenden Verbindung ist, auch minder nationale Leute aufzunehmen und sie für ihr Programm zu gewinnen und sie in diesem Sinne zu bekehren. Verbindungen, die aber in der Lage sind, bereits national denkende Mitglieder aufzunehmen und nicht nach beliebigen Studenten haschen zu müssen, sind, tvie dies bei beiden in Czernowitz bestehenden jüdisch-nationalen Verbindungen der Fall ist, der Arbeit überhoben, sie erst national zn machen. Es bleibt einer solchen Verbindung ihrer Mitgliedern gegenüber lediglich die Pflicht, sie in der nationalen Gesinnung zu bestärken. Die erübrigende Zeit kann und soll jede nationale jüdische Verbindung für die Aufklärung nnd nationale Erziehung des jüdischen Volkes verwenden. Die Jugend begeistert sich leichter für eine Sache, fi'ir eine Idee, als das vorgeschrittene Atter und teilt ihre Begeisterung auch anderen leichter mit. Hierzu befähigt sie die regere Phantasie und die leichtere Jdeenentwicklung. Auch ist die Arbeitslust eine bedeutend größere in der Vukoivina, abgesehen von. der Hauptstadt und der Stadt Radnutz, ivo der ivackere „alte Herr" an einem Nachmittage eine Sitzung ab, in jvelcher Alerander v. Hatvany-Deutsch die rumänischen Verhältnisse kennzeichnete. Ütedner erklärte, daß die Zeitungsberichte über die Judenverfolgungen in Rmnänien nicht übertrieben seien. Es müsse schon jetzt Hilfe gebracht werden und deshalb schlug er vor, im Interesse der rumänischen Juden eine Laiidesaktion einzuleiten. In ähnlichem Sinne sprachen Rabbiner Dr. Kohn und Leopold Lebovitsch, ivährend Dr. Rozsa und Arnold Kohn den Antrag stellten, eine Weltaktion einzuleiten, das heisst^ in ganz Europa für die rumänischen Juden zu sammeln. Nach längerer Debatte ivurde beschlossen, eine Landesaktion einzuleiten und schon demnächst im ganzen Lande Spenden zu sammeln. Dies ist denn auch geschehen und der Aufruf mit Sammelbogen an Private ist bereits seitens des Vorstandes der Pester isr. Neligivnsgemeinde ergangen. Bor einigen Tagen sind 870 Ausivanderer hier durchgereist. Grundsteinlegung des Unterstädter israelitischen Tempels in Essegg. In besonders feierlicher Weife ivurde Mitttvoch den 20. August, nachmittags, das Fest der Grundsteinlegung zum neuen Uuterstädter israelitischen Tempel begangen. Die Feierlichkeit geivauu an Lustre durch die Anivesenheit der Spitzen der zivilen und militärischen Behörden und auch die geradezu glänzende Beteiligung der Bürgerschaft Esseggs legte Zeugnis ab von der Eintracht der Bevölkerung. Im folgenden möge es uns gestattet sein, den Verlauf der Festlichkeit zu schildern. Die Vorbereitungen zu dein Feste ivurde» bereits Dienstag begonnen. Unter Leitung des Stadtbaumeisters W. C. Hofbauer und der Aufsicht des Herrn Lümbach ivurde der Bauplatz, mit Fahnen, Reisig und Blattpflanzen dekoriert. Das für die Sänger bestimmte Podium, soivie der für die Sommitäten bestimmte Platz ivaren mit schönen „Cilims" geschmückt. Der von der Firma Ed. Hauser beigestellte Grundstein befand sich an der für den heiligen Schrank bestimmten Stelle des neuen Tempels. In einiger Entfernung von demselben stand ein Tisch mit der vom Mjaschinisten der Kelluer'schen Mühle, Herrn Herzog verfertigten Metallhülse und der von Herrn Sekretär Nathan Schivarz auf Pergament geschriebenen Urkunde, soivie einem äußerst

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