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Jüdisches Volksblatt · 1902-08-29 · 35 (29.8.1902) · p. Seite 4

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
4 (1902)
Issue
35 (29.8.1902)
Date
1902-08-29
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Wien, Freitag indisches Volksblatt 29. August 1902 N* 35 Obere Donaustraße 55, das Polizeikommissariat, Große Sperlgasse Nr. 11, und das Bezirksamt, und cs ist auch einer Großstadt unwürdig, daß die Lcopoldstadt eines selbständigen Postgebäudes entbehren muß, das ja heute schon die kleinste Provinzstadt besitzt. Dieser Komplex verfügt über eine bedeutende Area, welche alle diese öffentlichen Gebäude zur Verschönerung aufnehmen könnte. Aber cs scheint, das; auch in dieser Frage die Verhandlungen ad calendas graecas verschleppt werden. Nicht minder wird die Leopoldstadt in administrativer Beziehung unberücksichtigt gelassen. Sämtliche Bezirke sind bereits in ihren Armeninstitutioneir organisiert, nur die Leopoldstadt nicht. Von den ihr zugewiesenen und vom Bezirksrate im Jänner cneses Jahres gewählten 122 Annenräten tvurden nur die 37 christlich-sozialen Armenräte bestätigt, während die übrigen 85 die Bestätigung seitens des Stadtrates nicht erlangten und eine Neuwahl vorgenommen werden muß. Vor dem seinerzeitigen Wahlgauge ivurdc auf die politische Gesinnung der Kandidaten für den Armenrat keine Rücksicht genommen, weil man von der Voraussetzung ansgegangen ist, das; diese Institution dem politischen Getriebe fernstelie und die Armut der Petenteu nur sächlich und unbeeinflußt geprüft werden solle und müsse. Unter den Znrückgclviesenen befinden sich Mittelschulprofessoren, Lehrer, Staatsuild Bahnbeamte uild Getverbetreibcilde, achtbare Bürger, die seit Dezennien im Bezirk seßhaft sind. Ich meine, die Armenvertretnng ist eine Sache, die dem politischen Getriebe vollständig entrückt bleiben sollte. Juden als Feldarbeiter. Ans Krakau wird geschrieben!: Die Erlverbsfähigkeit nimmt hierzulande sowohl in den größeren lvie in den kleineren Städten täglich und stündlich größere Dimensionen an. Baumstarke, arbeitsgierige und arbeitslustige Männer lvie Frauen lungern daselbst in Massen beschäftigungslos, hungrig und ermattet in den Gassen herum. Es tauchten bereits in den letzten Jahren verschiedene angebliche Philanthropen und ganze Korporationen auf, welche sich zum Ziele steckten, der Notlage der arbeitslosen jüdischen Bevölkerung mit Hilfsaktionen entgegen zu arbeiten, aber alle diese humanen Absichten haben au dem Unernste und dem grenzenlosen Strebertum der Honoratioren in den größeren Gemeinden Galiziens sich zerschlagen. Die bis nun einge- Iciteten Schritte, dem in Rede stehenden Elende der Erwerbsleben entgegenzuwirkcn, sind fruchtlos geblieben. Es bleibt daher nichts als die Selbsthilfe übrig. Und auf diesem Gebiete hat der Herr "Eh. N. Reicheuberg, Herausgeber der „Sprawiedliwosc", eben einen Versuch gemacht. Derselbe berief Dienstag den 18. d. M. eine Konferenz jüdischer Grundbesitzer der hiesigen Umgebung zum Zwecke, solche zu bewegen, unter den vielen christlichen auch jüdische Arbeiter im Felde und im Schuppen zu beschäftigen. Alle, welche arl der Konferenz teilnahmen, erklärten ihre Bereitwilligkeit hierzu. Und nun forderte Herr Reichenberg Freitag den 22. d. M. alle diejenigen Juden, welche zur Feldarbeit gehen wollen, mittelst Plakaten auf, sich im Tempelsaale — diesen hat der bekannte Wohltäter und Tempelvorsteher Herr Hermann Aschkenash mit Begeisterung für die heilbringende Aktion zur Verfügung gestellt wo er diesbezüglich amtieren wird, zur Feldarbeit anzumelden. Es haben sich im Verlaufe von 2 Stunden 98 heldenhafte und zur Feldarbeit geeignete Männer, sowie 6 Frauen angemeldet und flehentlich gebeten, daß man sie so schnell wie möglich zur Arbeit schicke. Es dürften sich hier aber viermal so viel Leute wie bis dato zu dieser Arbeit, mit welcher sich doch die Juden schon in ihrem Heimatlande, in Palästina, beschäftigen, melden. Alle, welche sich bis jetzt einschriebcn, werden bei Grundbesitzern untergebracht. Möge dieses Beispiel in allen Städten Galiziens sofort Nachahmung finden entweder durch das Auftreten einzelner beherzter, volksfreundlicher Männer, oder durch Korporationen, die Rationelles für die hungrige Bevölkerung herbeischaffen wollen, und ein größerer Teil der arbeitsfähigen und arbeitcntbehrenden Juden könnte zu Erwerb gelangen. Wenn die Grundbesitzer in der Krakauer Umgebung es für angemessen erachten, ihre Glaubensgenossen bei sich zu beschäftigen, könnten dies die Gutsbesitzer und Gutspächter in den kleinen Städten umso leichter tun. Es braucht nur der Initiative wahrer Volksfreunde, und in ganz kurzer Zeit wären tausende erwerbsloser jüdischer Proletarier in den galizischen Städten einem menschenwürdigen Berufe, der Feldarbeit, zugeführt. klause der damalige Besitzer der Domäne Jasienow, Straßer, eigenhändig mithelfen mußte, um das Floß auf das Hauptwasser zu bringen, weil die vorhandenen Flößer dazu keinen Mut fairden. Man war dazu gezwungen, fremde Flößer, und zwar aus Ungarn, zu bringen. Es läßt sich jedoch nicht ableugnen, daß der Huzule viele angeborene Fähigkeiten besitzt. So geschah es, daß bald das Beziehen fremder Flößer überflüssig wurde, die einheimische Bevölkerung bewältigte vollständig die gestellte Aufgabe und man war mit ihrer Leistung vollkommen zufrieden. Seit etwa 6—ß Jahren haben sich jedoch in das bis jetzt lediglich von den Huznlen beherrschte Arbeitsgebiet gefährliche Konkurrenten, die Juden, hineingedrängt und behaupten siegreich das Feld. Die ersten Versuche seitens der Inden, in dieses ihnen noch fremde Gebiet einzudringen, waren öfters mit heißen Kämpfen verbunden, in denen die Juden zumeist den kürzeren zogen. Mit der Zeit legten sich die Wogen und man hat sich' mit dem Gedanken, die Juden als Flößer zu sehen, bereits vertraut gemacht. Heute wird man sehr oft den in der Kleidung vom Huzulen sich gewaltig unterscheidenden Juden in gemeinsamer Beschäftigung mit dem Huzulen aus dem Floße sehen. Auf diese Weise haben die Juden es soweit gebracht,' daß gegenwärtig etwa 100 Mann, das ist beinahe die Hälfte sämtlicher Flößer, der semitischen Rasse angehören. DaS Arbeitsverhältnis .hat sogar die Gemeinschaft der Interessen gebracht. Die jüdischen Flößer stammen aus Kutp in Galizien und Wiznitz in der Bukowina, in welchen Städten viel jüdisches Proletariat vorhanden ist. Der Mangel an anderweitiger Beschäftigung war die Veranlassung zum Betreten eines für die IudeuDns jetzt vollständig fremde,! Gebäckes, in ivclchem sie sich vorläufig mit dem Vertriften der fertiggcstcllten Flöße befassen. Nun fragt man sich, ob die Inden zu dieser Art der Arbeit sich geeignet zeigen und da muß bekräftigt werden, daß dieselben ihre Arbeit ebensogut und sogar noch besser verrichten, als . die bisherigen Flößer. Die diesbezüglichen Angaben der Hokzhändj ler stimmen alle darin überein, das; die Juden bessere Flößer sind, l als die Huzulen. Sie Verstößen größere Mengen Holz auf einmal,; welcher Umstand von großer Wichtigkeit für den Holzbesitzer ist. j Oft habe ich gesehen, daß ein jüdischer Flößer zwei Tafeln gleich-! zeitig, mit einem Gehilfen 3—4 Tafeln geführt hat. Mit dem Bin- ' sich den Kopf nicht mit der müßigen Frage, welchen Zwecken ihre Spende zugeführt werden wird, noch weniger fällt es ihnen ein zu untersuchen, ob die ins Leben zu rufende Institution mich ihren Glaubensgenossen zugänglichzu Nutz und Frommen sein wird. Es genügt, daß der Aufruf zur Beteiligung von Ariern ausgeht, welch letzteren freilich aus kluger Taktik einige Aufputzjuden beigesellt wurden. Winkt doch die frohe Hoffnung, der glückliche Zufall werde es mit sich bringen, in dem zu veröffentlichenden Spendenverzeichnis neben einem adeligen Arier zu figurieren Es bietet einen unwiderstehlichen! Reiz, von der Gloriole einer fürstlichen Krone beschattet zu werden. Jahrelang schwelgt man dann in dem Genüsse, im Index der Spender neben einem obskuren Grafen oder einen! feudalen Baron sich abgedruckt zu sehen, die sonst ihren Verkehr mit den Juden mit der urbanen Floskel: „Kusch', du Judl" erschöpfen. Wie anders, tvie grundverschieden dagegen benehmen sich die jüdischen Finanzgrößen und reichen Inden, tvenn es sich darum handelt, Anstalten und Institutionen zu fördern und zu unterstützen, die rein jüdischen Zwecken zu dienen haben. Da genügt in der Regel nicht der einfache Aufruf in bctt Zeitungen, da bedarf cs des eindringlichsten Appells, der kostspieligen brieflichen Erinnerungen und der persönlichen Intervention durch Deputationen usw. Und ivas ist der Erfolg hiervon? In der Regel ein lächerlich minimaler, ein tief beschämender. Man glaubt sich mit einem Vettelbetrage schon genügend abgefunden zu haben und prostituiert dermaßen die Bittsteller, die betreffende humanitäre Institution, noch mehr aber sich selbst. Allein mau hat für diese Beschämung alle Empfindung verloren, und diese. Empfindung wieder zu wecken und ivachzurufcn hat sich das „Jüdische Volksblatt" zur heiligen Pflicht, zur unermüdlichen Aufgabe. gemacht, der sie unentwegt nachzukommen gedenkt, ohne Rücksicht darauf, das Mißfallen der Betroffenen auf sich zu lenken. Die vorstehende Schilderung richtet sich ivohl im allgemeinen auf die momentanen Zustände, soll aber auf die Heilanstalt für Brustkranke in A l - l a n d speziell Anwendung finden. Diese Heilanstalt, zum überwiegendcn Teile von jüdischem Gelde errichtet, wird in die Verwaltung des Landes Niederösterreich übergehen, das heißt soviel, daß weiters jüdische Patienten in derselben keine Aufnahme finden den der Floße befassen sie sich nicht. Diese' Arbeit verrichten noch j werden. I» Wien befindet sich aber ein „Verein zur Verpflegung die Huzulen. Die Inden übernehmen die von den Huzulen fertigi jüdischer Brustkranker aus dem Lande", der alljährlich hunderten gestellten Flöhe und entlohnen die Arbeit sofort an Ort und Stelle.! von jüdischen Brustkranken die Möglichkeit bietet, sich von ihrem Der Hauptgewinst beim gesamten Flößereibetriebe ist jedoch r/.ht. schweren Leiden zu befreien. Der derzeitige hochverdiente Verkeim Binden, sondern beim Flößen zu finden. Das diesbczüg-! einsobmann Dr. Adolf Hoffmann ist bestrebt, eine Heilanstalt Unsere Großen. M.t Bezug auf die Notiz „Unsere Großen" in der letzwnen Nummer Ihres geschätzten Journals ersuchen wir Sie um die Aufnahme nachfolgender Berichtigung: Es ist unwahr, daß uns seitens des Bankhauses S. M. v. Rothschild in Wien fl. 50 als Spende für unseren Tempelbau gegeben wurden. Wahr ist, daß uns auf unsere persönlich vorgebrachte Bitte der namhafte Betrag von K 2000 für diesen Zweck zugesendet wurde mit dem Bemerken, es werde wahrscheinlich nach Vollendung des prächtigen Baues, der unsere Mittel völlig erschöpfte, noch eine weitere Zuweisung erfolgen. An den „zweiten Träger dieses Namens" haben wir uns sohin mit einer Bitte um eine Subvention gar nicht gewendet. Zum bleibenden Zeichen unserer Dankbarkeit hat der Kultusausschuß aus den Mitteln der Gemeinde ein Votivfenster gewidmet, das die Umschrift trägt: „Ihren hochherzigen Gönnern Nathaniel und Albert Freiherren von Rothschild. diedankbareKultusgemeinde".Hochachtungsvoll Israelitische Kultusgewemde Wr.-Reustadt. Der Kriltu-worsteher : S ch i s ch a. Anm. d. Red. W r entnahmen die Nachricht d.r „L iubhütte", wie wir ausdrücklich bemerkten. Juden als Holzflösier auf dem Czeremoszflusse. In der „Forst- und Jagdzeitung" vom 1. ds. finden wir eine interessante Schilderung „Die Trift auf dem Czerernoszflnsse" Vom k. k. Forstrcne L. Kochanowski, in welcher auch über die Eigenschaften der Flößer berichtet wird. Es heißt da: „Zn dieser Schiusernng der Triftverhältnisse im Gebiete der Czeremoszflüsse fügen wir noch diejenige der Eigenschaften der Flößer hinzn, weil sich hier langsam Verhältnisse vorbereiten, an welche man bis jetzt gar nicht gedacht und die man riicht geahnt hatte. Dein bäuerlichen Flößer erwächst nämlich eine nicht zu verachtende Konkurreiiz seitens der Inden. Für die anfänglichen, beschränkten Verhältnisse sind die einheimischen Kräfte mit ihrer bisherigen Uebniig ausreichend getrefen. Mit dein Momente aber, als man begoniien hatte, die Waldungen intensiver zu nützen, ergab sich Mangel an eingeuvten Flößer» lind Triftknechten. Mit tvelchen Verhältnissen man hier zu kämpfen hatte, beweist der Umstand, daß im Jahre 1803 nach Inbetriebsetzung der Szhbenyliche Entlohllungsverhältnis steht etwa 1 : 2 (Binden : Flößen) und findet seine Begründung in dem Risiko beim Flöhen. Auf diese Wjeise findet der Jude leichtere, gleichzeitig aber auch besser ciitlohntc Arbeit. Infolge seiner eifrigeren Tätigkeit ist auch der tägliebe Verdienst des jüdischen Flößers höher als derjenige des Huzulen. Während nämlich der Huzule täglich mit 2—3 Kronen sich zufriedenstellt, verdient der jüdische Flößer 5—6 Kronen täglich. Vom sozialökonomisthen Standpunkte ist es jedenfalls vorteilhafter, wenn der Jude in wirklicher Arbeit seinen Erwerb findet; dies ist ja sogar wegen der rascheren Mehrung des Volksvermögcns ^wünscht. Anders verhält sich aber die Sache, ivenn man den jüdischen Flößer mit dem Huzulen bezüglich der Intelligenz vergleicht. Der Jude steht verhältnismäßig aus einer höheren Stufe der Bildung, er ist unternehmungslustig und da er auch als Flößer gewisse Vorzüge hat, so ist die dem bisherigen Flößer, dem Huziilen, erwachsende Konkurrenz gar nicht zu mißachten. Der Huzule ist nicht unternehmungslustig, besitzt keinen Sparsinn und kann das gegebene Versprechen beinahe nie einhalten. Diese Eigenschaften eines Ackerbauers stehen im.krassen Gegensätze zu den Vorzügen eines Geiverbsmannes und deswegen befindet sich der Huzule gegenüber einem Juden im Nachteile." ' Karlsbad. Es dürfte für diejenigen Ihrer Leser, welche unseren Badeort ailfzüsiichcn genötigt sind, erwünscht sein, zu erfahren, das; die Inhaber nachstehender Hotels, Häuser und Cafes in der antisemitischen Bewegung hervorgetreten sind: Hotel Morgenstern, National, de Nussic, Residenz-Hotel; die Häuser Grillparzer (Alte Wiese), Römischer Feldherr (Neue Wiesel, Oelzweig lMaricnbaderstraße), Jtalia, Florenz. Germania (Schloßberg), Stadt Warschau, Insel Malta, Rosenstock (Kaiserstr.), Brandenburger Tor (Kreuzstr.), Preußische Krone, Egeria, Diamant, Englische Krone (Egerstr.) und Schubert (Parkstr.), die CafeS Sanssouci und Schweizerhof. Neuer Tempel in Sarajevo. Ter neu eisraelitische Tempel in der Theresiengasse mit einer Seitenfront gegen den Appel-Quai gerichtet, geht seiner Vollendung entgegen und präsentiert sich sowohl durch seine Dimensionen als seine dekorative Ausstattung als eine Zierde der Stadt. Innerlich ist der Tempel in eine Vorhalle, den eigentlichen Tempelraum mit dem Al memor und angebauter Bundeslade eingctcilt. Rechts und links vom Al memor befinden sich erhöhte Räume für die Sitze des Gemeindevorstandes. Jin ersten Stock ist ober der Vorhalle der Sitzungssaal des Gemeindevorstandes angebracht, und zwar so eingerichtet, daß er bei größeren Feierlichkeiten auch zum Haupttempelraum eiubezogen werden kann. Links von der Vorhalle führt de Stiege auch zur Frauengalerie, welche auf eisernen Säulen ruht. Außer den Stehplätzen zählt der Tempel 354 Sitzplätze. Der Baustil des Tempels ist orientalisch, und zwar egyptisch, wie er bei den Bauten in Kairo üblich st. Die äußere Fassade ist eine imitierte Stuckfassade im Elsenbeinton, doch sind zur Belebung der Fassade einzelne Details in diskreter Weise vergoldet. Den Bau flankieren vier Kuppeln, welche durch Zerladcn aus mit Blatt-Aluminium bedecktem Blech verbunden sind. Das Terrain um den Tempel wird planiert und gegen die Miljacka hin parkiert. Die dekorative Ausschmückung des Jnneiiraiimes ist mit Rücksicht ans die knappen Mittel nicht durchweg plastisch, lvie es für den Stil passend wäre, sondern zumeist als Malerei ausgeführt, und zivar die Plafonds des Haupt- und Al memor-Naumes in Oelfarbe mit Vergoldung, der Nest in Leimfarbe mit teilweiser Vergoldung. Die architektonische Einfassliiig der Bundeslade wird reich in Oelfarbe und Vergoldung ausgeführt sein. Die Vorhalle und Nebeulokalitäten sind in einfacher Weise auSgestattet. Der Ban kostet ohne Einrechnung des Bauplatzes zirka 85 000 K. Die Initiative zum Tempelbau gaben die "hiesigen Kaufleuke Herren Simon Glückselig und Josef Neuer. Der grösste Teil der Bnusumme wurde durch Sammlungen der Herren Jakob Bruckner und Simon Glückselig aufgebracht. Der anfopferliden Tätigkeit dieser Herren hat es denn auch die Kolonie österreichisch-ungarischer Israeliten zu berdaukeu, das; sie uniimehr einen des erhabenen Zweckes ivürdigen Tempel besitzt. Die CilNveihung des Tempels findet am 25. September statt. Zu dieser Feier spendete die Selbstbildungsgesellschaft der israelitischen Jugend auf Anregung des Herrn Ludwig Merton iene Thora. Arische Wohltätigkeitsanstalten von jüdischem Gelde. Nil admirari I Nichts darf nns derzeit berwunderil. Es ist die alte Geschichte, doch bleibt sie ewig neu. Irgend ein abgelebter arischer Kavalier empfindet plötzlich die Sehnsucht, sich bemerkbar zu machen, eine Finanzgröße dagegen wird unversehens von Knopflochschinerzeu befallen. Hierfür gibt es ein probates Mittel, eine göttliche Idee, die unfehlbar znin Ziele führt. Es tvird die Ercichtillig einer hnmaiiitären Jnstitntioii propagiert. Ein hochgehender Appell an das goldene Herz ergeht. Vorerst in kleinen Trupps, nach einer Weile jedoch in hellen Haufen kommen sie gerannt, ihren Obolus ans den Altar der Nächstenliebe liiederznlegen. Wer sind aber diejenigen, die denr Rufe der Menschlichkeit, dem Appell an die Mildtätigkeit so prompt und niilveigerlich Folge leisten, die mit voller Hand die Gaben bringen, die den Geldsäckel so angeltveit anftun? Es find Inden, abermals Inden und wieder Juden. Sie zerbrechen z ugründcn, in lvelcher diesen jüdischen Brustleidenden eine den modernen Anforderungen entsprechende ärztliche Behandlung und systematische Pflege geboten werden könnte. Ein Bauplatz ist bereits vorhaudeli, ebenso eini Ansehnlicher Baufouds, es fehlt nur noch ein verhältnismäßig geringfügiger Betrag, welchen herbeizuscbasfen trotz aller Avvelle noch immer nicht gelungen ist. Für Allarid hat eine jüdische Finanzgröße 300 000 Kronen gespendet, für daS in Roznau zu errichtende jüdische Tuberkillosenheim bringt aber die Gesamtheit der jüdischen Hochfiiianz nicht den nitnimalen Fehlbetrag von nicht ganz 50 000 Kronen auf. Dies ist wohl das beste Kriterium für den ganzen Jammer, für das große Elend unserer gegenwärtigen Zustände, die eine Braudmarkung, eine Geißelung verdienen. Mögen unsere reichen Juden nach wie vor arische Wohltätigkeitsanstalten nach Herzenslust fördern und unterstützen, dagegen haben wir nichts einzuwenden, wir wünscheil dies sogar; dagegen können wir verlangen und fordern, daß unsere wohlhabenden Glaubensgenossen auch eingedenk sein mögen ihrer Verpflichtung gegenüber jüdischen humanitären Institutionen, daß sie auch für diese eine offene Hand, ein ivarmes Herz betätigen. Autotomie. Aus Suczawa wird geschrieben: Bekanntlich ist der Krebs dasjenige Tier, an dem am häufigsten und deutlichsten die Autotoniie nachgewieseu wird. Er entfernt '«-jedes an seinem Körper krank gewordene Glied unter Anwendung größerer Austrengungcn. Er ist dann selbst Arzt und Patient zugleich. Diese Erscheinung hat man bisher lediglich bei Tieren beobachtet. Aber ein vernünftiger Mansch lernt selbst von unvernünftigen Tieren. Kühne, der Begründer einer Wasserheilanstalt in Leipzig, lernte die Natiirhcilmethodc, wie er in seinem Büchlein selbst sägt, von .einer Katze. Wfenn die Weisheit einer Katze nicht rein für die Katz' ist, warum soll man nicht auch voli einem Krebs etwas lernen können? So dachte unser Killtusvorstand. Er warf sich auf das Gebiet der Autotomie und erlernte sie, jedoch blieb vom Autor Krebs der Krebsgang daran haften. Der Vorsteher der israelitischen Kultusgemeinde hat drei seiner Familienmitglieder abgestoßen: drei. Söhne tvanderten in das Christentum. Nach dieser glücklich durchgeführteu Operation wird weiter operiert. In dem Suczawaer Gemeindccmsschuß waren der jüdischen Bevölterungszahl entsprechend 13 Juden. Bei der letzten Gemeinderatstvahl hat unser Kultusvorsteher sich selbst und noch ztvei andere Juden hinausantotomiert. Nach gelungenen Schülervernichen ging null unser Autotom daran, ein Meisterwerk seiner Kunst der Welt zu bieten. Er geht nun daran, auch innere edle Teile seinen Versuchen zu unterziehen: Die Inden hier hatten eine eigene Volksschule, gewiß nicht das Produkt der Tätigkeit des diesmaligen Kultusvorstehers; diese Schule leistete mehr als man überhaupt von einer derartigen Anstalt erwarten kann. Nnn paßt dieselbe nicht in den Kram des Kulttisborstehers und er hat bis ans weiteres ans eigene Faust die erste Klasse dieser Schule für aufgelöst erklärt. Einst gab es Männer unter den Juden in Sczatva, ivie Feiwel Thaler, S. Weidenfeld, Dr. Schaffner; doch sie sind dahin und ihre Nachfolger im Kultusratc sind ihrer Manneskraft beraubte Eunuchen, die dem Winke des Snltan-'Kuttilsborstehers blind gehorchen. An diese Herren ergeht ein Mahnruf vergebens. Höchstens könnten sie es bei der künftigen Wahl svüren. Nun noch eine Bemerkiliig zur Autotomie. Während die Natur den Krebs für seine verlorenen Glieder durch das N'achivachsen anderer Glieder an deren Stelle entschädigt, bleiben die Resultate des Kultns- Vvrstehers für immer dieselben, ohne Entschädigung. Demi seine Kinder werden nicht Ivieder Inden. Ans dem Gemeindeausschlls; bleibt er hoffentlich für immer weg und wenn er auch selbst aus dein Knltusvorstande hinwegautotomiert ivird, könnell seine drei obigen Söhne nach ihrn Kaddisch saget:. Ausland,. Das neue Rathaus in München. Hoch droben in dem Giebel des neuen Nathausbaues, der sich in der Landschaftsstraße über dein Erker beim Anschluß an den alten Teil erhebt, schauen als Konsolen ztvei Jndeiiköpfe hernieder, ein Männ lind eine Fra» mit charakteristischen Zügen und Spruchbändern in den Händen, darauf allgemein giltige Worte eingelneißelt sind. Zunächst völlig unbeachtet, erregten die Bildtverke erst vor kurzem größere Aufmerksamkeit, da sie Veranlassung tvareu zu gehässiger Auslegung nnd zil vom Künstler nicht beabsichtigten Witzen. Denn nichts liegt dem Meister ferner, als durch den Bildschmuck, den er harmlos über das Gebäude verteilt, irgend jemalides Gefühle oder Interessen zu verletzen. Er ist aber tvohl der Ansicht, das; ein Gebäude tvie das Nathans, gleich tvie es beriisen ist, in seinen Hallen die gegentvärlige iliid kommende Geschichte der Stadt sich abspiegeln zu sehen, so auch der Eriniierniig an die Ereignisse früherer Jahrhunderte dienen müsse. So haben denn auch der Jude und die Jüdin, welche d.ort angebracht sind, gerade an dieser Stelle ihre tiefere Bedeutung. Sie schallen ans der Lnndschaftsstraße Uber das Hänsergetvirr nild das schmale Zlvischeligäßchen hinüber in die heutige Gruftstraße, an die Stelle, lro einstens vor vielen linndert Jahren die damalige Kultusstätte der Juden lag. Denn die heutige Lnndschaftsstraße, uisaiililien mit der Grnftstrnße, bildeten vor Alters das Inden- Viertel der Stndt, dessen Mittelpunkt, die Synagoge, dort stand,

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