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Jüdisches Volksblatt · 1902-09-05 · 36 (5.9.1902) · p. Seite 2

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
4 (1902)
Issue
36 (5.9.1902)
Date
1902-09-05
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 5. September 1902 Nr. 36 Frieden und Freundschaft leben, wie mit den Deutschen und allen übrigen Rationalitäten des Donau reiches dies- und jenseits der Leitha. Allerdings imtionale Herrschaftsgelüste, die aus Unterdrückung unb Entnationalisierung ganzer Völker gerichtet sind, tonnen die national-sozial gesinnten Juden getreu ihrem Programm nie lind nimmer fördern. Hegemonistische Tendenzen, mögen sie auf detitscher oder tschechisel-e'r, polnischer, italienischer oder magyarischer Leite vorhanden sein, werden wir allezeit in schärfster Tonart bekämpfen! Wenn nun in einem früheren Artikel, den luir neulich zitierten, die „MorawsstiHOrlice" beklagt, „dasz die Duden überall dorck an erster stelle waren, ivo es galt, gegen uns (die Tschechen) und unser gutes nationales Recht aufzutreten, während sie (die Judenö, die ehemaligen Bedrückten, eigentlich mit uns, deil gleich ihnen Iluterdriukten, hätten fühlen sollen und mit ihren Stiminen unserer Lache, der Lache des Rechtes und der Dreiheit, zu in Liege hätten verhelfen sollen", dann sind diese ihre Anklagen wohl gegen die Assiinilanten, die „Deutschen mosaischer Religion", aber nur gegen diese, berechtigt. Die Assünilanten aber sind keineswegs das ganze jüdische Volk, sondern nur deren Renegaten, deren uusüdische Politik alle national-sozial fühlenden Juden verurteilen. beider sind diese derzeit noch n i ch t i n M ä h r e n s o w eit o r g a n i s i e r t, u in bereits bei den die s in a l i g e n m ä h r i f ch e n L a n d - t a g s w a h l e n in i t E r f o l g in die A k t i o n e i n g r e i f e n zukönu e n. — Trotzdem find wir liicht abgMeigt, in die Diskussion einzutreten über „die Bedingungen, die beiderseits befriedigen", und auch unsererseits herrscht der ante Wille, uns mit den Tschechen zu einigen, und zivar nicht in Mähren allein. Auch hier in Wien, wie in der gesamten österreichischen Monarchie, fordern wir, und zwar n i ch t b l o ß f ü r d i e I u d e n , sondern für alle Oesterreicher ohne Unterschied der Rationalität, des Eckatibensbekenntnisses und des Berufes, die unbedingte nationale, konfessionelle und soziale Gleichberechtigung. Von diesen: Gesichtspunkte aus iv erden wir auch in Wien, soweit es sich um das gleiche Recht der Tscheche:: mit den Deutschen handelt, s ü r d a s s e l b e c i n t r e t e n._ Allerdings eine a n f i deutsche Politik verwerfe n wir ebenso wie eine a n t i tschechische, so gegnerisch wir auch den deutsch-bürgerlichen Parteien gegenüberstehen, so lange sie nicht die Gleichberechtigung aller Rationen und Konfessionell Österreichs acceprieren. „ Wie berechtigt unsererseits die entschiede n st e Bekämpfung besonders des Te::tsch Nationalisinus in allen Schattierungen ist, beweist ja deren Presse. Ihr Brunner Organ („Deutsches Blatt") verspottet die Tschechen: „Das große „Kulturvolk" der Tschechen sinkt immer tiefer. In jammernden Tönen winselt es um die Hilfe einer Menschenklasse, deren g e s ch w o r e n e r Todfeind (!!) jeder ehrlich (!» und anständig (!) denkende Mensch s e i n m u ß (!), u m d i e d e r — Jude n. Und die „Ostdeutsche Rundschau" fordert in ihrem Leitartikel von: 23. August neuerlich A u s n a h n: s - gesehe gegen die Juden und die — katholische Geistlichkeit. „ . . . . Wir Alldeutsche verlangen bekanntlich seit langem A uch n a h m s g e s e tz e gegen die Juden, iveil dieses rassenfremde Volk mit uns Ariern die gleichen (!!) Rechte genießt, ohne auch die gleichen Pflichten gegenüber der Gesamtheit zu übernehmen. Abgesehen davon, daß die Jude:: zur Wehrkraft des Staates einen unverhältnisder schon des öfteren an dieser Stelle eingehende Würdigung fand — Jude. Während aber der Berliner Dichter feine besten Werke auf Jucht und Litte in: jüdische:: Hause aufbaut und sie aus Verhältnissen jüdischen Ursprungs herauswachseu läßt, zeigt unser Dichter sein Mitempfinden für seine in jeden: Stande unterdrückten Brüder in scharfen, spitzigen Reflerionen über die antiseinitelnden und antisemitischen Allüren der militärischen und aristokratischen Kreise. Sein „Leutnant Guftl" — der ihn:, wie bekannt, die Degradation brachte — und „Graf Eleo" in: Lustspiele „Literatur" lassen durch verhöhnende Bemerkungen ihren Antisemitismus erkennen und zeigen den Typhus des in ihren sozialen Sphären üblichen Denkens und Handelns. Schnitzler verleugnet sein Judentum keineswegs, wenngleich das Empfinden seiner dichterischen Seele einem andere:: Ideale: den: Wienerischen, in seiner schönsten Blüte geweiht ist. .Krcms-Alaunthal, Ende.Juli 1002. Mar H e r n f e l d. Die Mula-Feste in Palästina. Nur wenigen Lesern dürfte cs bekannt sein, daß im heiligen Lande alljährlich gewisse Feste gefeiert werden, die, ganz außerhalb des religiösen Jahreszhklns, sich zn allgemein gebräuchlichen nub spezifisch jüdischen Volksfesten heransgebildet haben. Es sind dies dir Hillnln-Fcsce, welche, seit vielen Jahrhunderten in Palästina bestehend, belehrten und .Nennern der jüdischen Geschichte schon längst bekannt geworden und tvorüber!vir für niinder eingeweihte Leser das Wesentliche hier mittetlen wollen. Das Wort „Hillnla" ist die aramäische Form des hebräischen Wortes „Hallet" und bedeutet daher, tvie dieses, Lob und Hnldigtiitg. Ein Hillnla ivird veranstaltet in Erinnerung und zur Ehrung ausgezeichneter Männer, welche durch besondere Frömmigkeit, Gelehrsamkeit und Weltabgeschiedenheit einen berühmten Namen in der Geschichte des jüdischen Bglles genießen und lvegeit ihres ganzen Erdenivallcns und -Wirkens lvie Heilige verehrt werden. Die Stätten, wo solche Männer gelebt, gelvirkt oder geduldet haben, werden vom Volke mäßig winzigen Perzentsatz ihrer Zahl beitrage::, so daß man ernstlich daran denken sollte, ihnen diese „Blutsteuer" überhaupt zu schenken, erhalten sie durch angeblich liberale, in Wahrheit r e a k t i o n ä r e k o n f e s s i o n e l l e S o n d e r r e ch t e,!reiche weniger ihre „Rst'ligion" als ihre Rassenentlvicklnng fördern, außer der allgemeinen Gleichberechtigung ein natürliches Uebergelvicht über die Riehtjnden. Ihre besondere Moral in Geschäftssache!:, gegen die kein Nichtjude, ohne selbst Betrüger zu werden, aufkommen. kam:, ihre znr förmlichen Boden-scheu gewordene natürliche. U :: f ä h i g k e i t z u u: F e l d - n n d B e r g b a u , diesen Urgnellen alles Volkslvohlstandes, i h r v o l l st ä i: d i g e r 'M a ni g e l an H e i n: a t sn n d B a t e rJl a i: d s s i n i: t n n d st s II e b r i g e , nin die Schaffung von Ansnahinsgesetzen für die Juden, besser gesagt: ihre Stellung unter ein I r e in d e i: r e ch t voll a u f 3_tt r e ch (fertige n. Der Anfang hiezu wäre, da sie sich durchaus nur als „Konfession" betrachtet wissen wollen, durch entsprechenden A u s b a u i h r e r e i g e n e n k o n f c f f i o i: e l l e n und rituell e i: V o r s ch r i f r e >:, die ja bereits e i i: g i l t i g e s A u s - >: a h m s g e s e tz d a r st e l l e i:, bereits gegeben. Hätten rvir eine den: nationalen Charakter der arischen Völker angepaßte Gesetzgebung, s o e r g ä b e s i ch d i e S o n d e r - st e l l u :: g d e s I n n d e i: t u m s v o n fei b st. So allerdings müssen Nur Deutsche aus Rotlvehr auf der Schaffung eines eigenen „Freindeirrechtes" für das fremde Volk bestehen." S o v i e l W o r t e, s o v i e l L ü g e n. Gegen dieselben immer von neuem zu polemisieren, fehlt uns Lust, Zeit und Raum. Reit Leuten, deren ganzes Programm auf Betrug aufgebant ist, deren „Arbeit" in der Hetze gegen alle Richtdentschen und gegen säustliche ehrliche!:, gerecht denkenden Deutschen gipfelt, die lieber heute als morgen Oesterreich zertrümmern würden, lassen wir uns über derlei Dinge in keine Polemik ein. Aber die Herren Alldeutschen proklamieren ja nicht nur dei: Kampf gegen Oesterreich, gegen alle seine nichtdeutschen Völker und die Juden in erster Linie, sondern sie fordern, wie es in dem vorher zitierten Artikel der „Ostdeutschen Rundschau" unter anderen: heißt: „Aus- :: a h m s g e setze, F r e in d e n r e ch t für alles, w a s u n t e r d e n: M' a ch t g e b o t e d c r r ö m i s ch e n K i r d) e st eht!!! " Man braucht durchaus kein „Klerikaler" zu sein, um an einer solchen „freiheitlichen" Politik, die auch in Frankreich sonderbare Blüten zeitigt, keinen Geschmack zu finden. Autonomie jeder.Ration und jeder Kirche, also weder Herrschaft der Kirche über den Staat, aber auch nicht des Staates über die Kirche — das wäre'unser Ideal! Aber getreu unseren: Prinzipe, daß die Juden sich nicht an den nationalen und kirchlichen Kämpfen zu beteiligen haben, wollen wir diese Angelegenheit nicht lveiter erörtern und möchten nur eine Frage aufwerfen: Hat man jemals von j ü d i s ch e r Seite in eine r d e r a r t bodenlos g e m e i n e n Weise gegen die k a t h o l i s chl e K i r ch e und den katholischen Klerus gehetzt, wie es von den deutschnationalen Antisemiten aller Schattierungen und besonders von Seite der „Ostdeutschei: Rundschau" geschieht? Mit „Los von Juda" hat man begonnen und nun wird hinzugefügt: „Los von Rom"! Sapienti sak! Wenn die katholische Kirche und der katholische Klerus daraus nichts gelernt haben, so ist es — ihre Sache. Daß wir Juden für eine solche Sippe, wie es die Gesinmingsgenossen der „Ostdeutschen'Rundschau" und des „Deutschen Blatt" sind, n i ch t eintreten können, erscheint u n s klar, ebenso, daß die Herren Deutschnatioimlen erst an den: hochgehalten, und insbesondere sind cs die Grabstätten und die in der Nähe derselben oder unmittelbar über denselben Synnaoaen und Lehrhäuser, tvelche die stielpunkte der frommen Wänderunaen rind großei^ Wallfahrten bilden. In Palästina wo sich an jeden ' Fußbreit Bodens die heiliasten Erinnermnaen knüpfen, gibt es außerhalb der ewigen Ltadt Jerusalem gar viele, viele Orte, die als Stätten großer Eriimcrungen eine nicht geringere Verehrung ivie die heilige Stadt selbst genießen. Von solchen Orten seien nur Hebron, Safed l stephat) rmd Tiberias erwähnt, tvelche jahraus jahrein nicht nur von den in Palästina einheimischen Jliden sehr oft besucht tverden, sondern es ivandern Bekenner aller andereir Neligionen von Iveitester Ferne in ganzen Scharen dahin, um die Grabstätten heiliger Männer, die Lehr- und Bethäuser, rvo sie geivirkt, iveirigstens eimnal in: Leben anfznsehen. Die stahl der fronnnen Pilger erreicht aber die größte Höhe an Tagen, an ivelchen zu Ehren eines berühmten Heiligen die Hillnla, das ist das ivahre Hnldig:n:gsfest, stattfindet. Ei>: solcher Tag wird zu einen: ivahren Volksfeste, bei welchem cs gar laut und lustig zugeht, und der fonft schweigsame Orientale tritt da so recht ans sich selbst heraus. Nun gibt es verschiedene Hillnlas, welche für gar viele berühmte Männer veranstaltet werden; keine erreicht aber an Großartigkeit der Entfaltung und an allgemeiner Betätigung des Volkes in: festlichen Jubel diejenige, welche alljährlich am 18. Jjar, das ist an: dreiunddreißigsten Omertage, zu Ehren des Rabbi Simeoi: bei: Jochai, des angenommenen Verfassers des „Sohar", abgehalten und unter dem tllamen „Hillnla di Rabbi Simeon bei: Iochai" sowohl in ganz Palästina als auch in der übrigen Diaspora bekannt ist. Der dreiunddreißigste Oinertag ist nämlich derjenige Tag. an tvelchen:, der Tradition zufolge, Rabbi Sin:eo>: ben Iochai, der Begründer der .ßabbalah und Mpstik, den: daS Buch Sohar zngeschriebcn ivird, zum letztenmale seine Jünger um sich versammelt hat, um ihnen noch iviehtige Aufschlüsse und kst'achtragsertlärnngen, die sogenannten Schlüssel znn: Werke Sohar zu geben und — dam: verschied er. Ungefähr zivei Wegst:»:den voi: stephat entfernt, in dein kleinen Dorfe Miro», liegt die ganz unziveifelhafte Grabstätte des heiligen Mannes, wie dies auch aus Midrasch .ßohelet und ferner ans den: Traktat Aabainezia des babylonischen Talinud mit Unzlveidentigkeit sich koinbinieren läßt, lieber der Grabstätte ivölbt sieh die altersgraue Synagoge und das Beth-Hainidrasch, beide von hohen, düstern Mauern ningeben. In der Synagoge Ivird Tag und Nacht gelernt und gebetet, lieber dem eigentlichei: Grabgeivölbe des heiligen Mannes brennen unzählige Oellainpei: oder Wachskerzen, welche die Besucher als Weihegaben untgebracht haben. Tckqe ihren Größenwahl: ablegen werden, an welchem das Sehibolet der österreichischen Jude:: lauten lvird: „Keine Stinrine m:D keinen Groschen mehr für die S:cheinlibrralei: und Deutschnationalen." Schon derzeit sii:d unsere GesinnungsMuosseu keine vereinzelten „weißen Raben" mehr; eine ansehnliche Anzahl unserer Volksyen off ei: teilt daselbst unsere Anschannnpen und lvird auch daraus in: geeigneten Zeitpunkte die K'oi:sequel:zel: ziehen, jedoch derzeit ist für eine große jüdische VolkspolNk noch nicht ii: ganz Oesterreich und speziell in Rlährei: de:p Acoweist gekommen. Wir treiben eben k e i n e Mandatspolitik, die Erlangung von Mandaten kann für uns nie Selbstzweck, sonder:: nur Mittel znn: Zweck sein, ni:d darum werden wir erst dann in ganz Oesterreich ii: den Wahlkampf eintreten, bis die Majorität der österreichtschen Jude«: erkannt Habei: wird, daß ihre bisherige Politik eine falsche war und sie nur ihrem s ch l im n: st e n G egner, den d e n t f ch n a t i o n a - l e n 9l i: t i s e m i t e u , in die Hände arbeite!:. Der „Sllwan" und das „Jüdische Dolüsblatt". Auf unseren letzte:: Artikel reflektierend, bringt der „Slovan" folgende!: Artikel: „Das „Indische Volksblaik" erklärst daß seine Anhänger, welcbe lvir zur Unterscheidung von den Assiiniluntci: oder „Israeliten" Inden nennen, die Wiener Tschechen im Kampfe um ihre nationale Gleichberechtigung nicht unterstützen können. Wir haben es von ihnen nicht erivartet, iveil ivir sie allzngut kenne»:, trotzdem lvollen ivir uns die Gründe des „Jüdischen Voiksblatt" näher anschcn. DaS „Jüdische Volksblatt" sagt, daß es ehrlich spreche, und ivir ivollen ihn: ehrlich antworten: Wenn die Inden eifersüchtig über die Wahrung ihrer Rechte als Nation und Kvnfefsion ivaehen, so sind sie sicherlich geiu'igt, zum' Schutze dieser jhrer Rechte einen Kamps zu führen gegen alle ihre Gegner. Die Tschecheir als Nation haben sicherlich au ehdie Verpflichtung, ihre Rechte eifersüchtig zu ivahren, und falls sie ii: ihnei: verletzt ivcrden, für sie zu kämpfen. Es scheint aber, daß das, was das „Jüdische Vvlksblatt" bei den Jude»: als Verpflichtni:g ansieht, es bei den Tschechen fürchtet. .Kämpfen wir denn ii: Wien gegen die Deutsche»: desivegen, iveil sie Deutsche sind? Keinestvegs! Wir kämpfen gegen sie bloß aus den: Grunde, iveil sie uns mit Unrecht unsere Rechte vorenthalten. Wir greifen ii: diesen: Kampfe die Deutschen teincsivegs als Volk an, auch nicht als Konfession, sondern bloß als Gegner unserer Rechte, wobei ivir ihnen vom Herzen alles dasjenige gönnen, ivas wir für rins selbst verlangen. Wer ivirklich gerecht ist, der ivird unseren Kampf als einen richtigen, gesetzlichen' und sittlich pollkommei: berechtigten anerkennen, und einen solchen Kampf zu unterstützen, würden die Anhänger des „Jüdischen Volksblatt" sich nicht zu scheuen haben, und dies nmsoiveniger, weil die Tschechen tvie zu allen, so mich zu den Inden iveit gerechter zu sein Verstehei:, als die Deutschen. Das „Jüdische Volksblatt" veriveist zivar darauf, daß :n:ter den Tscheche!: Llntisemitisnins sei. Jawohl! Aber der tschechische Antisenlitismns war niemals ein dlntisemitismus der Rassen oder des Glaubens, sondern ein natioimler und sozialer. Bloß dort, ivo die ^Israeliten" — wir sprechen mit dei: Ausdrückei: des „Jüdischei: Volksblatt" — ihre finanzielle,: und agitatorischen Kräfte gegen die Rechte unserer Nativnalität gestellt haben, bloß dort entstand ein kräftiger tschechischer Antisemitismus. Bloß ganz unbedeutende?luslänfer faßte der Rassenantisenntisinus unter den Tschechen, aber den breiten Boden hat er niemals gewonnen, und wäre es nicht einmal zu diesen Schößlingen gekonnncn, ivenn die Israeliten den Deutschen nicht geholfen hätten, uns national zu uisterdrücken.?luch der Antisemitismus der Wiener Tschechen, hauptsächlich durch jungtschechische Abgeordnete hervorgerufen, hat keineswegs einen Rassen- oder Konfessions-Untergrund, sondern einen nationalen und sozialen. Wenn der tschechische Antisemitismus identisch wäre mit den: Antisemitisnnis Luegers, ivie köinite sich das „Jüdische Bolksblatt" es erklären, daß jetzt, ivo Lueger die Tschechen in imtionaler und sozialer Hinsicht getäuscht hat, diese voi: ihn: abfallei: :»:d vom Antisemitismus aber auch nichts hören ivollen? Es sollen die Freunde des „Jüdischen Volksblatt" nur in ihr Herz eingehen und erkennen: Die Deutschen Habei: sieh den Inden Sehoi: biele Tage bor dem „Hillnla-Feste" haben sich Pilgerzüge ans den Weg gemacht, um rechtzeitig am Abend des 3P>. Omer in Miron einzntreffen. Da kommen Männer, Weiber, Kinder, Greise, selbst Sehivache und Kranke ans den nnhcgclegencn Städte,: Zcphat, Tiberias und aus den fernsten Orten Palästinas herbei.^ Man sieht Le:ite aus der gai:zen europäischen und asiatischen Türkei. Ans Buchara, der Tartarei, dem Kaukasus, aus Persien, Babyloniei:, Arabiei:, Egypten, Judiei: kommen: Scharei: von Pilgern: mit ihren Familienangehörigen, alle festlich gekleidet, um das Hnldigni:gsfest in Miroi: mitznfeieri:. Und nicht nur die Inden allein, sondern auch Mvhannnedaner :u:d selbst Christen sind unter der Menge. Besonders wird der Name des Rabbi Simeoi: bei: Iochai von den?trabern: hoch verehrt, die ihi: in ihren Nöte»: als Schutzheiligei: anrnfen. Oft erscheinen: auch Vertreter der Obrigkeit :n:d staatliche Würdenträger, um dem Feste beizuwohnen. Der Kaimakan: mit seinem Ehrengefolge von beivaffiu'tel: Kst:!vassen findet sich fast alljährlich ein. Kann: faßt der kleine Ort die von allen Seiten herbeigeströmte Menge. Es ist nicht allein Pietät :»:d Ai:dacht, ivelehe die Triebfeder dieser Bewegung bildet, sondern cnich die den: Orientalln: überhaupt so selten tverdeiwe Gelegenheit, sich der Lebei:slnst und zivanglüsen: Fröhlichkeit hinzngeben, welche an den: Hntdignngsseste zu Mliroi: ii: ihr volles Recht treten. Sehoi: an: frühe»: Nachinittag des 17. Jjar ist Miron ganz vollgepfropft von Fremden, die alle dem ans dem Berge Djebel Miron stehenden Synagogengebände Zuströmen, :nn, wenn cs schon mnnöglieh, inehr ins Innere zu gelangen, da der Platz bereits bollständig gefüllt ist, doch ivenigslcnS außerhalb der Synagoge in dem große,: gerämnigen Hofe die Nacht zuznbringen. Hier befinden sich noch viele andere Räume, in ivelchei: Tag und Nacht von den bereits al:ivesei:den oder erst nngekommenen Pilgern die andächtigsten Gebete verrichtet iverde»:. In der Synagoge selbst soivie in: Beth-Hanndrasch herrscht schon an diesen: Tage ein unanfhürliches Geivoge voi: Konnneickei: und Gehenden, ivelehes bis znn: Abend andauert, dessen Däinmerung mit gespannter Ui:gednld erivartet ivird, damit die Hillnla nnfangen kann. Eingeleitet ivird nun diese durch eines der Hanptinomenie des Festes, das ist nämlich die „Hadtakah" oder daS Entzünden eines großen Frendeisteners. Dies geschieht ans den: flacherr Dache der Synagoge, ivoselbst sich eine nngehenre steinerne Mulde oder schüsselförinige Vertiefung hefindet, in ivelcher eine Menge alter illesle von Leinen-, Baumivoll- und sonstigen brem:baren Stoffen, die alle sehr reielilich mit Oel getränkt sind, schon seit einige,: Tagen vorhereilet liegen, um als Brennn:aterial zu dieinm, ivelehes erst bei völlig eingetretener Nacht nngezündet ivird. Das Volk ergötzt

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