Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 4 (1902)
- Issue
- 32 (8.8.1902)
- Date
- 1902-08-08
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2432763-2432917-2432949--1584-2435357- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Jeremiah 1× ep/1005299
- Żnin 1× ep/1048185
OCR text
Seite 1 \V >ei•, Freitag Jüdisches Vo I ky b!atl S. August 1^vM2 Nr. M fiel) auch einige Herren darüber ausgebalreii haben — nun, das macht niclits, das sebadet nicbts. Sie hätten es einfach nicht dahin kommen lassen sollen, und es iväee Ruhe und Eintracht geblieben. lieber meinen in der damaligen Nummer des „Jüdischen Volksblatt" voranSgesagten Artikel über den Verein „Le Benebolciizija" habe ich in Erfahrung gebracht, das; man bereits mit Uugeduld darauf tvartet, loeshalb ich die Neugierde befriedigen tvill. Genau vor gehn Jahren haben sich einige spaniolische Juden gusammengetan, nur einen llnterstützlingsberein zur Linderung der Armut und Not zu gründen, und was vielen unausführbar dünkte, das geschah. Es konstituierte sich der Unterstützuugsverein „La Bcncbolenzija". Gleich zu Beginn meldeten sich viele, sogar sehr viele Mitglieder, die einen monatlichen Betrag von 1 bis 40 K. zahlten und noch heute zahlen. Der damalige Präsident, mein sehr verehrter Landsmann Herr Jzachar Z. Danon, im Vereine mit den Gründern und Ausschußmitgliedern, unter denen sich die Herren Salom, Allalah Ascher, Pinto, Kasan, Attias, Fiuzi usw. befanden, haben den Grundstock gepflanzt, der heute schon reichlich Früchte trägt. Die armen Leute erhalten monatlich oder wöchentlich eine llnterstützung, daniit sie schlecht und recht sich ernähren können; früher hingegen gab es jeden Freitag oder Erew Jontow eine Völkerwanderung von Geschäft zu Geschäft, von Haus zu Haus gingen die Armen, um Almosen zu betteln, man gab ihnen einige Kreuzer oder Nahrungsmittel. Heute hat das zum größten Teile aufgehört, da die Mitglieder des Vereines, denen sich auch viele österreichisch-ungarische Juden augeschlosseu haben, jetzt nur an den Verein die Beiträge leistet, hingegen der Verein „Benevolenzijä" nach Maßgabe seiner Einnahmen die Armen beteilt. Vor einigen Monaten hatte ich Gelegenheit, einen genauen Einblick in die Verwaltung des Vereines zu bekommen, da zufällig zu jener Zeit das Jubiläum seines zehnjährigen Bestandes in den Nebenlokalitäten des Verciushauses gefeiert wurde und ich auch dazu eine Einladung erhielt, die ich dankend annahm und ausnützte. geeignet, die hohen Verdienste zu negieren, die sich wackere Glaubeusgeuosseu erworben, denen es nicht darum zu tun Ivar, Netlame für sieh zu machen, sondern für die Kranken und Leidenden unseres Stammes lnenschenfreundkich zu N'irken. Die Errichtung des hiesigen neuen Spitals besitzt eine Vorgeschichte. die nur aus den erwähnten Gründen den lveitereu Kreisen nicht vorenthalten möchten, cchon vor einein Halden Jahrhundert gründete eine größere Zahl frommer, von der Liebe zu ihren hilfsbedürftigen Glaubensgenossen beseelten Juden ein jüdisches epital in Karlsbad, ivelches, da zu jener Zeit in dem hiesigen Kurorte^ noch keine Judengemeinde bestand, von einem in Prag seinen Sitz habenden Kuratorium verwaltet lvird. Dieses jüdische Spital hat wahrhaft segensreiche Erfolge aufzulveisen. Zehntansenden^ lijaiiker) unbemittelter Glaubensgenossen von nah und fern lvurde in diesem Spitale unentgeltlich vollständige Verpflegung und ärztlicher Beistand zuteil und alle, die hierbei mit Nat und Tat mitgelvirkt, können auf ein höchst erfolgreiches Wirken mit Befriedigung ztirückblicken. Unbezähmbare Eitelkeit und nie zu stillende Knopflochschmerzen bestimmten jedoch den hiesigen Rabbiner in Gemeinschaft mit dem Kultusvorstande, eine neues Spital zu bauen. Es soll ja zugegeben lverden, daß das schon bestehende Hospiz einer räumlichen Vergrößerung bedarf; das Prager Kuratorium ivar auch bemüht, diese Vergrößerung durehzuführeu und ein Einvernehmen zu pflegen. Allein es fand taube Ohren, wegen einer schlecht angebrachten Eifersüchtelei tmb der Befürchtung, der erivarteteOrdensregen könnte sonst imterbleiben. Derart wird den von nah und fern herbeiströmenden Glaiibensgenosseu das beschämende Schauspiel nicht erspart bleiben, daß zlvci dem gleichen Zwecke dienende humanitäre Anstalten nicht harmonisch tvirken, sondern sich in Divergenz befinden, eilifach deshalb, weil es einigen Strebern darum zu tun ist, die Aufmerksamkeit auf ihre unbekannten Größen zu leisten und ihrer nicht 31t billigenden Eitelkeit in einer den edlen Zweck schädlichen Weise zu fröhnen. Einen iveiteren Kommentar zu dieser unerquicklichen, die hiesigen Zustände charakterisierenden, höchst unerbaulichen Affäre zu geben, erscheint wohl überflüssig. Bnnrat^Wilhelm Stmsmy. Am 16. Oktober vollendet Baurat Wilhelm Stiaßnh ein 60. Lebensjahr. Er ist der Sohn eines Wiener Kaufmannes und trat im Jahre 1857 in das Wiener Polytechnikum ein, das er mit vorzüglichem Erfolge absolvierte. Schon während seiner Studien .. e. I ^uuucu überreichte er im Vereine mit . E ) habe mrch für alle^ interessiert und über die geringste ^hreren Kollegen ein Memorandum, in welchem er eine gründ- Klexmgkeit genaue Auskunft bekommen. Der Verein besitzt heute j liche Umgestaltung des Lehrplanes der Technik verlangte und mehbereits ein Zinshaus, welches über 200 Kronen monatlich trägt, ' VL7C diesbezügliche Neformvorschlägc machte. Später setzte Stiaßnh außerdem auch ein ziemliches Vermögen an barem Gelde, und ist |sC’’lc ^"^n in der Akademie der bildenden Künste unter der „£ v . -r . arfL D > Lcxtling van der Nulls, Siccardsburgs und des Frecheren v. Schnndt es em Vergnügen zu ,chen, wxe die Einteilung der Altersunterfort. Jahre 1866 etablierte er sich als selbständiger Architekt stutzungen gerecht und genau geschieht, und alles ohne Protektion! und wurde 1867 vom Handelsministerium zur Pariser Weltaus- Auch verteilt der Verein jährlich an arme Lehrlinge Kleider und auch stellung entsendet, um als Beisitzer der internationalen Jurh für läßt derselbe mehrere Kinder zu tüchtigen Handwerkern heran-weiterivohnungen zu fungieren. Während der folgenden Jahre bilden, von denen schon heute einige selbständig sind. Auch ein Stipendium für einen Hörer der' Wiener Universität verleiht derselbe Verein. Unter den Mitgliedern verdienen besonders hervorgehoben zu werden die Herren Jzachar Z. Danon und Josef Z. Danon. Ersterer als Gründungspräsident, letzterer als Förderer und Gönner dieses Vereines, indem derselbe jährlich ca. 600 K. Beitrag leistet. Anläßlich des zehnjährigen Bestandes des Vereines wurden beide Herren Danon, welche Brüder sind, zu Ehrenmitgliedern gewählt und ihnen im Vormonate die diesbezüglichen, herrlich ausgeführten Diplome überreicht. Der jetzige Präsident des Vereines, Herr Josef D. Salom, Bcmquier, Hausbesitzer usw., ein äußerst sympathischer Herr, bekleidet bereits über sechs Jahre diese Stelle und zeichnet sich besonders durch seine Wohltaten, die er den Armen jederzeit angedeihen läßt, aus, und wäre es wünschenswert, daß Herr Salom noch lange Jahre diese Ehrenstelle bekleiden möge zur Ehre und Zierde des Vereines „Benevolenzijä". j Herr Ras. Attias bekleidet als Rechnungsführer das Amt seit sieben Jahren, so auch sind die übrigen Ausschußmitglieder schon lange war Stiaßnh bei verschiedenen Unternehmungen als Fachmann bei i gezogen und wurde 1878 mit dem goldenen Verdienstkreuze mit der Krone ausgezeichnet. Von den Bauten, die durch ihn ausgeführi wurden, seien genannt: das Rothschild-Spital, das Blinden-Jnsutut auf der Hohen Warte, zahlreiche Palais in der Inneren Stadt und andere Wohngebäude in Wien, ferner das Kaiser Franz Josefs-Regierungs-Jubiläums-Hospital für arme Israeliten in Karlsbad, das eben der Vollendung entgegengeht, die Synagogen in der Leopolögasse in Wien, in Weinberge bei Prag, in Gablonz, j Czaslau, Wiener-Neustadt, Malaczka und andere hervorragende Gebäude. Baurath Stiaßnh gehörte dem Wiener Gemeinderate von 1878 bis 1900 an; außerdem war Stiaßnh langjähriges Mitglied der Donau-Negulienmgs-Kommission. Derzeit bekleidet der Jubilar die Stelle eines Vertreters der israelitischen Kultusgemeinde, ist Präsident des Donau-Klubs, der Gesellschaft für Sammlung und Konservierung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judentums (Jüdisches Museum), des Vereines zur Unterstützung israelitischer Handwerker und Kleingewerbetreibende',', sowie Mitglied von Kuratorien der humanitären und kulturellen Vereine. Magistratur Weiskirchner. Wie erinnerlich sein dürfte, hat das „I ü d i s ch e V 0 l k s b l a t t" die in Aussicht r«. -i rr _ f .' genommene E r n e n n u n g des derzeitigen Magistrais- Jahre ,n ihren Ehren,t-llen. manch- ,ch°n ,eit der Gründung.; Wzcdirektars Dr. Seid ir «net zum Magistratsdirckt-r wiederholt zum Gegenstände der Erörterung nehmen müssen. Zti Alljährlich veranstaltet der Verein einen großen Theaterabend im Festsaäle des Vereinshauses und fließt in die Unterstützungskassa von demselben immer eine schöne Summe, manchmal über 1500 Kronen und auch mehr. Möge der Verein weiter gedeihen und blühen zu Nutz nnd Frommen der Armen, zur Ehre der bemittelten und reichen Meschheit. Chronik. Inland. Wie aus Prag ge- Jnnern die Expro- Friedhofes in Prag unserm nicht geringen Leidwesen sind wir fjeutc abermals bemüßigt, uns mit dieser Angelegenheit zu befassen. Das drohende Gespenst der Magistratur Weiskirchner erscheint wieder an der Oberfläche, nachdem alle Anzeichen vorhanden waren, daß die Gefahr einfür allemal beseitigt erscheint. Hinter den Kulissen hat sich, wie sich dies in der Aera des Mba. Antisemitismus schon so oft wiederholte, eine Jntrigne abgespielt,; die auszudeckcn ein Gebot der Notwendigkeit erscheint. Der deri zeitige Vürgenncister von Wieik, Dr. L n e g e r, hat, wie Weilers I erinnerlich sein wird, im feurigen Frühjahre die Kandidatur 1 Weiskirchners ausgestellt und der antisemitische Blätterwald setzte i sich für diese Kandidatur mit einem Feuereifer ein, der einer besse- ' reit Sache würdig gewesen wäre. Wieder war es das „Jüdische Vollsblatt" einzig und allein, das den Mut gefunden hatte, gegen die Beförderung Weiskirchners zum Chef des Magistrates geharnischten Protest einzulcgen. Wir dürfen uns wohl das Verdienst vindizieren, daß unsere ebenso sachlichen als zutreffenden Einwendungen kompeieistenorks nachhaltigen Eindruck zu machen nicht verfehlten,!vas uns nicht hindert, das Zugeständnis zu machen, daß Gründe der Opportunität und Utiliiät die Regiernng bestimmt haben mögen, sich gegenüber der Kandidatur Weiskirchners abwehrend zu verhakten. Jnztvischen aber gelangte die neuerliche Stadierlveiterung zur Diskussion und lvurde seitens der christlich-sozialen Partei als eine Conditio sine qua non der ferneren Unterstützung der Negierung hingestellt. Die Modnlitäsi'n dieser neuesten Stadterlveiterung waren jedoch derart ungeheuerlich, das; sich die Regieningskreise — nickst dem eigenen Triebe — bemüßigt Der Prager Jndenfriedhof. meldet wird, hat das Ministerium des priation eines Teiles des alten jüdischen „_ bestätigt. Die israelitische Beerdigungsbruderschaft hatte ^all'e Mittel ergrisien und sogar der Gemeinde Prag einen bedeutenden Geldbetrag angeboten, wenn die Entfernung dieses Teiles des historisch interessanten Friedhofes unterbliebe. Aus Karlsbad. Die Lektion, die das „Jüdische Vollsblatt" dem Karlsbader Firnisilidentum erteilte, har gewirkt. Es lvar aber auch höchste Zeit, dem Gigcrlwcsen, wie es sich hier unter der Herrschaft; dem Zwange gehorchend, einiger' autochtbonen Hilden herallsgebildet hat, eine Geißekling,! fanden, ihre Zustimmung zu versagen eine stralidmarknng zuteil werden zu lassen, denn der weltbekannte i Diese iingewohllte RegieningSopposition hatte jedoch den Er- Grtwnhrcnd den Mittelpunkt, der Erörterung in der folg, daß im Lager der antisemitischen Partei eine förmliche Fronde Piwlizistst. JliSbeiondc!,' _bie antisemitische Presse wird nicht! zum Durchbruch gelangte. Man Halle daher nichts Eiligeres zu müde, die Karlsbader eiiisässigen niid als Kurgäste luctfcitben | tun, als mit der Hofsvritze nnziifahren und der in Hellen Aufruhr Juden mit Spott und Geiser, mit Hohn und Persiflage zu über-geratenen christlich-sozialen Partei ein Veschwichtigliiigsmittel zu schütten. .. reichen. Gute Gründe lassen den Schluß ziehen, daß zwischen wer menge Rabbiner scheint sich sehr getroffen zu fühlen,! Statthalter und dem Bürgermeister Lne.vr ein Pakt abgeschlossen oenn er fand es ilottvendig, seine notleidend gewordene Reputation! worden sein dürfte, dahingehend, das; als Preis für die Frnslriernng wieder aiifznfrischen. Ein Wstner Blatt hrachte nämlich eine der Stadlerweiterung die Zlistiinnliing zur Befördermig Weis- Korrewoiidenz ans Karlsbad, in welcher demselben ein iindiirchkirchners znin Magistratsdirektor erteilt worden ist. dringlicher Weihrauch gestreut war, der auf alle betäubend wirken sollte, die von dessen ttzottähnlichkeit nicht durchdrungen sind. In dieser Korrespondenz heißt cS: „Dem Verdienste seine Krone", ein Satz, gegen den nichts eiiizliweuden ist, denn das „Jüdische Volksbtatt", das iinermüdlich. dabei ist, eingerissene llebelstände ans Tageslichß zu fordern, und ans deren?(hstellnng hinznwirken, macht es sich mit Befriedigung zur Aufgabe, wirklich verdienstvollen Leistniigen gebührende Anerkciiming zu zollen. In der erwähnten Korrespondenz ans Karlsbad heißt es weiter, es sei dem verdienstvollen und segensreich ivirkenden hiesigen iltabbiner durch seine iinerniüdliche Tätigkeit gelnngen, einem laug gefühlten Hebel ahzuhelfen nnd ein neues Hospiz für arme Israeliten ins Leben zu rufen. Ans der Stilisierung dieser Lobhudelei könnte der Leser des Glanbens sein, in Karlsbad habe bisher ein jüdisches Spital Aus deiiselbeu Grüuden, welche wir bereits ins Treffen führten, müsseii wir heute ueiierlich die Kandidatur Weiskirchners ans das allerentschiedenste bekämpfen und gegen dieselbe in feierlichster Weise Protest erheben, denn für uns Juden in Wien müsste sich eine Herrschaft Weiskirchners zu einer schweren Katastrophe gestalten. Der Antisemit Lueger ist uns Inden als Bürgermeister lange nicht so gefährlich, wie der bornierte, iriviale Judenfresser Weiskirchiier als Magistraischef. Soll jedoch unser Protest, unser Einspruch von Eindruck sein nnd eine nachhaltige Wirkwig zu erzielen vermögen, so dürfen Nur hierbei der Mithilfe aller maßgebenden jüdischen Faktoren nicht entraten. Mir geben daher der zuversichtlichen Erwartung Ranin, das; die zur Wahrung jüdischer Interessen herufeileu Korporationen nnd Vereine mit uns gemeiusame Sache machen und bcu Kampf mit unseren Gegnern mit gleicher Wärme nnd gleicher Pflichttrene nicht bestanden. Ties widerspricht jedoch der Tatsachen und istaufuehmen werden. Es müssen alle Mann an Bord, es muß jeder in den Kampf ziehen, die voraussichtliche Gefahr, das drohende tlnglück rechtzeitig abzulvehren. Mit vereinteu Kräften lvird und muß dies gelingen, selbstverständlich nur dann, Iveim wir durch Mut und Energie daran crinnerii, daß wir Juden ein mächtiger Faktor sind, der einen Affront ruhig hinznnehmen durchaus nicht gewillt und geneigt ist. Jüdisches Miidcheli-ltzhimmsittm und -Lyzeum in Lemebrg. Im Jahre 1899 eröffnete Fräulein Josefiiie G 0 l d b l a t t - K a m - ui e r U tu; ein Blädchen-Gymnasium in Lemberg. Fräulein Goldblatt-Kammerling Ivar die erste, die nach absolvierten Gyiilnasiallliid Uiiiversitätsstiidie» die Prüfung als BLittelschullehrerin in i e n mit Auszeichnung bestand. Es Ivar nur natürlich, daß sich die junge Dame bezüglich ihrer Zuklinft den besten Hoffniingen hingab, zumal es in Galizien an Lehrkräften mangelt iiud die Mittelschulen in vielen Fällen ulit nicht vollständig qualifizierten Lehrkräften versehen lverden müssen. Aber wir leben nicht umsonst in Oesterreich. Fräulein Goldblatt-Kaminerling ist I ü d i n nnd will es auch bleiben und so musste sie es sich gefallen lasseti, daß ihr bei verschiedenen Vewerblingen christliche Bürgerschull e h r c r i n n e n den Rang abliefcn und zmn Schaden noch die spöttische Vemerkllng hinnehmen, daß sie als Jüdin keine Auss i ch t auf eine Aiistelliing habe. So entschloß sie sich denn im Jahre 1899, das obenerwähnte Mädcheiighurnasinii^ zu gründen. Mau sollte metueu, daß diese Anstalt voll allen jüdischen Elieril, welche ihren Töchtern eine Gymnasialbildung geben ivolleii, nnierstützt wird. Weit gefehlll Die reichen Assimilalionsjuden schicken ihre Töchter in das christliche Gymnasium, während die Anstalt der Jüdin, welche, sich überall des besten Rufes erfreut und mich seiteus des k. k. Laildesschullllspektors des öfteren belobt lvurde, von ihiieii vernachlässigt wird. Diese letztere verdient jedoch schon ans dem Grunde die weitgehendste Unterstützuiig, da sie iveniger Bemiitelten Ennässtgungeii gewährt und außerdem in jeder Klasse zwei ganze Freiplätze für Arme gibt. Grunwaldfeier. Aus Haliez wird uns gemeldet: Auch unsere kleine jüdische Gemeinde feiette vergangenen Sonntag eine Grunwaldfeier. Es schieu, als wollten unsere Kultusvorsteher in den drei Wochen der jüdischen Nationaltrauer die Nichtigkeit der Worte unseres Propheten Jeremia x"ip vor Augen demonstrieren. Was für eine Rolle wir Juden bei Grumvald spielten, ist bis zur Stunde unbekannt. Es wäre kaum der Mühe wert, mit dieser Mitteilung vor die Oeffeutlichkeit zu treten. Eines möchre ich nur hervorheben: bei speziell jüdischen Angelegenheiten, Dinge, die das jüdische Volk betreffen, haben lmsere Kultusrnte zugeknöpfte Taschen und führen sie laute Klage über die schlechte stnauzielle Lage unserer Gemeinde, an Geld aber, um eine Gruinvaldfeier zu veranstalten, mangelte es nicht. Wir sollten doch schon einmal eiusehen, daß wir uns, ohne uns fremde Helden ausborgen zu müssen, an dem Lichte unserer eigetlen Helden sonnen können. M. .A. Friedrich Hirsch (!) der Antisemit. Soll man sich etwa Ivlindern, daß der Aiitiseinitismlks auch bis in die Schiilen gedrungen ist, in die geheiligten Stätten,^ in welcheii unsere' Jugend für ihren künftigen Beruf herangebildet werden soll? Nein, die Schule ist kein Jsolierschemel. Mau läßt diese nloderne Krankheit fortwucheru, daher es nicht befremden darf, wenn sie den ganzen Organismus des Staates durchdriugt. Als das „I ü d i s ch e N 0 l k s b l a t t" vor noch nicht langer Zeit den Fall des GymiiasiallehrerS Dr. Spika besprochen, haben wir darauf hiugewieseu, daß die Judenhetze in den^ Schulen immer mehr überhand nimmt lind dem Uebel nur durch ein strenges Regiment Leiznkommen ist. Der Unterrichtsminister Dr. von Härtel hat sich iveder durch die an ihn gerichtete Interpellation, noch durch anderweitige Jnierveiitionen bestimmt gefnnden, gegen diesen entarteten Mittelschnllehrcr mit der gebotenen Energie und Strenge vorzllgehen. Dem sauberen Dr. Spika war es möglich, noch iveiter am Hernalser Ghlilnasium zu nnterrichten. Erst am Schulschluß wurde er ans „DiensteSrücksichlen" von dieser Anstalt versetzt, möglicherweise — wir wissen es nicht genau — zur Belohnung für seine guten Sitteli, ans einen besseren Posten. Daß diese ministerielle Nachsicht nicht geeignet ist, abwehrend zti wirken, wird man leicht begreiflich findeii. Hat sich ja vielfach die Meinung eingeschlicheii, es gehöre zum guten Ton tnid werde höheren Ortes nicht ungern gesehen, ziimindest ein klein wenig in Aiiiiseinitismns zu machen. ' Dieser Mcimmg scheint mich Herr Friedrich ^H i r s ch — das „Deutsche Volksblatt" würde hier sicher ein (I) setzen — wohlbestallter Supplent am Wasagymnasililn in Wien, zn^ sein. Seine Schüler, 3x1 ixeitn Zehnteln Inden, wissen davon eitx Lied zu singen. Herr Hirsch fand es mit seinem wichtigen Amte vereinbarlich, seine jüdischen Schüler, die große Mehrheit seiner Klasse, vor ihren arischen Kollegen zu persiflieren und bloßznstelleii, indem er sie mit alttestnmentarischen Namen belegte, die sie gar nicht sührtcii, ein Vorgang, der sicherlich nicht geeignet sein konnte, den Unlerricht zu fördern und das gesteckte Lehrziel zu erreichen. Einem Schüler scheint diese klassische lliiterrichlsmelhode denn doch nicht einlexichtend gewesen zu sein, er richtete deshalb au Herrn Hirsch ein anoilhmes Schreiben, ivorin er ihn der Uiigerechtigleit nnd des Antiselnitismus zieh. Herr Supplent Hirsch^ war über diesesUnterfaugeu in Wut versetzt und ganz aus dein Häuschen gebracht. Er stellte ein hochnoipeinliches Verfahren an, lim den Schnldigen ausfindig zu machen nnd da ihm dies nicht gelimgen, ließ er sich von allen jüdischen Schülern in der betreffenden Klasse ein Dolninent unterfertigen, in loelchem unter Abgabe des Ehren- Ivortes schwarz ans Iveiß bescheinigt erscheint, das; keiner derselben der Briefschreiber gewesen sei) Herr Hirsch besaß mm die feierliche Bestätigung, er sei lein?lntisemit, Ivas ihn jedoch nicht abhielt, nach luxe vor. bis zum Schxilschliisse, die jüdischen Schüler seiner Klasse in geschilderter Weise zu hänseln und dieselben vor ihren Mitschülern bloßznstelleii. Von hohem Interesse ist cs, sich die Genesis deS Herrn Supplenten Hirsch genau 3x1 besehen. Es dürfte ivohl noch nicht lauge her sein, das; derselbe zu dem derzeit gebräuchlichen Mittet des (tzlmibensabfalles Z,iifl»chl genommen, nur eine Ivohldotierte Snpplentenstelle z» erlangen, zlveifellos deshalb, lveil er sie iiiangels hinreichender Befähigung ans regutäreni und noriiialem Wege nicht zu erzielen vermochte. Man kann Herrn Friedrich Hirsch mich das Zeugnis nicht versagen, das; er den Typus etlies Ivahrhaftigen Apostateli repräsentiert, beim jede seiner Handlungen, sein ganzes Tim und Lassen, ist dahin gerichtet, den Fehler feinet: Geburt zu bemänteln. I» feinen Mußestunden beschäftigt sich dieser famose Jllgendbildner auch literarisch. Noch bor wenigen Jahren schrieb er Feuilletons für die jndeiiliberale „Nene Freie Presse", vor kurzem ist er zum Mitarbeiter des antisemitischen Hetzorgnus, des „Deutschen Volksblatt" abaneiert, allerdings unter de»l Psendonhin „Eugen F r i e d r i ch Höft e r". Wir Judeil wundern uns durchans nicht über das enrrienlniil bitne des Herrn Snppleliten Friedrich Hirsch, der Lebenstalif der Renegaten ist in der Regel stereotyp. Vefremden darf es jedoch, daß das sonst anerlaniit verdienstvolle Direktorat des Wasaghiimnsimns. eine vom Staate erhaltene Lehranstalt, den Antisemitismus eines Mitgliedes des Lehrkörpers mii seiner Flagge deckt. Der Jahresbericht des Wasaghinnnsiums, heransgegebeii vom Direktorate, enthält nämlich eine literarische Arbeit des Siipptenlen Hirsch, in welcher er sich in einer anffalle»- den, ebenso unverschämteu als ntiverfrorenen Fllßnote darauf beruft, über das gleiche Thema schon in dem aniiseinitischen Hetzorgane „Deutsches Botksblatt" ein Fenillewil geschrieben zu haben. Wir haben es wahrlich herrlich iveit gebracht.^ Der Supplent Hirsch ist noch sehr grün an Jahren, der als vorzüglicher Pädagoge und ausgezeichneter Organisator gleichbekaiinte Direktor des Wasaghnmnsimus jedoch ist schon ein alter Herr, es ist lief zu beklagen,