Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 4 (1902)
- Issue
- 34 (22.8.1902)
- Date
- 1902-08-22
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Wien, Freitag Jüdisches Volksbiatt 22. August 1902 Nr. 34 Absicht in meinem Artikel nicht anküudigte. Dieser Artikel folgt demnächst. Ter verehrte Verfasser der Entgegnung bestreitet es, daß die Bahnverzwciguttg die wirtschaftliche Lage vieler Inden in Galizien verschlimmerte, zumal vom national-ökonomischen Standpunkte ausgehend, die Ausdehnung der Transportmittel, die wirtschaftliche Lage der betreffender Länder noch hebt. Diese Nornr der National- Oekonomie ist im allgemeinen eine richtige, aber bei der Ursache der Verarmung vieler jüdischer Familien in Galizien nicht zutreffende. Tatsache ist cs, daß die Eisenbahnen dazulande die Produzenten mit den Konsumenten in direkte Verbindung brachten, den Zwischenhandel in Feldprodukten entbehrlich machten und tausende jüdischer Familien, welche von solchem lebten, förmlich aufs Maul legten. In anderen Ländern bestehen auch landwirtschaftliche Vereine und diese üben gar keinen Einfluß auf die wirtschaftliche Lage der Juden in denselben. In Böhmen und Mähren sind auch wirklich landwirtschaftliche Vereine vorhanden, welche die ökonomische Lage der Juden in diesen Ländern gar nicht tangieren. Aber wie sollen die Verhältnisse unserer Stammesgenossen in Böhmen und Mähren mit denen der Juden in Galizien einen Vergleich aushalten? In Böhmen und Mähren machen die Israeliten 1 Perzent der Gesamtbevölkerung aus; diese beschäftigen sich vorwiegend mit der blühenden Industrie in diesen Ländern und zum kleinen Teile auch mit Handel, während hierzulande die Juden 11 Perzent der Gesamtbevölkerung ausmachen und beschäftigen sie sich vorwiegend mit Handel und der Kleinkrämerei. Wenn daselbst die landwirtschaftlichen Vereine (Kolka rolnieze) bis dato 1662 Vcrmischtwarengeschäfte in verschiedenen Dörfern und Marktflecken in Betrieb setzten, so sind durch diese Konkurrenz selbstredend einige tausend jüdische Familien betroffen worden und ums Brot gekommen. Das Nebel liegt in dem galizischen Juden selber, in seinem kulturellen Rückstände, in seiner geistigen Umnachtung und ich behaupte, daß die geistige Umnachtung die Ursache ist, aus der die materielle Notlage erfolgt, schreibt der geehrte Verfasser der Entgegnung. Daß die galizischen Juden sich in einem kulturellen Rückstände, in einer geistigen Umnachtung befinden, ist eine nagelneue Entdeckung. Der Verfasser der Entgegnung meint vielleicht das Zeit- Ungemäße der Tracht der konservativen Juden in Galizien. Bekanntlich findet sich unter den galizischen Juden kein Analphabet, der im Lernen Zurückgebliebenste kann auch hebräisch lesen und etwas Jargon schreiben und von geistiger Umnachtung der galizischen Juden darf fchon in Anbetracht ihrer sprichwörtlichen Aufgewecktheit und gefürchteten Raffiniertheit gar nicht gesprochen werden. Die unteren Schichten in Niederösterreich, Böhmen und Mähren besitzen doch weniger Wissen und Bildung als die der Juden in Galizien und dsch find die elfteren in der Lage, auch Brot zu verdienen und die letzteren sind erwerbslos. Die Ursache hiervon liegt auf der Hand, in Niederösterreich, Böhmen und Mähren bieten die Jndustrieunternehmungen Arbeitsgelegenheit, während in Galizien keine Industrie vorhanden ist, leidet das Volk daselbst Mangel an Erwerbsgelegenheit und darin liegt das Uebel der mißlichen wirtschaftlichen Lage der armen galizischen Juden. Die galizischen Juden vergeuden unnütz ihre Zeit und verschmähen jede physische Arbeit, schreibt ganz ungeniert der Verfasser der Entgegnung. Diese Insinuation muß ich im Namen einer hungrigen Volksmasse in Galizien mit aller Entschiedenheit zurückweisen. Der Verfasser hat da der galizischen Judenmasse unverzeih'licherweise einen schwerwiegenden Vorwurf gemacht, er tat es aus evidenter Unkenntnis der wahren Verhältnisse, denn schlechte Absicht ist ausgeschlossen. Die galizischen Juden verschmähen jede physische Arbeit und doch arbeiten in den Naphthagruben von Boryslaw, Schodnica, Sloboda-rungurska usw. unter- und oberirdisch zirka 6000 Juden ununterbrochen; 10 000 arme Juden bewerben sich stets bei den Administrationen dieser Gruben um Arbeit und können solche nicht erlangen. .Der größte Teil der galizischen Lastträger, Fuhrleute usw. find Juden. Vor zirka 13 Jahren gründete der gottselige Graf Hompesch in seiner Besitzung im Städtchen Rudnik eine Korbflechterei-Fabrik und sofort stürzten Juden ohne Unterschied des Geschlechtes, Jung und Mt, zur Arbeit herbei. Bis heute ernährt sich die jüdische Bevölkerung in Rudnik von der Korbflechterei. Schon um 6 Uhr vormittags gehen von Grodek etwa 400 Juden nach dem eine Meile weit von da entfernten Czerlany, um in der Papierfabrik der Brüder Kolischer die Lohnarbeit zu verrichten. . In der Zigaretten-Papierfabrik der Brüder Weiser in Sassol» arbeiten stets 800 Juden, Männer, Frauen, Mädchen und .Knaben mrd eine solche Zahl Personen jüdischen Glaubens bewirbt sich in dieser immer vergebens um Arbeit, die leider nicht mehr vorhanden. Alle Arbeiter und Arbeiterinnen der Zündhölzchen-Fabriken in Skole, Wizniow, Stryj und Kolomea lind Juden. Hierorts beschäftigen sich 1200 junge Leute jüdischen Glaubens bei der Schuhoberteile-Fabrikation. In Galizien bestehen 36 230 selbständige jüdische Handtverksmeister, 5 Köpfe pro Familie gerechnet, somit 181 150 jüdische Seelen, die sich dem Handwerkerstände widmen. Wieder eine große Masse, die die physische Arbeit nicht verschmäht. Wenn sich so manche Zeloten der besitzenden jüdischen Klassen finden, die darauf stolz sind, daß sie der arbeitenden Klasse nicht angehören, so zählen diese zum Abschaum der galizischen Juden, wie über einen ähnlichen doch jedes Volk verfügt. Tie Lage der Handwerker in Galizien ist keineswegs ungünstig, sagt der verehrte Verfasser der Entgegnung. Das ist auch unrichtig. Durch die Ueberschwemmung des Landes mit fertigen Waren, wie Schuhen, Kleidern und Möbeln, hat das Handwerk in Galizien an realem Wert verloren. Und derjenige der Handtverksmeister oder -Gesellen, der die Reiscspesen irgendwie zusammenbriugen tänri, sucht das Weite, nach Frankreich, England oder Amerika. Und die, welche keilte Reisekosten aufbringcn, müssen hierzulande mit Familien darben und verkümmern. Tie Sistierung der Bautätigkeit in den größeren galizischen Städten hat eben die Handwerker des Baufaches ganz lahmgelegt und viele jüdische Werkstätten in Lemberg, Krakau und Przemysl, die größere Zahleit Geselleit bechäftigteti, sind gegenwärtig ganz gesperrt. Zum Schlüsse betone ich lvicdcrholt, daß ich auf mcitten zwölfjährigen dichteit Geschäftsreisen dazulaitde die Gelegenheit hatte, die Verhältnisse genau zu studieren und meiner unmaßgeblichen Anschatiung nach wäre die Verschaffung neuer Erwerbsquellen, wie Hansindllstrie, das positivste Mittel, das die verarrnten galizischen Juden aus ihrer Notlage retten könnte. Arbeitsgelegenheit herbei, und alle diejenigen, die jetzt in dcil Gassen der Kleinortc linitütz ihre Zeit vergeuden, würdet: mit Heißhunger sich auf jede noch so schwer geartete Arbeitsgelegenheit stürzen. Sukarester Srief. (Original-Torrespondenz deS „Jüdischen VollSblatt".) Trotz der guten Ernte ist die wirtschaftliche Lage Rlimäniclts durchaus llicht so rosig, lvic die offiziellen Berichte vermuten lassen. Die Mißernte ist erstens eine sehr schlechte und dann krankt der ganze Organismus derart, daß die Landwirte ihre sonstige!: Erträgnisse nicht gut werden verwenden können. Durch die freindenfeindlichc Gesetzgebung wird ein Aufblühen der Industrie verhindert; und ohne blühende Industrie findet der Latidwirt keinen lohnenden Absatz seiner Produkte. Unter der herrschenden Kaste findet sich aber weder Lust zur Arbeit noch Kapital. Denn der richtige civis romanicus kennt nur ein Ziel, so rasch als möglich eine fette Stelle in: Staatsdienste, sei es im Zivil oder im Militär, zu erreichen. Diese Sucht nach einem leichten, glänzenden Beruf teilt sich dem ganzen Lande mit und der Sohn des wohlhabenden Bauern und Bürger wird in diesem Geiste erzogen, will nicht dci: ehrlichen Beruf seines Vaters ergreifen, sondern tritt in den Staatsdienst. Dieses Ucberflutcn der öffentlichen Acmtcr einerseits, ai:dererseits der Umstand, daß mit dem Wechsel jedes Regimes viele aufs Pflaster geworfen werden, erzeugt eine Menge von katilinarischcn Existenzen, die die politische Atmosphäre des Landes verpesten, Demagogen der schlimmsten Sorte. Das sind die ärgsten Hetzer gegen die „Fremden", die ihnen eventuell ein Amt wegschnappcn könnte,:, das sind die ewigen Aufwiegler gegen die Juden, deren stille Arbeit ihnen ein Dorn im Auge ist. Sie fuhren überall das große Wort, während das wirkliche rumänische Volk sich zurückzieht und von ihnen terrorisiert wird. Interessant sind folgende Aeußerungen Carps, des ehemaligen Ministerpräsidenten, der sich zwar chich in diesem Interview um die Judenfrage herumdrückte, aber doch auf gewisse wunde Punkte hinwies. Peter Carp äußerte sich in einer Unterredung mit einem Vertreter der „A. K." über verschiedene auf der Tagesordnung stehende politische Fragen folgendermaßen: Es sei ganz gleichgiltig, ob der Anschluß Rumäniens an den Dreibund erfolgt sei oder nicht, denn da der Dreibund selbst ein negatives Bündnis sei, würde ein solcher Anschluß gleichfalls nur negative Bedeutung haben. Man könne überzeugt sein, daß in dem Dreibundvertrag lein bestimmter Fall vorgesehen sei, in welchem eine Kooperation der Dreibundnrächte eintrcten müßte, vielmehr bestimme der Dreibundvertrag in seiner Wesenheit ganz allgemein, daß, wenn eine der Dreibundmächte angegriffen würde, die beiden anderen zur Unterstützung derselben verpflichtet seien. Die gleiche negative Bedeutung komme dem Zweibund zu und so werde eigentlich Frankreich sowohl durch den Dreibund als auch durch den Zweibund paralysiert. Unter solchen Umständen könne von einem Revanchegedanken in Frankreich im praktischer: Sinne gewiß keine Rede mehr sein. Die gleiche Wirkung besitze das auf die Balkanpolitik bezügliche Uebereinkommen zwischen Oesterreich-Ungarn und Rußland, da ohne Rußlands Zustimmung irgend eine wie immer geartete Veränderung des status quo auf dem Balkan unmöglich erscheine. Wenn heute beispielsweise die mazedonische Bewegung zu einem Aufstand führte, dann würde die Türkei von den beiden Mächten mit der Wiederherstellung der Ordnung betraut werden, und es sei kein Zweifel, daß sie hierzu die nötige,: Machtmittel besitze. Das österreichisch-russische Uebereinkommen sei daher für die Balkanstaaken von außerordentlicher Bedeutung. , Ä u f Rumänien übergehend, k o n st a t i e r t c der Staatsmann, daß das neue G e w e r b e g e s e tz, dessen Durchführungsb e st im m un gen gegenwärtig nusgcar beitet werden, w o h l niemals zur praktischen 8l n w endunggelangen werde, und betonte, daß der „F r e m d e n h a tz" (!) i n Rumänien weder den zivilisatorischen Aufgaben des Landes, noch seinen wirtschaftlichen Interessen entspreche. Ich habe dies auch in der Kammer rückhaltlos und mit allem Nachdruck ausgesprochen. Es sei auch fraglich, ob das von dem gegenwärtigen Ministerpräsidenten Sturdza ciugeführte Sparsystem sich noch lange bewähren werde. Das von Sturdza festgesetzte Budget betrage 218 Millionen Franken, während das seinerzeit von Carp als Ministerpräsidenten festgesetzte Budget 227 Millionen Franken betragen hatte. Eine Regierung könne mit Ersparungen allein nicht auskommen, sie müsse auch für die notwendigsten Erfordernisse sich die Mittel zu verschaffen wissen. Es werde sich bald zeigen, wie sehr dieses Prinzip auch auf die Verhältnisse in Rumänien in Anwendung gebrachr werden müste. Zur Tilgung der vor drei Jahren aufgenommenen Anleihe in der Höhe von 175 Millionen Franken, deren Eiulösrmgstermin in zwei Jahren abläuft, werde selbstverständlich eine neue Anleihe ausgenommen wetdcn müssen, und je eher dies geschehe, desto vorteilhafter sei es natürlich. Möglicherweise würden die Vorkehrungen hierzu schon im Herbst getroffen werden, dagegen werde die Anschaffung der neuen Schncllfeuergeschützc, für welche kaum mehr als 16 Millionen Franken erforderlich sein würden, aus den Ileberschüssen der nächsten Jahre gedeckt werden können. Auch die sehr gute diesjährige Ernte lasse eine günstige Wirkung auf die Finanzlage des Landes erwarten, wenn auch die Maisernte in einen: Teile Rumäniens manches zu wünschen übrig lasse. Der M in i stie r w e ch s c l hat niemanden darüber getäuscht, daß alles beim alten bleibt. Herr Peter Stourdza hat seit geraumer Zeit mit Schwierigkeiten zu kämpfen und er scheint Wohl zn glauben, daß er seine Situation dadurch verbessert, R'.'ß er den Ballast hcrausgeworfen hat. Die rieue Ministerliste muß aber den Glauben des rumänischen Ministerpräsidenten jedenfalls stark erschüttern. Die größten Sorgen der rumänischen Regierung drehen sich bekanntlich um den nervus rcrum, und die neuen Männer sollen Stourdza mithelfen, diese Sorgen zu tragen und zn beheben. Große Hoffnungen setzt Herr Stourdza auf den neuen Finanzminister Costinescu, den bisherigen Direktor der Banca generala. Nun ist dieser Herr aber Zeit seines Lebens ein ausgesprochener Fremdenfeind und verbissener Antisemit, und von ihm am allerwenigsten darf man irgendwie Besserung der diesbezüglichen Verhältnisse in Rumänien ertvarten. Auch der Eintritt Pallades ins Kabinet bedcrüet keinerlei Schritt zum Besseren. Die Ernennung Stateseus zum Justizminister bedeutet sogar die Rückkehr zu den schlechtesten Traditionen der sogenannten ruinänischen Rechtspflege. Das neue große liberale Ministerium, >vie es Herr Stourdza sich geträumt hat, segelt also in den: alten Fahrwasser der ablehnenden Feindseligkeit gegen alles, tvas einem wirklich liberalen Program,u entspricht und bietet absolut keine Garantie für die Besserung der Verhältnisse in Rumänien. Interessant ist folgende E ,: t s ch e i d u u g des r u m ä - n i s ch e » K a s s a t i o i, S h o f e S. Ein Bukolviiiaer schloß mit einen: Rumänen einen Vertrag über Hokzabstattuug. Nachdem der Fremde seinen Verpflichtungen nicht nachkam, klagte der Rumäne den Fremden vor einem r u in ä n i s ch e n Gerichte. Nach Art. 13 der Zivilprozeßordnung hat der R u m ä n e das Recht, einen Fremden zu klagen vor einen: rumänischen Gericht. Das Tribunal in Neamitz und der Appellgerichtshof erklärten sich für inkompetent, weil die Kläger Juden, also Fremde seien und nicht das Recht hätten, vor einen: rumänischen Gerichte zn klagen. Der KassationShof in Bukarest verwarf das Urteil beider Gerichtshöfe und gestand den Juden das Recht der Klage zu, wenn sie beweisen, daß sic nicht U n t e r t n e n einer fremden M acht sind. „Curierul judiciar" sagt lveiter, daß die Ausweisung von in Rumänien geborenen Juden ungesetzlich sei. Eingesendet. Geehrter Herr Redakteur: In der Nummer 23 Ihres Blattes vom 6. Juni brachten Sie unter „Eingesendet" und unter der Aufschrift „Eine herzlose Hausfrau" eine Mitteilung, die Sie nachstehend berichtigen wollen: Es ist Herrn Hermann Grünberger, XX., Nauscherstraße Nr. 10, wohl bekannt, daß ich Frau Spitzer dreimal gerichtlich gekündigt habe, auch war Herr Grünberger am 1. Mai bei mir bitten, sie bis zum 1. Juni in der Wohnung zu lassen und verpflichtete sich schriftlich, dafür zu sorgen, daß Frau Spitzer am l. Juni bestimmt ausziehe. Die Wohnung war auch per 1. Juni vermietet und ist die gegenteilige Behauptung des Herrn Grünberger eine unrichtige. Achtungsvoll Therese Pappe „heim. Miltettnngen aus dem Publikum. Die Möbelindustrie hat in jüngster Zeit, um dem verfeinerten, geradezu raffinierten Gesthmacke des Publikums Rechnung tragen zu können, die größten Anstrengungen machen müssen. Tatsächlich überbieten sich die Möbelfabrikantcn in der Herstellung vor: nwdcrnei: und modernsten Möbelgegenständei:. Daß hierbei der wirklich feine Geschmack nicht immer ans seine Rechnung kommt, ist nicht zu verwundern. Und so sieht man Kauflustige oft von einem Etablissement zum anderen wandern, ohne sich in dem großen Chaos von marktschreierischer Sezession und Geschmacklosigkeit zurechtzufinden. Als einen treuen Wegweiser auf dem Gebiete des feinen Geschmackes in Möbeln aller Art müssen wir daher das reichillustrierte Album des Möbelhauses Jacques Heiß, 9. Bez., Porzcllangasse 20, begrüßen. Man findet hier wirklich moderne, diskret ansgeführte Gegenstände, bei denen das Moderne nicht aus Kosten der Dauerhaftigkeit hervorgekehrt wird. Ein Besuch in diesem Etablissement, aus dessen Inserat wir hier besonders aufmerksam machen, wird sich stets als lohnend erweisen. 30 000 Kronen beträgt der Haupttreffer der Olmützer Ansstellungslotterie. Wir machen unsere geehrten Leser darauf aufmerksam, daß die Ziehung unwiderruflich am 25. September 1902 stattfindet und sämtliche Treffer mit nur 10 Perzent Abzug von den Lieferanten Baar ciugelöst werden. Krieflrastrn. An Karl Kraus, Herausgeber der „Fackel". Es ist eine unverschämte Lüge, daß die „rumänischen Juden in ihrem Geburtslands zumerst „Fremde" seien, weil sie sich vor Jahren, um dem Militärdienste zu entgehen, unter österreichischen Schutz gestellt hätten. Oesterreich habe später diesen Schutz nicht mehr gewähren wollen, Rumänien nun aber sich geweigert, den einmal entnationalisierten Juden wieder das Staatsbürgerrecht zu verleihen." Wahri st viel mehr, daßdasösterreichische Schutzverhältnis von der Zeit stammt, da der habsburgrsche Einfluß in der Moldau und der Walachei maßgebend war. Damals gab es weder ein unabhängiges Fürstentum no ch ein unabhängiges Königreich Rumänien. Es ist also eine gemeine Erfindung, zu behaupten, die Juden hätten das österreichische Schutzverhältnis angenommen, um dem rumänischen Militärdienste zu entgehen. Diese Lügen stammen aus dem Reptilienfonds der rumänischen Regierung. Wahr ist ferner, daß tausende von Juden ihrer rumänischen Militärdienstpflicht genügt haben und trotzdem als „Fremde" behandelt werden; nach der o f f izielten rumänischen Statistik stehen momentan über 2900 Juden im rumänischen Heer. Wenn nun ein Arier solche Lügen verbreitet, so ist dies eine gewöhnliche Unanständigkeit. Wenn aber ein Jude, Herr Chain: Kraus, solche Lügen verbreitet, so ist er ein Lump von ungewöhnlicher Charakterlosigkeit. Sie können zur Entschuldigung nur anführen, daß Ihre Lügen über die rumänischen Juden nicht die ersten sind, die in Ihrem Sudelblatte stehen. An die Adresse der „Kremser Zeitung". Sie glauben, daß Sie ungestörter und frecher als Ihre Wiener Gesinnungsgenossen fälschen können, weil Sie in der Provinz im Verborgenen blühen. Allerdings sind Ihre Fälschungen so plump, daß sie höchsteus „der dumme Kerl von Krems" nicht entdeckt. Also fälschen Sie nur ruhig weiter! Rubin, Gablonz. Redaktion „The Jewish, Daily News“ 185 E, New-Iork. „Arbeiter-Zeitung", New-Iork, 2, 4, 6 New Reade Str. .The American Israelite Publishers“, Cincinati. „The Volksadvokal“, New-Iork, 132 Qanat Str. Ter Schlüssel. Erzählung von Eduard K u l k e. (Fortsetzung.) „Höre, meine Tochter, ich will offen sein gegen Dich, wie Du es verdienst. Ich bemerke mit Vergnügen, daß die Munterkeit Deines Geistes nicht geschwunden, ist und daß D:: nicht hinbrütend, wie eine sentimentale Nomanheldin, der Welt den Rücken kehrst, nachdem Dn ihn verloren hast, der Dir doch die ganze Welt zu ersetzen imstande war. Doch habe ich keine Bürgschaft, das; diese Gemütsverfassung sieh bei Dir nicht ändern sollte, ich kenne Dich zu gut, un: anzunehnwn, daß sich Eindrücke, die Dein Gemüt erfahren hat, allzu leicht verwischen; ich fürchte im Gegenteil, sie werden in Zukunft nur mit größerer Macht Hervorbrechen. Herr Blumenthal ist der Mann, in solcher Lage ein sicherer Wegweiser zu sein. Glaub' es, er weiß an: besten, was Dir frommt." „Weiß das mein Vater nicht?" „Ich weiß cs jetzt auch; doch kann es Dir Herr Blumenthal besser sagen." „Sie wollten aber offen sein gegen Ihre Tochter." „Nun denn ja. D:: weißt, lvie ich Fc'l:x schätze und hochachte und tvas ich von ihn: halte. Ich inache nur aber dennoch Vorwürfe, daß ich es so lveit habe korninen lassen. Die Verschiedenheit der Religion ist ein Hindernis, das nur selten glücklich beseitigt lvird. Das hätte ich von Anfang an bedenken sollen." „Und lvenn Sie es bedacht hätten?" „So wäre es anders gekommen!" „Meint das mein Vater?" „Ja, ich meine es, denn Du hättest von vornherein eingesehen, daß eine Vereinigung zwischen Euch unmöglich ist und Deine Wahl hätte sich auf einen anderen Gegenstand hingelenkt, der derselben vielleicht auch nicht unwürdig gewesen wäre." , „Auch nachdem ich ihn kennen gelernt?"