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Jüdisches Volksblatt · 1902-08-15 · 33 (15.8.1902) · p. Seite 4

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
4 (1902)
Issue
33 (15.8.1902)
Date
1902-08-15
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 15. August 1902 33 das; tvir Juden uns schon von Jahrtausenden alter jener samtaren Vorschriften zu erfreuen vermochten, die die neuesten Untersuchung gen und Forschungen mit wissenschaftlicher Autorität als probat bekräftigen. . w Das ntoöcmc Judengigcrltum. das sich über das rituelle Schächten und die rituelle Beschau so wegwerfend ausspricht, macht sich nicht nur lächerlich, es handelt vielmehr gegen das eigene Interesse und setzt sich mutivilligerlveise Gefahren am eigenen Leibe und Leben aus. Die Indolenz bei uns Judcli gegeii das rituelle Schächten ist wohl liur darauf zurückzusühren, daß die Iveitcn Schichten unseres Volkes iiber deii hohen, gemeinnützigen Wert der rituellen Schächtriiethode noch nicht genügend, richtiger gesagt überhaupt gar nicht aufgeklärt erscheinen. Es würde sich daher empfehlen und als driiiglich notwendig erweisen, einen Preis auf die Verfassung einer allgemein verstäiidlicheii Darstellung des rituellen Schächtens und der rituellen Tierbeschau beziehentlich auf den hohen Wert dieser rituellen Einrichtung und den Schutz, den sie für unsere Gesundheit bietet, auszusetzen. Eine derartig sachliche Darstellung würde zweifellos auch dazu dienen, informativ und instruktiv in arischen Kreisen zu tvirken und dieselben dazu bestimmen, die durch nichts gerechtfertigte Opposition und den unvernünftigen Widerstand gegen das rituelle Schächten aufzugeben. Man darf sogar erwarten, das; man sich dann arischerseits mit dem rituellen Schächten nicht nur befreunden werde, sondern auch, daß man dieselbe, den Anforderungen der Neuzeit augcpatzt, zu einer obligatorischen Verpflichtung erheben dürfte. Die jüdische Religion, die mit ihren Glaubenssatzungen für die später entstandenen Tochterreligionen bahnbrechend und mustergültig gewesen, kann mit stolzer Genugtuung für sich das Verdienst in Anspruch nehmen, Einrichtungen geschaffen zu haben, die das geistige und leibliche Wohl ihrer Bekenner bezwecken. Wir müssen daher mit aller Energie alle jene Bestrebungen bekämpfen, die dar-; auf hinzielcn, uns in dem Gebrauch derselben zu beirren und zu beeinträchtigen. Dies möge überall dort verstanden werden, wo man es'wagen sollte, Schritte in dieser Richtung zu unternehmen. Intimes vom Bunde der Deutschen in Böhmen. Aus Pilsen wird gemeldet: Zu wiederholtcnmalen ist in letzter Zeit die Aufmerksamkeit der Ocffentlichkeit auf den Bund der Deutschen in Böhmen hingelenkt. Letzter Zeit sind denn auch tatsächlich im Schatze des Bundes der Deutschen in Böhmen Erscheinungen zutage getreten, die das Verlangen nach einer gewissenhaften Klärung der Verhältnisse und der Befreiung des Bundes von allen Schlacken dringend geboten erscheinen lassen. In der Bundesleitung hat es im Laufe der letzten Wochen mehrfache Differenzen gegeben, die zwar durch die Bemühungen der matzgebenden Persönlichkeiten wieder beigelegt worden sind, es aber doch verdienen, weiteren Kreisen mitgeteilt zu werden. Vor allem ist es die Affäre Franco Stein, der vom Bunde der Deutschen in Böhmen eine jährliche Unterstützung von zweitausenvierhundert Kronen bezogen hat, und man mutz sich mit Recht fragen, wofür denn gerade diesem Abgeordneten ein so beträchtlicher Betrag aus Vereinsmitteln zugewendet wird. Desj gleichen hat auch der Abgeordnete Schreiter mehrfache Vorschüsse j Hiermit soll folgcdcS konstatiert werden: 1. Es ist unwahr, datz der Tcmpelvercin ausgelöst ist. 2. Es ist unwahr, datz die Kultusgcmcinde mit der Fortführung der Geschäfte jemals vier Herren betraut hätte. Wahr ist, datz der Verein fortbesteht und der Vereins- Vorstand mit seinem Obmanne Herrn David Steril, 11. Bez., Hauptstraße 112. die Vereinsgeschäfte besorgt und bisher nicht aus den Händen gegeben hat. Erlast des k. k. Bezirksschulrats Tetschen. Nr. 1271. Auf Grund des L.-Sch.-Erl. vom 23. Mai 1901, Z. 18654, wird den Schulleitungen aufgetragen, alljährlich zu Beginn eines jeden Schuljahres dem zuständige» evangelischen Pfarramte unmittelbar die schulbesuchcnden Kinder evangelischer Konfession A. C. namhaft zu machen. Jene Schulleitungen, für deren Kinder ein ilicht römisch-katholischer Religionsunterricht bereits geregelt ist, haben autzcrdem alljährlich ohne Allfforderuilg ein Verzeichnis der ilicht römisch-katholischen Schulkinder» gesondert nach Konfession, zu Beginn des Schuljahres anher vorzulcgen. Der „Jud" braucht nicht zu leben. Die antisemitische Rohj heit, die sich darüber beklagte, datz auch arme, sieche Juden in den i Wiener Spitälern ausgenommen werden, ist unvergetzlich. Bekannt sind auch die Wiener Katilinaden, welche Juden vom Universitätsstudium ausschlietzen möchten, dabei aber verleumden, datz Juden nur „Handel", höchstens Journalistik treiben wollen, weil sie angeblich ilichts arbeiten und physische Anstrengungen scheuen, und das rumänische Haudwcrkcrgesetz billigen, welches den hart arbeiten Matrikenbüchcr geführt sind, verlangt wird. Ein solches Belangen ist aber laut einer Statthaltereientscheidung vom 12. Oktobc 1857, Z. 33 956, mlstatthaft. Hingegen gibt es eine Ministcialentschcidung vom 15. Dezember 1868, datz auf die Rückseite eines Matrikenzeuguisses die Originalausführung in eine zweite Drache übertragen werden darf. — Eine neueste Entscheidung bei: Verwaltungsgerichtshofes besagt, bei der Legitimierung eines unhelich geborenen Kiildes durch die nachfolgende Ehe der Eltern (Paragraph 161 des Allg. bürgerl. Gesetzbuches) mutz als unerlästiche Voraussetzung die Tatsache gelten, datz die zwei die Ehe schlietzuden Persollen nachweislich auch wirklich die Eltern des zu legitimicendeu Kiildes siild. Ausland. Abfchlust der Konitzcr Affäre. Aus Könitz wird geschriebn: Die Koilitzer Mordaffäre hat einen vorläufigen Abschluß durch >ie Entscheidung des Oberlandesgerichts Marienwerder erfahr«, ivariil die Beschwerde des Bauunternehmers Winter zu Prechlm über die Abweisung feiner Strafanzeige gegen eine Anzahl jüdische Bewohner voir Könitz mld Umgegend wegen Ermordung fein# Sohnes zurückgewiesen wird. Damit ist der Instanzenweg erschöpf. Die „Ailtis. Korr." bringt jetzt den Wortlaut des Beschlusses, aui dessen Begründung tvir die die Behauptungen eines Blutmordeaus Aberglaubeil zurückweisenden Ausführuilgen wicdergeben. ES werden zunächst die Gutachten der verschiedencrl Aerzte, die sich in Könitz geäußert haben, wiedergcgebeu'und danil die erstatteten Oberglitachtell mitgeteilt. Der Passus über diese lautet: Demnächst den jüdischen Handwerkern den letzten Bissen Brot entzieht. Nicht, ist ein Obergutachten voir dem Königl. Medizinalkollegium der °n«ch. * »« C ist .» iaitetW* nicht di-; ÄtiSÄllIÄ Seßhaftigkeit und die Ausdauer zur Landwirtschaft besitze. Wrr ^ahin aus: 1. Der Tod des Ernst Winter ist durch Erstickung cr- Juden wußten scholl tauge, datz cs eine Lüge ist, datz aber die I folgt. 2. Die Almahme, daß der an der zerstückelten Leiche Winters „Deutsche Zeitung" in ihrer Samstagnummer die Lüge eingesteht, vorgefundclle Halsschiiitt bei Lebzeiten Wiilters ausgeführt ivurde i.'l mii-ktiw fmrmrf! Nwürlicb tut sie es auf i b r e Weise Sie und den Verblutungstod hcrbeiführte, eiltbehrt der wlssenschaft- ,t wirklich komlich. Natürlich tut sre es aus ly r e ^ct]c «ötc , M)CU Begründung. 3. Der Tod erfolgte am 11. März 1900 innerbe klagt sich iiamlich darüber, datz sich die Juden m Rußland rn ersten sechs Stunden nach der genossenen Mittagsmahlzeit. die bäuerliche Bewirtschaftung „eindrängen", billigt; 4. Der Nachweis von Spermaflecken an der Autzeilseite der Hose die dagegen gerichtete Bestimmung des russischen Senates, wonach' mrd Weste macht es wahrscheinlich, datz Winter kurz vor dem Tode di- 3i.öc,, auf Süaucrnfaib nicht einmal Saud g t a I> c „ mib in : bc" "usfiihrto bet ausä_ufiil)een ucrfurfite. Schlief,I,ch selbst gebauten Häusern ständig wohnen dürfen, und hetzt schließ-1 lich gegen die Juden, weil sie mit eigenem Gelde eine land -! wirtschaftliche Schule gebaut haben, die jetzt schon 49 Schüler besuchen und glossiert die echt „Deutsche Zeitung' das „Erwachen des Judentums". — Nicht Studium, ilicht Handwerk, nicht Journalistik, nicht Handel, nicht Landwirtschaft sollen die Juden betreiben, aber auch nicht krank sollen sie fein I Das heißt arm uiid krank dürfen sie schon sein, aber nur nicht irr. den von. jüdischen Steuergulden mitbezcchlten öffentlichen Krankenhäusern.! Das alttestame n t arische „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst^ und „den Fremdling in deiner Mitte darfst du nicht bej drücken", findet eine gar sonderbare Umwertung im arischen Gehiril, so in Rußland, in Rumänien urid — Wien. —s. hat die Wissenschaftliche Deputation für dasMcdiziualwesen in Berlin ein voll ihr gefordertes Obcrgutachten unter dem 15. Jänner 1902 erstattet und darin wie folgt geäußert: 1. An dem p. Willter ist Erstickullg verübt worden in einer Art und Meise, die notwendig den Tod zur Folge haben miitztc. 2. Der all dem Halse Vorgefundene uiid allein die vollständige Blutleere erklärende Halsschiiitt ist mit größter Wahrscheinlichkeit nicht bei Lebzeiteil, sondern unmittelbar mit dem Tode erfolgt. 3. Bezüglich der übrigen Verletzungen ist als feststehend anzunehmcii, datz sie ebenfalls nicht bei Lebzeiten, sondern erst nach dem Tode, tvenn ailch ilicht iinmittelbar ilachher ausgeführt sind. 4. Den Ausführungen des Medizinalkollcgiums ‘ über die an den Kleidern des P. Winter Vorgefundenen Blut- und Spermasleckcn wird beigetreten. Ist hierilach anzunehmen, datz der! Tod des Winter infolge Erstickung eingetreten ist, und daß die ' Schnitte, insbesondere der Halsschiiitt, erst ilach dein Tode ausge- , führt worden siild, so verliert die Behauptung, Willter habe als ein j Opfer des Aberglaubens den Verblutungstod erlitten, ihre tatsächerhaltcn, und so soll auch noch eine weitere Anzahl ähnlicher Gläubiger in den Schuldbücherii des Bundes Vorkommen. Zahlreiche Mitglieder und Ausschußmitglieder des Bundes haben mit Recht darauf hingewiesen, daß es unmöglich Aufgabe dieses nationalen Schutzvereines sein könne, die oft hellerweise aufgebrachten Vereinsmittel zu Unterstützungen an alldeutsche Abgeordnete zu verwenden, sondern daß sie anderen, besseren Zwecken zugeführt werden müßten, und stets Schuleii, zum eine ausgiebige den Biindesmittel und diese Erwägung mag wohl Anlaß gewesen sein, das; zahlreiche Mitglieder, die das allgemeine nationale Interesse über das Interesse der radikalen Partei stellen, gegen eine den Satzungen dieses Bundes zuwiderlaufende Verwendung seiner Mittel Stellung nehmen. Tatsächlich soll auch über diese energische Einflußnahme die Subventionierung des Franco Stein aufgelassen worden sein. Desgleichen wurden auch zahlreiche Stimmen laut, welche sich gegen die Empfehlung des von der Firma Brüder Schweighoser in Budweis erzeugten „Bundeskaffee" aussprechen; es ist denn auch das Verhältnis des Bundes mit der genannten Firma tatsächlich gelöst worden und die betreffenden Geschäfte werden im Laufe eines Jahres vollständig abgewickclt sein. Es liegt für uns kein Anlaß vor, der Firma Brüder Schweighoser das Wort zu reden, die ja da wieder als radikale Parteigängerin mit ihrem Radikalismus ein ganz gutes Geschäft gemacht hat und jene Momente um eines vermehrt hat, die den Bund der Deutschen in Böhmen als im radikalen Fahrlvasser schwimmend zeigen. Tatsache ist, daß der Bund durch die Auflösung seiner Verbindung mit der genannten Firma auf eine jährliche Einnahme von zweitausend Kronen verzichtet und dies nur aus dem Grunde, weil sich die Kleingewerbetreibenden, die Parteigänger der radikalen Partei, über die Konkurrenz des „Vundeskaffees" beklagen. Es ist also um den Preis der Zufriedenheit der radikalen Wähler das materielle Interesse eines parteilosen, nationalen Schutzvereines geopfert worden. Endlich hat man auch den Obmannstellvertreter des Bundes, Herrn A. Kietzlich, mit Vorwürfen nicht verschont, weil er für die Aufnahme aller den Bund der Deutschen in Böhmen betreffenden Mitteilungen in seinem Blatte „Der deutsche Volksbote" als einziger gleichfalls aus Vundesmitteln eine jährliche Subvention erhält und weil infolgedessen der „Deutsche Volksbote" als Bundesorgan gilt und der Bund demzufolge mit der politischen Haltung dieses Blattes in Verbindung gebräche wird. Bekanntlich steht der „Deutsche Volksbote" vollständig auf dem radikalen Standpunkte und macht aus ihm nie ein Hehl, obwohl zahlreiche Mitglieder der Deutschen Volkspartei treue Anhänger des Bundes sind und der Obmann dieser Partei in Böhmen, Dr. Karl Schücker, auefj heute noch dem Bunde der Deutschen in Böhmen als Obmann Vorsicht. Der Herausgeber des „Deutschen Volksboten". Herr A. Kietzlich, hat sich infolge der ihm gemachten Vorivürfe und Verdächtigungen veranlaßt gesehen, seine Stelle als Obmannstellvertreter des Bundes niederzutcgen, wurde aber bewogen, diese Ehrenstette bis zur nächsten Hauptversammlung zu behalten. Jüdischer Tempelverein für den 11. Bezirk. Die Union scheint es auf den Tempelvercin des 1 t. Bezirkes abgesehen zu haben. Schon vor vier Jahren hat der Union-Kalender den Vereins-Vorstand falsch angegeben, und im neu erschienenen Union-Kalender wird der Welt ein Märchen a la Münchhausen zum Vesten gegeben. Die isreeMische Realschule in Vag-Ujh-ll, eröffne« im nächsten ■*> ^nd^e Die haut als „Petechien" bezeichneten Flecke lediglich Verwesungserscheinungen seien, widerspricht dem tatsächlichen Befunde .... Von allen Gutachtern werden die Petechien übereinstimmend als Erstickungserscheinungen angesehen, und dasselbe gilt auch von den Vorgefundenen^ Ekchymosen. Datz die Schnittführung am Halse nicht ein Schächtschnitt ist, hat der Sachverständige Dr.. Mittenzweig, nachdem er sich über die Ausführungen des Schächtsehnittes auf dem Zentralviehhof in Berlin aus eigener Anschauung unter- Schuljahre die fünfte Klasse. Mit dieser Verfügung des Unterrichtsministers ist der erste Schritt getan, um diese seit 40 Jahren bestehende, segensreich wirkende Anstalt zu einer Oberrealschule auszuweiten. Zum Tempelbau im achten Bezirke Wiens. Der achte Gemeindebezirk hat bisher eines Gotteshauses entratcn müssen. Der Vorstand der israelitischen Kultusgemcinde in Wien, dessen vorj nehmlichste Aufgabe es sein sollte, für die kulturellen Bedürfnisse richtet hat, begutachtet, und auch das Mtzdizinalkollegium hat sich Man bermiüt bedauerlicherweise bei den mblreicben seiner Mitglieder zu sorgen, hat sich darum wenig bekümmert, obdahin ausgesprochen, daß die Schnittführung insofern mit dem _ cm n x m die in der Josefstadt wohnenden Juden die Möglichkeit besitzen, it)rc ■ Schächtschnitt nichts gemein hat, als derselbe genau in querer Rich- ® " 1 n 3 r Erhaltung deutscher . an geweihter Stelle zu verrichten, an den Sabbaten und ' trmg über die vordere Hälfte des Halses unterhalb des Kehlkopfes Schutze der deutschen Sprachgrenze usw. : hohen Festtagen ein mit den erforderlichen Attributen ausgestattetes j geführt zu werden pflegt, um beide Halsschlagadern und die Luft- Mitwirkung der doch reichlich fließen-; Gotteshaus zu besuchen. Hierzu hat man in der Gemeindestube in röhre gleichzeitig durchzutrennen, während der bei Winter vorhan- ' der Scitenstettengasse viel zu wenig Zeit, keine Lust, kein Vcrj bene Schnitt schräg geht und nicht symmetrisch beide Seiten des langen. In dieser Gemeindestube geschieht und vollzieht sich alles Halses getroffen hat. Diese Darstellung des Schächtschnittes stimmt von dem Gesichtswinkel der Frömmelei, der Eitelkeit und des auch mit dem überein, was der Schlachthausinspektor und Tierarzt Strebertums aus. Mag eine Angelegenheit auch von noch so vitalerj Wendt bei seiner gerichtlichen Vernehmung am 25. Februar 1901 Wichtigkeit für das Judentum und die Wiener Judengemeinde sein,! als seit vielen Jahren in Könitz von jüdischen Schlächtern beobihr wird keine Bedeutung beigemessen, wenn sie nicht geeignet ist, | achtetes Schächtverfahreu geschildert hat. Die Wissenschaftliche Dedas minderwertige Ego auf ein recht hohes Piedestal zu bringen,' putation folgert aus dem Befunde des Kopfes, daß für die an der von sich reden zu machen und eine reiche Ernte von gleißnerischer ’ Sehnenhaube im Vorderhauptsteile Vorgefundenen zahlreichen Lobhudelei, von widerlicher Anräucherung einzuhcimsen. Wohl^ gibt braunroten rundlichen Flecke als natürlichste Ursache ein Schlag mit es in der Kultusgemeinde-Repräsentanz in dieser Richtung einige! einem schweren stumpfen Körper sei, und daß ein solcher Schlag den rühmliche Ausnahmen, die betreffenden Mitglieder der Kulws- ' . - . . .- - . gemeinde-Repräsentanz, die man ja nicht namentlich kennzeichnen muß, weil sie bekannt sind, besitzen jedoch nicht die nötige Energie und unterlassen aus übel angebrachter Friedensliebe, den verfahrenen Karren ins richtige Geleise zu bringen. Die in der Josesstadt domizilierenden Glaubensgenossen aber sind ein tapferjes Völkchen, wackere Leute und waren auf Selbsthilfe bedacht. Sie haben es an unendlichen Mühen, an physischen und materiellen Opfern nicht fehlen lassen, um aus eigener Kraft, aus eigenen Mitteln den Fonds zur Erbauung eines würdigen Gottes Hauses auszubringen. Dieser Vaufonds war schon vor nahezu fünf * Jahren komplet, man schritt zum Kaufe eines passenden Bauplatzes in der Neudeggergasse, ließ die gelungen ausgeführten Baupläne verfassen und suchte beim Wiener Magistrate als Baubehörde erster Instanz um den Baukonsens nach. Nun begann erst recht die Leidensgeschichte dieses Synagogenbaues, die ivohl oberflächlich bekannt ist, deren Einzelheiten jedoch so rmgeheuerlich sind, das; wir uns Vorbehalten, an der Hand der authentischen'Akten zu geeigneter Zeit eine Darstellung zu geben, zur Ehre und zum Ruhme des Bethausvorstandes von der Josefstadt unb zum Schimpf und zur Schande des derzeitigen antisemitischen Regimes im Gemeinderate und Magistrate der zweimalhunderttauseud jüdische Eintvohuer zählenden Reichshaupt- und Residenzstadt Wien. Der antisemitische Diktator Wiens Dr. Lueger hat, gewissermaßen, um sich von seinem judenhetzerischen Gebareir zu cpkulpiercn, ein Glaubensbekenntnis aOfjetegtj er richte sich nur gegen die Juden, dagegen der jüdischen Religion erweise er wie jeder arideren Achtung mrd Sympathie. Trotzdem lies; er es ruhig geschehen, datz tvcgeii des Tempelbaues in der Josefstndt ein beinahe fünfjähriger Prozetz geführt wurde, der schvii zweimal alle Jnstaiizen bis hinauf zürn Vcrwaltungsgcrichtshofe in Anspruch genommen. Dieser Widerspruch darf iiirs freilich nicht befremden, derrn den Antisemiten siird ihre Gruirdsätze, tverrn sie ivelche überhaupt besitzeir, feil wie Brombeeren. Die ohnmächtige Rolle, welche die behördlichen Orgaire mrd der Wiener Kultiisvorstaiid in diesem Barlstreite cingeiromnien, wird wohl kein Ruhmesblatt in der Geschichte der airtisenritischeir Aera bilden, deirri mit einigem guten und festen Willeir wäre es ein Leichtes getvesen, die Uirbotmätzigkeit des Gemeiirderates ä»rd des Magistrats zu brechen. Uirsereir staiidhnftcrr Glaubensgenossen in der Josefstadt, namentlich dem verdienstvollen Betharlsvorstande Herrn Michael Straffer bringen wir ob ihres endlichen Erfolges unsere wärmsten Glücklvünsche, unseren Ivännstcn Dank und unsere , vollste Anerkennung dar. Mögen sie nun unverweilt cm3 Werk I gehen und gleich unseren Vorfahren in der einen Hand die Kelle, in der anderen das Schwert, den Bau des Tempels vollbringen zur Ehre des einzigen Elottes und zirr Zierde des achten Wiener Bezirkes. Für Matrikenführer. Es kommt vor, datz die Ausfertigung von Matrikenscheinen in einer anderen Sprache, als in welcher die Winter zwar nicht sofort getötet, aber doch derart betäubt habe, datz für die weitere verbrecherische Tätigkeit ein gelähmtes, vielleicht sogar bewußtloses Objekt geschaffen war. Diese Folgerung wird auf die als vorhanden festgestellten Blutaustretungen in der weichen Hornhaut gestützt. Es leuchtet hiernach ein, datz der vom Antragsteller angetretene Oiegenbeweis, es sei von den Obduzenten nach derartigen äußeren Einwirkungen auf die weiche Schädelbedeckrmg vergeblich gesucht ivorden, nicht ins Geivicht fallen kann. Es wird dann weiterhin die Uuhaltbarkeit der gegen die einzelnen Beschuli digten vorgebrachten Verdachtsmomente dargetau und bezüglich des ivegen Meineid verurteilten Moritz Levy nusgeführt: es liege kein Grund vor, anzunehmen, datz er sich zu dieser Ableugnung im Bewußtsein der Mitschuld an einem Verbrechen betvogen gefühlt habe; wahrscheinlich ist es, daß ihn dazu die Furcht, durch ein Zugeständnis erneuten Verfolgungen ausgcsetzt zu sein, verleitet habe. Olegen Adolf und Moritz Levy müsse der Verdacht der Täterschaft oder Beihilfe sogar für tviderlegt erachtet iverden, weil beide sich über ihr Tun und Treiben während der für den Mord in Betracht kommendeil Stunden in überzeugender Weise ausgetviesen hätten. Ebenso habe der verdächtige Schächter Hamburger den schlüssigen Nachiveis geführt, das; sein Tun und Treibeil am 11. März 1900 ein völlig unverdächtiges gewesen ist lind mit der Tötung des Winter in keinem Zusammenhänge steht. Aus diesen Olründen, und da das aufs Eillgchelldste unb mit aller Sorgfalt geführte Vorverfahreil, welches alle Tatsachen, die nur irgendivie mit dem Wiuterschen Tode in Beziehung gebracht werden koililteil, limfatzt hat, genügende Verdachtsgrüilde llicht ergeben hat, tvelche die Erhebung der öffeiltlichcn Klage gegen die Beschllldigten rcchtfertigeil könuteil, mußte der Antrag verlvorfeil iverdeill Dem toten Inden. Der jüdische Küilstler Markus Autokvlsky, der, um fiefy gut Dollen Höhe \cine§ %alcnlc§ emporzuarbeiteil, die den Judelr beengende Luft des Zarenreiches verließ, dem bei Lebzeiten ja fast alle Ehreil und Medaillen zuteil gewordeil sind, die ein Künstler nur getvinnen kann, hat nlUlinehr nqch eine Ehrung erfahren, die, so erfreulich sie an sich ist, doch das jüdische Herz mit Wehmut erfüllen mutz. Die Leiche AntokolSkys sollte nach Paris gebracht tverdeil, um dort beerdigt zll iverdeil. Aber der Zar selbst, der unlimschränkte Beherrscher des großen Rußland, das der jüdischen Intelligenz unb ihrem Bildungsdurst die Quellen des Wissens, der Entfaltling und Fortbildling verschließt llild tausende von jüdischerl Talentell verkümmern läßt, das selbst einem Ailtokolsky keiileil Lehrstuhl an einer russischen Hochschlilstätte der Künste zur Verfüglmg stellte, weil das küilstlerische Geilie im jüdischen Väterglauben verharrte — der Herrscher dieses Reiches hat die Hiilterbliebenen gebeten, den „toten" Küilstler nach St. Petersburg zil transportieren, wo er auf Staatskosten feierlich beigesetzt werden soll. DaS ist giewiß für den Juden Aritokvlsky eine ganz außerordentliche Ehre, die zweifellos an dieser Stelle registriert zu sberden verdient. Aber mit Wehnmt erfüllt doch diese deul toten Kunst-

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