Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 4 (1902)
- Issue
- 31 (1.8.1902)
- Date
- 1902-08-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2432763-2432917-2432948--1575-2435347- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 4 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 1. Anglist 1902 Nr. 31 rtercuiH'it Bezirl^gchicht Letschen stattfinden und es wird dM Schwiegervater des Professors, Dr. Josef Tschan, seine Gattin Sophie, ein Dienstmädchen der Gattin und andere mehr als Zeugen geführt. Ter 30. Jahresbericht der böhmisch-flavischeu Handelsakademie in Prag enthält einen Artikel „Die koloniale Entwicklung Australiens" von Dr. Blad. Pech und Schulnachrichteu vom Direktor Dr. Johann Rezabek, gemäß welchem au der Anstalt 82 Lehrkräfte tätig waren. Die Zahl der Hörer betrug am Anfänge des Schuljahres 538, von welchen 510 bis zum Schlüsse desselben verblieben; hievon waren -17(J aus Böhmen, 14 aus Mähren und 6 auS Niederösterreich, je 3 aus Ungarn, Rußland und Montenegro, je 2 aus Schlesien und Bulgarien; der Nationalität nach waren 504 Tschechostaven, 3 Serben, 2 Bulgaren und 1 Pole; der Konfession nach 473 .Katholiken, 22 Evangelische, 6 Drthodoren und 10 Israeliten. Stipendien genossen 38 Hörer im Gesauübetrage von 7016 Kronen; hievon waren!0 Stipendien von der Landeshauptstadt Prag, 3 von der Vorschußkassa in Schlau, 1 von. der Bezirksvertretung Hohemnantb, 1 von der Vorschußkassa in Karolinenthal, 1 des GeneralrateS der österr.-ungar. Bank, 1 der Hvporhekenbank des Königreiches Böhmen, je 1 der Bezirksvertretungen von Welwaru, Schlau, Nimburg, Mclnik, Jungbnnzlau, 1 des Fürsten Ad. Schwarzenberg, 1 des Bcoulenegrinischen Vereines und 8 von juridischen Personen. Vom Schulgelde befreit waren 46 Hörer. Das Ergebnis der Klassifikation war ein recht befriedigendes, es erhielten ein Zeugnis der ersten Klasse 436 (85,6 pEt.), der zweiten Klasse 13 (2,6 pE't.t und der dritten Klasse 10 (1,0 pEt.) Hörer. — Der angeführte Jahresbericht ist dazu geeignet, den unwiderleglichen Beweis dafür zu erbringen, daß außer der künstlichen Verdrängung der Inden aus seiner seit Blenschengedenken innegehabten Stellung es noch eine gang andere, viel dauerndere und weil natürliche, deshalb auch nachhaltigere Bewegung gibt, die den Juden im Handelsstande mit der vollständigen Ausschaltung bedroht. _ Einer Flut gleich ergießt sich der überschüssige Teil der sonst nicht gut Plazierbaren Bevölkerung in die kaufmännische Laufbahn und findet Verwendung, wo es für unseren Glaubensgenossen bei den genügsam bekannten Umständen schwer wird, seine Eristenz zu begründen. Wie soll es werden, weim die bezogene Anstalt weitere nach vielen Tausenden zählende Absolventen durch die künftigen drei Dezennien in die .Handelswelt entsenden wird? Meine Herren, denket darüber nach! Das salomonische Schloß. Der Professor an der protestantischen Wiener Fakultät Dr. Sellin war auf einer Forschungsreise durch Palästina begriffen, die er mit Unterstützung der Akademie Oer Wissenschaften unternommen hat. Von Dr. Sellin ist nun letzter Tage ein Bericht cingelaufen, der ausführliche Angaben über die Funde und Entdeckungen des Gelehrten enthält. Der Forscher, so teilt das „Neue Wiener Tagblatt" mit, ist bei einer der von ihm vorgenommenen Grabungen auf die Burgmauern eines salomonischen Schlosses gestoßen; auch das Festungstor desselben wurde gefunden. Außer diesem historisch bedeutsamen Funde gelang auch bei der Freilegung einer Begräbnisstätte israelitischer Kinder die Entdeckung eineS aus dem Naturfelsen herausgearbeiteten Altars. Die Festungsmauern in Taanak, die Selliu gleich am Beginne seiner Erpedition fand, wurden tatsächlich als die Umfassungsmauern der alten kananitischen Stadt festgestellt. Seinen größten Erfolg errang der Gelehrte, wie erwähnt, in der Auffindung des salomonischen Schlosses. In Anbetracht der Wichtigkeit dieses Fundes ließ Dr. Sellin einen sehr genauen Plan anfertigen, weil hier zum erckenmale ein Muster der so oft in der Bibel erwähnten, von den israelitischen Königen aufgeführten Burgen gegeben ist. Ferner wurden zwei Schächte aufgegraben, die eine solche Fülle an Material boten, daß es möglich ick, mit aller wünschenswerten Deutlichkeit ein umfassendes Bild von der Kultur der vorisraelitischen Bewohner des Landes zu entwerfen. Am Schlüsse seines Berichtes erwähnt Dr. Sillin, daß der ganze Mai in Palästina auffallend kühl und angenehm war. Der stets rührige Bosl'owitzcr jüdische Frauen-Wohltätigkeits-Vereiil, der bei jeder Gelegenheit das Wohl der Armen im Äuge hat, veranstaltete am 27. ds. teils im Tnrngartcn und teils in den Deutschen Restaurationssälen ein Olavtcnfefr beziehungsweise Tanzkränzchen, das sieb infolge der in Boskowitz weitenden freisten Gäste eines solch massenhaften Besuches erfreute, das, das Neinerträgnis zugunsten der Armen geradezu ein überraschendes genannt iverden must Tie auS Brünn cingetangte Musikabtcitung des 3. Jnsanrerieregimentes erekutiertc vorzügliche, von rauschendem Beifall begleitete Piecen. Die veranstaltete Tombola, wie auch der von den Komiteemitgliedern des Franenvereines besorgte Verkauf von Sveisen und Getränken erzielten einen nicht unbedeutenden Gewinn. Gemcindcliildcr. Ans Neutra ivird uns geschrieben: Dem Vorstand der hiesigen Knltnsgemcinde, Josef Engel, verdankt die Gemeinde eine ganze Reihe wichtiger Institutionen, so die neue jüdische Volksschule, die Talmnd-Thora-Schnle, die Regelung der Pensionen für frühere stultusbeamte; Herr Engel sucht sein Werk zu krönen, indem er für den Neubau eincSTenwels eine größereSummc spendete. Und scl,ties;lich tvird Herr Enget mit einem Koste nanfwnnde von ea. 200 000 K. ein Siechenhans für jüdische Greise m,d Erwerbsunfähige erbauen. Aus Troppan. Wir werden um Aufnahme folgender Berichtigung ersucht. Es ist nicht tuahr, das', die Knltnsstenern nicht mlsreichen, das Budget zu decken, Ivahr ist vielmehr, das; in nuscccm Budget nicht >tur das kommene Gleichgeivicht hergestellt ist, sondern alljährlich ein Geahrnngsübcrschiiß erzielt tvird. Es ist nicht Ivahr, das; die Schule nicht leistet, ivas sie soll, ivahr ist, das; die Leistlinge, c unserer Schule von den Schulaufsichtsbehörden als vorzüglich bezeichnet iverden und können die Leistungen unserer Schule am besten darnach beurteilt werden, das; die Schüler, ivelchc unsere Volksschule absolviert haben, nach der vierten Klasse in die Mittelschulen anfgeiivinmeii iverden und daselbst mit bestem Erfolge fvrtkommen. ivähreltd die Schüler aus ben städtischen Sehnten erst ans der fünften Klasse in die Mittelschulen ei>,treten kvnnen. Es ist nicht wahr, dan die jüdischen Lehrer selbst die Auflösung der Schule wünschen; diese Behauptung entbehrt jeder Logik, da die Lehrer, ivcnn sie ihre Besoldung als wirklich elend fänden, die Stellen arlflnsscn würden und keinen Grund hätten, die anher ihrer Macht liegende Auflösung der Schule nnzustreben. Es ist nicht wahr, das; viele ihre Kinder lieber in die allgemeinen Schulen schicken und nicht ivahr, das; diese besser geleitet sind als unsere Schule. Voll 83 jüdischen Kindern, die in Troppan sind, besuchen 04 unsere Schule uub unter den die staatlichen Uebnngsschnlen besiichenden 10 Kindern sind 12 Mädchen, ivelche die fünfte Klasse besuchen. Nachdem der Religionsunterricht an den städtischen Volksschulen lvie an unserer Schule von Herrn Oberlehrer Blatt erteilt tvird, ist nicht cin- Zuschcii, worin sich seine Methode an unserer Schule von der an den städtischen Schulen unterscheiden soll. Es ist nicht ivahr, das; Herr Oberlehrer Blatt dem Religionsunterrichte nn den Mittelschulen nicht gewachsen ist, wahr ist, daß Herr Oberlehrer Black', ein weit über chic Grenzen Trvppans bekannter Pädagoge, lediglich um deu Wünschen des Vorstandes entgegen zu kommen, die Erteilung dieses Neligionsniiterrichtes übernommen hat und daß er gebeten bat, ihn von diesem Unterrichte zu befreien, da die Schule, welche seine Leitung entbehren muß, Schaden leiden könnte. Es ist nicht wahr, das; der aufzunehmende Religionslehrer für die Mittelschulen, den Rabbiner eventuell auch in seinen Funktionen vertreten soll; wahr ist vielmehr, daß der, Bewerbern ausdrücklich erklärt wurde, daß sie ausschließlich als Religionslchrer zu fungieren haben und ihnen ein AlNvartschaftsrecht für die Rabbincrstelle, ivcnn diese einmaDfrei werden sollte, ans dmer Anstellung als Religionstehrer nicht entsteht. Nicht wahr ist daher auch, daß der Gewählte für später als Nachfolger des Herrn Rabbiners Dr. Blüh in Aussicht genommen ist. Der „lebhafte Kampf" bei der Bestellung des ReligionSlehrers ist nicht eingetretcn, vielmehr wurde derselbe in der Ausschußsitzung vom 10. ds. ohne jeden Widerspruch einstimmig gewählt. Hochachtungsvoll Vorstand der Israel. Kultusgemcinde. Troppan, am 12. Juli 1002. Der Vorsteher: Dr. Sonnenschein. Judenplündcrungen in Galizien. Die alte Geschichte, daß der Jude bei allen Gelegenheiten den Prügelknaben abgeben muß, ist anläßlich des soeben in Galizien wütenden B a ii e r n st r i k e s wieder zur Wahrheit geworden. Die Arbeiter und Großgrundbesitzer raufen miteinander, und der Jude kriegt die Prügel. Der Judenhaß in Galizien ist eine altbekannte Tatsachcr,Judeuverfolgungen sind in Galizien schon seit Jahren ans der Tagesordnung. Die blutigen Exzesse in.Nensandee, Chodorow, Schodniea uslv., ivelche zur vollständigen Verarmung fast aller in diesen Städten wohnenden Juden führten, sind noch in lebhafter Eriimerung, und so ist es nicht 31t verwundern, daß die Juden Galiziens vom jüngsten Arbeiterstrike am härtesten betroffen worden sind. Die Bauernarbeiter Galiziens dürsteten nach Judenblut und nun nützen sie die Gelegenheit aus, sich mit demselben in vollen Zügen vollzutrinkcn. Sonntag den 20. Juli wurde in dem Torfe Alt-Jarirzoiv, eine Bauernversammlung gegen den christlichen Gutsbe-; sitz er Baltarowicz veranstaltet und, merkwürdig, oder besser gesagt, in galizischer, logischer Weise wurde das Torf aus diesem Anlasse zum Schauplatze der ärgsten Judenerzesse. Um 10 Uhr nachts begann der Aufzug zur Versammlung. Fast alle Teilnehmen waren betrunken, mit Stöcken, .Holzscheiten und Steinen bewaffnet. Auf Kommando begannen die Judenmetzeleien. Die ganze Versammlung rückte zunächst gegen die von Juden bewohnten Häuser, schlug die Fenster ein und mißhandelte die Bewohner derselben. Schutzlos, wie die Inden waren, mußten sie, um ihr nacktes Leben in Sicherheit zu bringen, vor dem überwiegenden Feinde die Flucht ergreifen, und demselben ihr Hab und Gut als Beute überlassen. Nun ging die Plünderung los! Bald waren die erstürmten Judenhäuser leer; was nicht fortzuschaffen war, wurde kleingeschlagen.! Die Exzedenten marschierten daun unter ohrenzcrreißeu-; dem Gejohle: „Nieder mit den Juden!" „Tod den Juden!" j weiter, bis sämtliche jüdischen Häuser ausgeplündert und' zerstört waren. Das geringe Aufgebot der ständigen Gendarmeriewache zeigte! sich als viel zu schwach, dem Treiben dieser Diebesdande ein Ende zu machen, und erst als tags darauf aus Lemberg eine Kompagnie Gendarmerie requiriert wurde, konnten die drei Rädelsführer ausgeforscht, verhaftet und nach Lemberg überführt werden. Trotzdem nun die Ruhe wieder einzutreten schien, getrauten sich die Juden nicht, in das Dorf zurückzukehren und ihrem Berufe nachzugehen, bis ihnen nicht seitens der Gendarmerie die Versicherung gegeben wurde, daß keine weiteren Ausschreitungen zugelassen werden. Angesichts dieser wahren Schilderung gehört gewiß eine bodenlose Frechheit dazu, wenn die antisemitischen Blätter behaupten, daß die galizischeni Unruhen von den Juden verursacht oder gar augezettelt werden, andererseits fordern Nur nicht nur die vollständige Ausforschung sämtlicher Mitschuldigen an diesem Raubzuge, sondern auch, daß den vollständig ruinierten Juden ihre geplünderte Habe ersetzt werde, denn, so lange die Regierung sich nicht dessen bewußt wird, daß das Gesetz nicht nur gegen die Juden, sondern auch zum Schutze der Juden als Bürger dieses Staates zur Geltung kommen muß, wirÄ Galizien immer der Schandfleck unseres Staatswesens bleiben. Zur Berichtigung des Herrn Dr. Löwh. Ans Suczawcr^wird die keine Bücher haben, zum Einsehen während der Unterrichtsstunde und nimmt sie ihnen nach jeder Stunde wieder ab. Er ist auch national: Einst fragten ihn einige Schüler der oberen Klasse am Schlüsse des Unterrichtes, was er vom Nationalismus resp. Zionismus denke; da ward sein Antlitz bleich nnd mühsam preßte ev zwischen den Zähnen hervor: „Sprecht nicht von solchen Sachen. Der Herr Schuldieiier kann cs noch hören, dann bin ich verloren." Ein tapferer Mamil Er erinnere sich mich an feinen. Schüler Herrn Barver, der iveiß von der nationalen Erziehung durch Herrn Dr. Lölvh gar manches Liedchen 31t singen. Kann endlich Herr Dr. Lölvh leugnen, Geld des Herrn Drag empfangen> zu haben? Wofür? Herr Dr. Löwy täte im eigenell Interesse besser, den begiliiiendcn liationaleii Strom nicht stören zu wollen. S ch 0 tz e r. Die Pmde'sche „Bolkszeitung" bringt über das jüngst in Trautouau ab gehaltene Lest des Freisinnigen Turnvereins eine höchjstl instruktive Notiz, die wir ohne weiteren Kvmmeutar dev jüdischen Öffentlichkeit zur Kenntnis bringen. , Sie schreibt: „Es war eine auserivähkte Schar von Äuserwählten, die da zusammeugekommen waren, und mit Schaudern wandten sich manche von dem Bilde ab, das der Festzug bot. Bon den 600 Turnern, die aus Oesterreich erschienen waren, gehörten 260—280 der jüdischen „Religion" an, wie sich Bürgermeister Rauch wieder einmal so schön ansdrückte. Reichsdeutsche Turner waren etwa 300 erschienen, die meisten hatten natürlich keine Ahnung, in welche Gesellschaft sie' da geraten würden. Breslau durfte nicht fehlen. Die ganze Veranstaltung entbehrte jener hehren Begeisterung, welche stets den idealen Bestrebungen innewohckt. Die Bevölkerung betrachtete Wohl mit Neugierde die einziehenden Vereine, hatte aber nur selten einen freudigen Willkvmmensgruß für sie. Ebenso fehlte dem Augartenfeste die echte, frohe Festesstimmnng. Die Vereine blieben meistens beisammen und unterhielten sich abgesondert von ihren oft nichtarischen Genossen, deren Zahl hiebei keineswegs gering war. Reden, die gehalten wurden, bezweckten gewöhnlich nur Ehrung der erschienenen Vereine, besonders der reichsdeutschen. So verlies das Fest ganz tu dem Sinne, in welchem es veranstaltet war, ohne Erhebung des Gemütes und Nationalbewußtseins." Revision des Prozesses Hnlsner? Aus Olwütz wird uns geschrieben: Vinzenz Zelinger aus Polna, dessen Geisteszustand bereits längere Zeit in der Sternberger Irrenanstalt untersucht worden war, wurde aus Grund des abgegebenen! ausführlichen Gutachtens für unzurechnungsfähig erklärt. Nachdem Zelinger jedoch noch in der Strafanstalt vier Strafen wegen Majestäts-Beleidigung abzubüßen hat, wurde! beim hiesigen Kreisgerichte die Wiederaufnahme jener Prozesse eingeleitet, respektive Schritte zur eventuellen Kassierung der obgenannten Strafen unternommen. Die diesbezügliche Entscheidung wird seitens der Bn'umer Oberwinzigen Philosophen (sein Miniaturbild) ersucht, sich seiner anzunehmen. Dieser, fast noch ein Knabe, hat zwei kaum den Knabenschnhen entwachsene Studenten gebeten, eine Berichtigung anfznsetzen und Unterschriften für dieselbe zu sammeln. Diese sammelte» nun eine Kollekte für eine Schauspielerin zur Anschaffung eines, Milmenstrnnßcs nnd bei dieser Gelegenheit auch Unterschriften. ' Alters- und Gesinnungsgenossen spendeten beides. Erblickten Sie i hierin keine beschämende Ironie, Herr Doktor? Um aber dem! Ganzen ein Ponem zu geben, eventuell wegen der Kollekte von der „Regierung" nicht, lvie Dr. Schaffer, bestraft 311 werden, machte mau ' ernste Miene nnd berlangte vom Knltnsgemciildepräses Dr. Adolf, Finkler mich die Unterschrift. Sie wurde mit Recht verweigert, aber i sein Sollizitator drückte die Stampiglie bei. Nach diesem Erfolges?) j hat man es tvohltveislich unterlassen, diese bollkommen uiitvahre; Berichtigung den: Präses des Zioiisvereines, Dr. R. Raehmuth, zur' Unterschrift vorznlegen. Und erst die Berichtigung selbst. Unser, Herr Rabbiner ist wohltätig: Er besitzt einige Exemplare Religious-, bncher; die nimmt er zum Unterricht mit, verteilt sie den Schülern,! Prozesse revidiert werden, in denen Zelinger der Angeklagte war, sondern auch der Prozeß Hülsner, in dem Zelinger ein Hauptbelastungszeuge war, zumal, wenn man sich erinnert, daß der damalige Justizministcv nur durch die Drohungen Ernst Schneiders, über ihn Enthüllungen zu bringen, davon abgehalten wurde, das Verfahren gegen Hnlsner wegen mangelndem Tatbestand einzustelken. Ausland. F'ür Auswanderer nach Südafrika. Das englische Generalkonsulat ersucht um Aufnahme folgender Zeilen: Der citonuc und mit Rücksicht auf die gegenwärtige Lage unverhältnismätzig große Zufluß von Fremden mich Südafrika hak die großbritannische Regierung veranlaßt, durch zwei Zirkulare vom 15. und 17. d. den Konsulaten die größte Strenge bet Ausstellung von Landnugserlaubuisscheincn aufzutragcn, und zwar im Interesse des Publikums selbst. In .Oesterreich ist zur Ausstellung solcher Erlaubnisscheine nur das englische Konsulat in Triest berechtigt und Parteien, welche solche anstreben, haben nachstehende! Dokumente beizubringen: einen Paß, rin von der Potizeidirektion oder einer anderen österreichischen Behörde ausgestelltes Wohlverhaltlmlgszeugnis, den.Nachweis öiber drn Besitz von 2400 Kronen außer den 3teisespeseu und über die Fähigkeit, nach der Landung sich selbst zu erbalten; die Angabe des Grundes, aits welchen sich die betreffende Person nach Südafrika begeben will; die eidliche Erklärung, daß der Betreffende im letzten Kriege nicht gegen die Engländer gekämpft habe; schließlich haben sich die Interessenten in der Zeit von 0 Uhr vormittags bis 2 Uhr nachmittags persönlich im Konsulate vorzustellen. Personen, welche sich nach Südafrika begeben wollen, um dort erst Arbeit oder irgend eilte Anstellung zlt suchen, also ohne einen bestimmten Berits, erhalten in feinem Falle die Erlaubnis zur Landung. Die Erlaubnisscheine gelten übrigens nur für die Landung in einemder südafrikanischen Häfen, während zur Fortsetzung der Reise iils Innere am Landungsplätze um eine weitere Bewilligung anzusuchen sein wird. Ntaxirnilian Harden plaudert in seiner bekannten Weise in der letzten „Zn k u n f t" über die Sande n u u b 61 e s t n >- n n 11 p s q e n 0 s s e n und lveist insbesondere hin, mit ivelcher drakonischen Strenge jüdische Schwindler bestraft Iverden, lvährend christlich-germanische mit einem blauen Auge davonkonnnen. Ec sagt: „Und meine Fra» schrieb gestern ans Franzensbad: Ein Gluck, das; kein Jude dabei ist!" — „Das letzte Glas ans das Wohl Ihrer weisen lllattinl Sie hat ja so recht. Es wäre anders gekommen, lvenn die NLvbilmachung gegen jüdische Bankdiebe gerufen hätte. Wolfs nnd Sommerfeld ivaren doch Läppereien im Vergleich mit den neuesten Niederbriichen; und tvelcher Lärm damals! Leipziger und Lölvh Zuchthaus, der alte Wolfs zehn Jahre Gefängnis. Jetzt ist kein eiiniacr Sohn Abrahnms ans der Strecke. Der Dessauer Colm,