Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 4 (1902)
- Issue
- 33 (15.8.1902)
- Date
- 1902-08-15
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 15. August 1902 Nr. 33 Seite 2 TjHcchWe Stimmen über die jüdijlh- Nt'male Semesnng. Tic iitPvoßmtz erscheinenden „Hlosy z Hane" brachten vor nicht langer Zeit über die jüdisch-nationale Bewegung, welche ein selbständiges, unabhängiges Auftreten der Juden in Testerreich als Partei zum Endzwecke hat, einen nicht uninteressanten und belilerkenswerten Artikel, welcher ein bezeichnendes Licht daraus wirft, wie die Inden ihre politische Haltung für die Zukunft einzurichten hätten, itnt sich bei ihren Gegnern A ch t u n g u n d e n t s p r e - ch e n d e B e a ch t u n g zu erringen. Dieses tschechische Organ, welches das offizielle Sprachrohr der tschechischnationalen Partei Mittelmährens bildet, äußert sich folgendermaßen : „Zwischen den Juden und den Deutschen in Muhren spielen sich in der lebten Zeit bemerkenslverte Episoden ab. Die mährischen Deutschen, ivelche durchwegs heftige Antisemiten sind, veranstalten Versammlungen zu dem Zwecke, damit in denselben die Franc besprochen werde, tvie sie sich Inden gegenüber verhalten, ob sie sie auf die Duner in den Vereinen belassen oder sie vollständig uns denselben vertrieben iverden sollen. Die offenen deutschen Antisemiten sind für den Hinauswnrs der Inden, die verkappten aber nehmen sieb der Juden an, nicht so sehr ans Liebe zu ihnen, sondern ans Liebe zu sieb selbst, da sie sehr gut wissen, das; in dem Augenblicke, da die Inden in Mähren anfhoren werden den Deutschen Lakaien- und Sklavendienste zu leisten, es auch mit dem Deutschtum in Mähren ein Ende haben ivird. Ans diesem Grunde tvird von den verkappten Antisemiten gegenüber den Juden> eine gewisse Langmut geübt, und zwar deshalb, weil Heuer die Landtagswahlcn in Aussicht stehen und cs bisher auch noch nicht gctvis; ist, ob nicht die Olmützcr Handelskammer aufgelöst wird und demzufolge 9? entvahlen ungeordnet iverden. Nur deshalb ist cs diesen verkappten Antisemiten in den Versammlungen des Bundes der Deutschen N o r dm ä h r c u s in £ l m ü tz und der Deutschen S ü d m ä h r e n s in Brünn mit großer Mühe gelungen, das; die Frage des offiziellen Hinanswurfcs der Juden aus diesen beiden Vereinen auf kurze Zeit vertagt wurde, wobei der deutschen Bevölkerung in recht augenfälliger Weise der Weg gekennzeichnet wurde, auf welchem sie eine Reinigung ihrer Vereine von den Juden selbst durchführen könnrcm Dieser fragwürdige Erfolg der deutschtüme luden Juden im deutschen Lager genügt wohl Fanatikern von der Art eines Sigmund Back, ist aber für jeden seriösen Juden eine blutige Beleidigung, falls man einen derartigen Beschlus; als Erfolg äusposaunt. Dies haben auch weite Kreise von Juden in Mähren durchschaut und cingcsehen, ivelche unwürdige Rolle die Inden unter den Deutschen spielen und demzufolge ist es auch ihr Bestreben, sich von den Deutschen abzulösen und sich als selbständige Partei zu organisieren. Dieser Fortschritt ist unleugbar die Frucht jener jüdischen Politiker, welche mir Herrn Sigmund Reiner an der Spitze sich auf den Standpunkt einer selbständigen Organisation des Judentums gestellt haben. Ohne diesen Schritt des Herrn Reiner hätte wahrlich Herr Sigmund Back heute nicht so stolz sein fanatisches Haupt erhoben; heute bereits hätte er seine Legitiination für die lächerliche Behauptung verloren, das; er ein Anpchörigerj der Nation Goethes, Luthers usw. ist, rind heute, fürwahr, wäre er bereits der richtige Hofnarr, zu dem er sich durch die lächerlich unerhörte Komödie gestempelt hat, welche er bei der Sternbcrgcr Versammlung spielte, und auf welche das Judentum gewiß nicht stolz zu sein braucht. Ohne die Schritte des Herrn Reiner und seiner Gesinnungsgenossen wäre heute der „Große Deutsche" Sigmund Back und seine Anhänger bereits vor der Tür des deutschen Lagers gelegen. Aus diesen Tatsachen ist augenscheinlich zu sehen, daß die Juden nur gewinnen würden, wenn sie sich als selbständige Partei auf eigene Füße stellen, wenn sie jene ungeheure tlnsittlichkeit und Unehrlichkeit erkennen würden, welche in dem Assimilantentum eines Sigmund Back, Rieß, Dr. Brüll u. a. m. gelegen ist. und wenn sic weder als Tschechen noch als Deutsche, bloß das sein würden, was sie sind, — einfach Juden, und wenn sie ihre Beziehungen ZU ihren Mitbürgern in dem Sinne einrichten würden, wie es die Ehre, die Gerechtigkeit und die Gesellschaft, mit der sie leben, verlangen. Was uns Tschechen anbelangt, so werden wir die Bestrebungen der Juden inbezug auf eine s e l b st ä n d i g e Organisation gewiß nicht st ö r c n. wir k ö n n e n und werden sie nur fördern. Wir Tschechen haben niemals dce Absicht gehabt, andere Nationen zu unterdrücken, sie als minderwertig^ anzuschen, sie zu schmähen. Wir haben nur den einen Zweck, das; wir uns selbst die Freiheit erringen und s e h e n e s s e h r gern e, wenn neben uns unsere Nachbarn die selbeFrei heit ßZ uz c s; e n. Wir brauchen zu unserer Wohlfahrt und zu unserem Gluccc nicht, wie die Deutschen cs wollen, die anderen Nationen unterdrückt und zu unseren Füßen liegen zu sehen, und es ist uns Cr ist fein Narr, er ist mix elend. Weil er das Ungeheure litt, Weil ihn das Bild des Jammers guäleitb Verfolgt ans Grab mit jedem Schritt." Zum Schlüsse sei auf das herrliche Gedicht „Der arme Jllde" hingewiefew, aus welchem folgende Verse hervorgehoben seien: „Jude, wolle dich bekehren! Dir vom ganzen alten Bunde Blieb dies Bündtein nur zur Stunde, Dich zu schützen, dich zu nähren. Laß dich taufen und verwandeln: Mancher tat's, und mit vier Nossen, Hornktang kommt er mm geschossen, Der einst umrief: Nichts zu handeln? Darauf der Jude spricht, der echte: „Laß inich nie und nimmer taufen. Wollt ihr nicht Gewänder kaufen Jur die Dirnen, für die Knechte?" Mancher trägt das Kreuz am Nucken, Jude noch im Herzensgründe, Schwerer als des Bündels Pfunde: Wählt euch was von meinen Stücken!" Der biblische Hades. In einer sehr interessanten Studie von Georg Beer, die soeben in den „Theologischen Abhandlungen", der Festgabe zum 17. Mai 1002, für Heinrich Julius Holtzmaun, erschienen ist, findet widerlich, andere leiden und duldeil zu sehen, und ivenn cs auch Jnden wären, die um? bisher in so unerhörter Weise feind ivaren. Bewahren ivir also Ruhe und beobachten wir die ebenso interessanten als wichtigen Bestrebungen der Juden hinsichtlich ihrer selbständigen uattoualcu Organisationen, beobachten ivir sic mit jenem Interesse, tvelches diese Bestrebungen in der Tat verdienen." Wir hätten dieseu Zeilen nicht viel hiuzuztlfügcu, zuinal sie für jeden Juden eine nur zu deutliche Sprache sprechen und speziell den mährischen Juden ihre politische Haltung für die Zukunft verschreiben. Insbesondere sind diese Ausführungen für die Jndenschuft Mährens vpn umso größerer Bedeutung, als binnen ktkrzer Zeit die Landtogswahlen vorgenonnnen werden solleir. Wie sich die mährischen Juden verhalten werden und verhalten sollen, dies zu erwägen soll einem späteren Artikel Vorbehalten bleiben. Jmiuer wieder aber müssen wir das Hauptgewicht darauf legen, daß auch anläßlich der Landtagswahlen für die Jrideu und die jüdische Sache nur daun ein Erfolg blühen kann, wenn sie als s e l b st ä n d i g e Partei organisiert, in den bevorstehenden Wahlkampf eintreten. Wir haben hierbei keineswegs die Absicht, eine Jagd nach Mandaten zn inszenieren oder eines der Mandate für einen Angehörigen unserer! Partei zu erringen, unser Bestreben soll und muß es aber fein, daß nur solche Kandidaten die Stimmen der jüdischen Wähler erhalten, Ivelche ausreichende Gewähr Bieten, daß sie die Interessen der jüdischen Wählerschaft in ausreichendem Maße wahren werden. Unter den Spitzmarke „Gleichberechtigung in Wien" bespricht der „<L l o v a n", ein bereits seit vielen Jahren erscheinendes Organ der Tschechen Wiens, unseren vorletzten Artikel, in welchem wir unserer Entrüstung darüber Ausdruck gegeben haben, daß im niederösterreichischen Landtage « trotz der Getauften unb Ungetansten a fa Dr. B cm e d i k t, Dr. O f n e r, Dr. Adler usw. und der „Fortschritts- und Freiheitskämpfer" a la Prof. Kick, Prof. Dr. v. Philip p o v i ch, k. N. K i r s ch e l t, Noske usw.) niemand dem Abg. Gregor i g entgegengetreten ist, als er gegen die angebliche Verjudnng (richtiger gesagt Bertaufung?) der Wiener Universität in rüder Weife loszog, hierbei aber auch das Prinzip der Gleichberechtigung der Nationen und Konfessionen in Oesterreich verhöhnte. Unseren Ausruf, daß nicht geduldet werden dürfe, daß eine Gruppe von deutschen Chauvinisten und Talmichristen jeden Nichtdeutschen als Fremdling in Wien betrachte und beschimpfe, und daß dies am allerwenigsten in Wien geduldet werden dürfe, in der Metropole eines Reiches, das mehrere Nationen und mehrere Konfessionen umschließt, billigt zwar der „Slovan", bemerkt aber hierzu: „Sehr hübsch gesprochen! Aber warum verbinden sich denn im Kampfe um die nationale Gleichberechtigung in Wien die Freunde des „Jüdischen Volksblatt" nicht mit den Tschechen, welche hier in Wien doch eine große, leider bisher zerstreute Macht bilden, und welche in so große Anzahl in das antisemitische Lager übergegangen sind, eben deshalb, weil sie auf Seite der Anhänger des „Jüdischen Volksblatt" keinen Schutz ihrer nationalen Rechte gefunden haben? Es möge sich das „Jüdische Volksblatt" merken: Die Juden werden so lange der Gegenstand der deutschen Verachtung sein, bis sic sich auf den Gleichüerechtignngsstandpunkt nicht bloß mit Rücksicht ans sich, sondern auch mit Rücksicht auf die Tschechen stellen» und bis die Tschechen in Wien jene politische und kulturelle Stellung einnehmen, die ihnen gemäß ihrer Zahl und ihrer Arbeits- und Steuerkraft znsteht. Das; dies wohl auf Kosten des deutschen Chauvinismus geschehen muß, darüber braucht inan keine Worte zu verlieren." Diese hoffentlich ehrlich gemeinten Worte des „Slovan" wollen wir ebenso ehrlich beantworten: Die Inden in Wien sind in zlvei Gruppen geteilt. Die eine Gruppe ist die der Assimilanton, welche sich für „Deutsche" ausgeben, sich „Deutsche mosaischer Konfession" nennen, die Fußtritte der Alldeutschen und Deutschvolklichen hündisch-treu oder hirndifchs-feig hinnehmen, sich den Schutz eines Noske oder Wrabetz noch immer nicht verbeten haben und duldeten, daß ein jüdischer Gemeinderat den Bürgevmcister interpellievte, warum — ristnn tencatis amtet! — in Favoriten (!) tschechische Aushängeschilder verwendet werden dürfen n. a. nt. Diese Assimilanten, größere Schädlinge des Judentums als die ärgsten Antisemiten, siitd u ji s c r c ärgsten Gegner. Und dies e Gruppe ist es, die jene Abgeordneten wählte, die z. B. int niederöstevreichischen Landtage „einstimmig" für den Kalisko- Antrag stimmton. Diese Gruppe pflegen wir auch die Herren„Jsraeliten" zu nennen, da sie sich scheuen, „Juden" genannt zu Iverden und ztl sein. Die zweite Gruppe sind die N a t i v u a l j u b c n oder Juden kurzweg, welche nicht bloß zngestehen, daß sie einer besonderen Nasse und Nation angehören, sondern auf ihre b e s o n d e r e N a t i o it, die die größten Propheten und Dichter der W.elt ihr eigen itennt, st o l z siitd. Da wir aber eifersüchtig über die Wahrung nuferer Rechte als Nation und Konfession wachen, so ist es unser Grundsatz, daß wir die Rechte anderer Nationen ltitb Konfessionen achten und sie zu verletzen scheuen. Wir dürfen daher an feinem Kampfe teilnehmen, der italiiens einer anderen Nation gegen eine Nation gtv führt wird. Nun soll dev Kampf — falls wir die Sittiation aus der letzten Nnnmier des „Slovan" richtig beurteilen — auch in Wien direkt als ein nationale r ge* fuhrt iverden. Denn, daß der Katnpf der Wiener Tschechen nicht gegen die Christlich-Sozialen wegen ihrer Kkassenititb Nassenfeindlichkeit, nicht wegen ihrer wirtschaftlichen Rückständigkeit nsw. geführt würde, erscheint uns daraus hervorzugehen, daß „Slovan" offen zngesteht, daß die T s ch e ch e n in Wien das a n t i s e m i t i s ch e Regime artfänglich mit ihren Stimmen u it t c r st it tz t, ihm ztim Siege verholfen haben, jetzt aber, in ihren nationalen Forderungen verletzt, es zu bekämpfen beabsichtigen. Weiters siitd die Tschechen von der «Seuche des Antisemitismus durchaus nicht frei. Wir geben zu, daß Böhmen noch jahrelang vom Antisemitismus verhältnismäßig frei ivar, als er in Deutschland, „dem Lande der Gottesfurcht und guten Sitten" (und der Trebertrocknungsgesellschaft und Bankdefraudation) wahre Orgien feierte und der Judenhaß „wissenschaftlich" und „dreschflegelgräflich" behandelt ivnrde, wie wohl die Tschechen Ursache gehabt hätten, in den verblendeten „Detitsch-Jsraeliten" des Prager Kasinos und des B r ü n n e r „Deutschen Hauses" politische Feinde zu sehen — denn daß. diese „Dentsch-Jfraeliten" gleichzeitig Feinde der National- Jnden sind und waren, wußten die wenigsten Tschechen — aber mit Herren Dr. B a x a , B r e z n o v s k y e tnttr quanti Hand in Hand zu gehen, das verbietet uns der Nationalstolz. Unsere Sache aber ist es, insolange Haitsivürste und Nitnalmordhcher das große Wort fuhren dürfen, Geivchr bei Fuß zu stehen; wenn die böhmische .Nation einmal dieses Ungeziefer abgeschüttelt Haben wird, so loirb sie keine besseren Verbündeten finden, als die National-Jnden. Vielleicht ist die Zeit nicht mehr so fern, in der sich die National-Sozialen der v e r s ch i e d e n e n N a t i o n c it in O e st e r r e i ch z n einigem V o r - g e h endi e tz a n d r e i ch c m. der biblische Hades eine eingehende Darstellung, in der besonders der Ursprung des Glaubens an die Scheol (Hölle) und seine Entwicklung innerhalb der biblischen Religionsgeschichte berücksichtigt wird. Der Verfasser stellt als ersten Leisatz auf, daß der Scheolglmibe und der Jahwismus sich ursprünglich nichts angeheü. Wie der fromme Jude in der Fremde keine Zionslieder zu singen vermag, so kann and) in der Scheol kein Lob ans Jahwe erklingen, weil sie außer seinem Bereich liegt. Wv'nn es für den ersten Blick befremdet, daß die Bibel, die doch öfter von Gottes Schöpfertätigkeit redet, nie die Scheol unter seinen Werken aistzählt, so erklärt sich dies ans der nachwirkenden Tatsache, daß Jahwe eben anfangs keine direkten Beziehungen zur Scheol hakte. Und wenn Jahwe durch Kultur, Geschichte und Prophetie zum Herrn der ganzen Welt aufrückte und mich die Scheol in den Kreis seiner Macht und Schöpfertätigkeit gezogen wurde, so blieb sein anfängliches Verhältnis zu ihr unvergessen. Der Scheolglanbe selbst ist ein Rest chthonischen Kultes, des Glaubens an irdische Dämonen, die die älteste Erscheinungsform der semitischen Religion ist. Wie andere Semiten kannten mich die Israeliten heilige Quellen und Wasser, und auch der Kultus der Schlangen, die allenthalben im Altertum als Offenbarnngsformen chthonischer Götter gelten, war ihnen nicht fremd. Der fortschreitende Monotheismus hat natürlich die heiligen Brunnen nsw. dem Jahwe gelveiht oder die heiligen Steine, zu Gedenksteinen nmgedentet, aber die Masse des Volkes erblickte ursprünglich in heiligen Quellen, Bäumen, Steinen und dergleichen wirkliche Wohnsitze von Geistern. Auf dem heiligen Stein, über dem der salomonische Brandopfernlter stand, ist eine Rinne festgestellt, durch die das Opferblnt in eine unterirdische Höhle abfloß. Der älteste Sinn des blutigen Trankopfers ist aber der einer Spende an die Geister der Unterwelt, denen das Blut, d. h. die Seele gehört, weil sie die Erzeuger des Lebens sind. Hat also in Israel einst .Vinlt irdischer Dämonen bestanden und haben Spuren davon sich bis in die jüngste Zeit der biblischen Religion erhalten, so kann es nicht befremden, wenn sich in der israelitisch-jüdischen Scheolvorstelliiiig Reste verwandten Kultes Nachweisen lassen. Nach altisraelitischer und spätjiidischer Vorstellung leben die Tvdten in der Scheol weiter, und zwar,!vie z. B. auch bei den Griechen, in dem Zustande, in dem sie sich beim Abschied von der Oberwelt befanden. Den gleichen Glauben scheinen n. a. alich die Phönizier gehabt zu haben. Alt und lebenssatt zur Grube fahren, gilt als ein harmonischer Abschülß des Daseins und erweckt kein Grauen, bedeutet doch ein solcher Tod die Rückkehr des müdenWanderers ans der Fremde in die Heimat. Im wesentlichen denkt sich der alte Israelit, wie der alte Babhlonicr. die Scheol als weites fiicsteres Land oder als Hans mit Toren, finsteren Räumen. Winkeln und Kammem. Sie bildet den Gegecstatz zum Himmel und liegt unter der Erde noch tiefer als das Meer, so daß sie von dem unteren Meltozcan nmsvült wird. Der übermenschliche Charakter der Toten spiegelt sich in den israelitisch-jüdischen Trancrbräuchen. Der antike Mensch fürchtet die Toten und ihre Nähe, wie er den Anblick der Gottheit als todbringend meidet. Das gesamte Trauerzeremoiriell läßt sich ans ursprünglichen Abwehrmaßregeln gegen die Totengeister erklären. Das latste Geschrei bei der Totetrklage soll den Geist verscheuchen; die Tranerkleider, das Bestreuen des Hanvles mit Asche, das Scheren der Haare, die Entstellungen und Verftüinmeluiigen des Körpers bezlvecken eine Unkenntlichmachung der Leidtragenden, damit der Verstorbene sie nicht wiedererkeunt. Das Zerreißen der Kleider ist eine beschleunigte Entstellung des Trauernden. Drirch die Verhüllung des Hauptes odex Bartes soll verhindert werden, daß der Totengeist in den Leib des Trauernden durch Nase oder Mund fährt; daher auch die noch heute übliche Sitte des Tranerschleiers. Die Totenlampe soll den Geist blenden und die Trarierzeit ist die Frist, in der eine Rückkehr des Toten an die von ihm verlassene Stätte zu befürchten ist. In verstärkter Form werden solche Mittel angewandt bei allßergewöhnlichen Sterbefälleu, tvie z. B. Morden. Der einstmalige Palliativcharakter der Tranerbränche hat sich anch noch in der späteren Umbildung erhalten. Die .Klageszenen bei modernen jüdische» Begräbnissen sind ans den antikeit israelitischjüdischen Tranerbränchen bis in unsere Gegenwart hernbergerettete Ueberbleibsel chthorischen Kultus. I» einem dritten Abschnitt führt Beer ans, wie der Jahwismus den Schevlglanben beseitigt hat und lote allmählich die Gehenna an Stelle der Scheol tritt und znm Strafort aller Menschen, vesonders der Heiden, Ivird, gegen den Israel durch die Thora. Almosengeben und dergl., vor allem aber durch die Beschneidnng geschützt ist.