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Jüdisches Volksblatt · 1902-08-22 · 34 (22.8.1902) · p. Seite 5

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
4 (1902)
Issue
34 (22.8.1902)
Date
1902-08-22
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 34 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 22. August 1902 Seite 5 Finanz-Bezirks-Direktion in Tarnopol ein Urteil, mit welchem sie ihn wegen Uebertretung der Grenze zu 20 Kronen, eventuell zwei Tage Arrest verurteilt. Winterfeld hat ans legalem Wege einen Rekurs eingeleitet. Wir hoffen, daß die hohe Finanz- Bezirks-Direktion den Winter feld von der Strafe befreien und den schuldtragenden Wachmann wegen Mißhandlung zur Verantwortung ziehen wird, sonst werden wir gezwungen sein, uns an ein höheres Amt zu wenden, denn zweimal für nichts bestraft zu werden, das sind vielleicht — russische Verhältnisse, aber in Oesterreich hoffentlich unmöglich. Nene Zeremoniehalle. Aus Saatz wird geschrieben: In einfacher und würdiger Weise fand vor einigen Tagen die Nebergabe. der von dem hiesigen Fabrikanten Herrn Leopold Bechert und dessen Gattin Sofie geb Kellner für den hiesigen israelitischen Friedhof gewidmeten rmd aus deren Mitteln erbauten monumentalen Zeremonienhalle stattgcfnnden. Diese Zeremonienhalle, eine nach den Entwürfen des hiesigen Architekten und Baumeisters Herrn W. Fuchs im nwdernen Stile hergestelltc, etwa 400 Personen fassende Glashalle in Eiscnkonstruktion mit Glaskuppel wurde gestern vollendet die die hiesige israelitische Beerdigungsbrüderschaft, die Eigentümerin des Friedhofes, nahm deshalb Veranlassung, an der Stirnseite der Halle die lebensgroßen Reliefbilder der Eheleute Bechert und eine Marmortafel, auf welcher diese Widmung verzeichnet wurde, anbringen zu lassen. Ebenso wurde aus diesem Anlasse Herr Bechert zum Ehrcnmitgliede des israelitischen Becrdignngsbrüderschaft-Vereines ernannt und ihm gestern das bezügliche Ehrendiplom durch eine Deputation des Vereinsvorstandes überreicht. Die heutige Feier, zu der sich die Eheleute Bechert und deren zahlreiche Familienangehörige sowie fast die ganze Gemeinde eingcfnnden hatte, hinterlies; durch ihre schlichte Weise auf die ganze Gemeinde einen tiefen Eindruck. Von Blumenstock bis Halban. Der Sektioschef Heinrich Ritter von Halban ist gestorben, meldeten jüngst Partezettel, mit dem Kreuze geziert, in allen antisemitischen Blättern. Welcher Unemgewcihte würde ahnen, das; sich hinter diesem nome de guerre ein galizischer Jude namens Blumenstock verbirgt, den Glück und ein stets zu richtiger Zeit eintretender Wandel in seiner Gesinnung und Ucberzcugung so hoch emportrugen. Als Mitarbeiter demokratischer Blätter kam er nach Wien, dort entdeckte ihn sein Landsmann und Minister Graf Potocki, der ihn zu seinem politischen — Faktor erwählte. Blumenstock verstand cs meisterhaft,seinenUrsprung vergessen zu machen; er lies; sich taufen und wurde ein ergebenes Werkzeug der Klerikalfendalen. Taaffe erkor ihn zum Chef der Präsidialkanzlei, das war der offizielle Titel. In Wirklichkeit war er der Leiter des „luogo di traffico", er handelte mit der Ueberzeugung anderer, so wie er einst mit seiner Ueberzeugung handeln ließ. Seines väterlichen Namens schämte er sich; selbst Blumenstock Ritter von Halban klang ihm zu — galizianisch; er erwirkte daher vom Kaiser die Erlaubnis, nur den Titel Ritter von Halban führen zu dürfen; vielleicht wählte er deshalb dieses Prädikat, weil er die Halbheit zum Leitstern seines Lebens erwählte. Unter B a d e n i erlebte er eine zweite Blüte und verschwand dann in dem allgemeinen Sturm der Entrüstung und Verachtung, die das polnische Willkürregiment des Badeni erregte, an dem er Hauptfchuldner war. Das Geschlecht derer von Halban ist halb katholisch und halb jüdisch. Die jüdiche Linie dieses Hauses ist auf das Aussterbeetat gesetzt; nach marxistischer Geschichtsauffassung deshalb,^ weil die jüdischen Deszendenten auf sehr schlechte ökonomische Verhältnisse stießen, die katholischen aber allseitig protegiert wurden und die Universitäten von Wien, Krakau, Lemberg iiiu> Czernowitz bevölkern. In nationaler Beziehung teilen sich die Halbaner in eine polnische Schlachzizenlinie und eine Wiener Germanenlinie. Wie man siehst ein mächtiges Hans. Es beherrscht die ganze Linie von der jüdischen zur katholischen bis zur protestantischen und modern sozialistischen Weltanschauung. Die Zeit seiner unfreiwilligen Muße benützte Herr Blumenstock zu einer äußerst regen Proselhtcnmacherei, alles zur größeren Ehre der katholischen Kirche. Heinrich Blumenstock heiratete die Schwester des Dr. Viktor Adler. Die andere Linie ist die jetzt konfessionslos-protestantisch-dentschnational-intcrnationale derer von Adler. Man wird null auch Herrn Dr. Viktor Adler verstehen, der es nie verabsäumt, wenn er gegen den Klcrikalismus spricht, darauf hinzulvcifcn,. das; er nichts gegen wahrhaft frommkatholische Männer hat, wie, null, wie z. B. sein Schwager, der Ritter von Halban; er ist ill seinem Kampf gegen den Klcrikalismus auch so halb—an, das; er ilichts gegen Nonnen als Krankenpflegerinne hat, obwohl er als Arzt wissell müßte, daß die Nonnen durchaus nicht brauchbarer, . iil machen Fällen direkt unbrauchbarer als die Laienvflegeri»iicn sind und obwohl er als Politiker wissen müßte, das; die Nonilen auch im Svitale llichts anderes als die — gehorsamsten Mägde — der klerikalen Bestrebungen sind; trotz alledem vergißt Dr. Adler nie, darauf hinzuweisen, das; seine Gymnasialbildung von den P. Piaristeil stammt; ob er dorteil allch in die Liguori-Moral eingeweiht wurde, gibt er allerdings nicht an. Alles in allem, gibt das Geschlecht derer voll uild m Halban ein prächtiges Bild, welchen burleskeil Mischniasch die Riickgratlosigkeit unserer Assimilationsjuden erzeugt. Diese Gesellschaft ist der wahre Krebsschaden des Ilideiltinns. Podersam. (Thora-Weihe.) Der 16. d. M. war für unsere Gemeinde ein ganz besonders festlicher Tag, denn an demselben wurde die Weihe einer neuen Thora-Rolle vollzogen und gleichzeitig der übliche solenne Gottesdienst anläßlich des Allerhöchsten Geburtsfestes abgehalten. Das Gotteshaus war in allen Räumen dicht gefüllt, selbst viele Angehörige der benachbarten Kultnsgemeinden nahmen an dieser Festlichkeit teil. Die Festrede hielt der Gemeinde-Rabbiner. Der zur Anschaffung der Thora-Rolle nötige Betrag wurde durch eine Sammlung unter den Mitgliedern der Podersamer Kultltsgemeinde aufgebracht, die Thora-Rolle selbst bei der Firma Jakob B. Brandeis in Prag gekauft. Noch einmal die Grunwalv-Feier. Einige Herrchen aus Haliez ließeil es sich nicht nehmen und veröffentlichten im „Slvwo Polskie" Nr. 400 einen Protest gegen meine Mitteilung über die Grunwald-Feier in Ihrem geschätzten Blatte. Es wird dort im Namen der Haliczer Juden erklärt, daß sie sich eins mit den Polen fühlen, deren Freuden und Leiden teilen. Ob diesen Herren das Mandat gegeben lvurde, im Namen der Haliczer Judenschaft zu sprechen ist mehr als zweifelhaft. Wenn einige Herrchen das Bedürfnis haben, die jüdische Volks-Individualität zu desavouieren, so spricht das nicht gegen die Existenz des jüdischen Volkes. Das beweistt nur, wie wenig sie die Vergangenheit des jüdischen Volkes kennen. Die Haliczer Juden in ihrer überwiegenden Mehrzahl sind jüdisch-nationaler Gesinnung. Ich glaube jeder Rechtdenkende wird es uns Juden uichl verargen, wenn wir uns um unsere Fahne scharen. Zur Grunwald-Feier trage ich noch nach, daß ein geistlicher Herr im Hofe der katholischen Kirche bei der Tendenzrede zu dieser Feier vor der Gefahr, die den Polen winkt, wenn der Boden in jüdische Hände übergehe, warnte. Da haben wir schon den Lohn unserer Beteiligung an der Grunwald- Feier. Ich nagle dies öffentlich au. , M. A. Jüdisches Studentenelend. Die Ferien nahen dem Ende zu und in wenigen Wochen werden sich unserer Jugend die Schnlpforten öffnen. Da beginnt die Qual der Wahl der Aushilfslehrer rmd Vater rmd Mlttter zerbrechen sich den Kopf, wem sie ihre Gunst als Korrepitor zuwenden sollen. Gegen eimm Juden als Hauslehrer besteht bekanntlich bei den jüdischen Familien eine Voreingenommenheit, ein Vorurteil, das durch nichts gerechtfertigt ist. Der Jude als Hofmeister oder Ausyilfslehrer ist nicht fair. Dem Familienvater deshalb, lveil er einen Juden überhaupt nicht gerne ins Hans läßt, der jüdischen Mama dagegen, weil ihr die Nase nicht znrechtsteht, der brünette Taint nicht gefällt, denn Mamachen z hat ein Faible für das blonde Haar, blaue Augen, die aufge- , stülpte Nase und den plebejischen Dialekt eines in Wolle gefärbten > Ariers, namentlich für dessen burschikoses Auftreten, für dcks | imponierende, zwanglose Benehmen, das häufig in Witzeleien gegen den jüdischen Stamm zum Ausdruck kommt. Wenn auch die Lehrcrfolge unzureichend sich erweisen, der Schüler im Lehrziele zurückbleibt, was liegt daran, Hauptsache ist, das; man mit einem i arischen Hauslehrer stolzieren kann, der ein Cerevis am Kopfe und einige Schmisse im Gesichte trägt. Schließlich Ivird damit auch der Zweck erreicht, daß man den hoffnungsvollen Sohn rechtzeitig und früh genug in die arische Welt cinführt und ihn für die kommenden Dinge frühzeitig präpariert. Vater und Mutter sind schon zu bequem oder empfinden doch ein Gruseln, vom angestammten Glauben abzufallen, dem hoffnungsreichen Sprößling jedoch soll die Sache erleichtert werden. Man dürfte uns kaum den Vorlvnrf zu bereiten vermögen, das; wir mit der Schilderung der t Sachlage, wie sie sich Dezennien hindurch zu allgemeiner Betrüb-! nis herausgebildet hat, allzu stark aufgetragcn haben. Hand anfs Herz, und man wird zugeben müssen, das; die Schilderung der Tatsachen als sehr glimpflich bezeichnet werden muß. Die Christomanie der jüdischen Eltern verdient nach jeder Beziehung hin eine derbe Zurechtweisung, in erster Linie, weil sic hierdurch das Fortkommen und die Zukunft ihrer Kinder schädigen, weiters deshalb, weil sie die jüdischen Hauslehrer in unverdienter Weise zurücksetzen. > Hunderte und aberhnnderte jüdischer Studenten, gleich ausgezeichnet durch unermüdlichen Fleiß, nie erlahmenden Lerneifer, verkommen im Elend und sind außerstande, ihre Studien zu verfolgen, weil es ihnen an jeder Unterstützung mangelt und weil sie bei Bewerbung als Aushilfslehrer eine durch nichts zu rechtfertigende Zurücksetzung erfahren müssen. Die wenigen für Juden bestimmten Stipendien erlangen die armen jüdischen Studenten nur in den wenigsten Fällen, weil durch einen sträflichen Protektionismus besser situierte Kollegen vorgezogcn werden. Darf man sich der Erwartung hingeben, das; in dieser Richtung Wandel geschaffen werden wird, das; die jüdischen Väter und Mütter zur Einsicht gelangen werden, wie bodenlos unvernünftig, wie sträflich fic gegen sich selbst, gegen ihre Kinder handeln, wenn sie bei gleichen Verhältnissen den jüdischen pflichttreuen, strebsamen Bewerber um Hauslehrer- und Hofmeisterstcllen a limine zurückweisen, aus keinem andren Grunde, als weil er Jude ist, und den Vorzug einem anderen geben, weil er kein anderes Verdienst besitzt, als von arischer Abstammung zu sein. Wir geben uns in dieser Richtung wahrlich keinen übertriebenen Illusionen hin, allein das „Jüdische Volksblatt", das dieses Thema wiederholt zur Sprache gebracht, erachtet es als unentwegte Aufgabe, als heilige Pflicht, nach wie vor für die bedrängten Sürdenten unseres heiligen Volksstammes mit aller Wärme und Entschiedenheit einzutreten, der Hoffnung Raum gebend, das; unser eindringlicher Appell nicht wirkungslos verhallen, sondern fruchtbaren Boden finden wird. Die Illumination am 18. August in Tarnobrzeg. Am 17. d. M. erfuhren die hiesigen Jungjuden, dass man in der ganzen Stadt zum Geburtstage des Kaisers nicht zu illumieren gedenke. Der Magistrat, der anläßlich der Grunwaldfeier amtliche Kundmachungen erließ, ja sogar den Juden mit Fenstereinschlagen drohte, wenn sie nicht illuminierten, war anläßlich der Kaiserfeier ganz stumm. Der hiesige Musikverein „Harmonie" mußte genau am 18. zu Ehren Bartoschek Glowackts ein Fest geben. So blieben die Juden, allein, die auch zu Ehren des Kaisers illuminierten. Polnischer Patriotismus! Aber in Wien sitzen die Schlachzizen an der Schüssel. Podwoloczyszka. Im Garten des Grafen Baworowski veranstalteten Sonntag am 3. August die hiesigen jüdischen Gymnasialstudenten ein Fest, an dem alle Schichten der hiesigen Bevölkerung theilgenommen haben. Der Reinertrag von zirka 200 X wird für verschiedene jüdische Zwecke verwendet werden. Auf Veranlassung des Herrn stuck.für. Oskar Erdheim veranstalteten Samstag (Schabbes Nachmu) den 16. August die hiesigen jüdischen Akademiker einen Tanzabend, an dessen Schluffe einige zionistische Vorträge abgehalten wurden. Ausland. Die Juden in Rumänien. Wie das „Berliner Tagblatt" aus B u k a r e ft erfährt, empfing der K ö n i g jüngst zwei hervorragende jüdische Persönlichkeiten in Spezialaudienzen. Marco Mendl, ein Galatzer Exporteur, schilderte die traurigen Verhältnisse der dortigen Juden und betonte die Gefahren der andauernden Auswanderung. Der König ersuchte ihn, alles aufzubieten, nmder zunehmenden Auswanderung en t g e g e n z u tr eten. Wichtiger war der Empfang des Londoner Oberrabbiners Ga st er, eines geborenen Rumänen, der dort vor 15 Jahren ausgewiesen worden ist. Ga st er berichtete über die verzweifelte Lage der rumänischen Juden, denen w'r die Auswanderung übrig bleibe. Die Gesetze gegen die J lden müßten gemildert werden. Besonders müsse das Auswanderungsgesetz fallen, den Gemeinden müßte erlaubt werden, sich zu organisieren. Der König anerkannte beide Forderungen! als gerecht und bemerkte wörtlich: „Ich hoffe, daß Sie/ wenn Sie in zwei oder drei Jahren dieses Land wieder besuchen, eine neue Situation finden werde n." Diese Worte des rumänischen Königs bezwecken nur, d a s G e w i s s e n Europas e i n z u l u l l e n und für die rumänische Anleihe Stimmung zu mache n. Wenn der König den ernsten Willen hätte, sein auf dem Berliner Kongresse verpfändetes Wort einzulösen, so hätte er schon längst Gelegenheit gehabt. Aber er verschiebt es immer ad caJendas — romanicas, und denkt sich: Zeit gewonnen, Geld gewonnen. | Begriffsverwirrung. Gegen die Aeuberungen eines jüdischen Studenten auf dem Kongresse der Finkenschaft in Weimar veröffentlichen die jüdischen Verbindungen jetzt den folgenden > Protest: „Die Unterzeichneten Verbindungen im K. C : A. H. V.' Viadrinae-Breslau, Badenia-Heidelberg, Sprevia-Berlin, Liearia- München, Friburgia Freiburg, Rheno-Silesia-Bonn, Thuringia-! Breslau protestieren hiermit aufs Energischeste gegen die ani läßlich des 3. Kongresses der „freien Studentenschaft" zu Weimar! gehaltenen Reden der Herren Iwmbrowsky unb Salomonsky,: soweit sie die jüdische Studentenschaft betreffen. Wir protestieren! gegen die Erklärung des Herrn Dombrowsky, daß er im Namen! der gesamten jüdischen Studentenschaft spreche und bestreiten ihm \ unsererseits, die wir einen ansehnlichen Teil der jüdischen Studentenschaft repräsentieren, jedes Recht dazu. Wir protestieren I aufs schärfste gegen die von Herrn Salomonsky gebrauchte j Aeußerung, daß die jüdischen Kommilitonen den christlichen nicht leichwertig seien. Wir protestieren gegen die von Herrn Domrowsky gebrauchten Worte, daß die jüdischen Kommilitonen mit Freuden bereit seien, nhr Judentum zugunsten des deutsch-; nationalen Gedankens und im Vertrauen aus das Verständnis-; volle Entgegenkommen der arischen Kommilitonen aufznkommen. Wir protestieren endlich gegen die Aeußerung, der jüdische Student sei erst Jude und dann Deutscher. Demgegenüber betonen wir, daß in unserer Tendenz treue Pflege des deutschnationalen (?) Gedankens mit unentwegtem Festhalten am Judentum vereint ist. I. A.: Die Verbindung i. K. C.: Rheno-Silesia." — Die Herren scheinen nicht zu wissen, daß deutschnational und jüdischnational zwei kontrovcrse Begriffe sind. Entweder — oder. Amerikanische Juden in Rußland. Der New-Aorker Kongreßdeputierte Goldvogle hat, begleitet von dem mutigen Kämpfer für das Recht der Juden, Simon Wolf, den amerikanischen Präsidenten R o o s e v e l t in der letzten Woche besucht, um ihn um seinen Beistand zu bitten bei den Bemühungen, Rußland zu veranlassen, daß es den amerikanischen Juden freien Zutritt gewähre, vorausgesetzt, daß sie mit einem eigenen Paß versehen sind. Es ist lange bekannt, daß trotz der guten Absichten der Staatsbehörden — Absichten, deren Ernst niemand bezweifelt — nichts imstande ist, diese Agitation zu fördern, als die direkte Intervention des Präsidenten selbst. Der Präsident versprach die Angelegenheit mit dem Staatssekretär Hay zu erörtern. Die Haltung der amerikanischen Regierung war bisher eine ziemlich schwankende. Daß Rußland sich niemals zu irgendwelchen Konzessionen bereit finden lassen wird, wenn es nicht durch ständige Intervention hierzu gezwungen wird, ist sonnenklar. Andernfalls wären aber Repressivmaßregeln am Platze, in der Art, wie der frühere Secretär Gage sie in dem Rechtsstreit mit Rußland wegen der Zuckerprämien anwendete. Es gibt viele Wege, etwas zu erreichen, wenn man ernstlich dazu die Absicht hat, und die! geniale Begabung des Mannes, dessen Pflicht es ist, dies zu tun, ' rann sicher einen Weg finden, wenn er ihn suchen will. Ein ' amerikanisches Blatt sagt mit Recht: „Es bedarf nicht der Antl wort, daß die Juden aller anderen Länder unter denselben Maßregeln leiden. Wir können es wagen, für die wahre amerikanische Lehre einzutreten, daß die Negierung der Vereinigten Staaten j auf dem Recht besteht, daß ihre Bürger kommen und bleiben können in jedem Lande, mit welchem wir Frieden haben, so > lange als sie sich friedlich und anständig betragen."! Journalistisches. Der „American Israelite“ hat seinen 48. Jahrgang vollendet und ist am 3. Juli in sein 49. I ahr getreten. Fast ein halbes Jahrhundert ist verflossen, seitdem der energische und tatkräftige Dr. Jsaae M. W i s e dieses Organ des amerikanischen Judentums ins Leben gerufen. Vom 4. Juli 1854 bis zu seinem Tode am 26. März 1900 stand es ununter-; brachen unter seiner editoriellen Leitung und legte Zeugnis ab von der unermüdlichen Tätigkeit dieses mutigen Kämpen für die freie Entwicklung und Befestigung des Judentums auf dem Boden unserer großen Republik. Ein wichtiger geschichtlicher Abschnitt wird in den Blättern des „American Israelite" wiedergespiegelt. Der künftige Geschichtsschreiber findet darin reiches Material. Besonders findet er darin die Geschichte der Schöpfungen, die ihr Dasein der unmittelbaren Wirksamkeit des j Redakteurs verdanken: der Union der jüdischen Gemeinden, des Hebrew Union College und der Rabbinerkonferenz. Soweit uns bekannt, ist der „American Israelite" das drittälteste der jüdischen Journale, welche heutzutage erscheinen und ein würdiger Geführte seiner beioen älteren Schwestern, der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" in Berlin und des „Jewish Chronicle“ in London. Herrn Leo W i s e, dem Sohne des Gründers und l mgjährigen Redakteurs, ist es gelungen, das Blatt auf der Höhe seiner Aufgabe zu halten. Stets auf Vervollkommnung desselben bedacht, hat er als Mitarbeiter bewährte Männer um sich geschart, welche auf dem Gebiete des Judentums wohl bewandert sind und mit geschickter Feder die Interessen desselben fördern. Wir gratulieren von ganzem Herzen dem „American Israelite“ zu seinem 49. Geburtstage und wünschen ihm fortdauernde Kraft und wachsendes Gedeihen. Ein Brief an Maxim Gorkij. Der „Verein jüdischer M ä d ch e n" in T sch u d n o w wendete sich vor einigen Tagen an Maxim Gorkij mit der Bitte, er möge seine Werke der Bibliothek des jungen Vereines schenken. Bald darauf erhielt der Verein folgende Antwort des berühmten Schriftstellers: „Ich i habe veranlaßt, daß Ihnen die Bücher aus Petersburg zuge-; schickt werden. Gebe Gott, daß es Euch gelinge, Licht in das ' Leben Eures guten Volkes hineinzutragen." Drei Tage später kamen auch wirklich nicht nur sämtliche Werke Gorkijs, sondern auch noch andere 40 Bücher an die Vereinsbibliothek. Preisausschreibung. (Berlin): Bei dem Festakte an der hiesigen Universität wurden die Ergebnisse der Preisausschreib >mgen pro 1901/2 verkündigt. Den Preis der juridischen Fakultät erhielt stud. jur. Ernst F e d e r-Berlin, einen Teikpreis stuck.zur. Bruno B l a u-Marienwerder; der königliche Preis der medizinischen Fakultät wurde dem stuck, med, Franz Woh lauer, der königliche Preis der philosophischen Fakultät dem stuck, pbil. Abraham Ho ff mann, Sohn des Herrn Seminar-Direktors Dr. D. Hoffman n-Berlin, der für die geschichtliche Aufgabe („Die Nachrichten des Flavins Josephus über die römische Kaiserzeit") dem siuli ph;l. Engen Täubler-Berlin und der der englisch-philologischen Fakultät dem stuck, phil. Bernhard Neuendor f- Berlin zuerkannt. Von den (mit Ausnahme des naturgemäß ausscheidcnden theologischen) insgesamt sieben verliehenen Preisen sind sechs von jüdischen Studierenden erworben worden. Die wirtschaftliche Lage der Juden Von Ch. N. R e i ch e n b e r g, Krakau. 2. Mein bescheidener Artikel unter obiger Betitelung, welcher in Nummer 27 des „Jüdischen Volksblatt" gedruckt war, hat eine Entgegnung seitens eines langjährigen Mitarbeiters dieses Blattes heraufbeschworen, welche in Nummer 29 desselben, wahrscheinlich zum Zwecke der Herbeiführuug einer Diskussion über die brennende Frage der wirtschaftlichen Lage der Juden in Galizien verösfentlichi wurde. Natürlich liegt mir als Initiator der publizistischen Aktion, welche die verehrte Redaktion dieses Blattes giftigst zugunsten der notleidenden galizischeu Juden veranstaltet, die Pflicht ob, iic diese so ivichtige lute zeitgerechte Diskussion tunlichst einzugreifen, was ich im nachstehenden eben tun will. Die erwähnte Entgegnung ruht auf ehrlicher Intention, aber diese entbehrt nicht der Jrrtümer rmd macht dem jüdischen besitz- und erlverbslosen Proletariate in Galizien Vorwürfe, die wirklich unbegründet sind und eine sachliche wie objektive Widerlegung erheischen: Der geehrte Verfasser der Entgegnung schreibt, daß ich mich in meinem Artikel lediglich auf die Konstatierung der Tatsachen beschränke, daß ein Teil der galizischen Juden notleidet, aber wie diese Notlage zu beheben wäre, nichts angebe. Es diene hierauf zur Erwiderung, daß ich wohl beabsichtigt hatte, einen weiteren Artikel über die Mittel zur Sanierung der wirtschaftlichen Lagb der galizischen Jude«: im „Jüdischen Volksblatt" drucken zu lassen, aber diese

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