Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 4 (1902)
- Issue
- 35 (29.8.1902)
- Date
- 1902-08-29
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 29. August 1902 Nr. 35 rem Matzstabe fortgesetzt. Die Kinder werden den der Gemeinde bekannten achtbaren Familien in Kost und Pflege übergeben. Nach Absolbiernng der Volksschule kommen sic als Lehrlinge zu Handwerkern oder als Praktikanten in Kaufmaunsgeschäfte oder auch in höhere Schülern Handelsakademien, Gewerbeschulen und dergl., je nach ihren Fähigkeiten. Die Anzahl der Schützlinge betrug im Jahre 1900 828. Davon waren vorschulpflichtig 98, schulpflichtig 412, überschulpflichtig 91.. Die übrigen im zartesten Kindesalter. Die Fürsorge der Wlaisenhausverwaltung beschränkt sich nicht bloß auf die Gewährung von Erziehungsbeiträgen und Vcrpflegskosten, sondern es ist auch eine Waiseninspektion eingeführt, welche eine Kontrole ausübt über den Fleitz und den Fortschritt der schulpflichtigen Kinder, sowie mich Nachfrage hält bei den Meistern oder bei §cn Geschäftshäusern, in denen sic untergcbracht sind. Es werden auch Unterstützungen gewährt bei allfälliger Selbständigmachung derselben. Viele der herangewachsenen Schützlinge haben ihren Wieg gemacht und Stellungen erworben als Baumeister, Buchhalter, Eisenbahn- und Verwaltungsbeamtc. Viele, die Talente haben, ringen sich mich zur gelehrten oder künstlerischen Laufbahn empor. Das Erfordernis für die Gesamtheit der Schützlinge im Jahre 1900 belief sich auf 62 100 Gulden. Diese Waisenversorgung wurde jedoch zum großen Teile nur Knaben zuteil. . Mit Mädchen war die Sache viel schwieriger. Solche unter weibliche Obhut zu geben, ihnen jene Pflege und Erziehung angedeihen zu lassen, wie sie Mädchen anpassend sein sollen, war eine Notwendigkeit, die sich allgemach fühlbar ^machte. Da . faßten die Herren . Brüder von Gutmann den Entschluß, ein Waisenhaus exklusiv für Mädchen zu stiften. Zu diesem Zwecke ließen sie das Häuschen in der Secgasse Nr. 9, wo sich jetzt das Altersversorgungshaus befindet, adaptieren, mit einem Kostenaufwande von 39 000 Gulden. Es wurde im September 1873 eröffnet und es konnten 28 Mädchen aufgenommerr werden. Durch 14 Jahre waren hier die Waisenmädchen gut untergebracht. Von Gebrüder Gutmann wurde das Institut reichlich unterstützt. Im Jahre 1888 beschloß aber die Kultusgemeindc, an dieser Stelle das Altersversorgungshaus errichten zu lassen und der Bau wurde sofort in Angriff genommen. Dadurch wurde das Mädchenwaiseninstitut unterstandslos. In dieser Zwangslage mußte provisorisch ein. im sechsten Bezirk, Mittelgasse, gelegenes, zur Demolierung bestimmtes Schulgebäude von der Kommune Wien gemietet werden und. blieb es bis zum Monate August 1891. Die Brüder von Gutmann kamen jedoch zum Entschlüsse, ein eigenes Haus .für 100 Waisen erbauen und einrichten zu lassen. Es handelte sich zunächst darum, einen geeigneten Bauplatz zu finden. Er sollte in freier, gesunder Lage, mit möglichst ruhiger Nachbarschaft sich befinden. Er sollte ländlich und doch in der Nähe der Stadt und der Verkehrsmittel, zugleich auch nahe von Schulen sein. Es gelang nach vielem Suchen einen solchen, diesen Anforderungen . entsprechenden Grund zu finden, welcher von den Eheleuten Gilly um den Preis von 20 000 Gulden angekauft wurde. Derselbe liegt in Unterdöbling, früher Feldgasse, jetzt Nuthgasse genannt. Seit einem Jahre befindet sich vis-a-vis dieser Gasse das ' Stationsgebäude der Stadtbahn. Mit dem Plane, und dem Baue wurde der weitberühmte Architekt Max Fleischer in Wien betraut. Nach dem Plan sollte das Gebäude ringsum freistehend mit Sorüerrain, hohem Parterre und zwei Stockwerken errichtet werden. Es sollte Raum für einstweilen 60 Zöglinge bieten und Platz gelassen werden für Zubauten für noch 100 bis 120 Zöglinge. Am 22. Oktober 1889 wurde der Bau begonnen und im Juli 1892 samt innerer Einrichtung fertig. Im August dieses Jahres konnte das Provisorium in der Mittelgasse verlassen und der Einzug in das neue Haus vorgenommen werden. Die Bau- und Einrichtungskosten betrugen 152 570 Gulden, daher mit dem Ankauf des Grundes über 172 000 Gulden, welche von Gebrüder Gutmann bestritten wurden. (Fortsetzung folgt.) Emgesendel. Löbliche Redaktion! Als Abonnent Ihres werten Blattes ersuche ich Sie höflichst, mit Berufung auf Ihre Mitteilung (Zeitung vom 1. 8.) bezüglich der Hochzeit' des Herrn Marcell Schaff rnit Frl. Clara Lachs in Wien, Tempel Seitenstettengasse, eine Ergänzung Ihres Berichtes vorzunehmen. Der Herr Großgrundbesitzer und Vizepräsident der Lemberger israelitischen Kultusgemeindc JUDr. Simon Schaff und der Herr Großindustrielle und Zuckerfabriksbesitzer M. R. Sachs in Kiew haben nicht nur in Lemberg anläßlich der Hochzeit ihrer Kinder sich in so schöner Art von ihrer edelsten menschenfreundlichsten Seite gezeigt, sondern sie haben sich auch in Wien durch große Wohltaten den Dank aller Armen und Unglücklichen erworben. So gaben sie unter anderem: 600 Kronen dem jüdischen Blindeninstitute in Wien, 400 Kronen dem Verein „Osten" für rumänische E.migranten, 200 Kronen dem polnisch-israelitischen Tempel (Beth-Hamidrasch) u. a. m. Keiner, weder Privater noch. Verein, welcher in Wien ins Grand Hotel kam, ging unbeschenkt mit leeren Händen weg. Im ganzen haben die Herren in Wien allein 8000 Kronen (achttausend Kronen) wohltätigen, gemeinnützigen Zwecken zugewendet. Für die Richtigkeit dieser Daten stufte ich mit meinem Namen. Indem ich Sie nochmals ersuche," dieser'Mitteilung in Ihrem werten Blatte liebenswürdigst Raum zu geben, verbleibe ich hochachtend Marcus Kammer. Wien, den 27. A u g u st 1902. Löbliche Redaktion! In der letzten Sonntagsnummer der „Neuen Freien Presse" findet sich ein Feuilleton des altgewordenen Humoristen Stettenheim über Karlsbad. Ich würde aus diese, von abgestandenen Witzen wimmelnde Arbeit nicht aufmerksam gemacht haben, wenn sich daselbst nicht ein Passus vorfinden würde, welcher direkt antisemitelt. Für ein Weltblatt k la „Neue Freie Presse" ist das aber eine ganz eigentümliche Sache. Entweder lesen ihre Redakteure nicht die Zusendungen und drucken sie auf Gutglauben ab, was nicht gerade von großer redaktioneller Umsicht zeigt, oder aber die jüdischen Redakteure der „Neuen Freien Presse" finden nichts daran, wenn in den Spalten ihres Blattes ein sehr unhumoristischer Antisemitismus getrieben wird. Der alternde Humorist gönnte sich nämlich folgenden witzig sein sollenden PassuS: „Der Trinker findet auch immer jene Genossen wieder, welche ganz erträglich wären, wenn man ihnen ausweichen könnte, Kurgäste, die nicht allein selbst, sondern deren Rock gleichfalls an der Fettsucht leidet, wenn sie auch nie ein Wässerchen trüben mögen, wie man es ihrem Gesichte und ihren Händen ansieht," Nach der schauderhaften Mißhandlung der deutschen Sprache, wo einem Subjekte in der Mehrzahl ein Prädikat in der Einzahl folgt («Kurgäste, die an Fettsucht leiden"), zu schließen, dürfte die Wiege des Herrn S t e t t e n h e i m auch nicht im Teutoburgerwalde gestanden sein. So viel steht aber fest, daß der Stettenheimer-Humor sehr gewässert ist. Achtungsvoll Dr. Justut. Die jüdische Lesehalle, eine Oase der Armen. , Von Heinrich Diamant (Wien). „Fremdling, hier laß deine Rosse grasen, j Dies ist die schönste der Oasen, ' Sie glänzt lvie inmitten von Topasen, Ein grünftmkelnder Smaragd." Freiligrath. Wie der Wanderer in der Wüste das grünende Eiland betritt, um im Schatten der Bäume und an der labenden Quelle zu rasten, um neue Kräfte zu sammeln für die weitere Reise, so betrete ich auf der Pilgerfahrt meines Lebens, durch das Bachattal der Tränen,, jene Stätte, welche ich als die Oase der Armen bezeichne. Hier erscheinen dieselben unter dem Schatten des Baumes aus dein Dichterwalde, um den schmachtenden Gaumen zu erquicken an der Quelle des lebendigen Wassers unserer Lehre, deren Erklärungen und Geschichte, sich in den einzelnen Blättern widerspiegelt, in den Blättern vom Baume der Erkenntnis, dessen wohltuender Schatten Zeugnis gibt, daß selbst dem Schatten ein Segen innewohnt. Von diesen Gefühlen und Empfindungen beseelt und durchdrungen, betrat ich einst die „Jüdische Lesehalle" des „Jüdischen Volksvereines" in Wien. Auf obgenannten Verein könnte man variierend das Freiligrath'sche Wort anwenden: „Und dicseFlamme, die im Orient entzündet, den Okzident beleuchtet, aus meiner Esse stammt sie her." Und wahrlich, so sind die Karawauenführer in der Wüste um das Lagerfeuer gelagert, wenn die Sonne scheidet, diese bärtigen Antlitze der Araber, diese. stämmigen Gestalten der Moslemiten, und von ihren Lippen strömt der fließende Strom der Erzählung. Hier an dieser Stätte, der Geburtsstätte der Fata Morgana, hier sonnt sich die Phantasie dieser Männer und feiert ihre Orgien bei Märchen und Sagen. Da schmettern die Fanfaren, da ertönen die Hörner, begleitet von taktvollen Schlägen des Tamburins, hier werden die schönsten Luftschlösser gebaut, die danu bestrahlt werden von der heißen Sonne. dem Wanderer in der Wüste als das herrlichste Naturschauspiel der Erde,, als die Fata Morgana, sich zeigend. Hier treiben ihr munteres Spiel die Nixen, Elfen, Feen, die Dianen und ihre verwunschenen Prinzen, die Leander im Kampfe um ihren Heros. Die Krone des Märchens bildet das launige Schäferspiel der Liebe, in ihrer Wandelbarkeit und Standhaftigkeit erscheint dieselbe bald im Kleide der Allegorie, bald sichtbar in dem dichten Mantel der Vision, bald taucht dieselbe auf im lichten Faltengewande der tändelnden Muse, bald verschämt im Negligee des Traumes, etwa aus den Märchen von 1000 und 1 Nacht — Wenn ich jetzt cm den Lesetisch herantrete und eine Zeitung selbst, zur Hand nehme, das lesende Publikum betrachte, dann glaube ich dieses Bild meines Geistes vor mir verkörpert zu sehen. Ja, das sind, die Heerführer der Karawanen. Den ganzen Tag waren sie mit der Mache und den Gefahren, die der Kampf ums Dasein bedingt, betraut und nun treten sie von dem Markte des Lebens ein in diesen geselligen Kreis, um das lesende Publikum zu bilden. Ihre Karawanen, ja das ist das Heer der Leidenschaften, der verschiedenen Alltagssorgen, das sind die vielen Ereignisse, Begebenheiten, die das Schicksal mit sich bringt. Alle die Lebenssorgen, den ganzen Griesgram der Alltagsbürde. haben sie von sich geworfen und sind nun eingetreten in diesen Kreis, um teilzunehmen an dem beschaulichen Neigen, welchen die Dichter ihrer Nation vor ihren Augen führen. Das sind die bärtigen Antlitze der Orientalen, ja das sind die stämmigen Gestalten, mit dem verkrümmten Rückgrat man-; chesmal, aber dennoch mit dem steifen Nacken der Hartnäckigkeit gepanzert (Am Beschey Oref, ein hartnäckiges Volk. 3. B. M.).! Hier träumt der eine, wie der Erfrierende zur Zeit der! Erstarrung des Todes, vom Lenz, vom Frühling, vom lieblichen, j trauten, wärmenden Heim. Hier träumt der eine den Zuuknftstraum seines Volkes, das neu erstanden und glaubt die Ketten seiner leidenden Brüder seien gefallen. Hier sieht der eine vor seinem geistigen Auge die ganze Geschichte seines Volkes sich entfalten. Er sieht die Hirten au dem Brunnen, aus welchem seine Stammväter einst tranken, er sieht die Zinnen Jerusalems in vollem Glanze, bis sie sich verwandelt, nur noch als ein kleiner Punkt, als eine Klagemauer erscheint, umspielt von dem blutigroten Scheine der untergehenden Sonne. Um ihn lispeln die Zedern Libanons. Er hört rauschen die Wässer des. Jordans, des Tigris und Euphrat, des Nils, er sieht die liederreiche Debora, er hört in die Seiten seiner Harfe greifen den ruhmgekrönten Psalmisten. Er sieht vor sich den klagenden Jeremias, den redegewandten Jesaias, er sieht die Karawane seiner Väter durch die Wüste ziehen, ja „Fremdling, hier laß deine Rosse grasen. Dies ist die schönste der Oasen, Sie glänzt wie inmitten von Topasen, _ Ein grünfunkelnder Smaragd." Und wenn nun die Lichter des Saales verlöschen, wenn die Leser der Lesehalle den Saal verlassen, wenn sie aus dem Bannkreise dieser Sonne getreten und nun nochmals den Kampf ums Dasein weiter'kämpfen, da kann man es aus den einzelnen Gesprächen deutlich erkennen. Es ist als ob die einen in der Schule Hillels, die anderen hingegen in der Schule Schamahs gewesen. Beide aber ziehen ab, reich beladen, im Geiste die Schatze erwägend, die ein neuerwecktes Nationalgefühl mit sich gebracht, die ders,'Stolz der Zusammengehörigkeit zu einein ruhmvollen Volke in ihnen gepflanzt. Und nicht selten sah ich es, wie einer der Armen dem anderen eine milde Gabe zur Linderung seiner Leiden übergab, während man draußen im Markte des Lebens die sprichwörtlich gewordene christliche Nächstenliebe ijj überschwenglicher Weise pries. Diese jüdische Nächstenliebe, dieses Solidaritätsgefühl, es tritt an dieser Stätte, welche ich als die Oase der Armen bezeichnen möchte, deutlicher denn je zutage. Man trägt gemeinsam die Beschwerden und Gefahren ein und derselben Reise, man steht gemeinsam unter dem Eindrücke ein und derselben Frage. . Wie dürfte sich wohl der künftige Teil der Reise gestalten, wie viele Kämpfe sind noch zu erwarten? —■ — Mir bedeutet die jüdische Lesehalle eine Sammlnngsstätte jüdischen Geistes und könnte inbezug der Belletristik als das jüdische Der sacrum bezeichnet werden, sie ist das schützende Asyl gegen den Sturm, der da draußen tobt, sie ist der Sitz des rfeicn, unabhängigen Gedankens, demnach die jüdische Freistatt des zwanzigsten Jahrhunderts. Sie gleicht dem Hafen, in welchen die Schiffe ein- 'fahren. Denn geistig hat man eine Welt durcheilt, hat die Blätter an der Wand durchflogen. Man war im hohen kalten Norden, im tiefen sonnigen Süden, im rohen fernen Osten, im »netten wilden Westen gewesen, ist im Hafen am Ziele seiner Anschauungen, zu einem reiferen Erkennen, zu einem reicheren, reineren Denken gelangt. Lieber Leser, kehrst du von deiner geistigen Wanderung zurück, dann entbiete ich dir in diesem Artikel meinen Willkommensgruß, möge sich derselbe den anderen, die an den Winden aufein«» anderfolgen, würdig anreiben. Jude, die Mauern deines Ghettos sind gefallen, für deine Kinder werden räumliche Schulen geschaffen, willst du auf dem Markte des Lebens innehalten, dich verbinden mit den Interessen deiner Brüder und in den geistigen Ruhmeshallen deiner Nation wandeln, dann Fremdling, denn Fremdlinge seid ihr im Land^ Egypten — „Hier laß deine Rosse grasen, Dies ist die schönste der Oasen, Sie glänzt wie inmitten von Topasen, Ein grünfnnkelttder Smaragd." Bücher-Aulaus. * Politisch-anthropologische Revue (Septemberheft). Inhalt: F. W. Diinkelberg: Historisch-biologische Skizze au$ der britischen Pferde- und Vollblntzucht. Leo Sofer: Ueber Vermischung und Entmischung der Rassen. Leopold Kätscher: Die neuesten Forschungen über die Naturgeschichte der Ehe und der Familie. Alfred Bozi: lieber den Einfluß der Naturwissenschaften auf das Recht. Clemens Ehlers: Die klerikale Gefahr im Lichte des Darwinismus. Thomas A ch e l i s: Ethnologie und Ethik. — Berichte. — Besprechungen. Von der „Neuen Zeit" (Stuttgart, Dietz' Verlag) ist soeben das 46. Heft des 20. Jahrganges erschienen. Aus dem Inhalt des Heftes heben wir hervor: Der Niesenstrike der galizischen Bauern. Von S. Haecker (Krakau). — Zur Frage der Proportionalwahl. Von Gustav Hoch. — Zur Schulfrage. Von I. Witt, Lehrer in Brüssel. — Das Müllergewerbe. Von G. Mauerer. — Literarische Rundschau: Eduard Castle, Nikolaus Lenau. Th. G. Masaryk, Die Ideale der Humanität. Von Otto Pohl. Hugo v. d. Palten, Kunst und Proletariat. — Feuilleton: Maurice Maeterlinck. Von Henriette Roland Holst. Briefs aftru. Berliner. Es ist ein ergötzliches Schauspiel, wenn ein Lublinski, ein Meister des deutschen Stiles, ein Drama „Hannibal" schreibt und zwei solche Schädlinge der deutschen Sprache, wie Alfred Kerr und Franz Servaes ihn Hofmeisters wollen. Ueber Alfred Kerr und seine Jongleurkünste, bei dem leider nicht er, sondern die deutsche Sprache sich den Hals bricht, ist kein Wort zu verlieren. Von Herrn S e r v a es wollen wir einige Stilblüten zitieren, z. B. aus seinem Brahms- Feuilleton „Drei Treppen hoch hat er gehaust, d i ch t h i n t e r der Karlskirche, mit einem weiten Blick auf Wien." Wie man dicht hinter der Karlskirche einen weiten Blick auf Wien haben kann, ist unerfindlich. „Um die Eckehcrum mußte er schauen, dann dehnte sich bas Gebäude." Oder aus einem Kunstfeuilleton des Herrn: „Sein Bestes gibt der Künstler diesmal in einigen weiblichen Akten, die delikat im Ton und sicher in der Zeichnung sind, besonders der große, einer vom Rücken gesehenen kauernden Frau," oder „die Kuh mit dem Mädchen ist sehnsüchtig." Man sieht, Herr Servaes hat an sich sehr viel zu korrigreren, bevor er einem Lublinski Lehren erteilt, obwohl Lublinski „zu der Spezies gehört, von der es in den Gegenden Zentral-Europas immerhin ein paar Exemplare gibt." („Tag", 10. August. Worte des Herrn Servaes über die Juden.) Aufmerksamer Leser. Sie haben recht.. Da wir dem „Deutschen Volksblatt" bei seinen Versuchen, unsere Artikel zu fälschen, zu genau auf die Finger sehen, übt es jetzt eine andere Methode. Es bringt unter der Chiffre „I. V." Artikel, das Judentum betreffend, die teils einem in Deutschland unter demselben Titel, teils einem in Oesterreich erscheinenden Blatte entnommen sind, dessen Name dieselben Anfangsbuchstaben hat, wie wir. Wir Übernehmen selbstverständlich nur für unsere Artikel die Verantwortung. Mitteilungen des Vereines für unentgeltlichen Arbeitsnachweis. Oer Verein fUr unentgeltlichen Arbeitsnachweis, Wien, II., Taborstrasse 59 (Telephon Nr. 13.920) bietet den P. T. Arbeitgebern seine kostenfreien Dienste an. Brieflicher oder telephonischer Auftrag genügt, um männliche und weibliche qualifizierte Arbeitskräfte, sowie Hilfsarbeiter, ferner kaufmännische Angestellte und Lehrkräfte beiderlei Geschlechtes zugewiesen zu erhalten. Vorgemerkt sind: I. Klasso: Manuell« Arbeiter. 4 Aufpapper, 7 Bäcker, 6 Buchbinder, 4 Buchdrucker, 2 Kartonnngearbeiter, 0 Drechsler u. Holzbildhauer, 5 Elektromonteure, 7 Fleischhauer, 2 Friseure, 2 Glaser, 3 Goldu. Silberarbeiter, 2 Gürtler, 32 Hausknechte, Geschäftsu. Burcaudiener, 44 Hilfsarbeiter, 1 Hutmaeher, 4 Kellner, 1 Kürschner, 7 Kutscher, 5 Laufburschen, 1 Lederzurichter, IG Lehrlinge, 1 Maschinist u. Heizer, 5 Mechaniker, 4 Metallarbeiter, 8 Monteure, 40 Schlosser, 29 Schneider, 2 Schriftsetzer, 4 Schuhmacher, 2 Selcher, 14 Spengler, 7 Tapezierer, 3 Taschner, 25 Tischler, 6 Uhrmacher, 3 Zeichner, 1 Zuckerbäcker. II. Klasse: Kaufmännische Angestellte. 6 Branntweinversolileisser, 23 Buchhalter und Korrespondenten, 150 Kommis diverser Branchen, 66 Komptoiristen und Strazzisten, 3 Inkassanten, 13 Kanzlisten und Schreiber, 10 Manipulanten und Expedienten, 10 Platz-Agenten und -Vertreter, 54 Praktikanten, 9 Reisende. Weibliche Abtheilung. 1 Bonne und Kindergärtnerin, 66 Komptoiristinnen und Kanzlistinnen, 5 Expedientinnen und Manipulantinnon, 6 ITilfsarbeiterinnen, 2 Kassafräulein', 2 Näherinnen, 18 Praktikantinnen» l Sitzkassiererih, 23 Verkäuferinnen, 1 Verschleisserin, 2 Wirtschafterinnen und Stützen der Hausfrau. III. Klasse: Geistige Arbeit. 7 Hauslehrer u. Hofmeister (meistens Hochschüler, welche Gymnasiasten und Realschüler unterrichten), 2 Lehrerinnen und Erzieherinnen. Offen« Stellen. Gesucht werden von männlichen' l’*’r-onnl: i Heizer, 1 Holzschnitzer, 1 Stockdrechsler, 1 Leder Zuschneider, 1 Uhrmacher (ungarisch sprechend), mehrere Gürtler und Bronzemonteure, 1 Fleischhauer, Tischler (auf Maluigonimübel), Lehrlinge, 1 Komptoirist (französisch), 1 Korrespondent (italienisch), Kommis (Manufaktur und Mode), Konunis (Manufaktur und Wäsche). Von weiblichem Person"!: 1 Verkäuferin (Haus-und Küchengeräte), 1 Wärterin, 1 Stütz© (sehr tüchtig), Modistinnen und Verkäuferinnen (für den XIV. Bezirk).