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Jüdisches Volksblatt · 1902-09-05 · 36 (5.9.1902) · p. Seite 3

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
4 (1902)
Issue
36 (5.9.1902)
Date
1902-09-05
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 36 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 5. September 1902 Seite 3 für alle Beihilfe mit den Nassen- und Glaubeusantisemiten bedankt. Die Tschechen ircicn den Juden wegen ihres Judentums ebensowenig nahe, wie sic den Deutschen wegen ihres Dentschtmns nahetreten. Den Tschechen ist aber aufgedrungen worden, den Kampf gegen die Feinde ihrer Rechte aufzunchmen. Wer ans dein Feinde ein Freund wird, der wird niemals ans tschechischer Seite jenen Tank finden, ivelchen die Inden bei den Deutschen gefunden haben. Das ureigenste nationale und religiöse Interesse der Juden erfordert cs, das; sie, bei eifersüchtiger Wehr ihrer Rechte, sich hickncigen zur Seite der Gerechten. Aber es scheint, das; die Inden,;n ihrem eigenen Schaden dieses nicht getroffen haben ltub nicht treffen." Auf diese Ausführungen des „Slovan" haben wir nun eiire gewichtige Frage zu stelleil: Wie verhalten sich diese gerechten und löblichen Ansichten des „Slovan" zu der vom „Slovail" selbst mitgeteilten Tatsache, daß erst iit jüngster Zeit Verhandlungen zlvischen den: jlmgtschechsschen Abgeordneten Du D y k und den Wiener Tschechen gepflogen wurden, damit letztere bei beit bevorstehenden Landtagswahlen dein Dr. Lueger und seinen an t i s c> in i t i - f d)i e n Parteigenossen keine Schlvierigkeitelr. bereiten. Diese Nachrichten lvurden allerdings von, Dr. Dyk dementiert, verlieren aber nichts von' ihrer Manbwnrdigkeit, wenn mau weiß, wie Dr. Dyk im Parlamente immer mit Dr. Lueger fraternisiert, daß ferner in einer kürzlich abgehaltenen Versammlung der Wiener Tschechen der B e - s ch l u ß gefaßt! wurde, bloß dein Sozialistenführer Dr. Adler etilen tschechischen Gegenkandidaten in Favoriten gegenüberzustellen, sonst aber nicht einmal einen tschechiischen Zählkandidaten auszustellen, um nicht die Aktion der GHristlich-Sozialen! zu behindern? Wie rennt sich das mit der Gerechtigkeit der Tschechen überhaupt und der Wiener Tschechen insbesondere? Unsere Ausführungen waren durchaus nicht prinzipiell ablehnend', wir machten nur die Vorbehalte, die durch die Natur der Sache geboten würden; denn wir könncn ebenisowenig mit deutschen wie mit tschechischen Anki!- semiten Zusammengehen. Dem „Slovan" aber können wir versichern, daß unser gegensätzlicher Standpunkt in dieser Frage uns voir dein Grundsätze der nationalen Gleichberechtigung aller N a t i o n e n! Oesterreichs auf Grundlage der n a t i o n a l e n Auto n o m i c nicht abbringen kann. Die Juden stehen heute großenteil im deutschen Lager. Wollen die Tschechen ihre Bundesgenossenschaft, so stellen wir folgende Bedingungen an die Tschechen: Ablehnung des Antisemitismus in jeder Form, Anerkennung der jüdischen Nationalität und Unterstützung der Juden bei Erlangung der nationalen Autonomie. Dann wird die böhmische Nation keinen besseren Freund haben als die Nationaljuden. KuKarejler Srief. (Orig.-Correspondenz des „Jüd. Volksblatt".) Gleichwie in Rumänien alles eine eigentümliche Gestaltung hat, so manifestiert sich auch der Antisemitismus in eigentümlicher Weise. Jur zivilisierten Auslande geht der Antisemitismus von „Unten nach Oben"; haben diese Länder einen Moment der Scham, so kommt ihnen die Ausrede, das; es nur der Pöbel sei, welcher Judenhctzen arrangiere; anders im „orientalischen Belgien", wo der Antisemit den Vorzug hat, sich des Gesetzes als Schild zu bedienen. Die leitenden Klassen sind es, die den Antisemitismus predigen, welche die drakonischen Judengcsetze schmieden und ihnen eine solche Elastizität geben, das; sie in möglichst grausamer Art in Anwendung gebracht werden können — wie günstige Gelegenheit zu Gelde r p re s sun g e n für habgierige Beamte! Und „muschama" ist das Wort, welches ein jedes Gesetz ersetzt; wird ein Jude zutode sich indessen in der ungezwungensten Weise mit Spiel, Gesang und Tanz; die große türkische Trommel, Pauken und Tamburine, Flöten und Geigen ertönen und führen in wilden, althergebrachten Weisen eine ohrenbetäubende Musik auf, welche nicht ohne Wirkung bleibt. Jung und Alt ergreift eine wahre Tauzlust. Der Aschkenasi klappt in die Hände und dreht mit seinen langherabwallcnden Ohrlocken den Scfardi im malerischen Turban im Kreise herum. Dort führen syrische Gruppen einen eigenartigen Schwertertanz auf, wie er sich auf mancher europäischen Schaubühne sehen lassen darf. Fröhliche Begrüßungen der Freunde und Bekannten, Mitteilungen von Reiseerlebnissen, Wettgesängc, Schmausereien und Gelage, Scherze und Allotria finden statt, und die Lust ist allgemein. Dies alles aber ist noch gar nichts gegen die Schlvelgerei und Fröhlichkeit, die erst mit der Hadlakah ihren Höhepunkt erreicht. Sobald es Nacht geworden und die Sefirah de? 88. Omeroffiziell verkündigt wurden ist, steigen zlvei Synagogendiener, ein Aschkenasi und ein Sefardi auf das Dach der Synagoge empor und bieten das Recht, das Freudenfeuer zu entzünden oder die „Hadlakah" vorzunehmen, an den Meistbietenden aus. Da ist nun ein edler, heftig geführter Wettkampf zlvischen jenen Frommen, deren Mittel ein solches kostspieliges Opfer erlauben. Man hat Beispiele aus längst vergangenen Jahren, daß die Konzession für die Hadlakah mit einenr den Betrag voll tausend Gulden lveit übersteigenden Angebote erlvorben wurde. Heutzutage ist diese Versteigerung nur mehr eine reine Formsache, n/id wird diese Mizlvah durch gegenseitiges Einvernehmen an den Rabbi voll Sadagora (in Galizien) übertragen, dessen Chassidim hier in seinem Namen die Hadlakah vornehmen. Der Führer der Chassidim besteigt mit eitler breliileildeil Fackel, von Musik uild Sängern gefolgt, die Anhöhe und cntzüildet dort unter dem jauchzenden Rufe: „Zu Ehren des göttlichen Tana Rabbi Simeon bei: Jochai" das Feuer. Die nach tausenden zähleildeil Menschenrnenge stimmt in dieseil Ruf ci» lind die Huldigungsfeier ist eröffnet. Jetzt erst überläßt sich jeder einer wahren — wenn man nicht sagen darf „ausgelassenen^, aber wohl unbäitdigxu Freude, lind in dem Maße als die Flammen des angezüildeten Oelfeuers au Stärke, und Größe zlinehinen, in demselben Maße wächst auch die Fröhlichkeit über die Grenze des Gewöhnlichen hiliaus. Die Menge jllbelt, jauchzt, spielt, singt unb tanzt nach Herzeilslust lind der grelle Wiedersehen! eines weithin bis ins flache Land sich erstreckenden Feuermeeres spiegelt sich gespenstisch in den Gesichtern einer tansendköpfigen Menge ab, gibt dem Ganzen das Gepräge des — Wunderbaren. Die Begeisterung au diesem Abende kennt keine Greilzeil. Da steigen hllllderte uild Hunderte von geprügelt, die Sache wird muschama gcnlacht; zeigt ein boshafter Neider einem Bealiltcil an, daß derselbe voll eillcm Judcil Geld er-! preßt, ihil aber trotzdem nachher allswcist, danil wieder das alles erlöseilde illuschama! Ja, wo es sich darum haiidclt, dem Judell; einen Fußtritt zu versetzen, da spielt die heilige Vertuschung eine Haliptrolle. Ich habe Ihnen im vorigen Briefe das Gutachteil einer juridischen Zeitschrift mitgcteilt, nach der Judell, die llicht Untcrtaileu eines fremden Staates sind, nicht ausgewiescil luerbcit können. Was braucht es aber erst scharfsiilniger Konnilelltierliilg, wcilil sich die Rllmäileil lllir au den Art. 24 der Koustitutioil hielteil, der da sagt: „Die Kollstitutioil garailtiert eillcm j c b e u das Recht, seine Mciliuilgen itub Ideen durch das Wort mitzuteilen uild zu veröffentlichen; jedermailll ist vcrantivortlich für ben Mißbrauch dieser Freiheit in Fällen, Ivelchc der Strafkodcx bestimmt, der diesbezüglich revidiert uild vcrvollställdigt wcrdeil kanil, ohne jedwede Restriktion dieses R e ch t e s lt u b ohne das; diesbe - z ü g l i ch e i il A u s u a h m s g e s e tz i ll K r a f t treten k a il ll." So der Wortlaut der rlrmäilischcn Verassung, die heilte von beueit mit Füßen getreten wird, die sie geschaffeil. Alle die unabhängigen jüdischeil Jourllalisteil, die gcgeil die Rcgieruilg zu schreiben wageil, sind jeden Momeilt der Gefahr ausgesctzt, ausgewiesen zu locrbcn; ja, diese Regierung scheut sich nicht, ilach romailischer Sitte, Bravos zu dingen, welche ihnen nach dem Leben trachten. Simon I. L u b i il voll der Howard-Universität tu Cambridge weilt gegenwärtig in Rumänien, um die rumänischen Juden im Lailde zil studiereil. Eillcm Interviewer gegeilüber äußerte er sich, daß die Juden fleißig und arbeitsam feien; sie seien auch assimilirter als die östlichen Judcil. Es wandern auch bessersituierte Judcil llur aus dem Gruilde mis, damit ihre Kinder freie Bürger eines freien Staates würden. Befragt über das Lebeil der rumänischen Juden in Amerika, sagte Lubin, das; die Einwanderer sehr rasch Englisch leriten, aber linterciilander in ihrem Jargon Verkehren. In den Straßen New-Uorks sehe man oft rumänische Nameil, rumänische Firmelt und rumänische Manifeste. Die rumänischeil Jlldeil haben auch viel dazu bcigetragen, um die Tamanywirtschaft zu stürzeil. Die zweite Geilcratioil sei scholl ganz amerikanisiert. Er halte die Juden für ein überaus wertvolles Einwandcrungselemcnt. New-Iork sei allerdings gesättigt, aber B o st o ll, Philadelphia, Chicago köiluten noch viele Einwanderer aufllehmeil, voll den östlichen Territorien ganz abgesehen, in denen noch Tausende eine sichere Existenz finden könnten. Unter den 300 000 New-Iorker Judell feien nach seiner Schätzung 25 000 Rumänen. Ein skandalöses Mailifcst, das beweist, daß das Mitgefühl für Unglückliche fast ganz verschwundcil ist, haben rumänische Studenten, die Blüte (?) der rumänischen Nation, erlassen. In Botoschani wurde zugunsten der Abbrändler von Burdujeni ein Fest veranstaltet. In dem Kornitee saßcil auch einige Christen, während die Mehrzahl Juden waren. Darauf beziehen sich folgende Mänifeste. Das zeigt, daß die Neurömer ben alten Römern abgeguckt habcrl, wie die räuspern und spucken, aber sonst keinen Funken ihres geilialcn Geistes haben. „Rumänen, die Jnjurieil und Verleumdungen, mit welchell der Jude Bernard Lazare unsere Gastfreundlichkeit beantwortet hat, siild noch in aller Erinnerung. Er bezcichnetc uns dem Auslailde gegenüber als ein antisemitisches, skrupelloses, illoyales Volk. Lebhaft erinneril lvir uils noch, wie er zu uns kam, um seine Glaubensgeilosseil zur Revolte und Ungesetzlichkeit gegen ihre eigeucn Gastgeber (?) aufzufordcrn. Im Herzen lebt die Erillnerung, daß kein Jude sich gefunden hat, der dagegen protestiert hätte (Bravo) und heute vollzieht sich vor lluscren Augen eine Tat, die ebenso ullgkaublich, wie bedauernslvcrt ist. Rumänen l Eine Haildvoll Meilschen, ullwürdig dieses NamenL und der Achtmlg, die sie in unserer Mitte genießen, haben uns heute eine der ckelhaftesteil Erniedriguilgen gegen die bereitet, die lins unumstößliche Beweise voll ihrer Dankbarkeit lllld ihrem Hatz gcgeil ihre Gastgeber unb Wohltäter (wer lacht da nidbiI)] gezeigt haben, indem sie Festlichkeiteil zu Gullstcn der jüdischen Abbrändler voll B. vcranstaltell, die selber die Feuerstifter sind. Rlnnällcnl Eingedcilk der Uildailkbarkeit, mit der dieses Volk unsere Mcilschlichkeit immer beanttvortct hat, eillgedenk (hierauf folgcil noch eiiligc „Eingedenk" an allerlei Wohltaten, die die Ruliläileil angeblich den Judcil beivicsen haben, die aber llur den edlen Manifestanten bckailnt sind, tvährend die Juden sich nur crinnern tönueu, das; sie in diesem Lande vollkommen rechtuild schutzlos siild, ja, daß die wilden Frcmdeil mehr Recht im Lande besitzen als die iln Lailde geborenen Judcil) verachten wir alle jene Ruruäncn, die sich mit den Feiildcil uilsercs Volkes zll einer gemeinsanlcn Sache verbanden uild verabscheuen gleichzeitig jedeil Versuch, eine rumänisch-jüdische Verbrüderung proklamieren zll wollen." Dieses Mänifest, das beweist, das; in dem Herzen der nationalistischesn Studeilteilschaft voll Rumäilien jc-cs Gefühl von Mcilschlichkeit ulld Menschciiwürde erstorbeil ist, legen wir hiermit dem Auslande vor, damit cs die rumänischen Phrasen über das Wohlergehen der Juden in Rumänien, nach Gebühr schätzen kann. Die Frage, die im Mittelpunkte des Interesses ist, nämlich die Frage, ob das Aillchcu von 175 Milliolieu zustande kommt oder nicht, ist momelltail all einem toten Punkte angelaugt. Jul Lailde herrscht infolge der guten Ernte eine große Geldfülle uild es ist llicht unmöglich, daß die Anleihe zustande kommt. Aber unter so uilgünstigeil Bcdingullgen für Rumänien, das; sie absolut keiil Vorteil für das Land sein wird, sondern eine drückende Verpflichtung für die Zuküilft. Ferilcr wird sich die rumänische Regierung dazu verstehen müsseil, die Fremdeil nicht llur als Geldquellen, sondern als vollberechtigte Nchnschen zu betrachten. Die „Wiener Morgen-Zeitung" hat kürzlich gemeldet, die rumällische Rcgierliilg beabsichtige, einer Anzahl hervorragender rumänischer Juden das rumänische Bürgerrecht zu verleihen und habe bereits diesbezügliche Pourparlers mit bett Parteien der Kammer eingeleitet. Diese Meldung wird in der rumänischen Presse lebhaft diskutiert. Wir m ü s s e n auf das E n t s ch i e d e n st e gegen diesen v o l k s v c r r ä t e r i s ch e ll V e r s u ch protestier e n, d e r d a r a u f h i ll a u s l ä u f t, zu Gunsten einiget r e i ch e r Juden das jüdische V o l k u m das Bürgerr e ch t zu b e t r ü g e ll. Das wäre für Stourdza und Konsortell der bequemste Ausweg; mail naturalisiert einige Bankiers, erpreßt ihnell einige Millionen und der Ausnahmszustand des jüdischen Volkes bleibt derselbe. Sie habcil in Ihrem Blatte darüber geklagt, daß die Wiener Journalistik in Sachen der rumänischen Juden schweigt; aber bei solcher Unterstützung müssen wir wirklich ausrufen: Gott beschütze uns vor unseren Freunden (?), vor unseren Feinden werden wir uns selbst schützen. —:- \'A Chronik. frommen Pilgern zu dem Feuerherde hillan uild schütten ganze Laduilgeil voll Oel hinein, um dem Riesenfeuer ileuc Nahrung zu gcbeil. Viele werfeil gar kostbare Gewänder, die sie eigens mitgebracht habeil, als Freuden- oder Versöhnungsopfer in die Flammeil. So wird diese ganze nur wenige Stunden andauernde Nacht mit Musik lind Tanz, mit Schwelgereien llild Genüssen, mit Gesang lind Gebet, mit Spiel unb Unterhaltungen bis zum früheil Morgeil zugcbracht — ohne daß eine Ermüdung platzgreift. Und beim ersten Sonnenstrahl ist wieder alles wie durch ein Zauberwort verstummt. Mail eilt jetzt in die Synagogen, um das Mprgengebet zu verrichten; da diese unmöglich alle fassen können, so wird der Gottesdieilst im großen Hofe, in den benachbarten Gärten oder anf freiem Felde abgehalten. Diese imposailte Menge in eillem gleichen Gefühle inbrünstiger Alldacht lind seelischen Entzückens zu seheil, weckt selbst bei Zuschauern fremdeil Glaubeils ein Gefühl größter Rührung mch Beivunderinlg. Aber lloch ist das große Fest nicht ganz zll Ende. Nach Bcendigung des Morgengebetes, welches zeitlich früh verrichtet wurde, findet iloch der Schlußakt des Tages durch ein eigenartiges Kinderfest statt, welches man „Halakab" nennt. Halakah bedeutet im Arabischen „Glattmachcii" oder „Abscheren". Bei ben orientalischen Inden ist ein alter frommer Brauch, das; die Knaben mit dem znrückgelegten britteu Lebensjahre zum Gebote „Schläseulocken zu trageil" herangezogeu tverdeil. Die mitgebrachten dreijährigen Babys werden festlich gekleidet lind alifgeplitzt, mit Amuletten behängt, um sie vor dem „böseil Auge" zu schützen, dann voil ihren Väteril unter lautem Jubelschall uild Gesängen äilf die so daß bloß die schön geringelten Schläfenlöckchen übrigbleiben. Das abgeschiiittene Haar ivird sorgfältig gesammelt, bann gewogen lind die gleiche Gelvichtsmenge wird in klingender Münze all Arme verteilt. Dies also ist das Halakah-Fest, welches im Orient eine ähnliche Bedeutnng erlangt hat, wie etwa die Konfirmation bei den eriropäischen Jliden. Nach deiil auf die Halakah folgenden Festmahle, wo es noch sehr lebhaft zligeht, besucht man noch andere Heiligtümer, llimmt voneinander herzlichen Abschied und rüstet sich wieder zur Abreise in die Heimat. Viele aber bleibeil zlirück und lenken danil ihre Schritte nach Jerusalenl, um daselbst das Wochenfest zu feiern. I. Beruh. Strass c r. Inland. Abschiedsfest in Kierling. Samstag den 30. August fand in A. Schlögls Restaurant in Kierling ein großes Abschiedsfeft statt, dessen Reincrträgnis jüdischen Wohltätigkeitszwecken, u. a. auch dm „Jüdischen Schnlvcreiii für ben 9. Bcz." zugcführt wird. Als erste Nummer des Festprogrammes wurde ein von Herrn I. K r a u s z verfaßter Prolog vorgetragen. Herr Karl Schiller entledigte sich dieser Ausgabe in meisterhafter Wtzise. Frl. Jenny S ch a m i d a t u s, eine Elevin der Sauer'schen Meisterschule, trug aus dem Klavier die Rigoletto-Paraphrase von Liszt so kunstvoll vor, daß sic noch einige Zugaben macheir mußte. Herr Oberkantor Don Fuchs aus Wien-Ottakring entzückte das Publikum mit seinen Gesangsvorträgcn. Hauptsächlich in der Arie aus der „Jüdiu" kam die sonore Stimme dieses Meisters des Gesanges, den mir schon hier öfters zu bewundern Gelegenheit hatten, zur Geltung. Einen wahren Kunstgenuß bot der Vortrag der „Ungarischen Phantasie für zwei Klaviere" von Liszt. Am Klavier saßen Frl. Schamidatus und der bekannte Virtuose Enterich K r i ß. Die Verlesung der satirischen Plauderei „Kierling in China" etttsesselte einen tticht enbett wollenden Lachsturm. Mit großem Heiterkeitserfolge ging hierauf Kadelburgs Schwank „In Zivil" in Szene. Bei der Aufführung hatten sich die Mitwirkettden Herr Ltldivig S a ß, Frl. H. W c i ß m a n n, Herr Siegfried Wi e l- I i s ch, Frl. Malvine M ü tz (als Leutnant) und Herr Emanuel S ch w a r z ausgezeichnet. Um das Zustandekommen dieser rein jüdischen Veranstaltung haben sich hauptsächlich Herr Hermann Elbe r t, der sich wegen seiner Förderung jüdischer Jnstiüttionen im neunten Bezirke schon manches Verdienst erworbeit hat, und Frl. Felizia I o l l e s verdient gemacht. Polnische Wirtschaft. Die Lage der Judeit in Tarnobrzeg ist in Galizien nicht mtbckannt; dieselbe ist so erbärmlich, das; einem das Herz bricht, wenn man nur zufällig einen Blick hineinwirft. Schaut man aber grüitdlich hinein, so sieht man, das; oft 2 bis 3 Familien unter einer Dachstube Hausen unb ihr Dasein mit Brot und Erdäpselit fristen. Der Magistrat kümmert sich nicht um das Eleitd; er sorgt dafür, daß schotte Spaziergänge angelegt werden, daß die Häuser von a u ß e tt schön gemalt werden. Das; aber inwendig das größte Eleitd herrscht, kümmert ihn tticht. Hat jemaitd tticht das itötige Geld, so wird das Haus auf Kostett des Magistrates gemalt und das Geld baitu mit Gewalt von dem Armen eingetrieben. Die neue Gewerbcgcsetznovelle. T!io vom Neichsrate in der letzten Session beschlossene Aendernng der Paragraphen 69 und 60 der Geworbeardmuig tritt um die Mitte September in gesetzliche Wirksamkeit. Der antisemitische Blätterwald beeilt sich nun, den Handelsminister zu kaptivieren, die Dnrchfithrnngsbestinunungen

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