Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 4 (1902)
- Issue
- 31 (1.8.1902)
- Date
- 1902-08-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 31 Jüdisches Vnlkuhmti Seite 3 Nr. 3J. rtut im uerltdjcu m unvb esc Misrm jedoch ' bafj nn kt zu teige Os OIIZU' it haben Ynpotenz lie jsraetonarchi!: .'deiitung Wiener Steuern innnNieh X'u keine Wahlen konform dürfen. vadjfene gliedern erfüllt lieh itnb hr^oder größten haben, schlingt, ksschulich verseitens 'knngsrattunes ne rein Budget bleiben und in t klage aller ausend angebbiuer. ich für foTbct: ncirtcii inb es te Bestellen; r eine' er die n den sorger behalt bcirmaguug ibarer ie berik bcciner nur in n, und ladenlschaft eiilen s Gcdlulatz if den ihrem liehen iwug) lsse es isiims Bibet Abiiesetzabbarehrer it der rnser, ls die dolski ttsten snudber-- ausll sie auch n'den r iit onnc,. Doch vahr. wzcse nikus; r ge-- ndet der: die ien: von: lichtsihtrn. pciteititlet Ellt- '.Vrnn, Freite fr HHH August i N02 Zeit voir der Kultusgemeinde, eine feste Nustellung mit entbrechendem Gehalte zu erlangen. Noch viel desolater gestatten sich die Zustände in Betreff der Gemeinde-Gotteshällser. Die Wiener Kultusgcmcinde besitzt deren gegenwärtig nur drei, von denen auch nur Zwei aus Genündemittelu erbaut wurden, die übrigen Synagogen in ben BeZirken sind von den betreffenden Bethcnlsvereineir aus eigenen Mitteln errichtet worden. Sämtliche ständigerr Synagogen und die ad hoc zu den hohen Feiertagen: adaptierten., iit der Regel der Würde njicht entsprechenden Betlokale fassen für kaum, fünftausend Besucher Raum, während weitere neuuzigtauscnd Glaubeitsgeitosseir, non denen anZnnchmen ist, das; sie Verlangen trageir, einem Gottesdienste bciZnwohnen, außerstande sind, ihren religiösen Pflichten uachZukaiuemu, auch dann, wenn sie, was ja nicht iunner der Fall, iit der Lage tväreu, den Obolus für die Benützung eines Bethaussitzes zu leisten. Diese und noch viele andere jämmerliche und klägliche Zustände ntüssen beseitigt werden. Die Mitglieder der Wiener Knltusgenteinde haben das unbestrittene llleeht. zu verlangen, daß der Killttlsvorstaitd ihiten Gelegenheit biete, ihren, religiöseir Pflichten nach jeder R'ichtnng hin no.chkamin.en zu können. Wie und iit welcher Weise dies zu geschehen habe, dies auseinanderzusetzen, behalten srir uns für gelegene Zeit vor. ♦ fl* (Orig.-Korr. des „I. V.") „Ich zog durchs lueite Ungarland, mein Herz fand keine Freude", so möchte Lenau heule ausriifeii, der ueuesteus mngharisiert iverdeil soll; nach seinem Tode wollen diese Deutscheiifresser den deulseheu Dichter zu einen Magnaten stempeln; doeh das mögen die Deutsehen mit ihnen ausmaehen. Aber auch als Jude fand ich viel veehalteue Trauer in Ungarn, die seltsam mit dem Reichtum kontrastierte, mit der Mutter 9 Ja tut tu verschiveuderischer Saune dieses Land bedachte. Denn auf diesem üppigen Boden wohnt eine Schar vo» Heloten, die für Taglöhite von 40—00 Kreuzern ii t Erntezeit robotet; tuen nimmt es wunder, meint diese Bauern masseuhaft ausivaudern? Nur diese Klique von Pfaffen, Magnalett mtd Faiseuren, die rein glauben, das; tmser Herrgott diese slovakischeu, ungarischen und rtimänisehelt Battern ttttt daztt geschaffen hat, das; diese Klique sieh mästet. In ihrer Schlauheit ivolleu sie der AuSwandertnig stetierit, nicht etwa dadurch, daß sie die klebeusbedingimgen der Feldarbetter günstiger gestalten, nein, sondern der Weisheit letzter Schlus; ihrer AnswattderungSkongresse ist — polizeilich die Auswanderung zu berhiuderit. Mau sagt vou Oesterreich — mit Recht oder Unrecht — das; iit ihm ein durch S eh l a mp e r e i gemilderter Absolutismus herrsche; mit grösterem Rechte kamt «tan von Ungarn sagen, daß heute ein durch Korruption gemilderter Absolutismus herrscht. Wetnt man dieses gotigesegttete Land ditrehstreift, überall trifft man auf Spuren, wie eine dickwäustige Klique ihre eisernen Krallen darüberhält. Nun uius; matt zugeben, daß in jedem Laude und in jeder Gesellschaft in eiitem gewissen Aufaugsstadiunt die Herrschaft Weniger kulturfördernd wirkt; Ungarn befand sieh zur Zeit des ersten Ausgleiches in einem solchen Siaditun, aber die Durehsührtmg der Kuliurarbeitett wurde in die Hände der magharischeu Rasse^ allein gelegt, einer Rasse, die absolut die anderen im Lande lebenden lveder an intellektueller Kraft noch an Zahl übertrifft. So sieht denn die neumagharisehe .Kulturarbeit darnach ans; alles Anstrich, alles Tünche nach den neneften Mustern, schaut man aber ein bistchen hinter die Kulissen, dann stinkt es. Die Aufschriften auf den Bahnhöfen, die Sprache der Beamten, stockmaghariseh; aber im Cotipee hört man Deutsch, Slowakisch — ja sogar Magyarisch hörte ich zwei Mitreisende reden. Dasselbe Bild bieteit Strasten ttnd Geschäfte, aber desseit ungeachtet gibt es in Ungartt ttttt eine geheiligte politische N a t i o it, die magyarische. Mitarbeit und Avancement stehen. tute dem frei, der dieser Rasse enisprossett ist oder ztt ihr übergeht: die Gesittmmgsliltnperei findet immer ihren Lohn. Wie habett Sie früher gcheisten? .... Die letziett Wahlen haben allerdings die Machthaber im Natioualkosino stutzig gemacht; die gar nicht existierenden Iiaiiouen erhoben ihr Haupt und entseltdeteu ihre Vertreter. 9inn, die Gentry gcdettkt die Nationalitäteitfrage analog derj Ausivanderlerfrage durch brtitale Unterdrückttug zu lösen. Die anderssprachigen Dorfschulen, die bisher mt Stillen blühten, werden tttagharisiert. Die Lehrer bekommen für ihre Bekeyriiiigsversnche Prämien, die nächstett Wahlen werdett tttU Acilitär gemacht Iverden — wie sagte ich? Ein durch Korruption gentilderter Absoltitismtis. Während man aber für Magyarisierungsversuche immer Geld hat, mangelt es in den Städten und Städtchen an den ttotwendigsten Kulturlverken, an Spitälern, Waisenhätlsern, an hygienischen Mastregelu, lute Wasserleitungen ttnd Kanalisiertntgen. Etttschliestt man sieh endlich da und dort ztt derlei Batlte», so fällt itnmer ein Teil der Banstlinme — ins Wasser. Die ttiedere Beamieusehaft ist elend gezahlt tind die goldenen Schnüre ttnd pcotzigen linifortttett stillett keinett hungrigen Magen. DaS alles sind Montente, die eine Umwälztutg der bestehendett Verhältnisse mit zwingender Logik herborrtifen. Die Latiftmdiett haben Nom zugrtntde gerichtet; sie werden Ungarn zugrunderichteu. Die herrscheuide Schichte zeigt alle Merkmale einer entarteten Klique. DaS, ivaS die Magyaren grvst gemacht hat, ist nicht ihre geistige Kraft und nicht ihre physische, sondern das ängstliche Festhalten au den ererbten Traditionen, die Selbstztteht. Darin berühren sich Inden und Magyaren. Aber die Enkel und Nachbeter haben von der altmagyarischett Eiitfaehheit tind Sittenstrenge nur die KalpakS und die Zigetitterntusik geerbt; sottst stöhnt die Getttcy und ihre Nachbeter tmd Aithättgsel einem Luxus, der langsaut, aber sicher den Boden untergräbt, auf bent sie steht. Die Rasse verschlechtert sieh, da die Herren des Landes sich mit ben Töchtern der Fremden bermischen. Das Uerbige besorgeit die Mischehen. Verlästert Ivir aber das Fatniliettleben, mtb wollen wir das Sittenleben allster Hanse schildern, so versagt uns der Griffel. Der Kundige weist, in welehem Punkte das Leben in Ungarn intübertroffen bm steht; es ist kein Dörfchen so kleine .... Die Nachrichten aus dem „dunkelsten Budapest" oder „aus den Geheiimtissen von Budapest", die in den letzten Tageit die Runde in den Tagesblättern machten, bilden eine Bestätigung, wenn es einer bedürfte; charakteristisch ist es aber, dast die Polizei die ganze Angelegenheit bertiischt hätte, wenn nicht Vaszonyi und die Sozialdentokraten eingegriffen hätten. Das ist kein Wunder; sind doch hohe Herren kompromittiert und in diesem Augenblick wird ein „Salon" eine Stätte der Verehrung. Durch und durch faul ist die hecrscheude Klique, mit einem Worte, und ihre Sünden schreien zum Himmel. Lemberger Srief. (Mistbranch der Kanzel zu politischen Zwecken.) So oft wird gegen den Mistbrauch der Kanzel zu politischen Zlvecken gesprochen und geschrieben, allein es> geschieht doch. Wahrend der jetzige Kultiisborstand es nicht duldet, das; Wählerbersaiitmltiiigen in den Synagogen abgehalteu werde», während der Wahl der KultnSgemeinderepräsentanz wird zu polnischpolitischen De in o it st rati o u c u der Tempel auf dem ehemaligen Fi sch platze stets dazu hergegeben, so es gilt, irgend einen polnischen Schabernack ansziispielen, den Grasten zur Freud und zur Augenweide, den Kindern, um sie vor Gott, dem Herrn Israels, in das allein seligmachende Polentum einznführen. Diese Tempelentiveihnng, dieser Tempelbetriig geschah seinerzeit zu Lebzeiten des Oberpolen und polnischen Heistspornes B. Geldmann. Da wurden alle wie immer Namen habenden Feste der polnischen Heiligen gefeiert und deren Heldentaten besungen. Diesmal, da es gilt, dem deutschen Kaiser ein Schamatt seitens der Polen zu bieten, heute, wo die Polen jesuitischen Glaubens Händel mit der deutschen Nation anznfangen sieh getrauen, öffnet die jüdisthe Gemeinde die Pforten des Tempels. Die Orgel erdröhnt, die weiblichen Soprane quietschen, der gemischte Chor fällt ein — alles zum Lobe der polnischen Nation, Jngiellos Tapferkeit und seiner Verachtung des deutschen Krenzritterordens — weg mit den Preichen I — Prediger Caro predigte — ich hörte nicht was. — Darf man nicht mit Recht fragen: Mit welchem Rechte gebraucht der Prediger jüdisthe Worte im jüdischen Gotteshanse für rein christliche Heroen? Soll unser erhabener König David schon vor 2000 Jahren seinen Psalter für Jagiello bestimmt und seinen „Hallel Bezeith Jsroel Mimizraim" just auf die Jagiellonen gesungen haben? O edler König Judas, wie lässt du deine herrlichen Schätze so unbarmherzig den Plagiatoren zum Opfer fallen! Aber auch die studierende Jugend, die Pseudo-Mosaisten, schliesten sieh sinnlos der politischen Komödie an und machen die Strastenzüge mit. O taumelnde Jugend, dir fehlt der jüdische Nacken, der jüdische Geist der Erkenntnis, dir fehlt dein nationales Selbstbewusstsein. — Eine Schafherde ohne Führer — ausgeliefert jedem Verführer. Diese Jugend hat gestern die politischen Ilmzüge mitgemacht, um ihre Zugehörigkeit zur polnischen Nation zu demonstrieren. Allein ebensolvenig wie Statisten bei den glänzendsten theatralischen Aufführungen zum Artistenensemble gezählt werden, ebensowenig werden die Inden zu den Polen. gezählt, wo es sich darum handelt, die Gleichberechtigung mitzngemesten. Ja, Statisten, Gesindel, Komperserie können und dürfeir sie abgeben — die Anch-Polen mosaischer Konfession — zu jeder Parade. Nian Ivird sieh freilich verstecken hinter dem hebräischen Wrisheitsaussprnch: di'w ib ir>n2 zu deutsch: des lieben Hausfriedens willen hauen die Polen mosaischer Konfession über die Schnur, ja sich selbst über den Kopf. Sagt an: Was aber machen die Polen israelitischer Konfession für euch, für eure Väter von wegen des Friedens. Die Antwort lautet: Indenreine autonome Aemter und Schulen — für die jüdische Intelligenz — judenreines Flachland und Kolka rolnieze — für die jüdischen Bauern. Rubinstein. Franks n r t a. M., im Juli. Ich habe seinerzeit versucht, an dieser Stelle die Zustände der hiesigen jüdischen Gemeinde zu besprechen, und wie sieh vielleicht die geehrten Leser noch erinnern, cs erwies sieh damals, dass sie nicht gerade glänzend waren. Ob sie sich seitdein gebessert haben, entzieht sieh meinem Urteil rind ich will daher auch auf die inneren Verhältnisse der hiesigen Jndenheit nicht eingehen, sondern einige änszere Erscheinungen berühren, die die geehrten Leser dieses Blattes interessieren dürften. Zunächst die Rabbinerdersammlimg. Aber Sie müssen nicht glauben, das; ich Ihnen alle Einzelheiten dieser Versammlung sthildern werde, nein, denn dazu brauchte ich ein ganzes Fläschchen Tinte, ein Dutzend Federn und nrindestens ein Buch Papier, und daS alles kostet mehr, als — ich sage eS offen — der Be r ich w r stak testloh n beträgt. Also daher wollen wir< uns! nur die Tagesordnung ansehen, und auch davon nur einige Punkte berühren. Die Peusionsberhältnisse der Rabbiner interessieren uns Ivenig; aber der Mädchenhandel und die Hebung der sozialen und politischen Lage der galizischen Juden umsomehr. Gar viel und schön wurde über den Astidche»Handel gesprochen. Und doch glaube ich, dast diese Frage nicht so wiehtig ist, wie die allgemeine Hebung der Lage der galizisehen Juden. Hier liegt die Wurzel alles UebelS. Da hätten die heiligen Männer stärker einsetzen müssen und nicht, wie es geschah, es dem Hilfsbereiue zu überweisen, sich mit der Frage zu befasse». Schon lange spricht und schreibt man von der Tätigkeit, die der Hilfsberein entfalten soll — aber was geschah schon? Wie leicht wäre es, hier in Deutsthland eine Mk-illion Mark zu besehaffen und damit Darlehenskassen zu errichten, wie es in Wien seit einer Zeit geschah, um so den armen Inden Galiziens im Kampfe, runs Dasein zu rlisterstützen, damit er nicht beraulastt werde, zu Mitteln zu greifen, die dem ganzen Judentum zur Schande gereichen. Und gerade hier in Frankfurt, in diesem Eldorado könnte man so etlvas leicht bewerkstelligen. Hat doch die Stadt Frankfurt im Laufe des Jahres von jüdischen Bürgern einige Millionen Akark zugelviesen bekommen und Ivarnm sollte sich denn nicht auch einer finde», dem das Wohl der armen Juden ebenso nahe liegt. Die - L-tadt Fraiilfnrt hätte »och lauge nicbt eine Anleihe machen oder Zn Konkurs geraten müssen, wenn sic die zwei Millionen Mark nicht s bekommen häkle, und die Anerkennung und das Ansehen, die die . hiesigen Juden bei den Nichtjndeu geniesten, ist sicherlich nicht so : gros;, als das; man sie nls Entgelt betrachten könnte. Das zeigte sich erst vor einigen Tagen, als in einer hiesigen Stadtverordnelen-! Sitzung über den internntionalen Kongrest gegen den Mädchen-- handel, der in Frankfurt slattfinden soll, verhandelt wurde. Die Stadt soll '1000 Mark hergeben, um den Gästen einen Empfang zu bereiten. Dagegen protestierte einer der Sradiväter energisth nirdi iZlvar mit der famosen Begründung: Die Mädchenyäirdler seien j Juden und gehe dieser Kongres; der Stadt gar nichts an. — Recht i so, Herr Slndtverordneter, Frankfurt hat einen guten Magen, kann I selbst alles vertragen. — Aber ich bemerke, die Mädchen haben mich vom Ausgangspunkte meines Themas gelenkt itub will daher schleimigst zurück znm heiligen Snnhedrin und noch einen Punkt berühren. Ein Rabbiner Hai —- mit Absicht oder zufällig, konnte nicht fesigesteilt werden — den Zionismns in seine Rede eingeflochten, also somit das Wort „national" gebraucht. Na, da hatte cr etwas Schönes angerichtetI In einer Rabbinerversainmlung von „Nativnalilät" zu sprechen I Das ist doch unerhört, und der gute Herr Rabbiner imistte das Terrain aufgebeu und sich die Deutung des Vorsitzenden gefallen lassen, derznfolge er lder erste Redner)! nur zufällig Dieses Thema berührte und nicht die Absicht hatte, darauf einziigehen — o mores, o temporal — Herr Rabbiner Dr» Hvroivitz hat gelegentlich — so wurde berichtet — gesagt: Wenn es sieh darum handelt, dem Jndenlinn Wasser zu geben, werden alle Hirten den Stein von dem Bronnen ivälzen; aber mir scheint, dast die Hirten — ich meine die in der Bibel — gerade deshalb den Stein nicht beseitigen konnten, iveil der eine rechts, der andere links zog, ivährend es dem Jakob allein geklingen ist, iveil er alle Kräfte in sich vereinigte, und sv müsste es auch heute geschehen. Alle müssen ihre Kräfte vereinigen und ivie e i n Manu den Stein, der leider überall auf dem Judentum lastet, nbivälzen. DaS aber kann nur durch die nationale Vereinigung geschehen. — Die anderen Punkte der Tagesordnung Ivill ich, ivie gesagt, nicht weiter behandeln. Sie lvaren sehr interessant und lvurden gründlich behandelt. Da ich min werke, das; dieser Brief umfangreicher iuird, als die Briefe im gewöhnlichen Leben, ivill ich JhreGednld nicht mehr in Anspruch nehmen. Ich verspreche Ihnen aber, bald wieder, ivenn Sie sich erholt haben, einen Brief zn schreiben. DaS Thema? Ja, Sie sollen es lvissen. Die hiesigen Theater sind jetzt geschlossen und ich habe deshalb Ferien, ich brauche keine Kritiken zu schreiben. E i n Theater jedoch ist immer in voller Tätigkeit und dieses heisst „Jeschiba". Da ich diesem Ensemble vor Zeilen angehörte, will ich mir ivährend der Ferien einige Vorstellungen ansehen und Ihnen darüber eine objektive Kritik znkommen lassen. I. W.! KlLÜKMb. Personalimchricht. Fräulein Therese K o r n m e h l, Tochter des Vizepräsidenten des Jüdischen Volksvereines für den 16. und 17. Bezirk in Wien, hat sieh mit Herrn Leo Färber verlobt. Stiftung für arme Witwen. Am 15. Oktober 1002 gelangen die verfügbaren Interessen der Katharina v. Goldstein'schen Stiftung ans dem Jahre 1001 im Betrage von 2100 Kronen an fünf hilfsbedürftige Witwen aus dem Zibilstande in der Weise zur Verteilung, dast drei Witwen mosaischer und zwei Witweir einer christlichen Konfession je der fünfte Teil dieser Interessen eingehändigt wird. Anspruch haben Witiven, deren Ehemänner in der Zeit vom 10. Juli 1001 bis 15. Juli 1002 ohne Hinterlassung eines Vermögens gestorbeir sind und namentlich dem Rabbinats- und Lehrerstande angehört haben. Zur Einbringung der in der Magistrats-Abteilung 18 31t überreichenden Gesuche wurde der 26. August 1902 als Terrnin bestimmt. 1 Wien. Mit großem festlichen Gepränge fand am 20. ds.! im Tempel in der Settenstettengasse die Vermählung des Herrn Mareell Schaff, Sohnes des Grostgrimdbesitzers und Vizepräsiden- ■ ten der Lemberger isr. Kultusgemeinde, I. 1k. Dr. Simon Schaff, init Fräulein Clara Sachs, Tochter des Grostindustrielleii und Znckerfabriksbesitzers M. R. Sachs in Kiew, statt. .Die Tracmng wurde im Beisein einer illnstren Gesellschaft durch den Prediger Rabbiner Dr. Caro ans Lemberg vollzogen. Ans Anlas; dieser Vermählung hat Dr. Schaff eine ganze Reihe humanitärer Lemberger Institute mit ansehnlichen Spenden bedacht, ansterdem auch andere Liebesgaben zur Verteilung gebracht. Es erhielten der Kaiser Franz Josefs-Fonds zur Unterstützung armer jüdischer Studierender 000 K„ der Verein zur Unterstützung jüdischer Mittelschüler 200 K., das jüdische Siechenhaus 600 K., der Verein zur rituellen Bespeisnng der Kranken 200 K., der Verein zur Unterstützung von Wöchnerinnen 100 K., der Rigorosanten-Verein 100 K., die Volksküche 100 K., der Vorstand der Gemeinde zur Verteilung an verschämte Arme 760 K., der Verein jüdischer Frauen „Przhtnlek" 200 K. Ansterdem fand auf Kosten des Herrn Schaff eine Festbespeisnng im Lemberger Sieehen- und Waisenhanse statt, ivährend in der dortigen Volksküche 500 Gratisportionen verabreicht ivurden. Alldeutsches. Zrir Zeit der bekannten Affäre Tschan-Seidk- Wolf machte der praktische Arzt Dr. Hollmatz anS Bodenbach in einem Restaurant in Tetschen über den derzeit beurlaubten Professor Dr. Seidl mehrere Aensternngen, die dessen Verhakten zn seiner Braut und nachmaligen Gattin, geborenen Tschau, unb dessen Vorgehen gegen Karl Hermann Wolf in herabsetzender Weise kriiffkerten. Als Professor Dr. Seidl von diesen Aensternngell erfuhr, forderte er von Dr. Hollmatz Satisfaktion, die ihm dieser beriveigerte, mit der Begründung, er zlveifle an seiner Ehrenhaftigkeit, Professor Seidl möge ihn klagen. Dies, geschah auch, ivorauf Dr. Hollmatz den Wahrheitsbeweis anbot, in ivelehem der Professor neuer unehrenhafter Handlungen geziehen wurde, iveshalb derselbe eine zweite Klage einbrachte. Einer der znm Wahrheitsbeiveise gestellten Anträge des Angeklagten lautete ans Herbeischaffung jenes Memorandums, Ivelches Professor Dr. Seidl seinerzeit in dlngelegenyeit des Abgeordneten Wolf und Fräuleins Tschau an Schönerer gerichtet hat. Infolgedessen hatte sieh auch das Bezirksgericht Josefstadt im Reqnisitionswege mit dieser Angelegenheit zu befassen. Abgeordneter Berger erklärte, von bem Verbleib des MemoruidumS nichts zu lvissen, ivährend Abg. Schönerer die Auslief.'rang dieser Zuschrift Professor Seidls beriveigert haben soll. — Die Verhandlung ivird nun im Laufe des nächsten Monats beim rcquiwmmm B