Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 4 (1902)
- Issue
- 32 (8.8.1902)
- Date
- 1902-08-08
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 32 Wien, Freitag J 0disches Vol ksiilatt 8. Amrust 1902 das; den Pädagogen in gereiftein Mannesalter anch schon die Einpfiiidimg nnd das Gefühl abhanden gekommen sind, lvas Takt,' Blätter brachten in der verflossenen Woche die Nachricht, einem Juden in der königlich ungarichen Honvedarmee. Mehrerednrch die Mischehen insofern loesentlich Abbruch getan, als non Manier, Anstand nnd Lebensweise erfordern. Diese dem noch jungen nnd gelehrigen Herrn Friedrich Hirsch bei,zubringen, mns; Aufgabe der Ilnterrichtsberwaltiiiig sein, die Herrn Hirsch jvohl anweisen Ivird, sich diese Imponderabilien erst anzneignen, bevor er senie Lehrtätigkeit iveiter fortsetzt. Wir crivartcn bestimmt, das; Herr Hirsch am längsten Supplent gewesen ist. Er scheint k. n. l. Reservekadetten Ernst Szast sei ans die Bitte um Aktinie rnng Non dem Oberstlientcnant Heinrich Daempf bedeutet worden, er müsse sich taufen lassen, tvenn er im Verbände der Armee bleiben ivolle. Heute ivird in dieser Angelegenheit Non kompetenter Seile die folgende Berichtigung veröffentlicht: Tatsache ist, das; der Reserveoffizier-Stellvertreter Ernst Szas; bei der königlich ungarischen seinen Beruf verfehlt zu haben, den er am besten' und Vorteil-i Landwehr aktiviert ivcrden wolltet fein Gesuch konnte aber auf Haftesten ivohl in der Redaktion des Judenhetzvlattcs „Deutsches \ llnterbreitnng des lliegimentskonnnandos darmn llicht erfüllt iver- Vollsblatt" finden wird. \ den, iveil Ernst Szas; schon in der Freilvilligenschnle zu den Antisemitismus mit Jude,rgeld. Aus Budapest wird gemeldet:' schwächsten Schülern gehörte und auch praktisch (0 sich als für den Antisemitische Propaganda mit jüdischem Gelde betreibt die Ungar-! Militärdienst nicht geeigilet erwies. Von Antisemitismus kann bei ländische Landwirtschaftliche Vereinigung in Budapest. Diese Körder Honved schon deshalb keine Rede sein, da cs ja Oberste Find perschaft, die ihrer Judenfeindlichkcit ein agrarisches Mäntelchen Stabsoffiziere israelitischer Konfession (Oberst Gabriel Stemer, innhängt und an der Spitze der sogenannten „antimerkantilistischen" Sektionsrat Moriz Szechy n. a.) gab und anch derzeit gibt. Was Bewegung einherschreitet, welche durch Schaffung antisemitischer' aber den Umstand betrifft, das; es in den Militarakadennen keine Konsumgenossenschaften tausende von jüdischen Existenzen auf dem! Zöglinge israelitischer Konfession gibt, so ist dies einfach darauf flachen Lande zngrinide gerichtet hat, besteht zu einem Viertel aus zurückzuführen, das; solche sich um die Aufnahme nicht beworben jüdischen Mitgliedern. Nicht weniger als 800 Juden gehören, dem? haben. — Das ist ein Muster der offiziösen Berichterstattung Vereinsbeiträge der jüdischen Mitglieder belaufen sich auf 16 000 Kronen, die zum guten Teile judenfeindlichen Zwecken dienen. Erzbischof Dr. Kohn hat sich von dem berühmten Maler Epstein porträtieren lassen. Darüber großer Unmut im antisemitischen Lager und im Blätterwalde dieser Sippe wird der Erzbischof mit dem Juden Epstein in eine Linie gestellt und über beide das Anathema ausgesprochen; dem ersteren wird sogar noch ein besonderer Vorwurf daraus gemacht, daß er sein Bild fürstlich bezahlt. Merkwürdige Blüten treibt diese Gesellschaft und man kennt sich wahrhaftig nicht! mehr darin aus. Das eiuemal hat der Jude kein anderes Talent als dasjenige des Handels, und hat er auf anderen Gebieten Bedeutendes zu leisten vermocht, so daß er bevorzugte Stellungen einnimmt, wird nicht nur er selbst beschimpft, sondern auch derjenige, der die Leistungen^ anerkennt und wenn dieser Herr zu alledem Dr. Kohn heißt, so kann ihm sogar diese Gerechtigkeit insoferne gefährlich werden, als er einer angeborenen Sympathie zu dem verhaßten Juden beschuldigt wird (■-■ tatsächlich geschah es auf Grundlage der Stammverwandt-, schaft). Wie dann solche Männer genannt werden, davon weiß das Neichsratsprotokoll und die Landtagsstube in Wien erbauliche Dinge zu erzählen, wir wollsu sie jedoch aus leichtbegreiflichen Gründen hier nicht wiederholen.! Ausland. Ein Kongreß zugunsten der Juden m Rumänien Wie aus Paris gemeldet wird, bereitet Bernard Lazare einen großen Kongreß zugunsten der Juden in Rumänien vor. Zu diesem Zwecke hat sich Lazare an alle politischen und literarischen Sommitäten in Frankreich, sowie an alle Mitglieder der „Gesellschaft der Menschenrechte" gewendet, welche die Kampagne für die Rehabilitierung Dreyfus' unterstützt haben. Bis jetzt hat er bereits die Znstimmungserklärung einer großen Anzahl von Politikern und Literaten erhalten. Nach einer Anzahl von Beratungen, in welchen Bernard Lazare die Lage der Jliden und Bauern in Rumänien auseinandersetzte, wurde beschlossen, in Paris ein Zentralkomitee zu konstituieren, um die baldige Veranstaltung eines Kongresses zugunsten der Juden in Rumänien vor zubereiten. Es wird bis jetzt die Teilnahme folgender Person lichkeiten angekündigt: Trarieux. Senator und ehemaliger Minister, Francois P r e sse n so, Chefredakteur des „Temps", Jean Jaurös, Deputierter nnd Führer der französischen Sozialisten, Emile Zola, Octave M ir b e au und eine Menge anderer Gelehrten, Literaten und Politiker. Es wird ein Manifest veröffentlicht und die öffentliche Meinung Frankreichs zu einer Aktion zugunsten der Juden in Rumänien eingeladen Lemberg. Der Landesausschuß vou Galizien hatl^^dmeine Entschließung gefaßt, die nufere Aufmerksamkeit in j » Anspruch zu nehmen vollauf berechtigt ist!. Die höchste- München. Großes Aufsehen erregt hier der Konkurs tft Mt öon ^x Un cx^ai bcx Bayrischen Beamtenkreditbank. . Die „Münchener ft$sÖ?5U ur die Neuesten Nachrichten" schreiben darüber: „Man kann sich Kurse fin Ge in ei nu b in mtemK andidaten _ 111wu)h.,t\ ber (§insiM nicht verschließen, daß nicht nur bei der rntf fS°r fbun3' ganisation der Bank grundlegende Fehler begangen wurt l fte die bescheidenen Auffor^ernn- Indern daß auch die Handhabung der Geschäfte nicht ^Ml-ch der ^chulbcr Sorgfalt eines ordentlichen Kaufmannes entsprach. Ämdyt genügen- und deshalb , ^er Buchführung sind Unregelmäßigkeiten vorgefallen, die Landesbehorden gezwungen waren, erneu eigenen Kurs nT?i hirpft ftrrrfßnr erscheinen " Das Interessanteste bei zurH-r-Mwung von ms ÄLen zu «fm dchd-kBAL7nd auch Sailen gNZnlassen, die nach. befriedigendem Prn- ^^ktor der Gesellschaft, Wächter, dem die ganze Schuld fiiiig^erfolge all, Genwindebeamtnmen an gestellt werden - j>em Ruin der Bank beigemessen wird, einer der eifrigkönnen, so muß der Mangel an dem notigen Beamrenn WnijnvmtW h1nr wrfi ^iVher einer> flÄfS Wf r vV dadurch er-, fcet Komitee zur Bekämpfung des Mädchenhandels klarlich, daß dieselbe Behörde, die zu einer jolchen, unter Hamburg cinberufenen Versammlung von Vertretern ücn xanöem der Monarchie einzig baftcgcnbvn) Maßregel von jüdischen Organisationen, Vereinen usw., über die wir bereits Zuflucht nehmen muß, dem neuiiten Teile feiner Bevölkeberichtet haben, wurden folgende Leitsätze unter dem Ausdrucke nw Q f.src’.H rcnIiC‘T1 A01"WLÄSiZ ÄIL-ch L« grad rer ^.aiidbeivohner weit überragt, den Zutritt m vle stnid ivird ihre möglichst euergische Eriveiterung anstreben. GemelNideaiuter verwehrt. Der Jude wird selbst dann aus- 2. Sie spricht ihre Befriedigung aus über die Ausnahme _ des geschlossen, wenn bas Land imb seine Verwaltung darnii- Komitees als, Zweigabteilnng des Deutschen National-Komitces. Inden so viel gesündigt nnd sündigt! noch immer, daß es ferenzen und internationalen Kongressen von jüdischer _ nicht mit aewöbnlicken Dina.cn Nlaeben würdc wenn sieb im Interesse der Antisklavereibewegung -dringend erwuipcht. a \Tr- ,sl -ii T.r J ))! oilgrven rpuiöi, imnil 1lU) sic „tc SBcr&in<tl£l zjvischen dem Komitee zur Bekämpfung des dnse Suiidrn mcht rachen sollten. Ob Wohl die Liilden pol- Mädchenhandels und den grasten jüdischen Vereinigungen nt auflil'schcr slcation so viel Milt arlfbriligen werden, um angerecht zu erhalten und so eng wie möglich zrl gestalten, ß. Alle jüdisichts einer solchen Maßregel in Aktion zu treten? Kaum scheu Vereinigungen, die an diesem Werke mitzuarbeitcn geeignet alanblichl Djo Bvks" haben bekanntlich auch in Valcn st"d. ebenso hervorragende Emzekpl.'rsouc'il sind auszufordein, dem gnnn UN," „'OIJI-1 buvcli oecaiiNiilw lUIü) tll potcn Komitee zur Durchführung seiner Aufgabe mit allen zu Gebote eilte 01 ne Haut, dav sagen Nicht nur die Fleischer, sondern stehenden ethischen und materiellen Mitteln zur Seite zu liehen, ailch die Gerber.! 7. Die „Freundschaftliche Warnung an allein reisende Frauen und Das Los eines .Künstlers. Vor einigen Tagen erhielten wir Mädchen", die jetzt mit etwa 60 Namen versehen ist, ivolnn Ans- .y-;,-l t. 'rr nt 4. . . ,, ..... fiiuft' nnd xnksesiicheude sieh wenden koinn'n, neust dnech iveltne mc Nachricht von um tragischen Ende eenew der begabtesten judrdkamensnennungen vervollständigt eind dann ständig in zahlscheu Kunstkee. Samuel Kr a eist, der gewesene Kapellmeister und Chordirigent der Berliner könegl. Oper hat sein an Kämpfen reiches Lebeei ine Jrrenhaeise beendet. Saeneeel Kraust war ehedem Mitglied der königk. Oper iee Budapest. Diese sichere und gelt dotierte Stellneeg gab der beliebte Küeestker ans, um, einem verlockenden Reife folgend, mit seiner Familie eeach Berlin zu Übersiedelei. In Budapest erinnert man sich eeoch der kleiieen, gedrnng des KapellneeisterS eeeit den schwarzen Locken. Es ist kämet, dast in der Bndapester Oper nieneaks ein so musterhafter und harmonisch zeisammeurvirkeiidec Chor zu hören war, als unter der Leitnng des Kapellmeisters Kraust. In Berlin ging es dem Külestler aiefangs ganz gelt; feilte Kenntnisse nnd sein Meist fanden in den Berkiner Künstkerkreisen Polle Würdigung. Aber in der deutschen Hauptstadt ist das Jndereteim im Wettlauf um die Karriere ein emüberlvindkiches Hindernis, tvenee man, tvie Kraust, an seinem aiigestaminieil Glauben festhalten nnd nicht das Opfer des Jeetellektes bringeee lvill. Man ersann bald alle möglicheee Mittel, den jüdischen Künstler ans dem Verbände der Oper heransznekeln. Und mm ging's rasch ablvärts. Die Kränkungen, Enttäuschungen und die sich bald einstellenden Entbehrungen haben die Schaffenskraft des Künstlers gekähillt, seine Gesundheit untergraben. Seine Nerven versagten den Dienst, er tvnrde trübsinnig und mnstte ins Irrenhaus beöfrdert Iverde». Nun ist er durch den Tod von seinen Leiden erlöst. Seine Bahre umstanden die tiefgebeugte Witwe und nenn unnlilndige, unversorgte 5tinder. Das ist das Los eines jüdischen Künstlers. m reichen Exemplaren verbreitet werden. 8. Die Aussendung von Sendsehasten zur sittlichen, geistigen und wirtschaftlichen Aufrielitnng nach den osteuropäischen Onellengebieten der Versumpfung gebärt zu den lvichtigsten Aufgaben des Komitees. — Die Bearbeitung nnd Dnrchführniig dieser Aufgabe wird dem Komitee anheimgegeben. Ans Antrag däs Vertreters des .Glfsberems . her deutschen Inden, Herrn Dr. Paul Nathan,. Bermu, tvurbc teilen Gestalt sodann beschlossen: 0. Zu demselben Zwecke richtet die Versammlung iH1, an alle Glaubensgenossen in Deutschland die Bitte, zu Komitees allgemein ve- Bekämpfung des Mädchenhandels znsammenzutreten und in .CL-r-CL— Qjer&iubimn mit dem Hamburger Komitee und den großen nationalen und iiiternationnken Organisationen an dem gleichen Werke mitznarbeiteii. Endlich tvnrde zu Leitsatz Nr. 8 von den Vcrtreteriinie» des .Israelitischen HilssvereiueS e. V. Abteilung für iveibliche Fürsorge in Frankfurt a. M., Frau Henriette Fürth nnd Fräulein Bertha Pappenheim, Folgendes anheimgegeben: 10. Es ist möglichst in Verbindung mit allen bestehenden ffidischen HVereinen eine erziehliche, lvirtschaftkiche und ethische Fürsorge für die im fremden Laude gefährdeten Mädchen in die Wege zu leiten. ■ Ferner ist der Ausbau der von den Logen begründeten Arbeitsnachweise nach Kräften zu betreiben. Ans Berlin ivird geschrieben: Im neuesten Heft der „Jahrbücher für Nationalölviiomie nnd Statistik" veröfentlichft A. Rnppin de» Abschlns; seiner statistischen Untersnehungen über die sozialen Verhälliiisse der Iriden in Prensten und in Deutschland. Zunächst gedenkt er der Wechsellvirlnngen zlvischen Judentum und Christentmn. Der hervorragend sie Faktor bei der gegenseitigen Beeinflnssuug vou Juden und Christen ist die Mischehe. Die Zahl der Mischehen zlvischen Inden nnd Christen ist in der Zeit von 1875 bis 1896 beständig gelvachsen; sie betrug 1870 bis 1879 im Jahresdurchschnitt 289, 1890 bis 1899 dagegen im Jahresdurchschnitt 488, hat sich also beinahe verdoppelt. (II) Dem Indentnm wird allen im Haushalte ihrer Eltern lebende» Kindern aus Miscbehen nur 24,47 p. H. jüdisch sind, lvährend es 00 v. H. sein iniistteu. Der Verlust des Judentums infolge der Mischehen lvird dadurch noch grvster. das; vielfach nach dem Eintritt der Volljährigkeit die Linder ans eigenem Eiitschlust zum Ehristentum übertrete». Tie Ehescheidiingc'n von Mischehen sind etwas häufiger als bei anderen Ehen. Bei der Stellung der Juden im Erwerbsleben hält binppin de» Eiiiflnst des Mittelalters auf das Judentum für ivcitans mastgcbciid. Im Ackerbau machen die erlvcrbstätigen Inden 0,04 b. H. , im Handel 5,71 v. H. der erlverbstätigen Christen aus. Auf deit Handel entfallen 04,50 aller crwerbstätigeit Indeit, ans die Industrie 18,80 b. H. Von den übrigen sind 10,80 v. H. Selbständige ohne Berns, 5,95 v. H. sind im öffentlichen Dienst nnd in den sogeuaitnteii freien Bcrnfsnrten tätig, lvährend 2,01 v. H. als häusliche Dienstbvten uitd 0,80 p. H. mit Lohnarbeit ihre» Erlverb finden. Die Verntchrmtg in der Vcrivaltung nnd Rechtspflege betrug 0,30 v. H., in "der Gesundheitsnitd Krankenpflege 0,77 v. H. Im Heeres- und Flottcndienst haben sich die Indeit von 0,08 auf I, 04 b. H. vermehrt. Etlva die Hälfte aller jüdischen Schulkinder in Prensten erhält Elementarnnterricht. Die jüdischen Studierenden prenstischcr Staatsangehörigkeit »tachen 9,82 p. H. aller pretistischen Studierenden aus. Unter dieser Dltrchschitittsziffer bleibt die juridische Fakultät mit 8,19 v. H. tmd die philosophische mit 8,92 v. H.; über ihr die medizittischc Fakultät mit 19,92 p. H. (Ein allgermnnischer Kongresr.) Von einem deutschen Politiker werden die Vorarbeiten für einen im Jahre 1903 in einer niederländischen Stadt stattsindenden allgermanischen Kongreß gepflogen, welchem die Bildung eines „Allgermanischen Bundes" obliegen wird. Wie der „Deutschnat. Korr." mitgeteilt wird, soll dem „Allgermanischen Bund" die Aufgabe zufallen, kulturelle, soziale und wirtschaftliche Fragen, hauptsächlich aber die Jude nstr a g e in einer dem Germanentmn zweckdienlichen Weise ihrer Losung entgegcnznführen. Zn diesem Kongresse werden Vertreter ans Deutschland, der Deutschen in Oesterreich, Schweden, Norlvegen, Dänen, Nordländer nnd Vlamen erscheinen. Vielleicht beteiligen sich Dr. Eppinger nnd d'Elvert auch an dieser deutschfreiheitlichen Agitation. Jüdische Bolksschul - Reform in Rußland. Die von uns vor einiger Zeit avisierten Reformen, welche von der russischen Regierung bei den jüdischen zweiklassigen Volksschulen eingefübrt werden sollen, bildet unter den Provinzial-Schulinspektoren, denen diese Reform zur Zeit zur Begutachtung vorliegt, den Gegenstand einer lebhaften Kontroverse. Die der ganzen Reform zugrunde liegende Idee ist eine sehr gesunde. Es handelt sich darum, die zweiklassigen Schulen in drei- und vierklasfige umzuwandeln und sie so zu mittleren Bürgerschulen zu erheben. Nur über das Maß der diesen Schulen zu gewährenden Privilegien sind die Behörden unter sich noch nicht einig. Wenn die neu zu schaffenden jüdischen Bürgerschulen ihren Schülern die für alle anderen Bürgerschulen stipulierte verkürzte Dien st zeit beim Militär gewähren würden, könnten sie auf einen sehr starken Zuspruch rechnen. Ans Bukarest wird uns geschrieben: Herr Carp und die I u d e n. In dem Berichte der „Frankfurter Zeitung" über den junimistischen Parteitag findet sich die Bemerkung, daß ans dem Kongreß die Iudenfrage als eine mit dem Parteistandpunkte in keiner unmittelbaren Beziehung stehende Angelegenheit, nicht berührt worden sei, das; jedoch Herr Carp in dieser Frage den strengen Rechtliehkeitssimi aufrecht erhalte, der ihn seinerzeit veranlaßt habe, die Freiheit nnd llnentgeltlichkeit des Unterrichtes für alle Landcskinder zu fordern. Demgegenüber ist es notwendig, festzustellen, das; Herr Carp wohl für die Unentgeltlichkeit gesprochen, aber in keiner Weise die Konseanenzen ans seiner Stellungnahme gezogen hat. Das Schulgesetz trägt die Unterschrift Carps, mithin ist er für dasselbe mit verantwortlich, als er sich ja mit den Tendenzen desselben nicht einverstanden erklärt. Ein ernster Mensch setzt nicht seine Unterschrift unter ein Gesetz, das er lebhaft bekämpft und das angeblich seinen Ansichten total lviderspricht. Die Inden und die Rumänen haben anch aus seiner damaligen Haltung gelernt, daß in Bezug auf die Iudenfrage Swrdza, Tache Ioneseil und Carp ganz gleichen Ansichten huldigen, sobald sie an der Negierung sind. Es war daher ganz in Ordnung, daß ans dem junimistischen Parteitage die Iudenfrage nicht weiter berührt wurde, da in dieser Frage kein Unterschied zlvischen den Anschauungen der verschiedenen Parteien besteht nnd somit dieselbe den „Parteistaiidpnnkt nicht unmittelbar berührt". Den rumänischen Juden kann nur durch die tatkräftige Unterstützung der öffentlichen Meinung geholfen lverden und die unabhängige Presse möge daher fortfahren, die Anfmerksamkeit Europas'auf diese Verhältnisse zu lenken." Jerusalem. Nachdem im vorigen Jabre die Bautätigkeit infolge des Wnffermangels fast gänzlich geruht bat, beginnt dieselbe jetzt sich sehr lebhaft zu entfalten. Der 9!eubau der Lämmel-Schule ist bereits in Angriff genommen, und zwar werden, soweit angängig, nur jüdische Arbeiter beschäftigt. Der Frauenverein „Esrath Naschim" ist durch eine seitens der Gebrüder Neustadt in Moskau gewährte Spende von 20.000 Frcs. in den Stand gesetzt worden, den geplanten Bau eines Siechenhauses zu beginnen. Endlich gedenkt Herr Jakob B r a u d o aus Warschau, in der Nähe der Montefiore-Häuser noch in diesem Sommer 25 moderne Häuser zu errichten. Alle diese Bauten werden den jüdischen Handwerkern in Jerusalem vollauf zu tun geben. Exzesse bei einem Leichenbegängnisse, lieber die blutigen Exzesse, die sich im Nelv-Uorker Judenviertel abgespielt haben, wird uns über Berlin berichtet: Fast 100 000 New-Dorker Inden folgten, Klagelieder singend, dem Leichcnlvagen des Oberrabbiners Jose, eines überaus wohltätigen Mannes. Als der Zug einen anderen Stadtteil passierte, wurde er mit Spottrufen empfangen, ivelehe die Teilnehmer anfreizten. Plötzlich wurde aus den Fenstern eines Fabriksgebändes ein Kübel Wasser ans den Zug geschüttet. Die Teilnehmer an dem Zuge versuchten mm das Hans zu stürmen. Der Angriff wurde mit Hilfe einer Feuerspritze abgeschlagen. Nun warfen die Exzedenten mit Steinen die Fenster der Fabrik ein und die. rasch erschienene Polizei wurde gleichfalls mit einem Steinhagel überschüttet. Mehrere Beamte wurden schlver verletzt. Die erbitterten Polizisten hieben nun mit ihren Knütteln in die Masse, welche die Fabrik förmlich belagert hielt, so das; die 1809 Angestellten des Etabllssements unter polizeilichen Schutz aus der Fabrik geleitet lverden mnstten. Dieselbe Menschenmenge durchzog nach Mitternacht die Straßen, bcranstaltete eine Massenversammlung und beräumte für morgen eine lveitere Versammlung an. Sämmtliche Polizeireserben lvnrden anfgebsten. In dem bedrohten Stadtteil, in ivelchem ein förmlicher Belagerungszustand herrscht, halten Patrouillen die Ordnung aufrecht. Ein Beispiel. Ans London wird gemeldet: Die nenn Kinder des am 5. März hier verstorbenen »Direktors der United Metals Selling Ko. und der Amalgamated Copper Ko., Leonard Lewisohn,