Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 4 (1902)
- Issue
- 33 (15.8.1902)
- Date
- 1902-08-15
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 33 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 15. August 1902 Seite 5 ler gewidmete Ehre» denn wahrlich, es wäre vielleicht mehr im > den absolvierten Akademikern mosaischer Konfession keine Anstellung Aus Eußland. Ein veröffentlichter Erlaß der russischen Mini- Sinne Antokolskhs, wenn der Herrscher Rußlands den lebenden verschaffen kann, weil die meisten Forderungen nach Handelsakaster des Innern und des Krieges verbietet es, einemJuden für sämt- Glaubens- und Leidensgenossen des jüdischen Künstlers mehr Luft und Licht zum Leben ließe und es lebenden Juden nicht fast zur Unmöglichkeit gemacht würde, das heilige Rußland zu betreten In den Lebenden ehre man den Toten! Warschau. (Senats-Entscheidung.) Seit neun Jahren hat sich bei den Militärbehörden im Königreich Polen die Praxis eingebürgert, Geburtsatteste nicht als vollgiltige Urkunden anzuerkennen, falls Vorzeiger derselben erst neun Tage nach seiner Geburt in das Matrikelbuch eingetragen worden ist. Durch diese unscheinbar wenig bedeutsame Maßregel wurden die Juden Polens zum größten Teile der Möglichkeit beraubt, sich deu Militärbehörden gegenüber über ihre Familien- und Verwandtschaftsverhältnisse amtlich ausznweiscn, da die ihnen von der Negierung aufgehalsten „Rabbiner" ihre einzige Obliegenheit, der richtigen Matrikelführung, in unverantwortlicher Weise vernachlässigen und die jüdischen Geburten fast niemals rechtzeitig tu die Matrikelbücher eintragen. Der Senat hat nun entschieden, daß auch die „verspätete Eintragung in die Matrikelbücher" von sämtlichen Behörden, also auch von den Militärbehörden, „anerkannt werden müsse". Die enorme Tragweite dieser Senatsentscheidung wird sofort ersichtlich, wenn man erfährt, daß die russische allgemeine Wehrpflicht eine sehr große Reihe von durch Familien- und Verwaudtschaftsvcrhältnisse bediijgten Befreiungen vom Militärdienste zuläßt. Die Zahl dieser militärfreien Personen, welche auf Grund ihrer Familien- und Verwandtschaftsverhältnisse zwar gestellungspflichtig sind, aber nur in seltenen Fällen zum Mlitär genommen werden, betrug im Jahre 1901 nicht weniger als 49 Perzent aller Gestellungspflichtigen. Im Königreich Polen aber bildeten diese „Jgotniki" oder „Bevorrechteten" nicht 49, sondern knapp 4 Perzent aller militärpflichtigen Personen. Dieses Minus ist zum großen Teile durch die eben vom Senat als gesetzwidrig erklärte Praxis der Militärbehörden entstanden,^ durch welche es den Juden Polens unmöglich gemacht wurde, ihre ihnen gesetzlich zukommenden Ansprüche auf eine Bevorzugung durch Gcburtsatteste urkundlich zu beweisen. Welche drückende Militärlast durch diese gesetzlose Praxis der Militärbehörden den 1 316 000 Juden Polens aufgebürdet wurde, beweist das Beispiel der Stadt Warschau. In der dreijährigen Periode 1880—1887 hat die Stadt Warschau 1870 Soldaten gestellt. Davon waren 778 (40 Perzent) Juden und 1096 (60 Perzent) Christen. Mit der Einführung der neuen, nunmehr vom Senate den Militärbehörden untersagten Praxis hat sich das Verhältnis umgekehrt gestaltet: Von den 2208 Soldaten, die die Stadt Warschau in den drei Jahren von 1893—95 gestellt hat, waren 1217 (66), 1—3 Perzent Juden, und 996 (44), 2—3 Perzent Christen. Die Juden, welche in Warschau etwa 40 Perzent der Bevölkerung demikern aus Gegenden stammen, wo den Juden der Aufenthalt liche transkaspischen Provinzen eine Aufenthaltsbewilligung für nicht gestattet ist. mehr als drei Monate zu erteilen. Das Recht zu dauerndem Mir die russisch-jüdische Jugend. Aus Peters- Aufenthalte in diesen Gebieten kann selbst solchen Juden nicht erbura wird aesckrieben' Das Ministerium der Volksauf- J?41* werden, welche dort geboren oder seit Jahrzehnten ansässig ourg wiro gesryrieoen. ^>as oer -vvu.ouu, jinb_ ein ncucr ^laß des russischen Ackerbauministers ordnet daklarung hat m einem Zirkular an die Verwaltunaen der gegen an, daß die in den Gouvernements Pultawa, Cherson und Lehrbezirke die nachsolgende prinzipiell wichtige Erklärung Ekaterinoslaw bestehenden jüdischen Ackerbaukolonien in den gesetzerlassen, welche für die russisch-jüdische Jugend von weitlichen Gcmeindcverband aufzunchmen seien, da sie alle Bedingungen N-d-,.t'.na morho« dürft- Diö-lirnbriakeit sei Zserzu erfüllt hätten Hiernach ist das Gemeindeland, welches sich. lsher m gemeinschaftlichem Besitze befand, den einzelnen Kolonisten gehender Bedeutung werden dürfte. ,Die Lehrobrigkeit sei verpflichtet, bei der Durchsicht von Gesuchen um die Berechtigung der Eröffnung jüdischer Privatlehranstalten 1. und 2. Ordnung jedesmal unbedingt an eine Beurteilung der Frage zu schreiten, ob eine dringende Notwendigkeit zur Errichtung der nachgesuchten Lehranstalten an dem betreffenden Orte fühlbar ist. Wenn es sich nach grundbuchrechtlich zu übertragen. — Das russische Zentral-Komitee der „Jca" hat einen umfassenden Plan ausgearbeitet, um den in den mittelgroßen Städten Westrußlands lebenden Juden die Möglichkeit zu verschaffen, sich mit dem Ackerbau zu befassen. Die Juden sollen in der Peripherie der Städte gelegene Ländereien kaufen oder pachten, um auf denselben größere Wirtschaft zu treiben. Zu diesem Behufe wird eine größere Anzahl Agronomen angestellt werden, allseitiaer Beurteilung dieser Frage z. B. erweisen würde, welche die jüdische Bevölkerung unterweisen sollte, kostbare Erzeugdaß am betreffenden Orte das Kantingen. jüdischer schul, nieder altnger Kinder bedeutend lst, wobei diese Kinder wegen kleiner Parzellen eine auskömmliche Existenz zu gewinnen. — In der prozentuellen Einschränkung der Aufnahme in die all- Tiflis wurde der ehemalige Polizeimeister von Kutais, Oberst gemeinen Lehranstalten anläßlich der Ueberfüllung der Simonow, unter Anklage gestellt, 26 jüdische Häuser willkürlich l-üt-r-n dinät a- Bild,Ina nickt erbalten können und demoliert zu haben. Er hatte, wre aus der Anklageschrift hervortetzleren oie Notige <rlloung NiU)l eryatlen ro n , geht, mit Polizei- und Feuerwehrmannschaften ganz ex officw IN wenn es außerdem für zweckentsprechend erkannt würde, ber Judengasse von Kutais 25 Häuser völlig demoliert und bedaß am bezeichneten Orte eine jüdische Privatschule sonders in allen die Treppen, die in die verschiedenen Stockwerke eben dieser Ordnung eröffnet werde, so sind Gesuche von Personen mosaischer Konfession in ähnlichen Fällen zu bewilligen, allerdings mit der Bedingung, daß diese Personen vollends denjenigen Anforderungen entsprechen sollen, die zu diesem Zwecke an die christlichen Inhaber! führen, sorgfältig vernichten lassen. Melbourne. Die hiesige Stadtverwaltung hatte bei - den drei jüdischen Gemeinden von Melbourne die Erlaubnis nachgesucht, zur Vergrößerung einies öffentlichen Marktes die jüdische Abteilung des alten Friedhofes der Peel- und Inhaberinnen der privaten Lehranstalten gestellt f straße zu verlegen, indem die darauf begrabenen Leichen werden." Aehnliche Gesuche sind in den letzten Jahren' auf Kosten der Stadt ausgegraben! und nach dem Zentralvom Unterrichtsministerium abschlägig beschieden worden.1 rj-m Petersburg. (Jüdische Handwerkerschulen in Rußland.) Durch einen Ukas das Zaren sind in Rußland mit einem einzigen Federstrich sämtliche Zünfte aufgeh allen worden. Fortan darf jedermann, der das entsprechende Gewerbe zahlt, nach Belieben Lehrlinge beschäftigen und alle Arbeiten ausführen, welche bis dahin ein ausschließliches Privilegium der mit einem Meisterdiplom versehenen Handwerker war. Diese Meisterdiplome selbst sind vollständig überflüssig geworden, da sie von keinem Menschen bilden, haben demnach in der angeführten dreijährigen Periode statt, mehr verlangt werden und auch niemand mehr da ist, der sie aus- 883 Soldaten 1217. d. h. 834 oder 36 Perzent mehr stellen müssen. “. Wie groß die von den antisemitischen Militärbehörden den Juden Polens auferlegte militärische Bürde in den letzten nenn Jahren gewesen ist, läßt sich approximativ berechnen, wenn man die Zahl der von den Inden im Jahre 1901 gestellten Soldaten als Durchschnittszahl anschen und das Zuviel, wie in Warschau, mit 36 Perzent berechnen will. Es hatten die Juden Polens in dem angezogenen Jahre 4834, statt 3554 Soldaten gestellt, das sind 1280 Soldaten mehr, als sie, falls die ihnen auf Grund von Familienmib Verwandtschaftsverhältnissen zukommenden Rechte von den Behörden nicht willkürlich annulliert worden wären, hätten stellen sollen. Diese Zahl mit 9 multipliziert, ergibt die nette Zahl von 11 520 Soldaten, die die Inden Polens durch einen Kniff der Behörden in 0 Jahren haben mehr stellen müssen. Man weiß friedhof befördert, die Grabsteine dort wieder ausgestellt werden sollen. Nach Beratung mit ihren Geistlichen haben die jüdischen Gemeindevertreter den städtischen Behörden geantwortet, daß es gegen Vorschriften ihrer Religion verstoße, die Ruhe der Toten zu stören und daß sie darum den Wunsch, der Stadt nicht zu erfüllen verinögen. Die Juden halten es überall für ihre Pflicht, die alten Begräbnisplätze zu erhalten; das geschieht selbst an Orten, an denen gar keine eigene jüdische Gemeinde mehr besteht. Botivtempel in Sereth. In Sereth (Bukowina) stellen könnte. Nur die unglückseligen Juden, welche in Rußland von der Wiege bis zum Grabe unter Ausnahmegesetzen stehen, werden nach wie vor ein solches Diplom vorweisen müssen. Will näm-' sich wie uns von dort geschrieben wird, ein Verein lrch ein jüdischer Handwerker den Ansiedelungsrayon verlassen und fvmrttmmT aimf Qhwfr s«. GPrfinuunn eines sich etwa in der dicht benachbarten Stadt Kiew niederlassen, so wrrd von lauter sroMMeN -vMuen ZUM Zwecke 0er OrvaMMg eine» Virt« Srt** Vntrt Hur hpv . 1ITTT ffi iMTt jÜdll »u ««;« m «e* viu* v«iHu^u4.*t» o»w.v .»VW«»,,«., jv . , Erbauung natürlich von der dortigen Polizei nach wie vor der dokumentarische GÄteshaufes, UM so ein ewiges Denkmals der glücklichen Beweis von ihm verlangt werden, daß er ein Handwerker ist. Wer syst aber ein solches Dokument ausstellen, da die Zünfte, die bisher allein dazu berechtigt und verpflichtet waren, nicht mehr bestehen? Hier ist nun den Polizeibehörden ein weites Feld für willkürliche Behandlung der jüdischen Handwerker eröffnet und die Stellung dieser Kategorie von im Schweiße ihres Angesichtes sich ernährenden Juden ist dadurch noch weit unsicherer und womöglich noch unhaltbarer als bisher geworden. Die Kiewer Polizei hat auch bereits erklärt, wirklich nicht, ob man mehr über die Unverfrorenheit der Behörden daß sie fortan nur solche Juden als Handwerker anerkennen will, staunen, welche den rechtlosen Inden eine solche unerschwingliche Blntsteuer auferlegt haben, oder die Hilflosigkeit der Juden bewundern soll, die neun Jahre hindurch eine solche Bürde still in sich getragen haben, ohne alle gesetzlichen Mittel zur Abschüttelung der selben ergriffen zu haben. Davos. (£in furchtbares Ereignis hält hier die Gemüter in Aufregung. Mit einer Stimme Mehrheit hat die Gemeinde einen Bekenner der jüdischen Religion ins Bürgerrecht ausgenommen. Es ist nun davon die Rede, den Beschluß der Gemeinde, der nach der Meinung der Unterlegenen ein Schandfleck für den internationalen Kurort Davos ist, anzufechten. In Italien, dem gut katholischen Italien, hat man vor kurzein einen Juden zum Kriegsminister gemacht. Im Großherzogtum Baden ivar durch einige Jahrzehnte hindurch ein Jude Finanzminister, und einer der größten Staatsmänner Englands, der Ministerpräsident Disraeli, war ebenfalls ein Jude. Aber die internationale Großstadt Davos würde für alle Zeiten geschändet, wenn ein Jude Mitglied ihres Bürgerver bandes Ivürdc! Jüdischer Turnverband. Aus Hamburg wird gemeldet: Dem unlängst stattgefundenen Turnabend der hiesigen jüdischen Turnerschaft wohnte in Begleitung mehrerer Herren der Vorsitzende des Berliner Turnvereins Bar Kochba, Herr Dr. Ernst Tuch bei. Nach Schluß der Hebungen fand eine Zusammenkunft zum Zwecke der Besprechung über einen zu gründenden Verband jüdischer Turnvereine statt. Die Versammlung nahm einstimmig folgende Resolution an: In Erwägung, daß ein Zusammenschluß der jüdischen Turnvereine in Deutschland das Ansehen jedes einzelnen Turnvereins wie der Gcsamtjndenheit zu stärken vermag, bittet die heutige Versammlung den Turnrat der jüdischen Turnerschaft von 1902 in Hamburg zum Ztvecke der Schaffung eines jüdischen Turnverbandes mit dem Turm- Verein Bar Kochba in Berlin in Verbindung zu treten." Herr Dr. Ernst Tuch teilte mit, daß die Vereine in Halberstadt und Frankfurt a. O. ihren Beitritt zu einem Verbände zugesagt hätten, VIHt großer Begeisterung wurden die Ausführungen des Herrn Gustav Tuch ausgenommen, der die jüdische Turnsache als einen Teil der großen jüdischen Bcivegung bezeichnet. Ans aller Welt. Den ersten Preis bei dem Wettbewerb um den besten Münchener Roman hat die Schriftstellerin Leonie Mcyerhof aus Bildcck bei Frankfurt a. M. für ihre Arbeit „Töchter der Zeit" erhalten. Sie schreibt unter dem Namen Leo Hildeck. — Alexander Pollak wurde zum königlich serbischen Konsul' in Budapest ernannt. — Generaldirektor Sigmond Nyitrai erhielt das Ritterkreuz des Franz Josef-Ordens, der Physikus der Stadt Gyulafehervar (Ungarn) Dr. Bernhard Nathan das goldene Verdieustkrenz mit der Krone. — Jsaac Molcho Pascha, Exzellenz, hat seine Demission als Präsident des israelitischen Konsistoriums der Türkei gegeben. Doktor de Castro Bey, Exzellenz, der Vizepräsident dieses Konsistoriums, hat den Großkordon des OsmanieordenS erhalten. — Bei dem jüngsten Avancemellt lvurden in Frailkreich drei jüdische Obersten, ein Oberstliellteilallt. ein Major ernannt. — In Antwerpen ist der jüdische. Maler Marcusi, ein geborener Berliner, im 86. Lebensjahre gestorben. — Der' Zar hat der Familie Antokolskis telegraphisch sein Beileid nusgedrückt und den Wunsch geäußert, daß der Ki'histler in Rußland beerdigt werde. — Nach einer neuen Verordiuillg des russischen ätultusministeriums hat die Anfnahnle von Juden in das polytechnische Institut von Petersburg eine nelle, bedeutende Vikschränkiriig erfahreru Die Zahl der nelleintretenden Juden darf drei Perzent der Gesmntzahl der christlicheil Hörer des Polytechnikums llicht übersteige,l; bis jetzt aber war dieser Perzentsatz mit zehn festgesetzt. — Die Aufnahme von Jilden in das Gymnasium zu Libau wurde heuer, wie amtlich bekamitgegebcn wird, völlig eingestellt. In den letzten zlvei Jahren wurde die Zahl der neuaitfflenottnnenen Inden äußerst Hefchl/inkt, durch die lnrnrnchr erlassene Berordrinng aber den Juden der Zutritt in das Gyllniasium gänzlich versperrt. — Die Handelsakademie zu Odessa gibt, tvie die „Odesskija Notvosti" melde,l, bekannt, daß sie. die entweder eine Handwerkerschule beendet oder einige Jahre in einer großen Fabrik gearbeitet haben. Nun werden aber Juden in großen Fabriken nur ganz ausnahmsweise beschäftigt und die Zahl der jüdischen Handwerkerschulen, die von der Negierrmg als solche voll anerkannt Werder,, ist noch viel zu gering, um alle jüdischen Hmldwerker auszubilden und mit Zeugnissen versehen zu können. Ztvar wird von den russischen Juden auf den Gewerbeunterricht jetzt sehr großes Gewicht gelegt, so daß fast jede Mädchenschule den Schülerinnen, Unterricht in Handarbeit erteilt, allein solcher geht selten über die Gegenstände für den Haushaltungsgebrauch, wie Nähen, Stricken usw. hinaus. Ferner gibt cs in Rußland 22 Anstalker,, in denei, jungen jüdischen Mädchen einige weibliche Handwerke, wie Wäschenähen, Handschuhmachen, Blumenfabrikation ge lehrt und Modistinnen ausgebildet werden Errettung des Kaisers Franz Josef von Mördershand vor fünfzig Jahren zu gründet:. Das Gotteshaus soll am 18. Februar, genau zmn Jahrestage dieses merkwürdigen Tages, seiner Bestimmung übergeben werden. Nach den Beveinsstatuten muß in diesem Gotteshause jedes Jahr an diesem Tage ein feierlicher Gottesdienst abgehalten werden. Die Einweihung des Grundsteins nahm der W'.znitzer Rabbiner vor. Zugegen waren der Bezirkshauptmann, der Bürgermeister aus Sereth und andere Persönlichkeiten. Lemberger Srief. (Jüdische Wohlfahrtsanstallen. — Die polnische Presse. — Christlicher Handel mit jüdischen Mädchen. — Ausweisungen.) Wahrlich, wir Juden waren und bleiben das ethnographische Rätsel, ein Vorwurf unaufhörlichen Studiums für die eigenen Söhne wie für andere Völker. Leben wir rn einer so ~ kritischen Zeit, daß der Jude sich selbst keine Rechenschaft mehr .. . _ Für den Unterricht von geben kannn und noch mehr und öfter geben will über ferne männlichen Handwerkern sorgen 22 Elementarschulen und 14 Lage? Ist es nicht, als wenn Alt-Israel in rasendem Tempo Talmnd-Thora-Schulen, in denen neben dem Elementar-Unterricht hinabgezogen würde in das Reich der Nimmerwiederkehr? noch einige Handwerke sehr oberflächlich gelehrt werden. Dieselben Wütet nicht die Assimilation selbst in der uralten, großen, sind aber nicht berechtigt, Meister- oder Gesellendiplome auszujüdischen Gemeinde Lemberg mit verdoppelter Macht, um das stellen. Dasselbe läßt sich von der an der kleiilen Jeschiboh von Hochheiligtum in uns mit Stumpf und Stil zu vernichten? Odessa bestehenden Abteilung für den Handwerksunterricht sagen, j Taufen folgen auf Taufen unter allen möglichen Gestalten: Nichtige, voi, den Behörden anerkannte Unterrichtsallstalten zur 1 aus innerem Herzensdrange — also Neigungstaufen. Zahlreicher Erziehung jüdischer Handwerker gibt es in ganz Rußland nur 12, als diese brechen die Brottaufen in unsere assimilatorischen von denen zwei, nämlich die von Warschau und Odessa, nur einfache Reihen ein. Hierzu kommt die dritte Art: der Backfischfang, Lehrwerkstätten sind, in denen den Zöglingen ein Hmrdwcrk, aber dieser himmlische Sport hochstehender Seelenschacherer; schließlich nicht die mindeste Elementarbildung beigcbracht wird. Die Lehr- Entweihung der geheiligten Bräuche, der Sabbat- und Feier- Werkstätten in Warschau werden von der jüdischen Gemeinde unter-; tagsruhe u. s. w. , halten. Die jüdischen Zöglinge, deren Zahl im vorigen Jahre sich Und doch gibt es Großtaten in Lemberg zu verzerchnen auf 162 belaufen hat, erhalten Unterricht, Nahrung rind Kleidung welche uns anmuten, wie die letzten versengenden Sonnenstrahlen gratis, wobei jeder Zögling bei einem zehnstündigen Arbeitstag im Nachsommer. . jährlich 147 Mark verdient, aber 404 Mark kostet. In den 14 j Gerade hier tun sich linksstehende Männer hervor tu Jahren ihres Bestehens haben die Werkstätten 106 Handwerker ihrer wahrhaft großartigen Munifizenz, die — zur Schande der ausgebildet, von denen 82 noch jetzt ihr Handwerk wirklich betreiben, 'konservativen Gemeindemitglieder sei es gesagt — bet Handwerkerschnlen im engsten Sinne, in denen nebst einem Ele-! diesen letzteren niemals anzutresfen war. Wir haben in dcesen mentarnntcrricht eine größere Anzahl Handwerke theoretisch und Blättern bereits eine Institution flüchtig besprochen, deren praktisih gründlich gelehrt werden sollen, gibt es in Rußland nur Vollendung bald geseierr werden soll — das Lazarus sche zehn, von denen die von dem kürzlich in Tlnnnt verstorbenen Philanljüdis che Spital. Ob dieser jüdischen Heilanstalt schwergt thropen Meier Friedland in Dwinsk gegründete eine Musteranstalt man ganz andächtig. Die Protektionswirtschast, sowre die ungenannt werden kann. Nächst ihr wird die 1864 von der Gesell-! gerechtfertigte Sparsamkeit, welche in puncto der Gesundheuö« schaft „Trnd" in Odessa begründete Handwerkerschule sehr gelobt, pflege geradezu ein Verbrechen repräsentiert, dürften ihre Opfer Die in Wilna bestehende Schule gibt ihren Zöglingen eine ausgeheischen. , , . . . zeichnete Elementarbildung; ihre Leistungen als Harrdiverkerschnle Alles in allem, das Lazarus-Spital fordert geradezu die ' ... - galizische Judenschaft heraus, dieses Institut auszugestallen. Diesem ebenbürtig, baut Herr Dr. Simon Schass emen Ergänzungsflügel an dem im Verwesen begriffenen Gemernde- Waisenhause an, das geeignet erscheint, eher eine Erztehungsanstalt für Prinzensöhne zu werden, als für die Ungluckltchsten der Unglücklichen in unserer so armen Gemeinde, welche über 4000 unterstützungsbedürftige Familien verfügt. Dieser Komfort, diese Badeanstalten, diese Turnplätze und erst die Gartenterrasse, mit mehrhundertjährigen Bäumen bepflanzt, nimmt uns ganz gefangen. Wir können heule nicht alles detailliert schildern, brs nicht der letzte Handwerker sein Werkzeug aus der Hand legt und die Wirtin, die Ehrendame Frau Stroh, das Regtment übernimmt. Diese jüdische Frau, welche in der Wirtschaft ebenso heimisch wie in der modernen Bildung und der die hetlrge Schrift kein Buch mit sieben Siegeln ist, wird erst das rechte Leben in diese neue Lehr- und Erziehungsanstalt bringen. Sle bringt auch jüdischen Geist und jüdische Pragmatik in dieses Haus für Waisen mit. , Wir wollen noch hervorheben, daß das ganze Gebaren tm Waisenhause streng rituell ist, daß ein eigenes Bethaus für die Zöglinge errichtet ist, in welchem die Zöglinge zum Beten angehalten werden. Wir kommen noch daraus zurück. Im ganzen dürften kaum 62 Kinder beiderlei Geschlechtes verpflegt werden; entgegen dem herrschenden Massenelend der so erschreckenden Zahl der Waisenkinder dürfte der Wunsch nach einer ausgiebigeren Ausnahme von Waisenkindern, welche sonst lassen dagegen, nach den Arissagen des Herrn Jlliil, welcher in einem russischen Fachblatte über die jüdischen Handwerkerschulen in Rußland einen umfangreichen Artikel veröffentlicht hat, fast alles zu wünschen übrig. Dasselbe läßt sich auch von der mit Hilfe dex „I, C. A." begründeten Hnndwerkerschnle in Petersburg sagen, wo auch die fünfklassige Vorbereitmtgsschule sehr viel zu wünschen übrig läßt. Noch iveniger taugt die eigentliche Handwerkerschule selbst. Schreiber dieser Zeilen hat von Freunden und Gegnem der „I. C. A." schon sehr viel Ungünstiges über diese mit allem Komfort nusgestattete, mit den kostspieligsten Maschinen und überntls teuren^ (christlichen) Lehrern versehene Schule gehört. Herr Jllin bestätigt mm diese Anagben vollauf. Von den 40 Zöglingen der Schule hat er bei einem zweimaligen Besuche derselben einntal 17, das anderemal gar 6 angetroffen. Ein Lehrer war beidemale in der Schule nicht anzutreffen. Wir machen den Aufsichtsrat der „I. C. A." ans diese mit sehr großen Geldopfern von der Gesellschaft gegründete Schule hiermit atisdrücklich aufmerksam. Die übrigen sechs jüdischen Handwerkerschnlen in Rußland stehen ebenfalls nicht aus.der Höhe der Zeit. Es geht ihnen hiermit genau so, wie den russischen Handwerkerschulen, die den Ansprüchen, die im Westen Europas an eine solche Anstalt gestellt werden, ebenfalls bei weitem nicht genügen. Nun dürfen aber die Rüsten sich schon den Luxus, schlechte Handtverker 31t besitzen, wohl gestatten, nicht aber die armen, überall verfolgten und bedrängten Inden. Diese müssen schon vorzügliches leisten, wenn sie überhaupt irgendwie in Betracht kommen wollen.